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mit Zlnterhaüungs -Anlage „Zlkustrirte Sonntags-Zeitung" "" p-ter»a-Se Nr. 2 (Baimoait).

28. Jahrgang.

Inwa, Mittwoch, den 8. Mai 1901

M 105.

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im Verhältnisse zum Zucker besteuert werden ollen. Man kann nicht leugnen, daß der Zucker nach diesem Beschlüsse ganz erheblich stärker be» astet sein würde, als die künstlichen Süßstoffe, diese aber verhältnißmäßig um beinahe 50 v. H. geringer zur Besteuerung herangezogen werden würden. Und dabei ist noch zu berücksichtigen, daß der Zucker nicht nur ein Süßstoff ist, sondern auch Nährwerth besitzt, während den künstlichen Süßstoffen jeglicher Nährwerth abgeht. Man änn nicht ohne weiteres die Bedenken von der Hand weisen, die es hat, wenn man den Nähr- toff Zucker verhältnißmäßig um die Hälfte höher mit Steuer belastet, als die künstlichen Süßstoffe, die jtglichen Nährwerthes entbehren.

Wenn man sagt, man dürfe die künstlichen Süßstoffe nicht allzu sehr vertheuern im Jntereffe der ärmeren Schichten der Bevölkerung, so ent­kräftet man damit schwerlich alle die Bedenken, die gegen die Herabsetzung der Süßstoffbesteuerung vorgebracht werden können. Jener sozialen Rück- ichtnahme kann man auch soziale Gründe ent­gegensetzen: die Zuckerindustrie beschäftigt zahl­reiche und gut bezahlte Arbeitskräfte; bei der Her- iellung von Saccharin werden menschliche ArbeitS- !räfte in nur sehr geringem Umfange gebraucht. Auch aus diesem Grunde verdient die Zucker- ndustrie kräftige Berücksichtigung vor den chemischen Fabriken, die nebenher auch Saccharin und andere künstliche Süßstoffe erzeugen. Vom sozialen Ge- ichtspunkte aus läßt sich also eine stärkere Heran­ziehung der künstlichen Süßstoffe zur Steuer eben­falls rechtfertigen.

Ein neuer Antrag liegt jetzt der Reichstags- komwisston vor, die sich mit der Vorberathung des Gesetzentwurfes über die Besteuerung der künstlichen Süßstoffe zu beschäftigen hat. Der­selbe ist zu dem achten Paragraphen des Gesetz­entwurfes eingebracht und will augenscheinlich den Grundsatz jener im vorigen Jahre gefaßten Reichstags-Resolution in die That umsetzen. Nach diesem Anträge soll der im Jnlande ge­brauchte Süßstoff einer Steuer unterliegen, die dasjenige Vielfache der jeweiligen Zuckersteuer beträgt, um welches die Süßkraft deS chemisch reinen Süßstoffes die Süßkraft des Zuckers übersteigt, mit der Maßgabe, daß dis Höhe der Abgabe für ein Kilogramm Süßstoff auf einen durch zehn theilbaren Betrag nach oben ab­zurunden ist. Die Steuer soll aber mindestens achtzig Mark für ein Kilogramm chemisch reinen Süßstoffes betragen. _______

Die Kommission deS Reichstages hat die zweite Lesung deS Gesetzentwurfes am gestrigen Dienstag erledigt. Im fünften Para­graphen wird bestimmt, daß die von der Steuerbehörde zum Handel mit Süßstoff und süßstoffhaltigen Zubereitungen zugelaffenen Per­sonen zu einer genauen Buchführung über ihren Süßstoffbezug und über den gejammten täglichen Absatz, insbesondere der Einzelposten über 50 Gramm, verpflichtet sind. An den achten Para­graphen wurde folgender Absatz angesügt:

„Sofern Süßstoffe in den Verkehr gebracht werden, deren Süßkraft die deS Zuckers um mehr alS das 550fache übersteigt, erhöht sich die Steuer um je 5 Mark für jedes weitere Fünfzigfache der Süßkraft."_______

nationalliberale Blatt keine recht zuverlässige Qulle in diesem Falle. Freiherr von Kammerstein, der neue Minister des Innern, oll übrigens nach neueren Meldungen dem Reichskanzler Grafen Bülow seit längerer Zeit chon persönlich nahe stehen.

X Herrn ^Höffer, dem neuen Handels­minister, klirgen schon recht kräftige Begrüßungen aus verschiedenen Zeitungen entgegen. Aber der Ton dieser Begrüßungen ist je »ach der politischen Stellung dieser Blätter recht verschieden. Herr Eugen Richter schreibt in der .Freisinnigen Zei-

An dem Steuersätze von 60 Mk. für das Kilo­gramm (§ 23) ist auch in der zweiten Lesung >er Kommission festgehalten worden.

Roman au8 dem Wiener Leben.

Bon L. v. N e i d e g g.

------ (Nachdruck verboten.)

• 3ur Besteuerung der künstlichen Süßstoffe.

Am 7. Juni 1900 hat der Reichstag eine Resolution angenomm!», die folgenden Wortlaut hat:

„Der Reichstag wolle beschließen: die Ver- „bündeten Regierungen zu ersuchen, spätestens „Anfangs der nächsten Session des Reichs- „tages einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch welchen die Besteuerung des Saccha- "rins und ähnlicher Süßstoffe in einer „der bestehenden Zuckersteuer und der „Süßkraft der künstlichen Süßstoffe „entsprechenden Höhe gesichert wird."

Diese Resolution ist damals von einer sehr starken Mehrheit im Reichstage angenommen worden. Wie hoch dir künstlichen Süßstoffe be­steuert werden müßten, wenn nach dem Sinne jener Resolution verfahren werden sollte, sagt die Begründung, die der Bundesrath seinem Gesetzentwürfe brigegeben hat. Danach über­trifft der Süßwerth des chemisch reinen Süß­stoffes stach der von der Wifferrschaft im allge- meinen als richtig anerkonnten Behauptung der Hersteller den des Zockirs etwa um das Fünf­hundertfünfzigsache. Wollte man dieses Verhältniß zu Grunde legen, so würde sich bei einer Zuckersteuer von zwanzig Pfennigen eine Süßstvffsieuer von hundertzehn Mark für das Kilogramm ergeben. So liest man in der Begründung des Gesetzentwurfes der Regierung. Dieser Gesetzentwurf schlägt aber nicht eine Steuer von hundertzrhn Mark vor, sondern ist bereit- erheblich von diesem Satze herunter­gegangen, indem er eine Steuer von 80 Mark für daS Kilogramm vorschlägt. In der Be­gründung heißt es darüber: „Bei einer sach­gemäßen Besteuerung muß indessen auch der schr viel höhere Gebrauchswerth der einer Gewichts emheit Süßstoff an Süßkraft gleichkommenden Zuckermenge und die leichtere Absatzfähigkeit des ZnckerS berücksichtigt werden." Um dieser noth- weudigen Rücksicht gerecht zu werben, schlägt also der Gesetzentwurf der Regierung einen Steuersatz vor, der mit seinem Betrage von 80 Mark um 30 Mark hinter demjenigen Steuer- fatze zurückbleibt, der der Forderung jener Re­solution des Reichstages entsprechen würde. Die Kommission deS Reichstages, der der Gesetzent- wurf zur Vorberathung überwiesen ist, hat bei der ersten Lesung desselben den Beschluß gefaßt, unter diesen Steuersatz noch herunterzugehen, nämlich die Steuer nur auf 60 Mark für das .Mogramm künstlicher Süßstoffe zu bemessen.

Man kann von vornherein überzeugt fein, daß auch dieser Beschluß der Herabsetzung der Steuer auf sechzig Mark auf Gründen be­ruht, die sich hören lassen. Aber er wird schon ein wenig schwer fein, ihn in Einklang zu bringen mit der Resolution, die der Reichstag am 7. Ium vorigen Jahres gefaßt bat, wonach die künstlichen Süßstoffe nach der Maßgabe ihrer Süßkraft -.M^WWWDM>MWM»MWWMWSWSW^WWWWNNWVW

Deutsches Deich.

Berlin, den 7. Mai.

* Das Kemdlchr-io-n des Kaisers an Herrn von Wignet anläßlich dessen Ent­lassung wird im Reichs- und Staatsarzeiger ver­öffentlicht. ES lautet:

Mein lieber Staatsminister Dr. von Miquel!

Ihrem wiederholten Gesuche um Entlassung aus den Aemtern als Vizepräsident Meines Staats­ministeriums und als Finanzminister habe Ich durch Erlaß vom heutigen Tage Folge gegeben. Mit Be­dauern sehe Ich Sie aus Ihren Stellungen scheiden, tn welchen Sie Sich so große Verdienste um Mich, Mein Haus und das Vaterland erworben haben. Wenn es bisher gelungen ist, den großen und neuen Aufgaben auf allen Gebieten der Staatsverwaltung gerecht zu werden, so ist dies nicht zum geringsten Theile Ihnen zu danken, der Sie mit sachkundiger und glücklicher Hand eine neue finanzielle Grundlage ür den preußischen Staat geschaffen haben, auf >eren Festigkeit auch in Zukunft gerechnet und gebaut werden kann. Es ist Mir ein herzliches Bedürfniß, Ihnen für Ihre treue und segensreiche Arbeit und die aufopfernde Hingebung, mit der Sie Ihres ver­antwortungsvollen Amtes gewaltet haben, Meinen wärmsten Dank auszusprechen. Um aber Ihre großen Erfahrungen und Ihre hervorragende Kraft dem ^.Staate auch ferner zu erhalten, habe ich Sie als Zeichen Meines besonderen Vertrauens auf Lebenszeit in das Herrenhaus berufen. In steter Dankbarkeit verbleibe Ich

Ihr allezeit wohlgeneigter König Wilhelm R.

Schlitz, den 5. Mai 1901.

An den Staatsminister Dr. von Miquel.

-f- Herr v. Lncanns, ter Chef des Kaiser!. Civil - Kabinets, bleibt im Amte. Die «Nordd. Allgem. Ztg.' läßt sich darüber ossizws vernetz- nehmen: „Die Angabe über einen Wechsel in der Stellung des Chefs deS Geh. Cwil-Kabinets ist bereits von anderen Tagesblättern als müßiger Klatsch bezeichnet worden. Wir find in der Lage, dieses Dementi als vollkommen zutreffend zu bestätigen." — Wir haben in der,Fuld. Ztg/ von jenem „müßigem Klatsch" gar keine Notiz genommen, weil er den Stempel der Erfindung doch gar zu deutlich an der Stirne trug.

+ Die Wr«Sesetz«ng des prentzischerr Mirotsterirom» de» Ämter» bedarf noch einiger genauer Beleuchtung. H-rr von Brth- mann-Hollweg, der Oberpräsident der Provinz Brandenburg, war bekanntlich zuerst zum Minister des Innern auSersehen. Man wird annehmen müssen — bemerkt die ,Kceuz-Zeitung' — daß von der Absicht, ihm die Leitung des Ministeriums deS Innern zu ftbettragen, auf fein eigenes Ansuchen Abstand ge­nommen worden ist." Herr von Bethmann- Hollweg, so lautet eine Information der natio­nalliberalen .National-Zeitung' über biefeibe Angelegenheit, soll eine Bedingung gestellt haben, die „dem konservativen Partei-Jatereffe ent« sprach", und diese Bedingung sei nicht ange« nommen worden. Freilich ist daS genannte

bulbig, nachdem sie ihn lange angefihtu. „Be­sinnst Du Dich noch, ob wir allerhuldreichst daS Geschenk anmhmen sollen? Ziehst Du vor, eil P.-pi Gruber an den Kopf zu wechn und Dich hinterher von ihr aeslachen zu lassen?"

Schweigend nahm er ihr daS Papier an­der Hand und entfernte sich damit.

Im Flur begegnete ihm Anna, die, ihr Ge­betbuch in der Hand, auS der hl. Messe kam. Un­willkürlich dachte er an jenen Märzmorgen zu­rück, an dem er ihr um die gleiche Stunde be­gegnet war. Damals hatte sie fein Frühstück getheilt, ihn von Urbach'S Werbung unterrichtet und feine Zustimmung zu derselben sich er­schmeichelt. Wie rosig und heiter hatte sie an dem Tage aukgesehen, wie freudig hatten ihre Augen aufgeleuchtet bei seinen Worten! Und nun? Tiefe Schatten lagen unter ihren Augen, der kindlich frob* Ausdruck des Gesichtes war dahin, und ein frostiger Zug, der sie um Jahre alterte, hatte ihn ersetzt. Sie hatte das Leben von seiner rauhesten Seite kennen lernen müssen, deren Anblick wie ein Medusenhaupt auf sie ge­wirkt, Frohsinn und Unbefangenheit der Jugend tn ihr erstarrt hatte. An Menschenkenntniß reicher, an Illusionen ärmer, ging sie nun durch do- Leben.

Sie gab sich Mühe, den Vater freundlich zu begrüßen, aber gerade heute wollte die alte Herzlichkeit nicht wieberkehren. An biefen Wendepunkt ihres Lebens gelangt, empfand sie schmerzlicher benn je die Größe beS Opfers, das er non ihr forderte, und ihre Bitterkeit äußerte sich m Blick und Ausdruck..

„Daran hat er wahrscheinlich gar nicht ge- bacht. Daß er mir aber die Papiere gegeben, da« siehst Du. Wie kämen sie sonst her? Nun aber verlaus' schnell das eine, damit ich der Hexe, der Stieber, heut' noch eine Abschlagszahlung machen kann."

Lächelnd hielt sie ihm da» Papier hin. So unbefangen die vollendete Schauspielerin dabei auch blickte, ihren Mann vermochte sie doch nicht ganz zu überzeugen. Eben so wenig konnte er sich aber zum Entschlüsse aufraffen, ihr die Papiere gewaltsam wegzunehmen, und, damit zu Frau Gruber zu eilen, sie zu fragen, welche Bewandt- niß es eigentlich damit hätte.

ES war arrzunehmen, daß Stephanie den alten Onkel zur Schenkung überredet hatte; jedenfalls befaß sie die Papiere aber dann doch zu Recht, während die als geizig bekannte Prpi das Geld unter allen Umständen für sich bean­spruch ?n würbe. Und die Summe war so be­trächtlich! Mit derselben konnte wie mit einem Schlage alles verscheucht werden, waS jetzt sein Leben trübte . . .

Stlptzanie sah sein Zaudern und lachte ver­ächtlich in sich hinein. Hätte er nur wenigstens den Mvth, offen Farbe zu bekennen, dachte sie bei sich. „Nun, was wird'-?" fragte fie unze-

Er errieth, waS in ihr vorging, that jedoch, als merke er es nicht.

So fromm? Wie würde man sich ver­wundern, wüßte man, wie eine Primadonna ihren Tag beginnt!" scherzte er.

„So bist Du also der Ansicht, daß Gottes­furcht und Zugehörigkeit zu dieser Bühne sich gegeusettig ausschließen?" war ihre Antwort.

Sie war kaum über ihre Lippen, als fie dieselbe ttef bereute, denn bet Vater zuckte unter dem Geitzelhiebe zusammen. Steckte sie benn so ttef im selbstgefälligen Bewußtsein eigener Recht- schaffenhett brin, daß fie eS nicht lassen kounte, den Vater zu kränken, dessen durchfurchte Züge doch daS trostlose Gepräge inneren Zwiespalte- trugen? Tiefe- Mitleid mit feiner Schwäche er- griff sie; nach feiner Hand fassend, fie zu küssen, bat sie in sanftem Tone, er möge ihr die un­überlegten Worte verzeihen.

„Gern, gern!" versicherte er und zog bte Tochter an sich. „Du fühlst Dich eben Unglück- lich über das Engagement, nicht wahr, und daS ftimmt Dich bitter?"

„Anna antwortete bloß durch ein Neigen deS KopfeS — wozu wiederholen, waS er ja längst schon wußte?

„Du rennst wie ein Bögelchen gegen die Sitter Deines Käfig» an . . . los sein möchtest Du, nicht wahr?" ,

„Ja, wenn daS möglich wäre! ries fie, un­fähig, länger an sich zu hatten. „Zu einer an­deren Bühne, alS daS Thalia-Theater . . . wo­möglich als Konzertsängerin auftteten, wenn das erregbar wäre!"

tung* von Herrn Möller, dieser habe „gleichzeittg mit den Führern der Agrarier mit Entschieden­heit, ja mit Begeisterung der Standpunkt der Miquel'scheu Sammelpolitik vertreten, sei sür die Erhöhung der Zölle auf Lebensmittel sehr leb­haft eingetreten und von jeher ein Liebling der Konservativen und Agrarier gewesen". I« geraden Gegensätze dazu meint ein antisemitisches Organ: Die Berufung Möllers werde den Lgrarkonseroativen recht unangenehm in den Ohren klingen! Das ist Thatsache, daß Herr Möller eines der hervorragendsten Mitglieder des Zollbrirathes war, der unter dem Grafen Caprivi den Handelsvertrag und Zolltarif mit Rußland ausarbeitete. Aber daraus kann man doch wohl noch keine Schlüsse auf Herrn Möller in feiner neuen und verantwortungsreichen Ttzätigkeit al- preußischer HandelSminister ziehen. DaS sozialdemokratische Berliner Centralorgan spricht Herrn Möller auf seine besondere Art an alS „Minister des Zentralverbandes der Indu­striellen": mit Herrn Möller beziehe jetzt der Zentraloerband Wohnung im Handelsministerium selbst — und schließlich begrüßt daS Organ de» freihändlerischen „Handelsvertrsg-VereinS" die Ernennung Möllers als einen für die Bestrebungen des genannten Vereins glücklichen Umstand. Wer sich aus allen diesen Widersprüchen einen VerS zurecht machen kann, mache fich ihn. In Wahr­heit wirb man, um ein Urtheil über Herrn Möller al? Minister zu erlangen, bei ihm auf Thaten warten müssen.

* In der ,greif. Ztg.' des Herrn Engen Richter lesen wir: „Zwei Wnstersivave«, „fromm und heiter", waren einst auf dem Sym- nafium zu Neustrelitz, Bernhard o Bülow und Hans Frhr. v. Hammerstein. Lang', lang'

„Vielleicht ließe fich daS machen. Vielleicht auch . . . vielleicht könnte man zurückgreisen auf etwas, dg- Pir ganz h»fSnberS am Herzen lag . . . verstehst mich schon!"

„Damit ist'S vorbei," antwortete fie ruhig. „Vorbei? Unwiderruflich? Warum?" „Weil eS Elfahrungen gibt, die man nicht vergißt. Bitte, laß' uns weiter nicht davon reden, Vater. Ich fü'chte, wir verstehen un» nicht."

Allerdings verstand er sie nicht. Er ging und schüttelte den Kopf, dachte aber, daß die« nur eine vorübergehende Mädchenlaune fei, daß Anna zum Vergeben wie zum Vergessen sich gleich bereit finden lassen würde. Er wollte ihr Gelegenheit geben, die» zu beweisen; gleich am nächsten Tage, wenn diese erste Aufführung vorüber, wollte er mit Stephanie ein ernste» Wort reden und ihr sagen, rote der Schatz, den sie erworben, verwendet werden müsse. In diesem Augenblicke wenigsten» glaubte er an seine Fähigkeit, Mannesmuth zu ^‘Sraui'ig blickte Anna dem Vater nach. War sein Sinn schon derart getrübt, daß er bie eigenen Hirngespinste ernst zu nehmen vermochte- Wie und woher hätte ihnen Allen Hilfe kommen sollen, um den Verbindlichkeiten gegen Carneri gerecht zu werden? Begriff er denn auch nicht, daß ihr £eri, — nachdem es sich unter Qualen von seiner Liebe losgetrennt — zu stolz sein mußte, um eine Annähnung zu suchen, die Franz nicht begehrte? Nein; zur Laufbahn einer Künstlerin war fie ge­drängt worden, und wollte bei ihr verbleiben; nur mußte e« wahre Kunst fein, der fie biente.