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* Die neuen Minister.

Wie wir schon gestern telegraphisch mittheilten, meldete gestern Vormittag eine Sonderausgabe des »Reichs» und Staatsanzeigers':

Seine Majestät der König haben Allergnädigst geruht: dem Vizepräsidenten deS Staatsministeriums und Finanzminister Dr. von Miquel,

dem Staatsminister und Minister für Landwtrth- fchaft, Domänen und Forsten Freiherrn von Hammerstein-Loxten und

dem Staatsminister und Minister für Handel und Gewerbe B r e f e l d

unter Belassung deS Titels und Ranges eines Staatsministers die nachgesnchte Entlassung auS ihren Aemtern zu ertheilen, zugleich den Staatsminister Dr. von Miquel auS besonderem Allerhöchsten Bertrauen auf Lebenszeit in daS Herrenhaus zu berufen, dem Etaatsmintster Freiherrn vonHammerstrin-Loxten die Krone zum Großkreuz des Rothen Adlerordens und dem Staatsminister v r e f e l d das Großkreuz des Rothen AdlerordrnS mit Eichenlaub zu verleihen, sowie

den Staatsminister Freiherrn von Rhein­baben unter Entbindung von der Verwaltung des Ministeriums des Innern zum Finauzminister,

den bisherigen Staatssekretär deS ReichSpostamtS, Wirklichen Geheimen Rath von Podbielski zum Staatsminister und Minister für Landwirthfchaft, Do­mänen und Forsten,

den BezirkSpräsi braten, Wirklichen Geheimen Oberregierungsrath Freiherrn von Hammerstein zu Metz zum Staatsminister und Minister des Innern und den Geheimen Kommerzienrath Möller in Kupferhammer zum EtaatSminister und Minister für Handel und Gewerbe zu ernennen.

Seine Majestät der Kaiser haben Aller,nädigst geruht: den Direktor im Rrichspostamt Kraelke zum Staatssekretär des Reichspostamts unter Verleihung deS Charakters als Wirklicher Geheimer Rath mit dem Prädikat „Excellraz" zu ernennen.

Die Namen der neuen Ministerwaren -norher schon bekannt und Lrnannt; nur in Be­zug aus den rieuernannten Minister des Innern bietet die vorstehende Liste insofern eine Üebrrraschung, als nicht Oberpräsident von Bethmann-Hollweg, der zumeist als Nachfolger deS Freiherrn von Rheinbaben angesehen wurde, sondern der Metzer BezirkSpräfident Freiherr Aon Hammerstein dazu auSersehen ist, mit seinem Uebertritt in den preußischen Verwaltungsdienst sogleich die Leitung deS politisch sehr bedeut- famen Refforts des Jnnern zu übernehmen.

Der jetzige Finanzminister Freiherr r»on Rheinbaben ist mit dem Uebergange in daS Finanzministerium an die Stelle zurück- gekehrt, wo er früher mehrere Jahre, und zuletzt auch unter Herrn von Miquel, gearbeitet hatte. Er war zuerst 1887 als Hilfsarbeiter in das Finanzministerium berufen, 1889 zum Geheimen Finanzrath und 1892 zum Geheimen Ober- stnanzrath ernannt worden. Im Jahre 1895 wurde er als Nachfolger deS Freiherrn von der Mecke RegierungäprSstdent in Düffeldorf, wo er sich bald ein großes Maß von Vertrauen er­worben hatte, wie eS ihm nachher nicht in dem­selben Maße beschieden gewesen ist, als er wiederum als Nachfolger des Freiherrn von der Recke am 4. Eeptbr. 1899 zum Minister d«S Innern berufen wurde. Man rühmt dem Freiherrn »o« Rheinbaben auf dem Finanz, gebiete große Sachkenntniß nach und eS heißt, daß er bereits früher für die Uebernahme des Finanzporteflulles alS Nachfolger Miquel« in Aussicht genommen war. @3 scheint, daß der Reichskanzler Graf von Bülow die hervor- «ssssssssssssssssssssssssssssss«

Won Stufe zu Stufe.

Roman ans dem Wiener Leben, von L. v. Neidegg.

61 ------ (Nachdruck verboten.)

Dem Seelenleben des Sohne« ferngehalten, nahm die Mutter um so regeren Antheil an seinem Schaffen. Sie zeigte Jntereffr für alle Verbefferungen, die er in der Wirthschast ein- führte, — mehr noch für die gemeinnützigen Unternehmungen, die er ins Leben zu rufen be­gann. Von einigen benachbarten Ansiedlern unterstützt, gedachte er eine kleine Schule zu bauen, deren Leitung Schwestern anvertraut werden sollte. Der Platz dafür, wie für ein daneben zu errichtendes Kapellchen, war schon ausgesucht; nun, wo der Winter zu Ende ging, sing man an, die Fundamente zu graben. Rathend stand Frau von Urbach dem Sohne Hur Seite, als eS galt, den Plan zu entwerfen für di« den Schwrstern bestimmte« bescheidenen 'Wohnräume. Gern hätte sie reichlich beige- steuert, aber sie war arm geworden, recht arm. Ihr Mann, der sich um de« größte« Theil seines Vermögens gebracht, entblödete sich nicht, einen \ Theil ihres bescheidenen Einkommens zu be- V anfpruchen, da er sonst nicht anständig leben könne, wie er behauptete. Widerspruchslos über- ließ sie ihm daS Gewünschte. ES dünkte ihr \ nicht unmöglich, ihn vielleicht noch von de» schlechten Einflüffen, denen er hingegeben war, loSznlösen und ihn durch Milde und Rachgiebig-

ragenden finanz-wirthschastlichen Kenntnisse des Freiherrn von Rheinbaben höher einschätzt als dessen politische Leistungen im Ministerium deS Jnnern, sodaß wir also auf dem Gebiete der Finanzpolitik wiederum einen tüchtigen Fach­minister haben werden.

Der neue Minister des Jnnern, Be- zirkspräsident Freiherr vo» Hammerstein in Metz, ist auf politischen Gebiete wenig an die Oeffentlichkeit getreten, und sür die Leitung seines verantwortungsvollen neuen ReffortS gewissermaßen ein „unbeschriebenes Blatt". Vielleicht hat er als Bezirk-Präsident von Lothringen die Aufmerksamkeit des Kaisers aus sich gezogen und diesem Umstande seine Berufung an die Spitze deS Ministerium« deS Jnnern zu danken. HanS Christian Friedrich Wilh-lm Hammerstein, Elbhrrr auf Steinhorst, gehört dem zweiten Ast der Linie Hammerstein-Loxten an, fein Vater Wilhelm Freiherr von Hammer­stein war zuerst hannoverscher Staatsminister, dann Staatsminister von Mecklenburg-Strelitz. Freiherr Hans vo« Hammerstein, der neue preußische Minister de« Jnnern ist am 27. April 1843 geboren, hat also vor Kurzem sein 58. Leben-jahr vollendet. Bis 1870 war er Regie- rungsaffeffor in Koblenz, alsdann kam er in das Reichsland, wurde Kreisdirektor in Kolmar, dann in Mühlhausen, aus welcher Stellung er im Jahre 1883 zum Bezirkspräsidenten von Lothringen ernannt wurde. Freiherr v. Hammer­stein ist ein tüchtiger Verwaltungsbeamter er gilt als entschiedener Kanalanhänger.

Der neue LandwirthschaftSmintster v. Podbielski hat durch die nahezu vierjährige

LeUung deS Reichspostamts fich bereits einen Namen gemacht. Man kann nicht leugnen, daß er ebenso eifrig als ehrlich und in mancher Be­ziehung auch erfolgreich bemüht gewesen ist, Re­formen in unserem Post- und Telegraphenwesen zu schaffen, und daß er, obschon er alS ehemaliger Husarenoffizier diesem Vrrkehriinstitute früher ganz fern stand, fich überraschend schmll eiigelebt hat. Er hat bieS wohl vornehmlich seinem organisa­torischen Talent zu verdanken, daS er zu Nutzen ter Landwirthfchaft um so leichter zur Anwendung zu bringen Neigung haben wird, alS er selbst anerkanntermaßen landwirthschastltche Muster­anstalten auf seinem Landgute geschaffen hat. Durch seine parlamentarische Thätigkett im Reichs­tage ist er zahlreichen Parlamentariern bekannt, durch seine Leutseligkeit auch bei seinen Beamten beliebt, und beim Kaiser erfreut er sich der be­sonderen Gunst.

leit zu fich herüber zu ziehen. WaS galt ihr das Geld, wo eS sich um Rettung einer Seele handelte! Freilich, diese Hoffnungen, diese Wünsche verschloß sie in ihrem Jnnern. Die Unversöhnlichkeit deS Sohnes hätte dafür kein Verständniß gefunden.

Aeußerlich einander nahe und dennoch täg­lich weiter von einander rückend, lebte« so Mutter und Sohn in Sokolovic. Bange frag­ten sich Beide, ob die Entfremdung, die zwischen ihnen eingetreten, fich nicht zur unauSfüllbaren Tiefe erweitern würde. Frau vo« Urbach betete und hoffte, — dennoch von allen bitteren Stunden i« ihrem freudenarmen Leben waren dies die schwersten.

31. Kapitel.

I« einem Augenblick der Nervenabspannung hatte Buschmann vor Jahren einmal zu Mor­phium gegriffen. DaS an und für fich gefähr­liche Wagniß mußte für jemand von seiner Charakteranlage geradezu verhängnißvoll werden. Anfangs vorstchrig im Gebrauch, war ec nach und «ach znm Sklaven dieses demoraltstrenden SifteS geworden. Well sein Wille geschwächt «ar, gerieth er unter dessen Botmäßigkeit, — und weil er sich dieser nicht mehr entwinden konnte, schwand seine Willenskraft dahin: eS war ein entwürdigender trostloser Kreislauf, in dem er sich bewegte.

Der Schaffensdrang, der ihn in ftüheren Lebenstagen beseelt, verließ ihn; chaotisch wie seine Gedanken wurden die Kompositionen, die er begann und unvollendet bei Seite legte. Unter

Grschrlnt täglich, ». Ausnahme der Sonn- und Feier- 1 legt. Vierteljahr!.

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M 104. Iuwa, Dienstag, den 7. Mai 1901.

28. Jahrgang.

Herrn v. PodbielSki'S Nachfolger als Staats­sekretär im ReichSpostamte ist der bisherige Direktor in demselben, Herr Kraetke, geworden, ein Fachmann, aber kein Politiker. Derselbe steht im 56. Lebensjahr und gehört seit dem Jahre 1864 der Postverwaltung an. Sell 1881 ist er Postrath und Mitglied deS Kollegiums des ReichS­postamtS; 1884 wurde er Geheimer Postrath und vortragender Rath im Reichspostamt, und 1887 ging er als Gouverneur nach Neuguinea, von wo er 1890 zurückkehrte. Seitdem gehört er wieder dem ReichSpostamte an, und zwar seit 1897 als Direktor der Abthellung I für die technifchea Postangelegenheiten. Kraetke hat wäh­rend seiner postvienstltchen Thätigkeit im Jahre 1879 eine mehrmonatliche Reise nach Amerika zum Studium der dortigen Postoerhältnisse ge­macht und ist vielfach im Auslande zum Abschluß von Verträgen thätig gewesen, so 1885 in Egypten und 1898 in Rußland. Englisch- und Stiebet» ländisch-Jndien und Australien sind dem neuen Staatssekretär von seinen Reisen her bekannt. Seit Schaffung des Kolonialraths gehört er der Körperschaft und ebenso dem Beirath für daS Auswanderungswesen alS Mitglied an.

Die markanteste Erscheinung unter den neuen Ministern ist zweifelsohne der neue Handels­minister Möller-Brackwede, schon deshalb, weil er der Beamten-Hterarchi« bisher völlig fern gestanden hat und mitten aus der Praxi« seiner industriellen Thätigkeit und parlamentarischen Wirksamkeit auf einen Ministerposten berufen worden ist. Der neue Handelsminister Kom- merziknrath Möller-Brackwede ist Theilhaber einer Maschinenfabrik und einer Färberei in Kupfer­hammer bei Bielefeld und steht jetzt im 61. Lebens­jahr. Seit 1893 gehört er dem Abgeordneten­hause an und ebenso lange dem Reichstage und zwar zuerst für Dortmund, dann für Duisburg- Mülheim. Er wird allgemein dem rechten Flügel der Nationalliberalen zugezählt. Seine politische Vergangenheit ist frei von kulturkämpferischen Verirrungen. Er ist eine versöhnliche Natur und Hetzereien, wie sie von seinen Parteigenossen in konfessioneller Beziehung gar zu gern betrieben werben, persönlich abhold, so daß er auch beim Centrum sich eine« freundlichen Verhältnisse« er­freut. Dagegen könnte seine Stellung auf sozial­politischem Gebiete — Handelsminister Möller ist zugleich ein hervorragende« Mitglied be« Central­verbandes deutscher Industrieller — immerhin Bedenken erregen. Wa« er al« Minister leisten wird, müssen wir in Ruhe abwarten.

Deutsche» Deich.

Berlin, den 6. Mai.

ft Der Seuioreukonvenl be» Ileich» tage» wird morgen Mittag zusammentreten um über die Geschäftslage des HauseS zu be» rathen. I« dieser Sitzung wird die Ent­scheidung darüber falle« ob es möglich sei« wird, die wichtigsten Vorlagen noch vor Pfingsten zu erledigen oder ob Pfingstferien eintreten müffen und die Berathungen sich bis in de» Jnnt hinein ziehe« würden.

* Die deutsche Aosteorechuuus für die Axpediti»« gibt ausländischen Blätter«

Sorgen und Entbehrungen, Schmerzen und Seelenleiden haben echte Künstler die herrlich­ste» Schöpfungen hervorgebracht, — sie habe« auS der Tiefe ihres unversehrte« GemütheS ge­schöpft, die Reinheit ihrer Empfindungen hat sie über die umaebende Armseligkeit emporaehoben. Wo aber die" Phantasie regel- und planlo- wal­tet, wo der freie Wille unterjocht ist und Selbst­achtung fehlt, da kann »och — wie bei Edgar Poö — ei» oder daS andere Mal Ungewöhnliches entstehen, die schöne Harmonie, welche daS wirk­liche Kunstwerk bezeichnet, ist aber unwiederbring- ltch dahi».

Je «Sher der Augenblick von AnsaS erstem Auftrete« kam, um fo.unstäter wurde Busch» mannS Wese«. Stunden völliger TheilnahmS» lofigkeit wechselten mit Ausbrüchen von Unruhe. Der Widerwille gegen seine Frau wuchs sicht­lich. Die kleinen Töchter wurden ihm gleich- gütig, selbst an feine Mutter dachte er wenig mehr zurück; um Anna drehten sich feine Ge­danken mit der Ausschließlichkeit einer partielle» Geistesstörung.

Gar manches trug dazu bei, daß er fich mit ihr beschäftigte. Er mußte verwunderte Fragen ««hören, weshalb er die schöne junge Tochter für Carneri'S Bühne bestimme, und er fand keine Antwort darauf. Er vernahm Anspielungen auf Carneris HeirathSabfichten, und wen» er fie auch zürnend zurückwieS, war er fich doch bewußt, daß er zu stirer eigenen Rettung selbst dieses Opfer von der Tochter zu verlangen im Stande wäre. Hatte er ja doch auch in de» letzte» Jchren Alle- geschehe« lassen, — so ost eS

fortgesetzt zu Bemängelungen Anlaß, die, wie die »Nordd. Allg. Ztg.' ausführt, durchaus unberechtigt find. So wird neuerdings u. A. geltend gemacht, daß in der deutsche« Entschädigungsforderung von rund 240 Milli­onen Mark (— 12 Millionen Lstr.) ein Betrag von 220,000 Lllr. für Befestigungen von Kiaut- schon und ein Betrag von 160,000 Lstr. für die deutschen Kabel von Shanghai nach Tsingtau und Tschifu enthalt'n seien. Allen solchen tendenziösen Ausstreuungen gegenüber ist auf- Neue festzustellen, daß sämmtliche Posten der deutschen Forderung ausschließlich solche Beträge enthalten, die sich als Mehrkosten in Folge der China-Unruhen über die Kosten deS gewöhn­lichen Dienstes hinaus barstellen. Die« güt namentlich auch vo» ben für Kiautschou gefor» betten Beträgen. Dieselben stnb sämmtlich burch Einrichtungen und Anschaffungen er­wachsen, die in Folge der chinesischen Unruhe» stattgefunden haben, ohne diese Ereignisse aber unterblieben wären, weil fie für die organische Entwickelung des Schutzgebietes unter gewöhn­lichen Verhältnissen nicht erforderlich find und dennoch aus den bewilligten laufenden Mittel» nicht hätten bestritten werden können. Soweit solche Einrichtungen und Anschaffungen dauern­der Natur find und mithin später in die Ver­waltung des Kaiserlichen Gouvernements über­gehen werden, find a« den effektiven Ausgabe», wie fie der vom Reichstag bewilligte Etat für die Chinaexpedition aufibeist, in der an Chi«« präsentirte« Forderung entsprechenbe prozentual berechnete Beträge abgesetzt worben. Vom Reichs­tag stnb für Tsingtau, und zwar lediglich auS Anlaß der China-Expedition, bewilligt: für d«S Jahr 1900 : 4,420,000 Mark, für daS Jahr 1901: 350,000 Mark, zusammen also 4,770,000 Mark. Der chinesischen Regierung sind dagegen hiervon nur in Anrechnung gebracht etwas über 3 Millionen Mark. Ebenso steht eS mit de» Ausgaben für die deutschen Kabel. Vorn Reichs­tag find dafür bewilligt für 1900 : 3,3 Millionen Mark, für 1901: 400,000 Mark, zusammen also 3,7 Millionen Mark. Von China gefor­dert wird dagegen nur eine AmorttsattonSquote im Betrage von 145,000 Mark.

* Der Ztelchreiv«»- der sozialdemskra- lische« Maifeier widmet der.Vorwärts' eine besondere Ausgabe (Nr. 101 a). Nach dieser Be­schreibung ist der „Weltfeiertag" in der ganzen Welt selbstredend überaus großartig verlaufe». „Die Maifeier ist," so lesen wir da, „daS bewies auch der heutige 1. Mai wieder, zu eisern Fest­tage für daS internationale Proletariat geworben, dessen AuSttlgung den herrschenden Klaffen weder durch Gewaltmaßregeln noch durch hämischen Spott gelingen wird." Das ist e ne recht schöne Phrase sür die Heerde der Mitläufer, aber mit denThat- fachen hat fie nicht viel zu thun. Mag die sozia- listtsche Preffe die Demonstrationen, welche die Parteigenoffen am Mittwoch hier und dort aus­führte«, noch so sehr aufbausche», sie kann damit nicht die für fie unangenehme Wahrnehmung auS der Welt schaffen, daß der Verlauf des „Welt- feiertaqeS" im deutschen Reiche, von Hamburg abgesehen, nicht den Erwartungen entsprochen hat, welche man im soziMischen Lager gehegt hatte. E« «urd? diesmal weit weniger gefeiert als im

ihm auch verwerflich erfchienen, Alles unter» lassen, waS er als lobenswerth betrachtete. Gegen die Trostlofigkeit dieses Selbstgeständniffe! gab es kein anderes Wittel als Morphium, und so mit jedem Tage schritt er roittss euf der ab« schüsfigen Bahn,

In de« Maße alS fei» Trübsinn zunahm, erhellte fich — wenige Zwischenfälle abgerechnet — die Laune feiner Frau. Ihr bodenloser Leicht« finn half ihr immer wieder Über die nächste» Sorgen hinweg. Anna'S Engagement und später deren Heirath mußten ja Hilfe bringen; genügte das nicht, würde sich schon ein neuer AuSweg zeige». Seit fie Anna in die Proben begleitete, die „Bretter, welche die Welt bedeuten", wieder in nächster Nähe sah, war daS nie ganz etnge- schlummerte Heimweh danach stärker in ihr rege geworden. Eine Hoffnung erwachte in ihr, die Aussicht auf genußreiche Zeiten eröffnete.

Wie manchmal während ihres EhelebenS hatte fie fich gefragt, ob es nicht klüger gewesen, wen» fie statt zu heirathe», zur -Bühne zurückgekehrt wäre! Seit ihre flüchtige Liebe zu Buschman» erst der Gleichgiltigkeit, dann der Abneigung Platz gemacht, wollte diese Frage gar nicht mehr verstummen. Alte Kameraden und Bewunderer, die fie hinter ben Konlissen wiedersand. Über» häufte« die «och immer schöne Frau mit Schmei­cheleien und drangen in sie — halb im Ernst, halb im Scherz — zur Fahne, die fie treulos verlaffe», zurückzukehren. Und sie dachte seufzend: Ja, wenn fie nur könnte! Das war doch hier ein ganz anderes, flotteres, sorgloseres Leben, til dasjenige, das fie führte. Hätte fie nur an