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fte*3id*i<te<3. VewlU* tu *OM. mit Nnteryattungs Anlage „IDlstrirte Sonntags-Zeitung"
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M 103.
JuLöa, Montag, den 6. Mai 1901.
28. Jahrgang.
D ^Zweites Wlatt.1 D
Fromme Füge.
Bon Gottfried Wilhelmer.
------ (Nachdruck verboten.)
AIS sie vor längerer Zeit sich kennen lernten, «ar er ein bescheidener Adookatenschreiber und sie eine elternlose Gouvernante; jetzt war er ein glücklicher Ehemann und sie war seine Frau.
Sein ganzes Dichten und Trachten war darauf gerichtet, es dermaleinst zur Berühmtheit zu bringen und er glaubte den kürzesten und leichtesten Weg zu diesem Ziele in der Poesie zu finden. Schon früher hatte er Gedichte mancherlei Art geschrieben, die auch theilweise vor den Augen der unbarmherzigen Redakteure Gnade fanden und die sein nicht gerade großes Einkommen um Einiges vermehrten. Die Aufnahme dieser Erzeugniffe seiner Muße und die Anstachelung seines Ehrgeizes ihrerseits weckten in ihm die Hoffnung, daß einstens der Tag kommen werde, an dem er seine bisherige Stellung aufgeben und ganz von den Früchten seiner Feder würde leben können. Besonders Theaterdichtungen begeisterten ihn sehr, weil er in ihnen den besten Weg sah, zur Berühmtheit und damit zur Unabhängigkeit zu gelangen. Ec hatte vor, ein Drama zu schreiben und hatte diesen Plan seiner Frau bereits mit» getheilt. Als sie davon hörte, strahlten ihre Augen vor Freude. Im Geiste malte sie sich schon den Triumph aus, den ihr Mann erleben werde, wenn das Stück bei seiner Erstaufführung den Beifall des Publikums finden würde. Nichts konnte sie stolzer machen wie gerade der Gedanke an den Ruhm, der ihrem Gemahl bevorstand. Bon jetzt an dachte sie nicht mehr an die rielen kleinen Entbehrungen, dir sie sich ihm zu Liebe auferlegt hatte. Wie oft hatte sie nicht von dem geringen Haushaltungsgeld ohne sein Wiffen einige Groschen zurückzelegt in dem Gedanken, daß es ihm vielleicht noch einmal nützlich sein könnte. Das hörte jetzt auf. Sie glaubte einer glücklichen Zukunft entgegenzusehen und dachte nicht mehr an die nicht gerade beneidenswerthe Lage, in der sie lebten.
Als ihr Ehemann sie nun nach einiger Z.it mühevoller Arbeit benachrichtigte, daß sein Werk vollendet sei, da fand ihr Glück keine Grenzen. Sie baute die kühnsten Luftschlöffer und vergaß ganz dabti die Möglichkeit, daß das Drama vielleicht nicht Gnade vor den Augen der Theater» direktoren finden könnte. Zuerst sollte ihr Mann sich einen neuen Frack machen laffen, damit er, wenn er bei der Vorstellung hervorgerusen «erde, in entsprechender Kleidung vor das Publikum hentrete» könne. Dann wollte sie mit zur erste» Vorstellung gehen, um an seinem Ehrenabend zugegen zu sein, um seinen Triumph miterleben zu können. Nach der Vorstellung würden sie Beide zusammen wieder nach Hause gehen und bei vollbesetzter Tafel ein Gläschen Champagner auf ihr beiderseitiges Glück, sie speziell auf das Wohl ihres geliebten Gemahls, dieses nun so berühmten Schriftstellers, trinken.
„Nicht wahr? so machen wir es," sagte sie, indem sie sich neben ihrem Gemahl, der ganz in seine Arbeit versunken war, niederließ. „Ich werde mir dann ein schönes neues Kle.d machen laffen ; ins Knopfloch Deines neuen Frackes stecke ich Dir eine hübsche Blume, wie sie die großen Herren zu tragen pflegen......" Und sie
schmiegte sich eng an ihn und klatschte vor Freude Wit den Händen wie ein kleines Kind. Er legte die Feder hin und sah sie zärtlich an.
Es war Winter. Die Holzscheite im Kamin — weil sie arm waren, konnten sie sich den LuxuS eines Ofens nicht gestatten — warfen ihren fahlen Lichtschein auf ihr Gesicht und gaben chr, die ohnehin schon sehr-bleich war, gespenster» Haftes Aussetzer. In den letzten Wochen war er immer sehr in seine Arbeit versenkt gewesen, aber er hatte genügend den bedenklichen Wechsel vahrgenommen, der sich in ihrem Aussehen bemerkbar machte.
„Wie bist Du so bleich, meine Liebe?" fragte er sie, ton einer bösen Ahnung erfaßt, »Du siehst ganz außerordentlich schlecht aus; woher kommt das?"
„Ich bin im Winter immer so bleich; im Urbrigen fühle ich mich wohl. Du wirst sehen, wenn der Frühling wiederkommt, werde ich wieder blühender werden. Dein Drama wird dahin einen großen Erfolg errungen haben uns Geld in Hülle und Fülle einbringe».
werden dann in der Lage sei», uvS in wgend einer Sommerfrische zu zerstreuen und Du ?»st der Dir so verhaßten Bureauschreiberei ^bkwohl sagen können."
„Liebste, Liebste!" warnte er, „baue nicht zu
große Luftschlöffer. Wir müssen uns auch auf ein Fiasko gefaßt halten. Du weißt ja, wie es den berühmtesten Männer» aller Zeiten zuerst sehr schlecht gegangen ist." Er brach ab, als er den kummervollen Ausdruck in ihrem Gesichte sah. zog sie in seine Arme und küßte sie, um diese Wolke zu verscheuchen.
„Das Drama ist," so suchte er sie zu besänftigen, „nach meiner beste» Ueberzeugung gut geworden, und um den Erfolg bangt es mir nicht. Aber wenn ich bei dem Versuche, eS an» zubringen, auf Schwierigkeiten stoße, dann darfst Du Dich ja nicht wundern. Es ist gar nicht ausgeschlossen, daß eS durch die Hände vieler Theaterdirektoren wandern muß, bevor eS zur Annahme gelangt ..."
Von diesem Abend an begann eine dornenvolle Zeit für de» bedrängten Mann. DsS Drama wurde dem Direktor eines der bedeutendsten Theater der Stadt zugeschickt und er mußte geduldig auf die Zurücksendung warten.
„Geh'. Mann, geh', bestell' Dir einen neuen Frack! Wenn Du im Theater bei der Vorstellung herausgerusen wirst, sollst Du Dich nicht in dieser abgetragenen Kleidung zeigen," so quälte sie ihn Tag für Tag. Als sie einmal in diesem Sinne wieder auf ihn einzuwirken suchte, fiel fie ohnmächtig zur Erde. Erschrocken hob er sie auf und trug sie auf ein Bett. Ihr Gesicht hatte ein so erschreckend bleiches Aussehen, daß er bestürzt die Hauswirthin rhf. Kaum hatte diese die Kranke gesehen, als fie sofort zum Arzt schickte.
Dieser untersuchte die Kranke; er sah sofort, daß er hier keine Hilfe mehr würde bringen können, bemühte fich jedoch, dieses der Kranken nicht zu Bewußtsein kommen zu laffen.
„Gute Nahrung, viel Fleisch, starken Wein und zur guten Jahreszeit Luftwechsel," so faßte er seine Verordnungen zusammen. „Aengstigen Sie sich nicht, verehrte Frau, seien Sie munter und guter Dinge und befürchten Sie nichts weiter."
Drama hat den Beifall deS Herrn Direktors gefunden und wird in nächster Zeit zur Auffüh- rung gelangen."
Strahlenden Blickes richtete fie sich im Bette auf, zog ihn zu sich hin und küßte ihn unaufhörlich: dann rief sie: „O, Geliebter, endlich hat man Dich begriffen. Meine Hoffnungen waren also doch nicht unbegründet. O, wie danke ich Gott, daß er mich diesen Tag hat erleben laffen."
Dieser außerordentliche Freudenausbruch erschreckte den armen Ehemann. Aber die Nachricht that doch ihre Wirkung. In kurzer Zeit lebte sie wieder auf und war nach einigen Wochen wieder fo weit gekräftigt, daß sie für einige Stunden das Bett verlaffen und, im Lehnstuhle sitzend, von ihm sich etwas erzählen laffen konnte über die Einzelheiten der Unterredung mit dem Direktor.
Er, der Arme, dem eS allmählich unter den Wirkungen seiner Lüge anfing, unheimlich zu werden, erfand, um fie zu beruhigen, eine lange Geschichte, die ihr manche fröhliche Stunde bereitete.
So verging ein Monat. Er tröstete sich Über den Mißerfolg — das Drama war ihm zurück- geschickt worden — mit dem Gedanken, daß es ihr gut gehe. Die Wahrheit konnte er ihr jetzt nicht mehr sagen, dazu war es zu spät. Er mußte also in seiner angefangenen Täuschung fortfahren und sie von der ersten Aufführung seines Werkes benachrichtigen.
Sie nahm diese Nachricht mit hoher Freude entgegen. Ihr Glück war nur noch durch den Umstand getrübt, daß es ihr nicht möglich war, bei derselben zugegen zu fein.
Heute wat der Abend herangenaht, an lern er unverwelkliche Lorbeeren ernten sollte. „Ich sterbe glücklich, wenn Dein Drama Beifall findet," versicherte sie, als er fie beim Abschied zärtlich
umarmte. „Höchstwahrscheinlich wirst Du erst gegen Mitternacht zurückkommen. Wir effen alsdann zusammen, nicht wahr? Komm, laß Dir diese Rose anstecken." Ec küßte sie noch einmal leidenschaftlich zum Abschied und ging dann fort, um mit schwerem Herzen und beängstigter Seele durch die Straßen zu schlendern und sich in Gedanken den Gegensatz auszumalen zwischen dem Bild, das fich seine Frau von seinem Glücke machte, und der Wirklichkeit. Kurz vor 12 Uhr begab er fich heim. Während er den Schlüffe! suchte, bemühte er sich, eine möglichst fröhliche Miene anfzusetzen und begab sich alsdann in das Krankenzimmer. Seine arme süße Kranke saß aufgerichtkt auf dem Bette und hatte, um ihm einen würdigen Empfang zu bereiten, ein hübsche- Häubchen aufgesetzt. In der Mitte des Gemaches stand ein gedeckter Tisch mit verschiedenen Flaschen und auserlesenen Sachen. Jubelnd streckte sie ihm die Arme entgegen und etlunbigte sich nach seinem Erfolge.
„Besser hätte es gar nicht gehen können," antwortete er, indem er sie innig umarmte; „ein von Scene zu Scene sich steigender Applaus hat meinem Drama eine schöne Zukunft gesichert."
Die atme grau war plötzlich wie umgewandelt. Aus ihren eingefallenen Zügen leuchtete der Ausdruck einer stillen, unaussprechlichen Freude:
„Mein Gott, ick danke Dir . . . ., wie bin ich doch so glücklich!" rief sie in höchster Entzückung aus, „jetzt bleibt mir Nichts mehr zu wünschen übrig."
Und bevor er antworten konnte, sank sie zurück auf ihr Lager; ihr Äthern wurde schwer und ehe er daran glauben konnte, hatte sie ihre Seele in seinen Armen ausgehaucht. Das glückselige Lächeln, das bei seinen Mittheilungen übet seinen Erfolg sich eingestellt hatte, tag noch auf ihrem Antlitz, als er sie weinend auf die Bahre legte und ihr den letzten Kuß auf die Lippen drückte.
Das rrrire englische Unterseeboot.
Hierauf begab et sich mit dem Ehemann zu- fam-n aus dem Krankenzimmer ins Wohnzimmer zurück, wöhrend die Wirthin bei der Kranken blieb. Zitternd fragte der geängstigte Ehemann, dem bei der Miene des Arztes schon die schlimmsten Befürchtungen aufgestiegen waren, den Doktor nach dem Namen der Krankheit der Frau und dieser gestand ihm die Wahrheit:
..Ihre Frau hat die Schwindsucht und befindet fich in einem Stadium der äußersten Schwäche. Fortwährende gute Pflege und gutes Effen werden hier viel austichten können. Doch, eS thut mir leid, es sagen zu müssen, dieser Krankheit gegenüber vermag unsere Kunst nichts. Sorgen Sie besonders dafür, daß auch bet kleinste Aetget und die geringste Aufregung von ihr fern gehalten wird. Ja ihrem Zustande könnte auch die geringste GemüthSbewegung für sie verhängnißvoll werden."
Welche Angst hatte der bedauernSwerthe Ehemann bei diesen Worten auszustehen! Aber er nahm sich vor, gefaßt zu bleiben und hoffte, daß seine große Liebe zu ihr ihm Kraft geben werde, seinen ungeheuren Schmerz vor ihr zu verbergen. O, wie wollte er ihr die kurze Spanne Zeit, die ihr noch beschieden war, versüßen! Tage kamen und gingen und bald mußte er die Wahrnehmung machen, daß sie mit unheimlicher Schnelligkeit dem Tode entgegenging. In der letzten Zeit vermochte fie fich schon nicht mehr vom Bett zu erheben.
Eines Tages nahm ihn die Hauswirthin, die während seiner Bureauzeit Wache bei der Kranken hielt, aus die Seite und fragte ihn: „Erwarten Sie vielleicht einen Brief?" „Wie meinen Sie das?" fragte er erstaunt. „Nun, edes Mal wenn Ihre Frau den Briefträger an >ie Thür klopfen hört, geräth sie in eine unbe- chreibliche Aufregung und fragt mich immer, ob 'ein Brief für sie angekommen sei. Wenn ich lhr bann verneinende Antwort geben muß, wendet sie sich um und weint bitterlich. Würde es sich nicht machen laffen, daß sie diesen Brief bekommen, den sie so sehnsüchtig zu erwarten scheint?"
Diese ohne Absicht hingeworfene Frage wurde ür den gequälten Ehemann Beranlaffung. seine ?rau zu hintergehen. Er konnte sich der Wahr- nehmung nicht verschließen, daß die Kranke mit Riesenschritte» dem Tode entgegeteilte. Sie würde also niemals die Wahrheit erfahren 'önnen, würde sich jedoch Aber, diese Nachricht ehr gefreut haben.
Also, so folgerte er, ist die Täuschung ein jutes Werk und nahm sich vor, seiner Frau zu ägen, das Drama fei angenommen worden. Bei einer nächsten Heimkehr vom Bureau seines §hefS brachte er dies Vorhaben zur Ausführung. Festen Schrittes mit triumphirender Miene trat er in das Krankenzimmer und sagte: „Ich habe Dir eine erfreuliche Mittheilung zu machen: das
Nachdem auck die englische Marineverwaltung fich zur Erprobung eimS Unterseeboots entschlossen und mehrere derselben bereits in Bau genommen hat, wird unseren Lesern beistehende Abbilvung des betreffenden, dem Typ des Hollandbootes entsprechenden Unterseeboots willkommen fein.
DaS Hollandboot hat 15,3 Meter Länge bei einem Durchmesser von 3,1 Meter. Seine Gestalt geht aus unserer Zeichnung deutlich hervor. Das Boot hat zwei Maschinen, von denen die eine mit Petroleum geheizt zur Bewegung des Bootes an der Oberfläche dient, während die andere, eine elektrisch betriebene Maschine, zur Bewegung des Bootes unter Wasser dient. Die elektrische Kraft hierzu wird während der Fahrt Über Wasser aufgespeichert. Das Boot hat zwei dreiflügelige Schrauben von 1,400 Meter Durchmesser, welche dem Boot an derOberfläche eine Geschwindigkeit von lO Seemeilen und unter Wasser etwa 8 Seemeilen geben sollen und zwar während einer Dauer von 8 Stunden.
Das Boot hat drei Torpedolanzirrohre, die nicht »ach außen hervor stehen. Zwei derselben find im Vordertheil des Bootes in der Mittschiffsebene angebracht, derart, daß das eine horizontal, daS andere mit der Mündung schräg nach oben geneigt liegt. Das dritte ist im Hintertheil deS Schiffes und ebenfalls mit der Mündung schräg nach oben geneigt plazirt. Die Besatzung besteht aus 10 Mann, für welche die erforderliche Luft in besonderen Reservoirs mitgenommen wird und für 10 Stunden auSreichen soll.
Selbstverständlich hat, schon um deS Geheimnisses willen, England an dem Typ der für seine Marine in Bau genommenen Unterseeboote mehrere Veränderungen oorgenommen. Am ernstesten wird die Unterfeebootfrage bekanntlich in Frankreich behandelt. Neuerdings wird man französtscherseits im Hasen Sotient interessante Versuche anstellen, um die Widerstandsfähigkeit der dicht unter der Oberfläche liegenden Unterseeboote gegen die Geschosse der Schnelllade« Artillerie und Maschinenwaffen zu erproben. Zu diesem Zwecke hat die Regierungswerft Sotient ein caiffonartiges Modell des Unterseebootes „Gymnote" angefertigt. Dieser Caisson, der direkt unter der Wasseroberfläche verankert werden soll, wird demnächst mit Schnelllade» geschLtzen beschossen in der Weise, daß die Geschosse erst eine Schicht Wasser durchschlagen müssen, ehe sie den Schiffskörper treffen. Man wird so leicht ermitteln könne», ob die Schlachtschiffe sich mit ihrer leichten Artillerie genügend wirksam gegen die Unterseeboote oertheidigen können.
Das französische Unterseeboot hatte ursprünglich einen kleineren Typ. Während die neuere» Boote 140 bis 220 Tonnen Deplacement haben, waren die älteren nur 18 bis 30 Tonnen groß. Mn Boot dieses kleineren Typs soll nun zu der obengenannten Beschießungs-Probe verwendet werden.
Man darf auf das Resultat der Beschießung der Unterseebootmodells in Frankreich sehr gespannt sein, da hierdurch ein weiterer Anhalt für die Kriegsbrauchbarkeit und Bedeutung der Unterseeboote gewonnen wird.