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er.»
28. Jahrgang.
IuLöa, Montag, den 6. Mai 1901
Jto 103
stehe.
Tie ist nicht wie Du, sie, die sich unter
Verlödniß lösen
er.
nicht länger ver-
Was ist vorge-
erwiderte er kurz zum Zeichen, daß zusetzen wünsche: lobt."
»Nicht länger
nttb Verlag bn Suldaer Ädfenbralerd peteregage Ur. 3 (Harmonie).
„Wir find verlobt?
daß Freiherr von Rhetnbaben die Welt über- chütten werde mit den Erzeugnissen origineller md großartiger Finanzprogramme. Der Boden ür ihn ist indeflen vortrefflich vorgearbeitet. Einen Finanzmann wie Miquel wird Preußen nicht so bald wieder finden; da» muß ihm auch ein entschiedenster Gegner zugestehen. Von dem ^inanztalente Miquel'» und von den Früchten einer Verwaltung kann sein Nachfolger schon noch eine Weile zehren — wobei hier nur von dem Finanzmanne, nicht von dem Politiker Johannes von Miquel im allgemeinen die Rede sein soll. Auf keinen Fall kann man sagen, daß dies- Nachfolgerschaft im preußischen Finanzministerium eine Aehnlichkeit mit einem Systemwechsel !sabe. Daß übrigen», wie einige Blätter behaupten,
Zweifel mehr obwalten kann über diese Thatsache, wird auch auf einmal klar, was für eine Be- wandtniß es hat mit dem angeblich von ihm zekauften Hause in Frankfurt am Main. Seinerkit wurde ganz bestimmt die Nachricht, er habe >ort ein Haus gekauft, als unwahr in Abrede gestellt. Er hat es auch wirklich nicht gekauft, aber er hat es — gemiethet, und das kommt am Ende auf dasselbe hinaus. Herr von Miquel sat ehedem schon mehr als einmal ernsthaft den Kaiser um die Entlassung aus seinem Amte ge- >eten; vorher hat der Kaiser seine Einwilligung dazu nicht gegeben. Jetzt muß Herr von Miquel früher aus dem Ministerium scheiden, als er es wollte — eine unliebsame Wendung der Dinge für Herrn von Miquel. Vermuthltch wird nach außen hin diese unliebsame Wendung verbrämt werden durch große äußerliche Ehrungen. Man erzählt sich, daß unter anderem bereits von einer Stanbeserhöhung die Rede gewesen sei . . ... Graf Miquel? Die Mitwelt würde schwerlich den persönlichen Geschmack und Charakter Miq uel's günstiger als bisher deurtheilen, wenn Herr Johannes von Miquel, vorher Herr Johannes Miquel, gerade nach dieser Ehre geizen sollte. Wahrscheinlicher klingt schon die Meldung, daß ihm der neu gestiftete Preußische Verdienstorden zugedacht sei, den bisher nur der Generaloberst von Loö erhalten hat. Aber darüber, ob dar Eine oder Andere eintreten wird, werden bte deutschen Staatsbürger schwerlich in Unruhe oder Aufregung gerathen. Fast nur möchte auch der Centrumsmann trotz feiner geringen Freundschaft für Herrn von Miquel sagen: Herr von Miquel hätte eigentlich einen bessern Abschied verdient!
+ Die Minister der thüringische« Staute» werden demnächst — vermuthltch am 15. Mar — in Weimar zu einer gemeinsamen Berathung zusammenkommen, um gegen da» Steigen der Matrikularbeiträge Stellung zu nehmen und sich zu besprechen über die finanziellen Mißstände, die daraus für die Etats der einzelnen Bundesstaaten entstehen können. So wird wenigstens de» ,Berl. Neuesten Nachrichten' au- Weimar gemeldet. Argwöhnische Leute könnten auf den Gedanke» kommen, daß der Gedanke dieser Zusammenkunst auf Berliner Boden gewachsen sei. Den Finanzmännern der Berliner Regierung wird diese Zusammenkunft nebst ihrem Zwecke mindestens nicht unangenehm sein.
® Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, schweben zwischen den einzelnen Parteien Berathungen, die ZÜ-ichstagssttz»»g-« bis etwa zum 14. Mai dauern und dann eine Pause bi» 1. Juni eintreten zu laffen.
4- Die halbamtliche,Berl. Korresp/ schreibt: Bei dem unerwartet eingetretenen Schluß des Landtags hat die N-»envahav-rkag-, deren Einbringung unmittelbar bevorstand, nicht mehr verhandelt werden können. Ihre Feststellung hatte in. diesem Jahre besonders wegen umfangreicher Verhandlungen mit anderen Staaten längere Zett erfordert. Da indeflen, wie der letzte Baubericht der Eisenbahnverwaltung ergibt, mehr als 300 Millionen Mack an gesetzlichen Krediten für neue StaatSvahneä noch offen stehen ganz abgesehen von den großen Mitteln des Extraordinariums und der anßer-
die Carneri-Truppe mischt! . .
Die Mutter hatte den Brief aufmerksam ge» lesen, und sah nun mit blitzenden Augen auf. „Die Du deshalb retten solltest, ehe fie in diesem
des Reichspostamtes, daS persönliche Opfer bringt und Nachfolger des Fretherrn v. Hammer- tein im landwirthschaftltchen Ministerium wird, o kann dabei von einem Wechsel der politischen Srundsätze schon lange keine Rede sein. Allermindestens kann die Behauptung nicht aufgestellt werden, daß Herr von PodbielSki weniger „agrarisch" gesinnt sein sollte als sein Vor- zänger. Vielleicht könnte eher das Gegentheil ravon eintreten.
Das wichtige Amt des Vizepräsidiums im preußischen Staatsministerium soll nach übereinstimmenden Meldungen dem Staatssekretär Grafen Posadowsky übertragen werden, ohne daß dieser ein bestimmtes Ministerium übernimmt. Auch Herr von Bötticher, als dieser einstmals Staatssekretär des Reichsamtes deS Innern war, führte das Vizeprästdium im preußischen Staatsministerium!
Graf von Bülow bleibt der leitende Staatsmann. Graf von Bülow will vor allen Dingen Einheitlichkeit und Geschlossenheit in der Regierung. Graf von Bülow selbst müßte also ein Anderer werden, wenn ein politischer Systemwechsel eintreten sollte. Dazu aber, derlei anzunehmen, hat Graf Bülow bisher noch keinen Anlaß gegeben. Ma» kann in Ruhe und Gelaflenheit der Dinge harren, die nun kommen werden! (Die Ernennung der neuenMinister ist inzwischen erfolgt. Vergl. Depesche. D. Red)
Roman auS dem Wiener Beben.
Bon L. v. N e i b e g g. ------ (Nachdruck verboten.)
30. Kapitel.
• ZumpreußischenMinisterwechsel.
Warum scheiden die Minister von Miquel, Freiherr von Hammerstein und Brefeld aus ihren Aemtern? Man kann nicht recht einsehen, daß daran einzig und allein die Kanalvorlage schuld sein soll. Der Handelsminister Breseld hatte mit diesem Gesetze und seiner Betreibung außerordentlich wenig zu thun; aus keinen Fall kann ihm ein Vorwurf daraus gemacht werden, daß es mit der Kanaloorlage nicht vorwärts gehen wollte, sodaß man wohl annehmen muß, es haben hier noch andere Beweggründe mitgespielt. Und nun gar Freiherr von Hammerstetn! So kräftig, wie dieser für die Kanäle ins Zeug gegangen ist, um nicht zu sagen so derb, hat kein anderer Minister den Vorkämpfer sür die wafferwirthschaft- liche Vorlage gemacht. Es ist vollkommen unmöglich, daß dem Freiherrn von Hammerstein rnegen Kanallauheit der Ministerstuhl vor die ThÜre gesetzt worden sei. Der Eme oder der Andere könnte das eher mit einem Scheine der Berechtigung von Herrn von Miquel behaupten. Aber auch dann, wenn das das Rechte wäre — -was Übrigens nicht wahrscheinlich klingt! —, könnte man wieder nicht einsehen, warum denn nun kanalfaule und kanalfleißige Minister in einen Tops geworfen werden! Kurz und gut, klar ist die Entwickelungsgeschichte dieser Minister- krise nicht. Man kann nur darauf warten, daß sie noch einmal klar werde. Zusammenhang hat sie ja ohne Zweifel mit der Entwickelung der Kanalvorlage, nicht nur äußerlichen, sondern theilweise auch intern; das versteht sich von selbst. Aber welchen Antheil dieser Zusammenhang hat am Ganzen, kann man schwer von außen her deurtheilen.
Graf von Bülow hat, al» er seine neuen Aemter antrat, mit lebhafter Entschiedenheit be- -tont, daß er die Einheitlichkeit innerhalb der Regierung wahren wolle. Man könnte auf den Gedanken kommen, daß der Wunsch des Grafen Bülow, diesen seinen Grundgedanken besser zur Durchführung zu bringen, bei der Gestaltung der Mtnisterkrise auch eine Rolle gespielt hat. Es könnte ja sein, daß Graf Bülow aus der Roth eine Tugend machte und die der Regierung unerwünschte Entwickelung der Kanaldinge in diesem Sinne ausnützte. Aber es ist ein unfruchtbares Beginnen, akademische Betrachtungen darüber anzustellen. Nützlicher ist es, an die vorliegenden Thatsachen die kritische Sonde zu legen.
An die Stelle de» Herrn von Miquel tritt der bisherige preußische Minister de» Innern Frhr. v. Rhein haben. Dieser ist früher, bevor er Regierungspräsident in Düsseldorf wurde, Rath im Finanzministerium gewesen. Aber e» würde ein wenig kühn fein, daraus folgern zu wollen, daß Herr Freiherr von Rheinbaben deswegen ganz hervorragende Eigenschaften für die Verwaltung diese» Amte» besäße, in ähnlicher Weise wie sein Vorgänger. Man wird nicht zu erwarten haben,
aller Leidenschaft in Anna gedrungen. Deine Braut zu werden; dies gibt mir ein Recht z» fragen, was Euch trennt.“
„Was hat sie mir in Deiner Gegenwart gelobt, Mutter?"
„Liebe und Treue." , _
Er lachte bitter auf: „Die hält fie, indem sie Carneri heirathet.^
„Hat fie Dir daS selbst gesagt?" Der To» klang beinahe streng. „Wer wahrhaft liebt, hört richt so leicht auf, an die Geliebte zu glauben; der urtheilt nicht nach dem Schein."
Er schien den Einwand nicht zu hören: „Sie hat geschrieben, ich solle sie in ihrem Entschluß nicht wankend machen, fie ihre» selbst- gewählten Weg gehen laffen. Der führt fie in toeri'« 9«, W« *1- die Bühne zu betteten, geht zum und heitttthet dessen Direktor. Die Zeitungen deuten es an, der Stadtklatsch wiederholt , Widerspruch erfolgt nicht."
„Die Blätter lieft sie nicht, bett Klatsch hort fie nicht, unb zudem wird ihre Umgebung be- müht sein, demselben Nahrung zu geben, statt ihn zu beschränken. Darf ich ihren Brief lesen ® *
Zögernd stand er auf, holte ihn aus feinem Schreibtische, und reichte ihr denselben.
„Dein Idealismus leitet Dich irre, gute Mutter. Du täuschest Dich in ihr;" bemerkte
er- ach ms: Bu-
fallen?" .
„Dasjenige was unser 1----------
mußte. Bitte Mutter, frage nicht weiter."
Sie stand auf, unb legte die Hand auf feine Schulter. „Dies eine Mal unb nicht roiebet. In meiner Gegenwart bist Du mit
rc-, unb
Sie hat mir mein Wort zurückgegeben!" unb nahm eine Zeitung auf er ba8 Gespräch nicht fort-
Zusrrater ©$• einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Psg.,Reklamen die Petitzeile 25 Psg.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.
Herr Freiherr von Rheinbaben sich anfänglich geweigert habe, da» Finanzministerium zu übernehmen, ist unwahr.
DaS Handelsministerium wird einen neuen Chef in bet Person be8 nationalliberalen Ab- georbneten M ö ll er-Duisburg erholten. Ein liberaler Minimer? Nun, Herr Brefelb ist bestimmt kein stramm konservativer Parteimann; unb es gibt Liberale, benen in Amt unb Würben ber konservative Verstand kommt. Schwerlich werden die bisherigen Parteigenoffen des Herrn Geheimen KommerzienratheS Möller als heroorflechendfie Eigenschaft an ihm den Liberalismus bemerkt unb ihn banach beurteilt haben. Herr Möller ist ber Anhänger eines gemäßigten Schutzzolles; unb somit ist auch durch diese neue Persönlichkeit kein Anzeichen gegeben für einen politischen Systemwechsel. Herr von Miquel war ehedem ein weit mehr ausgesprochener Liberaler, als Herr Möller wohl jemals gewesen ist. Ueber liberale Prinzipienreiterei des Ministers Miquel hat sich niemals jemand zu beklagen gehabt — abgesehen von dem einen Fall, wo er die Hauptkraft war unter denjenigen, die das Volksschulgesetz des Grafen Zedlitz-Trühschler zu Falle brachten.
Minister des Innern soll Herr von Beth- mann - Hollweg werden, bisher Oberpräsident ber Provinz Brandenburg — von einem Systemwechsel keine Spur ! Von anderer Seite wird sogar als zukünftiger Minister des Innern der jetzige Oberpräftbent von Hessen- Nassau, Graf Zedlitz -Trützschler, ber frühere Kultusminister, genannt. Unb wenn wirklich Herr von PobbielSki, ber Staatssekretär erwiderte: damit habe es gute Wege. Weitere Fragen an den verschlossenen Freund wagte Alpyons nicht zu richten. Im Stillen vermuthete er: der Idealist habe sich wohl in der Beurthet ung seiner Geliebten getäuscht; im übrigen begriff er gar wohl, daß selbst ein armes Mädchen eine Lust bezeige, in dieser Wilbniß — wie er Soko- lovic bezeichnete — an ber Seite eines ernsten, strengen Mannes zu Hausen. Für ihn selbst, wie für seinen Vater war bie Hauptsache, daß Franz da blieb, unb bie Geschäfte zur Zufriedenheit verwaltete; — ob mit, ob ohne Frau, konnte ihnen beiden gleichgiltig sein. Durch diesen Gedanken beruhigt, reifte er fröhlich ab.
Wenige Tage später traf Fran von Urbach in Sokolovio ein. Freudig war sir dem Rufe des Sohne- gefolgt, der im erste» Glückstaumel gleich nach seiner Anstellung ihr geschrieben unb sie aufgefordert hatte, fein Heim zu theilen. Es war ihr ein wohlthuender Gedanke, sich faaen zu dürfen, daß nun für ihn der Zustand des frucht- losen DahinlebenS, der Unruhe, der Zweifel, vorüber sei. Sie erwartete davon den günstigsten Einfinß auf seinen Charakter, und das fiel bei ihr weit schwerer in's Gewicht, als die Ausficht auf daS friedliche Daheim, da« ihr winkte. Für fich selbst wünschte fie nicht», als stiller Zeuge des häuslichen Glückes ihres Sohnes zu sein; neidlos würde fie der jungen Hausfrau wie den Einfluß auf den Mann, so auf das Schalten im Hause überlassen. Damit war ja Alles erreicht, was fie an irdischen Freuden erstrebte.
Daß die folgenden Briefe die Franz, ihr aus Sarajewo schrieb, nichts mehr von ber über» strömenben Freude ausdrückten, die feinen Soko-
Franz hatte Eile, in feine neue Stellung einzurücken. Er fühlte, daß angestrengte geistige wie körperliche Thätigkett allein das gestörte Gleichgewicht in seinem Inneren wieder Herstellen könne. Zwar ließ er weder Reue noch Bedauern in sich aufkommen und hielt fest an ber Heber» zeugung, gehanbelt zu Haven, wie die Ehre ihm gebiete; dennoch ließ sich bte Erinnerung an dasjenige, waS gewesen, nicht mit einemmale wegwischen. Nur dadurch, daß er entschlossen an die Arbeit ging, konnte er sich vor der Versuchung weichlichen Zutkckblickens befreien.
So rasch er aber auch in Sarajewo feine Geschäfte abwickelte, unb noch Sokolovic zurück - kehrte, — für Marburgers Ungebulb kam er noch immer nicht früh genug. Diesem brannte ber Bode» förmlich unter ben Füßen, seit er Aussicht hatte, ben Freuden ber Hauptstadt sich zurück- gegeben zu sehen. Ausschließlich mit diesen heiteren Bildern beschäftigt, fand er keine Zeit, über die gedrückte Stimmung seines Freundes Bettachtungen anzustellen; erst da dämmerte in ihm die Ahnung auf, es müsse mit dessen Herzens- Angelegenheit nicht Alles in Ordnung sei», als auf seine zufällig hingeworfene Frage: wann wohl die Hausfrau eintrefte, Franz kurz und abweisend
Jeferatf X Parzelle» in Snlda. mit Iluterhattungs-Anlage „Mustrirte Sonntags-Zeitung
Deutsche« Deich.
Berlin, den 4. Mai.
* Den Kaiser nttb der ^täfibewf vo« Kagow. In parlamentarischen Kreisen erzählt man folgenoes: Der Kaiser war anfangs durchaus nicht gewillt, den wegen seiner Kanalfronde zur Disposition gestellten Regierungsprästdenten von Jagow wieder zum Regierungsprästdenten zu ernennen, wie dies die beiden Reffortminister v. Miquel und v. Rhetnbaben beanttagt hatten; der Kaiser verlangte, daß v. Jagow mindestens vorher ihm gegenüber sein Bedauern Über seine damalige Haltung in der Kanalfrage auSsprechen muffe. AIS bie Minister bezweifelten, daß Herr v. Jagow bazu bereit sein werde, wurde ber Prästbent v. Jagow in bas Schloß befohlen. Hier hielt ihm bet Kaiser sehr erregt in längerer Ausführung daS Sündenregister ber Konservativen vor, wobei noch viel schärfere AuSbrücke gebraucht würben als bie jüngst lolportirte Aeußerung über baS Schlucken der Kanaloorlage. Natürlich finb diese Aenßerungen auch ben konservativen Führern bekannt geworben. Herr v. Jagow selbst fand in bieset Aubienz n i ch t Gelegenheit, irgenb etwas zu erklären ober zu vertheidigen. Die Audienz endete mit der Erklärung des Kaisers, daß er trotz alledem die Ernennung des Herrn vo» Jagow genehmigen wolle.
X Sbttt Johannes von Miquel ist nicht freiwillig um bte Entlassung aus feinem Amte eingekommen, wie in verschiedenen Blättern behauptet wird. Ihm ist durch ben Geheimrath von Wilmowski nahe gelegt warben, ben Kaiser barum zu ersuchen, baß er ihn seines Ministeramtes entbinbe. Unb nun, ba kein lovicer Brief erfüllt, wollte sie anfangs beunruhigen. Sie tröstete fich aber mit bem Ge- banken, baß es zu seiner Eigenart gehöre, küh unb gemessen scheinen zu wollen, baß et boher nur in ben seltenen Zeiten bet Erregung sich zu tieferer Gefühlsäußerung hinreißen lasse, bie er sonst als unmännlich betrachte.
Als sie ihn aber wiebersah, konnte sie fich nicht verhehlen, baß eine Versilberung mit ihm vorgegangen sei, baß etwas sich zugetragen habe» müsse, bas zerstörenb in sein Leben eingegriffen. Mehr »och als fein finsteres Aussehen schmerzte sie sein Schweigen. Warum benn in ber stqnen Verschlossenheit verharren, ihr, der Mutter gegenüber, zu ber er als Kind und tm Jünglingsalter vertrauensvoll in seinen Kümmernissen geflüchtet?
Einige Tage wartete fie geduldig auf die Mittheilunge«, die wie fie meinte, nicht aus- bleiben konnten; als aber das hartnäckige Schweigen andauerte, faßte fie sich ein Herz, und fragte ihn, wie eS zwischen ihm und Anna
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