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M 102.
28. Jahrgang.
Iutöa, Samstag, bett 4. Mai 1901.
mit AnterSallungs-Beilage „Illustrirle Sonntags-Zeitungs pdtroeaäe to.^teamonk).
0 Schluß des preußischen Landtages und Minifterwechsel.
Donnerstag der 2. Mai ist ein überraschungs. reicher Tag gewesen. An diesem Tage ist nicht nm der Beschluß gefaßt worden, den preußischen Landtag heimzuschicken; auch mehrere preußische Minister find an diesem Tage zu dem Entschlüsse gekommen, aus ihvn verontwortungSreichen Aemtern zu scheiden. Der Herr Verkehrsminister v. Thielen ist aber nicht bei den „amtSmüden" Ministern. Herr von Thielen bleiet im Amte, und das ist auch eine Ueberraschung; denn bisher hatte man angenommen, er werde das erste Opfer sein, das der rasende See verschlingen würde; am Donnerstag nach der vertraulichen Ministerbesprechung im Hause deS Reichskanzlers schwirrten alsbald Gerüchte umher, daß Herr von Thielen bleibe, Herr von Miquel aber auS dem Amte scheiden werde. Die Gerüchte waren aber noch so unbestimmt, daß es sehr gewagt war, sie zu Besprechungen in den Zeitungen zu verwerthe», und erst der Freitag hat die Gewißheit gebracht: an diesem Freitag, an de« Geburtstage des Reichskanzlers Grafen von Bülow, hat Herr Minister von Miquel um die Mittagsstunde den Kaiser um die Entlassung aus dem Amte gebeten. „Mquel roird's schon machen" — soll einst der Kaiser gesagt haben, als die Kanaloorlage zum ersten Mal an den preußischen Landtag gelangte. Herr v. Miquel hat'S „nicht gemacht", Herr v. Miquel geht jetzt. Herr v. Thielen «der bleibt im Amte als der eifrigste Befürworter und lebhafteste Vorkämpfer für diese wafserwirth- schastliche Vorlage, welche die politischen Köpfe erhitzt und die politischen Federn beschäftigt hat, wie sonst selten eine GesetzeSoorlage. Denn daß das EntlassuugS GesuchMiquel'S vom Kaiser angenommen wird, daran zweifelt Niemand. In der Preffe erscheint gleichzeitig die Nachricht von erneuter Erkrankung deS Finanzminister-, so daß das EntlaffungS - Gesuch schon mit Rücksicht auf den leidenden Zustand desselben genehmigt werden müffe--aus Rücksicht auf die Person,
um die eS sich hier handelt, sei jegliche spöttische Bemerkung in Verbindung mit dieser Nachricht unterdrückt. Daß Herr v. Miquel wirklich feit längerer Zeit immer von Neuem mit ernstlicher Krankheit zu kämpfen hatte, ist allgemein bekannt.
Herr von M'quel scheidet nicht allein auS "dem Amte eines preußischen Ministers. Von dem Handelsminister Brefeld steht eS fest, daß er ebenfalls daS Ministerpalais verläßt; und fast ebenso bestimmt ist das anzunehmen von Freiherrn von Hammerstein-Loxten, dem land- wirthschaftlichen Minister. Angeblich soll auch Herr von Thielen die Absicht gehabt haben, sein Ministeramt niederzulegen; der Kaiser soll indeffen darauf bestanden haben, daß er Minister bleibe. Wenn sich daS so verhält, dann kann daS nichts Anderes heißen, als daß die Regierung damit
Won Stuft zu Stuft.
Roma» auS dem Wiener Leben.
Bon L. v. N e i b e g g.
<58 ------ (Nachdruck verboten.)
Ausspringen und der Tante um den Hals fallen war für Anna eins. So wenig liebenswürdig die alte Frau sich gab, sie mochte sie doch gern leiden, gehörte sie doch gewissermaßen zu Mafing und war sie doch die Einzige, durch welche Anna etwas über die Großmutter erfahren konnte.
Etwas gekränkt, ihre Liebkosungen sehr kühl erwiedert zu finden, trat fie zurück: „Tante, warum sehen Sie mich so finster an?"
„Soll eS mich nicht kränke», das Kind, daS ich liebe, so wiederzufinden? singend, spielend, fröhlich, wo es weinen sollte! Leichtsinniges Ding, willst ja durchaus zum Theater!"
„Wenn ich jemand wirklich lieb hätte, würde id) seine Rechtfertigung anhören, ehe ich von ihm 4>a« Schlimmste glaubte," erwiderte Anna mit Lebenden Lippen.
Die Tante sah ihr in die treuherzigen Augen und ging in sich: „Komm nur, sei nicht gleich beleidigt," beschwichtigte fie, Anna auf die Stirne Affend. Weißt schon, im Reden bin ich schroff, «der lieb hab' ich Dich sehr. Sag' mir nun, gehst Du zum Theater oder nicht?"
„Jawohl, Tante, denn der Vater wünscht eS."
Weiter ließ sie sich nist auS. So sehr seine Handlungsweise fie verletzte, fie hätte eS nicht «tragen, Andere herb über ihn urtheilen zu hören.
vor der Welt bekunden will, daß fie an ihrem wafferwirthschaftlichen Programm festhalte. Arg- wöhnische Menschen könnten auch auf den Gedanken kommen, Herr von Thielen sei zum Verbleiben im Amte genöthigt worden, damit die Sache vor der Oeffentlichkeit den Anschein habe, alS würde an dem Kanalprogramm festge- halten. An eine Au f l ö s un g des Abgeordnetenhauses denkt man nicht. Demselben Abge- ördnetenhause wird man schwerlich dieselbe Kanalvorlage noch einmalzugehen kaffen wollen, Man müßte also die erneute Einbringung des Kanalgesetzes verschieben, bis später ein neues Abge- ordnetenhaus sich versammelt haben wird; und bis dahin würden immerhin einige Jahre vergehen. Auf düse Art würde also der Kanalvorlage ein „Begräbniß erster Klasse" bereitet fein. Es ist freilich auch die Meldung aufgetaucht, dem Schluffe deS Landtages werde alsbald die Auflösung deS Abgeordnetenhauses folgen, «der diese Meldung wird allgemein mit großem Mißtrauen anfgenommen. Man kann auch kaum annehmen, daß die Regierung glauben sollte, durch Neuwahlen eine gefügige Kanalmehrheit zu erholten.
Es fehlt nicht an Meldungen über die ver- muthlichen Nachfolger derjenigen Minister, die den Kaiser um die Entlaffung gebeten haben. Als künftiger Finanzminister wird Frei- Herr von Rheinbaben genannt, jetzt Minister des Innern. DaS Ministerium drS Innern soll angeblich Herrn Dr. von Bitter übertragen werden, dem gegenwärtigen Oberpräsidenten von Posen; und Herr von Pod- bielski, jcht Staatssekretär des Reichspostamtes, wird von den umlaufenden Gerüchten zum neuen Minister der Landwirthschaft gestempelt. Man wird ja sehen, wie weit diese Meldungen die Wahrhett treffen. Der Vollständigkeit wegen sei auch ein anderes Gerücht verzeichnet, wonach Staatssekretär Graf PosadowSky Nachfolger des Herrn von Miquel werden sollte; das Gerücht verdient schwerlich ernst genommen zu werden. Zm allgemeinen wird man mit der Beurtheilung der Gerüchte und Meldungen der nächsten Tage außerordentlich vorsichtig fein müffe».
Herr von Miquel und auch seine beiden Ministerkollegen, die al» amtsmüde Minister gelten, haben am heutigen Freitage der gemeinsamen Schluß-Sitzung de» preußischen Landtages angewohnt. Man kann daran» ersehen, daß die Erkrankung de» Herrn Minister« von Miquel im gegenwärtigen Augenblicke zu Besorgniffen keinen Anlaß gilt. Der Kaiser ist zur Jagd nach Schlitz abgereist. Also entweder steht die amtliche Aufklärung unmittelbar bevor, oder man muß sich bi« zum Empfange derselben so lange gedulden, bi» der Kaiser von seinem Jagdausfluge wieder nach Berlin zurückgekehrt sein wird.
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Deutsches Kelch.
Berlin, den 3. Mai.
* Ileö-r di- Nerändernngen im Staats- Ministerin« gehen allerlei Gerüchte um, u. A. daß auch die Minister Schönstedt und v. Rheinbaben ihren Abschied nehmen würden. Indeffen
„Ach Gott, der Vater? Die Mutter ist's, die gottloie Mutter! UebrigenS in diesem Falle kannst Du auch dem Vater den Gehorsam verweigern; zur Sünde kann selbst der Vater nicht verpflichten."
„Singen ist doch keine Sünde, Tante!"
„Singen allein nicht, schauspielern."
„Auch das nicht. Jenny Lind, die Dustmann, die Melson, sie alle waren beim Theater und sind hochachtbare Frauen gewesen."
„Sie wären nie zu Cnnrri's Thalia-Theater gegangen, mein Kind," erwiderte die Tante mit unerwarteter Schlagfertigkeit.
Anna senkte den Kopf. Da war der Stachel, das fühlte sie nur allzu sehr.
„Und was ist'S mit ihm? Heirathest Du ihn etwa, den schlechten Kerl?"
„Tante!" schrie Anna förmlich auf. „Niemals!"
„DaS ist brav; bleib' nur fest dabei."
DaS Versprechen halte die Tante vollends besänftigt. Im allen freundschaftlichen Tone unterhielt sie sich nun mit Anna. Diese vertraute ihr an, welchen Kummer es ihr verursache, daß auch die Großmutter ihr hart begegne; sie bat, die Tante möge doch gelegentlich bei ihr ein gutes Wort für den Vater und auch für sie einlegen.
„Sie sagt, von mit wolle fie nun auch nichts mehr wiffen," schloß das Mädchen tief betrübt. „Es ist hart, recht hart. Alle hat man lieb. Allen möchte man es recht thun, und so ein schlimmes Wort, wenn einem ohnehin schwer utn'S Herz ist, da» thut weh."
Die Tante fühlte, rote bie eigenen,Äugen feucht wurden, als fie deS Mädchens Kummer sah; daS Herz that chr weh, so gar nicht» für da» awne
ist bisher als ficher nur der Rücktritt deS Bize- prästdenten des Staatsministeriums, deS Handels- ministerS und deS Landwirthfchaftsministers an- zusehen. Ebenso sicher ist, daß Herr von Thielen Minister bleibt, weil feine Thätigkeit in der Kanalkommiffion insbefondere von der Krone rückhattloS anerkannt wird und mit feinem Verbleiben in der Regierung ausgedrückt werden soll, daß die Regierung an der Kanaloorlage un- bedingt festhäll. Gerüchtweise verlautet ferner, wie schon im Leitartikel angegeben, daß alS Nachfolger deS Herrn von Miquel der gegenwärtige Minister deS Innern, Herr von Rheinbaben, als Nachfolger des Herrn von Rheinbaben Herr v. Manteuffel-Kroffen und für den Handelsminister Brefeld der jetzige Staatsministrr des Herzogthums Koburg-Gotha, Herr Hentig, in Aussicht genommen sei. Von anderer Seite wird gemeldet, daß der jetzige Oberpräfident der Pcooinz Posen, Dr. von Bitter, das Ministerium des Innern übernehmen werde und zugleich Vizepräsident des Staatsministeriums werden solle, ferner wird der Staatssekretär Graf Posadorosky als zukünftiger Finanzminister genannt. Für bie Nachfolgerschaft des Lanowirthschaftministers soll Staatssekretär von PodbielSki in Betracht kommen. Wir geben alle diese Gerüchte, die zum Theil den Stempel der Erfindung offen an ter Stirn tragen, selbstverständlich ohne alle Gewähr wieder.
+ Der Mücktritt de« Aerrn v. Miquel wird von vielen Seiten, besonders von den Liberalen uno Börsenleuten, mit lautern Jubel begrüßt. Im Börsensaale der Berliner Börse er-
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schallte laut der «Freis. Ztg.' am Freitag Mittag, als die Nachricht von der Entlaffung M'quei's bekannt wurde, ein donnerndes Hnrrah. Es dauerte geraume Zeit, dis fich allmählich der Jubel legte, — Miquel, der im 73. Lebensjahre steht,übernahm da» preußische Finanzministerium an Stelle v. Scholtz's am 24 Juni 1890. Von 1865 bis 1870 war Miquel Oberbürgermeister von Osnabrück, von 1870—1876 Direktor bezro. Vorsitzender des VerwaltungSrathes der Berliner Diskonto- Gesellschaft, 1876—1880 wiederum Oberbürgermeister von Osnabrück und von 1880—1890 Oberbürgermeister von Frankfurt a. M.
-s-InterpeAatione« i« Zteichsta«. Im Reichstage find mehrere Interpellationen eingegangen. Zunächst ist zu erwähnen eine Inter- Kind thun zu können. Sie tröstete sie und sprach ihr Muth zu mit einer Weichheit, dir mit ihrem sonstigen W-srr, in Widerspruch stand. Sie konnte sich gat nicht entschließen, den Besuch zu beenden, erst als sie mit Schrecken wahrnahm, wie spät eS geworden war und wie Stephanie jeden Augen, blick heim kehren könne, machte sie sich zum Gehen fertig.
Da erst besann sich Anna auf jenes Papier mit den Ziffern, das fie so lange vorgehabt hatte, ihr zu geben, und holte eS schnell herbei.
„Der Onkel hat daS Papier wohl fortge- warfen, und das Stubenmärchen wird es in mein Zimmer verschleppt haben;" erläuterte fie ihren Fund. „Gewiß ist es roerthloS; mit Ziffern soll man aber immer vorsichtig umgehen; hat mich die Großmutter gelehrt .... Tante, erzählen Sie der Großmutter, wie ich mir jedes Wort merke, das sie zu mir gesagt."
Frau Gruber hörte kaum auf das Mädchen. Sie flüchtig küffend, dabei daS zerknitterte Papier festyaltend, fragte sie: „Wo hast Du da» Papier gefunden?"
„In meinem Zimmer, vor der Abreise . . . Sollte es wichtig sein?"
„Ich ... ich glaube nicht."
MU dm ihr, trotz ihrem Ableugnen sehr wichttg dünkenden Funde begab sich Frau Gruber geradewegs zu Doktor Rieber.
„Ich könnte schwören, daß eS die Liste ist, die mir mein Mann gezeigt, die den Papieren beilag;* sagte sie. „Sehen Sie nur: Meiner Frau g-hörig" - stehl hier geschrieben.
„Das ist allerdings ein SlückSfall, daß das Papier vorgefunden, ein großer Schritt »eiter
für uns . . . ein großer Schritt. Wir kv«« nun i" aller Mille m den Wechselstuben die Nummern angeben und daS fitere abwarten.
„Abwarten? N-iN, Abfassen. Die Diebe strafen, exemplarisch."
„Freilich strafen, sobald wir fie haben, was bis jetzt nicht der Fall ist. Gesetzt auch da» wäre die Liste, die im Mann Ihnen gezeigt hat, die Möglichkeit, daß er die Papiere oer- schenkt, bleibt immer noch bestehen. Sind Sie denn so ganz ficher, daß die- nicht der Fan gewesen ist?" „ t
DaS war eS, was ihre Neffen Frau Gruber wiederholt hatten, waS fie aber hartnäckig verwarf.
„Das hätte er mir gesagt" . . stammelte fie.
„Ei, hatte er Ihnen denn gesagt, daß er sein Vermögen, sein aanziS Vermögen, Busch- mann's vermachen wclle. Männer sagen mcht immer Alles, so wenig wie Frauen."
„Ich kann aber beschwören, daß er anbete Absichten mit dem Gelbe hatte."
„Die könnte er geändert hoben, und bie Gegenpartei, die vielleicht Schriftliches in Hände» hat, könnte beschwören, daß er die Wtere verichenkte. Da heißt es vorsichtig fein, «r besann sich. „Sagen Sie . . . kann man md)t ermitteln, ob außer Ihrem Manne noch Jemand über den Schrank gekommen ist? War nicht Ihre Magd im Hause geblieben ?"
„Gewiß."
„Befragen Sie die."
„Ach das war so ein dumme» Dmg, dümmer alc diese Weibsleute gewöhnlich find. Sie glauben nicht, Herr Doktor, was man für Kreuz hat mit ten Mädchen."
pellation de« Centrumsabgeordneten Herold über die Zeit von Vormusterungen von Pferden. Ferner hat der sozialdemokratische Abgeordnete Singer eine Interpellation eingebracht über die Nichtbeachtung der für chemische Fabriken erlaffe- nen Vorschriften in Griesheim. Endlich ist zu nennen eine Interpellation des deutschhannoverifchen Abgeordneten F reih er rn von Hodenberg, ob Schritte geschehen seien zur Befreiung der in Südafrika internirten Missionare, und mit welchem Erfolge. Man nimmt nach wie vor an, daß der Reichstag bis zumPfingstfeste der Hauptsache nach mit seinen Arbeiten fertig werden wird. Der Form nach soll er vor Pfingsten noch nicht geschloffen werden. Die Enthüllung des Bismarck-Denkmals vor dem Reichstagsgebäude ist für den 3. Juni in Aussicht genommen; an diesem Tage soll der Reichstag noch Gelegenheit haben, an der genannten Feierlichkeit theilzunchmen. Außerdem ist eS möglich, daß der Toleranzantrag des CentrumS nicht vollkommen bis zum Pfiugstfeste erledigt werden kann.
h DomHokerauzantrage des Hentrnm» ist in bet zuständigen Kommission des Reichstages am heutigen Freitag der dritte Paragraph angenommen worden; und zwar in folgendem Wortlaute:
„Der Austritt aus einer Reli- gionsgemeins chaft mit bürgerlicher Wirkung erfolgt durch ausdrückliche Erklärung des Austretenden grgenflber der Religion». - gemeinschaft. Die Erklärung ist an da» Amtsgericht des Wohnortes abzugeben. Das Amtsgericht hat die zuständige Behörde der Religionsgemeinschaft hiervon in Kenntniß zu setzen. Die Ecklä'unq kann schriftlich in öffentlich beglaubigter Form abgegeben werden, lieber den Empfang der Erklärung ist eine Bescheinigung zu erteilen."
Auf den Antrag deS Abgeordneten ».Voll- m ar (Sozialdemokrat) wurde noch folgend« Satz zugefügt: ,
, Für die Austrittserklärungen dürfen keinerlei Gebühren oder Stempel erhoben werden."
e zsierzoK **> Kierst-ner. Im deutsche« Reiche bestehen bekanntlich 5 verschiedene Brau- peurrgebiete: das norddeutsche Gebiet, Bayern, Württemberg, Baden und Elsaß-Lothringen. In dem Gebiete der norddeutschen Brauereigemein, schäft ist die Biersteuer bei weitem niedriger, als in den übrigen Brausteuergebieten. Berechnet man die Höhe der gezahlten Steuer rm Durch- schnitte nach dem Hektoliter Bier, so erhält man eine Steuer von nur 75 Pfennigen für das norddeutsche Gebiet, dagegen etwa 2,50 Mark in Baren und 2 27 Mark in Elsaß - Lothringen. Das ist eine Ungleichheit, die in ihrer Art über- rascht Und nimmt man noch hinzu, daß innerhalb des norddeutschen B.austeuergebieteS den Brauereien die Verwendung von Surrogaten gestattet ist zum Unterschiede von anderen deutschen Brausteuergebieten, so findet man, daß das Branrreigewerbe in Norddeutschand bei weitem günstiger gestellt ist, als da« isteiche Gewerbe in anderen Theilen de» Reiches. Diese Begünstigung tritt auch in anderer Beziehung hervor, nämlich für den Zollschutz de« heimischen