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• Reformen im Reichstage.

Der freisinnige Abgeordnete EugenRichter hat kürzlich im Reichstage die Arußernng gethan, es werde ix Folge der schlechten Besetzung des Hauses nothwendig sein, die GeschSftsord« nung deS Reichstages einer Aenderung zu unterziehen. Herrn Richter ist also nunmehr die Srkenntniß gekommen, die Andere schon bet der verathung des Hetntze-GesetzrS und bei dem un­würdigen Spiele gewonnen hatten, daS damals Jerade die Herren Richter und Singer an der Spitze ihrer ObstrukttonS-Truppen trieben. Da­mals wurde vorgeschlagen, bei Fragen der ein­fachen äußern Geschäftsordnung, denen irgend welcher politische Beigeschmack bekanntlich nicht innewohnt, sollten Anträge auf namentliche Ab­stimmung nicht gestaltet sein; außerdem sollten diejenigen Mitglieder des Reichstage-, die einen Antrag mit ihrem Namen unterzeichnet haben, bei der Abstimmung auch dann mitgezählt wer­den, wenn sie nicht persönlich dabei anwesend find. Was Herr Richter jetzt mit Aenderungen der Geschäftsordnung meinte, hat er nicht gesagt. Höchstwahrscheinlich wird es nur eine Frage Ker Zeit sein, Aenderungen an der Geschäftsordnung wirklich vorzunehmex. Hoffentlich verfällt man nicht wieder auf den Gedanken, die Ziffer der Beschlußfähigkeit herabzusetzen; denn daS würde vermuthlich nicht zu zahlreicherem Be­such der Sitzungen führen, sondern zum Gegen« theil davon.

Aber daS muß zugegeben werden, daß die Bewilligung von Tagegeldern au die Mitglieder deS Reichstage- nicht allein htnreichen wird, um für alle Zeiten den Besuch des Reichs­tage- ix vollkommen genügender Weise zu heben. Die Bewilligung von Tagegeldern wird ohne Zweifel einer der vornehmsten Mittel zu diesem Zwecke sein; aber gleichzeitig müffen noch andere Maßregeln Mitwirken, ym die Arbeiten deS Reichs­tages zu fördern. Namentlich auch die Wähler selbst können dabei mithelfen, und zwar da- durch, daß sie bei der Aufstellung der Kandidaten mehr als bt-her Werth auf die Frage legen, ob denn der Kandidat auch in der Lage sein werde, den Sitzungen deS Reichstage- mit einiger Regelmäßigkeit brizuwohnen. GS ist doch ein Unding, wenn jemand zum Reich-tagrabgeord- neten sich wählen läßt, um sich dann um den Reichstag gac nicht zu kümmern. Im Gegeu- cheil muß eS eine Pflicht für den Abgeordneten fein, bei den Verhandlungen des Reichstages so häufig zugegen zu feix, wie es nur irgend mög- lich ist. Aber allerdings muß ihm die Erfüllung dieser Pflicht nicht planmäßig erschwert werden durch außerordentlich lange Tagungen deS Reichstage-, die beinahe drei Viertel deS Jahres in Au-spruch nehmen. Wenn jetzt der Abgeordnete Richter auch mit Recht sich beschwert über den mangelhaften Besuch des Reichs- tageS, so sollte eS gerade Herr Richler vermeiden, durch aussichtslose Anträge, wie sitzt bei der Br-

Won Stuft zu Stuft.

Roman auS dem Wiener Leben.

Bon L. v. Neid egg.

66 ------ (Nachdruck verboten.)

Es lag etwas NaioeS in dem Bekenutniß, daS Franzens Ungeduld entwaffnete: „Lrrn'S Loch, das Rechte zu treffen, AlphonS. In dieser Be­ziehung kann man Alles, wenn man nur ernst- lich will."

„Ich nicht; ich wahrhaftig nicht. Endlich sieht selbst der Alte die- ein. Schon jetzt fängl's wieder an drunter und drüber zu gehen, seit Du fort bist. Hier lieS den Brief vom alten Herrn ruhig durch. Ich will in der Stadt herum­bummeln; heute Nachmittag hole ich Dich dann ab, um mit Dir nach Sokolooic zu fahren."

„Halt! halt! So schnell geht daS unmöglich."

„Hör' mich nur an. Du siehst Dir dort Alles an, gehst die Bücher hübsch langsam durch, machst meinem Vater Deine Vorschläge, und wartest bei mir seine Antwort. Ihr werdet ein- ander gleich verstehen, seid Beide geschiidte Leute. So wie Ihr einig geworden, kannst Du sofort in Sokolooic eirziehen; ich gebe das Szepter an Dich ab, und entfliehe so rasch ich kann."

Der Vorschlag bot zu viel Vortheile, als daß Franz ihn hätte von der Hand weisen können. Zwar bäumte sich der Stolz deS Offiziers — der geträumt, seinem Kaiser mit Auszeichnung zu dienen — gegen den Gedanken auf, in eine unter­geordnete Stellung zu einem Prioatmanne zu

Jutöa, Mittwoch, den 1. Mai 1901.

28. Jahrgang.

rathung des Gesetzentwurfes über die privaten Versicherungsunternehmungen, die Verhandlungen deS Reichstages in unnöchiger Weife in die Länge zu ziehen. Auch mit der Zahlung von Tage­geldern wird eS zu allen Zeiten immer nur einem Bruchtheile der Mitglieder deS Reichstages mög­lich fein, während so ungebührlich in die Länge gezogener Tagungen deS Reichstages den Ver­handlungen deffelben mit einiger Regelmäßigkeit brizuwohnen.

Durchgreifende Besserung der beklagten Miß­stände im Reichstage wird nur dann erreicht wer­den können, wenn mehrere Umstände in diesem Sinne zusammenwirken. Erstens müssen die Ab­geordneten in der Gestalt von Tagegeldern eine Entschädigung erhalten für ihre persönlichen Auslagen. Zweitens muß das Bewußtsein der Pflicht des Sitzungsbesuches mehr zum Durch­bruche kommen bei denjenigen Mitgliedern de» Reichstages, dir jetzt dessen Sitzungen nur selten beiwohnen. Drittens muß darauf Bedacht genom­men werden, daß die Tagungen nicht gar zu sehr in die Länge sich dehnen, namentlich auch nicht durch solche Debatten, wie im Verlaufe der letzten Etatsberathung bei dem Etat des Reichs­amtes des Innern. Und endlich viertens müßte Vorsorge getroffen werden dagegen, daß es keinen Gruppen möglich wird, durch heimtückischen Miß­brauch der Geschäftsordnung Mehrheiten des Reichstages zu vergewaltigen und Be­schlüsse zu Hintertreiben, die ihnen nicht 'gefallen.

Leicht wird die Durchführung einer solchen Reform ganz gewiß nicht sein. Aber die Heber« zeugung, daß es so, wie es jetzt ist, nicht weiter­gehen kann, bricht sich mit elementarer Gewalt Bahn. Und es kann unmöglich noch lange Zeit vergehen bis zu dem Tage, an dem man mit handgreiflichen Maßregeln dem Gespenste der Be- schlußunfähigkeit zu Leibe gehen wird —weil man ihm eben zu Leibe gehen muß, wenn man nicht die ganze Stellung und die ganze Bedeutung de» Reichstages untergraben sehen will.

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< Die Unklarheit der Lage wird durch nichts besser gekennzeichnet, -xte durch eine Zusammenstellung mehrerer Zeitung Kimmen von diesem Dienstag, die alle ohne Ur t rschied den Anspruch darauf erheben, a«S allerbester Quelle zu schöpfen. In der .National­liberalen Korrespondent" kann man lesen:

.So viel scheint aI8 sicher angenommen werben »u können, daß weder der Landtag, noch der Reichs­tag die Berathungen vor Pfingsten zu Ende führen «erden . . .’

Letzteres — bemerken dazu die »Berliner Neuesten Nachrichten' — ist nicht recht ver­ständlich, wir meinen, daß diese Durcyberathung (nämlich vor Pfingsten im Reichstage) sich sehr wohl ermöglichen laffe. Der .Berliner Lo­kalanzeiger' schreibt Dienstag früh:

„Wie man uns auS parlamentarischen Kreisen mittheilt, wird zur Zeit von der Regierung der Plan erwogen, den Landtag noch vor Pfingsten zu schließen und olle Borlagen, die bis dahin nicht erledigt werden können, liegen zu lassen. Zu den letzteren würde auch die Kanalvorlaöe gehören, auf deren Zustandekommen in vollem Umfange, d. h. mit dem Mittellandkanal, nicht mehr gerechnet wird. Den weiteren Entschließungen

reten; er sah aber Anna vor sich mit ihren treuen, hilfesuchenden Augen, — Anna, die eS galt, aus vielleicht gefahrvoller Lage zu befreien, und ftine Bedenken schwanden. AlS Marburger von seinem Streifzug zurückkehrte, und der Freund ihm bereitwillig seine Begleitung zusagte, konnte er von dem Seelenkampf, den dieser inzwischen »estauden, nichts mehr wahrnehmen. In heiterer Stimmung traten beide am Nachmittag die Fahrt nach Sokolooic an, am nächsten Morgen war Franz schon in voller Thätigkrit.

Mit Leichtigkeit fand er sich — Dank seiner m Sommer gesammelten Erfahrungen — ix allen Verhältnissen zurecht; Briefe und Telegramme wurden mit dem alten Marburger ausgetauscht, der, mürbe gemacht durch dasjenige, was er an den Beamten und am Sohne erlebt, sich sehr entgegenkommend zeigte. Die Pachtsumte, die er orderte, die mit steigendem Erträgniß sich stei- zeru sollte, mußte Franz als leicht erschwinglich erkennen. Bei gutem Willen von beiden Seiten war in wenig Tagen das Geschäft erledigt. Franz wollte nur noch nach Sarajewo zurück, um seine )abe zu holen. Gleich nach seiner Rückkehr durfte dann Alphons, der seine Ungeduld kaum mehr zu bemeistern vermochte, den Verbannungsort verlaffen, den er so gründlich verabscheute.

„Wie ein kleiner Pascha wirst Du hier laufen," sagte er zum Freunde, als beide vor dem Hause auf und abgehend, den Wagen er­warteten, der Franz nach der Bahnstation bringen ollte. „Nchts wird hier geändert, kein Slück Röbel kommt fort, so befiehlt mein alter Herr. Störung brauchst Da keine zu fürchten; mich

würbe eine Neubildung bes StaatSministeri- umS vorausgehen."

Dasselbe Blatt schreibt DienStag Abend:

„In politisch gut unterrichteten Kreisen wirb an­genommen, baß die Entschließung über Form und In- halt btt neuen Zolltarif-Borlage für be» «uubes- r«th während ber nächsten Anwesenheit des Kaiser- er­folgen wirb, nachbem fich daS Staatsministerium ein­gehend mit diesem Thema beschäftigt hat. Einer vor- muftflen Vertagung ber Entscheidung über den Mittellandkanal soll die Regierung nicht geneigt fein ..."

Ju der.Germania' lesen wir:

„WaS die Kanalvorlage anlangt, so hält man in parlam-ntarischen Kreisen dafür, daß die Regierung auf die in der Kanalkommisston seitens der Abgeordneten Graf Lrmburg-Etirum, Schwarze undtzttold gemachten Vorschläge emeS Ausbaues deS Dortmund-Ems-Kana» mit dem Rhein durch Kan alisi rung der Lippe... eingehen und dadurch einer Ablehnung beS ganzen KanalprcjekteS . . . ausweichen wirb."

Dieses letztere würde die Regierung thun können und den preußischen Landtag vor Pfingsten schließen, wenn in der Kanalkommisston deS Ab­geordnetenhauses die Berathungen schneller als bisher vorangingen. Aber man kann als sicher annehmen, daß auch an diesem Mittwoch eine Abstimmung über den Mittellandkanal noch nicht erfolgen wird. Von den Krisen­gerüchten sagen die ,Berl. Reuest. Nachr.', sie seien nicht die Druckerschwärze werth, die man auf sie verwende. Und wahrscheinlich werden sie mit dieser Anschauung der Dinge recht behalten. Sonst würde es dem Staatswesen nicht-schaden, wenn nicht alle preußischen Minister im Amte bleiben würden. Auf jeden Fall ist die Lage so unklar wie nur irgend möglich. Eine Klärung ist kau« zu erwarten vor der Rückk.hr des Kaiser- in Berlin.

Deutsches Deich.

Berlin, den 30. April.

• Vom Gale ranz Axtrxge des Kextrxm» ist am DienSrag non der zuständigen Kommission deS Reichstages § 2b in folgender Fassung an­genommen morde«: „Gegen den Willen derEr- „zühungS - Berechtigten darf ein Kmd nicht zur „Theilxahme an dem ReligionS-Unterrichte oder „GstteSdienste einer andern ReligionS - Gemein- „fchaft angehalten werden.'' Die Berathungen werden am Donnerstag fortgesetzt.

G Ate Aanalkommissta« des prentz. ASgeorönelenyauses hat heute (Dienstag) wiederum zwei Sitzungen abgehalten und damit die Generaldiskussion über den Mittellandkanal zu Ende geführt. Am Mittwoch wird die Berathung fortgesetzt. Neu eixgegangen ist ein Antrag des sreikonservatioen Abgeordneten Engelbrecht, wonach bis zu 100000 Mark bewilligt werden sollen zur Auf­stellung eine« Kostenanschlages für einen Kanal vom Dortmund-Ems-Kanal über Oldenburg nach der Unterelbe — also für die Erbauung eines Küstenkanals. Minister von Thielen bat, diesen Antrag abzuletznen, da der Nordkanal nichtt geeignet fei, den Mittellandkanal zu ersetzen. Die Staatsregierung werde nicht auf diesen Plan eingehen.

+ <Pic Süßstoff Aorka-e ist von der Reichstagskommisfion in Angriff genommen

bringt nichts wieder in die gottverlaffene Gegend; doppelt verlaffen jetzt in dieser Jahreszeit. Brr! Er schüttelte sich.

»Ich will versuchen, meine Mutter zu über­reden, zu uns zu ziehen," sagte Franz, dessen Gesicht einen heiteren, lebensfrohen Ausdruck zeigte, wie Alphons ihn selten an ihm wahrgenommen.

»Da hätte Deine Frau doch wenigstens eine Ansprache. Weißt Du, sie muß schon ein Unikum an Genügsamkeit sein, wenn sie es hier aushält."

„Wir haben ja einander."

„Ganz richtig, Ihr habt einander, aber das st wenig auf die Länge. Nimm mir 'S nicht ibel, Franz, ich wundere mich über ihren Muth. Du bist ein Prachtkerl, ein wahrer Freund Deiner Freunde, aber .... ich begreife selbst nicht, wie es kommt ..." Er stockte.

„Wie, was kommt? Heraus mit der Sprache."

„Daß Du bei Frauen wenig Glück hast, wenn Du eS wiffen willst; daß Du im ganzen wenig beliebt bist."

Wohl wußte eS Franz. Er hatte längst wahr- zunehmen geglaubt, daß einige ihn fürchteten, fiele ihn scheuten, die meisten an ihm zu tadeln ändert. Und da er nicht hoch genug von fich »achte, um sich zu sagen; daß nur seichte Meu­chen zu den Allerweltslieblingen gehören, daß es mrchschnittlich die höher angelegten Charaktere, die stärkeren Individualitäten sind, die Anfeindung erfahren, so hatte er fich oft verletzt gefühlt, so wenig Wohlwollen zu begegnen. Es berührte ihn etzt peinlich, von Marburger rückhaltlos das- enige bestätigt zu hören, was er bisher immer» jin nur vermuth:t halte.

worden. Auf eine Generaldebatte wurde ver* zichtet und der erste Paragraph nach dem Regie" rungSentwurft, der zwette mit einer von dem CentrumSabgeordneten Speck beantragtenAende­rung deS Wortlautes angenommen.

X Die ostafrikanische Ieulrakvxh«, genauer gesagt das erste Stück derselben vox Dar eS Salaam nach Mrogoro, hat heute (Dienstag) die Budgetkommisfion deS Reich-- tage- beschäftigt. Zu einer Beschlußfassung ist eS in dieser ersten Kommission noch nicht gekommen. Kolonialdirektor Dr. Gtübel will Mittwoch genaue Aufschlüsse geben über die Verhandlungen der Regierung mit der Deutschen Bank und über andere Anerbietungen Saatssekretär Freiherr von Richthofen theilte mit, daß Ereil RhodeS thatsächlich bei seiner Anwesenheit in Berlin vor zwei Jahren Pläne über einen Bahnbau in Ostafrika darge­legt habe. DaS Auswärtige Amt habe sich aber ablehnend verhalten und die Sache aufge» schoben, bis die Möglichkeit Vorgelegen habe, deutscher Kapital für die Bahn zu gewinnen. Der Eextmmsabgeordnete Müller-Fulda sprach den Wunsch auS, die Deutsche Bank möge auf ihr Vorrecht verzichten, damit daS Reich von anderen Bankgesellschaften günstigere Bedingungen erlangen könne.

V Stern«, 30. April. Der Kaiser ist heute Abend von Weimar kommend hier wieder eingetroffen. In Weimar hat ber Kaiser einen halbstündigen Aufent­halt genommen, um auf dem Friedhose am Sarge deS Großherzogs Karl Alexander einen Kranz niederzulegen. — Der Kaistt wird bis Freitag Abend hier bleiben und wie alljährlich den 2. Mai, den Jahrestag der Schlacht von Groß-Görschen, im Kreise deS 1. Garderegiments »n Fuß verbringen; dann wird er fich auf einige Wochen nach West- und Süddeutschland begeben und zwar zu­nächst «ach Schlitz bei Fulda zum Besuche deS Grase» Schlitz genannt v. Görtz. Bon dort wird der Reifer am Montag fich zum Besuche deS Fürsten von Fürsten­berg und nach Schloß Uroille in Lothringen begeben. Ende Mai wird er dann wieder zu den FrühjahrS- paraden nach Berlin zurückkehren. — Der ,Boce della Berita' zufolge hat Kaiser Wilhelm dem Papst« eine dtt gelegentlich ber Zweijahrhundertfeier d«S Königreichs Preußen geprägten Erinnerungsmedaille» ßberfaxbt mit einem eigenhändigen Schreiben. — Der Kaiser wirb am Freitag ben 10. Mai, bem 80. Jahrestage bes; Friedensschlusses zu Frankfurt a. St, zu einem dreitägigen Aufenthalt zu Straßburg im Elsaß erwartet. Dieser Tag, an welchem bekanntlich vor HO Jahren die Reichslande definitiv an Deutsch­land fi-len, soll, dem Bernehmen nach, durch eine größere Festlichkeit begangen werden. Am Samstag, den 11. Mai wird ber Kaistt voraussichtlich von Straß­burg auS einen Ausflug nach Schlettstadt zur Be­sichtigung der Hohkönigsburg unternehme». ES ist ferner nicht ausgeschlossen, baß der Kaiser bei Gelegen­heit dieses BesucheS in ben Reichslanden einzelne Truppenbesichtigungen vornimmt. — Für die Feier deS 1. Mai werden im ,BorwärtS' 16 sozialdemo­kratische Versammlungen der sechs Berlmer Wahlkreise für ben Abenb angefünbigt, außerdem für den Bor­mittag 46 Gewerkschaftsversammlungen in Berlin und 12 in den nächsten Vororten.

* Soft»», 30. April. Der,Djiennik Poznanski' schreibt: In Sokolniki bei Kletzko lnßen fich im Jahre 1889 eine Reihe katholischer deutscher Ansiedler aus den Befitzungen der Ansiedlung»- kommisfion nieder. Die betreffenden katholischen Anfiedler waren au» Hessen, Schlesien und anderen preußischen Provinzen gekommen und hatten mit )er Ansiedlungskommission einen Vertrag auf 12 Jahre abgeschlossen. Jetzt sind die 12 Jahre ab­gelaufen und die Kolonisten werden die Ansiedlung

„Warum denn mit?" fragte er etwas kleinlaut.

„Es ist mit unbegreiflich. Du giltst halt für schroff und hart und unbeugsam. Wir, Deine guten Freunde, wiffen eS fteilich besser, aber es ist so."

„So, daran liegts I Wenn nur meine Braut anderer Ansicht ist, kann's mir gleich sein," lachte Franz. Er fühlte sich zu glücklich, um sich leicht aus dcr Fassung bringen zu lassen; so nah' dem Ziele, vermochte nichts auf die Länge feinen Gleichmuth zu erschüttern.

„Wenn Du so drein schaust wie jetzt, mußt Du Allen gefallen;" tröstete Marburger. „Rein Mensch kann Dich jetzt finster nennen. A propc», erinnerst Du Dich an daS junge Mädchen, vaS wir bei Kästner fingen hörten? Du schienst an rem Abend ganz ver.chossen in sie. Du weißt, )ie Kleine, die wir von Windhag her kannten?"

„Ja. Was ists mit bet?"

„Die mit der schönen Stimme, die so furcht­bar braoe Lieder fang: Anna Buschmann."

„Ja, ja. Red' doch r. eiter."

„Die geht zum Theater; zum Thalia Theater. Wird in einigen Monaten in irgend einer wunder­baren Fserie auftreten. Der alte Carneri wird sie heirathen; er ist sehr reich. Praktisch, das junge Mädel; was?"

Franz war sehr bleich geworden: „Unmöglich !M

„Unmöglich kann nur ein Idealist wie Du o was finden; möglich ist heutzutage um Geld illes. Das geb' ich aber zu, daß es ein starkes

Stück ist von dem Mädel. . ."

»Ich kann's nicht glauben . . ." wiederholte Franz. „Wer sagt's?"