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mit Anlerhaktungs -Meikage „Issustrirte Sonnlags-Zcitung"

J2 97.

Juköa, Montag, dm 29. April 1901.

28. Jahrgang.

L^Der erste Mai.

Wenn es sich nur darum handeln würde, den Arbeitern einen Wochentag im Jahre frei zu geben, damit sie auch einmal eine werktäg­liche Ruhepause haben, die keinen Verlust ein­bringt, dann würde die ganze Maifeierfrage anders beurtheilt werden, wenigstens von allen arbeiterfreundlichen Leuten. Und diese arbeiter- fteundltchen Leute machen bei uns gegenwärtig ohne Zweifel die große Volksmehrheit aus. Aber es handelt sich ja gar nicht um eine Arbeiterfeier in dieses Wortes eigentlicher Be­deutung, sondern um eine sozialdemokratische Partei­sache; und diese sozialdemokratische Partei er­fand diese Veranstaltung, um andere Leute unter ihr Joch zu bringen. Der vieltausend­mal angeführte Reim: Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will — genügt allein als Beweis dafür. Und daß man von Niemand, der der fozialdemokratischen Partei nicht ange­hört, verlangen kann, er solle sich unter dieses Joch beugen, das die Sozialdemokratie für ihn ausgerichtet hat, versteht sich von selbst. Der Umstand, ob ein Unternehmer den 1. Mai als Arbeiterfesttag bewilligt oder nicht, ist in keiner Weise ein Gradmeffer sür die Arbeitersreund- lichkeit desselben und wird von keinem Menschen als solcher angesehen, nicht einmal mehr von der Sozialdemokratie als solcher ausgegeben.

Die Sozialdemokratie selbst hat ja mit ihrem sogenannten Weltfeiertage eine ausgemachte Niederlage erlitten. Sie hat sehr bald einge- sehen, daß sie diesen Weltfeiertag der Mensch­heit nicht vorschreiben konnte. Die Räder liefen ruhig weiter, der Arm der Sozialdemokratie er­wies sich als zu schwach. Aber die meiftin der­jenigen, die der sozialdemokratischen Verhetzung sich zugänglich zeigten, erlitten schweren Verlust dadurch; und so hat sich denn die Sozialdemo- kiatie gezwungen gesehen, mehrere Löcher zurück­zustecken und das Losungswort auszugeben, daß nur dort die Arbeit am 1. Mai ruhen soll, wo das ohne die Erregung von Zwiespalt möglich ist. Das ist an sich kein gefährliches Vergnügen. Aber die Unternehmer, die es wirklich gut mit den bei ihnen beschäftigten Arbeitern meinen, sollten durchaus gegen diese sozialdemokratische Maifeier Widerspruch einlegen und sich durch nichts in diesem Widerspruche beirren lasten. Sie erwerben sich damit ein Verdienst um die Arbeiter selbst und um die Allgemeinheit; denn es handelt sich dabei um eine unanfechtbare und durchaus gerechtfertigte Maßregel, die dazu bei­trägt, zu beweisen, daß die Sozialdemokratie in un­serer WUt durchaus keine Bedeutung hat als maßgebender politischer Faktor. Und die Maß­regelung solcher Arbeiter, die gegen den Willen des Unternehmers, mit dem sie durch Arbeits- verhältnisse verbunden sind, den 1. Mar von der Arbeit wegbleiben, ist nur zu billigen.

Die sozialdemokratischen Katzen aber können das Mauren nicht lasten. In den sozialdemo­kratischen Blättern ist mehrere Wochen hindurch

die Pauke geschlagen worden, damit die „Demon­stration für die Ideale des klaffenbewußten Proletariates einen würdigen und eindrucksvollen Verlauf nehme". Das sind zwar eigentlich nur hohle Redensarten des Berliner sozialdemokrati­schen Centralorgans, wie sie ein „klaffenbewußter" Genosse gar nicht erst machen sollte. Aber man kann daraus von neuem ersehen, daß die Sozial­demokratie gar nicht daran denkt, allgemach in der bürgerlichen Gesellschaft als eine radikale Gruppe derselben aufzugehen. Denn wenn man immer wieder „demonstriren" will sür das, was die Herren „Genoffen" die „Ideale des klaffen­bewußten Proletariates" nennen, so fühlt man sich nach wie vor als etwas ganz Besonderes im Gegensätze zu der bürgerlichen Gesellschaft als der bekannten „reaktionären Masst"; so will man mit der Arbeitsniederlegung am 1. Mai demon- strrren für den Umsturz der bestehenden gesell­schaftlichen Ordnung und für die Enteignung des gegenwärtigen Besitzes. Wer außerhalb der Sozialdemokratie hat Lust dazu, durch mißver­standene Gutmüthigkeit und Übel angewandte Nachricht eine Kundgebung dieser Art zu unter­stützen ?

Mit welchen gewaltthätigen Absichten die Sozialdemokratie ihren sogenannten Weltfeiertag einführen möchte, beweist ein Beispiel dieser Tage aus Frankreich von neuem. Eine Ver­sammlung sozialdemokratischer französischer Berg­arbeiter in Lens hat in diesen Tagen auf den Antrag der feiernden Kameraden in Montcrau- les-Mines hin den Beschluß gefaßt, am 1. Mai in den Generalstreik einzutreten, wenn die Re­gierung nicht den Lohnzwist im Revier von Montceau-les-Mines mit der ihr zu Gebote stehenden Macht zu Gunsten der Forderungen der Ausständigen gewaltsam aus der Welt schafft! Man will die Regierung zwingen dazu, sich zu beugen unter drs ihr vorgehaltene Joch; und durch die besiegte Regierung will man das Unternehmerthum in dasselbe Joch spannen. Und nur mit dem Aufgebote starker Massen der bewaffneten Macht kann die französi he Re­gierung mit ihrem sozialdemokratischen Handels­und Gewerbeminister Millerand die Ordnung in dem genannten Bergwerksreoier auf echt er­halten !

So tobt die Sozialdemokratie in Frankreich gegen die Regierung. Aber ist sie denn einig in sich selbst? Nein! Die wüstesten Zänkereien und Schimpfereien und gegenseitigen Ver­leumdungen wüthen in ihren Reihen — der Krieg aller gegen alle. Sogar das Berliner sozialdemokratische Centralorgan wendet sich mit Worten des Ekels von diesem widerwärtigen Schauspiel ab! Aber so muß es kommen; das ist ein Vorbild für die Zustände in dem fabel­haften sozialdemokratischen Zukunftsstaat, wie die französische, wohl am weitesten vor- geschrittene Sozialdemokratie es uns liefert. Und weil es so ist, weil die Sozialdemokratie bei freier! Entfaltung zu nichts anderem gelangt als zu Gewaltthätigkeit, Zank, Streit und Kul- turverwüstung. kann sie es niemals zu diesem geträumten Zukunftsstaate bringen. Sie trägt den Todeskeim in sich, und je ungehinderter sie sich entwickeln kann, desto schneller wuchert sich die Giftpflanze selbst zu Tode!

Ion Stufe zu Stufe.

Roman aus dem Wiener Leben.

Bon L. v. N e i d e g g.

54 ------ (Nachdruck verboten.)

Seufzend schob sie den Reif zur Seite und sing an zu schreiben. Sie war weder sentimental noch eine Meisterin des Stiles; in schlichten Worten, ohne jede poetische Verbrämung, theilte sie Franz mit, daß sie genöthigt sei, das ihm ge­gebene Wort zu brechen, und zur Bühne zu gehen, — und zwar zu Carneri's Bühne. Obwohl sie wiffe, daß dieser Entschluß für ihn mit Lösung des Verlöbnisses gleichbedeutend sei, könne sie von demselben doch nicht abgehen. Er möge nicht ver­suchen, sie davon abwendig zu machen, sie handele nicht gezwungen; freiwillig, dem Vater zu Liebe habe sie den Entschluß gefaßt, und halte fest an ihm. Mit traurigem Herzen, jedoch unerschütterlich bei ihrer Absicht verharrend, schicke sie hier den Ring zurück; er möge ihr verzeihen und in Freund­schaft ihrer gedenken, wie auch sie nicht aufhören würde, Antheil zu nehmen an seinem Geschick.

Wie kalt und trocken klangen «die Worte, als sie dieselben überlas — wie so ganz anders als das, was das heiße, leidenschaftliche Herz empfand, das laut aufschrie nach dem Glück, und es mit aller Kraft hätte festhalten wollen.

Sollte sie den Brief verbrennen, — sich anders, wärmer, ausdrücken? Rein- Franz war selbst mittellos und konnte dem Vater nicht aus der Roth helfen, deffen Rettung sie sich zum Ziele gesetzt.

Sie kannte auch des Verlobten eifersüchtiges Tem­perament, seine unversöhnlich strengen Anschau­ungen, und wußte, daß fie nur zu wählen haben würde zwischen dem Vater und ihm- Dies war der Grund, weshalb der Brief nicht an seine mit­leidsvolle Liebe sich wenden, weshalb nur ein Ab­schiedsgruß aus demselben klingen durfte. Sollte es sich ergeben, daß Franzens Liebe stark genug war, um seine Vorurtheile zu besiegen, großmüthig genug, um Jahre geduldigen Wartens auf sich zu nehmen, um ihr erst dann ein Heim bieten zu wollen, wenn sie dem Vater entbehrlich geworden, — dann allerdings wäre sie als Glücklichste der Glücklichen zu preisen; aber betteln wollte sie nicht um diese Gunst.

Am nächsten Morgen, nachdem Anna umsonst ihren Vater gesucht, der zu ungewöhnlich früher Stunde das Haus verlaßen hatte, trat sie bei Stephanie ein. Diese lag noch im Bette, sah übellaunig und überwacht aus. Aus ihrer Ruhe geschreckt, blickte sie die Stieftochter unfreund­lich an.

„Was soll'«?"

„Sag' dem Vater, weil es so sein Wunsch sei, ihm zu Liebe, hätte ich mich entschlossen, Carneri's Vorschläge anzunehmen .

„Endlich ein vernünftiger Gedanke", unterbrach Stephanie.

„Doch will ich vorher mit Carneri sprechen." „Oho! Um Gotteswillen keine Faxen. Ich kann ihm Deine Antwort übermitteln."

„Ich will ihn aber sprechen, und allein sprechen", beharrte Anna. „So viel darf ich fordern; ich kaffe nicht ab von meinem Wunsch."

Deutsches Keich»

Berlin, den 27. April.

X Tagegelder im Reichstage. Die Reichs­tagskommission für die Vorberathung des Centrums- Antrages auf die Gewährung von Tagegeldern an die Mitglieder deS Reichstages fetzt am Dienstag ihre Berathungen fort. Es besteht dir Absicht und auch die Hoffnung, den Reichstag vor dem AuSeinandergehen int Plenum noch einmal mit der Frage zu beschäftigen und den Antrag zur Annahme zu bringen. Daß der Antrag eine sehr starke Mehrheit int Reichstage findet, wenn es zur erneuten Beschlußfaffung kommt, ist selbst­verständlich. Einige Federn int offiziösen Dienste geben sich alle erdenkliche Mühe, um Material gegen die Tagegelder - Gewährung zusammen zu tragen. Dabei sind sie jetzt aus's Ausland ver­fallen und erzählew uns, wo, außer im Deutschen Reichstage, auch Mch keine Diäten an die Parla­ments-Mitglieder gezahlt werden. Sie können nur wenige Beispiele ansühren, und zu diesen ge­hört auch Jta'ien. Thatsächlich har man aber auch in Italien daS Mißliche des Fehlens der Diäten erkannt, und auch dort ist man bemüht, die Diätenzahlung einzuführen. Dieses Beispiel fällt also von vorn herein sort. Bei aller dieser Schreiberei vergißt man aber die Hauptsache: nämlich die uns am allernächsten liegenden Bei­spiele der Landtage der deutschen Bundes­staat en. Nach diesem Guten, das uns so nahe liegt und von jeher unseren deutschen Verhältniffen angepaßt ist, sollte man sich richten; nicht danach, was in England und Spanien beliebt wird. Uebrigens gibt es in den allermeisten Staaten mit Parlamenten auch Entschädigungen an Geld für die persönlichen Ausgaben, welche durch die Aus­übung des Mandates diesen Parlaments-Mit­gliedern erwachsen.

• Besprechungen wegen der Kannt- vorlage sollen nach Zeitungsmeldungen im Hause des Reichskanzlers zu Berlin stattfinden. Die Meldungen sind richtig. Namentlich der freikon­servative Abg. Freiherr von Zedlitz gibt sich, wie in Ergänzung jener Meldungen berichtet wer­den kann, große Mühe, um ein Kanalkompromiß fertig zu bringen; es sind aber auch noch andere Mitglieder des Abgeordnetenhauses dabei beteiligt.

X Die Novelle znm Meingefetze wird, wie berichtet, aller Voraussicht nach vom Reichs­tage noch im Laufe dieser Tagung'verabschiedet werden. Die Weinkommission des Reichstages hat am letzten Freitag eine weitere Sitzung bis in die Abendstunden hinein abgehalten und damit ihre zweite Lesung beendet. Am nächsten Dienstag soll dann noch eine dritte Lesung abgehalten werden, in der es sich indeffen nur noch um einige wenige Punkte handeln wird. Von einer Reichs- Weinsteuer war während der letzten Tage in einigen Zeitungen die Rede, als ob eine solche Steuer zur Aufbefferung der Reichsfinanzen von den Verbündeten Regierungen beabsichtigt sei. Der württembergische Minister des Innern hat jüngst auch in der württembergischen Kammer davon ge­sprochen; aber seine- Aeußerungen sind mehrfach falsch gedeutet worden. Nach einer Mittheilung der halbamtlichen ,Südd. Reichskorrespondenz' in Karlsruhe sollte die Erklärung des Ministers be­deuten, daß der Gedanke einer Reichsweinstener

Slephanie's Grundsatz war es, in Kleinig­keiten nachzugeben, um desto unerbittlicher auf der Hauptsache zu bestehen. Anna hatte einen festen Willen; jetzt am allerwenigsten durfte man bei ihr den Bogen zu straff anspannen.

„Gut, Du sollst Garneri allein sprechen dürfen; das bitte ich mir aber au», mach' ihm keine Szene, behandle ihn, wie sich's gehört."

„Sei ruhig; ich weiß ja doch, daß . . . daß . . ."

„Daß wir die Hauptschuldigen stnd, Dein Vater und ich", vollendete Stephanie kaltblütig, „sofern von Schuld die Rede sein kann, wo man Dir eine glänzende Laufbahn eröffnet, und Reich- thum in Aussicht stellt ... So, nun kannst Du gehen."

Das wäre in Ordnung, dachte Stephanie, sich in ihre Kiffen behaglich zurücklehnend. Die dumme Gans wird sich schon in ihr Loor finden, dankt mir's vielleicht noch einmal, daß ich sie zu ihrem Glücke gezwungen, wenn sie erst die reiche Frau Carneri geworden ist. Die reiche Frau! Her doch mit ihr tauschen könnte! Wäre ich jetzt auch nur die andere Sache los! Wüßte ich jemand, der mir guten Rath geben könnte!

Sie seufzte. Im nächsten Aug nblick schellte sie aber dem Stubenmädchen, ließ sich das Früh­stück bringen, und als sie erst begonnen, ein Stück des süßen Gebäcks um's andere zu verspeisen, waren Sorgen und Bedenken in der Freude am Genießen vergessen.

Erst zur Effenrstunde fand der Hofrath sich wieder ein. Seine verlegenen Blicke suchten ängst­lich den Augen seiner Tochter zu begegnen, die,

bisher weder im Bundesrathe, noch an einer an’ deren Regierungsstelle aufgetaucht ist.

+ Eine IuterpeKalio« «6er de« Zoll­tarif im Reichstage ist dieser Tage von der .Deutschen Tageszeitung' als empfehlenswerth angeregt worden. Neuerdings schreibt das ge­nannte Blatt darüber noch Folgendes: „Einmal wird es gut und gerathen fein, daß der Reichs­kanzler noch einmal ausdrücklich betone, daß eine Verquickung des Zolltarifs und der Kanalvorlage irgend welcher Art von der preußischen Regierung nicht beabsichtigt sei. Dann wird er in der Lage sein, wenigstens den Termin einigermaßen anzu­geben, in dem die Vorlage an den Bundesrath gelangen wird .... Endlich wird der Kanzler sich darüber aussprechen können, ob die verbün­deten Regierungen entschloffen seien, die bestehen­den Handelsverträge rechtzeitig zu kündigen. Wir sehen nicht ein, warum er darüber schweigen sollte. Die Spatzen pfeifen sich's von den Dächern zu, daß Oesterreich-Ungara ganz sicher und Rußland sehr wahrscheinlich kündigen werden. Es ist taktisch immer klug, solcher Kündigung zuvorzu­kommen . . . ." Die .Deutsche Tageszeitung' sagt, die angeregte Interpellation stoße fast nirgends aus Widerspruch. Das ist Thatsache. Man kann auch nicht einsehen, warum und was für Schaden sie bringen könnte. Aber wenn sie einige Klärung der gegenwärtig obwaltenden Heimlichthuerei herbeiführen könnte, so würde das ohne Zweifel ein gutes Verdienst fein.

h, Mo« dem Attentäter Nomagnoki ist es wieder still geworden. Angeblich sollt- ein Anarchist mit diesem oder einem ähnlichen Namen unterwegs nach Europa fein, um einen Mord- anschlag gegen den deutschen Kaiser auszuführen. Jetzt wird aus Washington berichtet, daS Staatsdepartement der Vereinigten Staaten plane thatkrästige Maßregeln, um Anarchisten, die die Ermordung europäischer Herrscher planen, an dem Verlassen des Gebietes der Vereinigten Staaten zu verhindern. Der Staatssekretär Hay soll in einem amtlichen Rundschreiben mehrere Polizeiverwaltungen, namentlich in New-Aork und Paterson, darum ersucht haben, verdächtige Personen zu überwachen und an der Abreise zu verhindern. Unmöglich ist es ja v'cht, daß die Meldung wahr sei. Aber man maß in der Aufnahme solcher Nachrichten äußerst vorsichtig sein; die Geschichte — um kein anderes und drastischeres Wort zu brauchen! — von dem berühmten Bcmbrnattentat in Alexandria ist noch gar zu frisch in der allge­meinen Erinnerung!

ArrsLarr-,

© I^ris, 27. Apnl. Ein richtiger Landes­verrat h hält die Gemüther jetzt in höchster Spannung. Der ,Matin' brachte über das Äor- kommniß folgende halbamtliche Notiz: „Auf die Strafanzeige der Eisenwerkgesellschaft von Com- mentry wurde gestern in einem großen Pariser Hotel ein deutscher Staatsangehöriger Namens £).... verhaftet unter der Anklage, das Fabrikgeheimniß französischer Knegswaffen an die Firma Krupp m Essen ausgeliefert zu haben." Ein belgisches Blatt erhält von einem hiesigen Korrespondenten noch folgende Eiitzel- als sie ihm die Hand geküßt, ruhig sagte: er werde wohl durch die Mutter erfahren haben, daß sie einwillige, zum Theater zu gehen.

„Vielleicht der Berühmtheit entgegen", er« wiederte er, mit einem schwachen Versuch zu scherzen.

Anna, die sonst jeden seiner Witze belachte, blieb stumm und eisig kalt.

Gegen Abend kam Carneri. Anna wax mit sich zu Rathe gegangen, wie sie ihn wohl em­pfangen sollte. Wie Stephanie jedoch bemerkt: der Hauptschuldige war er nicht, es fehlte des­halb jeder Anlaß, ihm mit feindseliger Kälte, oder in herausfotdernder Haltung zu begegnen. Als er 'jedoch eintrat, ein siegesfrohes Lächeln auf den Lippen, da erwachte ihr Widerwille gegen den Mann, und sie mußte an sich halten, diesem Ge­fühle nicht Ausdruck zu verleihen.

„Sie haben sich also entschloffen, gewisser- maßen mein zu werden 1" rief er mit der Miene eines Triumphators, ihr beide Hände entgegen­streckend.

Ich habe Ihr Engagement angenommen, Herr Direktor", war die kühle Erwiderung, mit der sie ihre Fingerspitzen flüchtig in seine Rechte legte. „Ich spreche Ihnen meinen Dank au», daß Sie meinem Vater so günstige Bedingungen stellten."

„Ihrem Vater!" Er lachte. „Ihrem Vater! Ein famoser Witz. Was ich thue, geschieht für Sie, für Sie allein, meine Gnädige."

„Das hoffe ich nicht", erwiderte sie frostig. „Ich sehe es als Freundschaftsbeweis für den Vater an, und so — nur so — kann und will ich es annehmen."