Einzelbild herunterladen
 

Erscheint täglich, y. «urnahme der gettr.- unb Seiet* tage. Biertellährl.

^neBrmgerlohn m» Bestellgeldin «awa und auS* v<irtrlM.bÜPs.

znseraier $W einspaltige Petit- «eile oder deren Raum1SPfa.,Re* llamen die Petit- teile 25 Pfg.; bei Wiederholungen wirb »ntsprechenh, Rabatt gewahrt.

^efjoitiBortli»: Jir Me Kebattio* I-l- Z*1M, fit JufeeaU 2.pa»r«lle, in »UM.

mit AnterHaltungs -Anlage „Illrillrirte Sonntags-Aeitung" IS.»;“».-

28. Jahrgang.

Iutöa. Freitag, den 26. April 1901.

JK95

■Qi

JE?

08

gegen die Erhöhung der Getreidezölle stimmen, wenn im Abzeordnetenhause der Mittelland­kanal abgelehnt werden sollte. Im Gegensatz» hierzu heben die .Berliner Politische Nachrichten« alS ausgesprochen -s Organ des Centraloerbandes deutscher Industrieller hervor, daß die Groß­industrie des Westens mit Entschiedenheit für die Verstärkung des Zollschutzes für die heimische Landwirthschast eintrete, und daß sie von diesem Standpunkte auch dann nicht abweichen werde, wenn der Rhein-Elbe-Kanal abgelehnt werden ollte. Erwähnenswerth ist eine Lesart der ,Hamb. Nachr.', wonach das preuß sche Abge­ordnetenhaus „die Arbeit an der wasserwirth- chaftlichrn Vorlage um Pfingsten abbrechen und auf den nächsten Herbst vertagen werde." Nach demselben Blatte soll sich in den maßgebenden Regierungskcetsen eine Meinungsänderung vollzogen haben, nämlich in dem Sinne, daß man j-tzt im Gegensätze zu früher mehr dem Einheitszollfatzr zuneige, als dem Doppeltarif. Augenscheinlich ist eben eine Entscheidung darüber, ob Doppeltarif oder Einheitszollsatz, auch bis heule noch nicht gefallen. Die Nachricht von der Verschiebung der Kanalvorlage steht im Widerspruche zu einer Aeußerung des Ministers von Miquel, der in der Kanal- kommisston sagte, er halte die endgiltige Beschlvß- fassung über den Rhein-Elbe Kanal „in der That für eilig, weil bei längerer Hinausschiebung der Entscheidung das Hauptglied des Ganzen, der Emscherkanal, wegen der fortschreitenden Be­bauung des Geländes unausführbar werde."

Ausdrücke wie unwissender, rückständiger bigotter Erzherzog wimmelten nur so in der liberalen Presse; eines dieser edelen Pceß- erzeugniffe verflieg sich sogar zu der anmurhigen Behauptung, der Thronfolger sei so ungebildet, daß er kaum seinen Namen schreiben könne, daß er niemals etwas lese — was für „Kritik" will denn wohl Herr Pernerstorffer sonst noch?

Ja, wenn der Erzherzog den Liberalen nach dem Munde geredet Kälte! Der König von Portugal gab seine Zustimmung zur Aufhebung der Klöster in seinem Lande. Er soll dabei ge- agt haben: „Ich bin ein liberaler König!" Thatsache ist es nebenbei, daß er nur der Schatten von einem König ist. Aber darüber schrieb sich dieselbe liberale P esst in ein Entzücken hinei", das überschwänglicher kaum । edacht werden kann. Und hätte nun der öster­reichische Thronfolger das P otektorat über den iberalen deutschen Sckuloerein übernommen, jätte er in ähnlicher Form im umgekehrten Sinne sich geäußert, ja dann würde dieselbe libe­rale, alldeutsche und sicherlich auch sozialdemo ^atische Preffe in Jubel und laute Fceude aus- zebrochen und niemals auf den Gedanken ge­kommen sein, daß damit der Erzherzog entgegen >er ihm gebührenden Rolle „in das Parteigetrtebe hinabgestiegen" sei.

„Im Erzherzog Franz F-rdmand verkörpert sich der K erikalismuS" — sagte Herr Perner- storffer. Warum? Weil er dem Gedanken einer christlichen Volksschule huldigt und als Habsburger und zukünstiger Kaiser denen nicht hold ist, deren Wünsche darauf ausgehen, die habsburgische Monarchie zerschmettert zu sehen? Wunderliche Herren, diese Herren Sozialdemokraten. Wenn sir an der Herrschaft wären, sie würden anders umspringen mit Leuten, die sie um die Herrschaft bringen wollten. Jeder treue Christ und jeder brave Oesterreicher aber muß mit dem Bürger­meister und Abgeordneten Lueger fprechen: „Je mehr der Erzherzog von diesen Seuten be­schimpft wird, desto mehr ist er «ns ans Her; gewachsen. Bleibe hart, Erzherzog Franz Ferdi aand^ und schütze unS, die wir hier in Osterrri'y leben, daß es uns endlich vergönnt sei, in O sterreich Oesterreicher sein zu dürfen und zu ble^-n."

Deutsche» Keich.

Berlin, den 25. April.

• Der Tokerunzantrng des Kentr«»« beschäftigte heute (Donnerstag) die zufländige Kommission der Reichstages weiter bei § 2 de« Entwürfe«, worin von der religiösen Erziehung der Kinder die Rede ist. Zu einer Absttmmun; über diesen Paragraphen ist e« auch heute noc> nicht gekommen. Die Berathung wird am Freitag fortgesetzt. Der natl. Mg. Dr. Hieber hat den von ihm beantragten Ges'tzentwurf über die reli­giöse Erziehung der Kinder zurückgezogen.

+ Ai- west deut sche Andastrte verwahrt sich dagegen, Herrn Abg. von Eynern als Ver­treter ihrer Anschauungen gelten zu lasten über die Behandlung von Kanalvortage und Zoll­tarif. Herr von Epnern hat bekanntlich in der Kanalkommisfion geäußert, die westliche In­dustrie werde durch ihre Vertreter im ReicyStage

Roma» au« dem Wiener geben.

Bon S. v. Neideg g.

------ (Llachdruck serdoten.)

£ Wiederum abgeblitzt.

Dis Kundgebung des österreichischen Thronfolgers zu Gunsten des katho­lischen Schulvereins sollte noch einmal tzerhalten zu einem Angriffe gegen Thron und Altar im Abgeordneter Hause. Die Allieutichen waren abgeblitzt; nun wollten die Sozial» demokkÄten noch einmal denselben Versuch auf andere Art machen. Ihnen ist von jeher ein Dorn im Auge der besondere Schutz, der in mmm'chischen Staaten durch Verfassung und Gesetzgebung um d u Herrscher und sein Haus gezogen ist; und so brachten sie einen Dring- lichkeitsantrag ein auf Beseitig«»g des Para­graphen 64 des österreichischen Strafgesetzbuches, der für Btleidigung und öffentliche Verspottung der Mitglieder des Kaiserhauses in Wort oder Schrift eine Kerker strafe von einem Jahre bis zu fü.f Jihren fist setzt.

Der Abg. Pernerstorffer begründete am Mittwoch den Antrag. Er war so gütig, dem Erz­herzog-Thronfolger das Recht der eigenen Meinung zuzugestehk»; aber er verlangte, daß man ihn ebenso krillfiren dürfe, wie jeden anderen Menschen und nannte ihn „einen Agitator wie jeder Andere". Während der Rede des sozial­demokratischen Wortführers ist der übliche furchtbare Ls m entstanden, hervorgerufen durch die Alldeutschen, die sich zur Rolle einer sozial­demokratischen Hilfstruppe berufen fühlten; der Lä'M führte zu Thätlichkeiten, die Sitzung mrßie für einige-Seit unterbrochen werden, aber schließlich gelang es den Präsidenten doch, die Sache ordnungsgemäß zu Ende zu sühren. In eigenthümMem Gegensätze zu dem wüsten Ge­töse varh« hobMintsterprÄstdrnt von Körber höflich und formvollendet an: „Im Namm der Negierung habe ich bte Ehre zu erbäten. . ." uvd un^Aürlich senkte sich Ruhr über den wühlenden Ozmn der Parteileidenschaften. Natürlich wies der Ministerpräsident den An­trag des Abgeordneten Pernerstorffer kalt und glatt ick, wie selbstverständlich für jeden v r- stündigen Menschen; und treffend führte er aus, daß die Kundgebung des Thronfolge'S doch wahrhaftig in Wort und Schrfft sattfam tritt» flrt worden sei. Dann wurde die Dringlichkeit de» Antrages Pernerstorffer mit starker Mehr- heit abgelehnt;; dar Abgeordnetenhaus ging über Herrn Pernerstorffer und seine sozialoemo- krattschen und alldeutschen Genoffen zur Tages­ordnung über. Und damit dürste von der Sache vorerst im österreichischen Parlamente nicht mehr gesprochen werden.

Es lohnt sich aber, auf die Ereigniffe und Erscheinungsn der letzten Woche einen Rückblic! zu werfen. Wie sehr Ministerpräsident von Kittber recht hatte mit dir Bemerkung, daß der Tyronfolger doch sicherlich in umfangreichem Maße kritifiri worden fei, geht aus den Be­schimpfungen hervor, die ein Theil der liberalen Preffe aeoen den Erzherzog geschleudert haben.

„Sagen Sie mir nur, was das chr'ßfn soll, Garneri," begann sie Verdrießlich. „ Alles b-stärm «ich mit Fragen über Anna und deren Engagement zum Thalia-Theater. Wenn man aber der Sache auf den Grund gcht, kommt'- heraus, daß Sir'S herausgeschwätzt haben. Warum, wenn ich fragen darf?"

„Warum sollte ich dasjemge nicht andeuten, was binnen Kurzem die ganz» Stadt miffeu wird Gerade um mit Ihnen darüber zu sprechen, bin ich heute hier."

Sie verzog das Gesicht, die Mittheilung be­rührte sie unangenehm.

„Schon heute muß eS also zur Entscheidung Sewunen?"

„Natürlich. „Meinen Sie, ich wolle warten? Die erste Anregung ist ja von Ihnen auSgegan- gen. Sie werden mir doch nicht weiSmachen «ollen, Sir fürchteten Ihren Mann? Oder «ollen Sie etwa mit mir fpielen?"

.Er war nicht mehr der gemüthliche Hausfreund, als er so sprach; sein Gesicht hatte eimn so bitter­bösen Ausdruck angenommen, daß Stephanie er­schrak

„Mit Jhsen spielen? Welcher Gedanke!" brgüttgte sie ihn. „Ader wenn Sie es mir aut i nicht glauben wollen: eine« P««kt gibt ei, in welchem ich Edi sKrchte."

Carneri lachte roh auf: „Sie werden schon M't ihm fertig werden. Jed-nfalls, ob's ihm lieb oder leid ist, maß er willen wie ich will. Ich warte nicht länger. Dre Oper, welche ich für Anna schreiben ließ, ist komponirt, Kostüme und Dekorationen sind nahezu fertig gestellt. Es gibt ein Ausstattungsstück, ein Zugstück. Ich sage Ihnen: herbeiströmen wird das Publikum, herbeiströmen!"

„Und die steife Pagode, die Anna, wird olle Leute in die Flucht jagen," bemerkte Stephanie bifsis.

„Es liegt in ihrer Rolle, unnahbar zu sein in spröder Jungfräulichkeit; daS trifft sie wie k-ine. ES wirkt ausgezeichnet gegenüber den Bacchanal en um sie herum. P kant, sage ich Ihnen, pikant;! Roch richt dagewesen."

„Wenn Sie sich nur nicht täuschen in Ihrer Berechnung."

„ES wäre dss erstemal. Heiße ich nicht der reiche Carneri? 8ei*»te ich nicht mein Publikum? Wie große Kinder find die meisten, laufen Allcrn nach, was glänzt. Ich biete glänzende Kostüme, farbenreiche Dekorationen, ein fescheS Person il, und der Mittelpunkt von all' dem Glanze bleibt immer die Anna."

„Wenn daS Mädel ihr Glück nur zu schätzen wüßte!" rief Stephanie neiderfüllt. „Zu denken, daß die Zimperliese sich fiiäubrn wird, wo Andere außer sich wäre» vor Freude . . ." Die Überreizung ihrer Nerven machte sich in krampf­haftem Schluchzen Lust.

Carrreri sah sie rr ^wundert an. Spielte sie wieder Mmal KpmHrjt? Aber nein — zwei

der neue Anstalt- - Arzt Dr. Finkelstein de8 äolischen Berliner Waisenhauses M der Alten Jakobsflraße in Berlin Lbnc die Zustände un Säuglings-Asyl besagten Waisenhaus. Und gleichzeitig wird bekannt, daß der derUner Magistrat längst schon amtliche- K«-utniß von der ganz m> gemein hohen Sterbltchkert der tn dem bezei.'" n Asyle untergebrachten Säug- mge hat; aber l-«' earand hört etwas davon daß Maßnahmen getroffen seien, um diesen empören en Mißständen abzuhelfen. Die Verwaltung der

Stadt Berlin aber redet sich in die hö chste rüstung hinein, wenn ein ungerathener Bursche tn einem katholischen Waisenhause die verdiente Züchtigung in gelindem Miße ruerthnlt erhalt. Man weiß nicht, was man mehr tadeln sill dte ungeheuerlichen Zustände rm Säuglings-Dyle, denen nach dem amilrchen Zeugmffe deS leitenden Arztes selbst die kleinen Menschen reihenweise zum Opfer fallen, oder das elende Pha isaerthum, mit dem der Berliner Freisinn zusammen m.t der Sozialdemokratie sich zum Achter über dieWarsen schwestern im Jasephs.Wmsmhause rnl Potsdam aufwarf. Am erstaunlichsten aber ist es, daß eS immer noch Me, scheu gibt, die willig das °l erne Märchen von de- Berliner Muster - Verwaltung unter der Herrschaft des Berliner Kommunal-

tz Hvstes >£att

♦ Di; Kam Misston fftr Arveilerflatiflik, die am Mittwoch ihre diesmalige Tagung be­gonnen hatte, hat ihre Bwarhungen beendigt. Zunächst wurde der Bericht über die Sonntags­ruhe in der Binnenschifffahrt mit un­wesentlichen Aenderrwgm festgestellt und auf Ar- trag deS Ministerialdirektors Geh. Raths Dr. Fischer der Zusatz gemacht, daß eS sich heraus­gestellt hat, daß bezüglich der Arbeitszeit in der Woche Erhebung n «»gestellt worden find. Hier­auf nw'don die 0it4g;arbeitet9fl F.agcbogm über di; Arbeitszeit der kaufmännischen An­gestellten in solchen Contoren und Handels- gefcbäften, die riebt mit offenen Verkaufsstellen in Verbindung st h 'N, mit unwesentlichen Aende- tungeit sestgeflellt. Schließlich sollen Erhebungen über das Verhältniß der Gehilfen und Lehr­linge im Fleischergewerbe und der Ange- stellten in den privaten gewerblichenFuhr- nnternehmungen angestellt werden. Zur Eriedigung der hierzu erforderlichen Vorarb-iten wurde eine Unterkommisston eingesetzt; in diese wurden aus dem Reichstage die Abg. Jak ob s- kötter und Schmidt-Elberfeld hineingewählt.

X gSertiner Waisenpssege. „Die Luft ist dauernd verpestet. . . Von sämmttichen im Laufe deS Monats April angenommenen, bet der Einlieferung von gesunden ober nur mit un­bedeutende * Leiden behafteten Kindern sind, sofern nicht in wenigen Tagen Wiederemlaffung erfolgte, heute nur noch zwei oder drei gesund. . . Ei i auch nur wenige Tage dauerndes Verweilen der Kinder bedeutet eine schwere Gefährdung der Ge­sundheit, etn längerer Aufenthalt eine enorme Lebensgefahr. . .", so berichtet amtlich ehrliche, dcke Th.änen rollten ihr wahrhasti über eie Wangen herab.

„WaS gibt's denn?"

„Ach, das Geld . . . daS dumme Geld. . . Neuburger wird unverschämt und schickt Mahn­briefe . . ."

Sie stand auf, ging an ihren Schreibtisch, nahm ein Papier heraus und hielt eS Carnert hin. „Thun Sie mir den Gefallen un) vrr- kaufen Eie die Obligation."

„Ich wußte gar nicht, daß Sie Kapitalistin find," bemerkte er erstaunt, und dachte bei sich, wie gut sie es verstanden haben milss>, den alten Gruber zu rupfen.

„Das Ichte, waS ich habe," ettläite sie in tragischem Tone.

„Deshalb der schmerzliche Abschied. Gut, ich besorge ei, wenn Sie es Eouard dicht anver­trauen mögen. Thun S e daS Papier tn einen Umschlag und setzen Sie ihren Namen darauf; Vorsicht ist immer gut ... Alle Wetter!" unterbrach er sich. Em ganz unerwarttttr Ge­danke mußte ihm gekommen sein; mißtrauisch sah er von ihr auf das Papier.

Sie war erbleicht, wußte sich aber sozleic i zu fafsm.

„Wenn es irgend welche Umstände verur­sacht, will ich ks lieber selbst besorgen . . . . Geben Sie, geben Sie schnell," befahl sie, als ihres ManneS Stimme im N bemimmer sich ver­nehmen ließ. Sie riß ihm das P aprer förmlich aus der H mb unb warf es in die Schublade ihres Schreibtisches: „Kein Wort zu Edi — er ist auf Geld versessen, we der Teufel auf eine mme Seele,"

Freisinns anhören.

X Dir Kauakkommissts« des prruflt- sche» ASgeorbnetevHauses hat ^ute (Donners- tag) wiederum zwei Sitzungen abgehalten, die dem Mittelland-Kanal gewidmet waren. Aber zu irgendwie entfcheidenden Wendungen tfl es Mt gekommen, tw6 des Herrn Vorsitzenden, des Abg. v on Eynern, d-m °°g-n!chn»Itch di- ««duld ginnt. Herrn von Eynern bat bet bet E Öffnung der Vormittagssitzung die. Mitglieder der Kom­mission darum, ihre Anträge doch schriftlich ein- zuteichm; man seh. sonst nicht klar ww dte Dinge eigentlich liegen. Aber auch an b e Re- gierung wandte sich Herr^von Ey^irrnnwl selben Bitte um größere Klarheit und Beittmmt- Lid: bi? R;aierrwg verfichere alle die eingeb-achten Anträge ihres wohlwollenden JnterrffrS; aber man wiffe und erfahre nichts darüber, w.e bte Regierung eigentlich zu ben vielen Anträgen sich st-lle. Kurz gesagt, die Kommtsfiou w ffe gar nicht m«h', woran sie sei; und nu t möchte doch Ministerprästoent G r a f B ü l o w kommen und der Kommission klaren Wein einschrnken. Dieser kö ,ne sicherlich verbindliche Slklärangen abgeben; und nach solchen Eiklärungen werde ledes Mit- glied der Kommission wiffen, wie es zu stimmen habe! So weit der ungeduldig gewordeue Herr von Eynern. Man kann die Ungeduld begreifen. Aber wenn die preußische Regierung klug ver- fahren will, wir) sie sich von dieser Ungeduld nicht ansticken lasten dürsen, so recht auch Herr von Ey-iern damit hat, wenn er sagt, daß etgent- lich Niemand mehr die Kanaldinge und all s, waS damit zusammenhängt, übersehen könne. Am Freitag wird die Berathung fortgesetzt.

@ Dte Weinkommtsfio« des Ileichstage» hat heute den dritten Paragraphen der Nooelle zum Weingesetze erledigt, der sich mit Wein- pantschereien aller Art beschäftigt und nach den heute gefaßten Beschlüssen verbietet den Auf-

Carneri beobachtete' sie scharf; sir zuckt; j;- doch mit keiner Wimp;r. „Möchte nur misten, was er eigentlich mit dem Papier ist," dachte er. „Die Gruber-Pepi hat am E de mit ihren Be- havpiungen so Unrecht nicht."

Buschmann trat ein, ungewöhnlich erregt.

.Carneri hier?" fragte er-in ein.m Tone, der wenig Wohlwollen v-rrüth. „Auch gut, vielleicht kannst Du mir auf eine Spur helfen. Sind 18 Jntriguen gegen meine Peison, ist es N id gegen Anna . . .? Alle U -terhandlungen wegen einer Konzert-Tourrvr zerschlagen sich. RornerSberg halte sie zu einer solchen so gut wie engagttf. Eben sagt er mir: „F-äulein Spieß unb Moser und wie sie alle heißen, hätten ältere Rechte; auch kämen ihre krcf rgen Stimmen bester zur Geltung bei den anderen Kompositionen mit starker Jnstrumentirung. Faule Au-flütztel Wo findet er dafür ein klangvollere, weichere Stimme, als die Annas? Kurz, es ist bei ihm nichts, unb überall, wo ich mich bemühe, bleibt es nichts."

Carr.eri zuckte die Achseln; allerdings hätte er Auskunft geben können über manches, hütete sich jedoch, es zu thun. Statt seiner ergriff Stephanie daS Wort.

„Dafür hat Carneri eilten famosen Vorschila, Edi; einen Vorschlag, wie man sich ihn groß- mü! Higer nicht denken kann. Damit wäre unS aus aller Gorge geholfen damit . . .“

„Sag' doch lieber gleich, was es ist."

„Er selbst engaziit Anna mit sechstaus-nb Gulden."

„N.in, nein!" schrie der Hofrach förmlich auf. „3bina, unter den Theater-W-ibLbildern? NkmalSi"