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28. Jahrgang.

Iutöa, Donnerstag, den 25. April 1901

M 94.

end Pertag b<i Sulfat»

Peterwaffe Ur. u Coarmoui*

26. Kapitel.

Noch einige Tage flackerte das schwache Lebens- siämmchen, dann war der alte Gruber Nazi hin» übergegangen. Der harmlose Mann, der nie in Wort und That Jemand war zu Leide gethan, der im Gegentheil immer bemüht gewesen, An­deren Freude zu verschaffen, fand viele, die ihn betrauerten; die Betheiligung an seiner Beerdigung war daher sehr zahlreich. Natürlich fehlte auch Buschmann nicht, — und mußte Erfahrungen dabei machen, die an sich sehr bittere Folgen hatten, welche die Qualen in seinem Innern noch dir zur Unerträglichkeit steigerten.

Seine Stiefbrüder und deren Vetter, die Söhne des Bergrathes, waren auch erschienen. Mit Ersteren war Buschmann bis jetzt in freund» schaftlichstem Verhältniß gestanden; diesmal be­gegneten fie ihm fremd. Tante Pepi hatte ge­sprochen! Wiewohl der Testamentsentwurf un« giltig war und somit ihrer Neffen Stellung als zukünftige Erben unerschüttert geblieben, wußten diese dennoch, daß Bruder und Schwägerin sie au« derselben hatten verdrängen wollen; eine Ab­sicht, die man schwer verzeiht. Außerdem hatte Pepi noch gar manches geredet; es fehlte den Brüdern also nicht an Gründen, ihrem Aeltesten an« dem Wege zu gehen. Er sah und fühlte dies

Roman aus dem Wiener Leben.

Bon L. v. N e i d e g z.

------ (Nachdruck verboten.)

1900 vor. Die Einnahme hat 803,7 Mtllionen mehr wie im Vorjahre betragen. Für die Be- urtheilung der finanziellen Bedeutung der Em« nahmen kommt jedoch weniger ihr Verhältniß zum Vorjahre, als das zum Etat in Betracht. Der Etat für 1900 hatte an Zöllen und Der« brauchssteuern eine Einnahme von 789,7 Mill­ionen vorgesehen, so daß das Mehr gegenüber dem Etat in Wirklichkeit fich auf 14 Millionen beläuft. Die Zölle waren mit mit 473,2 Mil- Honen veranschlagt, sie haben 464,5 Millionen, also ein Weniger von 8,7 Millionen ergeben, rie Tabaksteuer ist mit einem Ertrag von 12 Millionen um 0,1 Million hinter dem Etat zurückgeblieben, die Zuckersteuer hat mit einem Ergebniß von 123,3 Millionen ihn um 21,3 Millionen überstiegen, die Salzsteuer mit 41,5 Millionen um 1,7 Millionen, die Branntwein» vrrbrauchsabgabe mit 108,7 Millionen, um 2,9 Millionen und die Brausteuer mit 30,8 Mil­lionen. Die Branntweinmatrr'.alsteuer, die mit 0,7 Millionen die Einnahmen des Vorjahres überstiegen hat, ist mit einem Ertrag von 15 7 Millionen um 2,8 Millionen hinter dem Etat zurückgeblieben, während die Br snv steuer, die im Etat überhaupt nicht berückMigt ist, mit einem Mmus von nahezu 1 Mil­lion erscheint. Einem Mehr von insgesammt 26,6 Millionen steht demgemäß ein Weniger von 12,6 Millionen Mark gegenüber, was den er- wähnten Ukberschuß von 14 Millionen über den Etat ergibt. Die Reichsstewp-labgaben haben zusammen einen Ertrag von 61,3 Millionen oder ein Mehr gegenüber dem Etat von 7,6 Milli- vnen Mark ergeben. Die Börsensteuer allem hat ein Plus von 4 Millionen gegenüber dem Etat zu verzeichnen, die Loosesteuer ein solches von 3,1 Millionen und der neu eing-jüyrte Stempel für Schiffsfrachturkunden von 0,6 Millionen. Die Wechselstempelsteuer weist gegen« über dem Etat ein Mehr von über 2 Millionen auf. Ueber daS Endergebniß, wie eS h üirr die der Reichskasse verbleibenden Einnahmen ge­staltet, ist aus diesen Zahlen ein abschließendes Urtheil nicht zu gewinnen, da eine ganze Zahl von Einnahmen in den bisher veröffentlichten Nachweisen fehlt. Dagegen läßt sich daS finanzielle Verhältniß der Einzel- staaten zum Reiche schon ziemlich genau über­sehen. Zölle und Tabaksteuer haben gegen den Etat ein Weniger von 8,8 Millionen ergeben, denen ein Mehr bei der BranntwrinverbrauchS« abgabe von 2,9 und bei den Reichs-Stempel- abgaben von 7,6, zusammen 10,5 Millionen gegenübersteht. Danach würde fich also daS Verhältniß der Einzelstaaten zum Reich« gegen« über dem Etat gebessert haben. Indessen ist über die Mehreinnahme von 7,6 Millionen aus den Reichs-Stempelabgaden bereits insofern ver« fügt, als sie dem Reichs-Betriebsfonds zugeführt werden muß. Demgemäß steht einem Weniger von 8,8 Millionen auf diesem Gebiete nur ein Mehr von 2,9 Millionen gegenüber. DaS Ve^ hältniß der Einzelstaaten zum Reiche dürfte fich deshalb gegenüber dem Etat etwas verschlechtert haben, und zwar dürsten gemäß diesen Zahlen die Einzelstaaten rund 6 Millionen Mark weniger überwiesen erhalten, als im Etat in Aussicht genommen war.

Theorie und Praxis bei den Sozial­demokraten.

i.

Zu diesem interessanten Kapitel schreibt Herr I. Earbonarts in der Zeitschrift .Pastor bonue':

„War das ein gefundenes Fressen für die gesammte kapitalistische Preßmeute", so schrieb der sozialistische Abgeordnete v. Elm in den .Sozialist. Monatsheften' (Januar) — nämlich : der Strike der Verbandsdruckerei in der Offizin der Leipziger Volkszeitung". Bekanntlich hat Schönlank, ein Führer der Sozialdemokratie, ' als Leiter der .Leipziger Volkszeitung' Setzer l entlassen, nicht etwa, weil er an ihrer Berufs- tüchtigkeit etwas auszusetzen hatte, sondern weil ' er nach seinem eigenen Aurspruche mit ihrer l Partesthäligkeit nicht zufrieden war. Aber so selten sind derartige Vorkommnisse doch nicht. Der Fall Schönlant hat deshalb gar keine ab» ■ sonderliche Verwunderung erregt, v. Elm muß ja selbst das bedauerliche Zugeständniß machen, ‘ daß dieser Fall nicht vereinzelt dasteht und daß derartige Anschauungen nicht allein in Leipzig gang und gäbe sind. Aus den Aussührungen von Elm's aber und aus den Rathschlägen, die er gibt, ersieht man, der Mann ist kein raffe- reiner „Genosse". Ein echter „Genosse" stolpert über derartige Strohhälmchen nicht mehr; er weiß, Theorie und Praxis ist vor allem in der sozialistischen Partei zweierlei.

In der Theorie ist die Sozialdemokratie die Partei, welche den Arbeiterstand vertritt; fie allein hat „mit Recht" den Ehrennamen „Arbeiterpartei" für sich gepachtet. „Die Be­freiung des Proletariers kann nur daS Werk der Arbeiterklasse sein", heißt es ja schon im Erfurter Programm, nur der Arbeiter kann den Arbeiter erlösen. Und nun die Praxis? Wer repräsentirt in Wirklichkeit die Parte»? Juden, alte Revolutionsmänner und halb oder ganz fiudirte Bourgeois — daS find die Haupthähne, wenn die Partei den Ardeiterstand vertritt. Die Proletarierexistenz des österreichischen Juden Dr. Adler ließe fich doch wohl leicht ertragen; die Millionäre und Gutsbesitzer, die in Frankreich das Heft in Händen haben, können den Zu­sammenbruch der Gesellschaft auch ruhig ab­warten; und den Advokaten, Aerzten, Hausbe­sitzern und sonstigen „Proletariern", die in Bel- gien kommandiren, können sich unsere deutschen „Obergenossen schon an die Seite stellen. Mit welchem Jubel werden diese Herren den großen Hobel begrüßen, der alle. Arme und Reiche, Dumme und Weise gleichhobelt! Und ob Aaron Singer froh fein wird, wenn er nicht mehr in einem Wagenabtheil I. Klasse neben einem widerwärtigen Kapitalprohrn zu reisen braucht, sondern als Proletarier unter Proletariern, wenn er statt der 50-Psennixcigarre sich den echt proletarischen 5-Pfennigstengel anbrennen darf?! Und wie wird Herr Bebel sich freuen, wenn er seine Villa in Küßnacht mit ein paar armen Schluckern theilen darf, und Herr von Vollmar, wenn er sein Schlößchen am Walchensee auch ein paar edlen Proletariern mit einräumen darf, die es zur Zeit dank der verruchten kapitalistischen Ordnung nie zu einer ganzen

Hose bringen können. Die englischen Gewerk- chaster haben sich auf dem internationalen Kongreß in London nicht wenig verwundert, eine solche Menge wohlgepflegter Existenzen und persontfizirter „Maffenelende" als Proletarier und Arbeitervertreter begrüßen zu müssen.

Die Sozialdemokratie ist sodann — in der Theorie — auch die einzige Partei, die für )en Arbeiter eintritt. „Was im Deutschen Reiche für die arbeitenden Klaffen bisher ge- chehen ist, da- hat allein die Sozialdemokratie erkämpft"; so steht's in einem sozialistischen Flugblatt. Freilich, im Redenhalten kommt der Sozialdemokratie keine Partei gleich,,im Fordern sind sie allen Parteien, auch dem Centrum, mmer voraus. Seit Jahren schon ist eS Mode — man denke nur an die Parlamentssitzungen >es Januar — daß die Sozialdemokraten bei den Etatsberathungen im Anfänge der Session die Rednertribüne geradezu mit Beschlag belegen und von da aus die gewaltigsten Pauken über )ie leeren Bänke hinaus ins Land hinein reden Über Menschenrechte, Kapitalismus und dergl. Auch ein gerütteltes Maß voll Initiativanträgen zum Aussüllen der Schwerinstage bringen sie jedesmal getreulich ein. „Ein praktischer Erfolg wird dadurch zwar nur äußerst selten erzielt", gibt selbst Karl Legi-n zu; aber, so meint der­selbe in den schon genannten Monatsheften (Februar), es „offenbart diese Fluth aus dem Volke kommender Anträge aufs neue, wie wenig die Regierung geneigt ist, den Wünschen vieler Volksschichten Rechnung zu tragen".

Freilich die sozialreformerische Regierungs­karre muß unaufhaltsam geschoben werden, aber wenn es auf die Sozialdemokratie ankäme, säße fie doch heute noch immer fest. Es ist doch gewiß schon gar vieles besser geworden, und kein Arbeiter, auch die sozialistischen Arbeiter nicht, möchte die Vortheile, die in den Arbeiter­schutz- und VerstcherungSgesetzen gegeben find, entbehren. Und waS hat die Sozialdemokratie dazu gethan? „Im entscheidenden Augenblick", daS mußten fie sich von Prof. Hitze fap< « laffen, „haben fie gegen alle sozialen Gesetze gestimmt." Die Arbeiter wären wirkli n zu be­dauern, wenn sich im Reichstage keine anderen Parteien ihrer annähmen. Manches wäre noch viel besser geworden, wenn nicht die ewigen Stänkereien der Sozialdemokraten den Gesetz­gebern wenigstens den Schein von Recht gegeben hätten, zu erklären: Wir thun nichts mehr, unsere Gesetze werden ja doch nur als „Trutz­gesetze" heruntergerissen, und die Arbeiter wollen, wie die „Vertreter der Arbeiterklasse" erklären, von solchen Gesetzen gar nichts wissen.

bittert durch da» Bewußtsein der Unfähigkeit, sich ihrem Einfluffe zu entziehen.

Ueber der Mutter schonungslos strenge Anf- faffung konnte e« ihn nicht trösten, daß sein Be­kanntenkreis ihn und Stephanie bemitleidete, Pepi Gruber hingegen aufs schärfste verurtherlte. Stephanie hatte den Testaments-Entwurf nicht wieder hergegeben. Sie erzählte davon bei jeder Gelegenheit, trug ihren Auserwählten sogar dessen Inhalt vor, und hätte da« Schriftstück am liebsten unter Glas und Rahmen in ihrem Wohn­zimmer aufgehängt. In billiger Freigebigkeit au« Anderer Säckel fanden diese Freunde e« denn auch unerhört, daß Frau Gruber des Seligen Willen nicht so weit achte, um ihre Erbschaft mit Busch­manns wenigstens zu theilen. Uno vollends ganz empört zeigten sie sich, als Stephame seufzend klagte, daß die böse alte Frau sich obendrein be­mühe, ihr jetzt durch üble, verleumderische Nach- rede zu schaden, als ob sie in der Erschaftssache keine ganz reine Hände hätte. Das sei eine be» q gerne Ausrede, um sich aller Zuwendungen zu enthalten. Und solche waren den armen Busch­manns doch so sehr zu gönnen. Mit ihrer Ver- mögenSlage stand eS schlecht, das war zum öffent« lichen Geheimniß geworden. Die 10,000 Gulden, welche Gruber ihnen vermacht hatte, die jedoch erst nach Jahresfrist ausbezahlt werden fiUttn, konnten allenfalls hinreichen, dien Theil der Schulden zu decken; dauernde Hilfe brachten sie nicht. Hofrath Buschmann müffe fich in einer schlimmen Lage befinden, meinten Einige kopf­schüttelnd, daß er sich entschließen könne, seine Tochter zum Theater gehen zu lassen —und zwar

Versicherungen auf Gegenseitigkeit fein. Die An­stalten sollen die Versicherten gegen Verluste schützen, die durch Beanstandung de» Fleisches bei der amtlichen Schlachtvieh- und Fleischbeschau ent­stehen. Die Versicherung ist obligatorisch und er­streckt sich auf alle zur Schlachtung gelangenden Rinder, Kälber, Schafe und Schweine von 3 Monaten auswärt». Ausgeschlossen sind die im Monat vor der Schlachtung aus einem Bundes­staate eingeführten Thiere, falls diese Fristbestim­mung nicht durch königliche Verordnung einem Bundesstaate gegenüber aufgehoben worden ist. Die aus dem Auslande eingeführten Thiere sind ausgeschlossen, sofern sie bei der Schlachtung nicht bereits ein Vierteljahr im Inland gewesen sind. Weiterhin sind nothgeschlachtete Thiere ausge­schlossen, sowie solche Thiere, für die schon nach den seuchengesetzlichen Bestimmungen Entschädi­gungen gewährt werden. Die Versicherungsbeiträge werden provinziell nach dem Umlageverfahren post­numerando eingezogen. Entschädigt wird der volle Schaden, der durch Feststellung von Untauglichkeit ober Minderwerth des Fleisches entsteht, nach einer von der Provinzialanstalt festgestellten Taxe. Die Entschädigung, deren Höhe der Fleischbefchauer feststellt, wird binnen 3 Tagen ausgezahlt. Gegen die Taxe des Fletschbeschauers ist eine Beschwerde an den Kreisversicherungsausschuß zulässig. In sämmtlichen Städten und in allen größeren Land­gemeinden sollen Freibänke errichtet werden. Der Provinzialanstalt soll ein vom Provinziallandtag gewählter Beamter vorstehen, dem ein Ver­waltungsausschuß zur Seite steht, dem drei von der Landwirthschaftskammer gewählte Mitglieder und ein von den Schlächierinnungen präsentirtes Mit­glied angehören. Den vier Mitgliedern stehen Diäten und Reisekostenersatz zu. Zwischen den Versicherten und den Versicherungsanstalten sir.d als untere Vermittlungsinstanz die örtlichen Polizei­behörden eingeschoben. 25pCt. der Kosten der Schlachtviehverfichernng soll der Staat tragen. Die Unterlassung der rechtzeitigen Anmeldung eine« versicherung«pflichtigen zum Schlachten bestimmten Thieres wird mit 50 Mk. Geldstrafe bezw. mit Hast bestraft.

♦ Die DoKLrrifvorkage und die Mttndes- flaeste«. Nicht nut Bayern, sondern auch noch mehrere andere Bundesstaaten sollen der ,Südd. Reichskorrespondenz' zufolge erklärt haben, daß sie zur Dnrchberathung der Zolltarifvorlage unter Heranziehung von Sachverständigen noch eine geraume Zeit benötigten, ohne daß ein Ter­min, wann diese Prüfung abgeschlossen fein dürste, von ihnen bereits jetzt angegeben wäre. — Wie nach der »Magdeb. Ztg.' verlautet, werden in dem neuen Zolltarif, der augenblicklich den Bundes­regierungen zur Prüfung vorliegt, folgende Zollsätze vorgeschlagen: Für Roggen, Weizen, Hafer 51/» Mark, für Mais 21/» Mark, für Gerstenmalz 51/* Mark, für anderes Malz 8 Mark, für Bohnen, Erbsen, Linsen 31/« Mark für den Doppelzentner, für Kühe und Kälber 5 Mark, für Ochsen 9 Mark, für Schafe 5 Mark, für Schweine 8 Mark für den Doppelzentner Lebendgewicht.

* Der Nachweis über die zur Reichs­kasse gelangte Ist-Einnahme an Kölke« mtb Dervrauchs steuer« liegt, wie Ichon mitge- theilt wurde, nunmehr für das Rechnungsjahr daß dasjenige, was man thm vorwerse, unbe- gründet sei, bann erst wolle fie ihn Wiedersehen. Da fie voranSsetzte, die Hoffnung, bei ihr Hilfe zu finden in seinen Gelonöihen, sei einer der Gründe, weshalb er fie zu besuchen wünsche, wolle sie ihm gleich reinen Wein einschenken. Zu erwarten habe er nichts. Dasjenige, was sie er­spart, — für einen Mann von feiner luxuriösen LebenSweile komme eS kaum in Betracht, — gebühre allen Kindern mit einander. Den Theil, der auf ihn entffUe, wolle sie ab r für Anna und ferne anderen Töchter sicher stellen, da es wohl das einzige fei, waS diese vor dem Bettel­stab retten könne.

E» war ein harter, kalter Bries, an dem Siebe keinen Antheil gehabt, den v-elmehr strenge Gerechtigkeit diktirt. Dennoch legte Buschmann da« Schreiben, das ihn tief erschüttert, ohne Groll aus der Hand. Er gehörte zu jenen unglücklichen Menschen, welche das Verwerfliche ihrer Hand­lungsweise vollkommen erkennen, ohne jedoch ge­nügend Willensstärke zu besitzen,, sich zu ändern. Die Mutter sah in ihm den Erbschleicher, den elenden Schwächling; bei ihrer strengen Rechtlich­keit, ihrer Thatkrast fand er es also natürlich, daß fie dem Verkehr mit ihm anrwich. Verdient war seine Strafe und er mit rwarf fich ihr mit beinahe fatalistischer Ergebung; gleichwohl trug er schwer an ihr.

Und wie um die Strafe zu verschärfen, fühlte er, daß in seinem Inneren seit einiger Zeit ein Gefühl aufquoll, da«, anfangs kaum merklich, sich rasch und immer rascher entfaltete; er war ein Gefühl der Abneigung gegen seine Fran, noch ver-

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Deutsches Keich»

Berlin, den 24. April.

* Da« Avgeordueleuhaus nahm heute die erste Berathung de» Antrages Ring vor auf Annahme eines Gesetzes über die Schlachtvieh- Versicherung. (Ueber den Gang der Verhandlung berichten wir an anderer Stelle. D. Red.) Die wesentlichsten Bestimmungen diese» Antrages sind folgende: Träger der Versicherung sollen in den einzelnen Provinzen zu errichtende SchlaLtoieh- und e» kränkte ihn tief um so mehr, als er er­regbar und zu Zetten gefühlvoll bis zur Sentimen­talität, durch daS Wiedersehen ganz weich gestimmt war. Seinen Bruder, den Arzt, welcher der Mutter Augen hatte, ihr Überhaupt sehr ähnelte, konnte er nicht ansehen, ohne Sehnsucht zu haben, der Matter wieder nahe zu treten, der er nun lange Jahre fern geblieben. Er sagte das dem Bruder und trug ihm auf, der alten Frau diesen Wunsch zu Übermitteln; nur auf wenige Tage, ja nur auf einen Tag, auf ein paar Stunden wolle er sie besuchen. Der Bruder solle ihm angeben, welcher Zeitpunkt wohl am zweckmäßig­sten sei.

Der Arzt blieb kühl und zurückhaltend. Sr meinte, darüber könne die Mutter allein ent­scheiden und versprach, den Auftrag zu besorgen. Er selbst fand aber kein freundliches Wort der Einladung für den Bruder.

Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten; es war der erste Brief seiner Mutter, den Buschmann seit Jahren wieder in Händen hielt; mit klopfendem Herzen öffnete er ihn. In gedrängter Kürze schrieb sie: Die Gründe, aus welchen sie seit Jahren nicht mehr mit einander verkehrten, seien die gleichen geblieben. Sie ver­möge also keine Ursache zu erkennen, weshalb eine Aenderung des Verhältnisses eintreten solle. Er stehe ihr zu nahe, als daß si« wie zu einem Fremden ihm blos von Wind «mb Wetter reden könne, sie würde sich genöldigt sehen, anderes zu berühren, über mancherlei ihm ihre Ansicht zu sagen, wodurch fie jedenfalls ihn verletzen müffe. Wenn sich im LaÜfe der Zeit Herausstellen solle.

Erscheint täglich, W g&t.

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