Srschrin! täglich, m. Ausnahme der Ssau-uud Stier» tage.Liertellährl.
ohne Bringerlohn imd Bestellgeld in
Fulda und auS» värtSlMbOPf.
-
*nl trau: Di» nuspaiiige Petit» «eile oder deren Raum15Pfg.,Re- llamen die Pelit- 8eite 25 Pfg.; bei Wiederholungen ivird-ntsprechend. Rabatt gewahrt.
Dwnrt®ortU<t: AL» die Rrdaktioa 2f#f. 35««n, ja» jatwoU 3. v-»»«lle» tu Aalda.
mit Anterfiakümgs -Jeilage „Zflnsirirte Somlags-Zeitung" Peler»ii-Se Nr. 2 cbattuotv*
jgi 91. Jutöa, Montag, dm 22. April 1901.
■eaeeaeewBaöteeieetTTÄa
28. JahrgMg.
Q Berkoppelungs-Politik.
Die Auffassung, die an dieser Stelle bereits mehrfach Ausdruck gesunden hat, daß nämlich trotz alledem und alledem Neigungen zur Verkoppelungs- Politik in den obersten Regierungsregionen bestehen, wird auch vielfach anderwärts getheilt, im Centrumslager, bei den Liberalen, bei den Konservativen.
In der nationalliberalen.National-Zeitung' wurde kürzlich in diesem Sinne auf das eigen- artige Auftreten des srrikonservativen Abgeordneten Freiherrn von Zedlitz hingewiesen, der schon im Plenum des Abgeordnetenhauses zur Ueberraschung vieler Zuhörer und im Widerspruch mit allen anderen Rednern ohne sichtbaren Zusammenhang Kanalvorlage und Zolltarif in Zusammenhang mit einander brachte. In der Kanalkommtsfion des Abgeordnetenhauses aber achteten die Herren von der Regierung stets mit ganz besonder m Entgegenkommen auf das, was Herr von Zedlitz wollte, was Herr von Zedlitz sagte. Das machte den Eindruck bestellter Arbeit.
Eines der Hauplblätter der Pommerschen Konservativen, die ,Pommersche Reichs post', hat Niemals den halbamtlichen Versicherungen vollen Glauben geschenkt, das an eine Verkoppelung von Kanalvorlage in Preußen und Zolltarif im Reiche nicht gedacht werde. Bis zu allerletzt hat diese Zeitung auch an der Meinung festge- halten, daß man mit dem Worte vom „Kanal- schlucken" wie mit einer kaiserlichen Aeußerung zu rechnen habe. Und selbst die Versicherung deS .Reichsanzeigers' und der .Norddeutschen Allgemeinen Zeitung', daß diese oder eine ähnliche Aeußerung des Kaisers niemals ergangen sei, macht bei einem unserer ersten Centrumsblätter, der ,Kö ln is ch e n V o lks zei t u n g', nur geringen Eindruck. „Wenn man will — so schreibt das genannte rheinische Blatt — kann man auch dieses Dementi so lesen, daß es noch nicht ausreicht, um das Wort vom Kanalschlucken als nicht gefallen zu erweisen; denn man kann einen Unterschied zwischen diesem Worte und dem hier (eben in dem Dementi) bestrittenen konstruiren. Auch kann man diesem Dementi den Glauben deshalb verweigern, weil die Offiziösen notorisch manchmal die Unwahrheit sagen. Jndeß wir wollen uns gern zufrieden geben....."
Mehrere Spalten hindurch könnte man Zeitungsstimmen desselben nicht ganz gläubigen Sinnes anführen. Es genügt, festzustellen, daß sie wirklich vorhanden sind, um die Sachlage urd die herrschende Stimmung richtig zu kennzeichnen. Mit einer Stimmung aber, die so weite Verbreitung hat, muß unter allen Umständen gerechnet werden. Namentlich die Regierung wird gut thun, damit zu rechnen. Es könnte sich sonst ereignen, daß sie auf einmal kei rielen Abgeordneten starre Opposition vorfindet, wo sie solche bisher nicht erwartet hatte. Selbständig denkende und handelnde Vertreter des Volkes darf man nicht regieren wollen wie die Schulbuben.
Won Stufe zu Stufe.
Roman auS dem Wiener Leben.
Von L. v. N e i d e g g.
48 ------ (Nachdruck verboten.)
Trotz ihrer Entschlossenheit schauderte ihr aber, wenn Re an dasjenige dachte, wa» Stephanie ihr zumuthete: wenn sie Carneri's zudringlichen Reden, seiner begehrlichen Blicke sich erinnerte. Brennender als je erwachte in ihr da« Verlangen nach einer stillen Häuslichkeit, in der zwei Herzen von der gleichen Liebe erfüllt, zwei Seelen, dieselben Bestrebungen theilend, einander bis zum Tode angehören würden.
„O Franz, Franz, komme! Nimm mich von hier!" rief Re, die Arme weit ausbrettend, wie im halben Fiebertraum.
„War soll das Flennen?" hörte Re Stephanie'- Stimme. Anna sprang auf; die Thränen zurückdrängend, stand sie vor der eben eingetretenen Stiefmutter, und sah ihr mit den klaren Augen voll in'« Gesicht.
„Du wünschest?" fragte sie eisig kalt.
„Ein vernünftiges Wort mit Dir zu reden. Du renommtrst immer mit Deiner Liebe für den Vater; beweise sie durch die That. Carneri mag Dir unangenehm sein, ec ist aber ein braver Mann, dem wir sehr zu Danke verpflichtet sind. Begegne ihm also nicht unfreundlich, prunke vor Onkel Ignaz nicht mit Deiner Sprödigkeit gegen ihn, oder mit dem Ruhme, diese Liebe verschmähen zu wollen."
Deutfchrs K^ch»
Berlin, den 20. April.
* Der Sentorenkovvevt des Iteichstages, den der Präsident zur Besprechung über die Geschäftslage berufen hatte, einigte sich, wie schon kurz telegraphisch gemeldet, Freitag Mittag darüber, daß nach der zweiten Brratd -ng des Verlagsrechts die ersten Lesungen so! en über das Saccharingeseh, die Branntweine -eile, die ostafrikanische Eisenbahn. Daran wird die zweite Berathung des Versicherungsgesitzss sich anschließen. Hierauf folgen die dritten Berathungen der bis dahin erledigten Gesetze. Das Schicksal der Seemannsordnung, der beiden Weingesetze steht noch dahin; die lex Rintelen dürfte nach der .Freisinnigen Zeitung' unter den Tisch fallen. Der Präsident schlug vor, die Sitzungen bis zum 23. Mai fortzusetzen, falls alsdann die Session geschlossen werden könne. Wenn dies nicht zu erreichen sei, sollten vom 14. Mai bis zum 3. Juni Ferien stattfinden. Mehrfach wurde der Wunsch geäußert, so lange wie möglich vor Pfingsten weiter zu verhandeln, um womöglich den Tagungsschluß herbeizuführen. Man behielt flch die weitere Erörterung dieser Frage vor.
+ Die oberoffiziöse.Norddeutsche Allgemeine Zeitung' schreibt: In rerschiedenen Tagesblättern ist davon die Rede, daß zur Deckung, der im Reiche bevorstehenden Steigerung der Haushaltsbedürfnisse die Erhöhung der norddeutschen Aier-
„Wann hätte ich das gethan?" fragte Anna gereizt. „Wenn Herr Carneri in Gegenwart des Onkels mich mit einer Erklärung belästigt, hat er es nur sich selbst zvzuschreiben, daß er vor Zeugen abgefertigt wird."
„Schau, schau wie hoffärtig! J'tzt aber bändige Deinen Stolz und nimm Vernunft an. Carneri wird Dir mit Liebeserklärungen gewiß nicht wieder zur Last fallen; es gibt genug andere, bessere wie Du, die ihn mit Freuden hei- rathen würden. Aber begegne ihm höflich. Und dann erwarte ich von Deinem Zartgefühl, daß Du zu Niemand von der ihm gewordenen Abweisung redest."
„Der Gegenstand ist mir viel zu unangenehm, als daß ich ihn freiwillig berühren möchte."
„Um so besser. Aber auch von Deiner sogenannten unglücklichen Liebe rede zu Niemand. Nichts lächerlicher als mit Herzenswunden sich intereffant zu machen. Dein Anbeter hat sich gewiß längst getröstet; für unS ist die Sache so wie so abgethan. Wir können Dir nicht befehlen, nicht mehr an jene Episode zu denken; aber daS erwarten wir von Dir, daß Du den Vater nicht etwa als einen Tyrannen hinstellst, indem Du Andere in das Vertrauen Deiner Liebes-Angelegenheiten ziehst. Versprichst Du zu schweigen?"
„Ich habe das Versprechen dem Vater gegeben und gewissenhaft gehalten. Sollte Dir das nicht genügen?"
„Impertinentes Ding!" fuhr Stephanie auf.
Die Thüre geräuschvoll hinter sich zuschlagend, ging sie auS dem Zimmer.
„Gruber will fein Testament verändern!"
Leider gibt es auch noch andere politische Verkoppelungen. Die Nebenbahn-Vorlage für das preußische Abgeordnetenhaus soll erst kurz vor Pfingsten eingebracht werden; so wenigstens wird in der Presse angedeutet. Dabei soll hauptsächlich nach den ZettungS»Ankündigungen der preußische Osten bedacht, der Westen der Monarchie stiefmütterlich behandelt werden. Auch im Jahre 1899, als die Kanalvorlage zum ersten male zur Berathung stand, wartete man vergeblich auf das Einbringen der Eisenbahn-Vorlage; schließlich blieb dieselbe ganz aus. „So scheint es," schreibt dazu die,German.', „auch diesmal gehen zu sollen." VonBedeutung wird dieses Ausbleiben der Eisenbahn-Vorlage für das Schicksal der ostafrikanischen Bahnvorluge von Dar-eS- Salaam nach Mrogoro werden, welche nächste Woche im Reichstage zur ersten Lesung gelangen soll. Glauben die verbündeten Regierungen ernstlich, daß sich im Reichstage eine Mehrheit für eine solche afrikanische Bahn finden werde, oder für die dafür beanspruchte Zinrbürgschaft, so lange die Erfüllung der seit Jahren zugesagten dringlichsten Forderungen für die Erschließung inländischer Landertheile für den Eisenbahnverkehr wieder in Frage gestellt ist? ... . Der Reichstag wird sich also wohl erst in seiner kommenden Tagung mit der Forderung für eine Eisenbahn Dar-es-Salaam—Mrogoro ernstlich zu beschäftigen haben."
Die Regierung möge auch daraus ersehen, daß sie mit einer solchen Verkoppelungs- und Rachepolitik die S ch w i e r i g k e i t e n, die ihren Wünschen entgegenstehen, nur vermehrt, anstatt sie zu vermindern. Sie sollte bei Zeiten diejenigen Lehren nnd Schlußfolgerungen daraus ziehen, die sehr nahe liegen.
die
Aus dem Reichstage.
<0F> 78. Sitzung vom 20. April.
hl. Vater hatte, wird der .Neuen Bayer. Ztg.' aus Rom geschrieben: „Der hl. Vater nahm selbst das Wort, um seine Freude auszusprechen, die „Bayern" zu sehen, sprach von den Kämpfen, die auch wir durchzufechten haben, und ermahnte zu treuem Ausharren in der Arbeit sund zum Festhalten am Apostolischen Stuhle. Er wies hin auf das katholische Leben am Rhein, nannte Köln und Trier und sprach von dem Tröste, den ihm das katholische Leben der Deutschen be- reite."
(Weitere Mittheilungen befinden fich im zweiten Blatte.) ___________
„Hast Du es durch Düne Jntriguen so weit gebracht?" höhnte er. „Ich wette, Du kennst den Inhalt des zukünftigen Testomertts."
„Und wenn dem so wäce, so könnte es nur sein, wttl mir der Onkel denselben mitgetheilt hätte," erwiderte sie, mühsam ihren Zorn be- meisternd. „Morgen Sot mittag kommt Notar Friedberger, bringt zwei Zeugen mit . . ."
„Da will ich in aller Morgenfrühe fort, um dem schändlichen Handel au8 dem Wege zu gehen," rief er erregt.
Sie sah ihn groß an, ihre blauen Augen flimmerten eigenthümlich, die Nasenflügel bebten, die feinen Lippen kräuselten sich verächtlich.
„Nein. Ader an Deiner Stelle würde ich sofort zu Gruber geben, ihn warnen vor der eigenen Frau, ihm sein Vorhaben ausreden ..."
„Aha!" rief sie triumphirend, als Buschmann stumm und regungslos vor ihr stehen blieb. „Aha, so war's nicht gemeint. Den Vortheil willst Du rinheimsen unter tugendhaften Sal- badereien .... das Odium aber soll bte Frau kEn .... o Schwächling! Schwächling! Schwächling I" Sie machte eine Geberde des Ekels.
Der Vorwurf war zu begründet, um nicht wie ein scharfer Geißelhieb zu treffen. Busch- mann sand denn auch keine andere Antwort, als eine Gegenanklage ihr entgegenzuschleudern: „Wer hat mich heruntergebracht? Wer ist schuld an meinen zerrütteten Vermögensverhältnissen? Niemand anders, als Du, die ebenso alles, was in mir an Begeisterung für hohe Ziele vorhanden war, erstickte. Du, Du allein! WaS noch Gutes an und in mir war, hast Du erlöstet;
Stimmen der äußersten Linken angenommen.
Es folgt sodann die zweite Berathung des Gesetzentwurfes über das Verlagsrecht.
Ein wichtiger Paragraph ist Paragraph 28. Derselbe handelt von der Uebertragbarkeit des Verlagsrechtes. , ,
In dem RegierungS - Entwürfe ist diese N ibertragbarkeit ohne Einschränkung ausgesprochen.
Die Kommission hat die Urbertragung nur einzelner Werke (im Gegensätze zu dem gesummten Berlagsgeschäfte) abhängig gemacht von der Zu- stimmung des Berfaflers, zugleich aber beschlossen, daß diese Zustimmung nur „aus wichtigen Gründen" verweigert werden kann. .
Ein sozialdemokratischer Antrag (Dietz und Genossen) will ohne jede Einschränkung die lieber- tragung von Verlagsrechten von der Zustimmung de» Verfassers abhängig machen.
Ein weiterer Abänderungsantrag der freisinnigen Abgeordneten MSkler-Meiningen und Hraeger will die Nebertragung von Verlagsrechten ohne Zustimmung be» Verfassers zwar nicht vollkommen ausschlteßen. aber doch nur dann zulaffen, wenn es sich um die Ueber- tragung des ganzen Verlagsgeschäftes handelt.
Es entwickelt sich eine längere Debatte, an der die Abgeordneten MMer-Meiningen, Dr. Hertel (kons.), Schrader (stets.), Zehnter (Centrum), Stadthagen (sozialdem.), Dr. Arendt (freikonseroativ) theilnahmen, für die Regierung der Geheimerath Aekörück. Sodann wird der Paragraph in der Fassung der Kommission». Vorschläge angenommen.
Der 88. Paragraph trifft Bestimmungen für den Fall, daß der Verleger in Konkurs geräth. Nack
ES find noch die Resolutionen zu erledigen ___ von der Kommission zum Gesetze übet das Ur* heberrecht vorgeschlagen werden. ,
Die erste dieser Resolutionen strebt eine Berem- barung mit dem Staate der Berner Konvention darüber an, daß Uebertragungen von Ton- werken auf mechanische Musikinstrumente künftig nicht ohne die Erlaubniß des Urhebers zulässig sein soll. Nachdem Abg. Kngeu Mchter gegen diese Resolution gesprochen hat, wird sie angenommen. Abg. Richter machte dabei auf die äußerst schwache Besetzung des HauseS aufmerksam, in dem nur etwa 40 Abgeordnete versammelt find.
Die zweite Resolution wünscht, daß bei neuen Auflagen und bet der Aufführung von Werken, die nicht mehr geschützt sind, von den Verlegern und Unternehmern eine Abgabe erhoben werde zu Gunsten bedürftiger Schriftsteller und Tondichter.
Die Resolution wird zur Annahme empfohlen von den Abgeordneten Dr. Ksche (natl.) und Welkstein (Centrum), bekämpft von den Abgeordneten Dr. Gettek (kons.), Mütker-Meiningen (freis. Volkspartei), Stadthagen (sozialdem.), Dr. Kaste (natl.) und alsdann abgelehnt. ... m
Die dritte Resolution verlangt eine neue Regelung des Urheberrechtes an Bildwerken und Photogrammen, Mustern und Modellen, und wird ohne Debatte angenommen.
Neu beantragt ist von den Abgeordneten ASstng und Genossen eine wettere Resolution zu Gunsten der Beseitigung des fliegenden Gerichtsstände» der Presse. Diese Resolution wird gegen die
steuer geplant werde. Demgegenüber ist zu bemerken, daß eine Berathung oder gar Verständigung unter den verbündeten Regierungen darüber, in welcher Weise der schon für das nächste EtatS- jahr zu erwartende beträchtlicheMehrbedarf im Reichshaushalt zu beschaffen sei, noch nicht stattgefunden hat. Die in dieser Beziehung umlaufenden Gerüchte über Steuer-Projekte entbehren somit der Begrüßung. — Mit andern Worten: Neue Steuer kommen sicher, aber welche man einführen soll, das weiß „man" noch selber nicht.
h Die Kana! - Kommission des preußischen Aögeordnetentzanfes hat am Samstag zwei Sitzungen abgehalten, an denen die Minister v. Miquel, Freiherr v. Hammerstein und v. Thielen theilnahmen. In beiden Sitzungen handelte es sich um eine General - Debatte über dm Mittelland.Kanal, die heute noch nicht beendet worden ist. Sie wird am nächsten Dienstag fortgesetzt werden.
4- Uetzer Zolltarife und Aandelsver- träge hat kürzlich der Abg. Fürst Herbert Bismarck in einer Rede gesprochen, die er in seinem Wahlkreise gehalten hat. Mit manchen Ausführungen des Fürsten kann man nicht ein« verstanden sein. Aber treffend hat er die Lage gekennzeichnet, in der wir uns mit unserem neuen Zolltarif und mit dem Abschlüsse neuer Handelsverträge befinden. „Es ist schade — so sagte der Fürst — daß der Zolltarif erst int Spätherbste in den Reichstag gelangen weroe, nachdem die Zusage der Thronrede, daß er im Winter dem Bundesrathe zugehen werde, nicht erfüllt worden sei. . . . Diese Hinziehung ist um so mehr zu beklagen, als von der Linken für die Berathung des Zolltarifgesetzes im Reichstage eine rücksichtslose Obstruktion angekündigt ist und daher Jahr und Tag vergehen kann, bis der Zolltarif fertig wird. Der 31. Dezember 1902 ist aber schon der Kündigungstermin für die Handelsverträge für uns oder für die anderen Vertragsmächte; und gegen die Obstruktion ist ohne Aenderung der Geschäftsordnung im Reichstage schwer anzvkämpsen . . . ." So weit Fürst Bismarck, der mit diesen Ausführungen ohne Zweifel die Lac-e der Dinge richttg kennzeichnet. Die Entscheidung über den Zolltarif im Reichstage kann ganz gut bis zum Hochsommer des Jahres 1902 sich hinausziehen. Erst nach der völligen Erledigung des Zolltarifgesetzes können die eigentlichen Verhandlungen über neue Handelsverträge beginnen. Erst nach fertiger Vereinbarung über die neuen Handelsverträge können die gegenwärtigen Handelsoerttäge gekündigt werden. Wie in aHer Welt will die Reichsregierung es fertig bringen, daS alle» bis zum 31. Dezember 1902 zu erledigen? Das wird nicht möglich sein; und deswegen werden die bestehenden, für uns ungünstigen Handelsverträge in Folge der unbegreiflichen Verzögerung deS Zolltarif. gefetzeS länger in Geltung bleiben müssen, als es nöthig ist und der Fall sein würde, wenn bei der Regierung alles nach den Versprechungen gegangen wäre, die sie in der Thronrede bei der Eröffnung des Reichstages gegeben hat!
* MSvH-Nz 20. April, lieber die Audienz, welche der Herr Erzbischof von München mit einigen anderen Herren am 16. d. beim Mit dieser Nachricht empfing Stephanie am Nachmittage ihren heimkehrenden Mann.
Er war nicht in der Stimmung, die Mittheilung freudig aufzunehmen. Unzufrieden mit sich und aller Welt, hätte selbst eine wirklich frohe Botschaft ihn in diesem Augenblicke nur schwer zu beleben gemacht; um wie viel weniger diese Nachricht, die ihm verkündete, daß nunmehr der Bruch mit allen Anschauungen seiner Jugend, mit dem wenigen, was ihm an Vornehmheit der Gesinnung etwa noch geblieben, fich vollziehe. Die Nachricht war gewissermaßen die Ergänzung dessen, was er im Laufe des Tages erfahren, der letzte Tropfen, der den Kelch zum lieber lauf en brachte.
Sein Vorgesetzter hatte ihm — ganz freund« lich, jedoch eindringlich von bösen Gerüchten gesprochen, die über ihn umliefen, — die feine zerrütteten Vermögensverhaltniffe, feine Schulden beträfen. Er hatte ihm geraden, denselben mit allem Nachdruck entgegenzutreten, da sie sein Ansehen, seine Zukunst schädigten. Buschmann hatte daS Gerede abzuschwächen versucht und den Chef mit der stolzen Erklärung verlassen, es werde dessen Grundlofigkett erweisen. Seinen Vorgesetzten vermochte er mit seinen Versicherungen zu täuschen, — sich selber nicht; er kannte fein Unvermögen, Wandel zu schassen. Von Grimm er« füllt gegen sich selbst und noch mehr gegen diejenige, welche ihn auf die abschüssige Bahn gedrängt, auf der eS kein Smporkommen mehr gab, kam er nach Hause und begrüßte es jetzt als Wohlthat, Gelegenheit zu finden, den Groll, der in ihm kochte, fich von Herzen zu sprechen.