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3 pel3#lUf iu 5al6a- mit ZLnterhallungs -Anlage „Issustrirte Sonntags-Zeitung"
Druck und Verlag de» Snltoer Acttendruckerei peterszage Nr. 2 Cbarmonle).
M 85.
IsuLÄa, Montag, den 15. April 1901.
28. Jahrgang.
0 Unter der Herrschaft der Sozialdemokratie.
Es gibt ja leider noch immer Leute, die an die Aufrichtigkeit und Ueberzeugungstreue der großsprecherischen Redensarten der sozialdemo kratischen Wortführer glauben, wenn wenn diese von der „Sklaverei der gegenwärtigen Gesellschaft" und von der „Freiheit und dem Himmel auf Erden" reden, die die Sozialdemokratie den Menschen bereiten wolle. Und doch häufen sich in geradezu maffenhafter Weise die Beispiele vom Gegentheil.
Noch in frischer Erinnerung ist das be- dauernswerthe Schicksal des sozialdemokratischen Abgeordneten und Zeitungsverlegers Oertel ig Mrnberg: er, der sich für die „Genoßen" mit seiner ganzen Arbeitskraft aufgeopfert hatte, wurde von diesen unter die Füße getreten und sollte seiner Arbeitsverdienstes beraubt werden .. ein herrlicher Himmel auf Erden!
Schon häufig erschienen in den Zeitungen Mittheilungen über die Ausbeutung der Arbeitskraft von Leuten, die in sozialdemokratischen Betrieben angestellt sind. Es sei an den Ausstand der Arbeiter in einer sozialdemokratischen Berliner Genossenschaftsbäckerei erinnert, bei der die Unternehmer auf der Bärenhaut lagen und reiche Gewinne einheimsten, die Arbeiter aber um keinen Pfifferling besser gestellt waren, als unter den denkbar ungünstigsten Ber- hältniffen in anderen Bäckereien. Das hervorstechendste Beispiel für solche Mißverhältniffe find und bleiben aber die Arbeiterkonsum- Vereine in Sachsen, die ebenfalls durchaus sozialdemokratische Unternehmungen find.
Die Angestellten dieser Konsumvereine haben von jeher so lange Arbeitszeiten und so schlechte Bezahlung, wie nicht leicht die Angestellten irgend eines anderen ähnlichen Unternehmens Aber nicht daS allein ist eS, worüber dieselben zu klagen haben. Zwei Vorstandsmitglieder des Arbeiterkonsumveretns zu Deuben im Plauen- scheu Grunde wurden vom Dresdener Landgericht zu je 1985 Mark Geldstrafe verurtheilt, weil der Verein wiederholt Fleisch- und Fettwaaren nach Sachsen eingesührt hatte, ohne den vorgeschriebenen Zoll zu bezahlen. Die zwei Vorstandsmitglieder sind Familienväter und vollständig mittellos, an dem Versäumnisse selbst kaum schuld. Der genannte Konsumverein wirft den Unternehmern reiche Erträge ab; aber — Himmel auf Erden! — die sozialdemokratischen Unternehmer kümmern fich nicht im geringsten um das Schicksal der „Genoffen", die in ihrem Dienste stehen. Sie zahlen die Strafen nicht, und nun müffen die beiden bedauernSwerthen Männer, weil sie nicht zahlen können, jr rin Jahr Gefängniß als Ersatz für die Geldstrafe abbüßen!
Der Fall Schönlank in Leipzig ist bekannt: der sozialdemokratische Abgeordnete Schönlank beraubte mehrere Schriftsetzer ihrer Stellungen in seiner,Leipziger Volkszeitung' entgegen aller sozialdemokratischen Theorie, ohne daß der Berliner Partei - Vorstand dagegen einschritt; und neuerdings stellen die Mitglieder des sozialdemokratischen Buchbinder-VerbandeS in
Ion Stufe zu Stufe.
Roman aus dem Wiener Leben.
Bon L. v. N e i d e g g.
42 ------ (Nachdruck verboten.)
„Schau Alte, wenn... Du weißt was . . . geschehen sollte," — fir schrak zusammen — „vielleicht erst in langen Jahren . . . nachher gehst gleich über den Schrank. . . verstanden?"
„Gewiß Ignaz."
„Da nimmst Du hier das Packet heraus. ES enthält Werthpapiere; hier habe ich die Nummern ausgeschrieben. Gleich nimmst Du es an Dich, gleich, hörst Du? Ich habe den Franz Urbach gern und möchte ihm etwas Gutes erweisen. Einige behaupten, sein Vater habe einen Theil seines Vermögens verputzt, andere sagen, im Gegentheil, er habe eS noch vermehrt. Sollte es herauskomme«, daß eS schlecht mit dem Franz feinen Finanzen steht, so gibst Du ihm hier die Papiere als Andenken an den Onkel Naz. Braucht er das Geld nicht,, darfst Du's zu frommen Zwecken verwenden . . . Aha! da horcht fie auf. Möchte am liebsten dem Franz nichts geben, was?"
Scherz hatte die würdige Frau nie verstanden: „Nein, nein!" widersprach sie feierlich. „Du kannst Dich auf mich verlassen. Bei Franz Urbach wäre das Geld gut angewendet. Pünktlich werde ich Deinen Willen erfüllen, wenn es Gottes Wille ist, daß ich Dich überlebe... Aber wer ist denn das ?"
Chemnitz die Gewaltforderuug auf, daß jeder Geschäfts-Inhaber, bei dem Buchbinder-Arbeiten für sozialdemokratische Parteizwecke ausgeführt werden, der politischen und gewerkschaftlichen Organisation der Sozialdemokratie fich anschließen müffe — müffe, oder die Aufträge werden ihm entzogen. Das ist die „Freiheit", welche die Sozialdemokraten meinen.
Die kräftigste Leistung dieser Art ist aber die Behandlung oder vielmehr Mißhandlung der Aerzte der Ortskrankenkasse in Leipzig. Man sagt zwar, es seien an der Sache auch bürgerliche Mitglieder des Raffen« vo standeS betheiligt, und daS kann ja auch wahr sein. Auf jeden Fall besteht der Vorstand der Krankenkasse überwiegend aus Sozialdemokraten, und wenn diese es anders gewollt hätten, hätte eS anders geschehen müffen. Trotz aller Widerreden einiger sozialdemokratischer Blätter bleibt also der Vorwurf doch auf den Sozialdemokraten sitzen. Der Sachverhalt ist der folgende: Nach einem Vertrage, der im Jahre 1890 abgeschlossen worden ist, soll der Kassenvorstand mit einer Vertrauenskommission der Aerzte verkehren. Die Anstellung und die Entlaffung von Aerzten unterliegen dem Gutachten dieser Kommission; der Vorstand soll mit den Aerzten durch diese Kommission verkehren. Im Jahre 1899 hat die Kaffe, die sonst sehr gut steht, mit einem Fehlbeträge abgeschloffen, und der Vorstand behauptet, die Aerzte seien zu bereitwillig in der Bescheinigung der Erwerbsunfähigkeit. Die Kommission be- stritt dies. Der Vorstand kümmerte sich aber gar nicht mehr um die Kommission, lud die Aerzte an die Kaffenstelle vor, und machte ihnen Vorhaltungen, drohte schließlich mit der Aufhebung der freien Aerztewahl und Anstellung von DistriktS-Aerzten und beantwortete alle Proteste der Aerztekommission mit vollkommener Nichtachtung. Wohl aber verlangte der Vorstand von den Aerzten, von nun ab nur noch Kaffenärzte in die VertrauenSkommisfion zu wädlen. Die Aerzte fügten sich nickt und durften sich nicht fügen, sondern wählt n dieselbe Kommission wieder, worauf der Vorstand erklärte, daß er die Kommission nicht wehr anerkenne. Die Folge davon ist nun die, haß 155 von den 270 Kassenärzten ihre Thätig->it für die Krankenkasse aufgekündigt und eing'stellt haben.
So tritt der in seiner Mehrheit sozialdemokratische Kmnkenkaffen-Vorstand daS KoalttionS- recht mit Füßen — so brutal, daß sogar daS sozialdemokratische Centralorgan seine warnende Stimme erhebt und die Leipziger „Genossen" zur bessern Einsicht ermahnt. Aber keiner von denen, die eS angeht, kümmert sich darum; vielmehr sucht man „Streikbrecher" von auswärts h ran- zuziehen, um die Aerzte, die ihr Recht wahren, auf die Seite zu schieben.
Schnöder als durch den Leipziger Kranken- kaffen-Vorstand mit seiner sozialdemokratischen Mehrheit kann die sozialdemokratische Lehre von der goldenen Freiheit im „Zukunftsstaate" nicht verhöhnt werden. Außeroem aber wird der Leipziger Fall auch nicht ohne Einfluß bleiben auf die Revision des Krankenkaffengesetzes, die
„Guten Morgen, Onkel Nazi," rief Slephames laute Stimme. „Mit Zählen Ihrer Schätze beschäftigt? Möchte dies Gefühl auch kennen lernen. Wie ein Rothschild stehen Sie da."
Sie stand schon im Zimmer, eine große Handtasche am Arm und ihr Blick musterte neugierig den Inhalt des Schrankes.
Unwillkürlich streckte Pepi die Hand aus, dem profanen Auge die Schätze zu verbergen, indem sie hastig die Thüre zuwarf.
„Halt! halt! nicht so hitzig!" rief Stephanie boshaft. „Ich komme nicht um zu nehmen, sondern um zu bringen." •
Gruber, dem dies Vorkommniß eben so neu wie unerwartet war, sah sie mit erstaunten Augen an.
„Ja, ja, Onkel Nazi," fuhr sie heiter fort. „Es ist doch so. Geld nicht, aber Geldeswerth."
Sie griff in die Handtasche und holte einige Etui» heraus. Die möchte ich hier in diesem sicheren Schrank aufbewahren, Onkel. In unserer Nähe hat ein Einbruch stattgefunden, da ist mir bang, daß in der leerstehenden Wohnung ein Unglück geschehe. Hier bleibt doch immer Ihre Magd, und der Schrank'ist auch sicher.
Wie bei all ihren Erzählungen war es ein Gemisch von Wahrheit und Dichtung, das Stephanie auftischte. Der Einbruch hatte stattgefunden, ihre Nerven aber nicht sonderlich beunruhigt, da der Thäter. der auf frischer That ertappt worden, schon hinter Schloß unb Riegel saß. Hingegen nückten sie schwere Sorgen. Einer ihrer Privat- Gläubiger hatte das böse Wort „Pfändung" fallen lassen. In ihrer GeschäftSunkenntniß wußte sie nicht, was sie in der Beziehung zu fürchten hatte; als vorsichtige Frau hielt sie aber dafür, es könne
bekanntlich vorbereitet wird und für die nächste Tagung des Reichstage- in Aussicht gestellt ist. Wenn diese Bestimmungen bringt, die der Sozialdemokratie nicht gefalle«, dann mag diese an Leipzig denken und an die brutale Gewaltherrschaft, die ihre „Genoffen" dorr im Vorstande der Krankenkaffe ausüben!
Deutsches Keich.
Berlin, den 13. April.
* Der Alekchslag nimmt Dienstag, den 16. April, seine Arbeiten wieder mit der Berathung der ersten Lesung des Gesetzentwurfes betreffend die Versorgung der Kriegsinvaliden und der Kriegshinterbliebenen auf. — Als zweiter Punkt steht dann für Dienstag die zweite Lesung des Urheberrechts an Werken der Literatur und Tonkunst auf der Tagesordnung. Für diese schwierige Materie werden 8 bis 10 Berathnngstage in Ansatz gebracht. Zwar hat die Kommission äußerst fleißig gearbeitet und der klare. Übersichtliche Bericht des Berichterstatters Dr. Esche wird die Debatte ungemein erleichtern; indeß finden sich noch eine große Anzahl streitiger Punkte, die in der Kommission überwunden sind, aber im Plenum sicher edier erneuten Diskussion ausgesetzt sein werden. Während der zweiten Lesung des Urheberrechts dürfen allgemach die Berichte aus den anderen Kommissionen einlaufen und dem Plenum weiteren Beralhungsstoff liefern. So soll, wie verlautet, am 20. April der Bericht Über die Vorlage betreffend die privaten Versicherungs-Unternehmungen zur Vertheilung gelangen. Wann der Bericht Über die Seemannsordnunggedruckt werde« ka-n, läßt fich noch nicht vorausbestimmen. Zu diesem Entwürfe beabsichtigen die Sozialdemokraten wieder eine große Anzahl von neuen Anträgen einzubringen. Am weitesten zurück ist die Kommission für dcn Entwurf bett, den Verkehr mit Wein. Am 23. April soll die 2. Lesung stattfinden, die, nach der Stimmung der Wein- iutereffenten zu uitheilen, das Meiste von dem wieder umwerfen wird, was man in 1. Kommis- fionSlesung beschloß. Der vorliegende Arbeitsstoff des Reichstags reicht bis Pfingsten auS; dann hofft man, laut ,Nationallib. Korrssp.', die Session schließen zu können, da die Aussichten, der Zolltarif werde im Mai vorgelegt werden, doch recht unsicher erscheinen müßten.
* Kann der Kaiser ein A«torrech1 beanspruchen für Rede«, die er beispielsweise bei der Einweihung von Kasernen und bei Gastmähler« hält? Diese Frage ist in der Kommission deS Reichstags zur Berathung deS Gesetzentwurfs betreffend das Urheberrecht von verschiedenen Seiten aufgeworfen worden. In dem Kommissionsbericht heißt es darüber S. 26:
Im Laufe der Berathung wurde von verschiedenen Seiten die Frage aufgeworfen, ob die Reden, die ein Monarch oder ein Minister bei Gelegenheiten halte, die nicht alS öffentliche Berhandlungen angesehen werden können (Vereidigung von Rekruten, Gastmähler), nachgedruckt werben dürfen, wie wohl auch diese Reden oft dem Zwecke der Belehrung dienten. Zur Beantwortung dieser Frage gab der Staatssekretär die Erklärung ab, daß nach der Auffassung der Regierung Reden von Monarchen und Ministern nicht unter das Gesetz fielen.
nicht schaden, wenn sie ihre Pretiosen — Geschenke die sie zu ihrer Glanzzeit erhalten, an denen sie wie an Leib und Leben hing — in Sicherheit brächte.
Sie öffnete eines der Etuis nach dem anderen und hielt sie vor sich hin, indem sie die Steine in der Sonne funkeln ließ.
„Schöne Sachen sind's, es steckt viel Geld in dem Zeug."
„Für den, der'S kauft"; meinte Pepi absprechend.
„Verstehen Sie denn etwas von Juwelen?" fragte Stephanie schnippisch. „Darf ich die Sachen hier lassen, Onkel Ignaz?"
„Gewiß, wenn Ihnen daran liegt. Nur muß ich eine Liste aufnehmen und Ihnen einen Empfangschein geben "
„Das wird Dich gehörig ermüden"; bemerkte seine Frau mit einem vorwurfsvollen Blick auf Stephanie.
„Gott bewahre. Hol' mir nur das kleine eckige Tischchen herein, Papier, Tintenfaß und eine gute Feder, dann mache tch's hier ab. Stellen Sie Ihre Sachen dort auf der Kommode auf, Stephanie "
Frau Gruber entfernte sich widerwillig. Unterdessen folgte Stephanie der gegebenen Weisung. Rasch war fie mit ihrer Aufgabe zu Ende, worauf sie sich beeilte, die Thüre zum Schränkchen, die Pepi so sorglich geschloffen, zu öffnen.
„Stefferl," sagte ihr Gruber im Flüstertöne, „bringen Sie doch dort die große rothe Brieftasche, im oberen Fach, ganz hinten."
„Willig suchte sie nach derselben; sie wußte ja, es handelte sich darum ihr eine willkommene
Auch bisher fei solchen Reden niemals der Schutz deS Urheberrechts zugesprochen worden. Die Kommission schloß fich einstimmig dieser Auffaffung an und einigte sich dahin, daß Reden von Monarchen und Ministern nicht unter dem Schutz des Urheberrechts stehen, daß ste vielmehr für den Abdruck vollständig frei find.
• Minister von Miquel hält sich gegenwärtig in Wiesbaden auf, wird aber bei dem Wiederbeginne der Verhandlungen des preußischen Landtages nach Berlin zurückkehren. Das Abgeordnetenhaus beginnt bekanntlich mit seinen Plenarsitzungen wieder am 23. April, die Kanalkommisston schon vorher am 16. April.
+ Kttlschädigrmgsansprüche an Gtzirrs». Die Mehrzahl der Mächte haben die Ansprüche auf Entschädigung an China festgestellt. Den ersten Platz nimmt Rußland ein, das eine Entschädigung von 340 Millionen Mark fordert. Frankreich verlangt 260 Millionen, Deutschland 240 Millionen, England 90 Millionen Mark. Nachträglich wird von einem Berliner halbamtlichen Blatt darauf hingewiesen, daß nicht England es sein konnte, das die Einsetzung eines deutschen Oberbefehls vorschlug; denn gerade England hat am längsten gezaudert mit seiner Zustimmung zu dem deutschen Oberbefehl, und hat seine Zustimmung auch noch von besonderem Vorbehalten abhängig gemacht.
X Unser Kisenvnhnwesen wird von den Vertretern der Staatsregierung gewöhnlich als die großartigste aller bestehenden Verkehrseinrichtungen gepriesen. Und wenn doch einmal schreckliche Ereignisse eintreten, wie erst in jüngster Zeit wieder in Offenbach, dann soll es eine „force majeure“ gewesen fein, die das Unglück verursachten, eine höhere Gewalt, der man sich eben ergeben müsse wie der Fatalist seinem Schicksal. Nicht alle Leute glauben an diese sog. „force majeure“. Auch die ,Zeitschrift de» Vereins deutscher Ingenieure' ist ihr ein wenig zu Leibe gegangen und hat darüber dar Urtheil einiger Eisenbahnfachleute von großer Sachkenntniß unb Erfahrung eingeholt. Das Urtheil der befragte« Fachleute geht Übereinstimmend dahin, daß die preußische Staatsbahn hinter manchen anderen Bahnen zurückgeblieben ist, sowohl mit der Einrichtung der Wagen in den DurchgangSzügen, al« auch mit ihren Lokomotiven. Von neuem wird sodann der preußischen Staatsbahnverwaltung, was auch andere deutsche Bahnverwaltungen sich meiken können, vorgehalten, war ihr schon sehr häufig tadelnd vorgehalten worben ist: die mangelnde Werthschätzung der Maschinentechnik. Im Reichseisenbahnamte gibt e» bi« heute noch immer keinen maschinen- iechnisch gebildeten Rath, sodaß dort Lokomotivdienst, Bauart der Lokomotiven usw. gar nicht sachverständig vertreten sind. Ein Ministerialdirektor, der entweder Jurist ober Architekt ist, kann unmöglich bar hinreichenbe Ver- ständniß für bas Maschinenwesen haben; unb doch sollte man dazu gerade Fachmänner ersten Range» heranziehen. Kurz unb gut, e« ist ber alte Zopf be» Bureaukratismus, ber im staatlichen Bahnwesen seinen schäblichen Einfluß au<übt; und wer es gut meint mit der Entwickelung unserer Eisenbahnen und mit der guten unb sicheren Beförderung ihrer Fahrgäste, der sollte, wo und wie er nur kann, für die Vermehrung des technische«
Unterstützung zukommen zu lasse«. Als fie danach griff, fiel ihr Blick auf jenes Packet, Über welches ihr Gruber bereits schon einmal ge« heimnißvolle Andeutungen gemocht. Damals war eS ohne Aufschrift gewesen. Jetzt stand in großen Buchstaben auf dem Umschlag: „Meiner Frau bei Lebzeiten geschenkt" und darunter „Franz Urbach'.
„Franz Urbach!" rief fie unwillkürlich. „Hat der Geld bei Ihnen? . . . aber nein, eS gehört ja Ihrer Frau."
„Es ist damit eine eigene Geschichte," antwortete Gruber auswnchend. „Jetzt her mit der Brieftasche!"
Er entnahm ihr einige Hundert Gulden- Scheine und reichte sie Stephanie: Eine kleine Anzahlung auf mein Kostgeld, Stefferl. Die Müh' unb Plag, die Sie sich mit mir machen, kann ich freilich nicht lohnen." .
„Guter Onkel, wie gerne geschieht das alles!" versicherte ste — aber nur mit den Lippen — ihr Herz blieb unberührt von so viel Güte; ihre Gedanken beschäftigten sich fortwährend mit dem Pocket
„Sckrell fort mit ber Brieftasche, Pepi kommt!" sagte ber Alte ängstlich.
Es war aber nur bbnber Lärm gewesen; nebenan bantirte Pepi ziemlich laut unb kramte in den Schubladen — wohl nach dem richtigen Papier.
„Sind Familienpapiere in dem Packct, Onkel Nazi?" fragte Stephanie, nach dem Schranke beutend.
„O, Sie neugierige Steffi! Sehr wichtige Dinge find drinnen, etwas, bas Pepi in Vec