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28. Jahrgang

Iuköa, Samstag, dm 13. April 1901

Zweites MLatt

Drmk »nd Verlag b« Mdae» Uctiendruckeret peteregaSe flr. » CBarmoaie).

echten Römer gar bald in die übliche Oster« stimmung und unter den Klängen des bekannten Dreh-Klaviers wird getanzt und gespielt, bi« die Abendkühle, welche der Römer wegen der Fieber­luft der Campagna so besonder« fürchtet, zur Rück» kehr in die Stadt mahnt. Hier werden die Ge­lage dann in der Regel bi« spät in die Nacht hinein fortgesetzt. So war e» auch gestern; da» herrliche Wetter trug da» ©einige dazu bei.

Wannowsky ist bereits 79 Jahre alt. Er selbst wird also nicht lange Minister bleiben können. So ist nur U wünschen, daß er später einen entsprechenden Nach- olger erhalten möge.

der Jesuiten, die der Portugiesen, San Carlo, San Andrea und auch einzelne kleinere Kirchen und Kapellen der Bruderschaften. Die Kirche der Oesterreicher am Forum Trojanum hatte zum Heiligen Grabe die goldene Urne Berninis benutzt, welche diese hervorragende Erzbruder- schäft von ihrem ehemaligen Mitglieds, dem be­rühmten Archiv'ogen Giovanni Battista de Rossi zum Geschenke erhalten hatte. DaS Hauptinteresse der Fremden konzentrirte sich in- deß auf die PeterSkirche, in welcher der Groß- poenitentiar Kardinal Vannutelli von seinem hohen Stuhle auS die Häupter der an ihm Borüberziehenden mit seinem fünf Meter langen traditionellen Stabe berührte. Auch wurden die sogenannten großen Reliquien ge­zeigt, nämlich das Schweißtuch der heiligen Veronika, ein Stück vom Kreuze Christi und die heilige Lanze. Gegen Abend wurde die Ab­waschung des päpstlichen Altars vorgenommen. Der Erzpriester Kardinal Rampolla mit dem gesammten Domkapitel, dem Klerus und dem Seminar des Vatikans erschien in feierlicher Prozession in der Basilika, um die Ceremonie vorzunehmen. Je 6 Domherren nahmen immer gleichzeitig die Waschung vor, zu welcher sieben Krystallbecker mit Wasser und ein goldenes Ge­fäß mit Wein bereitstanden. Unter den üblichen Gesängen wurde dann der Altar völlig ab« geräumt und auch die 122 ewigen Lampen vor dem Apostklgrabr ausgelöscht. In einigen Kirchen, u. A. auch bei den Franziskanern in Aracoeli, wurde die Ceremonie der Fußwaschung vorgenommen.

Der Charfreitag wird bekanntlich in Italien nickt in derselben Weise gefeiert, wie bei uns. Man pflegt zwar die Kirchen zu be­suchen, aber man arbeitet hier wir an einem gewöhnlichen Werktage und die VrrkausSläden und industriellen Anstalten sind bis zum späten Abend geöffnet. Jndeffen fällt am Charfreitag die hier übliche tägliche Korsofahrt auS und dis Theater sind sogar geschloffen, was viel sagen will im modernen Rom.

Am Sonnabend wurde die Auferstehung wieder unter großer Betheiligung der Bevölkerung ge­feiert. Am Nachmittage ging die römische Pfarr­geistlichkeit von Haus zu Hau«, von Stube zu Stube, um die Weihe der Wohnungen sowie der kunstvoll aufgebauten Ostereier und dcS.Oster- gebäckes voizunehmen: Letzteres bestehl in einem brodähnlichen Kuchen, Pizza genannt und darf au keinem Tische fehlen.

Am Ostersonntag hält der Römer mit be- sonderer Zähigkeit an den von seinen Vorfahren ererbten Gebräuchen fest. Nick dem Besuche des Gottesdienst:» findet sich um 10 Uhr die gesummte Familie zusammen, um unglaubliche Mengen von Ostereiern zu vertilgen. Nachmittag» aber strömt Alles in Hellen Haufen, zu Fuß, zu Wagen ober, wo eine vorhanden mit der „Elektrischen" vor die Stadttliore. Die unzähligen Osterien find bi» au den letzten Platz gefüllt. Hier werden die mitge- brachten Körb« auSgepackt, die gebratenen jungen Ziegen, die Ostereier und der Wein bringen den

Ei« Erstkornurnniorrtag.

Feierlich klangen die Glocken des herrlich ge­schmückten Gotteshauses. Durch das geöffnete Portal zog eine stattliche Schaar der Erstkommuni­kanten ein. Die Einen waren reich, die Andern einfach gekleidet; jeder gute Christ gab in feinem Herzen den einfachen den Vorzug.

An diesem Tage, bei diesem heiligen Akte soll man keinen Reichthum und unnöthigen Prunk in Kleidern erkennen. Die Demuth läuft so leicht Gefahr, verloren zu gehen. Die Eltern und An­gehörigen der Kinder befanden fich ebenfalls in >er Kirche, um für ihre Lieblinge zu beten und mit ihnen Gott für das unaussprechliche Glück zu danken, da» er ihnen am heutigen Tage zukommen

Ein armer blasser Knabe befand fich unter den , kindern. Auch dieser hatte wahrlich allen Grund, ehr bemüthig zu sein.

Seine Kleider waren aus leichtem Sommer­

stoff. Seine Jacke hatte schon in einer anderen, größeren Fagon Dienste gethan. Man hatte sie hm aus Vaters Sonntagsrock gemacht.

Der kleine kränkliche Knabe dachte aber in liefet feierlichen Stunde darüber nicht nach; er war mit allen seinen Gedanken, mit all seiner Denkkraft bei dem wichtigsten und glücklichsten Gnadenakte, der ihm bevorstand.

Franz hatte es gar nicht bemerkt, daß die Einen mit Mitleid, die Andern mit Verachtung auf ihn schauten.

Das ging ihn aber auch gar nichts an. Er durfte seinen Gott und Herrn empfangen, und das erfüllte sein Herz mit Hoffnung, die er sonst Niemand mitzutheilen gewagt.

„Hn was Ihr den Vater in meinem Namen bitten werdet, das wird er Euch gewähren!"

O wie hatte er fich das gemerkt! Heute wollte er die Bitte im Namen Jesu durch Ihn und mit Ihm lebendig machen. Ihm war e» wie eine süße Gewißheit, Gott werde seine Bitte irwähren.

Der Knabe stirbt bald! meinte wohl die alte Frau, die, in Thränen fast vergehend, auf ihren armen Liebling blickte - es war die Großmutter, welche ihn in letzter Zeit verpflegt hatte.

Die Greist« muß fick sagen: es gehe dem Knaben gut, wenn der für sie betrübende Fall eintrete. Denn was sollte aus ihm wrrden?

Der Vater drö Knaben war d-m Trünke er­geben.

WaS er kärglich verdiente, verpraßte er im Wirthshause, sein Weib, seine Mutter und seinen Sohn ließ er darben. Sie mochten sehen, wie sie sich fortbrachten. Das war der Vater deS Erstkommunikanten.

Mit der Mutter stand es noch schlimmer, wenigstens vor den Auge» der Welt. Di: Mutter hatte — ach, das durfte man j., fast nicht sagen — die Mutter hatte sich in der Verzweiflung ihrer trostlosen Lage zu einem Vergehen der Un- redlichkeit verleiten laffen. Anstatt um Hilfe zu bitten Gott, bei der himmlischen Mutter deS Herrn, war sie an einem Tage, da Alles im Hause gefehlt, was man zum Fristen des Leben- braucht, zum Diebstahl gekommen.

Sie hatte die erste Gelegenheit benutzt, um ein Geldstück, daS ihr in die Hände fiel, zu ent» wenden. Davon hatte sie das Mittageffen be« reitet. Aber die Strafe hatte sie ereilt. Man hatte sie gesehen, und der hartherzige Bestohlene zeigte sie an, nicht w'gen ihrer, sondern wegen ihres Mannes, der ihn in der Trunkenheit be­leidigt hatte, und an dem er Rache nehmen wollte. Das unglückliche Weib war auf mehrere Monate i«s Gesängnlß gesetzt worden.

Daher die verschiedenen Blicke, mtt welchen die Leute den armen Franz anschauten.

Und um was Franz zu bitten hatte an dem weißen Sonntage — baS ist leicht erklärlich an­dern Gesagten. Er wollte beten um die Rückkehr seiner Eltern auf den rechten Weg; und er that es mit all' der J.brunst und Zuversichtlichkeit, mit welcher die Kindrrserle betet, nachdem er mit unserem Heiland in der Kommunion vrr» eint2a”ber feierlich? Gottesdienst vorüber war und sich die Kinder wieder aus der Kirche be­gaben, und jedes noch vom Pfarrer ein Andenken an diesen schönen Tag erhielt, da zitterten de- Knaben Hände, daß er das schöne Gebetbuch kaum zu halten vermochte.

Inserat«: Die einspaltige Petit­zeile oder deren Raum 15 Pfg.,Re­klamen die Petit­zeile 25 Pfg.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.

Wochen-Wunöschau.

(Nachdruck verboten.)

X Fulda, 13. April.

„Ehe sie den Kanal nicht schlucken, unterschreibe ich den Zolltarif nicht, und zwar unterschreibe ich nur Zölle, die ich will" — so sollte der K a i s e r nach der Behauptung eines Berliner Blattes gesagt haben, als er am Palmsonntag das Präsidium des preußischen Herrenhauses empfing. Nachher verbesserte sich das Blatt und behauptete, der Monarch habe schon vorher diese Aeußerung in einem Gespräche mit einem kon­servativen Abgeordneten gethan. Mindestens ist die ganze Nachricht unverbürgt. Höchst wahrscheinlich ist fie vollkommen unwahr. Denn man kann kaum an­nehmen, daß der Kaiser wünschen sollte, die ganze deutsche Landwirthschaft möge Schaden erleiden unter einer ausschließlich preußischen Angelegenheit, nur weil diese nicht ganz so sich entwickelt, wie der Kaiser es wünscht. Außerdem aber widerspricht der Sinn der angeblichen Worte des Kaisers der Verfassung. Wenn Reichstag und Bundesrath bestimmte Zollsätze be­schließen, kann der Kaiser diese nicht mehr ablehnen! Das weiß doch natürlich der Kaiser am allergenauesten. Es ist also so gut wie ausgeschlossen, daß er eine solche verfassungsmäßige Unmöglichkeit ausgesprochen haben sollte. Wenn sozialdemokratische Zeitungen solche angebliche Nachrichten ihren Lesern austischen, so paßt das in ihr ganzes System hinein, das monarchische Ansehen zu unterwühlen, wo und wie sie nur immer können. Andere Blätter sollten sich hüten, derlei Ge­schichten über die Person und Aeußerungen des Kaisers in Umlauf zu setzen, die nicht nur nicht ver­bürgt sind, sondern den Stempel der Unwahrheit ganz sichtbar an der Stirn tragen.

Sehr viel wahrscheinlicher klingt es, wenn nach­träglich noch von einer anderen Aeußernng des Kaisers berichtet» wird, die dieser an dem Tage ge­than haben soll, an dem er der Eröffnung der neuen Kaserne des Kaiser Alexander-Garde-Grenadier-Regi- ments in Berlin beiwohnte. In einem Trinkspruche soll er ausgeführt haben, daß versucht worden sei, Trübung zu bringen in das Berhältniß der herzlichen Freundschaft zwischen Deutschland und Ruß­land; an ihm habe es jedenfalls nicht gelegen, wenn diese Versuche auch nur vorübergehend erfolgreich ge­wesen wären, und es bereite ihm aufrichtige Genug- thuung, seinen Becher bei diesem Feste aus den er­lauchten Inhaber des Regimentes — den Zaren — und auf alte Freundschaft zu erheben.

Sehr auffällig ist das Verhalten Rußlands zu den Flottenkundgebungen in dem französischen Kriegshafen von Toulon. Ein italienisches Ge­schwader unter der Führung des Herzogs von Genua ist nach dem genannten Kriegshafen gedampft und es sind dann Verbrüderungsfeste zwischen Italienern und Franzosen gefeiert worden, während gleichzeitig Pa­riser Blätter, die der Regierung nahe stehen, eine bisher ungewohnt liebenswürdige Sprache gegen Italien führten. Diese Feste nannte beispielsweise der Pariser ,Temps' das „Ende der langen, durch Bis­marck geschaffenen Entfremdung zwischen Frankreich und Italien". Auch russische Kriegsschiffe waren nach Toulon beordert, um an den Zusammenkunftsfesten theilzunehmen. Aber im letzten Augenblicke erhielten sie Befehl, sich aus dem Hafen von Toulon zurückzu­ziehen. Möglicherweise mag es der russischen Regie­rung peinlich gewesen sein, daß einige französische Blätter in vollkommen überschwänglicher Weise den Kaiser von Rußland als den Führer und Schirmherrn eines neuen Bündnisses zwischen Rußland, Frankreich und Italien feierten unter deutlichen Anspielungen darauf, daß das Zarenreich nun endlich sich bereit zeige, den Franzosen zu der berühmten „Revanche" für 1870 71 zu verhelfen Die Abkommandirung der russischen Schiffe ist ein kalter Wasserstrahl kräftigster Art für die blühende Phantasie dieser Herren in Paris. Natürlich haben diese Zukunftsträume nicht 'ben geringsten thatsächlichen Hintergrund — das braucht gar nicht erst ausgesprochen zu werden bei uns in Deutschland. Die Touloner Feste aber werden nichts ändern an der gegenwärtigen Gruppirung der euro­päischen Mächte.

Immerhin ist mit einer Spannung darauf zu warten, ob die Meldung sich bewahrheiten wird, daß Reichskanzler Graf Bülow und der italienische Ministerpräsident Zanardelli in diesen Tagen noch eine zweite Zusammenkunft auf italienischem Boden haben werden. Die Zeitungsmeldungen entsprechen voraussichtlich der Wahrheit, die wissen wollen, Graf Bülow habe Herrn Zanardelli ganz beruhigende Ver­sicherungen gegeben über die Art und Weise, in der Deutschland die Touloner Zusammenkunft beurtheilt. Uns Deutschen kann es als weitere Friedensbürgschaft ja nur angenehm fein, wenn Italien und Frankreich steundschaftlicher als bisher mit einander verkehren. Von dem Anschlüsse Italiens an den Zmeibund von Frankreich und Rußland brauchen wir wahrhaftig für absehbare Zeit nicht die allergeringste Angst zu haben. Italien steht sich am besten dabei, wenn es dem Dreibunde angehört, und das ist die beste Bürgschaft dafür, daß Italien auch in dem Dreibunde bleibt.

Aus sozialpolitischem Gebiete haben wir dem Großherzogthum Hessen eine vortreffliche Neuerung zu verdanken: Mit dem 1. April ist in Heffen eine Versorgungsanstalt für staat­lich e Arbeiter ins Leben getreten. Es handelt sich dabei um die Gewährung von Ruhegehältern und um die Versorgung der Hinterbliebenen für ständige

Römische Briese, xin.

□ Rom, 8. April 1901.

Wie vorauSzusehen war, haben sich die Funktionen und Ceremonie» der CH ar woche n Rom unter sehr großer Betheiligung der Bevölkerung und namentlich der Fremden ab­gespielt. Besonders war die Peterskirche an den Haupttagen immer bis auf den letzten Platz gefüllt Am Gründonnerstage macht — alter Sitte gemäß — ein Jeder hier seine sieben Kirchenbesuche zu Ehren der ausgestellten heiligen Gräber. Diese waren, wie immer, in einigen Kirchen besonders prächtig und prunkvoll her­gerichtet. Während im Allgemeinen nur Lichter- schmuck dazu verwendet mitt), zeigten einige Kirchen wahre Riesenaufbaue von Trans­parenten, thronähnliche Arrangements, umgeben von Hunderten von Kerzen oder unzähligen bunten Lämpchen. Geradezu herrlich war die Ausschmückung der englischen Kirche der Pallo- tiner des hl. Sylvester neben der Crntralpost. Die Kapelle des Heiligen Grabes glich buchstäb­lich emem duftenden Garten. Der Fußbodrn stellte ein zusammenhängendes großes Blumen­beet dar, in deffen Mitte sich aus dem dunklen Grün der Tkppichpflanzen ein aus weißen BlÜthen gebildetes Kreuz abhob. Hunderte von bunten Lampen waren unter den Blumen und Gebüschen versteckt, aus welchen der goldige Ausbau mit der Urne hervorragte.

Aehnliche Arrangements zeigten die Kirchen

und auch für sogenannte Saisonarbeiter, die nament- ' lich von der Forstverwaltung und Bauverwaltung i beschäftigt werden. Man kann nur wünschen, daß die wohlthätige Einrichtung auch in anderen Ländern eingeführt werden möge. Nach den 'neuen hessischen Bestimmungen erhalten Arbeiter, die wenigstens vierzig Wochen jährlich vom Staate beschäftigt werden, nach einer Wartezeit von zehn Jahren Aus­sicht auf Ruhegehalt und Versorgung ihrer Hinter­bliebenen. Bei denjenigen Saisonarbeitern, die von 20 bis 40 Wochen im Jahre vom Staate beschäftigt werden, beträgt die Wartezeit 15 Jahre. Der Be­ginn dieser letztem muß in die Zeit vom 25. bis 40. Lebensjahre fallen. Auf die verschiedenen ein­zelnen Bestimmungen kann hier nicht eingegangen werden. Es möge hier der Hinweis daraus genügen, daß auch Gemeinden, Körperschaften und der­gleichen an der Einrichtung sich betheiligen können.

In dem Stande der Dinge in der Entwickelung der preußischen Kanalv orlage ist von einer wichtigen Aenderung zu berichten: Der Centrums­abgeordnete Cahensly hat seinen ursprünglichen Antrag, Vorarbeiten für die Kanalisation der Lahn vorzunehmen, zurückgezogen und durch einen Antrag ersetzt, der weiter geht als der erste. Dieser neue Antrag fordert unmittelbar die H e r st e l l u n g eines leistungsfähigen Wasserweges im Flußlaufe der Lahn durch die Kanalisation derselben von ihrer Einmündung in den Rhein bis zur Landesgrenze.

Das Großherzogthum Mecklenburg-Schwerin hat einen neuen Regenten erhalten: Großherzog Friedrich Franz IV. hat nunmehr selbst die Regierung angetreten, die seit dem Tode seines Vaters von dem jüngeren Bruder dieses letztem, von dem Herzog Johann Albert geführt wurde. Der junge Großherzog ist am 9. April 1882 geboren und hat wie bekannt, in der letzten Zeit an der Universität in Bonn studirt. Sein Regierungsantritt ist ver­bunden worden mit einem Gnad en erlas s e: Allen Personen mit Strafen von nicht mehr als sechs Wochen Haft wegen Vergehen oder Uebertretung ober nicht mehr als 150 Mark Geldstrafe sind diese Strafen erlassen.

Auch in Bayern ist ein Gnadenerlaß ergangen aus Anlaß des achtzigsten Geburtstages des Prinz­regenten Luitpold. Im Ganzen erfreuen sich 566 Personen der Wirkungen dieses Gnadenerlasses, darunter 80, die ihre Strafe bereits an.Meten hatten und am letzten Samstag wieder in die Frei­heit zurückkehren durften.

Im bayerischen Bauernbunde kracht es immer mehr: Jetzt sind die bauernbüi erischen Abgeordneten Bachmaier und Sinzinger mit zwanzig Vertrauensmännern des Bauembundes Mitglieder des Bundes der Landwirthe geworden. Dafür werden sie von dem Bundesblatte des „direkten politischen Berrathes an ihren Wählern" bezichtigt!

In einer großen Anzahl von kirchenfeindlichen und ausgesprochen protestantischen Blättern konnte men in diesen Tagen heftige Schmähungen des Bischofs von Fulda lesen, weil dieser in einem Hirtenbriefe von neuem die Katholiken vor der Ab­schließung von Mischehen gewarnt hatte, obwohl das doch zu den selbstverständlichen Rechten eines Bischofs und sogar Pflichten gehört. Protestanten thun dabei genau dasselbe: So wird in den schwedischen Kirchengesetzen den Angehörigen der lutherischen Staatskirche „fleißig abgerathen von Ehen mit Andersgläubigen". Die Mischehen werden aber „nicht ganz und gar verboten in der Hoffnung, daß die Andersgläubigen zur lutherischen Kirche über­treten, und in der Voraussetzung, daß die ge­mischten Ehen mit denjenigen Bedingungen ein« gegangen werden, die die schwedischen Gesetze be­stimmen".

Wegen des französischen Vereinsge­setzes sollen angeblich Verhandlungen stattfinden zwischen dem Vatikan und der Regierung, unb zwar burchVermittelung besKönigs berBelgier. Der König soll in vollkommenem Inkognito des­wegen in Rom gewesen und alsbald nach einer Unterredung mit dem Papste wieder von dort abgereist sein. Die Meldung klingt ein wenig aben­teuerlich.

Die Arbeiterausstänbe in Calais, Mon- treau-les-Mines unb nun auch in Marseille haben ein Enbe gefunben, bas für die Arbeiter ungünstig ist. In Marseille haben bie allermeisten Arbeiter bie Arbeit wieder ausgenommen; auch die Arbeiter sahen ein, daß ihre sozialdemokratischen Verhetz» nicht ihren Bortheil bewirkten. Denn fremde Häfen, namentlich Genua, zogen bereits einen Theil des bisher französischen Verkehrs an sich. Allein im Monat März ist ein Ausfall an Zöllen für den Hafen von Marseille im Betrage von 1034000 Franken entstanden!

Eine sehr bemerkenswerthe Nachricht ist aus Rußland eingetroffen: Entgegen ben anfäng­lichen Meldungen hat doch nicht die altrussisch strenge Richtung ben Sieg bavongetragen bei ber Behanblung ber Studentenunruhen unb ber Besetzung bes Unterr ich tsmi nisteriums. Der Zar hat ben früheren Kriegsminister Wannowsky, ber zuletzt Generalintentant des Zaren war, zum Unterrichtsminister ernannt, unb gerabe bieser ist ein aus­gesprochener Vertreter ber milben Tonart. Also ist ber Zar nicht vor der Politik, der Knutenmänner zurückgewichen, sondern hat seiner Ansicht zum Siege verholsen, daß das ganze Unterrichtswesen einer Re­form bedürfe in modernem Sinne. In einem Erlasse an Wannowsky spricht der Zar den Wunsch aus, eö möge in die Erziehung ber russischen Jugenb ein burch Erfahrung gereiftes, verstänbiges Verhalten unb herz­liche Fürsorge hineingetrag n werben. Herr von

it täglich, wahmc ber unb Feier- ,g<-.»ierteliährl. z»,«g»Vrei, ohneBrmgerlohn und Bestellgelb tn siulba unb auS- UrtSlM.50Pf.

"""^Inserate I. Parzelle» in Fulda. mit Nnteröai'tungs-Anlage „Illniirirle Sonntags-Zeitung