zeichniß der als „zweifelhaft" zu bezeichnenden ausländischen Firmen auSgearbeitetworden, das zum vertraulichen Gebrauch der deutschen HandelLkorporationen dienen soll. Das Ver- zeichniß enthält 1074 Namen, vorwiegend aus europäischen Staaten. Die beigegebenen kurzen Bemerkungen deuten die Art deS Schwindelgeschäfts an; hauptsächlich sind es Referenien- schwindler oder Firmen mit wechselnden Adressen, Schlittenfahrer, gewohnheitsmäßige Chtkaneure und betrügerische Bankrotteure, Fälscher von Alterthümern, untreue Agenten u. a. m. Jnter- effrnten finden das Berzeichniß bei den zuständigen Handelskammern.
X Die Ausfuhr der »ordamerikauische« Hlnio« ist während der letzten Jahre ganz außerordentlich gestiegen, wie man allgemein weiß. Aber nicht so allgemein bekannt ist das Verhält niß, in dem fie gestiegen ist. Allein die Ausfuhr an Elfen und Stahl ist in ihrem Werthe von rund 334 Millionen Mark i. I. 1898 auf 441 Millionen int nächsten und auf 546 Millionen Mark i. I. 1900 gestiegen. Aehnlich stellen sich die Verhältnißziffern für die Ausfuhr aller Arten fertiger Maschinen, aller Arten ohne jede Ausnahme. So stiegen z. B. die Werthe der Ausfuhr im Vergleiche der Jahre 1898 und 1900 bei elektrischen Maschinen von 10 auf 21 Mill., bei landwirthschaftlichen Gerüchen von 36 auf 67 Millionen, Nähmaschinen von 121/» auf 19, Messingwaaren von 5 auf 8‘/a Millionen Mark usw. usw. Und diese riesenhaften Ausfuhrsteigerungen vollzogen sich unter dem Einflüsse der Politik des Hochschutzzolls, wie sie in den Vereinsstaaten seit einigen Jahren eingeführt ist. Man ersieht auch daraus wieder, wie vollkommen falsch die Behauptung unserer Freihändler ist, daß eine Politik der kräftigen Schutzzölle die industrielle Ausfuhr gefährde. Gerade da» Gegentheil davon ist die Wahrheit.
© Gorrkov, 12. April. Präsident Loubet und der Herzog von Genu« haben während ihrer hiesigen Anwesenheit unter „tiefer Rührung herzliche Worte" mft einander gewechselt, so daß für die Zukunft kein französisch, italienisches Zerwürfniß zu befürchten ist. — Präsident Loubet besichtigte heute Nachmittag die Unter- seeboos e undmachtedann mit den Ministern Lam ffan, DelcaffS und Andrs in dem Unterseeboot „Gus'ave Zärs eine N/» stündige Fahrt, wobei sich das Boot theils auf der Wafferoderfläche, theilS unter derselben hielt. Am Abend reifleLoubet wieder ab.
© 12. April. Vom Kriegsschau
plätze liegt heute nur ein einzige« Telegramm Kitchener» vor. Derselbe meldet unter dem gestrigen Datum au» Pretoria: Nach zweistündigem, heftigem Kampfe machte berittene Infanterie in der Nähe von Dewetsdorp 80 Gefangene; unter denselben .befinden sich der Kommandant Br es la und Leutnant Sindeyne von der Staatsartillerie. Außerdem wurden 8 Wagen erbeutet.
® Madrid; 12. April. Ein hiesiges Blatt meldet, daß in O porto im Zusammenhang mit der „antiklerikalen Bewegung" eine ernste kommer zielle und industrielle Krisis entstanden sei. Zahlreiche Fabriken find geschlossen und einige tausend Arbeiter brotlos. — Auch in Sevilla find 3000 Arbeiter der Korkpfrop sen- Fabriken in den Au? stand getreten und die Arbeiter der andern Industriezweige drohen mit Riederlegung der Arbeit.
* Momöay, 12. April. Nach einer Meldung der ,Times of Jndia' ist der Scheik von Ko- weit, Mabaruk, von dem Scheik von N?jd Ibn Raschid in einer regelrechten Schlacht geschlagen worden. Seine Leute hatten sich in eine enge Schlucht hineinlocken lassen. Als ihnen dir Munition knapp wurde, stürmten Ibn Raschids Mannschaften von de« Bergen herunter
und überwältigten sie. Die Ueberlebenden, denen es gelungen ist, nach den Häfen am Persischen Meerbusen zu entfliehen, erzählen, daß 5000 Mann getödtet seien und daß Ibn Raschid sein Reich wieder in Besitz genommen habe. Mabarusk Schicksal sei nicht bekannt.
Aus Kirche und Schule.
):( A«sset, 11. April. Die hier tagende Delegirtenversammlung de« „Allgemeinen deutschen Realschulmännerverein»" nahm einstimmig folgende Resolution an: „Der Realschulmännerverein erwartet, daß die in der kaiserlichen Kabinet«ordre anerkannte Gleichwerthigkeit der auf den höheren Lehranstalten von neunjährigem Lehrgang erlangten Bildung die Gleichberechtigung zur Folge haben werde. Diese Gleichberechtigung schließt jede besonder» auferlegte Ergänzungsprüfung (für gewisse Univerfitätsstudien) aus."
• Merkt», 11. April. Der Kultusminister hat an die Provinzialschulkollegien folgende Verfügung über die Pausen an den höhere» Schulen erlaffen: Der Allerhöchste Erlaß vom 26. November 1900 betreffend die Fortführung der Schulreform, bestimmt unter Nr. 3, Schlußabsatz, daß die Anordnung des Stundenplanes mehr der Gesundheit Rechnung zu tragen habe, insbesondere durch angemessene Lage und wesentliche Verstärkung der bisher zu kurz bemeffenen Pausen. Mit Bezug darauf verfüge ii: 1. die Gesammtdauer der Pausen jedes Schultages in der Weise festzusetzen, daß auf jede Lehrstunde zehn Minuten Pause gerechnet werden; 2. Nach jeder Lehrstunde muß eine Pause eintrete»; 3. Es bleibt den Anstaltsleitern überlaffen, die nach 1 zur Verfügung stehende Zeit auf die einzelnen Pausen nach ihrem Ermessen zu vertheilen. Jedoch finden zwei Einschrä»kungen statt: a) die Zeitdauer jeder Pause ist mindestens so zu be- meffen, daß eine ausgibige Lusterneuerung in den Klaffenzimmern eintreten kann und die Schüler die Möglichkeit haben, sich im Freien zu bewegen; b) nach zwei Lehrstunden hat jedesmal eine größere Pause einzutreten.
Aus dem Berichte über die Verwaltung der Stadt Fulda.
XVI.
Steuerwesen.
Utber die Steuerverhältnisse in unserer Stadt geben eine Reihe von Ausstellungen Aufschluß.
Das Sollaufkommen an direkten Staatssteuern betrug:
Steuerjahr
Ein- kommen- steucr
Er- gäuzungs' steuer
Ge- sammt- steuer
Seelenzahl nach der Per- fonen= ftandsauf- nahme
Auf den Kopf der Be- viilkerung kommen
Mk.
Mk.
Mk.
Mk.
1896/97
9568 t
21807,—
116988
14578
8,02
1897/98
98817
21522,-
119849
14675
8,17
1898/99
105646
21181,-
126827
15167
8,36
1899/1900
113795
25536,80
139881
15470
9,01
1900/1901
118371
24624,80
142995
16103
8,88
Das
Aufkommen an
direkten
Gemc
ndeum«
lagen in der Stadt Fulda:
1896/97 . . . 122 582 Mk.
1897/98 . . . 145804 „
1898/99 . . . 154109 „
1899/1900 . . 159580 „
Die am Schluffe de- letzten Verwaltung?- berichtes angekündigtr Fleischoerstruerung ist inzwischen erlaffen. (S. 109—121.)
Die Fleischsteuer betrug im Jahre 1899 28595 Mk. 40 Pfg., die Rückvergütung 2093 Mark 62 Pfg.
Es ist «ine Abänderung der Biersteuerord- nung in Aussicht genommen und haben die städtischen Körperschaften die diesbezügliche
können. Vor Gruber's Augen tauchte Stephanies freundliche Miene auf, er vergegenwärtigte sich daS abwechselungsreiche Leben, daS seiner harrte, die Aufmerksamkeiten, mit denen man ihn umgeben würde, — feine Kost, Bequemlichkeit aller Art würde er dort finden, heitere Gesichter um sich sehen. Im Hinblick darauf erschien ihm das strenge Antlitz seiner Frau recht wenig ansprechend: „Nein, nein, Pepi, ich gehe recht gern," betheuerte er. „Es war nur so in den Tag hinein geredet und Du selbst hast mich darauf gebracht."
„Wie so, Ignaz?"
„Hast Du nicht darauf gedrungen, daß ich mein Gewiffeu heut' in Ordnung bringe?"
„Das ist etwas andere-, Ignaz. Wenn Du, wie sichS gehört, öfter zu den heiligen Sakramenten gingest, würde es Dir keinrn so er- schütternden Eindruck machen."
„Kannst Recht haben. Alte. Jedenfalls tstS kein Schaden, wenn ich auch das Zeitliche in Ordnung bringe. Ich bin ein viel zu guter Geschäftsmann, um n cht, ehe ich auf Wochen von zu Hause gehe, O-srung zu schaffen, damit Alles schön akkurat ist.»
„Laß daS bis zu Deiner Rückkehr, Ignaz, wenn überhaupt schon ,-egangen sein muß."
„Nein, Alte. Du k r>nst mich; in Geschäfts« fache« habe ich immer meinen Mann gestanden. Der Gruber Nazi war sein Leben lang rin akkurater Kerl, hat nichts auf die lange Bank geschoben; also — er räusperte sich — mein Testament."
„Hör' auf, Jznaz; laß' das bi- ein andermal."
„Und Du, laß mich ausreden, damit die Sache überstanden ist. Mein Testament liegt also bei Notar Ritzelberger. Du hast den Nutzgenuß des Ganzen, Weiberl, nur . . ."
Th-änen schaffe« in ihrs harten blaue» Augen. Sie gewaltsam zurückdrängend, sagte sie mit bewegter Stimme: „Ich würde gern betteln gehen, könnte ich Dich damit so gesund machen, wie Du gewesen, Ignaz "
„Ich glaub'« Dir, warft immer ein braves Weib . . . Nur zehntausend Gulden habe ich Buschmanns vermacht."
Unter der Wirkung ihrer Rührung versuchte sie keine Einwendung gegen diese Bestimmungen, dir sie unter andere» Umständen als höchst über« flüssig bezeichnet habe«
„Du genießest die Zinsen deS übrigen Vermögens, das nach Deinem Tode an Deine Brüder, resp. deren Kinder, fällt. Ist'- fo recht. Alte?"
D-esmal liefen ihr die Hellen Thränen über die Backen: „O Ignaz, so viel habe ich nicht verdient. Du bist zu großmülbig."
„Laß' sein, Pepi. Ich bi« niemand gegen- über zu etwas verpflichtet, unh mitnehmen kann ich» ja doch nicht, — der hl. Petrus gibt nichts auf solchen Ballast. Jetzt ist aber noch etwuS, daS ich Dir sagen muß ..."
Schwerfällig stand er auf, von ihrem Arm gestützt ging er an fein Geldschränkchen und schloß eS auf. Methodisch geordnet standen dort Sie bescheidene« Schmuck- und Silberschätze des Ehepaares, sowie die verschiedenen Papiere. Genau zeigte er ihr Alles, zuletzt auch jenes Packet, das Stephanies Neugierde erregt hatte.
(Fortsetzung folgt.)
Steuerordnung auch schon beschloffen. Es sicht jedoch die Genehmigung dis Bezirksausschusses noch auS.
Die Einnahme« aus der Hundesteuer stellen sich folgendermaßen:
1894/95 488 Hunde 2105 Mk.
1900 499 „ 3024 „
Die LustbarkeitSsteuer ergab im Jahre 1899 1200 Mark.
Die am beschlossene Lustbar.
keitSsteuer war vom Bezirksausschüsse nur auf 2 Jahre bestätigt worden. Da dieselbe sich jedoch durchaus bewährt hatte, so wurde die Beibehaltung der Ordnung mit einer kleinen Ver- schärfung in § 4 Abs. 3 beschlösse« und die neue Ordnung auch vom Beznklautschuß bestätigt. Es gilt nunmehr seit dem 1. April 1897 die neue Ordnung. (S. 124—126.)
Lokales.
Fulda, 13. April.
□ Der Ae»ei« für N«t«rü»«de hielt gestern Abend seine diesjährige Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Dr. Siemens, wies auf die rege Thätigkeit hin, die der Verein im letzten Jahre entfaltet hat, und richtete sodann herzliche Abschiedsworte an den von hier scheidenden Seminaroberlehrer Hartmann, der sich als ein treues und eifriges Mitglied deS Vereins bewährt hat. Bei der dann folgende» Neuwahl des Vorstandes wurden die Herren Dr. Siemens (Vorsitzender), Denner, Hartung, Trabert und Bonder au wiedergewählt und an Stelle des Herrn Hartmann Herr Dr. Gust. Schneider und an Stelle des Herrn Gymnastaloberlehrers Dr. Hoffmann, der eine Wiederwahl abgelehnt hatte, Herr Direktor Manteuffel gewählt. Herr Seminaroberlehrer Hartmann legte dann drei Hefte deS „Atlas vorgeschichtlicher Befestigungen in Niedersachsen" vor. Diese» Werk, welches von Dr. Karl Schuchhardt, Direktor des Kestner- musrums in Hannover bearbeitet und vom Historischen Verein für Niedersachsen herauSgegeben wird, gewährt einen Einblick in die fast kleinliche Sorgfalt, mit der die Reste vorgeschichtlicher Bauwerke in neuester Zeit von der Wissenschaft untersucht werden. Im weiteren Verlauf der Sitzung wurden noch verschiedene naturwiffen- schaftliche Frage« erörtert und besprochen.
# Die hiesige Strafkammer verurtheilie gestern Vormittag den Bauern Gutmann an« Maiersbach (Kreis Gersfeld) wegen Körperverletzung zu 1 Jahr Gefängniß. Derselbe war bei einem Leichenschmause mit anderen Gästen in Streit gerathen und hat dabei seinen Gegner schwer mißhandelt. — In der Nachmittagssitzung wurde verhandelt gegen den Taglöhner Konrad Schmitt au» Engelhelm», der am Abende des 20. Januar d. I. am Hirtsrain den Arbeiter Wilh. Brehl von hier mißhandelt hat. Der Staatsanwalt beantragte eine Gefängnißstrafe von 3 Jahren, da» Gericht aber erkannte auf eine Zuchthausstrafe von Vit Jahren. Die Verhandlung dauerte bi» 9 Uhr Abend».
O Die LandwrHrdie»Sa»szeichn««g erhielten gestern bei ihrem Uebertritt zur Landwehr 2. Aufgebotes der Vicefeldwebel der Landwehr Zimmermeister Jof. Fritz und der Vicewachtmeister Gymnafial-Oberlehrer Maurer, beide von hier.
):( Das dem Herrn Rentner E. I. Heß- berger gehörige Wohnhaus mit Garten bei der Bretterhalle ist käuflich an den Lokomotivführer Peter B er kessel übergegangen.
In Ausführung deS Gesetzes vom 11. März betr. Änderungen deS Gesetzes über das Posttaxwesen im Gebiete des Deutschen Ruches vom 28. Oktober 1871, wird in Kürz? mit der Einrichtung verfchlleßkarer Avhol««gs-Iälher (Schließfächer) bei denjenigen Postanstalten, bei denen die Raum Verhältnisse die Einrichtung gestatten, brgonnen werden. Für bis lleberlaffun; eine- Schließfaches nebst zweiSchlüffeln wi d eine jährlickeGebühr ootr zwölf Mark bei gewöhnlicher Größe (14 cm Höhe, 11 cm Breite und 36 cm Tiefe) unö von 18 Mark bei größerem Umfange erhoben, die viertkljährlich im voraus zu entrichten ist. Sofern sich hier eine zu den Einrichtungskosten in angemtffenem Verhältnisfe stehende Zahl vcn The.inehmern fhbet, werden auch bei dem hiesigen Kaiser!. Postamte voraussichtlich roch in diesem Jahre nach Beendigung eine- vorgesehenen Umbaues die Fächer zur Ein führueg kommen. Anträge auf Urberlaffuug eines Schließfaches werden schon jetzt von dem Post- amte entgegengenommen, welches auch über dir für die Uebeilaffun; verschti ßbarer Abholungs- Fächer bestehenden Grundsätze auf Verlangen Auskunft ertheilk.
6 Grfstztirxppsv für Khi»s werden wieder angeworben. Alle Mamsschaftrn des Beurlaubtenstandes werde» bei den gegenwärtig ftattfindenden Kontrolloersammlungen befragt, sb sie sich für China melden wollen. D>e Ablösung der jetzt in China weilenden Mannschaften ist bekanntlich für den Herbst geplant. Sie China-Kampagne scheint somit noch lange nicht zu Ende zu gehen.
Aus dem Uachbargeöiet.
Ich» Asinfokd, 12. April. Nach einer Bekanntmachung des hiesige» LandrathSamtrS findet die FrühjahrS-Zuchtbullenkörn«g statt: in Hünfeld am Mittwoch den 17. April Vormittags 10 Uhr im RSbenfchnppen der Zucker- fabrik und in Eiterfeld am Donnerstag den 17. April Vormittags 10 Uhr auf der Asch.
—* Künfeld, 12. April. Am Montag findet die Eröffnung der hiefiqen neuen Bischöflichen Lateinschule statt. LH eil- nähme an dieser Frier werden alle husigrn Bewohner und insbesondere die Angehörigen der Schüler, deren Zahl bereits 44 erreicht bat, eingeladen.
Gersfeld, 12. April. Am weißen Sonn- tage empfangen in der hiesige» katholischen Kirche 4 Knaben und 9 Mädchen die erste heilige Kommunion. — Der nächste periodische Ge- richtstag ist auf Mittwoch den 17. April an- beraumt worden.
(*) Hrv, 12. April. Die Landwirthschafts- kommer für den Reaierungsbezirk Kassel hat zur Hebung der Nutzgeflügelzucht im Streife Geln- Hause« in Orb eine weitere Geflügelzucht- station errichtet.
* Hrv, 13. April. 42 Knaben und 32 Mädchen treten morgen hier zum erst-nmale zum Tische deS Herrn. — Für die am Montag zu eröffnende bischöfliche Lateinschule find bis jetzt 20 Schüler angemeldkt.
• LantrrSsrch, 12. April. Der Regie- rungSasseffor Karl Draudt in Lauterbach ist mit den Dienstoerrichtungen des KreiSamtes Lauterbach beauftragt worden.
O Aus HSerhesse«, 12. April. Eine sonderbare Osterfreude bereitete am ersten Fciertage zu Herbstein der dortige prot-stantische Pfarrer Herr Zinn einem 17jährigen Burschen. Eine Anzahl junger Leute zog singend und pfeifend durch die Straßen und begegneten dabei dem auch sonst sehr streitbaren Herrn, der durch den Lärm in eine fo gereizte Stimmung versetzt wurde, daß er über die Burschen herfiel und auf einem der- felben seinen Spazierstock in Stücke schlag, Der junge Mann nahm die hartgesottenen „Ostereier" mit Schrecken an, soll sich aber über das unerbetene Geschenk höheren Ortes b-schwect haben.
* Kassel, 11. April. Die Vereinigung der Landwirthe, welche Milch nach Kass-l liefern, hat beschloffen, vom 1. Mai an eine Erhöhung deS Milchpreises, und zwar 2 Pfennige für das Liter, eintreten zu laffen.
f Mardorf, 12. April. Die Familie V. Zecher dahier ist schwerheimgesucht worden. Vor 14 Tagen erkrankte der älteste Sohn dieser Familie, — welcher nächsten Sonntag zur ersten hl. Kommunion gegangen wäre — an Typhus und Scharlach und wurde schon nach wenigen Tagen zu Grabe getragen; auch der Ernäh er der Familie wurde von dieser Krankheit befallen und heute ebenfalls zur letzten Ruhe gebettet, gewiß ein herber Verlust für dir arme Mutter und Frau.
O Warvrrrg, 12. April. Der Privat- dozent Dr. Kra-tzschmar an der evangelisch, theologischen Fakultät der hiesigen Hochschule ist zum außerordentlichen Professor ernannt worden.
Q) Marvnrg, 13. April. In der katholischen Gemeinde empfangen morgen 15 Knaben und 10 Mädchen die erste hl. Kommunion. In den evangelischen Kirchen werden 134 Knabe» und 133 Mädchen konfirmirt.
* Ltmvnrg, 12. April. Am Dienstag fand im Lokale des Sesellenhauses eine Besprechung über das Projekt deS Kehrein-DenkmalS, welches in Montabaur errichtet werden soll, statt. Von der Anregung, zu Ehren Kehreins statt eines Denkmals eine die Interessen des Lehrerstandes fördernde Stiftung zu errtchten, wurde abgesehen, weil 1) der ganze Charakter und das so segensreiche Wirken Kehreins weit ehe» durch ein sichtbares Monument markirt und der Nachwelt vor Augen gehalten werden kann als eine Stiftung dies vermag, 2) aber auch alle Spender sich für das Denkmal ausgesprochen haben. Vo« den verschiedenen Plänen für das Denkmal f.-md derjenige des Brldhauers Arnold Kümm in Berlin de« meisten Anklang und es werden mit ditsim Künstler Unterhandlungen ei»geleitet. Die Enthüllungsfeier soll im Herbst, «özlichst unmittelbar vor Beginn der Veminarjubelfeier stattfinoe». Die Sammlungen ergaben bisher rund 2200 Mark.
O MesSadev, 11. April. Der Hofliefe- rant Julius Kieemann, Mitinhaber der hiesigen Meingroßhandlung „Hirsch und Kleemann", war wegen Accisedefraudation angeklagt, aber vom Schöffengericht freigesprochen worden. Der Anklage lag folgen! ec That» bestand zu Grunde: Am 17. Mai v. Js. deklarirte die erwähnte Firma, deren Miti». Haber damals verreist war, bei dem Accssramr zu Wiesbaden 1046 Liter Wein und eine Kiste mit 25 Flaschen Branntwein, deren Inhalt in der Deklaration mit 29,90 Liter angegeben war. Die Deklaration erfolgte zur Ausfuhr mit Anspruch auf Rückerstattung der Steife. Bei einer Rev firn der geöffnete» Stifte ergab sich, daß die 25 Flaschen 4 8 * Liter zusammen 18,76 Liter enthielten. Kleemann hatte deßhalb wegen unrichtiger Deklaration einen Strafbescheid über 5 Mark und 10 Pfennig erhalte«, gegen welchen er Einspruch erhoben hatte. Vor dem Schöffengerichte machte er dann zu seiner 8er« theidigung geltend, eS handele sich hier lediglich nm eine» Rechenfehler deS jungen Mannes, der die Deklaration geschrieben habe. Das Schöffengericht führte u. A. auS, auS der Definition des § 29, Absatz 1, der »cciseord- nuna, wonach derjenige eine Defraudation begehe, welcher eS unternehme, der Stadt die ihr gebührende Acciseabgabe zu entziehe», gehe hervor, daß die Defraudation im Gegensätze stehe zu anderen nur auf Unkenntniß oder Jrrthu« beruhenden Handlungen, also eine Täuschung»- abficht zur Voraussetzung habe. Ei« Beweis