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mit Unterhattungs -Message „Issukrirte Somlags-Zeitung"

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Juköa, Dienstag, den 9. April 1901.

28. Jahrgang.

£ Rußland und dtz deutschen Getreidezölle.

Der Handelsvertragiverein und alle die Leute wb Zeitungen, die in seinem freihändlerischen Fah wasser segeln, möchten gern der deutschen Wählerschaft Vorrede», eine Erhöhung der deutschen Setrei il Zölle würde gleichbedeutend sein mit der Uumöglie krit, mit Rußland einen neuen Handels­vertrag zu schließen. Sonst werden die Herren nicht müde, in Presse und Parlament diejenige« zu verspotte», die die Nothwendigkeit eines guten Verhältnisses zu Rußland betonen und diesem Verhältnisse zu Liebe auch ab und zu kleine Opfer zu bringen empfehlen. Jetzt auf einmal ist die Tonart bei ihnen umgeschlagen, und in geradezu alberner Weise suchen sie Angst vor dem grimmen Zarenreiche zu erwecken und vor den Folgen, die es für unS haben könnte, wenn wir die Russen durch eine für unS angemessene Erhöhung der Getreidezölle „reifen". Der Hin­weis darauf, daß gerade Rußland in allerneuestrr Zeit erst einen Zollkrieg mit Deutschland ver­sucht und verloren hat, ist während der letzten Monate so häufig gemacht worden, daß man es fast peinlich empfindet, ihn stets von neuem an­bringen zu müsse«; und doch ist das immer wie­der nothwendig gegenüber den Treibereien der Freihändler. Man muß fich zu ihre« eigne« untergeordneten Gesichtspunkten herablaffen, zu ihren eignen verbrauchten Schlagworten, wenn man mit ihnen fich auseinandersetzen will.

Nun aber gibt es eine ganze Reihe anderer Thatsachen, mit denen man beweisen kann, daß die Zollfurcht vor Rußland außerordentlich schlecht begründet und nicht wenig überflüssig ist.

Bald nach den Lärmtrompetenstößen der russischen Preßorgane, die dem Finanzminister von Witte zur Verfügung stehen, ließen sich ruhigere Stimmen aus Rußland vernehmen. Namentlich suchten mehrere Petersburger Zeitungen, augenscheinlich nicht ohne Beeinflussung durch das russische Ministerium des Auswärtige«, den Ein­druck abzuschwächen, als glaube man bei der zarischen Regierung, die Deutschen durch so plumpe Drohungen einzuschüchtern, wie sie Herr o. Witte veranlaßt hatte. Man fühlte bald selbst die maßlose Ungeschicklichkeit dieser Drohungen und versuchte, sie durch ei« höflicheres und weniger unkluges Benehmen zu verwischen. Und da nicht lange danach Reichskanzler Graf Bülow im Reichstage sehr beifällig aufgenommene Ausschlüsse stab über daS gute politische Einvernehmen zwi­schen den Leitern der auswärtigen Politik in Berlin und in Petersburg, auch der neue deutsche Botschafter in Petersburg, Graf AloenSleben, von dem Zare« mit ganz besonderen Ehren und Auszeichnungen empfangen wurde, beruhigte man sich ziemlich schnell über deu PreßkosakrnrUt des Herrn Ministers von Witte.

Inzwischen ist man im Zarenreiche so offen- herzig geworden, daß man erstens ohne weiteres zugesteht, Rußland könne kaum sich wehren gegen eine Erhöhung der deutschen Setteidezölle und daß man zweitens kein Hehl mehr daraus macht, daß die russischen Landwirthe zu ihrem eignen Besten darauf bedacht sein müßten, ihren gegen- wärtigen mehr als reichlichen Rosgenbau etnzu-

Ion Stufe zu Stufe.

Roman auS dem Wiener Leben.

Bon L. v. N e i d e g g.

86 , ------ (Nachdruck verboten.)

„Der Schlafwagen ist bMt", klagte er. „Jetzt bin ich froh darüber, eWwollte ich aber tüchtig schimpfen."

„Wohin geht die Reise?" erkundigte sich Franz mit einem Blick auf die zahlreichen Hüllen. „Nach Sibirien etwa? Der nächste Weg ist daS nicht,"

„Frage lieber nicht wohin," erwiderte Mar- Kurzer im GrabeSton. „In die Verbannung."

„Oho! Und sie heißt?"

„Sokolovic."

„Sokolovic ist ein Name, der mir nichts sagt. Wo liegt daS?'

„In Bosnien." Marburgers Stimme klang immer kläglicher.

„Du weißt, ich gehe selber nach Bosnien, sehe es aber durchaus nicht als Verbannungs­ort an.

„O Du! Du warst von jeher ein Spar- ^ner; schaust von oben herab auf Menschen und Dmge, träumst wohl von Kulturmisfiou und pa­triotischem Wirken. Ich bin nicht so poetisch und habe für solches keinen Sinn."

- „Trachte Dir ihn zu verschaffen. Was willst ^u denn aber eigentlich in Bosnien?"

«g. "3$ will gar nichts, ich muß. Mei» eUet - ... Du weißt, er hat den gottoergeffenen

Eine Ehren - Kompagnie vom 4, Garderegiment zu Fuß wird auf dem Bahnsteig aufgestellt werden.

* E« ist nicht bekannt geworden, ob der Zar zu der Feier de» Ak-xa«derr-Utme«1eG eine Glückwunschdepesche gesendet hat. Anscheinend ist da» «icht geschehen, da andernfalls das Tele­gramm veröffentlicht worden wäre. Im Publikum herrscht eine gewiße Verwunderung darüber, daß die Feier, die der Kaiser so ungewöhnlich glanz­voll inscenirt hatte, und bet der er doch besonders betonte, daß, wen« die Freundschaft beider Kaiser nicht ungetrübt geblieben wäre, es nicht an ihm gelegen hätte, am russischen Hofe unbeachtet ge­blieben sein soll.

+ Ire Zusammeirkttuft des Orafe» Mstkarv mit Kerre» Zauardelri beschäftigt' noch immer in Ermangelung andern politischen Stoffes die Blätter. In den Zeitungen, die vom Berliner Auswärtigen Amte her beeinflußt werden, wiederholt man bis zur Ermüdung, daß der Reichskanzler von dem italienischen. Ministerpräsidenten überrascht worden wäre mit der Zusammenkunft in Verona. Mag daS nun sein, wie es wolle, auf jeden Fall bedeutet diese Zusammenkunft Guter für den Fortbestand deS Dreibundes, auch wenn Italien mit einigen Abänderungsvorschlägen des Bundesvertrages hervortreten sollte. Die Erneuerung dieses Ber- trageS liegt so sehr im Interesse Italiens, daß dieses sich hüten wird, ihn umzuwerfen. Der Vertrag läuft mit dem 6. Mai 1903 ab und würde unverändert weiter gelten, wenn er nicht ein Jahr vorher aufgekündigt werden würde. An diese Möglichkeit denkt indessen, wie gesagt, wohl Niemand im Ernste.

* MeichsgrmrdSesttz. I« der jüngst dem Reichstage mitgetheilten neuen Bearbeitung des Verzeichnisses des als Eigenthum des Reiches festgestelten Grundbesitzes findet sich ,zum ersten Male eine Zusammenstellung der Flächengröße des Reichsgrundbesitzes, welche mit einer Summe von 91147 Hektar, das find rund 911 Quadratkilometer abschließt. Da das ge- sammte Gebiet des deutschen Reiches 540,657 Quadratkilometer umfaßt, so ergibt sich aus jener Zusammenstellung die bedeutsame That- sache, daß der sechshundertste Theil deS deutsche» Grund und Bodens dem Reiche gehört. Ferner macht die Zusammenstellung ersichtlich, daß von diesem Reichsgrundbesitz nur etwa der siebente Theil, nämlich 12,868 Hektar, «ach dem Gesetz« vom 25. Mai 1873 von den einzelnen Bundesstaaten in das Eigenthum des Reiches übergegaugen ist, daß dagegen sechs Siebentel, nämlich 78,279 Hektar, «st von Reichswegen durch besonderen Rechtstitel er- worben fhb; gewiß auch ein Beweis für den gewaltigen Aufschwung, den die Entwickelung der Reichsverhältniffe genommen hat.

KAHiitastfcheK«1schäbig»mgei». Diejenigen Deutsche«, die aus Anlaß der Wirren in China Entschädigung von der chinesismen Regierung for- dern zu können glauben, müssen ihre Ansprüche bis zum 1. Mai beim Auswärtigen Amte in Berlin anmelden. Dieses wird dann, wie im »RMHsavz/ mitgetheilt wird, für schleunige Mittheilung der betreffenden Eingaben an die deutsche Gesandtschaft in Peking Sorge tragen. Diese letztere ist mit der Prüfung und Feststel­

lung der Ansprüche nach den von den Mächten vereinbar« Grundsätzen beauftragt. Forderun­gen, die iMch dem 1. Mai angemeldet werde«, können nur in ganz besonderen Fälle« berücksichtigt werden.

+ Karra! und Zolltarif. „Ehe sie de» Kanal nicht schlucken, unterschreibe ich deu Zoll­tarif nicht" — soll bekanntlich der Kaiser nach der Behauptung der Berliner .Täglichen Rund- schau' bei dem Empfange des Präsidiums des preußischen Herrenhauses gesagt haben. Nachher hieß es, die Aeußerung sollte schon vorher einem konservativen Abgeordnete« gegenüber gefalle« sein. Unter den „sie" sind natürlich die Konservatives ge­meint. Jetzt wird in einer Berliner Zuschrift des .Hamburger Korrespondent' erklärt, und zwar „von zuverlässiger Seite", wie das Blatt hinzufügt, der Kaiser habe in besagter Audienz beide Thematen gar «icht berührt. Ja einem anderen Blatte wird gleichzeitig angeführt, daß der Kaiser nicht in der Lage sein werde, in dem angedeuteten Sinne zu verfahren; denn der Kaiser könne verfaffungsmäßig zu Stande gekom­menen Reichsgesetzen seine Zustimmung gar nicht verweigern. Es ist nun recht bemerkenswerth, was R»zu die .Berliner Neuesten Nach­ri chWm zu sagen haben, da man annehmen darf, daß sie von amtlicher Seite her dazu ver­anlaßt worden sind. „Der Kaiser — so schreiben die .Berliner Neuesten Nachr.' — hat seine Zu­stimmung zu den Zolltarifen zu gebe« erstens als Reichsoberhaupt für die Einbringung der Vorlage in den Bundesrath; zweitens als König von Preußen für die Stellung­nahme der preußischen Stimmen. Praktisch wird die Sache wohl darauf hinauskommen, daß die Tarife erst nach und mit Zustimmung Preußens an den Bundesrath gelangen: denn bevor der Kaiser seine Zustimmung dazu gibt, wird er sich als König von Preußen vom preußischen Staats­ministerium berathen lassen. Es werde sich mit­hin in obiger Aeußerung, falls sie wirklich ge­fallen, nicht de lege lata (um ein gegebenes Gesetz), sondern de lege ferenda (um ein zu gebendes Gesetz) handeln, und da wäre sie ver- fassunasmäßig in keiner Weise anfechtbar. Sie würde vesage»: vor Annahme des Kanals kommt die Zollvorlage nicht an den Bundesrath." So weit daS genannte Ber- liner Blatt. Sollte dieses die Stimmungen und Auffassungen in den leitenden Kreisen zutreffend kennzeichnen, dann würde das von Neuem ein überraschender Beweis sein von den Wider­sprüchen, die innerhalb der Berliner Regierungs- kreise sich geltend machen. Im preußischen Ab­geordnetenhause haben die Minister feierlichst versichert, die KanalvorlagM solle für sich ganz allein beurtheilt und Mandelt werden; und auf einmal sollte der Wind wieder voll­kommen umgeschlagen sein? Und wie, wenn das preußische Abgeordnetenhaus die Kanalvor­lage nun ab lehnt? Dann muß schließlich der Zolltarif doch an den Bundesrath und von diesem an den Reichstag, und dann wird dieser Letztere doch frei in seinen Beschlüffen sein. Auf jeden Fall würde e8 gar nicht genug be­dauert werden können, wenn die unselige

Verkoppelung der preußischen Kanalvorlage mit der Reichs fache des Zolltarifes nachträglich

schränken. Die EMHränkung deS russischen Roggenbaues bezeichnt beispielsweise die PrterS- borget ,No woje Wremja', die fich durchaus nicht durch besondere Freundschaft für unser deussches Reich auSzeichnet. als eines der Haupt­ziele der russischen Landwirthschast i« der gegen­wärtigen Zeit. Ma« sollte dßjch ja nicht de« Deutschen große Zugeständniffe Ms dem Gebiete der Zölle mache«, um eit«« so unoortheilhaften Zweig der russische« Landwirthschast zu stärke«.

Das klingt wahrhaftig nicht nach Zollkrieg! Und nun hören wir einmal eine Stimme aus der russischen Landwirthschast selbst, aus einem Gebiete, in dem gerade der Anbau von Brot- getteide sehr stark oorwiegt. Wir meinen das Wolga-Gebiet. In einer Eingabe an die rus­sische Regierung klagen die Landwirthe des Wolga-GrbieteS darüber, daß die Getreide- preise in Rußland seit dem Jahre 1894 zurück-egangen seien, im Gubernium Kasan beispielsweise um nicht weniger als ein Fünftel und mehr. Gerade in dem genannten Jahre sind aber, wie sattsam bekannt, die deutschen Getreidezölle von 5 auf 31/« Mark herab­gesetzt worden. Sie russische Getreide - Ausfuhr hätte damit, wenn die deutschen Freihändler recht hätten mit ihren Be­hauptungen, sich vermehre«, die Preise in Rußland wiederum hätten infolge dessen steigen müssen. Aber das Umgekehrte war in der That der Fall. Das heißt: die deutschen Getreidezölle haben auf die Getreidepreise in Rußland keinen Einfluß; die russische Landwirthschast hat kein Interesse daran, und dann natürlich auch nicht die russische Re­gierung. Und eine Erhöhung de» deutschen Zoller kann den Roggen für die deutschen Verbraucher selbst kaum vertheuern.

Umgekehrt geben außerdem russische Blätter »»«mwunden zu, daß der deutschen Land- »irthschaft geholfen werden könne durch eine Erhöhung der Zölle: „Durch Zollsätze, die unserer Ausfuhr ungünstig sind — schreiben die Peters­burger ,Wjedomosti' — kann Deutschland seine Landwirthschast durch eigenen Roggenbau heben und unser» Roggen mit der Verdrängung vom deutschen Markte bedrohen." Wir Deutschen müssen unsere Handlungen danach einrichten, wr» uns selbst noth thut. Wir müssen also innere Ge- tretdezölle erhöhe», um unsere Landwirthschast zu heben, und müssen es den Russen überlass n, für ihre eigene Landwirthschast zu sorgen. Daß man dafür im Zarenreiche volle« Verständntß hat, be­weisen die angeführten Preßstimmen. Und da man i« Rußland zu diesem richtigen Verständnisse durchgedrunge« ist, haben wir ganz und gar nicht zu fürchten, daß eine Erhöhung unserer Getreidezölle zu einem Zoll­kriege mit unseren östlichen Nachbare« führen werde!

Deutsches Keich.

Berlin, den 6. April.

© Derchrohherzog von Kachseu ZSeimar wird am Mittwoch de» 10. April Vormittags in® er! in eintreffen, um beim Kaiser!. Hofe seine» Antritts-Besuch zu mache». Auf dem An­halter Bah» Hofe wird großer Empfang stattfi,den.

Einfall gehabt, ein Terrain mit Eisengruden bei Sokolovic zu kaufen?"

„Nein, ich weiß gar nichts. Wo liegt So­kolovic?"

„In der Nähe der Varescher Eisenwerke. Als es mit der Brauerei nicht mehr gehe« wollte, hat der Vater den größten Theil seines Ver­mögens da hinein gesteckt. Mit der Regierung hat er einen Vertrag abgeschlossen, wonach er in den umgrenzenden Regierungswaldungen eine bestimmte Menge Holz für seinen Betrieb schlagen darf. Das Alles bedarf scharfer Beaufsichtigung; er selbst ist aber kränklich geworden und kann nichts mehr leisten."

„Sine herrliche Gelegenheit für Dich, Dich nützlich zu machen."

„Danke für die Zumuthung. Lieber Bettel­mann in der Großstadt, als Herrscher in der Einöde. Nie würde ich mich in den Willen meines Alten gefügt haben, hätte er mich nicht ganz in der Gewalt."

„Wie so?"

„Ich deutete eS Dir schon bei Kästner an: Schulden, allerlei Sonstiges, dumme Spielge­schichten. Es hat einen Krach gegeben; bet Alte droht mit Enterbung und bloßem Pflicht- theil, wenn ich mich nicht an den Laden lege und in Sokolovic den Beamten auf die Finger sehe, denen er nicht mehr traut."

„Das ist eine ehrenvolle Aufgabe."

„Wie man's nimmt," entgegnete Marburger trübselig. „Wenn Mutter und Schwester nicht geweint und gebeten hätten, ich würde die Last niemals auf mich genommen haben. Seit dem

Kästner'schen Abend habe ich mich in der Buch­führung unterweisen laffe», ich begreife aber nichts. Wie ein Mühlrad geht mirs im Kopfe herum."

„Bah! Nimm Dich zusammen. Hexerei ist keine dabei."

„Für Dich freilich nicht. Woher weißt Du das aber eigentlich?"

„Glaubst Du, ich hätte nicht gesucht, mir etwas Kenntniß von Waldwirthschaft und Buch- führung zu verschaffen, da ich einmal Grundbe fitzet werde« sollte? Es ist nicht viel, waS ich weiß, gerade genug, um mich meiner Haut wehren zu können, gewissenlosen B-amten gegen­über."

„Ja, Du bist ein Teufelskerl," bewunderte Marburger. „Ich weiß, was ich thue: wenn ich mir nicht zu helfen weiß, fahre ich rasch nach Sarajewo und hole mir Rath bei Dir."

„Kerl! Von Eisenwerken verstehe ich ja nichts!"

„Du? Im Handumdrehen hast Du das loS. Mir zulieb laß Dir in Sarajewo von Reyer — Du erinnerst Dich doch seiner: Theodor Reyer — einen Einblick in derlei geben, und dann be« rathe mich. Gelt, Du hilfst mir auch hier, wo es ungleich wichtiger ist als in der Akademie?"

Seine matten blauen Augen sahen Franz mit so hilflos bittendem Ausdrücke an, daß dieser es nicht über fich gewann, ihn zurückzuwrisen.

„Recht gern, soweic ich kann. Indessen: Hilf Dir selber — lautet das tzprüchwort."

„Auch eines der zur Plage der Menschheit er­fundenen Worte, so gut wie das von der Morgen­stunde mit ihrem Gold im Munde. Der eine

arbeitet gern, dem gönne man die Freude; der andere ist wie ein Schmetterling und flattert liebet seinem Vergnüge« nach. . . ."

„Ja, aber man kau« doch nicht Schmetterling bleiben bis an'sGrab?" meinte Franz mit einem spöttischen Blick auf den unschönen dicklichen Ver­künder dieser Lebensregel.

„Nein, um so mehr sollte man das Leben deshalb genießen, so lange man jung ist. Und ich soll nun in Sokolovic vezetiren, bis ich Ordnung geschaffen habe. Ich und Ordnung schaffen! Du meine Güte, da kann ich bis zum jüngste» Tag dort bleiben! Ich beneide Dich förmlich um Sarajewo, das ist doch stadtähnlich. CafeS, Geselligkeit, allerlei Abwechselung. In Solovic gibts Arbeit, nichts als Arbeit und . . Schlaf."

„Wolltest Du doch den Segen erkennen, ber in der Arbeit ruht."

„Leere Redensart, mein Lieber; erfunden um die Armen zu beschwichtigen, damit sie Unsereins nicht todtschlagen. Möchte übrigens wissen, wie Du, der Du doch im Mnichthum er­zogen bist, zu dieser Anschauung kommst."

„Atavismus, lieber Freund. Mein Groß­vater war ein ehrsamer Handwerksmeister in Prag, der durch seine kunstvollen Schreinereien sich ein hübsches Vermögen erwarb. Leider wollte er aus seinem Sohne einen feinen Herrn machen, und das gelang ihm so gut, daß mein Vater heute wohl kaum mehr zu leben hätte ohne die Erbschaft vom Onkel."

„Und der war wohl auch ein Arbeiter?"

„Das will ich meinen, ©arbeitet hat ber