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M 79.

SU Bon der Revision des Börsengesetzes

ist kürzlich in der PetitionSkommlsston deS Reichs­tages die Rede gewesen. Veranlassung dazu hatte eine Petition der Handelskammer zu Bielefeld gegeben. In dieser Petition wird ge­fordert, daß Termingeschäfte zwischen Kauf­leuten, die nur ins Handelsregister einge­tragen fhb, ebenso rechtsverbindlich sein sollen wie zwischen Personen, die im Börsenregister stehen; und ferner, daß bei Termingeschäften von Personen, die in keines dieser beiden Register eingetragen find, die bestellten Sicherheiten^ und die abgegebenen Schuldanrrkenntnisie durch das Gesetz für rechtsverbindlich erklärt werden — das alles im Gegensätze zu den Bestimmungen des geltenden Börsengesctz s über den Termin­handel. Diese Bestimmungen würden durch die Verwirklichung dieser Forderungen vollkommen umgedreht, das heißt, das gefährliche Börser- ffpiel mit den Termingeschäften würde wieder ebenso frei und unbeschränkt betrieben werden "können, wie vorher, ehe wir das neue Börsen- gesetz hatten. Deswegen klingt einigermaßen -überraschend der in dem Berichte aus der genannte« Kommission vorhandene Satz, es 1« von keiner Seite in Frage ge­stellt worden, daß thatsächlich durch das Gesetz ■mir seinen Bestimmungen über die Terminge- Hhäfte Urbelstände hervorgerufen worden seien. Sollten wirklich alle Mitglieder der Petitions- Eommifsion auf diesen Standpunkt sich gestellt haben — auch diejenigen Mitglieder, die dem rCentrum und der konservativen Partei angehören? Kaum! Der von dem nationalliberalen Abgeord­neten Tönnies verfaßte Bericht dürste die herrschende Stimmung damit schwerlich richtig kennzeichnen. Der eine der beiden anwesenden Zlegierungsvertrrter, der geheime Oberregierungs­rath Wendelstadt, hat auch sehr deutlich ab« gewinkt; das wird in dem Berichte sehr deutlich ausgesprochen. Der genannte Herr hat seine Ansicht dahin geäußert, daß die Forderungen der Bielefelder Petition den Schutz wieder beseitigen würden, den man durch das Gesetz den in Börsen­geschäften unerfahrenen Leuten mit der Zustimmung einer erdrückenden ReichStagSmehr- heit gegeben hat.g WE

Der preußische Handelsminister Brefeld hat inzwischen die Ankündigung, die er am 20. Februar im preußischen Abgeordnetenhause laut werden ließ, wahr gemacht und dementsprechend die ReichSorrwaltung darum ersucht, eine Unter« Buchung unter Zuziehung von Sachverständigen anzustellen. Diese Anregung deS preußischen Handelsministers unterliegt gegenwärtig, wie ein anderer RegierungSvntreter in der Petitions­kommission des Reichstages mittheilte, den Er­wägungen der betheiligten Reichsorgane. Und jetzt erscheint in einem Organ, das dem preußischen Finanzminister von Miquel nahe steht, eine augenscheinlich halbamtliche Kundgebung, die end­lich wieder auf die unleugbare Thatsache hinweist, daß wohl „zur Zeit überhaupt eine Aenderung der bestehenden Gesetzgebung in Bezug auf die Erhebung deS Differenzeinwandes bei Börsentermingeschäften nicht zu erreichen wäre". Wenn aber etwas auf diesem Ge­biete unternommen werden sollte, dann müßten — so meint der Offiziosus — alle in das Handelsregister eingetragenen Personen von der Berechtigung ausgeschloffen werden, den Diffe­renzeinwand zu erheben, ober allein den in das Börsenregister eingetragenen Leuten das Recht gegeben werden, ihrerseits Forderungen auS Differenzgeschäften einzuklagen.

Wenn keine Aussicht vorhanden ist auf die Möglichkeit, im Reichstage solche Aenderungen auf dem Gebiete des Terminhandels durch­zusetzen, dann find daS aller Doklorsrage«, über die man sich vorläufig nicht weiter aufzuregen braucht. Aber wenn schon wieder Aenderungen vorgenommen werden sollten, dann dürste — nochmals sei eS hervorgehoben! — auch nicht vergessen werden, Strafen fest- zusetzen für solche, die sich Uebertretungen der Bestimmungen des Börsengesetzes zu schulden kommen lasse«!

Römische Briese.

xn.

Rom, 1. April 1901.

Eine Studentendemonstration reihte sich in der letzten Zeit hier in Rom an die andere. Nach den Antipatbielärmscenen an die "Adresse der katholischen Mitglieder des Ge-

28. Jahrgang.

JuLöa, Samstag, den 6. April 1901.

meinderaths, der Huldigungsdemonstration für den ermordeten Humbert I., das Königspaar, den Bürgermeister Fürsten Colonna und dm Ex Deputirten De Felice, den bekannten siziliani­schen Sozialisten (welcher indessen das große und niemals genug anzuerkennende Verdienst hat, der Maffia und ihren Anhängern bis in die höchsten Kreise hinein gründlich und furcht­los zu Leibe zu gehen), kam die Reihe an die .Petersburger Kommilitonen", und damit die Sache auch ein antiklerikales Gepräge habe, an den neuesten „Märtyrer", den alten Tolstoi. Die zufällige Anwesenheit seines Sohnes und seiner verheiratheten Tochter gaben die erwünsch­ten Vorwände. Als jedoch der . erste lärmende Studentenzug vor dem Gasthaufe des jungen Tolstoi au kam, wurde die Parole ausgegeben, der Herr Graf sei verreist. Am nächsten Tage wiederholte sich dieselbe Sache, nur ging? diesmal zur Tochter. Dieselbe war höflicher als der Bruder und empfing eine Deputation, welche ihr einen Blumenstrauß überbrachte. Der anti- klerikale Enthusiasmus der Studenten hatte aber roh nicht genug. Am folgenden Tage sollte die Demonstration in größerem Maßstabe wiederholt

werden. Doch Madame ließ höflichst — wie man sagt — auf den Rath der Polizei hin, danken, worauf sie eine Einladung zu einem — Stud'ntengelage erhielt, welches denn auch wirk­lich fiattfand, wenn auch ohne die russische Heldin und Märtyrertochter. So haben denn unsere römischen Studenten es sich schon etwas kosten lassen (vorausgesctzt, daß der Wein und die Blumen bereits bezahlt sind). Selbstverständlich wollte man zu wiederholten Malen dem russischen Botschafter eine Katzenmusik darbringen, was aber noch rechtzeitig durch die Polizei verhindert wurde.

Der hl. Vater hat angcordnet, daß dem im Konsistorium vom 15. d. M. zum Kardinal zu ernennenden Bischof von Krakau das rothe Käppchen durch den Nobelgardisten Conte Pius Salimei und dem Fürsterzbischof von Prag durch den Gar­disten Conte Salvator Salimei überbracht werde. Der Palmsonntag wurde hier wie immer großartig gefeiert. In sämmtlichen Kirchen wur­den die Palmen geweiht und vertheilt, in St. Peter diejenigen, welche Papst Leo XIII. am Tage vor­her von der Familie BrrSca aus San Gemo er­halten hatte, die seit Sixtus V. dies Privilegium besitzt.

Otto.

6M-

gies

Mit jener Zähigkeit, die Rußlands asiatische Politik von jeher ausgezeichnet und zu riesigen territorialen Erfolgen geführt hat, ist da« Zaren­reich wieder in China vorgegangea. Wer die Geschichte der allmählichen russischen Erwerbung von Sachalin und den Amurprovinzen kennt, dem ist es einleuchtend, das das neue, von den Mächt n auf dem indirekten Wege des Protestes gegen China angefochtene Mandschureiabkommen ebenso zur Wirkl'chkeit werden wird, wie die auf Kosten Chinas im fernen Osten erzielten bisherigen anderen Landerwerbungen. Darum hat dies Mandschurei­abkommen auch eine dauernde Bedeutung, weshalb wir unseren Lesern eine, die territoriale Ver- änderung vorführende Karte beistehend unterbreiten.

In dürren Worten gesagt ist der Inhalt dieses Abkommens bekanntlich die unter den äußeren Formen eine« politischen Protektorats vollzogene faktische Einverleibung der ganzen chine­sischen Mandschurei in Rußland, und die politische Suprematie über die westlich gelegene Mongolei und Turkestan, also ein Gebiet, welches sich in beträchtlicher Breite nach Westen hin er­streckt, den ganzen Norden des chinesischen Reichs hier umfaßt, und bis zu den centralasiatischen Besitzungen Rußlands am Pamirgebiet reicht. Ueber die Vertragsabmachungen betreffs dieser Gebiets läßt Rußland mit sich handeln, denn in jenes Gebiet kann doch, weil im Innern Asiens belegen, keine andere Macht hineingelangen; was jedoch die Mandschurei anbetrifft, so ist und bleibt diese in russischem Besitz, daran wird durch keiner­lei abschwächende Erklärungen etwas geändert.

Dar Gebiet der Mandschurei, als das wichtioste bei diesem Vertrage, ist in unserer Karte t urch ■ schwarze Flächensignatur hervorgehoben. Die bfe Mandschurei durchziehenden Eisenbahnlinien, dies

sich als eine Abkürzung der Führung der Sibirischen Bahn nach Wladiwostock darstellen, sind mit ihren Verzweigungen (über Mulden nach Niuischwang und Port Arthur) in der Zeichnung enthalten. Ebenso sind die dauernden wie die temporäre» Flottenstationen in der Karte durch kleine Schiffs- signaturen markirt.

Nach russischer Darstellung wird dem Zaren­reiche durch daS Mandschureiabkomme» kein neues Gebiet (!) gegeben, sondern nur Garantien für seine bereits bestehenden Interessen und Rechte in der Mandschurei. Keine Macht hat Protest eingelegt, selbst Japan hat keine Einmischung versucht. Die Erklärung deS japanischen Ministers deS Aeußern, daß Japan nothwendiger Weise eine Kompensation erlangen werde, machte keinen Eindruck, da sie eine bloße Drohung ist. DaS russisch-chinesische Abkommen wird die Fähigkeit Chinas, Entschädigungsforderungen zu begleichen, nicht schwächen, weil es in die bestehenden kommer­ziellen Rechte anderer Nationen in der Mand­schurei nicht ergreift. China wird die Zölle in der Mandschurei nach wie vor selber einziehen. Nach russischer Annahme wird daS Abkommen sehr bald unterzeichnet werden. Die zur Zeit schwebenden Verhandlungen bezogen sich nur auf untergeordnete Punkte.

In China haben sechs Vizekönige und sieben Gouverneure Protest gegen daS Abkommen er­hoben, waS auf Rußland weiter keinen Eindruck machen wird; mehr Bedeuiung hat Japans Ver­halten, da hinter diesem England steckt. Daß auch auf gänzlich unbetheiligter, nämlich deutscher Seite, die allgemeine Lage in Ostafien immerhin roch als kritisch angesehen wird, lehrt daS Verbleiben der deutschen Panzer-Division in Ostafieu.

Der hl. Vater empfing in diesen Tagen den Besuch des P. Bonifaz Krug, den Präsidenten derBenediktinerkongregation vom Kloster Montekassino im Neapolitanischen. P. Krug ist bekanntlich ein geborener Deutscher (Preuße) und besuchte eest vor kurzer Zeit feine Heimath ge­legentlich der Rückkehr von einer längeren Reise nach Amerika. Am 19. April begeht dir Kar­dinal-Diakon undJnterpräfekt Andreas Stein­huber fein öOjährigeS Priester-Jubiläum.

Die hier gebildete internationale Kommission katholischer Studenten, welche gelegentlich des im vergangenen September in Rom abgehaltenen Studentenkongrefles ernannt wurde, hat das erste Heft Ihrer „Mittheilungen" 'erscheinen laffen. Die Kommission, unter dem Protektorate des Kardinals Parocht, besteht aus 5 Italienern, 3 Reichsdeutschen (Stud. Rudolf Mayer-München, Fr. Habereder-Paffau, Anton Kayser-Paderborn), 2 Oesterreichern, 2 Schweizern, 2 Belgier und je einem Franzosen und Spanier. Diese Kommission wird bekanntlich ein inter- nation ales Jahrbuch herausgeben, zu dessen Kosten von unbekannter Hand bereits Ein­tausend Mark gespendet wurden. Vor einigen Tagen hat die Kommission ein Anerkennungs­schreiben an die katholische Studentenschaft wegen der bekannten Kreuzaffäre abgesandt.

Heute hielt der als Geschichtsforscher wohl­bekannte Major im GenkkorpS, Borgatti, einen (höchst interessanten Vortrag über unsere Engelrburg, das alte Mausoleum Kaiser Hadrians. Die ehemalige päpstliche Festung dient gegenwärtig als Militärgefängniß und Kaserne; die Militärverwaltung hat verschiedene Restaurirungen vornehmen lassen, welche haupt­sächlich in diesem Vortrag? beschrieben wurden. Die Zuhörer haben das Recht, morgen unter sachkundiger Führung die sonst schwer zugäng- lichen Räume der Engelsburg zu besuchen.

Die Zeremonien der Karwoche haben wiederum eine ungemein große Anzahl Fremder nach Rom gelockt. Im Vergleiche zu den früheren Jahren sind diese Crremonien unbe­deutend. Die «roße Segenspendung von der Loggia von St. Peter. die große Prachtrntfaltung bei denjenigen Feierlichkeiten, in welchen der Wnp« mi wirkte, existiren heute nur noch in der tehfigähq M?"ioer.

Dir letzte Wette.

Erzählung nach dem Französischen vonWilhelmThal- „Sieh mich doch nicht so traurig an, Magda; ich kann et nicht ertragen. Ich weiß, ich habe Unrecht gethan, und jedes Wort, das Du sprichst, macht eS mir doppelt fühlbar."

„Ach, dann bilt Du diesem schrecklichen Spiel ja noch ganz verfallen. O, Regi, gib mir Dein Wort, versprich mir, das Wetten für immer auf­zugeben," sprach st- und legte ihre kleine weiße Hand beschwörend auf seinen Arm.

Reginald Willmgeford hatte wahr gesprochen: er komte es nicht ertragen, sie traurig zu sehen. „Magda", sagte er plötzlich, sie in feine Arme nehmend und sie liebevoll auf den Mund küssend, „Magda, Du hast gesiegt. Du bist mein kleiner Schutzengel, j-tzt wie immer. Ich will Deinet­wegen auch alles thun, und das Wetten auf- geben. Von der nächsten Woche an soll mich der Turf nicht Wiedersehen."

„Warum dann erst, Regi?"

„Weil ich für daS nächste Rennen schon Ab­machung getroffen habe.

„Gut denn, von nächster Woche ab. Oh, mein Lieb, ich danke Dir so herzlich für Dein Versprechen; jetzt weiß ich, daß nichts mehr zwischen uns treten kann", sagte Magda, feine Hand zärtlich streichelnd. „Aber Regt", fuhr sie fort, „ich habe Dir noch etwas zu sagen. Bist Tu d-nn auch ganz sicher, daß Richard Stone Dein Freund ist?"

„W e meinst Du das? Ich verstehe Dich

nicht."

„Nun denn, Regi, ich weiß nicht; aber er gefüllt mir nicht. Er hat mir stets den Eindruck gemacht, als fei er falsch und gebrauchte Dich nur für feine eigenen Zwecke."

„Aber welche Zwecke kann Stone denn ver­folgen ?"

„Soll ich ganz offen sprechen, Regi? Er liebt mich und hat mich gestern Abend um meine Hand gebeten —"

„Nicht möglich! Er wußte doch, daß wir beide mit einander verlobt find!"

„3a, aber er erklärte mir, Du wärest ruinirt, und — und. .

„O, dieser Schurke!" ries Regi empört.

„AlS ich ihm sagte, daß ich mir den LibenS- zwick gesetzt hätte. Dir als Schutzengel zu dienen, wie Du mich oft nanntest, da verdüsterte sich fein Antlitz. Er sagte. Du würdest bald keinen Pfen­nig mehr besitzen und müßtest mich dann ohnehin srälaffen. . .