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für Inserat« 2. P-rzell«» in Lulta. mit Anterhattungs -Meil'age „Mnstrirte Sonntags-Zeitung!'

Deut rnd Verlag ter Laldaer Kctfcnt-».*«d Peter-i-S« Nr. a O'armm»).

J2 78-_________________

Wegen des hl. Karfreitags wir- die nächste Nummer unseres Blattes erst am Samstag ausgegeben.

S Karfteitag.

Auf Golgatha ragt das KreuzeSholz. Der Opfertod des Gottmenschen hat unserer Seele das Leben wiedergebracht; sein Blut hat das Erbe der Sünde hinweggeschaffen. Von neuem ist uns Aussicht eröffnet worden auf die Erbschaft des Himmels.

Aber das gute Kind fteut sich am Tobten« bette deS Vaters oder der Mutter nicht über die Erbschaft, dir es nun anzutrete» berufen ist. Und so kann sich auch die katholische Kirche am Kar­freitag nicht der Freude hingeben über daS himmlische Erbe Jesu Christi. Wir können den Tag der Erlösung nicht als Festtag feiern. Die Freude über die in ihrer Unendlichkeit unbegreif­liche Gnade, die uns erwiesen worden ist von Gott dem Vater durch seinen eingeborenen Sohn, die Freude über die reichen Schätze, dir der ster­bende Heiland uns hinterlassen hat, muß am Karfreitag zurücktreten hinter der tiefen Trauer, hinter dem Schmerze über den grausamen Kreuzes­tod des Gottmenschen, und namentlich auch hinter unserer Trauer über unsere Unwürdigkeit und Undankbarkeit.

Aber diese Trauer braucht und soll durchaus kein Hinderniß sein, daß wir mit innigem Danke des Heiles gedenken, dar uns der Heiland am Kreuze erworben hat, und daß wir dieses Heil so hoch schätzen, wie kein anderes Gut, so hoch, daß wir von dem Bewußtsein durchdrungen werden, es niemals verlieren zu dürfen. Gerade umgekehrt ist der schmerzliche Gedanke an unsere Undankbarkeit urd Unwürdigkeit am allereyesten geeignet, aufrichtige Reue bei uns und aus der Reue heraus die Besserung zu erwecken, Besse­rung ur-d damit verbunden aufrichtige Dankbar­keit gegen Gott und das Grlöbniß, den Heiland in unseren Herzen hinfort nie mehr zu kreuzigen. Geeignet wie kein anderer Tag ist gerade der Tag deS blutigen Kreuztodes unseres Heilandes zu dem festen Vorsätze, unser ewiges Heil nicht mehr in Gefahr zu bringen!

Der göttliche Heiland ist für unS am Kreuze gestorben, hat uns Erlösung gebracht. Aberder Gedanke, daß es so ist, darf uns nicht seelenstolz machen. Der uns widerfahrenen Heilsgnade werden wir dadurch nicht in der richtigen Weise gedenken, daß wir uns vortäuschen, wir brauchten nun selbst nichts mehr für unser Heil zu thun. DaS Bewußtsein, im Besitze deS Glauben- zu sein, darf uns nicht einwiege» in trügerische Sicherheit und pharisäische Selbstgefälligkeit. Noch weniger darf es unS dazu verleite», ver­ächtlich auf andere hinabzusehen. Ein rechter Karfreitag- - Sinn muß in uns das Gegenthell bewirken. Gerade heute müssen wir uns so recht bewußt werden, daß wir alle unsere Kräfte an­zuspannen haben, um unS würdig zu machen der Gnade Gottes, so sehr wir schwachen und arm­seligen Menschen daS eben zu thun im Staude sind. Ohne die guten Werke ist unser Glaube tobt und unfruchtbar. Der Opfenod Jesu Christi gibt uns gar Mne Veranlassung zum Stolze, zur

Don Stuft zu Stuft.

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Roman aus dem Wiener Leben.

Bon L. v. N e i d e g g.

------ (Nachdruck verboten.)

Holzer'S Dazwischentreten machte dem Streit ei» E-ide. Der junge Offizier erwieS sich als geriebener Diplomat. Galant begrüßte er Frau Stephanie, zeigte sich freundlich, wie es tn seiner Art lag, gegen de» alte« Gruber, und schäkerte mit den kleinen Mädchen; nur fü-- Anna fand er kaum ein flüchtiges Wort. Ein Kamerad ging vorüber, er hielt ihn an, und stellte ihn bet Hofräthin vor. Als er dann diese i« ein Gespräch mit demselben vertieft sah, wandte er sich an Anna, und besorgte feines Freunder Wttag. Sie war überrascht und erfreut. So etaag hatte kommen müssen — es war ja un- oenkbar, daß Franz ohne Abschied hätte gehen rr®,, ~ daß aber seine Mutter fie zu sich oeschled, das konnte nur von guter Vorbe- Shaf ?"ru zözrrn bejahte sie, die schon finden Wn* einzulösen, würde sich keine Zeit, tagsüber viel über ihren mschluß »achzudenken, ihre Mofikübunqen, und ihre häuslichen Beschäftigungen ÄM« in Anspruch 818 Aschenbrödel hatte sie immer alle Hände »oll zu im Abend war zudem Gesellschaft

an Stephanie liebte derlei kleine Feste, »am.m'iA^^®Setteuen um stck versammelte, »amentlich fehlte - z„ AnnaS Leidwesen -

28. Jahrgang.

Iulöa, Donnerstag, den 4. April 1901.

Zufriedenheit mit uns selbst, oder gar zur Miß achtung anderer Menschen. Er mahnt uns viel­mehr gerade recht eindringlich an unsere sünd­hafte Natur, die die Ursache des martervollen Leidens und Sterbens unseres göttlichen Hei­landes ist.

Das alles läßt am Karfreitag keine laute Freude zu. Das alles macht diesen Tag zu einer Veranlassung zur Selbsteinkehr, zur Durch­forschung des Gewissen- und zu dem Vorsatze, von nun an eifriger und ausdauernder an der Besserung unseres Selbst zu arbeiten.

Also halten wir am Karfreitage strenge Ab­rechnung mit uns selbst. Reinigen wir in reue­voller Erinnerung an die entsetzlichen Qualen, die wir dem Erlöser durch den Gedanken an den menschlichen Undank noch in seiner Todesstunde bereitet haben, unsere Seele von den Schlacken, von den Flecken, die ihr anhaften; erst so werden wir mit rechter Freude das glorreiche Fest der Auferstehung der Gekreuzigten feiern können, erst so werden wir hoffen dürfen, durch die Finster­niß der Irrungen zum Lichte der ewigen Wahr- heil zu gelangen, durch den Kampf auch den Sieg zu erringen.

Nur durch aufrichtige Buße und Reue, nur durch nachdrücklicke Besserung können wir ein­gehen zur Glorie!

[] Die Arbeitsverhältnisse im Gastwirthsgewerbe.

Der Entwurf mit den neuen Bestimmungen über di- Regelung der Arbeitsoerhältniffe im Gastwirthsgewerbe, der demnächst vom Bundes« rathe berathen werden soll, ist bekannt. Er beruht auf den Vorschlägen, die die Reichskom- milsiou für Arbeiterstatistik gemacht hat und ist nur in einem Punkte über diese Letzteren hinaus- gegangeu: in den Vorschriften über die Ein­haltung der Ruhetage. Nach den Vorschlägen der genannten Kommission soll der Ruhetag nur in Orten mit mehr als 10000 Einwohner« ge­währt werden; nach dem Bundesrath^ rwurfe soll er allgemein alle drei Wochen ein röten, in Städten mit mehr als 20000 Einwoh ent alle zwei Wochen.

Vernünftige Menschen können niem f3 ein Vergnügen daran empfinden, in unnötiger Weise das Gastwirthsgewerbe zu beunruhigen — dieses Gewerbe so wenig wie irgend ein anderes. Aber Menschen mit Gefühl für Gerechtigkeit und Wohlwollen für alle Brruftklaffen können auch unmöglich dir Enrpfindung unterdrücken, daß die Schutzbestimmungen in dem BundeSrathsentwurfe unzulänglich seien. Thatsächlich bleibt der Ent­wurf nicht nur erheblich zurück hinter den Wünschen der Angestellten, sondern beispiels­weise auch hinter den Forderungen zurück, die das Reichsgesundheitsawt für die Regelung dieser Arbeitsverhältnisse ausgestellt hatte. Ein Arbeitstag von sechSzeh» Stunden ist an sich ein ungeheuerliches Ding, auch wenn man berücksichtigt, daß die Angestellte» nicht die ganze» sechszehn Stunden hindurch voll zu arbeiten haben. Sechszrhn Stunden Voll­arbeit würde ja eine vollkommen unmögliche Sache sein. Aber namentlich für die weiblichen

Angestellten bedeutet ein scchszehnstündiger Arbeits­tag mehr, als man gerrchterweise von diesen Personen verlangen sollte. Man darf nicht ver­gessen, daß jeden Augenblick durch unvorherge­sehene Umstände wirklich sechszehn volle Arbeits­stunden entstehen können; und wenn diese Dauer des Arbeitstages in den Bestimmungen darüber verzeichnet ist, dann bat der Arbeitgeber unter allen Umständen das Recht, auch diese ganzen sechSzehn Stunden hindurch die Arbeitskraft feiner Angestellten in Anspruch zu nehmen. Und solche Möglichkeiten sollten grundsätzlich und von vor» herein ausgeschlossen sein. Wann zum Beispiel sollen diese weiblichen Angestellten mit sechszehn Stunden Arbeit und acht Stunden Ruhe täglich die kleinen Arbeiten leisten, die die Bekleidung und das Aeußere ihrer eigenen Person erfordern?

Und dazu kommt, worauf ein nationalliberales Berliner Blatt mit vollem Rechte aufmerksam macht, noch ein anderer Punkt: die Allgemeinheit des Publikums, der Menschen, von denen das Gastwirthegewerbe lebt, hat ein vollauf begrün­detes Anrecht auf genügend ausgeruhtes Be­dienungspersonal, das durch die genugsam ihm gegönnte Ruhe befähigt wird, die Gäste in fti- schem und munterem Tempo und mit ausge­schlafenen und fröhlichen Gesichtern zu bedienen, nicht aber anwidert oder Mitleid erregt durch verschlafene, blaffe Gesichter, schläfriges und langsames Wesen und eine schlechte, durch die Ueberarbeit mürrisch gewordene Laune. Die Forderungen, die zunächst int Interesse der An­gestellten im Gastwirthsgewerbe selbst erhoben werden, sind also gleichzeitig Forderungen der Volksallg-meinheit und durchaus werth, in höherem Maße berücksichtigt zu werden, als dies durch den Entwurf des Reichsamtes des Inner» geschieht, der dem Bundesrathe jetzt vorliegt.

Dem Reichstage liegt gleichzeitig eine Petition der „Fachkommission der Gastwirthsgehilfen Deutsch­lands- vor. In dieser Petition wird der Wunsch ausgesprochen, di« tägliche Arbeitszeit des gesammten über 16 Jahre alt>n Personals solle zwölf Stunden nicht überschreiten und auf höchstens 15 Stunden vertheilt werden dürfen — bei Personen unter 16 Jahren nicht mehr als 10 Stunden betragen. Sollte man nicht «»nehmen, daß zwischen dieser Forderung und den Bestimmungen de« Bundes­rathsentwurfes ein geeigneter Mittelweg sich finden ließe? Außerdem entbält die bezeichnete Petition noch einen andern Vorschlag, der der Beachtung werth ist: das weibliche Hilfspersonal soll in der Zeit von 10 Uhr Abends bis 6 Uhr Morgens gar keinen Zutritt haben in diejenigen Wtrth- schaftsräume, die dem Verkehr der Gäste dienen. Die Petitions-Kommission des Reichstage« hat be­schlossen, es möge diese Petition dem Reichskanzler zur Erwägung überwiesen werden, hat damit bewiesen, daß also auch sie beachtenswerthe Ge­sichtspunkte in der Petition entdeckt hat.

Die gesundheitlichen Verhältnisse der Angestellten im Gastwirthsgewerbe sind michts weniger als gut. Während im Durchschnitte in Deutschland 12V2 v. H. der Gestorbenen der Lungenschwindsucht er­liegen, steigt dieser Prozentsatz bei den Angestellten des Gastwirthsgewerbe« auf 36 bis 45 v. H. Im allgemeinen beziffert sich die Sterblichkeit inner­halb dieser Berussklassen erheblich höher als bei anderen Berufsarten. Auch die als gesunvheits-

fchädlich anerkannten Berufe der Steinhauer, Müller ufw. reichen in threr Sterblichkeitsziffer nicht an diejenige der Angestellten im Gastwitths- gewerbe heran.

Man sollte meinen, daß auch im Reichstage eine Mehrheit sich finden müßte, die die Bestim­mungen des Bundesrathsentwurfes zu Gunsten der Angestellten ein wenig verbessert.

Derrtsches Keich.

Berlin, den 3. April.

* Auf die Keichsa«reihe von 300 Millionen sind nach den bis Mittwoch Abend bei dem Reichs- bank-Direktorium eingelaufenen Meldungen Zeich­nungen im Nennbeträge von rund 4621 Millionen Mark erfolgt.

ft Die größte Doke«siadt in ganz Europa ist nach Warschau - die Stadt Berlin. In Berlin leben nicht weniger als 70 000 Polen, das heißt mehr als beispielsweise in Krakau, Lemberg und Pssen. Natürlich leben sie unter der deutschen Bevölkerung Berlins zerstreut; aber an ein eigent­liches Deutschwerden dieser Berliner Polen ist vorläufig nicht zu denken. Sie besitzen seit meh­reren Jahren auch ein eignes polnisches Blatt, den ,Dzienntk Berlinski', der der national- polnischen Richtung schärferer Tonart angehört und in diesen Tagen erst kräftige Ausfälle sich leistete gegen die angeblichen Germanisirungsbestrebungen katholischer Geistlichen, verbunden mit einigen Unliebenswürdigkeiten gegen dar Centrum.

4- Darkaments Diäte« spielen gegenwärtig nicht nur im Deutschen Reichstage, sondern auch in der italienischen Volksvertretung eine wichtige Rolle. Auch die italienischen Abgeord­neten haben bisher keine Entschädigung erhalten für ihre persönlichen Ausgaben während der Ausübung ihres parlamentarischen Mandates, obwohl auch in Italien längst schon in weiten Kreisen der Wunsch besteht, daß dies geschehen möge. Nunmehr hat der Abgeordnete Guliani in der Deputirtenkammer ein Gesetz beantragt, wonach in Zukunst die italienischen Abgeordneten Diäten erhalten sollen, und zwar — nach fran­zösischem Vorbilde! in der Gestalt einer festen Jahresentschädigung von 9000 Franken. Nach diesem Anträge des Abg. Guliani, und diese Be­stimmung ist seine eigne Idee, sollen diejenigen Abgeordneten, die ohne Entschuldigung fünf Sitzungen nach einander versäumen, die Hälfte ihres parlamentarischen Einkommens verlieren, und ferner diejenigen anderen Abgeordnete» ihres Mandates ver­lustig gehe», die zehn Sitzungen nach einander ohne Entschuldigung schwänzen. Man nimmt an, daß dieser Antrag in der nächsten Tagung der italienischen Deputirtenkammer an­genommen und Gesetz werden werde. Es geht daraus hervor, daß man anderwärts weniger zaghaft und praktischer vorgeht in der Bekämpfung des mangelhaften Parlamentsbesuches, als bei uns in Deutschland! _

X (Sine Utter eflaute Arveitreöer Der- ei«ig««g ist der „Bund der Arbeitgeber- Verbände Berlins," der soeben seinen erste» Geschäftsbericht erstattet hat. AuS diesem Berichte ist zu entnehmen, daß dem Bunde bis

niemals Direktor Carneri, dessen süßliche Zu­dringlichkeit ihr mit jedem Tag unerträglicher wurde.

Erst NachtS kam ihr die Ueberlegung, als- fie in ihrem Stübchen in der „Herr- gottS-Ecke" kniete, die fie sich zurecht ge­richtet hatte, um wie die Großmutter zu gerathen: Durch Sicttbares sich an Gottes unsichtbare Gegenwart erinnern zu lassen. Sie durfte hoffen, Franz bei seiner Mutter zu sehe«, und daS schien ihr ein Überwältigendes Glück. War es aber nicht Sünde, ohne Wissen des Vaters diese Begegnung aufzusuchen? Wenn sie ihm auch erklärt hatte, nichts unversucht zu lasse», um Franz nochmals sprechen zu können, er also gewissermaßen vorbereitet sein konnte auf ihr Thun, — ganz rechtfertigen ließ es sich nicht. Und doch brachte fie e8 nicht über sich zu verzichten. Endlich favd sie einen Ausweg: Sie beschloß am Nächsten Morgen, wen« sie aus der Kirche käme, den Vater aufzusuchen, und ihn von ihrem Vorhaben zu unterrichten, — ihn ganz allein.

Als fie aber am Morgen heimkehrte, war der Vater schon ausgegangen, so blieb sie auf die eigene Entscheidung angewiesen, — und schließlich siegte die Liebe.

Nack dem Frühstück mit den Schwestern huschte sie davon, scheu mit gesenktem Kopf, je näher sie aber der Praterfiraße kam, umso mehr verloren sich ihre Be er km, denn sie war jung und hatte rin feuriges Empfinden; vor ihr lag ja die Aussicht auf ein fried- und freudvolles S-beit, an der Seite Eines, vor dem sie

sich beugte, wie vor einem edleren und besseren Wesen.

Ihre Träume fanden ihre Krönung, als Frau von Urbachs Arme sich liebend um sie legten, und die weiche Stimme, nach deren Klang sie sich so oft gesehnt, ihr zurief: „Du hier, mri», liebes Kind? Welch freudige Heber« raschung!*

Anna sah verwirrt empor: „Sie haben mich ja bestellt."

„Ich wagte es nicht, weil ich fürchtete, man würde Dich nicht herlaffen, aber doppelt will­kommen ist Dein unerwarteter Besuch."

„Verzeih' Mutter," bat Franz vortretend, und Annas Hand fassend, „verzeih, daß ich Deinen Name» gebraucht, um meine Braut her­zulocken. Ich mußte sie sp-echen, und wußte, daß fie nur Deinem Rufe folgen würde. Auch Sie haben mir diese List zu verzeihen, Anna." ,

Sie antwortete nur durch einen Blick und der sagte ihm genug.

„Und Deine Eltern, Anna, wissen die um diesen Besuch?" erkundigte sich Frau vom Urbach etwas kühler.

Der offene Blick der unschuldigen Augen entwaffnete fie aber sogleich und stimmte sie milder.

„Nein, gnädige Frau. Der Vater hätte ihn gebilligt, aber . . ." Sie stockte; selbst um sich zu rechtfertigen, mochte fu de» Vater nicht bloßstellen. „Er hatte freudig unserer Ver­lobung zugestimmt", fuhr sie fort, „und ich weiß, im Herzen wird er mir Recht geben,

wenn ich zu Hause ihm gestehe, wo tch ge­wesen bin."

„Nun denn, so kan» ich auch nichts Anderes thun, als Deinem Vater beistimmen," erklärte Frau von Urbach mit freundlichem Lächeln und küßte das Mädchen auf die Stirne.

In eine Fensterbrüstung zurückgezogen, Aug in Äug', ein glückliches Lächeln auf den Lippen, standen die jungen Leute. Sie sprachen vom Leid, das fie erfahre», vom Glück, das fie erwarteten; aus dem übervolle» Herzen quoll es wie ein Jubel« gefang. Die Mutter, welche fie beobachtete, hatte jeden Gedanken an Widerstand aufgegeben. DaS Unglück einer nicht auf gegenseitiges Verständniß gegründeten Ehe hatte sie kennen gelernt. Anna wie dem Sohne wünschte sie ein befferes LooS. Die Aussicht auf ein Glück, das erst erkämpft, daS verdient werden mußte, konnte ihnen beide« zum Segen gereichen. Anna, in schlechter Um­gebung, von Gefahren umringt, bedurfte eines Mannes, zu dem sie ihr Auge erheben konnte; der Sohn aber vermochte eines bejänftigenden Einflusses nicht zu entbehren, beide ergänzten sich und bedurften einander.

Lange gönnte sie ihnen die Aussprache; sie war ja zugleich das einzige, waS ihnen für eine vielleicht lange Zeit verblieb. Endlich wurde eS aber nothwendig, derselben ein Ende zu mache». Sie rief die Liebenden vom Himmel auf die Erde zurück, indem sie lächelnd an dieselben herantrat und fragte, ob sie denn mit ihren ZukunstSplänen noch nicht int Reinen feier. ?

(F»rtsetzung felgt.)