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imf Alnterljaltungs-Aeilage „Milkrirte Sonntags-Zeitung

M 76,

JulSa, Dienstag, den 2. April 1901.

28. Jahrgang

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scheint täglich, m. Ausnahme der Sonn- und Feier­tage. Bierteljährl. Krjugeprei, ohne Bringerloh» und Bestellgeld in Fulda und aus­wärts 1M.Ü0 Pf.

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Sraf end Vertag bn Stibaii Rcttlnd n» «i Pete»»i.aäe He. S <t>armo:ik».

der Deputirtenkammec bestimmt, daß diese Be. fitznnge» innerhalb eines Zeitraumes von sechs Monaten veräußert werden müssen und daß die Stifter ihre Schenkungen zurückfordern dürfen. Diejenigen Güter, die von den Schenkern nicht beansprucht werden, sollen den „zunächst Be- ttchtigten" zufallen. Und wer dieser zunächst Berechtigte sei, darüber soll in jedem einzelnen Falle von den Gerichten entschieden werden. Daß diese wunderliche Bestimmung, wenn sie erhalten bleiben sollte, zu einer Unzahl der allerlaugwierigsten Prozesse führen würde, liegt auf der Hand. Ganz abgesehen von der widerrechtlichen und gewaltsamen Beraubung der Kongregationen fordert diese Bestimmung also auch wegen ihrer Unklarheit die Kritik in schärfster Weise heraus.

Den Katholiken interesfirt in allererster Reihe die Frage, was denn nun der Vatikan zu der Sache sagt. Der Papst hat durch mehrfache Kundgebungen klar und unzweifelhaft erkennen lassen, daß er zu diesem Vorgehen der franzS- stichen Republik in offener und ausgesprochener Gegnerschaft sich befindet. Das kann ja auch gar nicht anders fein. Aber zunächst kann der Vatikan zu den Pariser Parlamentsbeschlüssen deswegen noch keine bestimmte Stellung nehmen, weil die gesetzgebenden Körperschaften doch eben noch nicht alle gesprochen haben. Es fehlt noch die Beschluß­fassung der Senats; und wenn eine Mittheilung der diplomatisch- offiziösen politischen Korrespondenz' richtig ist, dann hofft man in Rom auf weitere Abschwächungen der unliebsamen Gesetzesbestim­mungen durch den Senat. Vor allen Dingen soll man angeblich Werth darauf legen, daß die Be­stimmung darüber, welche Kongregationen als ge­nehmigt gelten sollen, und welche nicht, durch Erlasse der Verwaltungsbehörden zu treffen seien, nicht durch Beschlüsse des Parlamentes, wie in dem Gesetzentwürfe nach seiner gegenwärtigen Fassung vorgesehen ist.

Daß aber der Vatikan, wie die Mittheilung »er genannten Korrespondenz behauptet, schon jetzt eine grundsätzliche Neigung zum Nachgeben sollte kundqegeben haben, klingt gar zu wenig glaubhaft, al« daß man da« ohne weiterer al« Wahrheit an­nehmen sollte.

P#Rmtwert!W: 36« He Redaktion Jof. Saum, für JntCTatr 3. Parzelle» In Fulda.

Roma« au« dem Wiener Leben. Bo» L. v. N e i d e g g. w ----- (Nachdruck verboten.)

Der Streit zwischen Manu und Frau, mit zusehends abnehmender Entschiedenheit von Seiten de» Mannes geführt, währte noch, als Franz kam und den Hofrath zu sprechen verlangte.

Ern unbehagliche« Gefühl überkam den durch die stürmische Unterredung mit dem Vater ohne­hin niedergedrückten jungen Mann, als er sich der Hofräthin gegenüber befand, vollends alS st; «klärte, dem Gespräch beiwohnen zu wollen, da Hr Mann keine Geheimnisse vor ihr habe. Es lag nicht in Franzen- Art, den Versuch zu machen, das Weib, das er vnachtete, sich günstrg «« stimmen. Bor ihr von seinen Gefühlen woea ju mfljfen, dgnkte ihm schon Entweihung. Sie deshalb nach Möglichkeit übersehend, rich- SBort ausschließlich an Buschmann seine Bewerbung vor. Er gab sein Einkommen an, setzte seine Erwartungen auseinander und kam schließlich auf die Kaution fit tx?» r n^em er den Hofrath ersuchte, die­selbe hinterlegen zu wollen. Sollte die« im Augenblick unmöglich sein, so v«stände er sich daW, wenn «ölhig, Jahre und Jahre zu warten, nur die Gewißheit bliebe, Anna dereinst seine Frau zu nenne».

Buschmann sah unruhig »ach Stephanie. Er «kannte unt« d« mühsam bewahrten Ruhr des

durchschnittlich nur 732*/, Millionen Franken, während die entsprechende Zffer für Frank­reich auf nicht mehr als 645 Millionen sich beläuft. In Rußland kostet dem Staate jeder Angehörige des Heeres durchschnittlich 813,13, in Frankreich 1038,7 Franken. Deutschland pflegt also augenscheinlich seine Soldaten von allen den genannten Staaten am besten. V« theilt man die Heeresausgaben auf die gesam-nte Einwohnerzahl, so erhält man folgende interessante Zahlen. Auf den Kopf der Bevölkerung entfällt an HrereSausgaben im Durchschnitt der letzten zehn Jahre: In Frankreich mit 37490484 Einwohnern die Summe von 17.25 Franken, in Deutschland mit 52279901 Ein­wohnern die Summe von 14,08 Franken, in Oesterreich-Ungarn mit 44288587 Einwohnern die Summe von 9,21 Franken, in Italien mit 31 667 946 Einwohnern die Summe von 7,47 Franken, in Rußland mit 128 981828 Ein­wohnern die Summe von 5,65 Franken. Wenn man bedenkt, daß die deutsche Bevö.kerung er­heblich weniger wohlhabend ist als diejenige Frankreichs, so gelangt man zu dem Ergebnisse, daß wir Deutschen am stärksten mit HeeresauS- gaben belastet find von allen den genannten Völkern. Und dazu kommen dann noch die riesenhaften und fortgesetzt mehr inS Riesenhafte anschwellenden Ausgaben für die Kriegsflotte!

△ Meiningen, 1. April. Herzog Georg von Sachsen - Meiningen, geboren 2. April 1826, feiert morgen feinen 75. Geburts­tag. Er trat am 20. September 1866 die Re­gierung an und ist der drittälteste der deutschen Bundesfürsten. Der Herzog ist kgl. preußischer Geneckt! der Infanterie, Chef der Infanterie- Regimenter Nr. 32 und 95 und kgl. sächsischer General & la suite der Armee. — Der Erb­prinz Bernhard von Sachsen-Meiningen, geboren am 1. April 1851, vollendet heute fein 50. Lebensjahr. Seit 1. November 1867 gehört er der preußischen Armee an und ist feit 22. März 1895' kommandirender General des 6. Armeekorps.

O Kök», 1. April. Die Pilgerkarawane des deutschen Verein« v«m hl. Lande, welche zur Feier der Charwoche in Jerusalem am 16. März von Köln aufgebrochen war, ist am Freitag, nach- >em sie Griechenland und Unterägypten besucht tat, wohlbehalten in Jerusalem angelangt.

> Das französische Bereinsgesetz.

Nicht lange mehr wird es dauern, bi« in Frankreich der Kulturkampf zu voller Entwickelung gelangt fein wird. Die Abgeordnetenkammer hat, wie bereits berichtet, das sogenannte Vereins­gesetz mit 303 gegen 224 Stimmen angenommen; und leider ist anzunehmen, daß auch die erste Kamm«, der Senat, eine Mehrheit für das Gesetz liefern wird. Der Senat wird nach der Oster- pause seine Sitzungen am 14. Mai wieder auf. nehmen. Dir früher gehegte Hoffnung, daß es gelingen würde, die Sache auf die lange Bank zu schieben bis zu den Neuwahlen, hat sich also nicht erfüllt. Aber möglicherweise würde sie sich verwirklicht haben, wenn nicht die Kammer gegen den sonst üblichen Brauch beschloffen hätte, daS ganze Gesetz in einer einzigen L-sung durchzu- machen. Dieses abgekürzte Verfahren wurde sogar mit der sehr starken Mehrheit von 361 gegen 179 Stimmen beschloffen.

Der Grundgedanke des Gesetzes war der, erstens denjenigen kirchlichen Orden und Ge- noffenschasten, denen man die E theilnng von Unterricht verbieten will, diesen zu untersagen; zweitens ab« wollte man die Güter der Ordens- genoffenschaften einheimsen.

Mu dem Verbote des Unterrichtes ist es so geblieben. Nach dem vierzehnten Artikel des Gesetzes ist grundsätzlich allen Kongregationen daS Unterrichten verboten, die nicht vom Staate dazu ermächtigt worden sind. Wie man weiß, tst diesem Gesetze eine andere Bestimmung vor« angegangen, die die staatliche oder militärische Laufbahn allen denjenigen jungen Männern ver- schließ', die ihre Bildung nicht an ein« staat­lichen Lehranstalt empfangen haben. Die Repu- chlik will sich verbarrikadiren gegen die kirchliche Md christliche Gestnnung, das ist des Pudels K«n. Wenn etwa je eine solche Gesinnung wie- oer Oberwaffn bekommen würde in d« franzö. -fischen Republik, dann — so fürchten die Radi­kalen und die Sozialdemokraten, die jetzt die Herrschaft haben — würde es mit ihrer He«- lichkeit vokbei sein. Und da pfeifen nun ganz -einfach die radikalen und sozialistischen Herren -auf die fteiheitlichen Grundsätze, die sie als Aus- hängeschild führen, um die Massen zu täuschen. Sie greifen zur ungerechten Gewalt, wo es ihnen in den Kram paßt, und frage» keinen Pfifferling danach, ob ihre sogenannten FreiheitSgrundsätz- dabei i« die Brüche gehen oder nicht. Die Frei- heit soll nur bestehen für fie selbst. Wer dem Kreuze nachfolgt kann geknechtet und unterdrückt ««de».

Der EigenthumSraub an den Kongregationen, -«ie er anfänglich in dem Gesetzentwürfe deS Herrn Ministerpräfidenten Waldeck-Rousseau beabsichtigt war, ist aber auch der kirchenfeind­lichen Mehrheit der französischen Drputirten- lamm« allzu ungerecht vorgekommen. Die ent­sprechende» Bestimmungen darüber sind durch die parlamentarische Berathung und Beschluß- faffung ein wenig abgeschwächt worden. Erstens sollen diejenigen Kongregatione», die vom Staat« me Genehmigung des Weitnbestehens «halten, tm B« sitze ihrer Güt« bleiven. Zweitens sollen : bte Besitzungen der nicht genehmigten Kongre- j Stationen nicht ohne weiteres vom Staate einge. I rosten werben. DaS Gesetz nach dem Beschluff« ,

sie dienen und auf fie warte», und sollte ihre und ipeine Jugend darüber vergehen."

Gewohnt, was er «strebt, durchzufetzen, trug eine Stimme wie sein ganzes Wesen den AuS- druck der Entschiedenheit und der Willenskraft, die in ihm lebte». Stephanie, die immer nur m!t Schwächlingen zu thuu gehabt, empfand eine gEwiff« Ehrerbietung vor diesem Auftreten, ver­mischt mit Neid gegen Anna, die es erreicht, die Liebe eines ganzen Mannes zu «ringen. Un- ähig, ihre» Aerger zu verb«gen, lachte fie höhnisch auf. - -

-DaS wird sich alles geben! Liebe ver­fliegt!"

Zum erstenmale sah ihr Franz voll ins Gestcht. „Nicht bei Leuten unseres Schlages," erwiderte er verächtlich.

„Du hast nun Deinen Willen e«eicht und lnna um einen geachteten Bewerber gebracht," agte Buschmann, als Franz gegangen. Unsäg- iche Bitterkeit lag i» seiner Sttmme. Der ohn­mächtige Zom des Schwächlings, d«, zu kraftlos, einen Willen durchzufetzen, dem Aerger über die igene Erbärmlichkeit in kindischem Ausdruck Luft macht, sprach sich darin au».

Eine urwüchfig derbe Antwort schwebte Ste« »hanie auf d« Zunge, rechtzeitig bezwang sie ch jedoch. Sie hatte jede Seite im Charakter hreS Mannes studirt und wußte, daß in Augen- »licken, wie dies« war, eS nicht gut that, ihn zum Zorn zu reiz?», der heftig bis zur Rohheit auf- lockern konrte. Versöhnlich nahte fir fich ihm und legte den Arm um seine Schult«».

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Wiederholungen * H T.irö-uifprechenb, Rabatt ^ciuahrt.

Deutsches Keich.

Berlin, den 1. April.

® A-r Kaiser «nd ht Attentat in t&tenten. Am Sonntag ist nun auch bai> Präsidium deS preußischen Herrenhauses vom Kaiser empfangen worden, und auch bei dieser Gelegenheit hat fich der Kaiser, wie schon gestern uns telegraphisch gemeldet wurde, üb« daS Bremer Attentat und darüber geäußnt, wie er dasselbe beurtheilt. Die Hauptsache dabei ist, daß der Kaiser sehr nachdrücklich betont hat, es sei voll- kommen unwahr, waS einzelne Blätter behaupten wollten, daß er nämlich in seiner Gemüthso«- faffung irgendwie unter den Eindrücke» des un- glücklichen Vorfalles gelitten habe. „Nichts ist falscher — sagte der Kaiser ungefähr — als an- nehmen zu wollen, daß meine GrmüthS verfaffung irgendwie barunt« gelitten hat. Ich bin genau derselbe, d« ich vorher war; ich bin weder elegisch, noch melancholisch geworden. Ich stehe

in Gottes Hand und werde mich durch solche Vorfälle persönlich niemals in dem Wege beirre» lassen, den zu besckretten ich alS meine Pflich aberkannt habe. Ich komme auf meinen Reisen mit allen Kreisen der Bevölkerung zusammen und weiß daher sehr gut, waS man im Volke über mich spricht und denkt." DaS Reichsgericht wird sich unmittelbar »ach Ostern mit der An­gelegenheit befassen. Die Akten sollen in diesen Tagen nach Leipzig gesandt werden.

G N-ichskanzk-r Graf ZLSkow ist nach Oberitalien abgereist, wo er bis Ostern zu bleiben gedenkt.

+ Aer König von Italien wird seine Besuche an den befreundeten Höfen zunächst noch nicht machen. Diese Besuche sollen, wie ver­lautet, bis zum nächsten Herbste verschoben werden. Bestimmte Beschlüsse find aber augen­scheinlich noch nicht darüber gefaßt. Nach einer lömischen Meldung der ,Pester Lloyd', der gute Beziehungen bei der italienischen Regierung za haben , pflegt, soll für den Sommer eine Zu­sammenkunft der drei Leit« der auSwärttgen Angelegenheiten der Dreibundmächte beab­sichtigt fein. Von Interesse sind einige Er- ktärungen, die He« Zanardelli, der neue italienische Mmisterpräfioent, am letzten Sams­tag in der italienischen zweiten Kammer abge­geben hat. An diesem Tage, d« zn der An­nahme des He«esbudgets durch die Kammer führte, hat He« Zanardelli selbst ganz ent­schiedenen Widerspruch erhoben gegen die thörichten Ausstreuungen französischer und italienischer Radikalenblätter, daß Italien innerhalb des Dreibundes nicht vollkommen freie Hand habe in bet Gestaltung seiner Heeresangelegenheiten. Damit ist nun hoffentlich diesem thörichten Ge­schwätz wieder für einige Zeit ein Ende gemacht worden!

4" Ke-re-lafi-» innerhatt bes Drei- 6»ttbe® und Iweiönudes. Daß das Deutsche Reich innerhalb d,S Dreibundes bei weitem die schwersten Militärlasten zu tragen hat, ist satt- sam bekannt. Dennoch ist daS VerhSltniß, in dem die Heereslasten der einzelnen Bundes­länder zu einand« stehen, vermuthlich nicht so allgemein geläufig. Nimmt man den Durch­schnitt der letzten zehn Jahre, so gelangt man zu dem Ergebniffe, daß das Deutsche Reich an Ausgaben für sein Heerwesen dreimal so viel wie Italien und bald doppelt so viel wie Oeste«eich-Ungarn ausgibt. Dieser Durchschnitt, nach Franken berechnet, beträgt für Italien 2361/» Millionen mit dem Höchstbetrage von 248 und dem Mindestbetrage von 224 Millionen — für Oesterreich-Ungarn407'/, Millionen, wobei eine Schwankung stattfand zwischen 353 und 478 Millionen — für das Deutsche Reich 736 Millionen, wobei die Ausgaben während deS letzten Jahrzehnts allmählich von 677 bis zu 827'/, Millionen Franken gestiegen find. Jeder Mann deS Heeres kostet in Italien im Jahresdurchschnitte 996,50, i» Oesterreich- Ungarn 1008,10 und int Deutschen Reiche 1042.8 Franken. Interessant ist eS, mit diese» Ausgaben diejenigen der Zweibundstaaten Rußland und Frankreich zu vergleichen. Der Heeresetat des Riesenreiches Rußland ist im Durchschnitte der letzte» zehn Jahre kleiner als derjenige Deutsch! mds; er beträgt nämlich

Bewerbers dessen liefe Empfindung, und das H«z that ihm weh, dir Tochter solch' echter Li-be berauben zu sollen. Gerne hätte er Licht und Sonnenschein in daS Leben seines Lieblings gebracht, und war auf dem Punkte, zuzustimmen. Da fiel Stephanie'- schreiendes Organ ein: mit einem Schwall von Worten versuchte ste Franz von der Unmöglichkeit seiner Wünsche zu über- zeugen. Es hieße Annas Jugend vergällen, wolle man ste zu solchem unabsehbar langem Warten vnmtheilen, «klärte ste. Dem Hangen und Bangen müsse durch einen, wenn auch schmerzlichen, aber in den Folgen wohlthätigen Türgriff ein Ende gemacht w«den. Urbach möge die Sache als endgiltig abgebrochen an« ehe».

Dagegen lehnte fich dieser auf. Anna fei kein willenloses Geschöpf, und habe das Recht, gehört zu werden, bemerkte er zum Hofrach; man olle sie hereinrufen und sie befragen; ihrer Ent- cheidung wolle er fich fügen. Wieder schwankte Buschmann — wieder waren es Blick und Wort Stephanie'-, die chn zur Ordnung zurückriefen.

Angeekelt von der Willensschwäche deS Mannes, die ihn »och wid«lich« berührte, als )ie boshafte Ränkesucht deS WeibeS, «hob sich Franz.

„Ich muß gehen, weil Sie mir die Aus- prache mit Anna verweigern," sagte er schroff md kalt, „aber daS erkläre ich Ihne», daß ich diese Abweisung nicht alS endgiltig ansehe. Ich werde Mittel und Wege finden, mich mit Anna zu v«ständigen. Fühlt sie wie ich, werde ich um

D Mrimarischer Landtag.

Weimar, 1. April.

In der heutigen Plena-sthung des Landtag« kam daS Bertagungsdekret zur zweiten Lesung. Der Berichterstatter deS Finanzausschüsse«, Abz. Kolbe, hob hervor, daß dies in der Geschichte des Weimarischen Landtages wohl das erste Mal gewesen sei, daß ein Berta,ungsdekret zur Borbereitung an einen Ausschuß hätte verwiesen werden müssen. Er sei da« durch bett Einspruch hauptsächlich des Abg. Dr. Kiel veranlaßt worden, welcher seine Zustimmung und diejenige seiner Freunde von der Bedingung abhängig gemacht hätte, daß dadurch die Erledigung etwaiger Etsenbahnvor« lagen nicht verschleppt würde. Der ganze Landtag iehe ja allerdings aus dem Standpunkte, daß Eisen- >ah-ivorlagen nicht unnöthigerweise hinauSgeschoberr werden dürften. Nachdem jedoch die Regierung in dieser Beziehung beruhigende Erklärungen abgegeben habe, empfehle der Finanzausschuß den BertagungS- Antrag der Regierung dem Landtag zur Annahme.

Abg. Dr. Kiel konstatirte hierauf, daß nach bet oeben gehörten Auffassung des Finanzausschusses die

„Edr, wie magst Du nur so reden?" schmeichelte fie. „Hanbelts eS sich um eines meiner eigenen Kind«, ich würde ebenso dafür stimmen, ihnen die Quälerei einer ausfich Slosen Verlobung zu ersparen."

„Vielleicht Härte eS A»na aber die Gegen­wart versüßt, Aussicht auf Glück vor sich z» haben," sagte Buschmann träumerisch wie im Selbstgespräch vor sich hin. „Ich glaube, es ist echte, wahre Liebe, die jene Zwei zusammenge- geführt. Ich hatte es meiner Tochter gegönnt, dem Manne ihrer Wahl anzugehören."

Stephanie fühlte, rote die Geduld sie verließ: „Du hättest Anna gewünscht, sich in eine Familie zu drängen, die sie zurückweist? Jahre und Jahre zu warten — auf des alten Urbachs Tod etwa — bis Jugend und Schönheit verblühen? Sonderbare Anfichten!"

„Du magst Recht haben;" erwiderte er müde. „Nur wenn zwei Menschen fich tn Allem vollkommen verstehen, kann ich mir vor- stellen, daß fie wahrhaft glücklich mit einand« werden."

„Nur vorstellen? Du redest, als hättest Du dieses Glück nie gekannt," sagte fie mit eigen- thümlichem Flimmern der Augen. „Das also ist der Lohn für jahrelange Liebe, für alle Opfer die ich gebracht ..." Die Stimme v«sagte ihr, fie lehnte den Kops an seine Schulter und fing herzbrechend an zu schluchzen.

Die Tochter war vergeffe»; « sah und hörte nichts als fein Weib, das fich fassungslos an ihn fchmiegte, (F f.)