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mit Zinterhaltungs-Meitage „ILnflrirte Sonntags-Zeitung"

Deut uh> Verlag ter Laldae» KrttinS-u»-« pdmgagt n». a tWrneui*

28. Jahrgang.

Iutöa, Montag, den 1. April 1901

M 75

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Roman auS dem Wiener Leben.

Bon L. v. N e i d e g g. ------ (Nachdruck verboten.)

16. Kapitel.

SkstellllMU fir da» 2. ©aortal auf die ,Fuldaer Zeitung^ werden noch fortwährend von alle« Postanstalte«, Land­briesträger« ««d vo« «nferer Expedition (Harmonie) entgegengenomme«.

verborgen! würde er sich am Ende bereit finden lassen, die Kaution zu erlegen?"

Stephanie hätte beinahe aufgeschrien. Wenn die dazu erforderliche Summe ebenso viel Hun­derte betragen hätte, als fie Tausende betrug, wäre es ihrem Manne schwer gewesen, das Geld zu beschaffen. Das Kapital zur Kaution zusammen zu bekommen, gehörte also zu den Unmöglichkeiten; fie war jedoch durchaus nicht gesonnen, daS dem „protzige« Fadian", wie fie den Besucher bei sich betitelte, zu gestehen.

„Ich kann nicht gestatten, daß mein Mann diese Tochter vor seinen anderen Kindern bevor- zuge," entgegnete fie würdevoll; „er darf sein Kapital nicht angreifen! Ich muß die Jntrreffrn meiner Töchter wahren."

„Die lieben Kinder! Freilich ist es Ihre Pflicht, dies zu thun," stimmte Urbach, der fie durchschaute, mit schlecht verhehltem Hohne bei. „Ich sehe, wir verstehen uns vollkommen. Ich meinerseits aebe die Kaution nicht, keinen Heller gebe ich. Offen sage ich Ihnen heraus, daß ich diese Hrirath nicht wünsche."

„Ist Ihre Frau dafür?"

„Sehr. Warum fragen Sie?"

„AuS Neugierde," fertigte fie de« Fragenden ab. War fie von Anfang an der Heirath nicht günstig gesinnt gewesen — nun stand der Ent­schluß, sie zu Hintertreiben, felsenfest bei ihr. Die verhaßte Frau, welche es gewagt hatte, sie zu beleidigen, wurde ja getroffen, ebenso deren Sohn, der ihr immer schroff entgegengetreten war; der Stieftochter Wünsche wurden durchkreuzt — Alle- mit einem Schlage! Und zu dem Allen blieb ihr

Derrtfche» Keich.

Berlin, den 30. März.

* Heber die finanzielle« Verhältnisse de» Deutsche« Deichs soll sich, wie dem ,Bor- wärts' aus München geschrieben wird, der Finanz­minister v. Riedel in der vo» den beiden Kam­mern eingesetzten Ständehausbaukommission sehr ungünstig ausgesprochen haben. Dieselben seien „so schlecht geworden, daß nicht nur die früheren langjährigen Ueberweisungen des Reichs aufgehört haben, sondern zur Tilgung der Reichs- schulden die Matrikularbeiträge heranzuziehen sind. Dagegen wehre sich die bayerische Regierung zwar energisch, doch sei es zweifelhaft, ob sie mit ihrem Protest durchdringen werde." Ob diese Mittheilungen des ,Vorwärts' auf Wahrheit be­ruhen, werden die bayerischen Blätter vielleicht feststellen können. Unwahrscheinlich klingen sie nicht. Schade nur, daß der bayerische Finanz- mintster erst jetzt zu dieser Eckenntniß gekommen ist und nicht schon im vorigen Jahre, als der Deutsche Flottenverein in einem Flugblatt vorschwindelte, daß die Mehrüberschüffe im Reiche um jährlich 30 Millionen sich steigern würden, während das Centrum in richtiger Voraussicht eines Niederganges der Finanzlage des Reiches die Lösung der Deckungsfrage zu einer un- umgängliche« Bedingung machte und sich auch durch Vorwürfe kwie einer „Bewilligung von Steuern auf Vorrath" nicht irre machen ließ.

© Ii*a«zmi«iss-r v. Miquel wurde in diesen Tagen al» amtsmüde in einigen Blättern gekennzeichnet; wir wissen nicht, wie oft schon. Es hieß, er habe bereits in Frankfurt a. M. ein Hau» gekauft, in dem er als Privatmann leben wolle. Das Haus wurde sogar genannt. Aber nichtsdestoweniger ist die Nachricht ebenso unwahr wie alle früheren Meldungen desselben Inhaltes. Gleichzeitig vermeldet eine halbamtliche Feder, die in erster Reihe dem Minister von Miquel nahe steht, daß alle Mittheilungen über bevorstehende Aenderungen im preußischen Ministerium haltlos seien. „Kein wahres Wort" aber sei an der Meldung, daß Minister von Miquel .im wunder­schönen Monat Mai" zurücktreten wolle.

x Ate V"le« ««d da» Kentrnm. »bg. Dr. Bachem hatte, wie bekannt, im preußi­schen Abgeordnetenhause an die parlamentarischen Polenführer die eindringliche Mahnung gerichtet, sich nicht von dem neumodischen PolenradikaliS- mus umgarnen zu lassen. Der polnische Ab­geordnete Dr. von JazdzewSki hatte unter anderem darauf geantwortet, daß weder in Oberschlesten noch im Ennlande die Polen die Absicht hätten, durch polnische nationale Kandi­daturen den parlamentarischen Besitzstand des CentrumS zu bekämpfen. Darauf hat ein nicht unbedeutendes polnisches Blatt, der „Oredow- nik", kalt und klar geantwortet, die Worte des Abgeordneten von JazdzewSki seien „ohne prak­tische Bedeutung, sogar politisch uubearündet."

Zu ungewohnt früher Stunde — Stephanie hatte kaum ihre Toilette beendet, — brachte ihr das Dienstmädchen die Karte des Herrn Alfred Den Urbach. Mit recht unfreundlichem Aus­druck sah fie dieselbe von der Seite an und be­fahl dann im trockenste« Tone, den Besucher vorzulaffen.

Sie fand ihn sehr verändert, seit fie ihn zu­letzt gesehen; weder Haarsärbe- und andere Verjüngung-mittel, noch die Kunst des beste» Schneiders vermochten daS zu verbergen. Un- verändert war nur der eifig kalte Blick der Augen. So wie et da stand, machte er den Eindruck eines mit fich und der Welt zerfallenen Mannes, eine- Mannes, der alle- Hohe und ®>le so l-nge herabgewürdigt hatte, bis eS der ätzenden Lauge seines SpotteS gelungen »ar, alles Bessere im eigene« Innern zu zerstöre«.

„Erinnern Sie fich wirklich einmal daran, daß ich noch auf der Welt bin?" redete Stephanie den alten Bekannten an. „ES find Jahre, feit Sie mir die Ehre angethan, mich zu besuchen."

Er suchte fich zu rechtfertigen. Seit Jahren habe er fich nur vorübergehend in Wien aufge- halte», betheuerte er; auf Anrathen der Aerzte reise er viel herum, da öfterer Luftwechsel ihm

0 Monarchie, das Jahr 1848 und einige Andere.

In der Ansprache deS Kaisers an die Sol­daten des Kaiser Alexander-Saroe-Grenadier- Regimentes bei der Uebergabe der neuen Kaserne dieses Regimentes kommt eine Stelle vor, die Anlaß zu einigen Auseinandersetzungen in der Presse geworden ist, nämlich die folgende:

„Wie eine feste Burg ragt dieses schöne, neue Regimentshaus in nächster Nähe meines Schlosses. Ihr seid darum gewissermaßen die Leibwache des preußschen Königs und müßt bereit sein. Tag und Nacht Euer Leben in die Schanze zu schlagen. Euer Blut zu ver­spritzen für Euer» König . . . Wenn jemals wieder schwere Zeiten kommen sollten, wie diejenigen, welche dieses Regiment durchgemacht hat, wenn in der Stadt jemals fich Unbot- Mäßigkeit gegen den König erheben sollte, dann werden die Bajonette der Alexander-Grenadiere die Unbotmäßigen in die Schranken zurück­weisen . . . ."

Man geht schwerlich fehl mit der Annahme, daß diese Ansprache an die Grenadiere des Alexander-Regimentes ebenso unter dem Einflüsse des Bremer Attentates gestanden hat, wie die Aeußernngen des Kaisers zu dem Präsidium des preußischen Abgeordnetenhauses, worin er fich Über das Schwinden der Achtung vor de« Autoritäten beklagte. UebrigenS thut die Sozialdemokratie alle- Mögliche, um selbst die irrige Annahme zu entkräften, daß fie in der Mauserung au8 einer revolutionären in eine radikal bürgerliche Partei begriffe» sei. An de« Tage de» 200jährigen Bestehens des preußi­schen Königthnms hat das Berliner sozialdemo- kratische Central - Organ Verunglimpfungen Über BeruNglimpfungen auf die Hohenzollernherrscher Shäuft und die Vorzüge eines sozialistischen Zu- nftsstaates hervorgehoben. Arn 18. März hat dasselbe Blatt eine Flugschrift auf rothem Papier in Hunderttausenden von Exemplaren verbreite» loffen. daS die Metzeleien der großen Pariser Revolution und die Pariser Kommune von 1871 verherrlichte. Die Sozialdemokratie kann nicht gut voranSsetze», daß das Alles ohne Eindruck spurlos vorüdergehen sollte. Sie muß doch gerade wünschen, starken Eindruck mit solchen Kundgebun­gen hervorzurufen, sonst würde si« diese unterlassen. Außerdem darf man nicht vergessen, daß hier der Kaiser als Soldat zu Soldaten sprach. Soldaten­reden fallen kräftiger aus, als andere Kundgebun­gen entsprechender Arr; und es ist einigermaßen unbegreiflich, wie einige Blätter auS den Worten des Kaiser» den unsinnigen Gedanken herauSlesen können, der Monarch habe damit auf die Wahr­scheinlichkeit einer bald bevorstehenden Revolution Hinweisen wollen. Geradezu blödsinnig, man kann kein anderes Wort darauf anwenden, ist es, daß

die ernsthaft gemeinte Aeußerung seiner Worte auch die unbotmäßige» Kanalgegner und die An­hänger erhöhter landwirthschaftlicher Schutzzölle gemeint haben könnte.

Dasselbe Blatt thut in dieser Bettachtung den Ausspruch, daß der Berliner Straßenkampf von 1848 „eine tief beklagenswerthe Episode in­mitten von Ereignissen gewesen sei, die durch die Schuld der Krone, ihrer Berather und der da­mals herrschenden konservativ-junkerlichen Partei nothwendig geworden waren".

Diesem AuSspruche gegenüber ist eine Erin­nerung angebracht an die Haltung der Katho­liken und der damals noch jungen katho­lische» Vereine im Jahre 1848, aus der hervorgeht, daß die Katholiken die da­maligen Ereignisse durchaus nicht für „nothwendig" hielten. Zwei Beispiele ge­nügen zur genauen Kennzeichnung dessen, was hier gemeint ist.

Der allererste katholische Verein in Deutsch­land war der Pius-Verein in Mainz. Bei dem ganzen Charakter der Mainzer Bevölkerung versteht es sich von selbst, daß dieser Verein nicht aus junkerlich gesinnten Leuten zusammen­gesetzt war. Aber die Leute, die ihm angehörten, waren gut kirchlich gesinnte Männer; und solche Männer achten unter allen Umständen die Au­torität der weltlichen Obrigkeit. Gerade das Wirken und Auftreten des Mainzer PiuSvereins, dem die Staatsbehörde bisher nichts weniger als hold gewesen wat, übte einen außerordentlich wohlthStigen Einfluß in Mainz in -der tollen Zeit aus; und der damalige erste Regierungs­beamte in Mainz, Freiherr v. Dalwigk, später hessischer Ministerpräfident, ein Protestant, hegte von da an das größte Wohlwollen für katholische Einrichtungen. Er batte aus den Er­fahrungen deS tollen Jahres 1848 gelernt, daß der kirchlich gesinnte Katholik, daß der überzeugungStreue Christ die Autorität der Obrigkeit, die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung unterstützt um seines Gewissens willen, nicht aus Furcht vor den gefällte« Bajonette^ daher­stürmender Grenadiere, und daß eine O dnnng, auf solche Gewissenstreue gestützt, mehr oerth ist, alS jede andere, die ihren Grund nu< hat in dem Beugen unter die Entfaltung starker welt­licher Macht.

Als im Jahre 1849 die Straßen von Breslau von Bürgerblut gefärbt waren und die Stadt unter dem Drucke des Belagerungs­zustandes seufzte, waren alle Versammlungen verboten. Nur eine einzige Ausnahme konnte gemacht werden: die Vertteter der deutschen katholischen Vereine dursten sich ver­sammeln. Die Regierung hatte in Breslau die­selbe Erfahrung gemacht, wie diejenige in Mainz; und so erhielten die Veranstalter der Katholiken- Versammlung in Breslau den Bescheid von der obersten Behörde: „Nichts steht den katholischen Vereinen entgegen, ihre Versammlungen abzu­halten. Wäre ganz BreSlau ein katho- lischer Verein, so gäbe eS keinen Be­lagerungszustand."

Wahre Ordnung, begründet auf innerer Ueberzeugung, beruht auf wahrhaft christ- licher Anschauungsweise. Gelingt es. diese zuträglich fei. Er sei eben ein alter, müder Mann im Gegensatz zu ihr, die in ewiger Jugend erstrahle. Alle Liebenswürdigkeiten, die ihm nut ein fallen wollten, tischte er auf, bi» er sah. wie der verdrießliche Ausdruck aus ihrem Gesichte wich und ein Lächeln es erhellte. Dann geradeaus auf fein Ziel lossteuernd, bemerkte er, in einer delikaten Angelegenheit müsse er einige Worte mit ihr sprechen.

Sie zeigte sich scharfsichtiger, als er gemeint: „Schauen'- ... daS hab' ich mir gleich gedacht, daß Sie was Besonderes von mir wollen."

„Aber . . wollte er einreden.

„Lassen'- gut fein; wir zwei machen einander doch nichts mehr weis. Was haben's also?"

„Mein Sohn der Frrnz . . ."

„Macht Anna de« Hof. Ich weiß es. Das fromme Ding kokrttirt mit ihm, wie Unsereins es nicht besser könnte."

„Ob fie kokettirt oder nicht, ist mir höchst gleichgiltig, aber heirathen will fie der Pinsel und daS dulde ich nicht."

„Heirathen!" Stephanie blieb sprachlos. Eine Kourmacherei, die schnell wie der Blitz ohne Jntriguen mit einem ernstlichen HeirathS- antrag endete, war ihr etwas Unerhörtes, etwas daS den Neid, den fie gegen Anna hegte, ins Ungeheuerliche wachsen ließ.

„Unmöglich !* stieß fie endlich hervor. „Aber wahr," lächelte ihr Gegenüber.

Ihr unverhüllrer Aerger ttöstete ihn einiger­maßen über den eigenen Zorn. „Sagen Sie mit. . . Ihnen ist ja kein Gedanke Ihres Mannes

Darüber werde „daS polnische Volk, das sich immer mehr nationales Bewußtsein und bürger­liche Selbständigkeit aneigne, selbst entscheiden, ohne dabei nach der Meinung der Abgeordneten zu fragen". Männer wie der Abgeordnete Dr. von Jazdzewiki denken so, wie sie spreche«. Aber werden sie stets die anerkannten Führer des PolenthumS bleiben? Die radikale Polen- richtung macht Fortschritte und entreißt der gemäßigten Polenpartei ein parlamentarisches Mandat nach dem andern, so ganz neuerdmgS erst wieder den WahltteiS Posen-Stadt, der vorher noch niemals anders im Reichstage ver­treten war, als durch einen Mann der gemäßig­ten Richtung. Wenn daS so weiter geht, wird die Zeit kommen, in der die Herren von der Richtung der Abgeordneten Fürst Radziwill und von JazdzewSki in den Parlamente« nicht mehr zu finden sein werden; darüber darf man sich nicht täuschen. Die Pole« selbst aber sollten noch zu rechter Zeit zur Be- jtnnung kommen und einsehen, daß ihre« eigenen Interessen nichts mehr schadet, als der neumodische nationale Radi­kalismus. Bekommt dieser Oberwasser, dann werden die Polen keinen Freund mehr haben, der ihnen zur Seite steht!

4- Z«r ^olenpolilik der preußische« IleSter««g. In einer halbamtliche« Kund­gebung wird etwas wie ein Programm an- gekündigt über die leitenden Grundsätze, nach denen die preußische Staatsregierung in Zukunst in ihrer Polenpolitik verfahren werde. Danach ist „MinisterpräsidentGraf Bülow entschlossen, nach eingehender Prüfung aller praktischen Vor­schläge ein möglichst einheitliches Vor- gehen aller behelligten Dienststellen zur Ab­wehr der Gefahr einer fortschreitenden Poloni- ftrung deutscher Stadt- und Landgebiete sicher zu stellen". Neben anderen Maßnahmen vorwiegend wirthschaftlicher Art sollen auch eine Reihe von Punkten erneut zur Erörterung gestellt werden, die für die Kräftigung deS Zu- sammenhaltens unter den Deutschen in der Stadt und in der Provinz Posen von Er­heblichkeit find. Es wird dabei auf die Be- gründung deutscher Vereinshäuser in ver­schiedenen Städten bingewiesen und auf die Wiederbelegung einer Anzahl von Ortschaften mit Garuisone», die seit 1867 in 11 Fällen ein­gezogen worden find. Gegen eine wirthschastliche Hebung des Ostens wird niemand etwas einzu- wenden haben, im Gegentheil. Mit solchen Maßnahmen werden auch die Polen einver­standen sein. L

4- Der M-rchin-er Hffiziermord ist der Gegenstand einer erneuten Verhandlung vor dem Oberkriegsgericht in Metz gewesen. Das ge- fällte Urtheil ist erheblich milder als da» erste ausgefallen: Es lautet auf sechs Jahre Zucht« Haus und Ausstoßung aus dem Heere. Nach dem ersten Urtheil de» Kriegsgerichte« sollte der An­geklagte, der ehemalige Oberleutnant Rüger, eine Strafe von zwölf Jahren Zuchthaus ver­büßen. Die Gutachten der ärztlichen Sachver­ständigen lassen mit Sicherheit darauf fcbließen, daß der Angeklagte unter dem Einflüsse de« Alkohols Thalen begeht, für die er nicht in vollem Maße verantwortlich gemacht «erden kann, und die Möglichkeit, Anna's Stimme auszunutzen. Sie hätte Urbach für den Widerstand hoch preisen mögen, welchen er den Plänen seine« Sohnes entgegensetzte.

„Sie müssen wissen," redete dieser weiter, „ich bitt mit dem Herrn Sohn überworfen; wir ver- zichteten schon längere Zeit auf die Freude des gegenteiligen Anblickes. Da kommt er gestern Abend demüthig und höflich zu mir; ich sage mir gleich: Dahinter steckt etwas und bereite ihm leinen glätt- zenden Empfang. Nach einer Einleitung über fein Bedauern, mich beleidigt zu haben, unterhätt er mich von seine« Herzens-Angelegenheiten. Ich erkläre rund heraus, daß, so lange ich lebe — und ich kann noch lange leben, thue Alles, mich zu erhalten —er keinen Heller von mir bekommt, und nach meinem Tode so wenig wie mög­lich . . . man kann dem Gesetze sehr wohl eine Nase drehen . . . ."

Die angenommene Gleichgiltigkeit hatte er in der Hitze seines Zornes abgelegt, — die näselnde leise Stimme war allmälig laut, ja schreiend ge­worden, als er schloß: „Sagen Sie nur da« Alles Ihrem Manne, sage« Sie ihm auch, daß niemand mich von einem einmal gefaßten Ent­schlüsse abbringt. Wenn er für dar Paar forgen will . . . wohl und gut, ich kann s nicht hindern. Vo« mir haben aber beide nichts zu erwarten: fie find für mich einfach nicht vor- Händen." , „ t

„Seien Sie unbesorgt. Eduard soll daS Alles erfahren, er kann unmöglich ander- urtheile» wie ich selbst."

„Sie waten immer eine kluge Frau. Meinem Herrn Sohn wird'S aber sehr nützlich sein, auch

letztere wieder herzustellen in unserem Volke, dann ist in diesem auch die gebührende Achtung vor den weltlichen Autoritäten, vor der Obrigkeit, gesichert für alle Zeiten!