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mit Jinterhaltungs-Aeil'age „Issustrirle Sonntags-Zeitung"

JIS74.

JuLöa, Samstag, den 30. März 1901.

28. Jahrgang.

Druck und Verlag der Fuldaer Aetiendruckeret pctersgage Nr. 2 CBarmouu).

. verautworUtch: Für die Redattian Iss. Saum, für Fuserale I. Parzelle» in Fulda.

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schenden Preisen auf diese Weise den erforder­lichen, dem beabsichtigten Zwecks angemesse­nen Zollsatz, so daß dadurch der durchschnitt­liche Preis auf die Höhe des Durchschnittes von 1870 bis 1890 gehoben würde, so erhält man eine Ziffer von 7 Mark bis 7,5OMarkfür den Doppel-Centner Getreide. Und da nun nach Berechnungen der Sachverständigen die Srzeugungskosten deS Getreides dem Durchschnittspreise der genannten zwanzig Jahre entsprechen, so muß man diese Zollziffer als die geeignete annehmen unter der Voraussetzung, daß man durch die Zolleryöhung die Wirkung erzielen will, Mittelpreise zu erhalten, durch die die Landwirthschast ihre Erzeugungs­kosten decken kann, ohne daß die Masse der Getreideverbraucher geschädigt werden würde.

die ein praktischer Landwirth, der Oekonomierath H. Schuhmacher, in dem zweiten Hefte der vom deutschen LandwirthschastSrathe herauSge« gebenen „Materialien für die deutsche Handels­politik" aufstellt. Auch angenommen, die Bevölke­rung des Reiches würde im Laufe des begonnene» Jahrhunderts sich verdoppeln, also von 56 auf 112 Millionen anwachsen, so wär e die Versorgung dieser großen Einwohnerzahl mit Brotgetreide noch immer nicht über die Kräfte der deutschen Landwirthschast gehen. Unter der Voraussetzung, daß die angebaute Getreidefläche dieselbe bleiben würde, müßte ein Hektar nach und nach während der hundert Jahre 1064 Kilogramm mehr liefern, also in jedem Jahre nur 10,64 Kilogramm mehr. Der Verfasser ist der bestimmten Ansicht, daß dieses Ergebniß bei geeigneter Bodenbehandlung ohne Vergröße­rung der angebauten Fläche erzielt werden könne. Bekanntlich aber wird es nichts weniger als schwer fallen, diese Fläche noch ziemlich erheblich zu ver­größern !

• Die Kanalvorkage scheint noch immer ein Gegenstand besonderer Fürsorge für die preußische Regierung zu sein. Eine halbamtliche Darlegung bemüht sich nachzuweisen, daß das preußische Ab­geordnetenhaus bis tief in den Sommer hinein tagen müsse, auch ohne die Kanal-Vorlage. Da werden als noch unerledigt aufgezählt Landesver­waltung für Berlin und Vororte, Hypothekenbant- Vorlage, Innere Kolonisation, Antrag Herold wegen anderer Organisation der Generalkommis- fionen, Antrag Korn wegen der Kohlenfrage — aber deswegen würde doch das Abgeordnetenhaus, wrnn es nicht die Sache absichtlich so einrtchtet, sicherlich nicht länger als bis Pfingsten zusammen- zubleiben brauchen. Des Pudels Kern ist der: nach dem Wunsche der Regierung soll alles recht lang­sam gehen, damit nicht etwa das Abgeordneten« haus eher mit seinen übrigen Arbeiten fertig werde, als bis die Kanal-Vorlage in der Kommission er­ledigt sein wird.

X Karrst Aorkage «ab Liöerake. Die Liberalen können das Hetzen nicht lassen. Trotz aller Versicherungen, daß sie die Kanal-Vorlage nicht mißbrauchen wollten zu allerhand politische« Umtrieben, kommt jetzt die ^Nationalliberale Korre­spondenz" und versichert von neuem, es werde der preußischen Regierung nichts Anderes übrig bleibe«, als die Kanal-Vorlage zurückzuziehen und die Ent­scheidung darüber dem Lande anheimzugeben — also das Abgeordnetenhaus aufzulöfin, wenn es die Kanal-Vorlage nicht annehmen will, und das Glück mit der Vorlage in einem neu gewählten Abge­ordnetenhause zu versuchen. Man kann schwerlich glauben, daß die preußische Regierung diesem Rat« folgen wird. Das würde ungefähr der gröbste taktische Fehler sein, den die preußische Regierung jemals gemacht haben würde. Schon der Redner des Centrüms bei der ersten Lesung des Etats, Abg. Fritzen-Borken, hat die preußische Regierung vor einer solchen Uebereilung gewarnt. Thatsäch- lich würde sie eine, daran ist richt im geringste« zu zweifeln, eine Niederlage erleiden, wie sie voll­kommener nicht gedacht werden kann. Die sehr ruhige Haltung der Vertreter der Regierung läßt vorläufig auch gar nicht den ernsthaften Verdacht auskommen, daß man sich an den maßgebende« Stellen mit solchen Absichten trage.

und solle dabei alljährlich aus ihrem Betriebs­kapital Zuschüsse leisten. Das Exempel ist unan­fechtbar, ist so klar, wie das Sonnenlicht.

Nun sind alle Sachverständigen voll­kommen einig in der Ansicht, daß der frühere, bei dem Abschlüsse der gegenwärtig gütigen Handelsverträge noch herabgesetzte Zoll von fünf Mark nicht ausreichen kann, um dir Er­zeugungskosten deS Getreidebaues in Deutschland zu decken. Will man also diesen Zweck erreichen, so muß man unbedingt höher greifen. Sonst kann man diesen Zweck eben nicht erreichen, und die ganze Sache würde nur dazu gemacht werden, um den äußern Anschein zu erwecken, als sei Etwas geschehen, ohne daß wirklich eine angemessene Erhöhung der Zölle statt­finden würde.

Ohne Zweifel sind die Erzeugungskosten in den verschiedenen Gegenden des Reiches ver- schieden hoch, höher in der unmittelbaren Nähe grcßer Städte, als weit ab davon, und auch fi-nst in ihrer Verschiedenartigkeit abhängig von Behältnissen mancher Act. Darauf kann man bei der Bemessung der zukünftigen Getreidezölle natürlich nicht Rücksicht nehmen. Nur Durch-1 schnittsziffern können dabei zu Grunde gelegt I werden. Da hat es nun bei uns in Deutschland eine Zeit gegeben, in der die Getreidepreise so waren, daß die Landwirthschast nicht zu klagen brauchte und thatsächlich auch nicht sich beklagt hat, nämlich in dem Jahrzehnt von 1870 bte 1880. Während dieses Jahrzehntes hat der Durchschnittspreis für die Tonnr Weizen 223 Mark, für die Tonne Roggen 173 Mark be­tragen. Eine Theuerung ist deswegen doch sicherlich auch nicht im Lande entstanden. Dann aber si-ch die Getreidepreise stark gefallen. Be­rechnet man in derselben Weise den Durchschnitt dieser Preise bei unS in Deutschland von 1880 bis 1890, so erhält man einen Weizrnpreis von 182 und einen Roggenpreis von 152 Mark, und das waren die Jahre, in denen der vollkommene Zusammenbruch landwirthschaftlicher Betriebe be­reits an der Tagesordnung war. Der tiefste Stand der Grtreidepreise war aber no 'i immer nicht erreicht. Er kam noch unter dem Einflüsse der neu abgeschlossenen Handelsver- ige mit 151 Mark für die Tonne Weizen und 127 Mark für die Tonne Roggen!

Vor etwa drei Wochen hat eine Versammlung des Rheinischen Bauernvereins in einer einstimmig gefaßten Entschließung ausgesprochen, wie sie sich die Gestaltung der Getreidepreise! denkt: mindestens 20 Mark für den Doppel- Centner Weizen (200 Mk. die Tonne) und 16 Mark für den Doppel-Centner Roggen (160 Mark die Tonne). Das find keine will­kürlich genommenen Ziffern. Sie entsprechen ungefähr dem Durchschnittspreise der beiden Jahrzehnte von 1870 bis 1880 und von da bis 1890. ES sind das also keine hohen, sondern Mittelpreise, bei deren Beurtheilung zu be­denken ist, daß die Erzeugung-kosten des Ge­treides mit den fortschreitenden Jahren nicht ge­ringer, sondern fortgesetzt höher werden. Bei solchen Mittelpreisen würden auch die nicht landwirthschaftlichen Erwerbs stände nicht geschädigt werden können.

Berechnet man im Vergleiche zu den berr-

15. Kapitel.

Hofrath Buschmann saß allein beim zeitigen Frühstück. Welche- auch seine Fehler waren, Trägheit gehörte nicht zu denselben. Er war ein tüchtiger Beamter, deffen Leistungen allge­meine Anerkennung fanden. Trotz ausgeprägter Vergnügungssucht, trotz dem verderblichen Mor­phiumgenuß hatte er es noch immer verstanden, seine Berufsarbeiten pünktlich zu verrichten und nebenbei Zeit für seine Kompositionen zu finden. Spät zu Bette gehend, war er doch früh morgens auf und diese Zeit, bevor die Bureau­stunden gekommen, gehörte der Musik. Stephanie, verweichlicht und verwöhnt, schlief lange in den ^3 hmein und theilte nur selten das Frühstück chieS Mannes. Da sie aber eifersüchtig über ihn wachte und vor allem bestrebt war, ihn Annas Einfluß zu entziehen, welche fie wider- wtlltg als das reine lichte Element im Hause betrachtete, hatte sie eingesührt, daß er das yrühstück allem in seinem Zimmer einnabm, während Anna da« ihre mit den Schwesterchen zu theilsn hatte.

Roman auS dem Wiener Leben. Bon L. v. Neidegz.

----— (Nachdruck verboten.)

und umhalste ihn: „O lieber Papa! Du hier! Darf ich mein Frühstück hierher bringen kaffen?" „Gewiß Annerl!" bejahte er. Stephanie lag ja noch in süßen Träumen, ahnte also nichts von der Uebertretung ihrer Gebote.

Glückselig über die erhaltene Erlaubniß, legte Anna Hut und Umhang ab, machte fich um den Vater zu schaffen und bediente ihn. AIS er in das freundliche Gesichtchen mit den glänzenden Augen sah, konnte er den Wunsch nicht unter­drücken, es täglich sich gegenüber zu finden — aber nein, das ging nicht an. Steffi, die gute Steffi würde meinen, fie genüge ihm nicht und ich gekränkt fühlen. Sie war so ausschließlich in ihrer Liebe, die gute Steffi . . .

Er hatte für diese Frau j-ht die anhängliche Art eines Sklaven. Bequemlichkeit, Sinnlichkeit und Macht der Gewohnheit waren die Glieder der Kette, mittels welcher sie ihn gefangen hielt, und seine stetig abnehmende Willenskraft machte eS ihm unmöglich, dieselbe jetzt noch zu prengen.

„Woher kommst Du so früh?" fragte er die Tochter.

„Aus der hl. Meffe, Papa."

„Richtig. Du gehst ja täglich zur Kirche." Die Erinnerung an seine Kindheit überkam in, an die Zeit, als er in Mastng beim heil. Meßopfer gedient, die Mutter ihn sorgfältig >azu gekleidet und ihm von der Ehre gesprochen latte, die ihm würde, daß er am Altäre dienen >ürfe. Etwa- von dem echten Glauben, von

Deutsche« Reich.

Berlin, den 29. März.

I ® Dis ,Nordd. Allg. Ztg.' schreibt: „Seit der Großjährigkeitserklärung des Krorrpriszeir sind bis in die jüngsten Tage hinein in der Presse Gerüchte über eine angeblich bevorstehende Ver­lobung des Erben der deutschen und der preu­ßischen Krone aufgetaucht. Wir erwähnen diese wenig taktvollen Ausstreuungen nur, um daran die Bemerkung zu knüpfen, daß ihnen allen der­selbe Grad von Grundlosigkeit inne wohnt." — Der Kronprinz ist erst 18 Jahre alt; mit der Verlobung hat es also noch Zeit!

* Zu den Kriseugerüchteu theilt die .Tägliche Rundjchau' mit, daß nach ihren In­formationen „von sehr zuständiger Stelle" Finanzminister Dr. von Miquel schon vor einige» Wochen an amtlicher Stelle den Wunsch zu erkennen gegeben habe, sich noch in diesem Frühjahr, spätestens im Mai, von den Ge­schäften zurüchuz'-chen. Als Nachfolger Miquel- gelte Minister non Rheinbaben, während Rheinbaben in feinem derzeitigen Ministerium durch den Oberbürgermeister von Danzig, Dr/Delbrück, ersetzt werden soll.

® che-eiirr rsih Dr. vo« Körner wird nach einet Meldung der ,Nat.-Ztg/ nicht aus seinem gegenwänigen Amte als Direktor der handelspolitischen Äbtheilnng des Auswärtigen Amte» scheiden, wie ein anderes Blatt vorher zu berichten Grund zu haben glaubte. Er dürste außerdem auch fraglich fein, ob einem solchen Personenwechsel auch grundsätzliche Bedeutung für den Kurs unserer Handelspolitik unterzulegen sein würde.

+ Aevökkerungszunahme mtb chelreide- verbrauch. Die Freihändler lieben es. der deutschen Bevölkerung bange zu machen vor höheren Getreidezöllen mit dem Hinweise auf die ver-- hältnißmäßig starke Zunahme der deutschen Ein­wohnerzahl. Bekanntlich haben sich auch nam­hafte Gelehrte, die aber von Landwirthschast nichts verstehen und von der Leistungsfähigkeit der deutschen Landwirthschast keine richtige Vorstellung haben, durch die starke Bevölkerungszunahme zu der sicherlich irrigen Annahme verleiten lassen, Deutschland sei nicht im Staude, auf die Dauer sich selbst mit Brotgetreide zu versorgen. Das Gegentheil geht klar hervor aus einer Berechnung,

ö Allgemeine Getreidezölle.

Reichskanzler Graf Bülow hat, wie be­richtet, am letzten Donnerstag im preußischen Herrenhause von Neuem eine Erklärung abge­geben Über feine Stellung zu der Frage von der Erhöhung der Getreidezölle. „Ich habe — so sagte Graf Bülow — sowohl im Abge- orduetenhause wie im Reichstage keinen Zweifel darüber gelassen, daß ich es als die Aufgabe, daß ich es als die Pflicht der StaatSregierunj betrachte, die Interessen unserer Landwirthschaf mit allem Nachdrucke und mit allem Eifer zu fördern. Ich habe gleichzeitig erklärt, daß ich eine angemeffene Erhöhung der land wirthschaftlichen Zölle für unbedingt geboten erachte. Die königliche StaatSregie- rung wird bei der Vorberathung der Zolltarif- Borlage an diesem von mir vorgelegten Gesichts­punkte festhalten."

Die Erklärung lautet klar und bestimmt. Und doch bleibt noch immer ein Punkt dabei unberührt: WaS hat man unter einer „ange­messenen" Erhöhung der Getreidezölle zu verstehen ? Unmöglich kann man, wenn man gerecht und verständig bei einer Entscheidung dieser Frage verfahren will, in willkürlicher Weise irgend einen Zollsatz für die Einfuhr deS Ge­treides ausüklleu und sagen, dieser sei ange­messen. Man muß oielmchr zunächst den Zweck ins Auge fassen, den man mit der Er­höhung der Getreidezölle verfolgt und muß dann danach streng folgerichtig bei der Bemessung der neuen Zölle verfahren; und außerdem muß man glerchzeitig darauf bedacht sein, durch die Hilfe, die man von Rechtswegen der Land- wirthschast gewährt, nicht andere Erwerbsstände zu schädigen.

Der Zweck der Erhöhung der Getreidezölle soll bekanntlich der sein, den Anbau von Getreide wieder so lohnend zu machen, daß die Landwirth- schaft dabei auf ihre Rechnung kommt, daß sie, wie man sich ausdrückt, durch den Verkauf ihres Getreides ihre Produktionskosten deckt, also die Kosten deckt, die ihr der Anbau des Getreides ver­ursacht. Kein verständiger Mensch betreibt unter gewöhnlichen Umständen ein Geschäft, eine Industrie ober eine. andere Hantirung, wobei er nicht auf seine Rechnung kommt, wobei er vielmehr von seinem Gelds noch zusetzt. Auch der Arbeiter wehrt sich und soll das Recht haben, sich zu wehren, wenn fein Perdienst gar zu kärglich be­messen wird. Und der Händler, der Kaufmann will an den Maaren, mit denen er handelt, einen ganz bestimmten Prozentsatz allermindestens ver- dienen; oder aber er gibt das Geschäft auf, wenn da» nicht der Fall ist. Es ist also nichts weiter, als eine ganz selbstverständliche Forderung der allereinfachsten und allerklarsten Gerechtigkeit, wenn die Landwirthschast verlangt, daß auch sie mit ihrem Getreidebau das gewinne, was ihr für ihre Arbeit als Lohn gebührt, und wenn sie sich gegen die Zumuihung wehrt, sie solle das Getreide bauen, das Andere für ihre Ernährung brauchen,

„Du thust recht," fuhr er fort. „Bleib' nur dabei."

„Guter Papa!" Gern hätte sie ihn gebeten, er solle sie dock einmal begleiten; sie wagte eS aber nicht. „Und Du, was hast Du gethan?" fragte fie.

„Komponirt."

„Etwas Schönes? Darf ich es hören?" „Nein," erwiderte er barsch.

Ein Libretto war ihm vorgelegt worden, blödfinniger und zweideutiger als Alles, was er bisher in Mufik gesetzt. Ein Direktor brauchte etwas derartiges, um die Talente eines „neuen Sternes" in bai rechte Licht zu setzen und I Buschmann war feit seinem letzten Fiasko ein Mann geworden, dem man Alles bieten durfte. Um des Geldes willen Übernahm er die Auf­gabe; vor feiner Tochter schämte er fich ihrer aber. Sie hatte bisher nie in einer feiner späteren Operetten gtsührt werden dürfen. Wenig­stens darin hatte er einen entschiedenen Willen bekundet.

Anna seuszte; so v'.el war ihr klar, daß auch diese letzte Komposition des Vaters Künstler- bewußtsein nicht befriedige; fich ein Herz nehmend, begann fie: „Papa, Du solltest eine Messe komponiren . . ."

„Ich? Wie kommst-Du daraus?"

„Durch die Großmutter. Sie hat mir ein­mal erzählt, daß sie gehofft habe. Du würdest geistlich werde« . . ."

„Die gute Mutter! Wie wenig hat sie mich gekannt! Ich habe nie den leisesten Beruf gehabt."

„Das sagte sie. Sie erzählte aber auch, daß wie Du — ganz jung noch — Dein hübsches erstes Liedchen komponirt. Du weißt: „DaS Kmd ruht aus vom Spielen", in ihr der brennend« Wunsch erwacht sei. Du möchstest dereinst so hoch steigen in Deinen Leistungen, daß Du eine Mess« komponiren könntest, eine recht schöne, an der di« Menschen sich noch erbauen würden, wenn sie und alle längst tobt und begraben seien. Sie wiederholte öfter, wenn sie das erlebte, in der Kirche zu knicen während einer Misse, die D« komponirt. und zu denken: das Schönste, waS Du erfunden, sei Gott zum Preis erdacht, da wolle sie fich bann gern hinleaen und sterben. Sie hofft sicher noch auf die Freude; verschaff sie ihr, Papa."

Die in aller Arglosigkeit gesprochenen Wort« der Tochter klangen wie ein Mahnruf an Busch­manns Herz. Sie riefen die Vergangenheit in ihm wach mit ihren himmelstürmenden Erwar­tungen, ihrem Sehnen, Herrliches zu leisten — bis der Leichtsinn seine Kraft gelähmt, der Strudel der Freuden ihn in die Tiefe gezogen. Jetzt, wo Erfahrung seinen kritischen Sinn ge­schärft, wußte er ja, daß er kein Genie war, daß er Bahnbrechendes kaum hätte leisten können. Aber in seiner Jugend war die Muse ihm ein hehres Weib gewesen mit ernsten stillen Augen, in denen sich der Himmel spiegelte. Unter ihrer Eingebung hatte er liebliche, süße Melodien ge« fun.en. Und j-tzt? Seine Muse war ei« sinnliches Geschöpf geworden. Frechheit auf der Stirne, Lüsternheit in den Augen,' weiu- bekränzt wie eine Bacchantin, und ausgelassene

An diesem Tage nun fügte es sich, daß Buschmann sich sein Frühstück ins Eßzimmer hatte bringen lassen. Dort traf ihn Anna, als sie ans der Kirche zurüclkehrte. Iden begeisterungs vollen Anläufen feiner ersten

Nm freudigem Au-ruf eilte fie auf ihn zu I Jugend regte sich in seinem Herzen.