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<■ Stil». mit Zlnlerhallungs -Beilage „Zssustririe Sonntags-Zeitung!' w Pdmgag« a». e lDarmcÄt). ~———------ । || । -|

M 73- Aul'öu, Freitag, den 29. März 1901. 28. Javrgang.

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© Doppeltarif, Regierung und Landwirthschaft.

Seit die Frage von der Gestaltung des neuen Zolltarifes brennend geworden ist, find natur­gemäß sehr viele winhschastliche Körperschaften mit Kundgebungen darüber vorgetreten, wie ste sich diese Gestaltung ungefähr vorstellen. Und so fehlt eS auch nicht an solchen Kundgebungen aus landwirthschaftlichrn Kreisen. Sie sind zahl­reich erfolgt, und man weiß darum ganz genau, was die Landwirthschaft will und auch braucht. Der Deutsche Landwirthschaftkraih hat das aus­gesprochen, die christlichen Bauernvereine in Süd Deutschland haben ensprrchende Entschließungen gefaßt, und dasselbe ailt von dem Westfälischen und dem Rheinischen Bauernvereine: überall hat man sich vollkommen übereinstimmend in dem Sinne geäußert, daß der Landwirthschaft und ihren aufs äußerste gefährdeten Interessen nur aufgkho'fen werden kann durch einen ausreichend hohen Einfuhrzoll für Getreide und durch die Ausgestaltung des neuen ZolltarifeS als Doppeltarif, wenigstens für die landwirth« schädlichen Erzeugnisse. Das soll die Staats« Hilfe sein, mit der der L-audwirthschast über den Berg hinweg geholfen wird, den sie aus eigener Kraft, nur durch die Selbsthilfe, nicht über­winden kann; und Reichskanzler G r a f Bülow hat sowohl im Reichstage, als auch im preu­ßischen Landtage die bestimmte Versicherung ab­gegeben, daß er fest entschlossen fd, der Land- wirthsch rft diejenige Staate Hilfe zu verschaffen, die sie zum gedeihlichen Dasein braucht.

Nun sollte der Entwurf des neuen Zoll- tarifeS nach den Versicherungen, die der ReichS- schatzsekretäc Freiherr von Thielmann bei der zweiten Lesung des Etats im Reichstage abgab, eigentlich längst bei den einzelnen Bundesregierungen und bald schon bei dem Bundrsrathe zur Berathung durch diesen anae- langi fein. Ader auf einmal ist die Entwiche- lung ins Stocken gerathrn. Freiherr von Thiele« mann äußer« sich auf erneute Anfragen bei der drillen Lesung des Etats so unbestimmt, daß man schon daraus entnehmen konnte, der Ge­setzentwurf werde voraussichtlich in dieser Tagung dem Reichstage nicht mehr zugeben; und thatsächlich verhält es sich so. Die Ein­dringung der neuen Zolltarif-Vorlage im Reichs­tage ist vorläufig nicht zu erwarten.

Man tappte eine Zeit lang im Ungewiffen darüber umher, was denn nun eigentlich oorge- lommtn sei. Jetzt wird in der P reffe berichtet, daß in der allerjüngsten Zeit ein Umschwung sich vollzogen habe in den Anschauungen einiger Regierungsstellen über die Zollfrage; und nach den Andeutungen die beispielsweise die ,Deutsche Tageszeitung' macht auf Grund von Mittheilungen, die ihr zugingen, müßte es daS Auswärtige Amt sein, daS auf einmal hind<rnd eingriffe. Die genannte Zeitung spricht von „einem ReichSamte, daS dem Reichskanzler besonders nahe steht". Diese Nachricht kann «SSSSSSSSSMSSSSSSSSSSSSSSSSSSSS»

Man Stufe zu Stufe.

Roman aus dem Wiener Leben.

von 8. v. N e i d e g,.

29 ------ (Nachdruck verboten.)

Statt der warmen Zustimmung, die er zu Wden erwartet, sich im Voraus ihrer erfreuend, sah er, wie der Mutter Gesicht immer ernster wurde, wie ihre schmalen, schlanken Hände sich angstvoll zusammenpreßten. Dann hörte er, wie sie ihm Urbereilung vorwarf, und eS bitter be­klagte, daß er sich von der Leidenschaft habe fort­reißen lassen.

Mit verstörter Miene stand er vor ihr und traute Augen und Ohren kaum. War daS die Mutter, die er bisher als einen Theil seines eigenen Ich betrachtet, die so treu Alles, waS ihn bewegte, m't empfunden? Er verstand ihr Verhalten nicht. Sollte sie, die er als Über alle Schwächen erhaben betrachtet, einer kleinlichen Regung der Eifersucht zugänglich sein? Sollte sie am Ende sich mit dem Gedanken nicht be­freunden können, nicht mehr ausschließlich in seinem Herzen zu herrschen?

Sie errieth, war in ihm vorging und sah ihn mit den treuen Mutteraugen an, aus denen inniges Mitempfinden sprach. „68 ist daS nicht, waS Du meinst, Franz. Wir Mütter wissen, daß wir zurückstehen müssen vor jener anderen L^be^die da- Leben deS ManueS ausfüllen und verklären soll."

man bei der Beurtbrilung deS Ganzen auf sich beruhen lassen. Unleugbare Thatsache ist es jedenfalls, daß ganz neuer­dings Hemmnisse ausgetreten sind in der weitern gesetzgeberischen Entwickelung der neuen Zolltarif-Vorlage, und daß diese Hemm­nisse an ei ns lußreichen Berli ner Regie­rungsstellen zu suchen sind.

ES kann nicht fehlen, daß die ganze Unsicher­heit der Sachlage Beunruhigung in den Kreisen der Landwirthe hervorrust. Diese unruhige und auss neue sehr besorgte Stimmung hat sich in überraschend heftiger Weise geltend ge­macht in einer großen Bauernversammlung, die in diesen Tagen in Regensburg abgehalten wurde, in der unter anderem der Reichstagsabzeordnete Dr. Roes icke sprach, der Direktor des Bundes der Landwirthe. Nach den vorliegenden Zeitungs­berichten hat die gespannte Stimmung, in der die Landwirthe sich befinden, dort sehr heftige Auf­tritte veranlaßt; verschiedene der Redner aus dem bayerischen Bauernstände haben ihrem Mißtrauen, daß schließlich doch nicht hinreichende Rücksicht auf die nothwendigen Bedürfnisse der Landwirthschaft genommen werden würde, in drastischer Weise Luft gemacht, und man kann auch daraus wieder er­sehen, daß der Hang zum Radikalismus in den Reihen der Landwirthe in sehr unerfreulicher Weise in der Zunahme ist.

Leider ist auch daS Centrum in der Regens­burger Versammlung wieder einmal nicht gut weggekommen. In dem bekannten Stile der bayerischen Bauernbündler ist auf das Centrum losgehauen worden, als ob dieses der ärgste Feind der Landwirthschaft wäre; und leider haben die Redner, die in diesem Sinne sprachen, wieder­holten lauten Beifall in der Versammlung ge­erntet. Soll die Hetze gegen das Serlrum in Bayern etwa von frischem beginnen? Verdient hat das Centrum eine solche Behandlung auf keinen Fall um die Landwirthschaft. Aber an Hetzern gegen das Centrum hat es noch nie ge­fehlt, und auch nicht an Leuten, die den Hetzern folgen; und die Nothlage der Landwirthe macht diese nur zu geneigt, solchen Verführungen zu erliegen. Eine energische, kräftige Be­tonung Zusicherung, daß das Centrum mit aller Macht, deren es fähig ist, die be­rechtigten Forderungen der Landwirth­schaft im Reichstage vertreten will, im Nothfalle auch gegen die Verbündeten Regierungen, hat bisher noch immer die ge> wünschte Wirkung nicht verfehlt. Es scheint wieder einmal ein Zeitpunkt gekommen zu sein, in dem eine solche öffentliche Zusicherung, von maßgebenden Führern des Centrums den Bauern ertheilt, von diesen letzteren herbeigesehnt wird. DaS würde auch die rechte Antwort sein auf die unsinnigen Verdrehungen der vorliegenden Thatsachen und der ungeheuerlichen Verleum­dungen, mit denen die Ve anstalter der Brot­wucher-Versammlungen um sich werfen.

Der deutsche Bauernstand ist in früheren Zeiten zu oft in seinen Hoffnungen getäuscht worden. Deswegen ist er zu Mißtrauen geneigt in der Beurtheilung von Dingen, die in seinen eignen Jnteressenkreis hineingehö en. ES würde außerordentlich zu bedauern sein, wenn dem Centrum in Boyern und anderwärts neue ww———■■w—ra

„Dann kann es nur Abneigung gegen Anna sein, die Dich bestimmt. Sieh sie an . . . hö:e sie . . . Du wirst ihren Werth erkennen."

„Ich habe sie geschätzt, als Du sie noch ver­kanntest", lächelte die Mutter. „Denke nur zurück an frühere Zeiten. Aber Dein Vater! Ich weiß, wie er über diese Heirath urtheiten wird, der bloße Gedanke an diese Möglichkeit genügte, um seinen Zorn zu erregen. Deshalb schrieb oder sprach ich Dir nie von Anna. Deshalb hielt ich sie fern, so oft ihre Ferien mit Deinem Urlaub zufammentrafen. Ich sehe neue Kämpfe mit Deinem Vater voraus."

„Ich will solche vermeiden und mich begnügen, ihm die vollendete Thatsache seinerzeit mitzu- theilen."

„DaS wirst Du nicht thun. DaS kann Dein Ernst nicht sein. Der Eltern Segen baut den Kindern Häuser."

„Nicht aller Eltern, Mutter. Gottes Gerechtig- feit kann nur den Segen solcher für voll erachten, die zu segnen befugt find."

„O mein Franz, wohin hast Du Dich ver­irrt! KindeSpflicht, — sowenig, wie irgend eine andere sittliche Pflicht — beruht nie auf Gegen­seitigkeit. Du glaubst nicht, wie weh Du mir thust, wenn Du solche Grundsätze aufstellst, Franz! Sie berühren mich wie einen Vorwurf, als träfe mich die Verantwortung für dieselben."

„Dich Mutter! die Du immer mehr als Deine Pflicht gethau! . . . Und was ist Dein Lohn? Wie behandelt er Dich?"

„Süll! DaS liegt zwffchen ihm und mir. Richten geziemt am wenigsten dem Sohne dem

Schwierigkeiten nur darum erwüchsen, weil man es verabsäumte, in geeigneter Weise den Bauern auss neue die Versicherung der Wahrheit zu geben, daß das Centrum felsenfest entschloffen ist, ihnen zu der Erfüllung der Forderungen zu verhelfen, die von allen Seiten und von einer geradezu er­drückenden Mehrheit im Reichstage als berech­tigt anerkannt find. Der „Bund der Land­wirthe" zum Beispiel ist mit seiner rücksichts­losen Energie ein Konkurrent, der nichts weniger als ungefährlich ist. In Bayern und ander­wärts könnte dies eines schönen Tages zu spät erkannt werden!

Deutsche* Keich«

Berlin, den 28. März.

X Das Alexander • Aeginrent ist heute Vormittag unter Führung des Kaisers in die neue Kaserns eingezogen. Im Lustgarten, wo das Regiment Ausstellung genommen hatte, gesellte sich der Kaiser zu ihm. Der Monarch trug den Feld- marschallsstab in der Hand und ritt an der Spitze des Regimentes mit demselben zur neuen Kaserne. Dort stellte sich das Regiment in einem offenen Viereck auf. Der Kaiser ritt in das Viereck und hielt eine längere Ansprache an die Truppen, die nach dem ,Lokal-Anz.' wie folgt lautet:

„Alixander-Gr nabiere! Mit dem heutigen Tage beginnt in der Geschichte deS Regiments ein neuer Ab­schnitt. Ihr habt soeben das alte HauS, an welche« Euch so viele Erinnerungen knüpfen, für immer ver­lassen und seid unter meiner Führung in daS neue Heim einzezogen, in welches das Regiment die zahl­reichen Erinnerungen an die schönen Tage des Friedens, die heißen Tage des Kampfes mitbringt Wie eine feste Burg ragt dieses neue schöne RegimentshauSin nächster Nähe meines Schlosses. Ihr seid da­rum gewissermaßen die Leibwache des preußischen Königs und müßt bereit sein. Tag und Nacht Euer Leben in die Schanze zu schlagen, Euer Blut zu verspritzen für Euren König! Ich bin der festen Ueberzeugung und dessen gewiß, daß Ihr, der Tradition und der Geschichte deS Regiments entsprechend. Eure Pflicht allezeit treu erfüllen werdet, wenn je­mals wieder schwereZetten kommen sollten, wie diejenigen, welche dieses Regiment durchgemacht hat. Wenn es aber der Stadt einfallen sollte, sich jemals wieder gegen ihren Herrscher zu erheben, daun wird das Regiment mit dem Bajonett die Ungehörigkeit des Bolkes gegen seinen König zurück­weisen. Ich wünsche, daß dem Regiment im neuen Hause ein glänzendes schönes Dasein be- f(hieben, eine ruhmreiche Zukunft vorbehalten sein wöge! ES möge sich seiner ruhmreichen ChefS und vor allem der hehren Gestalt deS hochseligen Kaisers Wilhelm des Großen erinnern, für welchen eS dereinst auf den Schlachtfeldern sein Blut vergossen hat. Tapferkeit, Treue und unbedingter Geho sam mögen die Tugenden sein, welche dieses Regiment auSzeichnen, dann werden feine Leistungen meine Zufriedenheit, feines Königs und Herrn finden!"

Nach einem Bericht deS ,Börsen-Cour/ heißt es in der Rede deS Kaisers: „Die bürg- und sestuugSartig gebaute Kaserne stehe inmitten der ©‘abt auch zu ihrem Schutze. Wenn es aber der Stadt einfallen sollte. . ." Nach der .Kreuzzig.' redete der Kaiser die Truppen an: „Alexandriner".^

ff Aögeordneter v. Iagow, ein Mitglied der konservativen Partei und ehedem als Kanal­gegner gemaßregeltundvonseinemehemaltgenPosten als Regierungs-Präsident in Posen entfernt, ist zum Regierungspräsidenten in Marien-

Vater gegenüber. Er und ich haben beide unsere Fehler; vielleicht wäre ihm eine andere Frau mehr geworden . . . ."

Sie hielt inne, eine feine Röthe stieg in ihre welken Wangen. Sie gedachte jener fernen Zeit, wo sie im Schmerze über eine erlittene Ent­täuschung sich hatte überreden laffen, dem unge­liebten Manne zu folgen.

„Was erreichst Du mit Deiner Selbstver­leugnung und Deiner Geduld?" bestand der Sohn hartnäckig.

„Vielleicht noch einmal daS Höchste, waS eS gibt: die Rettung feiner Seele .... Doch um ihn handelt sichS jetzt nicht, um Dich. Und Du felber flößest mir gewichtige Bedenken gegen diese Heirath ein."

„Ich?" fragte er verwundert und etwas verletzt.

„Ja Du. Mit Deinem unbeugsamen Charakter, Deiner Anlage zur Eifersucht, bist Du auch der richtige Mann für Anna?"

Er zuckte zusammen. Die Anklage gegen ihn gerichtet, galt aber Wohl vornehmlich Anna: „Mutter, sie ist keine Stephanie."

„AlS ob ich daS nicht wüßte! Aber, Du sagtest vorhin, Buschmann bestimme fie zur Konzert- Sängerin. Wie, wenn er fie Dir verweigerte, bevor er fie einige Zeit hat auftreten laffen?"

„DaS darf er nicht!" fuhr Franz auf.

„Gewiß darf er das. Bringe keinen Zwie­spalt in das Leben des KindeS, Franz, opfere ste nicht Deiner Leidenschaft; setze ste nicht in die Lage, wählen zu müssen zwischen ihrem Vater und Dir."

wer der ernannt worden. Diese Ernennung wird von den hakatistffch gesinnten und in manchen Stücken offiziös bedienten ,Berl. Reuest. Nachr/ als ein Kennzeichen dafür gebeutet, baß die Re­gierung damit auf dem Gebiete der Polenfrage eine grundsätzliche Entscheidung treffe: Entschiedenes Vorgehen gegen daS Polenthum auch in dem genannten westpreußischen RrgierungS- Bezirke, Stärkung bes nationalen DeutschthumS gegen die Polen. — Sollten die Hakaristsn nicht etwa gar zu viel in ihrem Sinne von Herrn von Jagow erwarten?

+ Zfleichsflauzker chraf ASkow ist am heutigen Donnerstag im preußifchenHerren- hause erschienen, um auch dort als neuer preu­ßischer Ministerprästbent seinen Antrittsbesuch zu machen. Bei dieser Gelegenheit hat er, gleich dem Staatssekretär Freiherr» v. Thielmann im Reichstage, eine Erklärung abgegeben, daß er „nicht in der Lage sei, einen Termin anzu­geben, wann ber neue Zolltarif an den Reichs­tag gelangen wird". Dagegen hat er von neuem versichert, daß die preußische Staats­regierung an dem „von ihm entwickelten Grundsatz; festhalten werde, eine angemessene Erhöhung der Getreidezölle zu betreiben", ferner, daß er es „für die Aufgabe und Pflicht der Regierung hält, mit allem Nachdrucke die Interessen der Landwirthschaft zu vertreten". Nun, wir werden ja sehen!

x cheheimerath Ar. v. Aöruer, Direktor ber hanbelrpolitischen Äbiheilung des Reichsamte« des Auswärtigen, wird demnächst aus feinem Amte ausscheiden, wie eine Zeitungsmeldung ankündigi. Geheimerath v. Körner ist ein aus­gesprochener Vertreter eines kräftigen Zollschutze« für die heimische Produktion. Sollte das vielleicht bedeuten, daß der allerneueste Kurs wieder einmal ein wenig nach dem fteihändlerifchen Fahrwasser gerichtet fein sollte? Man sollte nach allen vor« aufgegangenen Ankündigungen und Versprechungen das kaum für möglich halten; und dennoch weiß man keine andere Deutung zu finden. Würden das bann aber die Thaten sein, die da« Ver­sprechen des Reichskanzlers Grafen Bülow er­füllen, endlich wieder Ordnung, Geschlossenhett und Stetigkeit in unsere innere Politik hineinzubringen?

X Kerichttguuzoder Meschwichkigung? In einer halbamtlichen Darlegung der »Nord­deutschen Allgemeinen Zeitung' wird eS als „blinder Lärm" bezeichnet, der von einigen Z-i- tungen angeschlagen werde mit ber Behauptung, es seien Ministerwechsel und schwere innere Krisen wahrscheinlich; maßgebende Kreise gingen für den Fall der Ablehnung deS Mittellandkanals im preußischen Abgeordnetenhause mit dem Ge­danken einer Neugestaltung und Vertagung deS Zoütarifentmurfes um; die an ber Vorbereitung deS Zolltarifs beledigten Ressorts seien unter sich nicht einig und betrieben zum Theil Vor­schläge, die mit den Erklärungen des Reichs­kanzler« nicht vereinbar seien. DaS also soll blinder Lärm sein. „Die Voraussetzungen, von denen solche Betrachtungen ausgehen, sind falsch — sagt der OsfiziosuS, um bann fortzufahren wie folgt: „Der Reichskanzler denkt weder daran, oie Erledigung der für wirthschaftliche Entwickelung deS Reiches hochwichtigen Zollfrage von dem Ausgange der Brrathungen des pceu-

„Es ist zu spät, Mutter, fie hat schon ge­wählt."

Sie seufzte: „Und dann, wie ist« mit Euerer finanziellen Lage?"

„Da sorge Dich nicht. Nur in einem zähle ich auf Deine Hilfe; etwa die Kaution oder einen Theil derselben zu hinterlegen."

„Seiber zählst Du vielleicht »ergeben«. Mein kleines Vermögen ist zwar auf mich sicher ge- stellt. Ohne Einwilligung Deines Vaters darf ich aber daran nicht rühren."

Franz biß die Zähne aufeinander; immer und immer wieder griff der Vater beunruhigend, zer­störend in fein Leben ein.

„Da muß ich mein: Hoffnung auf bett Hofrath fetzen. An ben Vater wende ich mich nicht."

„Zu Deinem Vater mußt Du gehen!" Kurz und scharf klangen die Worte, mit einer Energie gesprochen, wie die MMter fie nur selten zeigte, die aber dann als unbeugsam sich erwies. „Er­wartest Du, daß ich Anna als Tochter aufnehme, muß ber Versuch einer Versöhnung mit betn Vater vorangegangen sein."

„Damit er glaubt, ich komme als Bettler!

„Das thust Du auch: al« Bettler um seine Verzeihung. Gewährt er sie nicht, bleibt Dir da» Bewußtsein, Deine Pflicht gethau zu haben. ES sei dies das erste Opfer, das Du Anna bringst, und Gotte« Segen wird darauf liegen, denn e« ist die Aufopferung einer schlimmen Eigenschaft.. . Deiner Unversöhnlichkeit. Thue e», Franz."

Er war rel'giö« erzogen und gläubig gesinnt. Dennoch hatte die Wärme seine« Glauben« nicht sein ganze« Wesen dmchbnmgen, wie bei der