W FuldaerMZeitung
giftrattt $Xt einspaltig« Betit» »eile oder bete« Raum1SPsa.,Re» Hamen die Petit« zeile 26 Pfg.; bei Wiederholunge» wird entsprechend. Rabatt gewLhrt.
p«*i<nn"t* mm“* mit Zlnlerhattungs -Beilage „Zlluflrirte Sonntags-Zeitung" — Pdmeeg« fl*. < o<m8«dt).
JK69.
Jutöcr, Samstag, den 23. März 1901.
28. Jahrgang.
Wegen des Meiertags Mariä Ber- kündigung wird die nächste Nummer unseres Blattes erst am Dienstag ausgegeben.
«r Deutschland ein Industriestaat?
Das unglückselige Wort: Deutschland schreite unaufhaltsam weiter auf dem Wege zum Jndu- striestaate, dagegen sei überhaupt kein Kraut gewachsen, hat unsägliche Verwirrung in den deutschen Köpfen angerichtet und richtet sie noch fortwährend an. Man sagt, das Deutsche Reich könne gar nicht mehr bestehen ohne die Einfuhr von Getreide von außen her; das Deutsche Reich werde in Folge seiner unaufhaltsamen Entwickelung zum Jndustriestaate von einem Jahre zum andern immer stärkere Grtcetde-E'nsuhr aus dem Auslande her brauchen; der Landwirthschast könne durch höhere Getretdezölle doch nicht dauernd g'iolfen werden, und somit hieße es nur das od vertheuern, ohne den Landwirthen zu helfen, wenn man höhere Getreidezölle einführe.
Alle diese Sätze sind falsch, falsch in ihren Voraussetzungen, falsch in ihren Folgerungen.
Wenn man die Sache richtig ansaßt, dann kann das Reich ganz gewiß bestehen ohne die Einfuhr fremden Brodgetreides. Der Getreidebau bä uns in Deutschland kann sich doch eben nicht genügend entwickeln unter dem Drucke der uiedrigen Getreidepreise, der auf ihm lastet. Man nehme diesen Druck fort, und die aussteigende Entwickelung wird sofort da sein. Dann wird die einh.imtsche Landwirthschast aus eigenen Kräften das Reich noch auf sehr lange Zeit hinaus mit Brodgetreide versorgen können, auch bei erheblich stärkerer Einwohnerzahl.
Dabei ist noch eine andere Thatsache zu berücksichtigen: Jetzt wird, ebenfalls in Folge der ungesund niedrigen Getreidepreise, ein großerTheil des von der Landwirth- ichaft erzeugten Getreides an das Vieh verfüttert.
Untersuchungen, die man darüber anstellte, haben das klar bewiesen, Es handelt sich dabei also nicht um eine Annahme, die in der Lust schwebt. Der deutsche LandwirthschaftSrath hat Erhebungen darüber angestillt, und diese Erhebungen haben ^ergeben, daß der Großgrundbesitz eewa ein Zehntel seiner Roggenernre an daS Vieh verfüttert, die bäuerlichen Betriebe ober ganz erheblich stärkere Bruchtheile ihrer Roggenernte in dieser Weise verwenden. Im Allgemeinen ist herausgerechnet worden, daß die Gesammtmenge der verfütterten Brodgetreides bei uns in Deutschland im Jahresdurchschnitt der letzten fünf Jahre beinahe ein Drittel der ganzen Roggenernte oder etwa S1/» Millionen Tonnen beträgt. Außerdem hat man gefunden, daß die Menge des verfütterten Brodgetreides fortgesetzt wächst: Sie beträgt, nur für die Jahre 1898 und 1899 berechnet, im Jahresdurchschnitte bereits mehr als 21/» Mill. Tonnen, und dieser Ziffer steht während desselben Zeitraumes eine jährliche Gesammteinfuhr
Won Stufe zu Stufe.
Roman auS dem Wiener Leben.
Bon L. v. N e i d e g g.
25 ------ (Nachdruck verboten.)
Unter all' den Gestalten, so hübsch sie auch theilweise waren, zog keine Franzens Aufmerksamkeit an. Mit etnemmale stutzte er aber — ja, sie war's, diejenige, die seit gestern — sollt-? es wirklich erst gestern gewesen fein? — fein Denken erfüllte: Anna, begleitet von zwei kleinen Mädchen, jedenfalls ihren Schwesterchen, blaffen, gezierten Stadtpflanzen. Sie ging nach der Richtung der Karolinenbrücke, augenscheinlich dem Kinderpark zu. Selbst unter den vielen hübschen Mädchen fiel sie auf; man blickte nach ihr und man beobachtete sie beifällig.
Mrt eifersüchtiger Regung bemerkte Franz, wie Carneri sich von einer Gruppe loslöste und auf sie zuging, sie anzureden. Die Worte, die sie erwiderte, konnte Franz nicht hören, sie mußten aber eine Abfertigung enthalten haben, denn wie begoffrn wandte der Direktor sich ab. Franz frohlockte. Ja das war noch ehrbare Mafinger Art, von welcher Stephanies Einfluß abgeglitten. Von fern folgte er der schlanken Gestalt, sich an der Anmuth ihrer Bewegungen erfreuend; sehnlich wünschte er ein günstiges Ungefähr, das Erscheinen eines guten Geistes herber, der ihm Gelegenheit schaffe, sich Anna zu nähern.
von Brodgetreide im Betrage von nur 2 Mill. Tonnen gegenüber. Thatsächlich erzeugt also das Reich fortgesetzt so viel Brodgetreide, um seinen Jnland- bedarf daran vollkommen zu decken.
Denn das Vieh kann doch auch auf andere Weise gut und zweckentsprechend ernährt werden. Es braucht nicht durchaus Brodgetreide zu freffen, um der Landwirthschast die Dienste zu leisten, welche man von ihm verlangt. Und der Land- wirth wird in demselben Augenblicke damit aufhören, fein Getreide an das Vieh zu verfüttern, in dem er gewahr wird, daß er beffere Preise für sein Getreide bezahlt bekommt als bisher. Diese befferen Preise sollen aber durch die Erhöhung der Getreidezölle erzielt werden. Der Landwirth- schäft wird also durch diese Zollerhöhung Hilfe gebracht, und gleichzeitig wird durch dieselbe Zollerhöhung das deutsche Reich in seinem Getreideoerbrauche vollkommen auf eigene Füße gestellt, von dem Auslande völlig unabhängig gemacht. Und die Erreichung dieses Zieles hat doch sicherlich auch eine sehr hohe wirthschaftliche und nationale Bedeutung im Allgemeinen.
Man unterschätze doch ja nicht die gegenwärtige Bedeutung der deutschen Landwirthschast: eS ist durchaus falsche Darstellung, wenn hier und da behauptet wird, die Landwirthschast sei in Deutschland in ihrer Bedeutung schon vollkommen hinter der Industrie zurückgeblieben! Das, was die Landwirthschast in Deutschland erzeugt, stehl in seinem Werthe auf fast gleicher Stufe mit den Erzeugnissen der Industrie. Die deutsche Landwirthschast bietet an erzeugten Wrrthen im Ganzen jährlich mehr als 7400 Millionen Mark an; bei der Industrie beträgt derselbe Werth kaum mehr als 8000 Millionen. Der Unterschied ist unbedeutend; und er sinkt in seiner Bedeutung noch mehr herab, wenn man die Thatsache in Erwägung zieht, daß ja die Industrie zu einem Theile auf die Rohstoffe angewiesen ist, die aus der Landwirthschast heroorgehen, also auch in diesem Sinne zu einem Theile unmittelbar von der Landwirthschast ab- hängt.
Es ist also vollkommen unbegreiflich, wie behauptet und geglaubt werden kann, Deutschlands Entwickelung zum reinen Jndustriestaate sei besiegelte und unabänderliche Thatsache. Die Wahrheit beruht auf dem Gegentheil; Deutschlands ganzes Wohl und Wehe hängt zum großen Theile von der Lage und der Entwickelung seiner Land- wirthschaft ab und deswegen darf diese im allgemeinen Jntereffe deS ganzen deutschen Volkes nimmermehr vernachlässigt und der Gefahr des völligen Unterganges auSgesetzt werden. Der Staat muß ihr die helfende Hand reichen in diesem Augenblicke, weil die Selbsthilfe allein versagt. Und wenn sie den schlimmen Berg überwunden haben wird, dann wird sie von selbst eine neue und glänzende und für das ganze Volk wohlthätige und erfreuliche Entwickelung beginnen.
Deutsches Keich«
Berlin, den 22. März.
+ Di« Wräfidieu des Arichstages «rrd des preußische« Av-eord«et-«havses sind
Der gute Geist erschien. Zwar trug er nut die eck'gm, in den langen Jahren noch schärfer hervorgetretenen Züge der Fran Gruber. Franz erschien sie in diesem Augenblicke j doch wunderschön! Die alte Frau begrüßte das Mädchen mit großer Herzlichkeit, sie schloß sich ihr an, zog si-, im Kinderpark angekommen, zu sich auf eine Bank und knüpfte eine lebhafte Unter- hallung mit ihr an, während die kleinen Mädchen mit anderen Kindern um sie herumspielten. Franz wagte, eS die gestrenge, Frau Gruber zu begrüßen und — siehe da — sie zeigte sich keineswegs gefeit gegen den Zauber von zweierlei Tuch. Daß der Herr Hauptmann sich ihrer erinnerte, schmeichelte ihr und sie verhehlte ihre Freude nicht.
„Da ist auch die Anna, Anna Buschmann," sagte sie, auf daS junge Mädchen deutend. „Erinnern Sie sich ihrer?"
„Ich habe gestern Abend die Ehre gehabt, ihr zu begegnen, und hadeiihrem Triumphe mttangewohnt.
Die Tante machte ein Gesicht, als verkünde er, daß er Annas Hinrichtung mit angesehen. „Ach ja, die unglückselige Gesangsproduktion!" seufzte sie.
Anna warf schmollend die Lippen auf: „O, liebe Tante, machen Sie meinen Gesang nicht schlecht ... Es war so hübsch zu fingen . . . so viel Beifall zu finden!"
„Da haben wir's," klagte Frau Gruber. „Da rührt sich schon die Eitelkeit. Nächstens will man auf die Bretter, nachher ist daS Unglück fertig."
am heutigen Freitag vom Kaiser empfangen worden. Beim Empfange des Reichstags- Präsidiums bat Präsident Gras von Ballestrem eine warm empfundene Ansprache an den Kaiser gerichtet, in der er der Freude 5 es Reichstages darüber Ausdruck gab, daß der Kaiser einer so schweren Gefahr entronnen sei. Der Kaiser bat darauf den Grafen Ballestrem, dem Reichstage seinen herzlichen Dank zu Übermitteln für die Kundgebungen feiner Theilnahme. Der Kaiser, der sehr wohl auSsah und nur noch einen leichten Verbandstreifen unterhalb des rechten Auges trägt, unterhielt sich mit jedem der H-rren in freundlichster Weise. Herrn Lbg. von Kröcher, dem Präsidenten des Abgeordnetenhauses gegenüber beklagte der Kaiser mit sichtlicher Bewegung die Zächen der Zeit und die Entsittlichung der Jugend. Alle Stände ohne Unterschied — soll der Kaiser gesagt haben — trügen die Sch.il) an den Zuständen; die Maßnahmen der Staatsregierung würden zu scharf kcitisirt und die Autorität der Krone habe seit dem Tode Wilhelms des Ersten stark gelitten.
X preußische Karrat-Dorkage «ud die Parteien. Die letzten Vorgänge in der Kanal- Kommission des preußlschrn Abgeordnetenhauses meroen in den Organen der verschiedenen Parteien verschieden ausgelegt; aber alle stimmen in dem einen Punkte überein, daß die Aussichten der Kanal-Vorlage durch die Verhandlungen in der Kommission nicht besser geworden sind. „In der letzten Sitzung der Kanal-Kommission (gemeint ist die Sitzung vom Mittwoch Abend! D. Red.) geschah — so läßt sich die ,Nationallib. Korrespondenz' vernehmen — das Unerwartete, daß der Abg. Graf Limburg-Stirum sich Namens vieler seiner konservativen Freunde bereit erklärte, unter Vorbehalt der zu fällenden Entscheidung über den Mittelland-Kanal für eine Verbindung des Dortmund-Ems-Kanals mit dem Rheine zu stimmen. Dafür nahm er die vom Centrum befürwortete Kanalisirung der Lippe in Aussicht, unter Verwerfung der . . . Emscher-Linie . . Das Organ der konseroa- ttven Partei, die Konservative Korrespondenz', hebt außerdem gerade diese zuletzt genannte Absicht, für die Lippe-Linie zu stimmen, als „Erklärungen von erheblicher Bedeutung" hervor, in dem Sinne einer kanalfreundlichen Schwenkung, „trotz der grundsätzlichen, bis jetzt noch unverminderten Bedenken gegen die Kanal-Vorlage". Das konservative Partei-Organ meint: „Wenn nun einmal ein Entgegenkommen bewiesen werden soll, verdient der Ausbau der Lippe-Linie vor der Emscher- Linie den Vorzug. — Da die Kanal-Vorlage dem Osten Preußens bedeutende Konzessionen zu thell werden läßt, haben die Konservativen für erforderlich erachtet, auch für den Westen her Monarchie in entsprechender Weise zu sorgen . . . Läßt es sich doch nicht leugnen, daß die Kon- servativm mit ihrem Entgegenkommen von ihrem ursprünglichen Standpunkte zur Kanal-Vorlagr erheblich abgewichen sind usw. usw." Die Regierung will ja nun aber die Lippe-Linie nicht. Herr v. Miquel hat am Mittwoch erklärt: keine Kanal-Vorlage ohne die Emscher. Uah die Ka nalverbindung von Dortmund nach dem Rheine konnte die Regierung schon bei der früheren
„DaS wäre noch lange kein Unglück!" lachte Anna schelmisch.
„Sagt' ichs nicht," jammerte die Tante. „Ich hab's ja so kommen sehen."
Aber auch Franz faßte Annas Worte durchaus nicht scherzhaft auf. Mit ernster Miene fragte er: „Der Beifall eines engen Kreises genügt Ihnen demnach nicht mehr, Fräulein? Es muß wohl ein ganzes Haus fein, das ihnen Applaus spendet?"
„Nein, nein, so war's nicht gemeint,“ widersprach Anna. „Sängerinnen haben mir gesagt und gestern habe ich's erprobt, daß man und hätte man Hunderte vor sich, doch nur für ein paar Menschen fragt, an deren Urtheil einem besonders gelegen ist."
„So?" sagte Franz mit leiser Anwandlung von Eifersucht. „Wer sind die Glücklichen, für welche Sie fangen?"
„Papa und der gestrenge Herr Meyersfeld."
„Papa und Herr MeyerSfeld," wiederholte er augenscheinlich erfreut, so daß sie erstaunt ausfah.
Ihre Augen begegneten den feinen und netto Irrt senkte sie die Wimpern.
Wäre es möglich, fragte er sich beseligt, daß er ihr mehr galt als ein beliebig Anderer, daß eine Zeit kommen könnte, wo fie nur für ihn fang? Von Kopf zn Fuß glaubte er es wie einen elektrischen Schlag zu empfinden, als er sich diese Möglichkeit vorstellte.
„Nehmen wir aber an, Ihr Vater mißbilligte die öffentlichen Vorträge und untersagte Ihnen dieselben, was würben Sie da chnu?"
Verhandlung bekommen. Also die Aussichten find thatsächlich um nichts besser geworden. Höchstens könnte man jetzt sagen, daß alles äußerst höflich von statten geht im Gegensätze zu früher.
0 Am heutigen Freitag hat die Ftanak-Aammis- fto« deS preußischen Abgeordnetenhauses zwei Sitzungen abgehalten. Namentlich die NachmittagS-Sitzung gestaltete stch interessant, weil in dieser die Pläne der Kanalisirung der Mosel und Saar und der Lahn erörtert wurden. Diese Sitzung begann damit, daß der Centrumsabg. Roer en den von ihm und dem Abg. Dr. am Zehnhoff eingebrachten Antrag begründete, in die Vorlage der Kamüifirung von Mosel und Saar aufzunehmen, für die Kanalisirung der Mosel von der lothringischen Grenze bis Koblenz 50 Millionen, und für die Kanalisirung der Saar von Ensdorf biS zur Mündung 10 Millionen Mark bereit zu stellen. ES handelt sich dabei, wie Abg. Roeren hervorhob, um einen der ältesten Pläne, gleichzeitig um einen Plan, der für Landw rthschaft und Industrie in gleich hohem Maße nützlich sei. Die Betherligten haben schon mehrfach Anträge gestellt; aber die Regierung hak diese Anträge bisher noch niemals berücksichtigt. Auch die ErtragS- fähigkeit ist als gesichert anzusehen, was schon daran- hervorgeht, daß die Betheiligien den Plan schon aus eigene Kosten auSführen wollten, wenn nur die Regierung nicht eine Erniedrigung der Frachttarife eintreten ließe. Aber darauf bat sich die Regierung nicht eingelaff n. Minister vonThielen,der einzig anwesende Minister, antwortete, die Ausführung dieser Pläne würde erheblich theuer kommen, zusammen etwa 90 Millionen. Sie seien acht Jahre alt und sehr der Durchsicht bedürftig. Der Minister meint, er sei kein Gegner der Kanalisirung der Mosel; aber diese bedürfe noch sehr eingehender- Vorarbeiten, so daß sie nicht in dieseSGesetz auf genommen werden könne. Nach einer länger» Debatte ergriff Abg. Roeren nochmals das Wort, um zu erklären, daß dir Abstimmung über seine» Antrag nicht ohne Einfluß sein werde auf das Schicksal der ganzen Vorlage. Die Abstimmung wurde aber ausgesetzt bis nach der Abstimmung über den Mittelland-Kanal. Nachher begründete der CentrumSabg. CahenSly den Antrag über die Kanalisirung der Lahn, worauf Minister von Thielen antwortete, die Kanalisirung der Lahn könne nur in Verbindung mit der Moselkanalisation in Betracht kommen. Jetzt sei die Lahn theilweise kanalifirt; aber der Verkehr sei erheblich zurückgegangen. Man könne nur auf Frachten die Lahn abwärts rechnen, nicht aber auf eine Rentabilität eines solche» Unternehmens Ueber diesen Antrag soll an diesem EamS- tag weiter berathen werden Die Abgg. Schmieding (uatl.) und Gras Kanitz (kons.) erklärten, daßfie ihm sympathisch gegenüber stehe», den Plan aber für noch nicht genügend geklärt ansehen.
ft Die neue Aeichsarrkeihe soll einen Betrag von 300 Millionen haben, einen Zinsfuß von 3 v. H. Der Ausgabekurs ist auf 871/» pCt. festgesetzt. Die Ankündigung der Begebung wird in der kommenden Woche, die Zeichnung noch vor Ostern erfolgen. Die Einzahlungstermine werden sich bis tief in den Sommer hinein vertheilen.
ft Wit dem Ikotteuvereiu will es nicht vorwärts gehen. In diesen Tagen ist, wie bekannt, der Kanzler des Flottenvereins, Freiherr von Beaulien Marconnay von feinem Posten zurückgetreten, und nach mehrfach Übereinstimmer« den ZeitungSmeldungen war man in einer ganze» Reihe von Abtheilungen sehr unzufrieden über die Geschäftsführung der Berliner Hauptstelle. Und dabei hört man von allen Seiten fast unglaubliche Dinge erzählen über allerhand Machenschaften, die ausgeübt wurden, um dem Verein neue Mitglieder zuzutreiben. Auf die Beamten ist fortgesetzt ein Druck zum Beitritt ausgeübt worden, der geradezu unerhört ist, tbeilroeife unter unmittelbarer Bezugnahme darauf, daß der Minister sicherlich eS sehr ungern fehen werde, wenn der Herr Soundso nicht dem Vereine beitrete usw.
„Wollte der Vater mir überhaupt daS Singen verbieten, würde ich offen rebelliren," lachte sie. „Im Uebrigen würde ich mich fügen. Mein Hauptwunfch bleibt ja, ihn zufrieden zn stellen."
Die alte Tante streichelte des Mädchens Hand. „Ja, Annerl denkt immer zuerst an Andere, dann an sich," lobte sie. „Und eitel ist sie bis jetzt noch nicht, das muß man zugeben. Aber ob's so bleiben wird! Hat der Teufel erst einen Finger, nimmt er gleich die ganze Hand." , „
„Aber Tante." vertheidigte sich Anna halb ärgerlich. „Sie thun ja, als wolle ich mich dem Gottseibeiuns verschreiben. In Gesellschaften fingen ist noch lange kein Theaterfpiel."
„Aber vielleicht die Einleitung dazu, und daß ich es für ein Unglück hielt, gingest Du zu« Theater, da« weißt Du," versicherte die Taute mit kläglichem Gesichtsausdruck.
„Ein Unglück? Warum nicht gar, Xante! Brav kann man dort bleiben, so gut wie anderswo und lustig muß eS auch sein, sonst würden vornehme Leute nicht zu ihrem Spaß Theater spielen." •
Die Tante rümpfte die Nase: „DaS find mir die Rechten."
„Ich würde eS meinet Frau nie gestatten," ließ sich Franz mit solcher Entschiedenheit vernehmen, daß beide Frauen aufschauten.
„Da stehst Du's," triumphirte die Tante. . „Der Herr Hauptmann denkt akkurat wie ich, ich seh'S ihm an. Er sagt gewiß auch, daß er