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eMtUH?t» nM. mit Ilntervattungs-Beilage „IssuSrirte Somttags-Zeittmg? w-^n.Trxxsr*
M 68.
Jutöa, Freitag, den 22. März 1901.
28. Jahrgang.
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A Der Reichstag
hat seine jüngste Wirtertagung an demselben Tage beendet, an dem er 30 Jahre alt geworden ist. Denn zum aLerersten Male wurde der Reichstag deS neuen Deutschen Reiches am 21. März 187 von Kaiser Wilhelm dem Ersten in dem Prunk« saale des König!. Schlosses zu Berlin eröffnet.
Nicht nur die Männer, aus denen der Reichstag zusammengesetzt ist, sind andere geworden: nur noch wenige Abgeordnete, die damals schon Mitglieder des Reichstage- waren, gehören ihm heute noch an. Es find dies die Abgeordneten OrafHompesch und Dr. Lieber vom Centrum, Eugen Richter und August Bebel. Aur> sonst ist Alles anders geworden. Das bescheidene Heim, in dem der Reichstag früher tagte, hat einem prunkvollen Bau Platz gemacht; im allerersten Anfänge mußte der Reichstag sogar Gastrollen geben in dem Sitzungssaals des preußischen Abgeordnetenhauses! Aber nicht nur das Gewand ist anders geworden. Auch daS Gesicht deS deutschen Parlamentes hat sich sehr verändert, und doch ist es verhältnißmäßig noch so jung! Damals, als der alte Kaiser den Reichstag zum ersten Male eröffnete, gehörte ihm ein Sozialdemokrat an, eben der bereits genannte Herr August Bebel; heute zählt die sozialdemokratische ReichstagS-Fraklion 57 Mitglieder. Aber 125 Nationaüiberale waren in jenem ersten Reichstage vertreten, 46 Fortschrittler, 30 Angehörige der nur damals vorhandenen „Liberalen Reichspartei" und zwei Mitglieder der süddeutschen Volkspartä, und alle die Sitze, die diese liberalen Parteien nach und nach verloren haben, find der Sozialdemokratie lange nicht zugefallen. So wahr und so erwiesen eS ist, daß der Liberalismus btr Vater der Sozialdemokratie ist, nach Bismarck' ichem geflügeltem Worte die „Vorfrucht der Sozialdemokratie", und der Agitation der Sozialdemokratie vielfach vorgearbeitet hat, da- ganze hinter- laffene Erbe der Liberalen konnten die Sozialdemokraten nicht antretrn. Die Konservativen haben an Zahl der Abgeordnete» zugenommen, und vor allen Dingen hat das Centrum ein Wachsthum zu verzeichnen von 63 Mitgliedern damals bis auf 102 Mitglieder und 4 Hospitanten jetzt. Der katholischen Partei, die zerrieben werden sollte zu Staub und in alle Winde verstreut, ist unter dem Drucke der unaufhörlich gegen sie geführten Kämpfe erstarkt zu der mäch- tigsten Gruppe im Reichstage; und wenn damals bei der Eröffnung des allerersten Reichstages jemand gesagt hätte, nach dreißig Jahren werde ein CrntrumSmann auf dem Präsidenten- stuhle der deutschen Volksvertretung sitzen, und alle anderen Parteien würden ihm Beifall und Dank zollen für die ganz hervorragende Führung der Geschäfte des Präsidiums, so würde man ihn sür nicht vollkommen fähig seiner geistigen Kräfte Ungeschützt haben.
Auf daS, was sonst an Wandlungen im Reichstage vor sich gegangen ist, blickt Mancher mit einem gewissen Bedauern. Die „große Zeit," wie viele sich auSdrücken, ist vorüber. Die Be- rathungen des Reichstages üben nicht mehr die Anziehungtkrafl auf daS Volk aus, wie damals; große Männer sind geganzen und noch nicht in
Won Stufe zu Stufe.
Roman aus dem Wiener Leben.
Bon L. v. gieibeg g.
24 ------ (Nachdruck verboten.)
Gruber hob die Weinende auf, half ihr in eine Ecke feinet Kanapees und streichelte ihr die Wangen wie einem Kinde.
„Hören'S auf mit Weinen, Etefferl;" bat er sie. „Die hübschen Aeugerln sind zu gut dazu. Sie sollen daS Geld haben. Ich bin ein alter, ein recht alter Mann, der daran denken muß, seine Siebensachen zu ordnen. Vermacht hätte ich Euch doch etwa-, weshalb mir also die Freude nllht gönnen, eS Euch bei Lebzeiten zu geben."
„O Onkel Nazi! Sie find die Großmuth selbst!" schluchzte fie, und diesmal war ihre Rührung keine gemachte.
„Ja, ich hab Such recht gern, Sie und den Eduard. Er war immer gut für mich, hat den allen Krämer nie verleugnet, schämt sich auch als Herr Hofrath meiner nicht. Manchen Spaß hat er mir verschafft, daS dank' ich ihm von Herzen. Also kommen's her, Stephanie, gleich sollen'- das Geld haben .... Gut, daß meine Alte nicht zu Haus ist."
Stephanie dmchfuhr ein Schauder. Wie, wenn die THÜre jetzt aufginge und Tante Pepi dräuend unter derselben erschiene!
„So viel Geld heb' ich nicht im Schreibtisch auf", plauderte Gruber vergnügt weiter, indem er edlen SchDAelbund hervorzog. „Da steckt, es
ebenbürtiger Weise ersetzt worden, und in der neuesten Zeit ertönt tagtäglich auS den Spalten der Prrffe die Klage über den schwachen Besuch des Reichstages und die drohende Herabminderung seines Ansehens. Diese Aenderung beruht aber nicht allein auf der Größe der Zeit. Auch daS Neue übte ehedem seinen großen Reiz au: daS Volk au8 ; saßen doch Vertreter von Volks- stämmen friedlich und freundschaftlich bei einander, die erst wenige Jahre vorher mit der blutigen Gewalt der Waffen sich bekämpft hatten. Der Berliner starrte die Vertreter Altbayerns und Oberschwabens an wie Wunder aus einer andern Wett, von denen er bisher nimmermehr geglaub hätte, daß er fie jemals in seinen Mauern als berufene deutsche Volksvertreter ihr wichtiges und verantwortungsreiches Amt würde ausüben sehen. Und jetzt fühlen sich nicht nur Altbayern und Alemannen wohl in der norddeutschen Residenzstadt; auch Vertreter des Volkes von Elsaß- Lothringen gehen regelmäßig im Reichshause ein und aus und berathen mit bei der Gesetzgebung des deutschen Reiches!
Man kann sagen, daß daS, wie es jetzt geworden ist, größer ist als die Zeit von damals. Nur der Reiz der Neuheit ist geschwunden, und eS fehlen die sprunghaften Riesenschritte der Gesetzgebung jener Zeit, die aus dem Vollen schaffte und einen jungfräulichen Boden bearbeitete. Alles geht ruhiger und allmählicher DorroärtS; aber vorwärts geht eS doch. Um daS zu erkennen, braucht man nur einen Blick zu werfen auf das Gebiet der sozialen Fragen, das unter der Führung des Centrums so erfolgreich bearbeitet worden ist. Noch ebenso große Fragen harren auf ihre Lösung. So möge denn niemals der Geist deS wahren Fortschrittes, derGeist des Rechtes und der echten Freiheit erlahmen im deutschen Reichstage. Möge ihm beschieden sein, fortgesetzt rüstig an der großen Aufgabe weiter zu arbeiten, die dem Reichstage in der allerersten Thronrede gestellt wurde: In dem Wettkampfe um die Güter oes Friedens als Sieger sich zu erweisen. Das walte Gott!
Derrtfchrs Krkch.
Berlin, den 21. März.
* Vom Kaiser find die Bestimmungen wegen Ikekrtttirttn- de» Aeere» ergangen. Der späteste Entlaffungstag der Reservisten ist der 30. September 1901, die Einstellung zum Dienst mit der Waffe erfolgt nach näherer Anordnung des General-Kommandos, bei der Kavallerie, bei der reitenden Artillerie und bei dem Train möglichst bald nach dem 1. Oktober 1901, jedoch grundsätzlich erst nach dem Wiedereintreffen von den Hrrbstübungen in den Standorten. Für die Rekruten aller übrigen Truppen- heile setzt das Kriegsministerium den näheren Zeitpunkt der im Laufe des MonatS Oktober 1901 stattfindender! Einstellung fest. •— Während der diesjährigen Herbstübungen, der nächsten und derjenigen im Jahre 1903 sollen, wie der Kaiser bestimmt hat, weitere Versuche mit der Herabsetzung der Biwaksgebührnisse (Koch- und Wärmeholz, Lagerstroh) von den
)a." Er wies auf einen Werthheimer Schrank in der Ecke.
Stephanie blickte fast ehrfürchtig nach jenem Stück HauSrath: „Da drin ist also Ihr Geld?"
„Freilich. Gleich sollen Sie 's sehen, Stefferl. Sin hübscher Anblick, besonders wenn man sich agen kann, daß man es selbst erworben und redlich erworben hat; — redlich, daS sagt nicht ein Jeder."
Er schloß den Schrank auf und musterte mit naiver Freude beffen Inhalt.
«Da ist unser Silber. Wir sinb einfache leine Leute, essen für gewöhnlich nicht mit Silber- bestecken. Dort finb ein Paar Kannen .... wei Zuckerbosen .... Man kann nicht vor- ichtig genug fein; die Magd ist oft allein zu Zause, bar Zeug wäre bald gestohlen, der Kasten rügt Niemand fort. Hier find Armbänder und eine goldene Kette von meiner Alten . . . Schuldcheine .... dort der Pack find Werthpapiere."
Stephanie riß die Augen auf: „Das ist viel Geld."
„Das will ich meinen. Machen kann ich damit was ich will; ich habe keine nahen Erben; ein Mensch hat wirklichen Anspruch auf mich, außer meine Pepi."
O, daß ich doch einen hätte! dachte Stephanie.
„Darum geschieht auch Niemand ein Unrecht, wenn ich diese große Summe, die ich anlegen wollte, nehme und Ihnen jetzt gebe." Er zog >ie Banknoten aus einer alten verschliffenen Brieftasche und reichte fie Stephanie. „Sie sollen noch mehr erben."
„Onkel, lieber Onkel; reden Sie nicht von
mit Zeltausrüstung versehenen Truppen, ausschließlich der VerkehrStruvpen, gemacht werden. In den Berichten nach Beendigung der Herbst- Übungen wünscht der Kaiser zu erfahren, ob und in welchem Umfange der Gesundheitszustand der Truppen hierdurch gelitten hat.
h Akeichotag» Diäte«. Die Kommission des Reichstages, die den Centrumsantrag auf Gewährung von Anwesenheitsgeldern an die Mitglieder des Reichstages vorzuberathen hat, hielt heute (Donnerstag) noch eine Sitzung ab, gelangte indeffen noch nicht zu einem bestimmten Beschlüsse. Der nationalliberale Abg. Büsing beantragte, die Entschädigung nur zu gewähren, wenn der Abgeordnete in Berlin „zum Zwecke des Besuches der Sitzungen" sich befindet. Das würde dasselbe Verfahren sein, wie es im preußischen Abgeordnetenhause beobachtet wird. Der konservative Abg. v. Staudy bekannte sich als grundsätzlicher Gegner jeder Gewährung von Entschädigungen. Abg. Groeber vom Centrum stellte den Antrag, den Fall der Krankheit und der Arbeit im Jntereffe des Reichstages der Anwesenheit in den Sitzungen gleich zu stellen. Nach den Osterferien wird die Berothung fortgesetz werden.
+ Der Aröeiispka« des Ileichsiages für die Zeit nach den Osterferien ist ein sehr reichhaltiger, auch abgesehen von dem Zolltarif, von dem noch niemand weiß, wann er wild an den Reichstag gelangen können. Die Kommissionen haben beendigt ihre Berathungen über das Urheber- und Verlagsrecht, die Privat-Versichern rngSun ter nehm ungen, die Justizreform und die Gewerbe-Gerichte; mit diesen Dingen würde sich also der Reickstag zunächst zu beschäftigen haben. In den Kommissionen stecken noch dos Gesetz über die Schaumweinsteuer, die Novelle zum Weingesetze, dieSeemannSordnung, der Toleranz-Antrag des Centrums, bet Diäten-Antra, des Centrums. Dann gibt eS noch den Gesetzentwurf über die Besteuerung ber künstlichen Süßstoffe und eine Reihe weniger wichtiger Angelegenheiten. Die Menge deS noch vorhandenen Arbeitsstoffes ist also sehr groß, liebet den Zolltarif sprach heute (Donners, ra) in ber Plenarsitzung des Reichstages der Reichsschatzsekretär Freiherr v. Thielmann. Aber seine Erklärungen klangen viel zurückiattenber, als vor einigen Wochen. Damals sollte alles „balbigft" geschehen unb kommen. Heute, wo diese- „Baldigst" erst recht am Platze sein müßte, weiß auch der Herr Schatzsekretär nichts weiter zu thun, als mit den Ackseln zu zucken und zu erklären, er könne durchaus nicht sogen, wie lange die Einzel- Regierungen unb der Bundesrath mit bet Be- ralhung des Zolltarises zu thun haben würden. DaS spricht stark für die Richtigkeit ber Set« mutijung. baß die ganze Sache ber Vertagung anheimfallen werbe.
A«S dem Reichstage.
•<#>' 73. Sitzun, vom 21. März.
Bei ber Fortsetzung bet dritten StatSberathung erklärte bei dem Justiz-Etat auf eine Anfrage deS CrntrumSabg. Spahn
Srben unb von Sterben", bat sie unb meinte es n diesem Augenblick vielleicht aufrichtig. „Leben ollen Sie, so lange wie nur möglich. Ich bin Zhnen von ganzer Seele dankbar für bas, was le mir gegeben, wüßte aber gar nicht, was an« angen mit seht viel Gelb."
„Na na! . . . Aber meine Erben können einmal lachen", fuhr Gruber redselig fort. „Die WeingärtnerS haben keine Ahnung von dem, was ich für sie thun will."
Das hat dir Frau Tante schlau eingeftoelt, dachte Stephanie, deren Rührung verflog. „Wein- gärtnerS?" fragte fie. „Warum gerade die?"
„Weil es brave Leute find. Der Doktor war ein tüchtiger Mann unb bie Kinder schlagen ben Eltern nach. Sie werden bas Gelb gut verwenden, es auch zusammenhalten. Was man mühsam erworben Hal, will man auch gut auf» ehoben wissen. Hier ber große Pack hat aber einen besonderen Zweck . . . seinen ganz betonieren." Vergnügt schmunzelte er in sich hinein.
Sollte er mit bestimmt sein? Wie eine goldene Vision zuckte der Gedanke durch Stephame'S . >im.
„Jetzt ober gehen Sie, Stefferl;" rieth Gruber, ben Schrank schließend; es ist vielleicht Keffer, wenn meine Alle Sie hier nicht trifft."
DaS war eine Mahnung, bie Stephanie Flügel verlieh. Sie stand hastig auf.
„Nie kann ich Ihre Güte lohnen," Ketheuerte re im Fortgehen. „O, hätte ich nur Gelegen- «sit, Ihnen zu beweisen, wie hoch wir Sie achten. Ihnen Liebesdienste zu erweisen, Sie guter Onkel Nazi."
Staatssekretär Vtekierding- DaS ReichSjustizamt habe an den Verhandlungen drr Toleranz-Kommis si o n deS Reichstages deswegen nicht thellgenommeu, weil es dazu keinen Auftrag vom Reichskanzler erhalten habe. Gr werde aber nicht verfehlen, die Aufmerksamkeit deS Kanzlers auf diesen Gegenstand zu lenken.
Auf eine Anfrage des Centrumsabg. Groeber erklärte der
Staalssestreläe weiter, die einleitenden Schritte zu einer Revision deS Strafgesetzbuches seien geschehen, es werde aber noch viel Zeit vergehen, bis der Reichstag Gelegenheit bekommen werde, sich damit zn befassen. Im nächsten Jahre werde daS noch nicht sein.
Der sozd. Abg. Keine hat, wie er sagt, „eine persönliche Angelegenheit mit dem Justizmintster Schönstedt zu erledigen", und er „protestirt" gegen den Ton, den der preußische Justizminister im Abgeordnetenhause gegen den Redner und seine Freunde angeschlagen habe. Der Minister habe im Abgeordnetenhause dem Redner Behauptungen untergeschoben, die er gar nicht ausgesprochen habe. Es handelt sich dabei hauptsächlich um den Fall ernes verstorbenen LandgerichtSdirektorS Schmidt, bei dessen Besprechung im Reichstage der Redner nach einer Aeußerung des Justizministers im preußischen Abgeordnetenhaufe „grobe Unwahrheiten" und „freche Lügen" vorgebracht haben soll. „Was würde man sagen — meint der Redner — wenn ich nun meinerseits den Herrn Justizminister einen frechen Lügner nennen wollte?" Nachher kommt der Redner, auf die Majestätsbeletdi« yungsprozeffe zu sprechen und wird zur Ordnung gerufen, wie er von Schriftstellern spricht, deren Berur- theilung der Kaiser wünsche. In Altona habe das Gericht eine Verurtheilung wegen Majeftätsbeleidigung ausgesprochen, weil der Betreffende mit den Worten „großspurige Reden" und „prahlerischer Riese Goliath" offenbar den Kaiser im Auge gehabt habe. DaS nennt der Redner eine .Maulkorbjustiz, wie unter Ealigula und TiberiuS". Ein solcher Zustand sei „unwürdig eines freien Volkes".
Staatssekretär MieSerdiug erwidert, Herr Heine sollte stch doch angesichts der Tonart, die er selbst an- schlägt, nicht über die Tonart eineS Ministers gegen ihn beschweren. Die einzelstaatlichen Minister seien übrigens keineswegs ohne Weiteres berechtigt, hier im Reichstage zu erscheinen. Das Haus könne sie also nicht auffordern, hierher zu kommen. Auch die Mitglieder des Bundesrathes seien nicht verpflichtet, hier zu erscheinen, sondern nur berechtigt dazu. Wenn nun Minister in der Weise angegriffen würden, wie Justiz- Minister Schönstedt von dem Abg. Heine, dann sei es wohl erklärlich, wenn fie von ihrem Rechte Gebrauch machen, hier nicht zu erscheinen.
Der sozialdem. Abg. Kaase meint, Justizminister Schönstedt fei nur im Gefühle seiner Schwäche heute ausgeblieben. Der Minister wisse sehr wohl, daß et sich nicht gegen den Vorwurf vertheidigen könne, unter seiner Amtsführung Beeinfluffungen von Richtern geduldet zu haben.
Ohne wesentliche Debatte wurden dann nach einander genehmigt die Etats des Reichs sch atz - amtes, deS Reichseisenbahnamtes, der Post, der Zölle und Verbrauchssteuern und deS Bankwesens. Dabei erklärte der Herr Schatzsekretär Ireißerr von Fhiekmaun, daß der Entwurf deS neuen Zolltarifs im Schatzamte abgeschloffen sei, daß et zunächst aber noch andere Reichsstellen beschäftige, ehe er an die einzelnen Bundesregierungen gelangen könne. Wann der Zolltarif an den Reichstag gelangen werde, könne et durchaus nicht sagen. Nachdem bann auch noch das Etatsgesetz angenommen war, wurde bet Reichstag nach einet wiederum achtstündigen Sitzung bis zum 16. April vertagt.
Aus dem Karrdtage.
-O Avgeordnetentzan». — 65. Sitzung vom 21. März.
Bei der fortgesetzten Berathung des Berichtes der Budgetkommisfion übet die Hypothekenbanken erklärt dec
LandwirthschaftSministet Frhr. v. Kammerstein, er könne darüber nur seine persönliche Meinung auS- sptechen, da ein Beschluß des Ministeriums nicht gefaßt werden konnte vor einem Beschlüsse des Hauses. Dem konservativen Anträge würde der Minister sympathisch gegenüberstehen, wenn tabula rasa vorläge. Das
„Laben's mich dafür bald miedet ein, wenn Sie fo recht fesche Musiker bei sich haben!" rief er ihr nach.
Bei aller HerzenSgüte wollte er doch etwas üt fein Gelb haben; benn daß „Stefferl" daS Hausmachen nicht laffen würde, stand bei ihm außer Zweifel.
12. Kapitel.
Franz Urbach'S Familienverhältniffe hatte« ich höchst unerquicklich gestattet. Mit feinem Vater war er ganz Überworfen. Herr v. Urbach, beffen Rücksichtslosigkeit mit ben Jahren immer noch zunahm, hatte in ber letzten Zeit gröbliche Beleidigungen auf feine Frau gehäuft, Beleidigungen, bie eben nur ein religiös unb sittlich ge« estetes SemÜth, wie daS ihre, ertragen konnte, ohne ben Gedanken en eine Trennung vom unwürdigen Gatten zu faffen. Zum Unglück war aber Franz als unberufener, unwillkommener Anwatt ber Mutter aufgetreten. Zwischen Vater unb Sohn hatte einer jener Auftritte stattge- unben, beten Eindruck stch nie mehr verwischt. Der Vater hatte bem Sohne bie THÜre gewiesen, hm verboten, sein Haus roieber zu betreten und zugleich erklärt, ihm künftig jeden Berschuß vor- «enthalten.
Der Mutter Bemühungen, den Riß zu Helle«, ihre Bitten und Thränen blieben wirkungslos; aus beid.-n Seiten herrschte zu große ttibitterung. >exr v. Urbach, bet nie ein zärtlicher Gatte gewesen, außer etwa für bie Töchter, beten Schön- seit seiner Eitelkeit geschmeichelt, ber im (Segen« theil für Franz eher Abneigung gefühll — em-