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Jucöa, Donnerstag, den 21. März 1901

28. Jahrgang.

tntf AnterHaktungs-Meikage „Zssuflrirle Somtags-Zeitungi'

Roman auS dem Wiener Leben. Bon L. v. 911 i b e g g.

------ (Nachdruck verboten.)

nicht mehr; di« fröhlich fein sollenden Weisen.' "•* — - ' - '

bse er j tzt komponirte, klar gen g quält und ge- sucht. Es rächt sich aber immer, wenn man eine Kunst oder auch nur ein Talent nur um des Erwerbes willen ausübt. DaS Bestreben das Höchste und Bist- in uns zum Ausdruck zu brrngen, sollte uns jederzeit beseelen; erlahmte auch dann die Kraft, reichte daS Können an das Wollen nicht hinan, bsub- doch immer die Ge- nugthuung, für Ideales gekämpft zu haben. Das Bewußtsein dieses Mangels bedrückte Buschmann. Wenn die höhere Künstlernatur in chm aufflackerte, dann war ihm, als bl-cke sein besseres Selbst rha vorwurfsvoll an und schreie auf über die Vergewaltigung, die es erlitten.

Die innere Kraft war aber tobt, abwärts wie I et gelangt, konnte er nur mehr sich treiben lassen.

Seine l°tzte Operette „Fantaska" würde einen gänzlichen Fehlschlag bedeutet haben, wenn nicht oaS Wich'wollen seiner Freunde, die Nachsicht des Publikums, das er so oft erheüert, die Nieder­lage zum ehrenvolle» Begräbniß umzestal'et hätten. Daß auf diese Weise schwerlich mehr!

denn^? L? ^'"«"unden Punkt berührt, das'.7nzig7 s^ wn'Lr er oenn ihn peinigte daS Bewußtsein, den edlen fügen könne Born in seinem Innern verschüttet zu haben - - -

Em paar Minuten später httte die Tram, wrybahn sie nach der Gumpendorse'straße ge­bracht. Das Gruber'iche HauS war em hübsches Zinshaus, in welchem das Ehepaar aber nur eine kleine ebenerdige Wohnung inne hatte. Bei den seltenen B« suchen, die Stephanie mit Tante Pepi wechselte, betrat sie die Wohnung nie, ohne sich über die Anspruchslosigkeit der alten Leute zu vnwundern. So überaus modisch sich - - .... - ■ , ------ ------,, der Mann herausp^tzt«, wenn er sein Haus ver-

Samen, bei dem sie zu tief rn Schulden stickte, ließ, innerhalb desselben herrschte vollkommen

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E<ld zu machen war, schien ihm klar; düs aber der Frau einzuzesteh-n, vor der er sich nicht er­niedrigen mochte, brachte er nicht über sich. So sprach er ihr denn von den schlechten Zeiten, der , |VUlt ... ,WUI „_u,l „iH

Kncusengkett d.-r Theater Direktoren, und schloß ihm? Am besten gleich. Da sand sie ihn allein, mit der erneuten Mahnung, zu sparen, da die denn nach der Z hn Uhr-Meffe pflec-te seine Summe, welche er ihr vor kurz m eingehändizt, Frau immer einen Spiziergang zu machen.

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er zu einet neuen Anleihe sich herbei, bürgerliche E nfachh-it Bon der Maqd, die in ließe, war aber keiner darunter, der sich j- zu Kopftuch uns blauer Schürze die Thür öffnete einem Freundschaftsdienst, wie sie ihn j tzt er» * *• ° — wartete, hätte bereit finden laffen.

Doch h lt — noch Einer bildete eine Aus­nahme, Einer, der mit Geschenken nicht geizte und durch Borstrecken kleinerer Summen — dir Pe zmückzuzrhlen vergaß — in verschwiegener Weise ihr zuweilen aus der Verlegenheit ge­holfen. Ja, Ignaz Gruber würde g-wiß bereit sein, ihr be zustehen ... er war ja reich und für seine Person so bedürfnißlos. Der alte Onkel, der feinen Bekannten so gerne half, ohne Gegendienste zu verlangen, würde sich ihr gewiß auch diesmal als uneigermütziger Freund er- weise», darüber konnte kein Zweif-l b-stch-n.

Wenn eS ihm nur j-tzt ethft k, sie zu bc-

Schneider und Mosistinnen drangen auf Ab­schlagszahlungen. Freunde besaß st- ja genug. daS heißt, solche, die ihr schmeichelten und dabei ausgiebigen Gebrauch von ihrer unvernünftig ausgedehnten Gastfreundschaft machten. Bis auf

b.s zum gediegen solidin, aber altmodischen und abgenutzten Hausrath, kennzeichnete alles den ge­nügsamen Sinn des Eh-p.'ares.

Gruber saß noch im Schlafrock da. die Zei- tung in der Hand, von bet er die Anzeigen und verm-schten Nachrichten, sowie Theater- und Mustkberichte studirte. Politik gab es für ihn nicht.

rl*r”?rliC0t”?en Verhältnissen nach eigener Berantwort- lichkert handeln müssen.

Nach der Erledigung des Marine-EtatS wird die Werterberalhung kur, tor 7 Uhr Abends auf Donners- tag Vormittag 11 Uhr vertagt

»Mein Gott, Steffeill Was bringt Sie so früh her?" rief er beinahe erschrocken. „Doch kein Unglück? .... New? Dann Gottlob! Und ich in solchem Aufzug! Schnell muß ich

suche.-! Oder wenn sie ihn für heute zu Tische lüde? . . . Aber da war ihr Mann zugegen und Anna, dis alles sah und hörte. Das ging also nickt. Warum sollte ft» jedoch nicht hin zu

Watsche» Krich«

Berlin, den 20. März.

+ Di-Krrichinirg eine» Strichs Aröekts amtes hat in diesen Tagen die neu gegründete Gesellschaft für soziale Reform beschäf- tigt, die in einem Sitzungszimmer des Reichstages eine Versammlung abhielt. J.i der Debatte wurde darauf hingewiesen, daß die Nothwendigkeit der Erforschung und Klarstellung der V-rhältnisfe bet Arbeiter durch eine amtliche Hauptstelle bereits in den meisten Kulturstaaten zur Errichtung von Arbeitsämtern gesühtt hat. so in England, Frank­reich, Belgien, Oesterreich, Nordamerika und in den australischen Staaten. Der Staats Minister a. D. v. Berlepsch empfahl die Errichtung eines Reichs - Arbeitsamtes durch Gesetz, nicht durch einfache Einführung in den Etat ; und jeden- falls müsse dem neuen Amte thunl-chste Ünab- hängi^ke t und Bewegungs-Freiheit gesichert wer­den. Einstimmig ist schließlich die nachfolgende Resolution angenommen worden: ist durch

Gesetz ein Reichs - Arbeitsamt mit der Ausgabe der Feststellung und Klarlegung der wirthschaft. lichen und sozialen Verhältnisse der Lohnarbeiter und bet in ähnlicher Lage bifiidlichen Angestell­ten zu errichten. Dem Reichk-Aibeitsamte wird ein Beirath beig geben, der j- zu einem Drittel aus Vertretern der Arbeitgeber und bet Arbeiter, sowie aus neutralen Sachverständigen besteht."

fi Der IiäLenanIrag des Grnlrums ist heute (Mittwoch) von der zustärbigm Kommission des R ichttages berathen worden. Die verbün­deten Ne.nerunaen, beiten keinen Vertreter zu der Sitzung der Kommission entsandt. Heute wurde nur über den ersten Tyeil d?s Antrages berathen, der freie Fahrt auf den Eisenbahnen verlangt. Für freie Fahrt während der Dauer der ganzen Jahres sp achrn nur die Redner der Freisinnigen und Sozialdemokraten. Nach längerer Debatte gelangte ein Antrag des nationalliberalen Abg. Bassermann zur Annahme, der freie Ersen- bahnfahrt im Deutschen Reiche für die Mitglieder des Reichstages fordert für die Dauer der Tagungen des Reichstages. Der Abg. Baffermann ist zum Berichterstatter für das Plenum ernannt.

X Der Ktauß der AolNarif-Irage. Es mehren sich leider die Meldungen, die auf eine Vertagung der Einbringung deS neuen Zolltarif- Gesetzes im Reichstage bis zum Herbste schließen laffm. J-r diesen Tagen hatte schon ein Münchener Osfiziosus in diestm Sinne berichtet; jetzt erscheint die M-ldung in den Blättern, daß mehrere Bundesregierungen dir E-k ärung abge­geben hatten, sie kö.mten nicht verzichten aus die Befragung der berufenen wirthschafrlichen Körperschaften, so viel Zeit diese Befragung auch in Anspruch nehmen mög». DaS klingt ganz schön. N cktsdestoweniger kann man nicht einsehen, warum eine solche Befragung denn nun noch einmal vor genommen werden soll; es sind doch vorher schon so viele Sachverständige

„Nein, so ein liebes Weiberl! Einerlei, ich muß doch gehen. Vor einer so schönen Dame kann ich so nicht bleiben, es schickt sich nicht."

Er schien so unglücklich, sich nicht in ge­wählter Toilette zu zeigen, baß Stephanie ihn gewähre,i ließ. Während er an seiner Ver­schönerung arbeitete, konnte sie auch ganz bequem ihren Feldzu, splan sich zurechtlegen.

Sie überlegte noch, als et wieder eintrat, geschniegelt und pommabirt, im „feschesten" Straßenanzug.

„Mein Gott wie blaß Sie aussehen, Ste­phanie!" tief das gutherzige Männchen besorgt, und täschelte ihre Hand. „WaS fehlt Ihne« nur?"

„Ach, Onkel Nazi ich bin so unglücklich!" „Unglücklich? Warum nicht gar! Eduard..." „Ja, Eduard. Ec lycannisirt mich." „Hm, hm!" märte kopfschüttelnd Gruber, >em diese Seite von Eduard neu war. „Wird o schlimm nicht fein. Gewiß har's einen kleinen Zank gegeben, so waS kommt Überall vor. Ser« öhrtt Euch und alles ist weder gut!"

„Sie glauben nicht, wie scharf Eduard auf­treten kann; selbstsüchtig find ja die Männer alle, er vielleicht mehr, als andere . . und . . ich habe vielleicht auch etwas Unrecht."

„Und daS sollte Esuard nicht verzeihe« wollen?"

„Ach, er ist so sonderbar," erwiderte fi-halb weinend vor Ungeduld, so gar nicht vorwärts zu kommen. „Seit einiger Zeit ist er so ge­reizt!"

diha, die unglückselige „Fanttaika", dachte Gruber.

und Vertreter aller möglicken Berufe und Er- werbsstärde um ihre Meinung befreist worden, daß bei neuen Erhebungen neue G'sichtspunkte schwerlich mehr erz-elt werden können. Ge­wissenhaftigkeit ist eine schöne Sache, und sie ist namentlich sehr angebracht bei bet B»Handlung einer so überaus wichtigen Frage, wie diejenige deS neuen ZMarises ist. Aber die Gewiffen- hastigkeit darf auch nicht in Umständlichkeit aus- arten, und ti: einzelnen Bundesregierungen sollten im Jrteresse der nothwendigen B-- schliuniguug der Angelegenheit auf eine erneute Befragung wirthschaftlicher Körperschaften v r- zichten. Hoffentlich bau:rt es nicht mehr lange, bis man Genaueres über den weitern Entwick?- lungsgang des Zolltarises erfährt. Vorläufig muß man wohl noch immer an der Hoffnung sesthalttn, daß dem Bundesrathe die Vorlage „um Ostern herum" zugehen werde.

h «Herr AIgeordrreter Atzkwardi ist in feinem Reichstagswahlkreise Fliedeberg-Arnswalde wieder aufgetaucht und hat sich in Person seinen Wählern gezeigt. Er hat dabei mitgetheilt, daß er nunmehr ein wohlhabender Mann sei, daß er seinen Wohnsitz in dem Wahlkre se selbst auf- schlagen und von da aus eine neue Organisation >er antisemitischen Partei anbahnen werde, b:e ich allmählich über das ganze deutsche Reich er- streckm solle. Er habe diesen Plan mit anderen antisemitischen Führern besprochen und er hoffe, von jetzt ab mit deren Unterstützung zu arbeiten. Wie Herr Ahlwardt zu Vermögen kam, hat er olgendermaßen geschildert: Ein guter Freund, der Oberbergamtsbibltothekar v. K. in Dortmund, jätte in Böhmen ein neues Bergwerk entdeckt und -)äite es ihm, Herrn Ahlwardt, nahe gelegt, das Werk in 93.trieb zu setzen. Ahlwardt hatte dann Kapitalisten gewonnen und sei nachher mit einer anständigen Summe abgefunden worden, da der Name Ahlwardt vielleicht geschäftliche Hindernisse bringen könnte!

q.. c ... ■ . — —-------- a- »»»«•!. Stephanie kannte ihren Mann und wußte

fcta. W T11!” ------«u-x»ch<- g-di-utt-. Wk

mich schön machen!"

„Sie gefallen mit in jedem Ar zag, Onkel Nazi."

geschieden fei, und zwar nur um seiner Grundsätze willen. Bon Herrn Singer und deffen Geschäft stellt er fest, daß dessen Sozius zu seinen Zwtschenmeistern ge­sagt habe: laffen Sie doch die Mädchen auf d e Straße geben — und daß Herr Singer nicht aus diesem Grunde aus dem Geschäfte ausgetreten sei. Das sei gerichtlich festgestellt. Eine Partei mit einem solchen Präsidenten habe das Recht verwirkt, von Sympathie für den Ar­beiter zu reden und anderen Leuten Gewissenlosigkeit vorzuwerfen.

Der fozd. Abg. Mnrm verbreitet sich über die Ge­fahren des Steinarbeiterberufes, unter Borwürfen gegen die Auffichtsbeamten, worauf

Staatssekretär Hraf ^osadowsky mittheilt, daß ein Berordnungsentwurf bereits ausgeai beitet sei, und daß sowohl Unternehmer wie Arbeiter über diesen Ent­wurf gehört werden würden.

Die fozd. Kluger und Nebel kommen auf die Po- "Mlk mit dem Abg. Stöcker zurück, wobei der Erstere wrederum zur Ordnung gerufen wird, weil er den Abg. Stöcker der gemeinkn Lüge und Verleumdung beschuldigt, und gleicherweise der Abg. Bebel, weil er sagt, die Sozialdemokratie würde einen Mann von den morali­schen Anschauungen Stöcker's längst aus ihren Reihen hinauszeworfen haben.

Der Streit spinnt sich noch eine ganze Weile fort, wobei fast alle Redner einen Ordnungsruf davontragen, nämlich der Reihe nach die Abgg Stöcker, Bebel, Stadthagen.

Darauf wird der Etat des Reichsamtes des Innern genehmigt und die von dem freis. Abg. Schmidt.Elber­feld vorgeschlagene Resolution wegen des K'einver- kauss von Kehlen und Koks nach dem Gewichte ein­stimmig angenommen.

Beim Militär.-Etat erklärt auf eine Be­merkung deS sozialdemokratischen Abgeordneten Ltunert von Wiebahn, daß in verschiedenen Fällen vor im Dienste erlangter Invalidität die Heeresverwaltung jederzeit ihre Schuldigkeit den Betreffenden gegenüber gethan habe Die Verdächtigung, daß dies nicht ge­schehen sei, bezeichnet der Redner als durchaus haltlos.'

Präsident Hraf »o« Natkestrem macht den Redner daraus aufmerksam, daß der Ausdruck „Ver­dächtigung- gegenüber Abgeordneten bei Mitgliedern des Bundesrathes nicht üblich sei.

Generalleutnant vo« Dievah« legt alsdonn noch dar, daß nach Mißhandlungen die Schuldigen immer bestraft worden feien.

Auf eine Anfrage des sozialdemokratischen Abg. Fhieke erklärt Kriegsminister von Hoßker, er billige es durchaus, wenn von den Militärgeistlichen auf die noch nicht getauften Rekruten in dem Sinne eingewirkt werde, die Taufe nachzuholen.

Der Etat des Reichsheeres wird genehmigt. Beim Marine-Etat erklärt der freikonfervative Abg. vo« Kardortk, daß die Angaben der Presse über eine große Preistreiberei für die Panzerplatten übertrieben feien. An Amerika habe Krupp billiger liefern können als an Deutschland, weil die Bereinig­ten Staaten eine viel größere Bestellung gemacht hätten.

taae.Piertchährl. |t|ng»»rti»

,ßne Bringerloh» w»b Bestellgeld in Kita nnb aas- Ktll «50 Hf.

Aus dem Landtage.

** Argeardueteutza«». - 54. Sitzung vom 20-. Mä-z.

Die dritte Etalsberathung wird beim Etat des Kultusministeriums fortgesetzt, wobeizunächst eine Generaldebatte staltstndet.

Abg. Daotzach vom Centrum wacht auf den Uebel- stand aufmerksam, daß sür die Kinder von katholischen Beamten und Arbeitern, die nach protestantischen Gegen­den verziehen, viel schwerer katholische Schulen zu er­halten sind, als umgekehrt protestantische Schulen iür die Kinder von Protestanten, die nach katholischen Gebenden verziehen. Ist es doch schon vorgekommen, daß man katholische Kinder uöthigte, am protestantischen Religionsunterrichte theilzunebmen.

Ministerialdirektor Aügker bestreitet, daß es sich so ve'halte, und behauptet, die entsprechenden früheren Angaben des Borredners hätten sich bei den angestellten Untersuchungen nicht aI8 zutreffend erwiesen.

Der freis. Abg. Krnst wünscht eine Revision deS Lehrerbesoldungsgesetzes.

Abg. Hkowaeki macht daraus aufmetlfam, daß polnisch redende Kinder in Oberschlesisn schon in der Unterstufe Religionsunterricht in deutfcher Sprache er­halten, ohne daß die Schulaufsicht dagegen einfchreite: woraus Ministerialdirektor Ltügker erwidert, das be­zieh- sich vermuthlich auf die Jndustriebezirke, wo die Kinder schon bedeutende Kenntniß der deutschen Sprache in die Schule mitbringen.

Abg. Dasbach hält seine voraufgegangenen Dar­stellungen dem Ministerialdirektor gegenüber durchaus aufrecht, worauf die Generaldebatte geschloffen wird.

Der freis. Abg. Khkers hat den Antrag gestellt, die in zweiter Lesung gestrichenen drei Schul- Inspektoren zu bewilligen.

Der Aukknsminister bedauert, daß der Antrag keine Aussicht auf Annahme habe. Er wird nach kurzer Debatte in nam nllicher Abstimmung mit 219 gegen 140 Stimmen abgelehnt. Dagegen stimmten daS Centrum, die Konservativen und Polen.

Sodann wird, ebenfalls in namentlicher Abstim­mung, mit 179 Stimmen der Antrag des null. Abg. Bachmann abgelehnt, die abgelehnte Forderung von 54000 Mark für altkatbolische Geistlichen und Kirchen nachträglich zu bewilligen.

Damit ist die ^tut?b::-rt>ung für Abge­ordnetenhaus erledigt.

Es folgt die Berathung des Berichtes der Budget« kommiffion über die Hypothekenbanken. Die Kommifsion beantragt die folgende Resolution: Die Regierung zu ersuchen, die Staatsaufsicht bei den Hypothekenbanken insbesondere durch Ernennung von Staatskommissaren bet den einzelnen Instituten zu verschärfen — und außerdem die Rechte der Treu­händer, nölhigenfalls im Wege der Gesetzgebung, im Interesse der Besitzer von Pfandbriefen wirksamer auS- zugestalten.

Die konservative Partei stellt einen anderen Antrag, nämlich folgenden: Die Regierung wolle ge» setzgeberiscye Maßnahmen in Erwägung ziehen, wonach die Ausgabe hypotherä7ffch gesichelter Inhaberpapiere in der Form von Pfandbriefen fediglich öffentlichen, nicht auf bankmäßigen Erwerb gerichlekku Anstitutez oder Genoffenschaften, eventuell mit Tilgungozwübf Vorbehalten wird und b!S dahin gegenüber den privaten Hypothekenbanken die gesetzlich bestehenden staatlichen Aufsichtsbefugnisse wiiksam und energischer als bisher auszuüben.

Der Antrag wird durch den Abg. v. AeqdeSrand befürwortet. Dieser führt auS, daß die Organisation der Landschaften viel sicherer, als diejenige der Banken ist. Die Staatsautoiität sei zu gut dazu, um alS Aus­hängeschild für zweifelhafte Banken zu dienen.

Gegen 31/» Uhr wird die Weiterberathung auf Donnerstag vertagt.

Abg. Wülker-Fulda (Gentrum): Bon den Mit- jheilungen, die hier bei der zweiten Lesung und in der Budgetkommission über die Preistreiberei für die Pu.,jrrplatten gemacht worden sind, hat Herr von Kar- dorff widerlegt. Wir verbrauchen in btu nächsten ! zwanzig Jahren etwa 150,000 Tonnen Panzerplatten, und wer weiß, ob daS reichen wird. Das sind so große Bestellungen, daß wir mindestens ebenso vortheil- Ä greife fordern können, wie Amerika. Für den jenben Unterschied des Preises könnten wir eine ganze Anzahl Auslandsschiffe mehr bauen, und damit sollte doq auch die Marineverwaltung zufrieden fein. Das Verlangen nach einem eigenen Panzerplattenwerk des Reiches ist danach durchaus berechtigt.

Der fozialdem. Abg. Singer greift den Abg von Kardorff wegen deffen Ausführungen scharf an. Er meint, Kardorff rede hier augenscheinlich alS Agent der Dillinger Werke. EZ hätte nur noch gefehlt, da er hinzugesktzt hätte: ich bekomme 4 v H Provision — wofür er vom Präfioenten Graf von Makkestrem zur Ordnung gerufen wird.

«uf eine Anfrage des f zd. Abg. Schwartz gab Staatssekretär vo« Eirpltz über den Untergang der „Gneifenau" die Auskunft, daß die Kapitäne je nach

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A ” Rabatt gewährt.

Ans dem Reichstage.

72. Sitzung vorn 20 März.

Die dritte Lesung des Etats wird fortgesetzt bei dem Abschnitte Reichsamt deS Innern, wobei der Clr.-Abg. Lerokd-Inkda den Wunsch ausspricht, es möchten allmonatlich umfassende Berichte gegeben wer­den über die Borgänge auf dem internationalen Grtreidemarkte, über die Preisebildungen, die Ver­schiffungen, die Borräthe uf». Staatssekretär Hxaf ^osadowsky verspricht, diese Anregung zu prüfen. ?^L$,er frei(onf- Abg. Hamp unterstützt die Anregung deS Abg. Herold.

(sozd.) antwortet dem abwesenden Ab». Stöcker auf deffen gestrige, gegen den Redner gerichteten Ausführungen über den Tucker-Brief, den Scheiterhaufen- Brief und bergt, mehr, wobei er zur O dnung gerufen wird, weil er Herrn Stöcker die Anzettelung „nieder trächtiger I triguen“ vor wirft.

lieber dieselben Angelegenheiten sprechen die Abgg. Schmidk-Elberfeld (freis.), Dr Arendt (rretkons), der sozd. Abg. Aede»«r, der sich habet einen Ordnungsruf »»zieht, sein Parteigenoffe Singer, dem dasselbe Miß­geschick zweimal zustößt, wobei derselbe auf den Abg. Stöcker den Ausdruck anwendet: es gebe „nichts Hün­discheres als einen Menschen, dessen Zunge zwie­spältig ist."

Abg. Stöetzer (wildkons.) ist inzwischen erschienen und antwortet auf die verschiedenen Angriffe, wobei er bervothebt, daß er auS dem Hofpredigeramte freiwillig