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Jfö 66

JutLa, Mittwoch, den 20. März 1901

28. Jahrgmg.

christ lichen Religion schon nicht mehr mit dem

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Die Kruzifixe wurden also entfernt. Montag früh fand man indessen beim Oesfnen der Hör­säle, daß wieder Kruzifixe darin angebracht waren, worauf die Quästur sofortige Entfernung derselben anordnete. Ein Theil der anwesenden Studenten-

□ Im „marianischen" Königreiche.

Ungarn, dar Land, das einst mit Stolz das

Nachträglich ist noch eine längere Auseinander­setzung über den künftigen Zolltarif in den,Berl. Neuesten Nachr/ zu erwähnen, die in solchen Fragen von amtlichen Stellen unterrichtet zu wer­den pflegen. Danach ist es „sehr wochrscheinlich, daß nicht nur das preußische Staatsmmisterium, sondern die Mehrheit der verbündeten Regierungen sich von vorn herein für die Einführung des Minimal-Tarifes bei einer Anzahl agra- rischerZölle entscheiden wird. Der Versuch (der Freihändler), sie durch die grausigsten Schreckbilder davon zurückzuhalten,wird voraussichtlich dasGegen- theil der gewünschten Wirkung zu Wege bringen; denn so maßlosen Uebertreibungen, wie man ihnen dermalen in der freihändlerischen Presse begegnet, müssen Verdacht erwecken. Und der Verdacht liegt sehr nahe. Diejenigen, welche den landwirthschaft- lichen Minimaltarif mit Feuer und Schwert be­kämpfen, sind dieselben Leute, welche am liebste«

den bestehenden Zolltarif sammt den gegenwärtigen Handelsverträgen in infinitem fortdauern ließen. Deshalb möchten sie die Regierungen, um eines ihrer Lieblingsworte zu gebrauchen, scharf machen, daß ste nur ja nicht den Agrariern den Willen thun. Fällt der Minimaltarif, so denken sie, es ist Aussicht, daß er die ganze Tarifreform in seinen Sturz verwickelt.

Die Kennzeichnung ist tadellos!

«rschelM ttiglich, Ki. Ausnahme der

schieht im „marianischen Königreiche* an der Uni­versität unter dem Rektorate eines Professors der Theologie!

Charakter des Staates Ungarn, des „marianischen Königreiches"!

Roman ou8 dem Wiener Leben. 1»n 8. v. Neide,,.

------ (Nachdruck »erboten.)

Herrisches Keich.

Berlin, den 19. März.

G DerMetchsKarrzker und der Sohn des früheren Reichskanzlers, der selbst recht gern Kanzler sein möchte, haben am DienStag im Reichstage bei der dritten Lesung deS Etats einander große Höflichkeiten gesagt, und nament­lich Reichskanzler Graf Bülow dankte wieder­holt für die „wohlwollende Beurtheilung* seiner Polink durch den Abgeordneten Fürsten Bis­marck. Aber „a biffele Falschheit* war auch dabei. Es handelte sich um China. Und neu­lich, bei der ersten Berathung der neuen Geld« foroerung für China, hatte Graf Bülow gesagt, China sei eine Lebensfrage für uns. Dem Abgeordneten Fürsten Bismarck schien das zu viel gesagt, und er brachte deswegen diese An­schauung am Dienstag zum Ausdruck. Der Kanz­ler deutete das nun so, daß China sehr wichtig für unfern handel sei. Im Uebrigen sei unsere Ehre in China durch die Ermordung unseres Ge­sandten angegriffen, und die Ehre sei eine wich­tige Lebensfrage für uns. Auch um unsere Mil­lionen hat der Abg. Fürst Bismarck einige Be- sorgniffe — er nicht allein! Aber alle diese kleinen Pillen waren sorgfältig doppelt und dreifach in die Watte größter diplomatischer Höflichkeit ein­gewickelt. Der Linken deS Hauses machte diese überhöfliche Auseinandersetzung einiges Vergnügen, und sie rief wiederholt spöttische- Bravo!

X Grotztzerzog und Sozialdemokratie. Unendlich viel Aufhebens ist gemacht worden von der Thatsache, daß der Großherzog von Hessen gelegentlich eines bei dem Kammer­präsidenten in Dornstadt abgehaltenen parlamen­tarischen Abends längere Zeit mit dem sozial­demokratischen Landtagsabgeordneten Ulrich sich unterhalten hat — recht unnützer Weise, denn es geschah doch wahrhaftig nicht zum erstenmal, daß ein gekrönte« Haupt mit einem Sozialdemo­kraten sich unterh'clt. Der Kaiser beispielsweise hat dies auch g-rhan bei der Internationalen Arbeiterschutz-Konferenz i« Berlin, und nicht erst neuerdings, sondern schon vor einer längeren Reihe von Jahren. Das berühmte Gespräch wird jetzt wahrscheinlich ein sehr unliebsames Nachspiel erhalten in der zweiten hessischen Kammer. Das Blatt des genannten Abg. Ulrich theitt nämlich mit, die Zusage der drei sozialdemokratischen Kammermitglieder, an besagtem parlamentarischem Abend theilzunehmen, sei an das Versprechen deS Kammerpräsidenten geknüpft gewesen, von allen höfischen Ovationen Abstand zu nehmen. Jetzt soll in der Kammer eine Nachttagsforderung für die Bestreitung des Aufwandes für jenen parla- nrentarischen Abend erhoben werden, und daS er­wähnte sozialdemokratische Blatt sagte scharfe Auseinandersetzungen für die Beratung dieser Forderung voraus.

+ Hi« neues Gewehr? Schon feit einiger Zeit tauchen in der Presse Meldungen auf, die wieder einmal Einführung eines neuen Gewehrs

0 Unklarheit über den neuen Zolltarif

Eine wunderliche Verwirrung herrscht in den

Nachrichten über den Entwickelungsgang des neuen Zolltarif-Gesetzes. Namentlich gestalten sich die Meldungen derjenigen Berichterstatter ganz eigen­artig, die glauben, den Zeitungen etwaS über den I macianische Königreich sich nannte, hat längst Stand der Dinge berichten zu müffen, und die aufgehört, katholisch im wahren Sinne des Wortes doch nicht rotff en, was sie eigentlich berichten zu fein. Diese leider nur allzu bekannte That- sollen. Als Beispiel möge die Meldung eines fache findet von neuem eine drastische Bestätigung parlamentarischen Berichterstatters dienen, der durch die Kruzifix-Frage in der Univer- „authentischeMttheilungen* aus „unanfechtbarer sität.

Quelle" bringt und auf Grund dieser höchst zu- Nach einer alten Sitte hing bisher in jedem verlässigen Mittheilungen versichert, es erscheine Hörsaale ein Kruzifix, ein schöner Brauch, unmöglich, den Zolltarif noch im Laufe dieser der bekanntlich in jedem katholischen Hause seine Tagung an den Reichstag gelangen zu lassen; Wiederholung findet. Aber an der Budapester obwohl „alle Anstrengungen gemacht würden, die Universität gibt es nun auch sehr viele jüdische hier in Frage kommenden Instanzen schnell durch- und glaubenslose Studenten und Lehrer, und laufen zu lassen". Aber diese angeblich „authen- diesen waren die Kruzifixe ein Aergerniß. Sie tischen" und „unanfechtbaren" Mittheilungen fühlten sich gestört durch ste und setzten es bei ficht ihr eigener Verbreiter in derselben Nottz dem Kultusminister durch, daß dieser die Ent- se lbst an, indem er den Vorbehalt anhängt: fernun g aller Bilder des gekreuzigten Heilandes „Bewahrheitet sich diese Anschauung, daß aus den Räumen der Universität anordnete. In die Einbringung des Zolltarifs bis zum Herbste der Verordnuna wurde besonders darauf hmge- vertagt werden muß, so soll der Reichstag Ende I wiesen, daß die Universität staatlichen Charakter Mai geschloffen werden." Nun kann jedermann tragen, aber „nicht konfessionell" sein solle, seinen Vers sich selbst darauf machen! Nicht un- Also nach der Ansicht des ungarischen Herrn erwähnt mag bleiben, daß auch ein Berliner | Kultusministers vertragen sich die Symbole der Lokalblatt aus Abgeordneteukreisen erfahren haben ' '

will, der Zolltarif werde erst im Herbste an den Reichstag gelangen.

Sicherer klingt die Ankündigung in einem halb­amtlichen Organ, daß die Vorlegung des Zolltarif- Entwurfes an den Buudesrath „um Ostern herum in sichere Aussicht zu nehmen sei". Danach könnte man unbedingt annehme«, daß die Einbringung der Vorlage an den Reichstag im Mai stattfinden könnte; denn mehr als einen Monat wird der Bundesrath doch schwerlich für die Erledigung des Entwurfes brauchen. Aber jegliche Klarhett über den Stand der Dinge fehlt, wie man sieht.

»hne Bringerlohn und Bestellgeld in «ulda und aus» LtrtSlM.b0Pf.

schäft wollte die Ausführung dieser Anordnung mit Gewalt verhindern; andere Studenten der liberalen Richtung unterstützten die Ausführun g beamten ebenfalls unter Anwendung mit Gewalt und es kam zu regelrechten Prügeleien in der U.iiverfiät zu Budapest — um die Kruzifixe!

Natürlich wollen die liberalen Blätter

-1 im deutschen Heere ankündigen. Nach einer weitern ‘ Nachricht liegt dem preußischen Kriegsministerium jetzt ein neues Gewehr zur Beurtheilung »or, ' das angeblich Aussicht darauf haben soll, das gegenwärtige Modell zu ersetzen. Als Erfinder wird der Fabrikenkommifsar Schlegelmilch in Spandau genannt, der seit Jahren eine Ausstellung in der königlichen Gewehrfabrik dort hat und Hervorragendes leistet auf dem Gebiete der Her- stellunq von Handfeuerwaffen. Nach der vor­liegenden Notiz soll es so scheinen, daß die Ein­führung eines neuen Gewehrs in Erwägung ge­zogen werden würde, wenn dieses neue Vorzug bieten sollte!

• Dleverwachnng des Derkehrs mit Aahrnngsmttteü». Von der Wein-Kommission des Reichstages ist heute (Montag) eine Resolu­tion angenommen worden, und zwar ein­stimmig, die dahin geht: die Verbündeten Re- rungen zu ersuchen, dem Reichstage „baldmöglichst den Entwurf eines Reichsgesetzes vorzulegen, das die Ueberwachung des Verkehrs mit Nahrungs­und Genußmitteln nach Maßgabe der bestehenden Gesetze durch Bestellung besonderer Be­amten hierfür einheitlich regelt". Bis das geschehe« sein werde, sollen die Bundesregie­rungen Beamten bestimmen, die für die genaue Ausführung des neuen Weingesetzes sorgen sollen.

* Auf oen 70 deutschen Hisenör-hrren, die im Monat Februar mit einer Gesammtlänge von 43,772,46 Kilometer im Betriebe waren, wurden aus dem Personenverkehre 26,661,003 Mk. vereinnahmt; das sind 464,511 Mk. (3,43 Pro­zent) weniger als im Vorjahr. Der Güter­verkehr erzielte eine 82,875,978 Mk., 2,276,667 Mark oder 4,04 Prozent weniger als im Februar 1900.

+ Die Hesetzesuovelle AVer die Gewerbe - geeichte ist von der zuständigen Kommission des Reichstages nunmehr durchberathen. Jedoch soll die Feststellung des Kommissionsberichtes erst nach Ostern stattfinden. Zum Berichterstatter ist der nationalliberale Abg. Beck-Heidelberg ernannt. Abg. Trimborn vom Centrum gab in der heu­tigen (Dienstags-) Sitzung der Hoffnung Ausdruck, daß das Gesetz nunmehr von allen Parteien ge­billigt werden würde.

X Die Frage vom Alstckgrmge des Klein­handels hat neuerdings die Handelskammer in Braunschweig beschäftigt. Auch hier haben die angestellten Untersuchungen und Berathungen zu dem Ergebnisse geführt, daß die Schädigung des Kleinhandels hauptsächlich durch die Konsum­vereine und die Großbetriebe herbeigeführt wttd. In der Stadt Braunschweig bestehen drei Konsum­vereine, und diese setzen jährlich allein für 1800000 Mark Kolonialwaareu um, so daß man rechnen kann, daß durch diese drei Vereine in einer ein­zigen Stadt 60 Kolouialwaarengeschäfte ihres Daseins beraubt werden. Wie die Konsumvereine überhaupt zunehmen, beweisen folgende Zahlen: im Herzogthum Braunschweig bestanden 13 Kon- svmvereine i. I. 1880 mit 4700 Mitgliedern, ! 38 mit 9600 Mitgliedern i. I. 1890 und 85 mit 22000 Mitgliedern i. I. 1900!

+ De: Heutrak - Dervand deutscher Näckerirmnn-ea „Germania" hatte um eine Audienz beim Reichskanzler Grafen Bülow nach­erhalten — das einzige, woran ihm und feiner Frau wohl gelegen — rief sie ihm zu — mit jedem Verkehr zwischen ihnen sei es aber vorbei. Das Kind, auf welches er feine Rechte gericht­lich geltend zu machen gedroht, solle er haben, falls dieses ihn zu begleiten wünsche.

Anna, ins Zimmer gerufen, beantwortete die Frage, ob sie zum Vater wolle, mit einem Jubelschrei, der der alten Frau durch die Seele Sing. Sie sagte weiter kein Wort, hart und arr geworden wandte sie sich aber um und verließ dos Zimmer. So war ihr Lieben und Sorgen also vergeben- gewesen. Jene zwei Menschen, an denen sie mit aller LiebeSfähiakeit ihres starken Herzens gehangen, hatten fich frei­

willig von ihr losgesagt!

Dennoch blieb sie standhaft, die alte Frau. Mit eisiger Miene hätte sie später ihren Sohn an, wie er ihr seine Absicht mitthellte, noch in der nächsten Stunde mit seiner Frau ebt elfen zu wollen. Frostig antwortete sie ihm, — der verlegen vor ihr stand, Stephanie an der Sette, die ihn nicht aus den Augen ließ — er solle seine Tochter gleich mit fich nehmen, dann stand ste auf, Annas bescheidenes Köfferchen zu packen!

Beim Abschied schloß ste die Enkelin, die weinend an ihrem Halse hing, in ihre Arme und ermahnte sie mtt fester Stimme in er» greifenden Worten, brov und fromm zu bleiben. Zum Sohne gewendet — ohne Stephanie eines BlickeS zu würdigen — ließ sie fich von ihm versprechen, daß niemand in feinem Hause Anna in ihren Andachtsübungen behindern werde und machte ihn eindringlich daraus aufmerksam, daß er vor Gott für diese Seele verantwortlich sei.

alle Schuld an den unliebsamen Austritten den katholischen Studenten zuschieben, als ob es nicht eine sehr erklärliche und für ihre Gefinnun gr- treue sogar in lobiurwerther Weise zeugende That wäre, die die katholischen Studenten ausführten. Die nachfolgenden Rausereien hätten unterbleiben sollen. An diesen tragen die liberalen Studenten aber sicherlich genau dieselbe Schuld wie ihre katholischen Kommilttonen.

Nun hätte man es dabei wenigstens sein Be­wenden haben lassen sollen. Leider aber hat der Senat der Universität unter dem Vorsitze der Rektors, des Professors der Theologie Beta Kisfatady, beschlossen, gegen die „unbekanntcn Thäter", die die Kruzifixe wieder aushingen, dar Disziplinarverfahren und eine Untersuchung ein­zuleiten und hat zur Führung der Untersuchung die Polizei aufgeboten---und das ge-

Als fie das Institut verlaffen, hatte sie ge­meint, diesem Ziele nahe za fein. Die Groß­mutter erklärte jedoch, sie bedürfe einer Stütze und ließ die Enkelin nicht von fich. Des

Mädchens Gemüth empö te fich dagegen, be­wunderte ober die nachsichtsvolle Güte des BaterS, der fich fügte, weil er, rote er sagte, die alte Frau nicht kränken wolle. So war einige Zeit vergangen. Der alte Doktor starb, sein ältester Sohn, der ebenfalls Arzt war, zog mit Frau und Kindern ins Haus, und nun drang Buschmann von seiner Frau unterstützt, mtt aller Gewalt darauf, die Tochter zu fich zu nehme«. Wenn ! bei ihm die Liebe zur Tochter noch Überwog, so waren es doch bei Stephanie einzig materielle Gründe, die ste bestimmten, der ungeliebten Stieftochter Gegenwart zu wünschen. Annas Stimme die damals kraftvoll zu werden versprach, sollte auSgebttdet und zu einer Goldgrube für die Eltern verwandelt werden.

Im Bufchmann'schen Hause herrschten näm­lich sehr mißliche Verhältmffe. Stephanie hatte statt deS vorgefpiegelten Vermögens ihrem Manne nur Schulden gebracht, verbrauchte aber, als wäre sie die Tochter eines MillwNars. Busch­mann selbst war das Sparen in seiner Jang- gesellenwirthschaft nicht gewohnt gewesen; sein Kapital war also bald verzehrt. Die Einnahmen für seine immer schaler werdenden Kompofitionen liefen spärlicher ein, da wurde es stettich noth- wendiq — „schon im Jntereffe der Kinder" — sich Einnahmequellen für die Zukunft zu stchern.

Anna mußte also unter allen Umständen nach Wien. Um dies durchzusetzen, hatte fich Stephanie entschlossen, ihren Mann nach Mastng

11. Kapitel.

Es war nicht ohne Grund, daß Anna nur mtt Wehmuth deS Abschiedes von Mastng ge­dachte, denn er hatte für sie einen Wendepunkt bedeutet. Bon da an hatte sie eigentlich erst begonnen, daS Leben in seiner wahren Gestatt zu erkennen, statt wie bisher es durch den Schleier der Illusionen zu bettachten.

Der peinliche Umdruck, den fie mh' des Vaters Wiederverheirathung empfangen, hatte sich in ihre« Kindergemüthe damals bald ver­wischt. Er »ar wieder das Wesen höherer Art für sie geworden, wie vorher; dazu trug der Umstand bei, daß fie Jahre hindurch nur ihn zu sehen bekam, da ein eigenthümlicher Zu­fall die Stiefmutter immer gerade um die Ferien­zeit in'S Bad führte.

Buschmann mit seinem Anpassungsvermögen, seiner Chamäleonsnatur zeigte fich fern von Stephanie immer ganz als lückfichtsooller Sohn, als zärtlicher Vater, in Annas Augen doppelt liebenswürdig neben der mit jedem Jahre strenger werdenden Großmutter. So war es denn gekommen, daß es die Tochter immer leb» Laster nach dem Lichtkreis von Frohsinn und ZärttichkeittMn geistiger Anregung und künstle­rischen Bestrebungen zog, der ihr vom Vater entgegen zu schimmern schien.

zu begleiten — hatte sie doch daS Gefühl, als würde er seiner Mutter gegenüber eines starken Rückhaltes bedürfen.

So war es in der That. Die alte Frau weigerte sich hartnäckig, das Kind von sich zu lasse«, das sie behütet tnb erzogen, an dem sie mit jener Liebe innerlicher Charaktere hing, die um fo tiefer gründet, je mehr sie Scheu trägt, fich nach außen zu zeigen. Sir fürchtete für des Kiades Charakter, für fein Seelenheil. Als vollends Buschmann sich den eigentlichen Grund entschlüpfen ließ, weshalb er Anna nach Wien nehmen wolle, kannte chre Entrüstung keine Grenzen. Seit des Svhnes Heirath war für sie jedes Schauspielerthum der Inbegriff aller Schlechtigkett geworden; fie machte nicht länger einen Unterschied zwischen dem Wirken einer wahrhaften Künstlerin und dem Treiben einer auf leichtfertige Rollen sich beschränkenden Soubrette. Der alte Doktor, der zu vermitteln gewußt hätte, lag im Grabe. Ihrem Zorne freien Lauf lassend, überschüttete sie Stephanie I mit Vorwürfen, schatt ste eine Seelenverkäuferin und sprudelte in ihrer Aufregung mit natur- wüchfiger Derbheit dasjenige heraus, was sie Jahre lang mühsam in sich verschlossen hatte.

Ein furchtbarer Auftritt erfolgte. Stephanie weinte und schrie, forderte ihren Mann auf, sie gegen diese Beleidigungen zu schützen und Busch» maitn — zwischen zwei F uer gestellt — er­klärte fich mit verletzenden Worten gegen die Mutter.

Dar Ende war, daß diese ihm die W -hl ließ zwischen ihr und seiner Frau und sich endlich von | rhm lossagte. Nach ihrem Tode solle er ihr Erspartes j

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