Fuldaer
M 65
Jutöa, Dienstag, den 19. März 1901
T
Deutsches Keich.
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untergeordnete Persönlichkeit; die spärlichen Ein
sprache Buhmanns und einiger gutmüthiger Be- Anna, gehen wir in's Musikzimmer “' war einsichtiger; sie hatte „So em Drache!" murmelte ßohei
tni m» Verlar bn Suldaer LettendrvlUr« pererrrag» llr. 8 (Sarmonit).
wünschen. Er muß im Gegentheil int eigenen Interesse den Wunsch hegen, daß der Landwirth- schaft aus ihrer gegenwärtigen Roth herausgeholfen werde, damit er nicht selbst schweren Schaden erleide!
Stephanie sie mit sich fortgenommen; zur wachsamen Dienerin fehlte ihr aber jede Anlaoe. Deshalb konnte es geschehen, daß während sie einen Hofstaat von Bewunderern um sich versammelte, Holzer und Franz immer wieder dem jungen Mädchen sich näherten. Es gewährte I Franz besondere Genugthuung, dadurch jenen i widerwärtigen Cameri in die Flucht zu schlagen, der, seines Alters vergeffend, in der Rolle eines Courmachers sich gefallen zu wollen schien.
i Als aber Buschmanns nach Hause fuhren und Franz am Wagen sich einfand, da mußte er vor dem älteren Manne zurückstehen, denn Stephanie rief diesen mit auffälliger Liebenswürdigkeit heran. Er spielte sich überhaupt als Hausfreund auf, und wurde auch vom Hofrath als solcher be- handelt.
Die Nacht war klar und sternenhell; Stephanie hatte aber darauf bestanden, daß gefahren wurde. Sie war ganz vornehm geworden, die Frau Hof- räthin; wiewohl sie Anna unbedenklich >zu jeder | Taaes- und Nachtzeit ausgeschickt haben würde, Aufträge zu besorgen, sich selbst setzte sie der Nachtluft nie zu Fuße aus. Die Zeit, wo sie in ihres Baters bescheidener Portierswohnung gesessen, und im dünnen Kleidchen nach Bier oder Wein über die Straße geschickt worden war, hatte sie gründlich vergeffen. Trotz dem bequemen Wagen, in dem sie zurücklrhnte, trotz ihrer eleganten Toilette fühlte sie sich aber verstimmt. Sie hatte sich vor dem Wegsahren zufällig neben Anna im Spiegel gesehen, und einen kleinen Nachlaß ibrer Schönheit seststelle« müffen. Und in diesem kritischen Augenblick mußte sie es noch
„So em Drache!" murmelte Holzer entrüstet hinter ihr her.
i Berlin, den 18. März. -
' • Per Kaiser ist am heutigen Montag,
■ wie die .Deutsche Tagesztg.' vernimmt, in Sachen des in Bremen verübten Attentats als Zeuge im Berliner Schlöffe vernommen worden. Die Heilung macht fortgesetzt normale Fortschritte.
• Da» preußische Abgeordnetenhaus wird in dieser Woche seine Ferien noch nicht beginnen. Die dritte Lesung des Etats wird noch die Sitzung am Dienstag in Anspruch nehmen. Alsdann soll der Bericht der Budgetkommission über die Hypothekenbanken zur Berathung gelangen mit dem dazu gestellten Anträge des konservativen Abg. v. Heydebrand. Außerdem sollen noch in erster Lesung erledigt werden die Novelle zum Berggesetze und einige kleinere Vorlagen.
ft Das preußische Aerrentzaus beginnt mit seinen Arbeiten am 22. d. M. An diesem Tage tritt die Finanzkommission des Herrenhauses zu ihren Berathungen zusammen. Die nächste Plenarsitzung des Herrenhauses ist auf Dienstag den 26. März Mittags 1 Uhr anberaumt. Am 28. März soll im Herrenhause die Berathung des Etats beginnen, mit der das Haus in zwei oder spätestens drei Tagen fertig zu sein pflegt.
X Die Kulwickekuug der preußische« Kanakvorkage ist eine sehr langsame, wie allgemein bekannt. Innerhalb der Kanal- I kommisfion bestehen Wünsche, namentlich ge- I fördert von dem Vorsitzenden der Kommission, dem Abgeordneten von Eynern, womöglich an einem Tage oder gar an zwei Tagen keine Plenarsitzung abzuhalten und dafür je zwei Sitzungen der Kommission zu ver- anstalten. Abgeordneter von Eynem hegt die Absicht, vor dem Beginne der Osterferien wenigstens noch den Dortmund-Rhein-Kanal zur Abstimmung zu bringen. Eine Thatsache steht fest: Bis jetzt haben sich die Aussichten der Kanalvorlage noch nicht gebessert, und mit der Emscherthal-Linie bis Hamm hat die Vorlage überhaupt keine Aussicht auf Annahme. Ein neuer Antrag ist eingebracht worden von den Abgeordneten Ca hens ly,Let och a, Sch war ze, Dr. am Zehnho ff und Hagen, sammtlich dem Centrum angehörig, nämlich die nöthigen Vorarbeiten anfertigen zu laffen über eine Kanalisirung der Lahn.
h ILr die SchöuerHattrmg des Meines tritt ein Antrag ein, der, unterstützt von Mitgliedern aller Parteien, im preußischen Abgeordnetenhause eingebracht worden ist. Dieser Antrag bezweckt, daß ein Verbot erlaffen werde gegen de» Mißbrauch, landschaftlich hervorragende Gegenden des Rheinlandes durch Anbringung aufdringlicher Reklamenschilder außerhalb der geschloffenen Ortschaften zu verunzieren. Das- selbe Verbot würde auch manchen anderen ■ Gegenden sehr zum Bortheil gereichen. Man <
Insr-ate: Dit einspaltige Petit, zette ober derer Rauml5Pfg.,Re- klamen di- Petit- zerle 25 Pfg.; bet Wiederholungen wird entsprechende Rabatt gewährt
„Ich glaube, es gibt immer noch Menschen gm°-d°n, «s OK*; ÄlwibÄÄ1"8”“1“’“' 9"äbi9e5raui" untergeordnete Persönlichkeit; die spärlichen Ein- Eie sah ihn giftig an- Solche Wascklavven
Roman aus dem Wiener Leben. Bon L. v. Neidegg.
------ (Nachdruck verboten.)
Es hat eine Zeit gegeben, in der die deutsche Eisenindustrie in einer Krise sich befand. Das war die Folge der Freihandelspolitik in den siebziger Jahren. Die „Agrarier" haben damals, als die Erkenntniß von den Übeln Folgen dieser Freihandelspol.tik durchgedrungen war, ohne Murren für erhöhte Eisenzölle gestimmt und auch der anderen Industrie das an Zollschutz gewährt, was sie brauchte. Das Centrum war nicht minder bereit dazu. Damals ist aber Niemand auf den tollen Gedanken verfallen, die Eisenbarone wollten die Zölle nur haben, um ihre Reichthümer noch stärker zu vermehren, und die anderen Leute wollten die Zölle nur bewilligen, um Säcke Goldes in die Geldschränke eines Krupp oder Stumm aurzuschütten. Warum erhebt man nun jetzt das widerwärtige Geschrei vvm „Brodwucher?"
Für die deutsche Landwirthschaft handelt es sich jetzt darum: sie muß fortbestehen, ohne ihren Betrieb einzuschränken oder gar theilweise ei nz u stell en. Nicht daraus kommt es an, die Laudwirthe oder gar einzelne Land- wirthe zu bereichern, sondern darauf, die Rente der Landwirthschaft int allgemeinen in einer Höhe j zu erhalten, die die Landwirthschaft überhaupt lebensfähig macht. Die gegenwärtige Rente ist dazu zu niedrig; das haben aufs neue die Er- gebniffe der Erhebungen bewiesen, die von 1898 b'S 1900 auf Veranlassung des Wirthschostltchen Ausschuffes durch das Reichsamt des Inn rn an= gestellt wurden. Und das kommt hauptsächlich davon her, daß die Erträge aus d m Getreidebau zu niedrig sind. Der Getreidebau muß also unterstützt werden, genau ebenso, wie seiner Zeit die Eisenindustrie durch den ebenso unabweisbar nothwendigen Zollschutz untei stützt werden mußte, sollte sie nicht zu Grunde gehen.
Wie würde es denn aussehen um unsere Arbeiter, wenn die deutsche Landwirthschaft gezwungen würde, ihren Getreidebau zum größten Theil aufzugeben und zur Forst- und Weidewirthschaft überzugehen, ganz abgesehen von dem Ungeheuern Verlust an Volks-1 vermögen, der dadurch an sich verursacht werden würde? Große Massen von Arbeitern würden weiterhin ihre Beschäftigung verlieren, würden in ungezählten Scharen der Industrie zuströmsn, würden durch das massenhafte Ueberangebot die Arbeitslöhne in der Industrie drücken, und den Schaden davon würde der Jndustrie-Arbeiter selbst genau ebenso haben, wie die Landwirthschaft.
Das kann der Jndustrie-Arbeiter unmöglich
Gruber wußte recht wohl, daß er in diesem Kreise nur ein geduldeter Gast war. Der ehemalige Spezereihändler, wenn auch zum Rentner und
0 „Brodwucher."
Wucher ist ein häßliches Wort. Der Wucherer ist wie ein Mörder. Der Mörder vernichtet das das Leben, der Wucherer zerstört das wirth- schaftliche Dasein eines Menschen. Wenn man nun gar einen Menschen oder gar eine ganze Renschenklaffe verdächtigt, man wolle seinen Landsleuten die allernothwendigsten Lebensmittel und vor allen Dingen das liebe Brod in unnützer Weise vertheuern, nur um seine Habsucht zu befriedigen, so ist das ein so bösartiger Vorwurf, daß es geradezu das Volksleben vergiften heißt, wenn man ihn erhebt. Ein solches Beginnen würde, ganz genau genommen, so bodenlos gemein sein, daß ein Volk, deffen Mehrheit diesem Beginnen sich'anschlöffe, eigentlich gar nicht werth I wäre zu leben. Und so schlecht ist das deutsche Volk wohl auch in den Augen derer nicht, die gegenwärtig die „Agrarier" anklagen, sie wollten „Brodwucher" treiben, um ihre ohnehin gefüllten Taschen noch mehr zu füllen auf Kosten der Er- nährung der kleinen Leute, der Arbeiter und ihrer Familien.
Zunächst muß man sich immer wieder vor Augen halten, daß es der Landwirthschaft wirklich nicht gut geht. Die Erhebungen über die Lage der Landwirthschaft, die von 1898 bis 1900 im Auftrage des Reichsamtes des Innern angestrllt worden sind, sind beinahe schon wieder vergeffen; und doch spricht nichts deutlicher als gerave sie. Von den zurückgelangten Fragebogen wurden 1524 aus allen Theilen des Reiches brauchbar gefunden — eine stattliche Anzahl, die vollkommen hinreicht, um die wirklichen Verhältniffe richtig zu kennzeichnen, um so mehr, als diese eingelaufenen Antworten alle möglichen Arten landwirthfchaftlicher Betriebe umfassen. Nur 354 dieser Antworten stammt n aus Großbetrieben, die andern alle aus Betrieben mit bäuerlichen Verhältnissen. Und wenn man nun von allen diesen Antworten den Durchschnitt nimmt, so erhält man das überraschend traurige Ergebniß, daß die landwirthschaftlichen Betriebe aller Art im Durchschnitte nur einen Ertrag von 2,1 v. H. ab- werfen. Aber 12 v. H. aller Betriebe hatten überhaupt keine Verzinsung der Kapitalwerthes aufzuweisen!
Nun übertrage man das einmal auf das (gebiet der Industrie und des Handels. Wenn es dort einmal so erbärmliche Verzinsung des Anlage-Kapitals gäbe, was würden die Betheiligten dann sagen? Und was würden vor allen Dingen die Arbeiter sagen, wenn die industriellen Unternehmer durch so traurige Verhältniffe gezwungen würden, die Arbeitslöhne herunterzu- setzen oder den Betrieb ganz und gar einzustellen? Man nehme einmal an, der Eisenindustrie ginge es so, und alle Welt sähe klar die Roth- ’ wendigkeit vor Augen: entweder die Einfuhrzölle > für gewisse Eisenwaaren zu erhöhen, oder aber ' die deutsche Eisenindustrie ganz oder zum Theil i eingehen zu laffen. Eisenwaaren braucht jetzt ein
gemacht, jetzt kannst vor dem größten Publikum fingen."
„Setzen's ihr nur nichts in den Kopf;" fiel Stephanie ärgerlich ein. „Nachtigall hin. Nach- ttgall her; mit sentimentalen kleinen Liedern lockt man kein Publikum an. Die Leut' wollen Bewegung, sie wollen Ergötzung. Unterhalten wollen's fein."
nte den Versuch gemacht, sich über Öen Kreis zu erheben, dem sie von Jugend angehört; viel lieber hatte sie gesehen, daß auch ihr Mann sich mit demselben begnüge. Zu ihren vielen Gründen der Abneigung gegen Stephanie gehörte auch der, daß diese die Schwächen des alten Onkels gr- wlfferrnaßen groß zog, ihn aufmunterte, sich ja recht „fesch" zu zeigen, und absichtlich oder un- absichtlich dadurch Ursache mancher Blößen wurde die er sich gab.
„Richtig, jetzt muß ich aber fragen", fuhr Gruber fort, „wie ists mit der Nannerl gewesen? Hat die auch schon gesungen?"
»Wie eine Nachtigall!" antworteten die jungen Leute einstimmig.
ifi brav. Schau Kind", — er nahm shre Hand und tätschelte sie — „hab' ichs nicht nnmer gesagt, eS wird gut gehen? Zu was also die Angst vorher? DaS Lampenfieber hast dnrch-
„O! o!" wehrte Gruber. „Ein gutes Werbrrl; ein bischen händig, bös meint sie's aber nicht."
„Dann bedauere ick. daß eS so klingt;" versetzte Franz trocken. „Was haben Sie aber sagen wollen mit dem „größten Publikum?" Fräulein Buschmann soll doch nicht zum Theater?"
„Warum denn nicht? Was könnte die für Geld machen, wenn nur die Stimme kräftiger wäre."
„Aber die Leute find ja wohlhabend; wozu also die Jagd nach Geld?"
„Haben's schon Einer gefunden, der nicht gern noch mehr gehabt hätte? Und bann: schöne I Frauen verstehen es, Geld auszugeben. Die Stephanie, ja die Stephanie, der fließt'- nur so I durch die Finger."
Um Anna den Spaß zu verderben, hatte!
Erscheint täglich, m. Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Bierteljährl.
z,,ug,prrt» ohne Bringerlohn und Bestellgeld in «talba und aus« SärtSlM.S0Pf.
jeder Mensch, gerade so nothwendig wie das tägliche Brod, vor allen Dingen etwas eisernes Geschirr in der Küche, Scheeren, Messer und dergl. Würde wohl Jemand über „Eisenwucher" sich beklagen, würden die Landwirthe, die zu den besten Abnehmern der Eisenindustrie gehören, auch eine solche Hetze gegen die Eisenindustrie veranstalten, wie sie jetzt von den Freihändlern, den Freisinnigen, den Sozialdemokraten und manchen anderen Leuten gegen die „Agrarier" losgelaffen wird? Die Antwort auf diese Frage möge jeder sich selbst geben. Auch die Leute, welche jetzt gegen den vermeintlichen „Brodwucher" Hetzen, werden selbst zugeben müssen, daß sie den Land- wirthen ein solches Beginnen nicht zutrauen.
_______________28. Jahrgang.
sollte darum am besten dieses Verbot allgemein erlaffen, nicht nur für die Rhein- gegenden!
A«s dem Reichstage.
70. Sitzu»« vom 18. März.
DaS recht schwach besetzte HauS stimmt ohne Debatte oder mit sehr geringer Debatte in zweiter Lesung dem Entwürfe zu über die Ausübung der freiwilligen Gerichtsbarkeit und Leistung von Rechts- hllfe tm Heere, dem Anträge der Wahlprüfungs- Kommission, Beweiserhebungen zu veranstalten über die Wahl des kons. Abg. von Gersdorf im posenschen Wahlkreise Meseritz-Bomst, dem Anträge der Petitions-Kommission, eine Petition des deutschen Gast- wirtheverbandes über die Regelung des Handels mit Konserven der Regierung als Material zu überweisen.
Denselben Antrag hat die Petitions-Kommission gestellt zu der Behandlung einer Petition um Erlaß eineS Gesetzes zur Sicherung der Bauforde- r u n g e n. Das Haus tritt diesem Beschluffe nach kurzer Debatte bei.
Eine weitere Petition wünscht Einführung deS Reifezeugnisses vom Gymnasium als Vorbedingung für das thierärziliche Studium. Tie Kommission beantragt, die Petition dem Reichskanzler zur Berücksichtigung zu überweisen.
Ein Antrag des natl. Abg. Bassermann will noch hinzufügen: der Reichstag wolle zugleich das Ersuchen aussprechen, daß auch die Retfezeugniffe von neunklassig en Ober realschulen und von Realgymnasien die gleiche Berechtigung bedingen.
Nach kurzer Debatte, an der die Abgg. Aofmaun- Hall (südd. VolkSp.), Äastermann (natl.), Itettich (kons.), Hickhoff (freif. Bolksp.), Ledevur (sozd.), eeu Aardorff (freikons.) und Dr. Paasch« (natl.) sich be- theiligen, wird der Antrag Bassermann durch eine» Mehrheitsbeschluß angenommen und nachher fast einstimmig der Vorschlag der Kommtsfion.
Als Material wird dem Reichskanzler eine Petition um Aufhebung der Bäckerei-Verordnung überwiesen.
Ein sehr eingehende Debatte entwickelt sich im Anschluffe an Petitionen, die um die Einführung der Prügelstrafe für Rohheitsverbrechen usw. bitten. Die Petitions-Kommission beantragt Uebergang zur Tagesordnung.
An der Debatte betheiligten sich die Abgg. Dr. Heriek (kons.), Schrempf (kons.), Hroever (Centrum), vo« Aardorff (freikons.), MMer-Meiningen (freif.) und Dr. ZSoestAe-Kaiserslaulern.
Die Debatte schließt damit, daß über die Petition zur Tagesordnung übergegangen wird. Dagegen stimmen nur die Konservativen.
DienSt agl Uhr: Dritte Lesung des Etats
A«s dem Landtage.
»CP Avgeordxeteuhan«. — 52. Sitzung vom 18. März, b z^t *(8 $a6e8oitmun8 üeht die dritte Lesung
Beim Justizetat bringt Abg. AadSyk (Ctr.) die Mängel zur Sprache, dir in Schlesien bestehen beim Dolmetscher-Wesen in Folge von übertriebener Sparsamkeit.,
Justizminister Schönstedt ist dagegen der Ansicht, daß diese Beschwerden unbegründet seien.
Bei dem Etat der direkten Steuer» führt der natl. Abg. e. ßyner» Beschwerde über die Maßregeln bei der Steuerveranlagung. Ein vornehmer Mann mit hochachtbarem Namen hab^ ihm gesagt: Können Sie denn gar nichts dazu thun, daß mein ehrlicher Name nicht bei jeder Steuererklärung besudelt wird?
Finanzministrr v. Miquek erwidert, den früheren Beschwerden des Vorredners sei er nachgegangen und habe gefunden, daß sie in den meisten Fällen unbegründet gewesen seien. Meistens würden die Beamten ungerecht beschuldigt; die Schuld treffe gewöhnlich die Voreinschätzungs-Kommissionen. Beschwerden aber sollten nur so bestimmt gefaßt werden, daß eine Verfolgung der einzelnen Fälle möglich fei. Dann will der Minister dafür sorgen, daß jedem sein Recht werde.
erleben, daß das in ihren Augen so unbedeutende Mädchen wegen ihres Talentes gefeiert wurde, während ihr eigener Gesang die Zuhörer zur Flucht veranlaßte! Das war schwer zu ertragen, selbst wenn Anna's Stimme zur Goldquelle wurde.
Gereizt wie sie war, fühlte sie sich von Hellem Zorn überwältigt, als ihr Mann vergnügt ausrief: „Em famos»r Abend! Prächttg hat sich das Kind gehalten! Warst doch auch vergnügt. Kleine?"
„Ich hätte mich gar nicht besser unterhalten können, Papa."
„Das glaub' ich wenn man so hübsch zu koquettiren versteht," siel die Mutter schnei- dend ein.
Anna erwiderte nichts. Beim Schein der Lichter bemerkte aber ihr Vater, wie sie zornig an der Unterlippe nagte.
»Aber Steffi, laß doch da- Kind!" tadelte er. „Warum soll sie mit alten Bekannten sich nicht unterhalten dürfen?"
„Und doch, soll ich als Mutter nicht das Recht haben zu entscheiden, was schicklich ist? Aber ich sehe schon, meine Rolle ist ausgespielt; fie gilt alles, ich nichts mehr.
„Steffi, ich bitte Dich! Quäle mich und das Kind nicht. Als ob ich Euch Beide nicht gleich lieb haben könnte."
„Gleich lieb!" Sie schnellte empor. „Wenn geheirathet wird, heißt es: Ueber alles flieb; später: gleich lieb wie andere; schließlich muß man unter die Andere sich herabdrMm laffen. Ich merke wohl, ich werde alt; mit meiner Stimme könnte ich für Dich und Kinder nichts
mit Zlnterhaltungs-Meikage „Illuskrirte Sonntags-Zeitung"
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