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Die freiftaxige Breslauer Stadt»er«altu»g hat eine Schlachisteuer für Breslau »«geführt; und wenn irgend etwas dazu dienen kann, die uothwendigen Lebensmittel zu »ertheuern, dann ist es sicherlich eine solche Steuer für ein so eng begrenztes Gebiet, wie da« Stadtgebiet Breslau ist. Die freisinnige Breslauer Stadtverwaltung küßt sich dadurch aber gar nicht abhalten, die Schlachtsteuer zu erneuern: der Stadtverordneten- Berfammlung ist die entsprechende Vorlage de« Magistrate» bereit« zugegangen, und sie wird ohne Zweifel auch angenommen werden. Wenn so etwa» die freisinnige Stadtverwaltung macht, obwohl die Stadt gar nicht Roth leidet, sondern reiche Geld­quellen zur Verfügung hat, dann, Bauer, ist e« etwa» ganz anderes! Dann ist alles gut und schön. Aber wehe, wenn der bedrängten Land- »irthschaft geholfen werden soll und dabei die Ge- tteidehändler eine kleine Einbuße erleiden könnten — dann soll da« Volkswohl in Gefahr sein.

h. Masstschs Kifettvahttveamten haben Petitionen an den Reichstag gerichtet, und zwar erstens Zugführer in Schlettstadt, die An­rechnung der im Arbeiterverhältniffe zugebrachten Dienstzeit bei der Penfisnirung wünschen. Die Budgetkommission beschloß dem Reichstage vorzu­schlagen, daß diese Petition dem Reichskanzler zur Berücksichtigung überwiesen werde. Zwei­ten« bittet eine Petition von Lokomotivführern in Straßburg um doppelte Anrechnung der ersten 16 Dienstjahre bei Festsetzung des Ruhe­gehaltes — Erreichung des Höchstgehaltes nach zwölfjähriger Dienstzeit in zwei sechsjährigen Stufen — Festsetzung des etatsmäßigen Anfangr- gehaltes auf 1800 Mark und des etatsmäßigen Höchstgehaltes auf 3000 Mark. Die ersten beiden Punkte sollen nach dem Vorschläge der Kommission dem Reichskanzler zur Berücksichtigung, der dritte Punkt zur Erwägung überwiesen werden.

□ Kö'rr, 14. März. Die erste der dies­jährigen Pilgerkarawanen des Vereins vom hl. Lande ist heute Mittag »on Köln abgereist. Anmeldungen für die zweite Karawane (Abreise Mitte April) sind zu richten an Herrn Pfarrer

Richen in Viersen (Rheinland).

A«s dem Reichstage.

67. Sitzung vom 14. März.

Präsident Hr«f wen Aalleftr«« theilt dem Hause mit, daß Prinzre-ent Luitpold von Bayern dem Reichstage seinen besten und wärmsten Dank für die ihm bewiesene Aufmerksamkeit aus­drücken läßt.

In dem Etat des Reichsv ersicherungs- amtes beantragt die Budgetkommission eine Resolution über die Berleihung des RangeS von Rächen dritter Klaffe an die SenatSvorsttzenden des Amte«.

Die Sozialdemokraten beantragen eine Re- chlution über Berufung von Technikern uns Rational« Monomen zu ständigen Mitgliedern des Reichsverfiche- rungSamteS.

AuS der langen Beraihung war eigentlich nur eine Debatte über die Zusammensetzung de« Reichs- verficherungsamtes »on Bedeutung. Das Reichsamt deS Innern hat zwei feiner eigenen Räthe als Mitglieder in das BersicherungSamt entsandt, waS auch heute noch Staatssekretär Hraf ^osadowskq als daS gute Recht deS BundeSrathe» bezeichnete.

Die Abgeordneten ztoestcke-Deflau (wildliberal) und UrimSor« vom Centrum wiesen aber nach, daß da» ganz und gar den früheren Anschauungen wider­spreche, worauf der Staatssekretär keine Antwort weiter gab. Die übrige, beinahe sechs Stunden lange Sitzung wurde »on meist unbegründeten Beschwerden der Sozialdemokraten ausgefüllt.

Die Resolution der Budgetkommifsion wird angenommen, die sozialdemokratische Reso- kution abgelehnt.

Der Etat wurde schließlich genehmigt.

Freitag 1 Uhr: China-NachtragS-Stat, Weiterbe- rathung der StatSreste.

Schluß gegen 7 Uhr.

Aus dem Landtage.

** ASgrordueteuhaus. — 49. Sitzung vom 14. März.

Die Brrathu», des Kultus-Etats wird bei dem Kapitel „Medizin atm es en" fortgesetzt. Die Budgetkommission schlägt vor, den nicht voll be­soldeten Berichts- und Kreisärzten ein Mindestgehalt »»« 1800 Mk. zu geben, den KreiSarzt-Assistenten ein fMcheS von SO!) M.

Kultusminister Kindl erklärt.die Bereitwilligkeit der Regierung, beim nächsten Etat eine Denkschrift über

Musikfreund und tüchtiger Musikkenner, dabet ein sehr wohlhabender Mann, konnte er sich die Freude gönnen, Haus-Konzerte zu organistren, die in musikalischen Kreisen eine« gewissen Rufer ge­noffen. Wirklichen Künstlern und Dilettanten, — hervorragenden Talenten und bescheidenen Begabungen, — Allen gewährte der fteundliche Hausherr gastliche Aufnahme in den weiten Räumen seiner Wohnung.

Ein Salon in der Mitte, der geräumigste/ Hieb den Ausübenden als den Hauptpersonen ge­sichert; rechts und links schloffen sich Zimmer daran zur Aufnahme derjenigen, die nur die Freude an Geselligkeit Herzog, denen das unbe­deutendste Geschwätz lieblicher klang als die schönste Musik. Für die leibliche Verpflegung war durch ein reich besetztes Buffet Sorge getragen. Da Ulf» ein jeder Geschmack seine Rechnung fand, Knute es nicht fehlen, daß man zu diesen Abenden sich förmlich drängte.

Die eigentliche musikalische Aufführung hatte «och nicht begonnen, die Gäste stellten sich eben erst ein, schloffen sich in Gruppen von näher Be­kannten zusammen, gingen suchend, fragend, sich otientirenb, durcheinander. Da blieb ein flotter Husar vor eine« Offizier der Gönie - Truppe stehen:

»Schau, der Frarz Urbach!"

Das strenge Gesicht des Angeredeten erhellte sich zu einem freundliHen Lächeln: „Bist Du's wirklich, Ph.lpp?"

bie «ehaltr»erhält»iffe bei MebizmalKeamte» »orzu- lege», auch bie b»h bet Kommission vorgeschla,enen Behälter zu bewilligt*. Aber sie verweigert die Be­willigung von WobnungSgelbzuschüffen an diese Reizte, weil solche Zuschüffe nur an Beamten gegeben werden, bie ausschließlich vom Staate besoldet »erden.

Finanzminister ». Miquel fügt hinzu, bie Be­währung von WohnungSgelbern in diesem Falle würde allen rechtlichen Grundsätzen widersprechen, die bisher bei der Etatsaufstellung maßgebend waren. Der Mi­nister meint, eS sei schwer zu verstehen, wie man ein solches Verlangen stellen könne.

Ab,. Im Walke ((Str.) bekundet, daß ein größerer Theil seiner Freunde den vom Minister bargelegten Standpunkt theile und eine Erhöhung des Durch­schnitts,ehaltS den WohnungSgelbern vorziehe. Redner beantragt, die Angelegenheit nochmals an die Budget- kommission zurückgehen zu lassen.

Die Abgg. Markens (natL) und ». Lsevekt (kons.) treten für den WohnungSzuschuß ein, der vom Minister ». Miquel bekämpft wird.

«bg. Kante (Ctr.): Nach den Ausführungen, welche vor zwei Jahren vom Herrn Ministerialkom- miffar gemacht worden seien, hätte nicht angenommen werden können, daß die Kreisarztstellen in solchem Um­fange zur Einziehung gelangen würden, wie dieses nach dem Etat in Absicht liege. Bei Prüfung der Sache, so habe e« geheißen, sollten neben der Bröße der Kreise und der Zahl der Bevölkerung, vor allem auch die geographische Lage, bie Berkehrsverbindungen unb ähnliche Momente eine angemessene Würdigung finden. DaS sei aber keineswegs überall geschehen. Banz be­sonders könne bieseS hinsichtlich der Kreise Hünselb und GerSfeld, von denen der erste mit HerSfeld, der letztere mit Fulda verbunden werden solle, behauptet worden. Die Gegend sei in beiden Kreisen gebirgig und die Berkehrsverbindungen seien entsprechend schwierig und ungünstig. Dort werde es künftig dem Kreisärzte nicht möglich sein, im Falle einer Epidemie den an ihn herantretenden Aufforderungen zu genügen. Die Bevölkerung aber, deren Interesse »aS Gesetz doch auch wahrnehmen solle, »erde in die fatale Lage ver­setzt, bei ihren zahlreichen Säugen zum KieiSarzte die weitesten Wege zurücklegen zu müssen. Es gebe in beiden Kreisen eine Anzahl von Ortschaften, von denen aus künftig die Bevölkerung einen vollen Tag gebraucht, um den KrnSarzt aufsuchen zu können. Eine solche Aenderung der Berhältniffe, das stehe außer Frage, »erbe sehr halb zu lebhaften und, wie hinzugefügt werden könne, zu durchaus berechtigten Klagen führen. Leider erscheine es wohl nach Sage der Berhältniffe ausgeschlossen, baß t»n der für dieses Jahr beab­sichtigten Einziehung der beiden Kreisarztstellen Ab­stand genommen werde, aber er gebe sich bet Hoffnung hin, daß die Königliche Regierung nach nochmaliger Prüfung der Berhältniffe sich »on her Nothwendigkeit überzeugen werde, beide Kreisarztstellen in den nächst­jährigen Etat wieder einzustellen. Solange dies aber nicht geschehen .fei, könne eine Lösung der Schwierigkeiten nur darin gefunden werden, daß ent­weder beiden KteiSphgfikatsbezirken ein Kreisarzt kom­missarisch belassen «der in beiden Kreisstädten eine «tersarzt-Assistentenstelle errichtet werde. (Bravo!)

Abg. v. Aage« (Tentr.) «endet sich gegen bie Ab­sicht, bie KreiSphysic in Meppen unb in Sögel am Hümliug nicht durch Kreisärzte zu ersetzen. Es empfiehlt sich jedenfalls, provisorisch bie Herren dort zu behalten; wenn sich die Stellen nun als überflüssig erweisen, könne man sie ja später noch beseitigen. ES würbe aber mit großen Schwierigkeiten verbunden sein, an diese Orte mit geringen Einkünften andere Aerzte später hinzuzuziehen.

Ein AegiernngskamWiffar vettheidigt die Maß­nahmen bet Regierung gegenüber ben beiden Vor­rednern. Wenn sich später ein Bedürsniß in den Kreisen hetausftelle, »erbe die Anstellung von Kreisärzten er­folgen.

Die Diskussion schließt, die Etatstitel mit den Kom- misfionsanttägen werben an bie Budgelkommisston zurückverwiesen.

Bei den einmaligen Ausgaben beantragt der kons. Abg. »on AeybeSraudl, die Regierung zu ersuchen, das in ben beiden Tagungen geforderte Schuldota- tionSgesetz nunmehr baldigst vorzulegen. Der Antragsteller bezeichnet die heutigen Zustände als vollkommen unhaltbar. Heute gehe derjenige frei auS, bet die Echullasten veranlaßt, während die Baulast dem ■ fettigen auferlegt wird, der am wenigsten dafür ver­antwortlich gemacht werden kann. Man müffe ein Prinzip finden, bas die Baulast gerecht regelt unter Wahrung des LharakterS bet tonfeffienellen Schule; denn bieSimultanschulen haben sich nicht be­währt. In bet Forderung einer konfessionellen Schule sind bie weitesten VolkSkreise einig. Warum bringt der Minister daS Besetz nicht? Glaubt er etwa, daß sich wieder eine Protestbewegung erheben würde, wie bei dem Volksschulgesetze des Grasen Zedlitz? Wenn ja, bann verkennt et vollständig bi Sachlage!

Minister Stadt erwidert: Ich »erkenne nicht, daß bie gegen et ärttge Lage eine schwierige ist, daß sie Härten und Ungleichheiten He.beisührt. Aber ein gesetzgeberisches Einschreiten erfordert doch auch eine gesetzgeberische Grundlage, unb blefe letztere sehlt zur Zeit. Die bestehenden Rechtsverhältniffe bieten zu große Schwierigkeiten. Patronate, Betpflichtungen von Gutsherrschaften, Unterhaltungspflicht der Kommunen unb der Schulsozietäte« — alle sollen unter einheit­liche Bestimmungen gestellt werden. Ein solcher Ge­setzentwurf bedarf bet Zustimmung be8 Finanzministers und bei Ministers bes Innern, so daß der Zeitraum von einem Jahre zu kurz bafflr bemessen ist.

Die Freunde, die sich Jahre lang nicht ge­sehen, reichten einander die Hände, und schüt­telten sie so kräftig, als gelte es, alle Versäum- niffe der Zwischenzeit in der einen Minute gut zu machen.

„Ja, wie kommst Du hierher, Franz?"

„Auf der Durchreise nach Sarajewo, meinem neuen Bestimmungsort"

„Bosnien? Condolire."

„Das Hais nicht nöthig. Ich denke, ich be­komme dort viel zu thun mit Brückenbau, Anlage von Straßen und derlei" ....

„Immer noch erfüllt von Nützlichkeitsmeierei!" lachte Holzer. „Hast's übrigens weit damit ge­bracht: schon Hauptmann! Ich bin erst Ober­leutnant, dafür bin ich bei den Husaren und seit kurzem hier in Garnison. Du sausest wohl nur so durch, der Pflicht entgegen."

„Gott bewahre; ich bin kein Dienststx wie Du zu glauben scheinst; ich habe mir einen drei­wöchentlichen ILI ub erbeten, den ich hier zu- bringe. Zwischen Galizien und Bosnien bedarf ich dringend einer Auffrischung."

„Freut mich, daß Du hie und da doch wie ein gewöhnlicher Mensch zu handeln beliebst," scherzte Holzer, und plauderte dann munter weiter von den Erfahrungen und Erlebniffrn der letzten Jahre.

(Fortsetzung felgt.)

tbgeerbueter »r. Wersch (Zentrum) tritt bem «betrage Heqbeßranbt bei. AIS eigentliche Noth- »enbigteit bezeichnt bet Redner ein BelkSschulgesetz, bech würbe bas Ctentrum einstweilen mit biefer Ab­schlagszahlung zufrieben sein, wenn bet konfessionelle Charakter bet velksschule dabei gewahrt bleibe.

Rach weiteren Bemerkungen der Abgeorbneten Steigert wew Zedlitz (fteikons), Keqdek (freitonf.), ASnsch.Kchmidklei» (freitonf ) unb Ehler- (stets. Berg.) wird

bet Antrag Heybedrandt einstimmig an­genommen.

Freitag 11 Uhr: Kleinere Notlagen. Rest beS Etats.

• Ssris, 14. März. Das katholische Volk in Frankreich beginnt sich zu regen, indem es Massenproteste sammelt, die das Vor­gehen der Regierung gegen die katholische Kirche und gegen die Kongregationen im Besonderen aufs Schärfste verurthrilen. — Die Deutschen haben sich von jeher als Nachäffer der Fran­zosen Rahm erworben. Ein umgekehrter Fall ist deshalb um so Aufsehen erregender: Frank­reich hat einen — Hakatismus. Als der Erzbischof Sonnois von Eambrai in seiner Erzdiözese den Glaubensunterricht in vlämischer Sprache ertheileu ließ, schrieb der Minister ausdrücklich vor, daß künftig der Katechismus dort ausschließlich französisch gelehrt werden muß. — Ganz wie bei uns! Aber was werden — fragt die .Germania' — unsere deutschen Hakaüsten dazu sagen? Die Blamen sind nämlich niederdeutscher Ab­stammung und sprechen ihre eigene dem Nieder­deutschen wie dem Holländischen verwandte Sprache. Ob sie sich j-tzt wohl des deutschen Sprichwortes erinnern werden: „Was du nicht willst, das man dir thu' — das füg' auch keinem Andern zu?"

X 14. März. Die,Times' meldet,

daß den Anträgen der Regierung zufolge die Civilliste des Königs auf rund 9^2 Mil­lionen Mark festgesetzt worden ist.

+ Asm, 14. März. Ein hier mit großer Bestimmtheit auftretendes Gerücht besagt, daß zwischen dem Vatikan und der russischen Regierung über die Besetzung der erledigten Bis- thümer eine vollständige Einigung er­zielt worden sei. Dem Einvernehmen über die Bisthümcr von Mohilew und Zitomir ist nun­mehr ein solches hinsichtlich des BiSthumS von Plock erfolgt, indem der Vatikan den von der russischen Regierung vorgeschlagenen Kandidaten genehmigt hat.

® Htlorv«, 14. Marz. Das kanadische Unterhaus verwarf mit großer Majorität einen Antrag, in welchem gegen die A b - sendung weiterer kanadischer Truppen- abtheilungen nach Südafrika und die Anwerbung von Kanadiern für den dortigen Polizeidieust Einspruch erhoben wird. Der Premierminister Laurier sprach sich gegen den Antrag aus, wenn er sich auch damit einver- standen erklärte, daß keine weiteren Truppen nach Südafrika gesandt wer­den, da der Krieg in der Hauptsache zu Ende sei. Er mißbilligte eS aber, daß man eS den britischen Unterthanen in Kanada verbieten wolle, sich für das Heer des Königs anwerben zu lassen. Die Wiederaufrichtung der Südafrikanischen Republiken sei un­möglich.

KSttKlSS.

Fulda, 15. März.

Ö Die Tages Ordnung für die regelmäßige Sitzvttg der Stadtverordvelc» am Montag, Sen 18. März 1901, Abends 7'/, Uhr, lauter: 1) Wahl von vier Magistrats-Mitgliedern. (Hr. Halbleib). 2) Fluchtlinienplan am Zickegarten. (Hr. Fritz u. Kommission). 3) GehaltSregulirung des Bauaufsehers Merz. (Hr. Arnd). 4) An­kauf eines Streifens Straßenfläche am Konvikt vom früheren Radloff'scheu Hause. (Hr. Eicken- scheibt). 5) Uebernahme der Kosten für die Gas­leitung in der Lioba-Straße. (Hr. Gegenbaur). 6) Löschungs-Urkunden. (Hr. Kapp). 7) Mit- theilung eines Schreibens des Herrn Oberbürger­meisters. (Hr. Halbleib). 8) Vortrag der Bi­lanz des DarlehnSkaffen-VereinS Kleinlüder. (Hr. Koch). 9) Ankauf von 23 p m Gelände tm Hitzenplan und Entschädigung sür Veränderungen an dem Besitzstände des Verkäufers. (Hr. A. Schwarz). 10) Ankauf der Gärtchen am Abts- thore und Anlegung eines neuen Weges. (Hr. Gegenbaur). 11) Mittheilung eines Schreibens deS Herrn Regierungs-Präsidenten, die Aus­bildung von Pflegerinnen betreffenv und eventuell Bewilligung eines Zuschusses hierzu. (Hr. Dr. Raabe) 12) GaSwerks-Rechnung. (Kommission)

f Das dem verst. Schlöffet an der Bahn Joseph Gutberlet gehörige mit Hinter­

gebäude in der Königstraße Rr. 1 ist für den Preis von 11,500 Mark in den Besitz de« Herrn Schuhmachermeister« Hugo Fleischer übergegangen.

4. Mit der Vertretung deS Landes­bibliothekars Dr. Seelig ist Herr Bibliothekar Dr. Scherer aus Raffel betrau' worden.

* Der Herr Regierungspräsident hat auf Grund de« § 131b de« Reich-gesetze», betreffend die Abänderung der Gewerbeordnung, vom 26. Juli 1897 im Einvernehmen mit der Handwerks­kammer zu Kassel GefeKe»p»Sk»»gs*rtzmm,ea für folgende Handwerke im Bezirke der Hand­werkskammer erlassen: 1) Bäcker, 2) Tischler, 3) Schornsteinfeger, 4) Schmiede, 5) Maler, An­streicher. Weißbinder und Lackirer, 6) Dachdecker, 7) Schlachter, 8) Schneider, 9) Stellmacher und

Wagner, 10) Buchbinder, 11) Barbiere, Friseure und Perrückenmacher, 12) Drech«ler, 13) Sattler, 14) Schuhmacher, 15) Konditoren, Pfefferküchler und Bonbonkocher, 16) Maurer, 17) Zimmerer, 18) Orgelbauer und Instrumentenmacher, 19) Tuchmacher, Weber und Wirker, 20) Färber, 21) Seiler, 22) Töpfer, 23) Pflasterer. Alsbald nach Vervielfertigung der Gesellenprüfungsord­nungen wird jeder Aufsichtsbehörde ein Exemplar der für ihren Bezirk in Frage kommenden Ge­sellenprüfungsordnungen und jedem Prüfungsaur- fchuß ein Abdruck der für ihn bestimmten Prü­fungsordnung übermittelt. Die Prüfungsord­nungen liegen vom 1. April d. I. an bei den Aufsichtrbehörden zu Jedermanns Einsicht au» und werden außerdem bei der Handwerkskammer zu Kassel käuflich zu haben fein.

* Die MikttirfttHrkrrtrtt sollen, wie ver­lautet, vom 1. April ab billiger werden und zwar um ein Drittel des jetzigen Preises.

*■ Km »erfe-kt-r Aevensöerrrf ist für den Menschen wohl der schwerwiegendste Schaden auf wirthschaftlichem Gebiete. Die Berufswahl ist aber verfehlt, wenn ohne Noth ein ungelernter Beruf gewählt wird, die nöthigen persönlichen Eigen­schaften fehlen, die Wahl zu spät er­folgt, ein überfüllter Beruf oder ein schlechter Meister gewählt wird. Sollen diese Fehler vermieden werden, so ist es nöthig, daß die Schuljugend, die Eltern und Vor­münder zeitig vor denselben gewarnt werden. Letzteres kann geschehen durch die Lehrer und Geistlichen in den Schule«, in den Ver­einen, sowie durch die Presse. Besonders wichtig erscheint uns aber die Schaffung einer besonderen Berufsstatistik. Die­selbe ist keineswegs identisch mit dem Arbeits­nachweis. Dieser weist avgemeldete offene Stellen an Strllensuchende nach. Die Bervfs- statistik muß nachweisen, wie die einzeinen Berufe besetzt sind, und in welchen begründete Hoffnung auf eine spätere gesicherte Existenz ge­geben ist. Eine Berufsstatistik im genannten Kinne gibt eS nun heute noch nicht, nur ganz geringe Ansätze dazu sind vorhanden. Gewiß ist es schwer, eine vollständige Berufsstatistik zu führen; dieselbe müßte, wenn sie ihre Zwecke ersüllen soll, große Gebiete, man kann wohl sagen, das ganze Reich umsaffen; sie müßte dem Schwanken der Konjunktur, der ganzen wirth- schaftlichen Entwickelung Rechnung tragen. In- deß sollte man trotz der Schwierigkeiten die Lösung der Aufgabe versuchen, zunächst durch Aufstellung einer Berufsstatistik durch die Schule. Bei der Schulentlassung könnte näm­lich in den Abgangsifften eine Rubrik eingesührt werden, betitelt: „Der gewählt« Berus." Die höheren Schulbehörden hätten die Resultate dieser Statistik an irgend eine Zentralstelle, etwa an das Statistische Amt in Br-lin, abzu­liefern, »on wo aus jährlich die Veröffentlichung des Materials nach entsprechenden Gesichts­punkten geordnet erfolgen könnte. Nebenher­laufende behördliche Berufszählungen im An­schluß an die Personenstandsaufnahmen könnten daun in Verbindung mit dem statistischen Material der Schulbehörden «ine ziemlich zuver­lässige Berufsstatistik ermöglichen. Einleitende Schritte dieser Art sind geschehen in einzelnen Gemeinden, so in Frankfurt a. M. und Krefeid, wo die Schulbehörsen Nachweise über die Be­rufswahl veröffentlichen. Go lange eine ausge­bildete Berufs-Statistik in großem Maßstabe noch nicht vorhanden ist, gilt es, die jetzt möglichen Nachweise über beschränktere Gebiete zu benutzen. So können Auskunft über einzelne Gewerbe recht wohl die Innungs-Verbände geben. In diesen ist ein einzelnes Handwerk über ganz Deutschland organistrt; so haben z.B. die Bäcker- Innungen einen solchen JnnungS - Verband mit dem Sitze in Berlin. Da die Durchführung der das übermäßige Halten von Lehrlingen einschrän­kenden Bestimmungen des Handwerker - Gesetzes vom Jahre 1897 im Interesse der Handwerker liegt, haben die Innungen ein Interesse daran, Erhebungen über die Zahl der beschäftigten Lehr­linge zu treffen, Die E gebniffe dieser Erhebun­gen, welche am besten von den Innungs-Verbän­den oder auch den Handwerkskammern vor» genommen werden, bieten dann gleichzeitig die gewünschte Berufs-Statistik. Ferner können noch dieArbeits-Nachweise, wie sie von Gemein­den oder gemeinnützigen Vereinigungen fast in allen größeren Orten in's Leben gerufen und in manchen Landestheilen bereits in Verbänden crn- tralistrt sind, durch die Veröffentlichung ihrer tatistischen Ergebnisse schon häufig eine gewisse Berufs-Statistik liefern. Aber auch der einzelne Arbeüs-Nachweis, sei er ein öffentlicher, allge­meiner oder nur in einem Vereine errichtet, kann >ei der Berufswahl gute Dienste leisten. Der- elbe soll möglichst in steter Fühlunanahme mit >en Innungen und gemeinnützigen Vereinen von Arbeitgebern rc. die Vermittelung von Lehr- lingsstellen möglichst in die Hand nehmen. Endlich kommen noch die Jugend-Bereini­gungen bei der Berufswahl in Betracht. Ihnen ällt vor Allem die Sorge zu, den Gefahren ent» jegenzuwirken, die, tretzdem alle Vorficht bei der Berufswahl geübt ist, nicht immer ganz zu be- eiligen waren oder nicht völlig verhütet werden önnen. Insbesondere können fie auch den Eltern lder die zu wählende Lehrstelle mit Auskunft zur Hand gehen.

Aus dem NllchüargedieL.

G Hstappevharrses, 17. März. Am Di<us- tag machten mehrere Landwirthe von Rothemann