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JuLöa, Mittwoch, den 13. März 1901.
Jahrgang.
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Zu Windthorst's Gedächtniß.
Zehn Jahre sind am 14. d. M. verflossen,
Augen zur eioigtu schipp ^gestorben am 14. März 1891).
Was er dem katholischen Volke Deutschlands gewesen ist, mag nur Derjenige annähernd er» messen können, der die schwere Zeit harten Ringens um die Freiheit der katholischen Kirche in Deutschland mit durchkostet hat. Wohin der Ansturm des Kulturkampfes, wäre er nicht gebrochen worden, den deutschen Katholizismus getrieben hätte — wir wissen es nicht. Dessen sind wir gewiß: nur die felsenfeste Ueberzeugung von der Berechtigung der Forderungen der katholischen Kirche, sowie ein kraftvolles Festhglten an ihren angestammten Rechten, wie sie einem Windt- h o r st eigen waren, konnten die Macht verleihen, die katholische Kirche durch die wildwogende Brandung des Kulturkampfes hindurch wieder zu einigermaßen ruhigen kirchenpolitischen Verhältniffen zu führen. Im Kulturkämpfe die Begeisterung für die heiligen Rechte der Kirche bei den deutschen Katholiken in Hellem Feuer erhalten und sie zu treuem Festhalten an denselben ermuntert zu haben, bleibt das große Verdienst Windthorst's.
War unser Windthorst doch „ein Parlamentarier ersten Ranges, ein bedeutender Politiker, ein ganzer Mann und ein treuer Sohn seiner Kirche". Aber er ist „nicht nur ein Politiker und Parlamentarier von Weltruf gewesen, er war auch eine durchaus volksthümliche Persönlichkeit". „Windthorst war vor Allem ein Mann des Rechtes, ein Anwalt der Volksrechte, ein Wächter des Verfassungsrechtes. So war er „einer der einflußreichsten Männer Deutschlands", „dessen große Gaben der Stolz des Vaterlandes gewesen sind", dabei „ein lauterer Charakter, gütig, mild und hilfsbereit, von gewinnender Freundlichkeit gegen Jedermann". „Die Ehren, welche demTodten erwiesen werden, verkünden, was er der Welt gewesen ist, sie gelten dem Streiter, der gefallen ist auf dem Felde derEhre, demArbeiter, der ein großes Tagewerk rühmlich vollbracht hat."
So wurde vor nunmehr IO Jahren bei Windthorst's Hinscheiden sein Bild von gegnerischen Blättern aller Parteirichtungen gezeichnet, denen obige Aeußerungen wörtlich entnommen sind. Und so steht sein Bild in treuem Andenken bei uns, seinen katholischen Freunden. Freilich fügen wir hinzu: Uns war er mehr! Unser unermüdlicher, erfolgreicher Vorkämpfer für die höchsten und heiligsten Güter in den schwersten Zeiten politischer Kämpfe um die Freiheit und Rechte der Kirche!
Was das Centrum geworden, ist es vor allem durch Windthorst geworden, dessen Taktik ihm vorbildlich geblieben, dessen Tradition noch heute in seinen Reihen lebendig ist und ein mächtiges Bindeglied für die Partei bildet.
Aber nicht nur in politischer, auch in sozialer Hinsicht verdient Windthorst die ehrende Dankbarkeit der deutschen Katholiken. War unter seiner Führung glücklich am Ende der 80er Jahre der Angriff eines extremen kirchlichen und politischen Liberalismus niedergeschlagen, da erhob ein anderer gefährlicher Feind immer drohender sein Haupt: Die Sozialdemokratie rief nun offen ihre Mannen auf zum Kampfe gegen ihre bisher mächtigste Gegnerin, die katholische Kirche und die von ihr verthridigte christliche Gesellschaftsordnung. Nun mußte der Katholizismus neue Waffen gegen einen neuen Feind schmieden, den sozialdemokratischen Massen mußte eine geschloffene Organisation der Kacho- liken entgegengesetzt werden. Der Volks verein für das katholische Deutschland erstand auf Windthorst's Veranlassung zur Bekämpfung der Sozialdemokratie und Vertheidi-
gung der christlichen Gesellschaftsordnung. Sollte aber eine Bekämpfung der Sozialdemokratie erfolgreich sein, so galt es vor Allem, die Ursachen der sozialen Mißstände zu beseitigen, denen die Sozialdemokratie immer neue Rekruten verdankt. Als Mittel zur Bekämpfung der Sozialdemokratie war also die Förderung der Sozialreform von selbst gegeben.
Die Mitarbeit an der Sozialreform, der Lösung der sozialen Frage hatte Windthorf sich zu einer seiner Lebensaufgaben gemacht. Schon früh, als manche Kreise die Existenz einer sozialen Frage noch in Abrede stellten, lenkte er von der Tribüne des Parlamentes die Aufmerksamkeit auf die vorhandenen sozialen Mißstände hin suchte deren Ursachen zu erfassen und zugleich die Mittel zur Heilung der sozialen Schäden anzugeben. „Ich sehe," so sagte er in der Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses vom 26. November 1873, „die soziale Frage für furchtbar ernst an und ich glaube, daß es sehr viel wichtiger wäre, uns damit gründlich zu beschäftigen, als daß wir alle Tage Kirchen- und Schulpolitik treiben. Ich beklage auf's Tiefste die vielen Verirrungen, welche auf diesem sozialen Gebiete bestehen, ich beklage insbesondere auch die vielen Zeichen von Jrreligiöfität, welche sich damit vermischen. Aber fragen wir uns recht ernsthaft: Haben wir in Beziehung auf diese Frage unsere Pflicht gethan?"
Windthorst war an der Spitze des Centrums für die Hebung der materiellen Lage des Ar- beiterstandes unablässig bemüht und konnte sich rühmen, auf dem Gebiete des Arbeiterschutzes ein leitender und treibender Faktor gewesen zu sein. Und würde ihm ein längeres Leben be- fchieden gewesen sein, so würde er nach Wiederkehr ruhigerer Zeiten für die Kirche noch mehr an )er Durchführung der nunmehr stärker in den Vordergrund tretenden sozialen Aufgaben gearbeitet haben. Diese Ausgaben zu übernehmen und in Windthorsts Sinn weiter anszuführen, ilieb der gesetzgeberischen Mitarbeit der parlamentarischen Vertretung der deutschen Katholiken vorbehalten. Daß es der letzteren hierbei nicht an der Unterstützung der weitesten katho- ischen Volks kreise gefehlt hat, ist vor allem das Verdienst von Windthorsts„Testamentsvollstrecker", >es Volksvereins für das katholische Deutschland.
Seine letzten schwachen Kräfte hatte Windt- borst seinem letzten großen Werke, der Gründung des Volksvereins für das katholische Deutsch- and, geweiht, überzeugt, daß, wenn er nicht mehr sei, das katholische Volk sich der Voll- treckung seines letzten Willens in seinem Geiste annehmen werde, daß sein Geist in demselben ortleben und dasselbe zu neuen Thaten und Erfolgen auf sozialem Gebiete führen werde. Wenn Windthorst im müdem Alter seine letzte Kraft dieser Ausgabe opferte, um wieviel mehr muß das ganze katholische Volk in dankbarer Anhänglichkeit an seinen großen Führer mit rischer Kraft sich der Fortführung dieser Aufgabe annehmen, insbesondere durch eifrige Ber- ireitung des Volksvereins für das katholische Deutschland, durch eifrige Mitarbeit an seinen Zielen.
Hierzu möge neue Kraft verleihen das heutige Gedächtniß an Ludwig Windthorst.
Vermischtes.
(*) jMeitte Nachrichten. Berlin. In Petersburg starb nach längerem Leiden der Kommandart General der Kavallerie von Adelson. — In der ,Boff. Ztg/ findet fich folgendes Inserat: „Zum 1. April suche ich einen hochherrschaftlichen Kutscher, evang., verh., welcher wirklich geschickt zu fahren versteht, vorzüglich«! Pferdcpfleger ist und ein gutes Kutschergeflcht hat. Es werden nur Bewerber mit den allerbesten Zeugnissen berücksichtigt." — Der Wirkliche Geheime OberregierungS- rath E. Dahrenstaedt ist im 73. Lebensjahre ge- torben. — Breslau. Das hiesige Bankgeschäft AlbertHolz wurde polizeilich geschlossen. Ter .Breslauer Zeitung' zufolge beschlagnahmte die Staatsanwaltschaft die Geschäftsbücher und Papiere. Holz soll aus Breslau verschwunden fein — Düsseldorf. In einer Strafkammersitzung zu Düffeldorf nahm jüngst der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Mosbach, Veranlassung, eine mit einem auffallenden Kopfputze versehene weibliche Angeklagte darauf aufmerksam zu machen, daß man nicht als „Modepuppe" vor Gericht erscheine. Gleichzeitig wurde deswegen dem anwesenden Vater des Mädchens eine ernste Rüge zu Tbetl. — Köln. Im benachbarten Mühlheim a. Rh. erstach im Streite ein Zimmermann "eine ihm erst vor wenigen Monaten angetraute Frau. — Im Bolksgarten bierselbft versuchte ein junges Paar ich das Leben zu nehmen. Der Bräutigam feuerte einen Schuß auf die Braut und auf sich selbst ab. Beide wurden tödtlich verletzt ins Hospital befördert. — Paris. In der Nacht vom 8. zum 9. März ist ein großer Einbruebdiebstahl in dem Bahnhofe von Montivilliers verübt worden. Die Diebe find durch die Bureaus der Packlräger in die Kaffenräume gedrungen, haben, ohne gestört zu werden, alle Kästen und Geldschränke erbrochen und zusammenSummen weggenommen, 6ie über 265,00u Francs betragen. Natürlich fehlt von den Verbrechern bis jetzt jede Spur.
* Unterschied. A.: „Als Frau Power noch arm, war, sagten ihre Bekannten, sie wäre ein fürchterliches
Klatschmaul; aber seit sie reich ist ..." — B.: „Na, was sagen sie denn jetzt?" — A.: „Sie meinen, sie besäße eine glänzende Unterhaltungsgabe."
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Literarisches.
D«s Wirke« der kattzokische« Kirche auf de« Krdenruud unter vesonderer Berücksichtigung der Keidenmisstonen. München, Allgemeine Ber- lagsgesellschaft. 20 Hefte ä 1 Mark.
In dem jetzt erschienenen 2. Hefte dieses Prachtwerkes wird die Darstellung der Missionen der Welt durch die katholische Kirche fortgeführt, indem der Abschnitt über die Glaubensverkündigung im Mittelalter abgeschlossen wird; das 5. Kapitel: „Allgemeine Ueber- sicht über die Entwickelung der Missionen vom Zeitalter der Entdeckungen ab" und der 6. Abschnitt, der dem Missionswerk der Jesuiten gewidmet ist, führen uns in großen Zügen in die interessantesten Perioden der Kirchengeschichte ein, und die letzten beiden Seiten des Heftes eröffnen eine Darstellung der Misstonsarbeit in den letzten drei Jahrhunderten, die außerordentlich lehrreich zu werden verspricht. Man hört von vielen Seiten, daß der dritte Band des unter dem Gesammttilel „Die Katholische Kirche unserer Zeit und
Wie lange gefürchtet, von Niemandem gewünscht, von den Chinesen jedoch sehnlichst erhofft wurde, ist nun eingetreten. Die in Ostasien inte- ressirten und durch Militärmacht vertretenen Staaten haben sich in Folge des Vorgehens Ruß- ands in der Mandschurei und dem ganzen nörd- ichen China entzweit. Zum befferen Verständniß der Sache und um einen jlteberblick über den nicht nur in räumlicher Hinsicht bedeutenden Jntereffen zu geben, um die es sich dort handelt, bieten wir unfern Lesern beistehend eine Karte Nord Chinas, aus der speziell das Vordringen Rußlands gegen Peking erhellt.
Rußland setzt alles daran, seine durch das Separatabkommen mit China erlangten Vortheile, ie nicht nur eine verschleierte Annektirung der Mandschurei, sondern auch ein Protektorat über die Mongolei darstellen, sicher zu stellen. So übt es auf Li-Hung-Tschang eine starke Pression aus, um die Unterzeichnung des Abkommens bezüglich der Mandschurei zu beschleunigen. Gleichzeitig verabsäumt es nicht die Stärkung einer militärischen Stellung in der Mandschurei. Außer der sogenannten Schutzwache, der seit Kurzem die Uniform des Grenzwachkorps verliehen wurde, verbleiben nämlich bis auf Weiteres als ständige Besatzung in der Mandschurei 4 ostsibirische Infanterie - Regimenter, 2 Bataillone Festungs- Artillerie, 3 ostsibirische Feldartillerie-Abtheilungen, 1 Reiter-Division, 1 Sappeur-Kompagnie. Den Oberbefehl über die russische Truppenmacht in der Mandschurei übernimmt Lenewirsch. Der Stab wird aus Nikolsk nach Ntnguta, also weit nach Süden in der Mandschurei verlegt. Die russische Beschlagnahme der Seezölle in den mandschurischen Häfen wird bestätigt. Ferner kommt die Nachricht, daß die quer durch die Mandschurei von dem i Irtegshafen Wladiwostok in westlicher Richtung nach der sibirischen Bahn führende „ostchinestsche Eisenbahn", die völlig russisch ist, von Wladiwostok
ihre Diener in Wort und Bild" erscheinenden Werkes weitaus der schönste w-rde. Auch wir theilen diese Auffassung, wenn der Schluß von dem bisher Gebotenen auf das Ganze richtig ist. Der Bilderschmuck besteht aus zwei Tafeln: Die Kirche Notre Dame la Grande in Poitiers nach Originalphotographie und Das Osterfest zu St. Peter in Rom nach einen Gemälde des berühmten Historienmalers Horace Bernet. Die Textbilder führen uns nach Beirut, Bagdad, Deutsch-Ostafrika, an den Tanganjika, nach Abessynien, in die Polarregionen, nach Mexiko, Japan, Toaking, Neu-Kaledonien, China, Rom, Speyer und an manche sonstige Orte. Die Auswahl der Bilder ist vorzüglich, ihre Vervielfältigung musterhaft.
Marktberichte.
* Würzvurg, 9. März. An den sechs Markttagen waren zugeführt: 4 Bullen, 23 Ochsen, 23 Stiere, 37 Kühe, 197 Kälber, 1393 Schafe, 513 Schweine. Preise per Pfund Fleischgewicht: Bullen 48—00 'Pf., Ochsen 64-65 Pf, Stiere 60-62 Pf., Kühe 47-60 Pf., Kälber 46—51 Pf., Schafe 46—48 Pf., Schweine 53—54 Pf. Auf dem Jungschweinemarkt standen feil 28 Läufer und 792 Ferkel; erstere kosteten 36—73 Mk., letztere 12-32 Mark das Paar.
über Charbin bis nach Tsitsikar fertig gestellt ist. Wichtig ist ferner das chinesische Zugeständniß, daß Rußland eine Bahn von der Mandschurei direkt nach Peking bauen darf.
Wie sehr sich die Ruffen in der Mandschurei häuslich einrichten, zeigt folgende Meldung. An zwölf Orten in der Mandschurei werden russische Kirchen errichtet, die schönsten in Charbin, Zizikar, Girin und int heiligen Mulden. General Grodekow wird im März in Petersburg erwartet, er hat einen Verwaltungsplan für die Mandschurei aufgestellt. Zahlreiche Beamte sollen angeworben werden.
Eine Ergänzung bezw. Verstärkung erhält das Abkommen noch durch die andere, längst in der Luft schwebende Thatsache der,Konzes sionirung einer Bahn von Kiachta, dem berühmten Karawanen-Orte an der sibirisch-chinesischen Grenze, über Kalgan nach Peking. Diese ganzen Vorgänge sind von weittragender und hoher politischer Bedeutung.
In unserem Kartenbilde sind die in der Mandschurei im Anschluß an die sibirische Bahn im Bau befindlichen Bahnen, sowie alle sonstigen politisch wichtigen Verhältnisse eingetragen. Durch eine staikeLinie ist sodann die Ha-iptrichtung der neuen Bahn Kiachta - Kalgan - Peking eingetragen, die dem Jahrhunderte alten Karawanenwege durch die Wüste Gobi folgt. Der Vertrag über diese Bahnlinie ist seilens der chinesischen Regierung mit der russisch-chinesischen Bank geschlossen. Die Bank muß die Bahn mit eigenen Mitteln erbauen und erhält ein 30jähriges Exploitationsrecht, nach dessen Ablauf China di. Bahn ankaufen oder noch 30 Jahre der Bank zur Exploitation überlassen muß.
Man sieht, Rußland hat in'China festeren Fuß gefaßt, als irgend ein anderer Staat und geht systematisch mit weiterer Befestigung und Ausdehnung seiner Macht vor,
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