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mit Ztnterstattungs -Beilage „JMstrirte Sonntags-Zeitungf —tsaiTXrr

JE 58.

Juköa, Montag, den 11. März 1901.

28. Jahrgang.

Die preußischen Orden.

Die Zahl der gegenwärtig zur Verleihung iommenden preußischen Orden beträgt 9, hierzu kommen noch die allgemeinen Ehrenzeichen und zwei Medaillen. Aus ältester Orden gilt in der Regel der Schwarze Adlerorden, doch besteht that- sächlich wirklich zu Recht als ältester brandenburg- preußischer Orden der von Kurfürst Friedrich II. gestiftete Schwanenorden, der nie förmlich aufgehoben wurde, wie Friedrich Wilhelm IV. dies auch in dem Patente vom 24. Dezember 1848 betonte, als er die Wiederbelebung des Ordens befahl. Die einzige Verleihung blieb frei­lich die an die Königin Elisabeth.

Die Zahl der Ritter des Schwarzen Adler­ordens war ursprünglich auf 30 beschränkt, später aber überschritten, ebenso die Bedingung von 4 Ahnen aufgehoben. Gegenwärtig tragen diesen höchsten Orden 10 Mitglieder des Königs­hauses und 2 aus dem fürstlichen Hause Hohen- zollern, ferner 44 fremde Fürstlichkeiten und 42 sonstige Ritter. Unter den nicht fürstlichen Rittern war Generalfeldmarschall v. Blumenthal der älteste, der jüngste Ritter ist Reichskanzler v. Bülow. Die Ritter des Schwarzen Adlerordens sind gleichzeitig Großkreuze des Rothen Adlerordens.

Der Verdienstorden der Preußischen Krone ist der jüngste der preußischen Orden, da er erst aus Anlaß der Zweihundertjahrfeier des Königreichs Preußen am 18. Januar 1901 ge­stiftet worden ist. Er besteht aus einer Klaffe und rangirt zwischen dem Schwarzen Adlerorden und dem Großkreuz des Rothen Adlerordens. Die Ab­zeichen des Orden» sollen, wie die Urkunde besagt, ein an einem blaugewäfferten, an jeder Seite mit einem goldenen Streifen versehenen Bande von der linken Schulter zur rechte» Hüfte zu tragende« Kreuz und ein achtspitziger, auf der linken Brust zu tragender Stern bilden.

Der Rothe Adlerorden ist nicht preußischen Ursprungs. Er wurde 1706 vom Erbprinzen Wilhelm von Ansbach und Bayreuth gestiftet und, nachdem diese Länder an Preußen gekommen waren, 1792 von Friedrich Wilhelm II. zum preußischen Orden gemacht. Er umfaßt da» Großkreuz und 4 Klaffen, kann aber durch Nebenauszeichnungen wie Schwerter, Schwerter am Ringe, Eichenlaub, Schleife und Emailleband in 40 verschiedenen Graden verliehen werden.

Im Jahre 1740 hob König Friedrich II. den von Friedrich I. gestifteten Orden de la generoai<6 auf und stiftete hierfür den Orden pour le merite als Auszeichnung für Verdienste vor dem Feinde, die Klaffe für Kunst und Wiffenschaft wurde 1852 von Friedrich Wilhelm IV. gestiftet. Die auf 30 Ritter deutscher Nation festgesetzte Zahl muß bei Todesfall immer wieder ergänzt werden.

Gewiffermaßen als 3. Klaffe stiftete Kaiser Wilhelm II. am Tage des 26jährigen Bestehen­des deutschen Reiches den Wil Helmsorden, der gleichermaßen an Männer, Frauen und Jung­frauen verliehen werden kann, die sich besondere Verdienste um die Wohlfahrt des Staate» und Veredelung der Volkes erworben haben. Die Devise der Ordens lautet: „Wirke im Andenken an Kaiser Wilhelm den Großen."

Der Königliche Kronenorden wurde am Krönungstage König» Wilhelm I. zu Königrberg am 18. Oktober 1861 gestiftet und besteht au» 4 Klaffen. Die erste wird am blaugewäfferten Bande von der linken Schulter nach der rechten Hüfte getragen, die zweite an einem schmalen Bande um den Hals, die dritte und vierte im Knopfloch.

Der Hohenzollernsche Hausorden ist nicht preußischen Ursprung». Er stammt vom fürst­lichen Hause Hohenzollern her und wurde erst am 7. Dezember 1849 preußischer Orden. Er umfaßt folgende Klaffen: 1. Großkomthure a) Stern, b) Kreuz oder Adler; 2. Komthure a) Stern, b) Kreuz oder Adler; 3. Ritter: Kreuz oder Adler und 4. Inhaber.

Der Luisenorden wurde von Friedrich Wil­helm III. für Frauen und Jungfrauen gestiftet für Verdienste um die Pflege im Felde verwundeter Krieger. Eine zweite Abtheilung erhielt der Orden auch für solche Frauen, die sich Verdienste in Friedenszeiten erworben haben.

Der Johanniter-Orden wurde bei Wieder­aufrichtung des Ordenskollegs Brandenburg ge­stiftet. Die Inhaber des Ordens bilden eine Ritterbrüderschost, hauptsächlich für die Zwecke der Krankenpflege. Die Verleihungen erfolgen durch den Kaiser auf Vorschlag de» Herrenmeisters (gegenwärtig Prinz Albrecht von Preußen).

Df« Ehrenzeichen werden verliehen als Icilitar-Ehrenzeichen, bestehend au« Militär-Ver- dienflkreuz und Militär Ehrenzeichen 1. und 3.

Klaffe, ferner al« Kreuz des Allgemeinen Ehren­zeichens und als Allgemeines Ehrenzeichen. Zu den Medaillen gehört die Rettungsmedaille, gestiftet 1802 für Rettung au» Feuersgefahr, seit 1863 überhaupt für Rettung aus Gefahr und die Rothe Kreuz-Medaille, gestiftet am 1. Okt. 1898 für Verdienste um das Rothe Kreuz, sie ist in 1. Klaffe von Gold, in 2. Klaffe von Silber, in 3. Klaffe von Bronce. Für Militärs bestehen noch das Dienstauszeichnungskreuz füv Offiziere, die Dienstauszeichnung für Unteroffiziere und die Landwehrdienstauszeichnung.

Krrrnifchtes.

* Der Iortfchritt des Katholizismus in Sn«- land. Die ,Pall Mall Gazette' stellt interessante Ziffern über die Entwickelung des Katholizismus in England während drS neunzehnten Jahrhunderts 'zu- sammen. Bischof Poynter, apostolischer Vikar deS Londoner Distriktes, gab in einem 1815 an den aen Stuhl gesandten Berichte die Zahl der eng«

t katholischen Geistlichen auf 88 und die der katholischen Bevölkerung auf 69,000 Seelen an. Da­mals war London und Wales in vier Distrikte gethetlt, deren jedem ein apostolischer Vikar vorstand. Es gab nur zehn „KollegeS" und katholische Mittelschulen, keine einzige Elementarschule. Schottland war in zwei Distrikte gethetlt und hatte zwei apostolische Vikare, vierzig Priester, etwa ein Dutzend Kapellen, zwei „kleine Seminare" und eine katholische Seelenzahl von etwa 30,000. Das Jahr 1850 brachte die Wieder­errichtung der Hierarchie. Die Zahl der katholischen Kirche» und Kapellen betrug in jener Zeit 587, die der anerkannten katholischen Elementarschulen 166. 1900 gab es 1536 Kirchen und Kapellen, 2837 Geistliche, 1400 Elementarschule» mit 300,000 katholischen Kindern. Die römisch-katholische Bevölkerung von England und Wales ist etwa 1,800,000 Seelen stark. In Lancashirr und Glasgow ist der größte Fortschritt zu beobachten. In Lancashire stieg die katholische Bevölkerung seit 1804 von 50,000 auf mehr als 600,000, In Glasgow, wo vor einem Jahrhundert sozusagen keine Katholiken waren und nur eine alte Kapelle stand, find jetzt 110 Kirchen und Kapellen, 228 Priester und eine römisch­

katholische Bevölkerung von 180,000. In England gibt e3 etwa 2000 Nonnen und 200 durch freiwillige Beiträge unterstützte gemeinnützige Gesellschaften und Anstalten. In Brttifch-Nordamerika einschließlich Neu­fundland ist der Fortschritt noch bemerkenswerther ge­wesen. 1800 gab eS dort einen Bischof, 60 Priester, 50 Elementarschulen und eine römisch-katholische Be­völkerung von 137,000 Seelen, Heute gibt eS dort sieben Erzbischöfe, neunzehn Bischöfe, 2400 Priester, zwanzig Seminare mit 540 Studenten, eine Universität mit 600 Studenten, 5070 andere Unterrichts-Institute mit 280,000 Kindern und eine römisch-katholische Bevöl­kerung von 2,335,000 Seelen.

* Der »outrahirte MiraSenn. Da die Duell­frage immer und immer wieder die öffentliche Aufmerk­samkeit in Anspruch nimmt, so sei es gestattet, ein ebenso treffendes wie vernichtendes Urthell über diesen „höheren Unfug" hier anzuführen. Hören wir den Poli­tiker Mirabeau, welcher bekanntlich durch sein schneidiges Auftreten eine Zeit lang den französischen Konvent und durch ihn Frankreich beherrschte. Als dieser durch sein Auftreten im Konvent der Gegenpartei immer furchtbarer wurde, versuchte diese, sich seiner dadurch zu entledigen, daß fünfzig Edelleute aus den ältesten Geschlechtern, meistens Offiziere, ihn zum Duell forderte». Er — Graf, Abkömmling einer der ältesten adeligen Familien, dessen Vorfahren seit Jahrhunderten in der Armee gedient, der selbst mit Ruhm fürs Vaterland gefochten — nahm die fünfzig AufforderungSbriefe mit in den Konvent und rief, indem er bei der Erzählung des Vorganges sie auf den Tisch warf: „Mein Kopf ist dem Vaterlande mehr werth, als fünfhundert solcher Pflastertreter! Der Moniteur mag meine Antwort auf die Wische ihren Schreibern und der Nation verkünden." Die Herausforderer hatten fich selbst gerichtet. Mirabeau hatte sie moralisch vernichtet und er schlug sich nicht, obwohl man ihm Feigheit gewiß nicht nachsagen konnte. Was uns an dem ganzen Vorgang noch besonders in- tereffirt und was gewiß recht bedeutsam ist, ist der Umstand, daß Edrlleute jener Zeit, trotzdem der fran­zösische Adel sehr heruntergekommen war, dennoch den Muth hatten, fich zu duelliren; obwohl Mirabeau diese Leute Pflastertreter nennen konnte, hatten sie dennoch so viel „edel» Sinn", daß sie sich schlugen. Es gehört demnach nicht viel fittliche Kraft dazu, sich zum Duell zu stellen, wenn selbst diese heruntergekommenen Edel­leute, als sie gegen Mirabeau's Verstand nicht mehr aufkommen konnten, zum Säbel oder zur Pistole greifen wollten. Mörder Verstand nicht hinreicht, da reicht

der Säbel hin, dachten diese adeligen Pflastertreter. Ist es heute nicht manchmal gerade so?

• giwe vesondere Seite des Iraueufludi««»». Daß man in Frauenrechtlerinnenkreisen jenseits be8 Kanals nicht immer auf der erstrebten Höhe steht, dürfte nachstehende Briefkastennotiz erweisen, die einer jungen Dame auf eine Anfrage, welche Universität sie beziehen solle, von der „Tante" eines populären Frauenblatter zuging. Wir rathen zu St. Andrews. Die Studen­tinnen tragen dort ein akademisches Kostüm, das sehr kleidsam ist. Wenn das Haar geschickt arrangirt wird, steht die Mütze einem hübschen Mädchen allerliebst. — Ohne Zweifel wird die altersgraue, kleine Stadt in Schottland, deren Universität solchen Vorthefl bietet, Nutzen auS der Empfehlung ziehen!

* Unüberlegt. „Geflügel esse ich für mein Leben gern, Fräulein Rosalie, vor allem liebe ich junge Gänse." — Rosalie (schwärmerisch): „Ach Herr Günther, dann wären Sie ein Mann für mich."

c-Landwirthschaftliches.

Darf man Setzkartosfeln vor dem Ein­trägen ins Feld w.'aschen? Man kann die Kar­toffeln, welche zur Saat benutzt werden sollen, unbe­schadet waschen, ohne daß die Keimfähigkeit derselben darunter leidet. Zu beachten ist allerdings, daß die Kartoffeln beim Prozeß des Faulens fich stärker er­wärmen und dadurch die Keimfähigkeit der im Keller oder in der Miethe unmittelbar daneben gelagerten ge­sunden Kartoffeln beeinträchtigen können, daher ist be­sonders Obacht darauf zu geben, ob die Augen, also die Keime der Kartoffeln, noch völlig gesund find; alle Kartoffeln welche welk und weich, innen schwarzfleckig oder hohl sich zeigen, sind von der Verwendung als Saatgut auszuschließen.

Gemüsegarten. Bei guter Witterung werden die noch nicht gegrabenen Ländereien tief umgestürzt; bedarf der Boden einer gründlichen Verbesserung, so wird er zwei Spatenstiche tief umgegraben. Die Ge­müse in Gruben und Kellern werden bei trockener und gelinder Witterung reichlich gelüftet. Ebenso wird auch von den eingedeckten Gemüsen des freien Landes die Bedeckung gelüftet und bei bevorstehendem Frost wieder angedrückt. In schneelosen Wintern und bei häufig eintretendem Witterungswechsel müffen die Beete mit Wimerfalat, Spinat, Radieschen usw. mit Laub bedeckt werden.

Vergleichende Darstellung der Kevölkerrmg der wichtigste« Kulturstaate«.

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Bekanntlich hat die letzte amtliche Volkszählung am 1. Dezember wiederum ein sehr starkes Wachsthum der Bevölkerung in der verflossenen Fünfjahrsperiode ergeben.

Vergegenwärtigt man sich die Ergebnisse aller feit Bestand des Deut­schen Reiche« veranstalteten Volkszählungen, wonach gezählt wurden:

Zuwach« von Jahrfünft

zu Jahrfünft Einwohner absolut v. H.

am 1. Dezember 1871: 41058 792 — —

„ 1. „ 1875: 42 727 360 1668 568 4,06

„ 1. „ 1880: 45 234061 2 506 701 5,87

„ 1. „ 1885: 46855704 1621643 3,59

„ 1. „ 1890: 49428470 2572706 5,49

„ 2. „ 1895: 52275 901 2 851431 5,77

„ 1. „ 1900: 56 345014 4065113 7,78

so findet man, daß die höchste Zuwachsrate auf das letzte Jahrfünft 1895 bis 1900, die geringste auf das Jahrfünft 1880 bis 1885 entfällt. Die Verschiedenheit des Wachrthums in den einzelnen Zählungsperioden beruht theil» auf der ungleichen Höhe des Geburtenüberschusses über die Sterbe- alle, theil» auf der verschiedenen Stärke der Auswanderung.

Im Ganzen hat die Einwohnerzahl des Reiches sich seit 1871 um 15 286222, bei Ausschluß Helgoland» um 15 283 997, also um 37,22 v. H. vermehrt.

Wa» die anderen wichtigeren Kulturstaaten anlangt, so wird Deutsch- and» Bevölkerung mit 56 Millionen nur von Rußland (106,2 Millionen m europäischen Rußland) und von den Vereinigten Staaten von Amerika (76 Millionen) übertroffen. Das weitere besagt in dieser Beziehung folgende

internationale Uebersicht (soweit die darin aufgeführten Zahlen nicht au Zählung, sondern auf Berechnung beruhen, sind sie durch ein Sternchen ge­kennzeichnet) :

Land

Jahr

Einwohnerzahl

Deutsches Reich

1. Dezember 1900

56 345014

Oesterreich

Mitte 1898

25429102*

Ungarn

Ende 1898

18 840407*

Europäisches Rußland

9. Februar 1897

106199 159

Italien

Mitte 1898

31573582*

Schweiz

1. Dezember 1900

3 327336

Frankreich

Mitte 1898

38745000*

Belgien

31. Dezember 1899

6 744532

Niederlande

31. Dezember 1899

[5103 353

Dänemark

1. Februar 1895

2256000

Schweden

Ende 1898

5 062 918*

Norwegen

3. Dezember 1900

2 231395

Großbritannien und Irland

Mitte 1900

40909925*

Vereinigte Staaten v. Amerika

1. Juni 1900

76304799

Japan

Ende 1898

43760 754*

Wir haben nun in unserer

beistehenden Zeichnung

eine eigenartige

graphische Darstellung von großem Jnterefle gegeben, die das Stärkever- hältniß der Bevölkerung der vorgenannten 15 wichtigsten Kulturstaaten zu einander bildlich zur Anschauung bringt. Es entsprechen dabei die Rechtecke in ihrer Größe zu einander genau der Größe der Einwohnerzahl der Staaten zu einander, sodaß man einen sofort erkennbaren augenfälligen Vergleichs­maßstab vor sich hat.