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mit Zlnterhalümgs -Anlage „Mustrirte Sonntags-Zeitung!' pdmeeflt n». • Obemeile).

M 57.

JuLöcr, Samstag, den 9. März 1901.

28. Jahrgang.

13

erwiderte Stephanie mit un-

Sie haben ja eine Frau."

schönem Auflachen.

zu Ott- ber Be­ernannt

Debatte

erfahren, an ihres mühen, sich in die einzudrängen, und nicht unterdrücken.

Roman aus dem Wiener Leben. Bon L. v. N e i d e g g.

------ (Nachdruck verboten.)

wortlichksit zu übernehmen, und diese Ordens­verleihung müßte ungiltig sein. Dann aber könnte Graf Bülow sich unmöglich im Reichstage so bestimmt dafür ausgesprochen haben, daß die Verleihung von Orden ausschließliches Recht der Krone sei. Kurz und gut, die Sache mit der Verleihung des höchsten preußischen Ordens an den britischen Feldmarschall ist noch nicht ge­nügend aufgeklärt, wenn man sich nicht mit dem Bewußtsein trösten will, daß sie nach der bestehen­den Ueberlieferung ungiltig sei, da sie im amtlichen preußischen Staatsanzeiger nicht publizirt worden ist. Denn die vorher angeführte Zuschrift der ,Berl. Reuest. Nachr.' kennzeichnet die Stand­punkte, auf die es hierbei ankommt, ohne Zweifel vollkommen richtig.

Wiederherstellung.

Das Mandat des Abg. Lohmann weiler wild als erloschen erklärt, weil treffende zum Oberbergrath in Clausthal

Anderem unterhielt sich der Großherzog auf das Angeregteste 40 Minuten lang mit dem sozial­demokratischen Abgeordneten Ullrich-Offenbach.

Ministerverantworllichkeit für Ordensverleihungen.

Bei der Berathung des Auswärtigen Etats am letzten Dienstag im Reichstage spielte be­kanntlich auch die Verleihung des Schwarzen Adlerordens an den britischen Feldmarschall Lord Roberts eine nicht unbedeutende Rolle. Abgeordneter Dr. Schaedler machte darauf aufmerksam, daß Lord Roberts nichts zu thun habe mit dem verwandtschaftlichen Verhältniffe zwischen dem Kaiser und der verstorbenen Königin. Reichskanzler Graf Bülow sagte, es sei lediglich Sache des Königs von Preußen, zu bestimmen, ob und wem er einen Orden verleihen will; es handele sich da um ein ver- faffungsmaßiges Recht der Krone, um ein durch die Verfassung begründetes persönliches Ehren­recht derselben. Dieser Auffaffung widersprach der freisinnige Abgeordnete Eugen Richter. „Daß die Verleihung von Orden ein reines Kronrecht ist — sagte Herr Richter — muß ich bestreiten. Für jede Ausübung eines Kron­rechtes sind die Minister verantwortlich." In demselben Sinne bringen jetzt auch die re­gierungsfreundlichen .Berliner Neuesten Nach­richten' eine Zuschrift zum Abdruck, die der genannten Zeitung „von sehr geschätzter Saite" zugeht. Es heißt darin:

„Die Bemerkung des Abg. Richter in der Dienstagssitzung dis Reichstages, daß auch für Ordensverleihungen jedesmal ein Minister verantwortlich sei, ist vollkommen zu­treffend. Jeder derartige Akt bedarf einer! ministeriellen Gegenzeichnung, was auch insofern I selbstverständlich ist, als die Orden aus Staats- geldern bestritten werden, für deren Ver­wendung das Ministerium verantwortlich ist. Will kein Minister eine Verleihung gegenzeichnen, so ist sie ungiltig und wird im .Staatsanzeiger' nicht publizirt. Diese ministerielle Verantwortlichkeit für die in einer Ordensverleihung liegende Regierungshand­lung kann auch für das Ministerium selbst sehr wichtig werden, wenn es sich z. B. um Deko- rirung politischer Gegner des Ministeriums handelt. Es darf u. a. an die Ordensverleihung an den verstorbenen Oberbürgermeister Forcken- beck durch Kaiser Friedrich, sowie an die Deko- rirung deS Oberhosmristers Grafen Neffrlrode i. I. 1877 erinnert werden, die dem damaligen Abschiedsgesuche des Fürsten Bismarck, auf daS der Kaiser sein „Niemals!" schrieb, mit zu Grunde lag. Bei der Ordensverleihung an Personen in fremden Diensten fällt die Verantwortlichkeit dem preußischen Minister der Auswärtigen Angelegenheiten, also jetzt dem Grafen Bülow, zu."

Die Verleihung des Schwarzen Adlerordens an Lord Roberts ist nun niemals im .Staatsanzeiger' publizirt worden. Da­nach müßte also Graf Bülow es abgelehnt haben, für diese Ordensoerleihnng diese Verant-

Mannes unausgesetztes Be- benachbarten AdelsfamUien konnte ein bitteres Lächeln „Du weißt, jeder Halbwegs ist mir willkommen," er-

„Richtig!"

„Als ob ich ihm in Wien nicht hundertmal begegnet wäre! Uster diesen Umständen mit ihm zusammenzvtreff.n, hätte ich aber nicht er­wartet. Weiß nicht, ob ich mich darüber freuen soll "

Seine matten, blauen Bugen hefteten sich mit einem eigenthümlichen AuSdrrck auf Stephanie.

Ern Lächeln befriedigter Eitelkeit antwortete dem Blick.

„Ich dachte. Sie feien solchen Empfindungen abgestorben," versetzte sie herausfordernd.

„Man stirbt eben nur zollweise ab. Die Ueberraschung, Sie hier wieder zu finden unter diesen Böotiern, gewissermaßen zu ihnen ge­hörend, wenn auch hoch über dieselben erhaben, ist für meine Nerven überwältigend."

Stephanie quittirte die Schmeichelei — so unverständlich str ihr auch geblieben — durch ein geziertes Lächeln und durch die neckisch in unverfälschtem Dialekt gesprochenen Worte: „Plauschen's keinen Unsinn!"

„Wie sollte ich denn nicht an frühere Zetten denken, wenn ich Sie vor mir sehe: jung und schön wie damals?"

„Geben's Acht!" flüsterte sie, nach Anna hinüberschielend, die in der Nähe stand; ver­wundert hörte das Kind auf die Reden, die ihr wohl unverständlich blieben, gegen die sich aber etwas instinktiv etwas in ihrem Gemüth auf» lehnte.

„Ja, so! Dann wollen wir ms anders unterhalten. Ich will Sie meiner Frau oor- stklbn"

„Wissen's daS so bestimmt? Ich mein', sie hätte Maria Humer geheißen. Unsere Verwandt­schaft geht durch die Frauen; ich glaube mich nicht zu irren, ich h rb' sie genau studirt. Es war nicht schwer, denn ich habe sonst keine Ver­wandten . . . Alles gestorben. Sie wären mein einziger Verwandter."

„Bedauere, Sie dieser einzigen Freude be­rauben zu müffen," antwortete Urbach spöttisch, drehte sich auf dem Absatz um und setzte feinen Weg zu Stephanie fort.

„Bilden's Ihnen nicht ein . . ., daß Ihre Verwandtschaft mir eine Ehr' wär'," wollte Gruber nachrufen, kam aber nur bis zur ersten Hälfte seines Satzes, indem seine Ehehälfte ihm beschwichtigend die Hand auf den Arm legte und chm zuflüsterte: „Laß ihn laufen, den Hoch- muthslakel. Mach' keinen Spektakel wegen seiner Frau. Ein Mann wie Du braucht sich i so Einem nicht an den Kopf zu werfen. Bist I zehnmal mehr werth, als er."

Der erregbare kleine Mann gehörte keines- wegs zu den Helden, und beschloß, feinen Zorn in Schranken zu halten: „Hast recht. Alte," br- gann er, hielt aber inne, als in diesem Augen- bl ck Franz ihm freundlich die Hand entgegen» streckte.

angenehme Umgang widerte sie ruhig; ..aber gewisse Grundsätze gibt es, von denen ich bei der Wahl meiner Gesell»

Deutsches Keich.

Berlin, den 8. März.

@ Nach dem heute ausgegebenen Bulletin war das Aefinde« dss Kaisers gestern be- friedigend und der Schlaf in der Nacht gut. Die Wunde zeigte sich beim Verbandswechsel reizlos. Augenlider und rechte Wange sind mäßig geschwollen. Fieber nicht vorhanden. — Das Befinden des Kaisers war auch heute Vormittag durchaus zufriedenstellend. Die Körpertemperatur war immer normal geblieben und es trat kein Wundfieber ein. Diese Erscheinungen bieten die Gewähr, daß der Heilungsprozeß in normaler Weise verlausen wird. — Dem Kaiser gehen un­ausgesetzt aus Anlaß der Errettung aus der Ge­fahr Glückwunsch-Telegramme zu.

+ Das preußische Krrre«Hems wird am 26. März zusammentreten. Man nimmt an, daß es bis zum 30. März das Budget erledigt haben werde,

+ Der Ktat -er SchaH-eöiete ist am Freitag von der Budget-Kommfffion des Reichs­tages durchberathen worden, ausgenommen die Forderung von 2 Millionen Mark als erst-Rate für den Bahnbau Dar-eS-Sülaam nach M ogoro. Es handelte sich dabei um das Schutz ebiet in Südwestafrika, und es wurden all- Forde­rungen der Regierung bewilligt, ausgenommen die Forderung von 321,000 Jt>. zur V^rmeh- ung der Artillerie. ES wurden anstatt dessen nur 250,000 A bewilligt. Die kleinen Etats für die Schutzgebiete I in der Südsee wurden ohne Weiteres bewilligt. Abgelehnt wurden zwei Resolutionen, die von den Centrums - Abgeordneten Müller- Fulda und Speck beantragt wurden. Abg. Müller- Fulda schlug eine Resolution vor: den Reichs­kanzler zu ersuchen, darauf hinzuwirken, daß in den deutschen Schutzgebieten die Sklaverei in keiner Form geduldet werde. Abg. Speck schlug vor, die Resolution so zu soffen, daß „kerne Be­raubung der persönlichen Freiheit oder persön- licher Zwang zur Ausführung öffentlicher Arbeiten geduldet werde." Der Centrums - Abgeordnete Prinz Aren berg verwies darauf, daß die sog. Haussklaoerei, die eigentlich keine Sklaverei sei, sich nicht mit Gewalt abschaffen laffe, weil sie auf einer alten Sitte beruhe und ein patriarcha­lisches Verhältniß sei.

X Das chesetz gegen de« «»lauter« MeltSewerv befriedigt viele Brtheiligte nicht.

worben ist.

Sodann wirb die gestern abgebrochene über die Reform bes höheren Schulwesens

Aus dem Reichstage.

64. Sitzung vorn 8. März.

Bei der ersten Lesung des Unfallfürsorge' Gesetzes für Beamten und Personen deS Soldaten- standeS begrüßen die Abgg. Aofmann-Dillenburg (natl.) und Dr. MMer-Sagan (fretf.) die Vorlage als eine nothwendige Ergänzung der RevistonSgesetze von 1900 und bezeichnen die Ueberweisung an eine Kommission als unnöthig. Der »bg. FrimSor« (Centr.) steht auf demselben Standpunkte und dankt für (die schleunige Einbringung der Vorlage; in ähnlicher Weise äußern sich die Abgg. von Wakdow-Meihenk«i« (kons.) und ZtoestLe-Defsau (wildliberal).

Die Abgg. Dr. Müller - Sagau (fretf.) und MolKeuvntzr (sozd.) bemängeln den § 8 der Vorlage, wonach die Beamten, selbst wenn sie keinen Anspruch auf Pension ober Rente haben, keinen Anspruch auf Schadenersatz gegen die Betriebsverwaltung, und gegen die Aufseher und Leiter der Betriebe nur dann haben sollen, wenn diese letzteren der Unfall vorsätzlich herbei­geführt haben.

Geheimerath Kaspar erwidert, das würbe nicht den Bestimmungen des Gewerbe-Unfall-Gesetzes ent­sprechen. Uebrigens müßten die einzelstaatlichen Be­triebe der Landesgesetzgebung überlassen bleiben.

Die zweite Lesung findet später statt.

Eine längere Debatte entwickelt sich bei der zweiten Lesung des Bundesraths-BeschlusseS, wonach auch Anlagen zur Herstellung von Cement (Gement, Oefen), sowie von anderen gebrannten Thonwaaren ge­nehmigungspflichtig sein sollen.

Hierzu liegt ein Antrag Hoffmeister vor, unterschrieben von Mitgliedern aller Parteien, ausge­nommen die Sozialdemokraten, daß handwerks­mäßig betriebene Töpfereien mit nicht mehr als zwei Brennöfen nicht konzesfionspflichtig sein sollen.

Präsident Graf Aallestrem erklärt, er dürfe den Antrag nicht zulaffen. Es handele sich hier um einen Beschluß des Bundesrathes, und dieser könne entweder nur unverändert angenommen, ober abgelehnt werden.

Nach dem Vorschläge des Staatssekretärs Graf en Posadowskq wird auf einen von demEentrumsabg. Spahn eingebrachten Antrag hin dieser BerathungS- gegenstand von der heutigen Tagesordnung abgesetzt.

Bei den noch folgenden Wahlprüfungen wer­den die Wahlen der Abgeordneten Fürst zu Jnn- und Knyphausen und Praetorius für giltig erklärt. Ueber die Vorgänge bet der Wahl des natl. Abg. Sieg sollen weitere Beweiserhebungen stattfinden.

Nächste Sitzung Montag 1 Uhr: Etat der Schutzgebiete.

Ans dem Landtage.

«S» Mgeordnetrnstane. — 44. Sitzung vom 8. März.

Vor dem Eintritt in die Tagesordnung erhält Präsident von KrScher die Ermächtigung, nach der völligen Wiederherstellung des Kaisers diesem den Schmerz des Hauses auszusprechen über den unseligen Vorfall in Bremen und die Glückwünsche zu seiner

Dieser hatte mit einem spöttischen Lächeln, das fein Gesicht keineswegs verschönte, das Auf­treten des Vaters beobachtet, und bei sich be­schlossen, den beleidigten Gruber zu versöhnen:

„Sie meinen also, wir wären verwandt?" redete er ihn an.

Gruber sah ihn mißtrauisch an: „O, ich dränge mich niemand auf," versicherte er gereizt. „Ich hab's nicht nöthig. Ich war nur ein Spezereihändler, aber eine geachtete Firma ist die meine immer gewesen."

Freundlich versicherte Franz, daß er davon überzeugt sei, dem Vetter nur Gutes zutraue, und Gruber fühlte, daß fein Groll wie Schnee an der Sonne schmolz von dem Entgegenkommen dis Jünglings in der schmucken Uniform. Hübsch war er ja nicht, der junge Herr, aber ehrlich blickten feine braunen Augen. Jedenfalls konnte er nichts dafür, daß der liebe Herrgott ihn mit einem solchen Grobian von Vater gestraft.

Während Gruber sich mit Franz ganz freund­lich unterhielt, hatte Urbach Stephanie angeredet: „Wie kommen Sie nur hierher?" fragte er sie.

„Wie stch's geziemt, mit meinem Manne, i Doktor Buschmann," lochte sie, die tadellosen I Zähne zeigend. „Sie müffen doch von unserer | Verheirathung gehört oder in der Zeitung ge­lesen haben?"

„In der Z-itung?" wederholte er näselnd.! „Meinen Sie denn, ich läse anderes, als Tele­gramme?"

„Noch immer so spaßig, wie ehemals!! Kommens aber, ich will Sie mit meinem Mann? | bekannt machen!"

I Aus den Kreisen der Handel- und Gewerbe­treibenden ist in diesem Sinne eine Eingabe an den Reichstag gelangt, die verlangt, es möge bei Uebertretungen des Gesetzes an die Stelle der jetzt vorgeschriebenen zivilrechtlichen Ver­folgung die strafrechtliche Verfolgung I treten; auch sollten die Geschäftsinhaber ersatz­pflichtig fein für den Schaden, der durch die

I Verstöße gegen das Gesetz entstehe. Dieses 93er» I langen ist ohne Zweifel nicht ganz unberechtigt; wahrscheinlich wird aber im Allgemeinen weich Neigung bestehen, das Gesetz, das erst vier Jahre besteht, schon wieder zu ändern. Sollte indessen der Nachweis erbracht sein, daß das | Gesetz mit seinen geltenden Bestimmungen gegen ! die Uebertretungen seinen Zwecken nicht genüge, so würde eine Durchsicht und dementsprechende

! Aenderung nicht zu vermeiden fein.

h. Das Wsivgefetz. Die Wein-Kommission des Reichstages hat am heutigen Freitag beschloffen, daß zu der anerkannten Kellerbehandlung des Weins gehören sollen die Haltbarmachung des Weins, auch wenn dabei Alkohol ober geringe Menge von mechanisch wirkenden Klärungsmitteln (Tannin, Kohlensäure, schwefelige Säure — Kochsalz ist gestrichen) in den Wein gelangen. Die Menge des zugesetzten Alkohols darf nicht mehr als einen Raumtheil auf hundert Raumtheile be­tragen, sofern es sich um Weine handelt, welche als Dessert- (Süß- ober Süb-) Weine aus­ländischen Ursprunges in den Handel kommen. Nach dem 31. Dezember 1903 ist der Verschnit von Weißwein mit Rothwem und der Vertrie , des so hergestellten Weines verboten. Bis dahin darf — nach dem Beschluffe der Kommission — der so verschnittene Wein unter der Bezeichnung „Rother Verschnittwein" feilgehalten, verkauft un > in den Verkehr gebracht werden. Auch die Ent­säuerung durch reinen, gefällten, kohlensauern Kal1 soll nach dem Vorschläge der Kommission gestattet werben.

h Mädchen o«maste«. Der Verein „Mäb- chengymnafium" b tte an den preußischen Kultur- । eine @i- be gerichtet wegen der Errich­tung eines neu k ffsigen humanistischen Mäbchen- gymnasiums in i er Stabt. In seiner nunmehr ertheilten Antwo ; erkennt der Minister bie Be­strebungen an, bi darauf abzielen, den Mädchen, die sich akademische. Studien widmen wollen, eine gute und gründliche: Vorbildung zu gewähren. Aber er kann nicht einsehen, daß der beste Weg hierzu die Errichtung einer humanistischen Mädchen- gymnasiums fei. Mit Recht weist in diesem Sinne der Minister auf den inzwischen ergangenen Erlaß über die Umbildung des höheren Schulwesens hin und fügt als feine Anschauung hinzu, am besten werde man Mädchen für das akademische Studium durch eine geeignete Vervollständigung des Unter­richtes an der höheren Mädchenschule vorbereiten. Der Minister hat ohne Zweifel recht!

© Darmstadt, 8. März. Gestern Abend fand hier ein von dem Kammerpräsidenten Haas arrangirter parlamentarischer Abend statt. An btmfelben naljmin zum ersten Male auch die Landtags > Abgeordneten der sozialdemokratischen Fraktion theil. Der Großherzog, we'cher eben« f lls der Einladung des Kammerpräsidenten ge­folgt war, zog im Saufe des Abends Abgeordnete sämmilicher Parteilich tungen ins Gespräch. Unter

chast nicht abgehe."

„Deine Ausecwadlten müff-'N wohl dem dritten Orden angehö en?" höhnte er.

„Alfred!" bet sic mit einem Blick au; Kinder und Erzieherin.

„Nichts iß mir widerlicher als solch' phari- säischr . . . ."

fortgesetzt.

Abgeordneter Welekamp (freisinnige Bereinigung) bedauert die Vermehrung der Lateinstunden auf den neuen Realgymnasien, worauf Geheimerath Ltoepke erwidert, diese sei auf vielfache Wünsche der Lehrer erfolgt.

Auf eine Bemerkung des nationalliberalen Ab­geordneten von Knapp über die Zulassung der Real­abiturienten zur Universität erwidert der Kultus­minister, die Reform sei sorgfältig erwogen und ver­folge keine einseitigen Ziele.

Stephanie wurde vorgestellt. Gegen ihre onstige Weise zeigte sich aber Frau von Urbach auffallend kühl und zurückhaltend, wechselte auch nur wenige Worte mit der jungen Frau. Ueber Müdigkeit klagend, sprach sie den Wunsch aus, nach Hause zu fahren, und bestieg — nach reundlichen Abschied von der alten Doktorsfrau und Anna — mit der Familie und ihrem mürrisch dreinsehenden Manne den bereitstehen­den Break.

„Du warst sehr kurz angebunden mit Fra« Buschmann"; tadelte dieser, als sie irn Wagen saßen.

„Sie ist mir nicht sympathisch." Dann nach einer Pause bemerkte sie: „Sie paßt ganz und gar nicht zur alten Frau."

„Möchte wissen, was Dich das angeht. Aber sowie sich etwas zeigt, was nicht ganz pießbürgerlich ist, hast Du gleich Scheu davor. Da leckt nichts wie Prüderie und Hochmuth dahinter."

Sie dachte an die Zurückweisung, die Gruber