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tnt und verlas der Fuldaer A-tteudruckerch pcteragaSe Nr. u (ldarmouies.

J2 54,

Iu0öa, Mittwoch, bett 6. März 1901

28. Jahrgang.

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0 Die Politik des Grafen v. Bülow.

Der Reichstag hat am Dienstag so etwas wie einen großen Tag gehabt. Man wußte, daß Reichskanzler Graf v. Bülow politische Reden großen Stils halten werde; in den Blättern war durch einen offiziösen Berichterstatter aus­drücklich darauf aufmerksam gemacht worden. Außerdem hatte man durch entsprechende Zei­tungsnotizen die allgemeine Aufmerksamkeit darauf gelenkt, daß der Etat des Auswärtigen Amtes schon am 5. März berathen werden sollte.

DaS hatte seine Wirkung nicht verfehlt, wenigstens nicht auf den Besuch der Tribünen. Diese waren dicht angrfüllt aus einem theilweise auserlesenen Publikum. Im Sitzungssaal sah | es zwar nicht so leer aus, wie an den Tagen I vorher. Aber wenn eine Auszählung des Hauses nothwendig und möglich gewesen wäre, dann wäre der Reichstag auch an diesem letzten Diens­tag dem Fluche der Brschlußunfähizkeit verfallen.

Im Ganzen genommen handelte es sich um | wohl üaerlegte und sorgfältig vorbereitete Kund-1 gedungen des Kanzlers. Aber es ist Unverstand, ltch, warum ein sozialdemokratischer Redner diesen augenscheinlichen Umstand dazu benützte, genauer gesagt, zu benützen suchte, um die Be­deutung dieser politischen Kundgebungen herab­zusetzen. Gerade dadurch gewinnen sie an Be­deutung und an Wichtigkeit.

Die Einleitung bestand in einer ausgezeich­neten Rede des Centrumsabgeordneten Dr Schaedler, der in klarer Ueberfichtlichkeit auf die verschiedenen Punkte hinwies, auf die es an-! kommt: unsere Stellung zu den Machten, namentlich zu England auf der einen und zu Rußland auf der anderen Seite; die Reese des Kaisers nach England und die Frage, ob „Berwandtenpolitik" getrieben werde; die Ver­leihung des Schwarzen Adlerordens an den britischen Feldmarschüll Lord Roderts. Gleich, zeitig aber gab Heer Dr. Schaedler dem Standpunkte des Centrums schon im Voraus Ausdruck, daß dieses dem Kanzler zutcaue, das Staatsschiff richtig zu steuern, ohne Anwand­lungen von Familienpolitik und von plötzlichem Kurswechsel.

I Ü Reichskanzler Graf Bülow sprach klar und wirkungsvoll. Seine Rede war nach zwei Gr- < stchtSpunkten eingetheilt, nach der Behandlung der ; auswärtigen, der diplomatischen Politik, und . nach den wichtigen Forderungen der Wirthschafts- , Politik. Beides hängt gerade zu gegenwärtiger . Zeit innig mit einander zusammen durch die be- 1 * * * vorstehenden Verhandlungen über die neuen Handelsverträge, die sowohl eine sehr wichtige Rolle spielen in der Auslandspolitik, als auch für das wirth schaftliche Gedeihen unseres Volkes.

Unser Verhältniß zu England hat sich nach den Erklärungen des Reichskanzlers seit den Aus­einandersetzungen darüber im Monat Dezember nicht geändert; aber Graf Bülow ließ beutlidi durchblicken, daß es eher noch freundschaftlicher geworden sei, während er von unserem östlichen Nachbar, dem Zarenreiche, recht kühl sprach. Er betonte zwar, daß er durchaus bemüht sei, die freundlichen Beziehungen zu Rußland unverändert zu erhalten, und daß er keine Punkte sehe, in denen unsere Jntereffen mit denen Rußlands sich kreuzen könnten; aber es war immer mehr von Bemühungen in diesem Sinne die Rede, als von einer Thatsache, daß zwischen uns und Rußland Alles beim Alten geblieben sei.

Die Angriffe, welche gegen den Kanzler in diesen Tagen von einigen Organen des russischen Finanzministers v. Witte gerichtet wurden, be­nutzte er, um gleichzeitig seine Stellung zu den grcßen wirthschaftlichen Fragen der Gegenwart zu kennzeichnen: „Ich rechne es mir zur Ehre an, angegriffen zu werden, wenn es sich um meine Ansicht handelt, daß die deutsche Land- wirth schäft keine quaatite negligeable — kein nebensächliches Ding ist." Und als dann Herr Eugen Richter dieselbe Wichtigkeit für Handel und für das Volk der Verbraucher in Anspruch nahm, war auch dies dem Kanzler augenschei, tich sehr willkommen. Er führte mit lebhafter Betonung aus, daß eine verständige Regierung h solchen Lagen natürlich nur nach den Grundsätzen der ausgleichenden Gerechtigkeit v.lfahren müsse und danach, was der Allgemeinheit -.ützlich ist. Und vor allen Dingen hob der Kanzler auch hervor, daß man die Lebensinteressen des deutschen Arbeiters nie vernachlässigen dürfe. Graf Bülow erntete dann sogar den Beifall der Linken, als er dafür eintrat, Mehr- ertrüge ausden neuenZöllen fürWohl- fahrts-Einrichtungen im Reiche zu ver­wenden. Graf Bülow kann mit dem Erfolge zufrieden fein!

I lesen, daß der Gesetzentwurf voraussichtlich im Laufe des Monats Januar das Reichsschatzamt durchgemacht haben würde. Jetzt müßte schon alles ganz besonders gut gehen, wenn man an­nehmen wollte, daß der Bundesrath noch vor Ostern in die eigentliche Berathung deS Zoll­tarifentwurfes eintreten könnte. Wahrscheinlich ist daS nicht. Wahrscheinlich ist ferner also auch, daß der Entwurf nicht vor dem Monat Mai an den Reichstag gelangen werde. Der Vorstand des deutschen Handelstages hat an die Handelskammer und an die berufsmäßigen Vertretungen der Kaufmannschaft die Aufforde­rung gerichtet, sie möchten bei ihrer Landesregierung den Antrag stellen, daß auch ihnen der Entwurf des Zolltarifs zur Begutachtung vorgelegt werde. Es ist gern zu glauben, daß ein solches Verfahren den Vertretungen der Kaufmannschaft angenehm sein würde. Aber gleichzeitig ist auch nicht vor- auszusetzen, daß alle Handelskammern dem Wunsche des Handelstages sich anschließen. Erstens würde die Ausführung dieses Wunsches den Entwickelungr- gang des neuen Zolltarifs von neuem hemmen; und dann — was dem Einen recht ist, ist dem Andern billig. Wenn der Entwurf den Handels­kammern zur Begutachtung vorgelegt würde, dan« würden die industriellen und landwirthfchaftliche« • Körperschaften das gute Recht haben, dasselbe Verlangen für sich zu stellen. Wenn man dann darauf warten wollte, bis alle die Gutachten dieser sämmtlichen Körperschaften eingegangen sein wür­den, so müßte man den Gedanken, den Gesetzent­wurf noch in der laufenden Tagung des Reichs­tages an diesen letzteren gelangen zu sehen, von vornherein aufgeben. Es ist also nicht anzu­nehmen, daß die Regierungen dem Wunsche des deutschen Handelstages Nachkommen; es wird jetzt ausdrücklich in einer halbamtlichen Kundgebung der ,Berl. Pol. Nachrichten' darauf hingewiese«, daß der Entwurf schwerlich in seiner gegenwär­tigen Entwickelungrstufe zur allgemeinen Diskussion gestellt werden würde.

* Dis bedingte Begnadigung. Nach der dem Reichstage zugegangknen Zusammenstellung betreffend die Anwendung der bedingten Be­gnadigung seit der Einführung dieser Einrich­tung bis zum 31. Dezember 1900 betrug in Preußen vom 23. Oktober 1895 ab bis zum 31. Dezember 1898 die Zahl der Fälle, in denen die Aussetzung der Strafvollstreckung mit Aus­sicht auf Begnadigung gewährt wurde, 10085 oder durchschnittlich jährlich 3185; im Jahre 1899 beliefen sich die Fälle auf 4168, im Jahre 1900 auf 4386. Im Oberlandesgerikt tsbezirk Berlin wurde bis zum 31. Dezember 1898 in 1407 (durchschnittlich 444), im Jahre 1899 in 601, im Jahre 1900 in 580 Fällen bedingte Begnadigung gewährt. Von allen Bundesstaaten an zweiter Stelle, unmittelbar hinter Preußen folgend, steht hinsichtlich der Zahl der Fälle, in denn bedingte Begnadigung gewährt wurde, Hamburg mit 2332 Fällen bis 31. Dezember 1898 (875 Fällen im Jahresdurchschnitt), 791 Fällen im Jahre 1899 und 703 Fällen im Jahre 1900. Dann erst folgt Bayern mit 1978 (659), 697 und 605 Fällen, Sachsen, Baden, Württemberg usw. In sämmt­lichen Bundesstaaten wurden bis zum 31. De-

Nach den Erklärungen des Grafen Bülow kann man unmöglich noch annehmen, daß Kaiser Wilhelm mit seiner letzten Reise nach England irgendwelche politische Zwecke von vornherein ver- bunden habe: die Reise nannte der Reichskanzler

nach Mastng geschickt; als er von dort unver­richteter Sache zurückgekehrt, habe Herr Franz ihm befohlen, bis zum Kreuzweg zu laufen, wo er den Herrn Doktor abfaffen und unter allen Umständen veranlaffen solle, nach Windhaz zu kommen. Herr Franz habe sehr besorgt aus« gesehen. —

Darauf wandte der Doktor sein Pferd und fuhr nach Windhag. Bleich und verstört stand dort Annas braunäugiger Bekannter vor der Thüre, fing gleich von seiner erkrankten Mutter zu reden an, und forderte den Arzt auf, ihm zu ihr zu folgen.

Doktor Weingärtner, der an eine Laune der reichen Frau dachte, unterbrach ihn, indem er etwas ungeduldig auf die neben ihm stehende Enkelin zeigte, und ihr einen Platz zum AuS« ruhen anzuweisen bat.

Der junge Mensch sah fich nach dem Kinde | um, das er bis dahin nicht beachtet. Er erkannte | sie, ohne jedoch irgend welche Freude am Wiedersehen zu zeigen, und meinte, sie könne am besten im Schreibzimmer der Mutter ausruhen.

Die Mutter und die Mutter! Das war jetzt sein einziger Gedanke. Während Anna ge­duldig hinter den Beiden Helschritt, erzählte er dem Arzte von der Erkrankung seiner Mutter, die in ihrer Selbstlosigkeit zu wenig Sorge für sich selber trage, von ihrer Athemnoth, dem Fieber, das sie verzehre. . .

„Retten Sie fie, Herr Doktor"; schloß er, und wandte sein von Aufregung zuckendes Ge­sicht ab um die Rührung zu verbergen, deren er als angehender Soldat sich schämte.

Roma» auS dem Wiener Leben. Bon L. v. N e i d e g g.

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^mri^-o^eno^.men .tD.er^cn solle (vgl. ,Fuld. I mals konnte man auch in Regierungsblättern Zig. Nr. 52). Dies wird jetzt offiziös bestritten.''-'- *- - 1 --- - s - -----

Die ,N. A. Z.' erklärt, auf die Anfrage eines Mitgliedes der Budgetkommiffion, ob Gründe hervorgetreten feien, die auf eine Abänderung des Flottengesetzes von 1900 hinwirkten, habe der Staatssekretär des Reichsmarineamt» erwidert, daß dies nicht der Fall sei, daß er jedoch an seiner am 6. Juni 1900 int Reichstage abgegebenen Er­klärung hinsichtlich der Auslandsschiffe festhalte. (Wir können auf Grund zuverlässiger Informa­tionen diese Angabe der,Nordd. Ällg. Ztg.' be­stätigen: Herr v. Tirpitz hat gerade das Gegen- theil von dem gesagt, was ihm in den Mund ge­legt worden ist; er hat erklärt, daß zur Zeit keine Aenderung des Flottengesetzes in Frage komme, vielleicht später im Laufe der Jahre einmal ein paar Kreuzer. D. Red.)

Dentfches Urich.

Berlin, den 5. März.

ihr Mann lebensfreudigeren Anschauungen. Er hielt bei dem Kinde eine zeitweilige kleine Ab­wechselung sogar für rothwendig, und sollte sie auch nur darin bestehen, ihn ein oder das andere Mal auf einer seiner kürzeren Fahrten zu begleiten.

Allzeit gut gelaunt, ein warmherziger liebens­würdiger alter Herr, verstand er es, zum Kinde herabzusteigen, dessen engen Gesichtskreis zu er­weitern, zu belehren, ohne schulmeisterlich zu werden. Er ergötzte fich an ihrem frischen Ge­plauder, an ihren treffenden Bemerkungen; er ging auf ihre Scherze ein, und wußte ihr diese Fahrten zu kleinen Festen zu gestalten.

Wieder einmal waren Großvater und Enkelin ans einer Fahrt begriffen, die aber diesmal einen unangenehmen Abschluß fand durch ein Gewitter, das die Fahrenden überraschte. Wenn des Doktors altes Pferd sich gegen Donner und Blitz auch tzleichgiltig zeigte, so waren doch weder er noch Anna unempfindlich gegen die Reger,fluchen, welche in das einfach?, vom Doktor selbst gelenkte Fuhrwerk drangen. Beide waren fie aufrichtig froh, als der Kirchthurm von Ma sing in Sicht kam; — der athemlos raher eilende Mann, der fie aufhielt, um keuchend den Arzt aufzufordern schnellstens, nach Windhag fich zu begeben, war ihnen ein sehr unwillkommener Bote.

Der Doktor verlangte zu roiffen, ob Eile | wirklich Noth thue; er sei durchnäßt, daS Pferd ermüdet und sehr heiß. Der Man» wußte nur ooiel, daß Herr Franz, der Sohn seines Herrn, eilig zu ihm gekommen und ihn |

Die alte Frau antwortete mit einem trüben Lächeln: „Dem erwachsenen Sohne verbietet man nichts mehr. Siehst Du nun aber ein, daß mau jemand recht lieb haben und doch mit ihm unzufrieden sein kann?"

„O ja, o ja!" schluchzte Anna. „Es ist nicht recht vom Vater . ."

„So redet man nicht. Schäme Dich auch nur einen Augenblick solches zu denken."

Anna senkte den Kopf: „Und ich hatte mich so darauf gefreut, bei ihm zu sein. Ich hätte me geheirathet, wäre bei ihm geblieben, hätte sem Haus geführt ..."

• jedks sucht eben sein Glück auf seine i die Großmutter. „Die Hauptsache blerbt immer, nur das eine im Auge I i?un, was Gott wohlgefällig ist. Das thuft Du, nicht wahr? Bete, daß der Vater cWet^e’ das ist bester als über seinen

Entschluß zu murren."

«ber es ist leichter, Ergebung zu predigen, als fie für sich selbst zu erringen. Das empfand dte alte Frau, der bange Zweifel am Herzen nagten, wahrens sie sich bemühte, tröstliche Worte für die Enkelin zu finden.

Sie fuhr förmlich zusammen, als diese in ihrer naiven Unwissenheit fragte: „Groß-1

X Dtäte«f»age im Reichstage. Merk­würdig ! — die Leute, die angeblich die schwersten Verfaffungsbedenken bekommen bei dem Gedanken, daß den Mitgliedern des Reichstages eine Ent­schädigung gezahlt würde für ihre Ausgaben im Jntereffe und Dienste des Reiches, haben nicht die geringste Scheu davor, in Gedanken mit der Aenderung wirklich grundlegender Verfaffungs- änderungen zu spielen. So schreibt die Konser­vative Korrespondenz': „Wird den Reichsboten bare Entschädigung gezahlt, so muß die geheime Wahl fallen, und nicht die Konservativen sind es, die an dieser „Grundsäule" der Wahlfreiheit rütteln." Warum in aller Welt „müßte" wohl die geheime Wahl fallen? Das ist auch ganz und gar nicht die Ansicht aller Konservativen, wie neu­lich im Reichstage auch ausdrücklich festgestellt wurde. Dann aber macht das konservative Partei- Organ einen anderen Vorschlag zur Entlastung des Reichstages: die Einführung mehr­jähriger Etatsperioden. Sicherlich hat die ,Kons. Äon.' recht, wenn fie sagt: „dann würden die Reichstag«-Sessionen um gut ein Drittel ver­kürzt werden können"; und das würde an sich eine äußerst wodtthätige und willkommene Aende­rung sein. In Boyern hat man von jeher zwei- ährige Etatsperioden; und sicherlich hat noch Niemand gemerkt, daß e» deswegen dort schlechter aussähe, als anderwärts. Aber warum denn nicht Diätenzahlung und zweijährige Etatsperioden? Oie Furcht vor der Diätenzahlung grenzt in ihrer Uebertriebenheit wnk'ich an« Lächerliche!

+ Der Entwurf des neuen Aokttarifes st nunmehr nach einer halbamtlichen Mittheilung m Reichsschatzamte vollendet worden. Nach dem vorgeschriebenen Gange der Dinge geht es nunmehr den Verbündeten Regierungen zu; von »ein preußischen Staatsministerium wird be­richtet, daß eS bald in die Berathung des Ent­wurfes eintreten werde, und wenn die Regie­rungen der übrigen Bundesstaaten ebenso ver- ahren, wie zu wünschen und zu hoffen ist, so vird der Gesetzentwurf binnen kurzer Frist an )en Reichstag gelangen. Erst dann, wenn er auch diesen durchgemacht haben wird, wird er dem Reichstage vorgelegt werden können. Wann das nun fein wird, das kann man heute noch nicht roiffen, so wenig wie vor vier und acht Wochen. Thatsache ist jedenfalls, daß der wichtige Ent­wurf später das Reichsschahamt verläßt, als man vor Weihnachten angenommen hatte. Da-

I eine rein menschliche Angelegenheit, die den Enkel an das Sterbelager feiner Großmutter führte. Hebet die Verleihung des Schwarzen Adlerordens an Lord Roberts hat sich Gras Bülow indeffen nicht ausgesprochen. Er hat fich vielmehr mit dem Hinweise darauf begnügt, daß mit dieser Ordensverleihung der Kaiser ein Vorrecht der Krone ausgeübt habe, über das dem Reichstage kein Urtheil zustehe. Verschiedene Redner nag dem Kanzler bestritten das, so der freifinnig Abg. Eugen Richter und Herr Dr. Hasse von der Nationalliberalen. Aber Graf Bülow hat fich auf weitere Besprechungen dieser Ordens­verleihung nicht mehr eingelaffen und konnte es ja auch gar nicht nach der voraufgegangenen scharfen Betonung seiner Auffaffung dieser An­gelegenheit.

+ Keine MerSärKrmg -er A«»La«ds stotte. Aus einer Bemerkung des Staatssekretärs v. Tirpitz in der Budgetkommission wurde ge­schloffen, daß in nächster Zeit schon eine Ver­mehrung der Kreuzer flotte für den Auslandsdienst

mutter, warum härten Sie dem Vater eine andere Frau gewünscht?"

„Weil man mehr Vertrauen hat in Men­schen, die man kennt, als in Fremde und wei man nie demüthig genug ist, sich zu sagen, daß schließlich unser Herrgott doch Alles am besten macht," antwortete die Großmutter schnell gefaßt.

Ihre strenge Pflichttreue verlieh ihr die Kraft, gewissermaßen gegen sich selbst zu kämpfen, indem sie dem unaufhörlich weiter fragenden Kinde so Vortheilhaftes über die Stiefmutter sagte, als sich mit ihrer Wahrheitsliebe vertrug.

Dieses selbstlose Bemühen sand seinen Lohn. Als sie das Mädchen allein ließ, fühlte sie fich so beruhigt, wie nie feit dem Augenblicke, in dem der Sohn fie von seinem Vorhaben unterrichtet hatte. Ergebung war in ihr Herz gezogen.

Anna aber weinte sich am Abend dieses I X iges in den Schlaf. Sie hatte geglaubt, dem Vater alles fein zu können; nun hatte der Stachel der gekränkten Eigenliebe ihr junges

I Herz berührt, und zugleich der erste Zweifel an des VaterS Vollkommenheit fich hineingeschlichen.

6. Kapitel.

Der alte Doktor und feine Enkelin verstanden sich sehr gut, und hatten ihre kleinen unschul­digen Abmachungen mit einander. Während Frau Weingärtner alle Enttäuschungen, die ihr Eduard bereitete, aus das Uebrrmaß von Frei­heit zurückführte, das si- ihm vergönnt zu haben

meinte, und Anna am liebsten j-de Zerstreuung versagt hätte um rechtzeitig etwaiae Keime der

Vergnügungssucht in ihr zu ersticken, huldigte