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Jutöa, Dienstag, den 5. März 1901
28. Jahrgang
S
Airs -em KerchslsAe
60. Sitzung oym 4. März.
Druck und Verlag der Fuldaer AelieudruckerM peterrgasse llr. S (Harmonie).
h Nerei« für Ie»erSeA«1t„«- verfolgt nach einem Urtheil des preußischen Ober- verwaltungsgerichter religiöse und politische Zwecke. Der Polizeipräsident von Berlin hatte gegen dre Eintragung de- entsprechenden Berliner Verein« Einspruch erhoben mit der Begründung, daß nach der allgemeinen Anschauung über die religiöse Natur der Bestattung der Verein zu denen gehöre, die einen religiösen Zweck verfolgen. und daß der Verein auch insofern einem politischen Zwecke nachgehe, al- die allgemeine Zulaffung der Feuerbestattung einen Akt der Gesetzgebung oder dem Erlaß entsprechender Verwaltungs- Vorschriften vorau-setze. Der Bezirksausschuß entschied zu Gunsten des Verein«. Da« Oberverwaltungsgericht hat nun aber diese Entscheidung aufgehoben und sich der Auffassung der Berliner Polizeipräsidenten angeschlossen.
die Einförmigkeit ihres Lebens unterbrochen, fing Anna voll Eifer der Großmutter zu benchten an. Sie fand aber kein Gehör. Frau Weingartner zeigte sich noch ernster und wottkararr wie sonst; Anna wollte es sogar scheinen, als habe sie geweint.
Die Großmutter weinen! Anna hatte fte nur einmal weinen sehen, als der Großvater bei einer seiner Fahrten umgrworfen wurde und schwer verletzt nach Hause gebracht worden war. Zu gut erzogen, um Fragen zu stelle», vrrbarz Anna ihr Erstaunen, lieber ihren Beschäftigungen und der Erinnerung an das hochinteressante Abmteuec hatte sie die Thränrn bet Großmutter bald vergessen.
Der Doktor, der ermüdet heimkehrte, be- | merkte kaum das verstörte Aussehen ferner Frau. Sepi Gruber, die neugierige Fragen gestellt haben würde, war abwesend. Dank'der Selbstbeherrschung der alten Frau ging die Mahlzeit ruhig und ohne Zwischenfall vorüber. Erst nach Tische, als sie mir ihrem Manne allein war, zog sie einen Brief aus der Tasche, reichte ihm denselben und sagte mit einer Stimme, deren Zittern sie umsonst zu unterdrücken suchte: Eduard heirathet diese Person; da ist nichts zu machen."
Em Ausruf wenig freudiger Ueberraschung entschlüpfte dem Doktor. Er nahm den Brief und las ihn aufmerksam durch.
Es war jenes von Stephanie eingegrbene, unter ihren Augen verfaßte Schriftstück, das der alte Herr vor sich hatte. Der schwache Wille einem stärkeren unterworfen, ohne es jedoch bis
Roman aus dem Wiener Leben. Aon L. v. N e i d e g g.
------ (Nachdruck verboten.)
Ausland,
• Merm, 4. März. Nach einer Mittheilung der «Frankfurter Zeitung' ist für den Kanton Bern einschließlich des Kanton Freiburg ein kaiserlich deutsches Konsulat errichtet worden. Bisher waren die konsularischen Geschäfte, soweit sie die im Kanton Bern niedergelassenen Angehörigen des deutschen Reiches betrafen, dem Konsulat Basel zuzetheilt. Um vielfachen Wünschen der deutschen Geschäftswelt zu entsprechen, diesen etwas umständlichen Ge- schSftsoerkehr zu vereinfachen und die Deutschen
;<nit-ait; Die einspaltige Petit- 8eile oder bereu Raum 15 Pfg.,Reklamen die Petitzeile 25 Pfg.; bei Wiederholungen wird entsprechend» Rabatt gewährt.
mir gleichgiltig; ob aber mein Sohn sich um sein zeitliches und ewiges Glück bringt, bleibt mir eine Lebensfrage. Seit Jahren beobachte ich an ihm die Einwirkung schlimmen Einflusses. Heute weiß ich's: er ist auf diese Stephanie zurückzuführen."
„Wie so Nanni? Solltest Du nicht irren?"
„Leider nicht, Ernst. Wenn mir auch die feine Bildung mangelt, Recht von Unrecht weiß ich zu unterscheiden und ein gesundes Urthest glaube ich auch zu hoben. Eduards Charakter ist in den letzten Jahren entschieden geschädigt worden und durch den Charakter sein Talent. Brr- gleiche seine ersten anmuthigen Singspiele mit den letzten. Ich habe die Worte zur Musik gelesen : sie find gemein. Ich habe ein und das andere Lied daraus gehört: die Melodie entspricht den Worten."
Der Doktor sah erstaunt auf seine Frau. Wie verlieh doch Mutterliebe ihr, der weltentfremdeten einfachen Landfrau, eine Art Seherblick l Im Herzen mußte er ihr Recht geben, wenn auch feine Gutmüthigkeit ihn Worte deS Widerspruches finden ließ.
„Nimm Dich in Acht, daß Du Eduard nicht Unrecht thust," mahnte er.
„Ich behaupte ja nicht, daß er gemein denkt, ich fürchte ja nur, er hat fich die schöne Be- geisterung nicht bewahrt, die in seinem Batet trotz allem fortlebte . . . Fehlt die, so wird der Künstler zum bloßen Musikanten. . Sie unterbrach sich und blickte ängstlich nach dem Schalterfenster, dos zur Küche führte. „Mein Gott, am Ende hat Anna etwas gehört. Ich
A«» de« gitttMage»
ASseor»«ck1.tkq«,». — 40. Sitzung Bem 4. März.
Bei der fortgesetzten Berathung deS Kultur- Etat? äußert
Ertcheinr täglich, m. AuSnnvme Ser Sonn- nno Feiertage. Vierteljahr!. §e;ug«prei» ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auS- »ürtSlM.bOPf.
jut gänzlichen Sslbstäußerung bringen zu können, zeigte sich deutlich in den geschraubten Wen- düngen des Briefes. Em Mißton, der Mutter klar erkenntlich, klang durch die überschwänglichen Brthmerur-gen von Glückseligkeit. Stephanie's beigefüzte Zeilen waren nichts als ein über- mülhiger Triumphgcsang, leereS Wortgeklingel, gerade bit fertige Sprache, die am wenigsten geeignet war, das Herz der alten, einfachen Frau zu erwärmen.
Finster sah diese vor fich hin und zupfte ungeduldig an ihrem Schürzenbande, während ihr Mann das Schreiben durchlas.
„Es ist so schlimm nicht," tröstete der Doktor, dessen Art es war, allem eine gute Seite abjugewinnen. „Sie liebt Eduard, da kann ja noch alles gut ausfallen."
„Das glaubst Du selbst nicht, Ernst. Du fürchtest so gut wie ich, daß fte Eduard herunterziehen wird."
„Nein, nein!" begütigte der Doktor, „denn ich hüte mich, alles zu glauben, was die Leute sagen. Selbst auf Schwester Pepi zähle ich nicht unbedingt."
Pepi habe ich noch nie eine Unwahrheit sagen hören. Uebrigens bedarf ich ihrer Andeutungen nicht, um einzufehen, daß Eduard durch diese Heirath fich in allem schädigt, vornehmlich im Charakter."
„Unftnn, Nanni! Wie viele große Herren \ heirathen Schauspielerinnen; da ist gar nichts besonderes mehr daran."
„Diese großen Herren mögen danach sein.1 Ob fie übrigens empor- oder herabkommen, ist i
Denrllües N-r-jr. .. X A«r Ner»tzigK«g! Der Regierung ist
® “ die Deutung unangenehm, die einer Erklärung
Berlin, den 4. März. de« Herrn Marine-Staatssekretär« von Tirpi
X Die Hra-e der KrhöHuug der Se in,ber Budgetkommission de« Reichstages unter IreidezöKe findet eine außerordentlich verständige ^änrlich recht bald, vielleicht
Beurtheilung in dem Organ des Central-LereinS ’$on gleichzeitig mit de« nächsten Etat, eine der christlichen Bergarbeiter Deutschlands, in bem ”eufe fflottennorlage über den Bau weiterer .Bergknappen'. „Die Industrie-Arbeiter," Auriandsschlffe zu erwarten sei. Sogar in einem so führt dieses Blatt aus, haben ein bestimm- der Berliner Regierung sehr nahe
tes Interesse daran, wenn der Landwirth« ^ht, nämlich in den ,Berl. Neuesten Nachrichten', schäft durch angemessene Erhöhung bet 2? , einer Besprechung jener Aeußerung des Setreibezölle aufgeholfen wirb." Die I Admirals von Tirpitz gesagt worden, dieser habe Jnbustrie-Arbeiter, so wirb sehr richtig gefolgert vorauf hingewiesen, daß in der nächsten Zeit klagen fortgesetzt darüber, daß ihnen durch Heran - A"? Verstärkung der Auslandflotte über den ziehung neuer Arbeitskräfte die Löhne Lahmen des in Kraft getretenen Flottengesetzes gedrückt werden. Woher kommen die Arbeiter, I dsnaur «othwendig sein werde". Die oberosfiziöse die den Industrie-Arbeitern die Löhne durch An- c0™ Ste- widerspricht dieser Auffassung gebot ihrer Arbeitskraft drücken? Zum weitaus ™.or.te be< Admiral« von Tirpitz und sagt: größten Theile aus ländlichen Gegenden, auS der l’‘ tn der Budgetkommission nicht die Rede Landwirthschaft. „Die Klage der Bauern, daß ?.gewesen, daß die Entscheidung dieser Frage ihre jüngsten nnb besten Arbeitskräfte sich bet Pv" herbeigeführt werden
Industrie und den Städten zuwenden," wird auch ^f« die neue Flottenvorlage wirb erst von dem »Bergknappen' als auf Wahrheit beruhend kommen. Schade, daß wir durchaus nicht
anerkannt. „Die Siegerländer und auch die Aachener 0,16 a"9e roir "^ch davon verschont bleiben
Kameraden," so schreibt der.Bergknappe' weiter,' roerlien- „wissen davon (nämlich von der Lohndrückerei durch neu heranziehende Arbeiter. Die Red.) ein Liedchen zu singen. Ebenso wissen die Textil- Arbeiter der größeren Industrie-Städte davon zu sprechen, wie billig und willig die ländliche Arbeitskraft ist nnb dem städtischen Textil-Arbeiter die Existenz durch die Lohndrückerei erschwert. Es find also alle Industrie - Arbeiter darüber völlig einig, daß ihnen aus den ländlichen Gegenden die Lohndrücker kommen. Diese fern zu halten, muß der Industrie-Arbeiter erste Sorge sein." Nun weist der.Bergknappe' daraus hin, daß die Landarbeiter deswegen angezogen kommen, weit sie hoffen, bessere Löhne als auf bem Lande zu erhalten, meistens ohne daran zu denken, daß das Leben in der Stadt auch entsprechend thrurer ist und eine wirkliche Lohnaufbissetung gar nicht einmal stattfindet. Wenn nun die Getreidezölle eine angemessene Erhöhung finden, wird die Lanbwltthfchaf t I leistungsfähiger gemacht und in de« Stand gesetzt, auch ihren Arbeitern die Löhne aufzubessern. Dann wird die Landflucht der Arbeiter abnehmen, der Zuzug der Lohndrücker nach den Jndustrie-Bezir- ken geringer werden; kurz und gut, eine Erhöhung der Getreidezölle wird den Industrie-Arbeitern nicht Schaden, sondern Nutzen bringen. — So der.Bergknappe'. Seine Darlegung ist klar und beweiskräftig; fte bedarf keiner Ergänzung weiter!
h @i* 6**1 «e*er fSwtwwrf W» Wem- gefetzes soll von einigen Mitgliedern der Wein- Kommission be« Reichstage« biefer letzteren vor- gelegt werben. In biesem neuen Entwürfe sollen alle Zusätze bei ber Weinbereitung verboten werden, ausgenommen eine wässerige Zuckerlösung bis zu einem Viertel der Menge be« Weiner. Die Kellerkontrolle wird auch in biesem Entwürfe beibehalten, aber staatlich angestellten Aufsichtsbeamten unterstellt. Das Verbot be« Kunstweins wirb beibehalten. Tresterwein soll zum Haustrunke hergestellt, aber nicht verkauft werben dürfen.
S» waren nun ganz vertraut geworden die drei, in ihrem unverdorbenen kindlich mittheil- famen Sinn. Anna erzählte nicht ohne Stolz, daß sie bei de» englischen Fräuleins erzogen werde, und erfuhr, daß Holzer bei Franzens «?ter. Herrn Urbach, zu Gaste fei. Dieser, der na? fett Kurzem von Urbach nennen durfte, hatte vor nicht langer Zeit in ber Nähe von etRen Besitz angeksuft und lieferte den Masingern unerschöpflichen Gesprächsstoff, weil er m t unerhörtem »Luxus aufnat. Für die ganje Gegen s war er dadurch zum angeftaunten Manne geworden, und Anna wollte ei ganz sonderbar dünken, mit dem Sohne eines so | $ Henn • und ungezwungen verkehren zu bfirfen. Zugte er sich auch gemessener als der lustige zu Scherz geneigte Holzer, so verstand sie fich doch ungleich besser mit ihm als mit den Vertretern ber Masirtger Knabenwelt. ®te faßte sich denn auch ein Herz und lud ihre | Beschützer ein, bei ber Großmutter oorzusp'-echen I ihnen eine Fülle von Obst uab köstlichen Honig I tn Aussicht stellend. Sie zeigten sich jedoch unempfänglich für biefe Verlockung, und schlugen als bie erste-l-Häuser in Sicht kamen, seitswärts den Weg nach Windhag ein.
Ganz aufgeregt durch das Abenteuer, bas!
Ab«. Dr. Wachem (Centr.) fein Bedauern darüber, daß von den Naitonaviberalen niemand auf die Rede deS Kulturministers geantwortet hat: haben die Herren nichts ,u sagen? (Abg.Dr. Sattler ruft: Abwarten!) Der Minister versichert, daß er die Angelegenheiten der kathollsche» Kirche ebenso gerecht verwalte, wie die protestantischen Angelegenheiten. Dann wäre e« aber Zeit, daß da» Gerechtigkeitsgefühl de» Ministers namentlich auch in der Behandlung unserer Orden lebendig würde. Der Minister hat dem Abg. Dauzenberg die Berechtigung abgesprochrn, für die Orden «der die bestehenden Abmachungen hinaus «eitere Forderungen zustellen. «ber die bestehenden Abmachungen find nicht endgtltig, sondern be- deuten nur etuen modus vivendi. SBit vom Eentrum haben sogar stets ausdrücklich betont, daß wir diese Abmachungen nur al» ein Kompromiß betrachten. Wir haben auch »uS dieser Auffassung heran» unsere An- t>age gestellt und können den Minister nur bitten, auch diesem unserem Ordensantrage gegenüber sein Gerechtigkeitsgefühl «alten zu lassen. Der Redner legt dann dar, wie vollkommen unbedenklich die OrdenSniederlasiunaen sind. Während man aber katholische Niederlassungen nicht genehmigt, werden protestantische Diakonissen überall zugrlassen. Der Minister sollte doch einmal klipp und klar feftstellen, ob die Erfahrungen zu einer solchen Zurückhaltung gegenüber den katholischen Orden
Auf der Tagesordnung steht zunächst die Novelle zu« Posttax-Gesetze von 1871 über die Errichtung von verschließbaren AbholungS- sSchern bei der Post, die gegen eine JahreSabaabe eingerichtet werden sollen.
,., *bg. Dr. Schiitzler (Ctr.) befürwortet die Sr- ledrgung der Vorlage als etwa» Selbstverständliches im Plenum, ohne KommifsionSbrrathung. Dieser Ansicht ist auch der freisinnige
« «bg. Mäaer-kagan- doch gefällt eS diesem Redner mcht, daß der Post vollkommen freie Hand ge- lassen sei m der Festsetzung der Gebühren. Ihm sZ eßt sich der «entrumsabg IasSach an. Damit schließt dre erste Lesung.
In der sofort vorgenommenen zweiten Berathunz bringt Abz. MSkker-Eagan (steif.) den Antrag ein, in dte Vorlage die Zusatzbestimmung emzuschalten, daß dir JahreSabgabe bis zu 20 M. betragen dürfe
Staatssekretär ». ».bgietssti bittet, den Antrag abzulehnrn, da die Festsetzung der Gebühren nicht Sache der Rerchr-Sesetzgebung, sondern der Verwaltung sei.
Gegen den Antrag Müller sprachen sodann die Abg. Dr. Marcour (Ltr.), Dr. Derlei (kons.), Bassermann (null.); für den Antrag nochmals der Antragsteller und Abg Dasbach.
Der Antrag Müller wird abgelehnt und die Vorlage unverändert angenommen.
i berechtigen; wenn das der Fall ist, sollte man eS doch I „u6? fasten. Niemand kann sagen, daß man in anbeien I «-andern auf diesem Gebiete schlechte Erfahrungen ge- macht habe. Geben Eie unS doch dieselbe staatSrecht- ltche Stellung, »te die Protestanten sie in Oesterreich haben; dann werden wir einen Strich durch alles Ber« gangene machen! (Sehr richtig! im Centrum). Die ?5^?Entische Kirche hat in Preußen nichts von unS zu fürchten. Aber gestatten Sie uns doch einen freien ehr- umen SßJettbewetb nach dem Worte: an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen! Es muß doch den Protestanten angenehmer sein, mit den Katholiken in Frieden zu leben, als fie ausrotten zu wollen! In dem letzte» Theile seiner Ausführungen warnt der Redner die Pole» vor ^mr®Enroa!^fen de» Radikalismus in ihren Reihen: Sie dürfen - sagt er zu den Polen - diesen Radikalismus "rcht zulaffen, sonst wird das Ende schlimmer fein, al» °ll«S Bisherige. Die polnische Bewegung in Oberschle- m lunstllch dorthin getragen worden. Es muß eine Berständlgung stattfinden; so tarnt es nicht bleiben, roenn nrcht oaS preußische Vaterland den größten Schaden davon haben sol. (Lebhafter Beifall).
Der Kultusminister Skudl erkennt den friedliche» Ton m den Ausführungen des Vorredner» an, kann oder dessen Anschauungen über die Gesetzgebung von 1887 nicht zustimmen. Der Vergleich zwischen katho- Itschen Ordensschwestern und protestantischen Diakonissen erschemt dem Minister unzutreffend, weil die ersteren durch ihre besonderen Ordensregeln eng mit der Krrche in Verbindung ständen. In der Polenfrage sollte das Centrum mehr die nationalen Gesichtspunkte in» Auge fassen; eS habe aber nie eitr Wort des Bedauerns für die Entnationalistrung der Deutschen.
Abgeordneter Dr. Sattler (natl.): Aus den ganzen Verhandlungen entsteht für unS die Frage: stehen wir vor einem neuen Kulturkampf? Die Haltung deS Ministers war entgegenkommend für da» Centrum, der Dank des Centrums besteht aber in un- gemessenen Forderungen. Was bezweckt man mit dem Toleranzantrag im Reichstage? Dieser Antrag würde alle konfesfionellen Verhältnisse auf den Kopf stellen. Wir sehen, wie die katholische Kirche gewaltige Machtmittel ansammelt. Wir sind entschlossen, an den staatlichen Hoheitsrechten nicht rütteln zu lassen.
Kultusminister Stutzt stellt dem Vorredner gegenüber fest, daß es fich hier um eine Stellungnahme gegenüber Anträgen, die die staatlichen Hoheitsrechte betreffen, gar nicht handelt. Er habe nur seine Stellung gegenüber dem Anträge Fritzen klargelegt.
Der freis. Abg. Avpsch wünscht eine Gleich- artrgkeit der Ferien in den höheren Schulen mit denen der Volksschule und eine einheitliche Regelung ber
m • r®?Ä k»lgt Fortsetzung der Berathung des Mllitär-EtatS, von dem nur noch die einmaligen Ausgaben für Sachsen und Württemberg zu erledigen find. Gegen den Antrag der «udgeikommisston wird auf,'einen Antrag des kons. Abg. Dr. Derlei Forderung von 75 000 Mk. für einen Militärbe- gräbnißplatz in Dresden angenommen, alles Uebrige nach den KommisstonSvorfchlägen erledigt.
Bei dem nunmehr folgenden «tat des ReichS- militärgerichteS beantragt und befürwortet Abg. Grötzer vom Eentrum eine Refolution: Den zu ersuchen, zu veranlassen, daß die «er- öffentlrchung einer Statistik über die Militärstraffachen ergänzt werde durch eine Statistik über die bc bingten unb unbedingten Begnadigungen in Mili- tarstrafsschen
Kriegsminister von Goßker äußert erhebliche Be- denken gegen die Refolution, non der er fagt, daß fie fich nicht vertrage mit de« Begnadigungkrechte be» Lanbe»herrn. Die Vertreter Preußen» «erben im BundeSrathe nach deS Ministers Ankündigung gegen die Resolutron stimmen.
Die Refolution wird nach kurzer Debatte mit allen Stimmen gegen diejenigen der Konservativen a n- genommen und bet Etat genehmigt.
. betn nunmehr folgenden Etat der Zölle weist Abg. vom Eentrum auf den neuerlichen bec Zölle hm, außerdem auf die interessante Thatsache, daß die im Vorjahre erfolgte Erhöhung des ,5^§blles nicht von den Verbrauchern getragen wird, sondern zu einem Theile von den ausländische» Lieferanten, zum andern von den Zwischenhändlern. Der Redner empfiehlt Zollfreiheit für Petroleum zum Motorbetnrb.
, , *lbg. engen Züchter «endete sich gegen daS erhobene Verlangen nach der Erhöhung eines Papier- zolleS, ebenso der kons.
Abg. Hraf Kaniß, der dabei auf die Schädlichkeit beS Treibens der Syndikate hinweist. Die Gesetzgebung müsse nach Wegen suchen, um den gemeingefährlichen Syndikaten überhaupt entgegenzutreten. In demselben Emne äußert sich der fteikons. Abg. von Aartz.rff, worauf ber «tat genehmigt wurde.
Dem Etat der Verbrauchssteuern wird ohne bemerkenSwerthe Debatte erledigt.
Schatzfekretär Irsir. von Uhiekmann theilte mit, daß dem BundeSrathe et« Gesetzenwurf vorliegt, der inerfeitZ die Dauer der Brennsteuer verlängert, ander- eitS bie Ziffer des Kontingents für Trinkspiritu» herab- etzt. Der Gesetzentwurf wirb voraussichtlich dem'Hause bald zugehen.
DienStag: Etat des Auswärtigen Amtes.
Ministerialdirektor KSgker erwidert, über die Dauer bei Schulpflicht bestäuben viele Meinungsverschiedenheiten, die erst gelöst werden müßten.
Der natl. Abg. von tzynern kommt nochmals auf daS Sattlerfche Thema zurück: das Centrum scheine auS der Haltung des Ministers Lust zu neue« Forderungen zu bekommen und schließt mit dem AuSspruche: da könne« «ir je alle wieder katholisch werden!
Nach einer neuen Polendebatte, an der sich die Abgeordneten Freiherr von Ietzkitz (freikonservativ), chkoWacki (Pole) und der Kultusminister Stntzt beteiligten, wird kurz vor 5 Uhr die Debatte geschloffen und die Weiterberaihung auf DienStag 11 Uhr vertagt.
mit ZlrrierHaüungs-Weikage „Isiustrirte Sonntags-Zeitung