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•‘TTw mit AnterKaktungs -Meikage „Sffußrirte Sonntags-Zeitung" •"*

J2 52.

JukSa, Montag, den 4. März 1901.

© Zwei Tage Kultus-Etat im preußischen Abgeordnetenhause.

Die ersten beiden Tage der Berathung des Kultus-Etats im preußischen Abgeorduetenhause waren lebhafter, als man im allgemeinen vor­her angenommen hatte; namentlich für den Freitag trifft das zu, für die Berathung des Centrumsantrages, endlich die drückenden Ausnahmebestimmungen aufzuheben, die noch immer auf den katholischen -Ordensgenossenschaften lasten und ihnen -sogar ihre Thätigkeit in der Krankenpflege er­schweren und zum Teil unmöglich machen.

Es war interessant zu beobachten, wie ein Redner nach dem andern die Thätigkeit der katholischen Krankenpflege-Orden anerkannte und sogar versicherte, „Wohlwollen" für sie zu hegen, aber die Herren, denen der Kultur­kampf von Alters her gar zu fest in den Knochen steckt, können sich von dem wunderlichen und theilweise gehässige» Mißtrauen nicht los machen, daß die katholischen Krankenpflege-Orden zum Theil aus Ausländern bestehen, und vom Aus­lande her geleitet werden. „Nach der ganzen Organisation der katholischen Orden ist es nicht möglich, sie verwaltungsrechtlich mit anderen Organisationen gleich zu stellen —", so sagte der kulturkämpferische Abgeordnete Dr. Fried­berg von den Nationalliberalen; mit den .„anderen Organisationen" meinte er die protestantischen Krankenpflege-Schwestern. Solche Aussprüche beweisen von Neuem, wie schlecht es mit der Kenntniß bet Dinge bei den Herren bestellt ist, die sich in dieser Weise ab­lehnend gegen di« unübertreffliche Thätigkeit der katholischen Krankenpflege-Orden verhalten. E« befinden sich kaum ausländische Mitglieder in den katholischen Ordensgenossenschasten in Deutsch­land; und außerdem ist es — worauf Abge­ordnete Dr. Po r sch hmwies, sehr auffallend, warum man in Deutschland so abweisend sich verhält gegen den Gedanken, daß auch einmal ausländische Krankenschwestern deutsche Kranken pflegen könnten. In Dänemark, Schweden, Norwegen und Italien freut man sich im Gegen« theil, wenn man deutsche Graue Schwestern zur Ikrankenpflege erhalten kann.

Dieser Grundsatz, den am Freitag Dr. Fried­berg von den Nationalliberalen und Freiherr v. Zedlitz im Namen der Freikonseroativen ver­traten, daß die katholischen Krankenpfleger mit anderem Maßstabe als die protestantischen gemeffen «erden müßten, daß beide gar nicht al« gleich­artige Einrichtungen mit einander verglichen wer­den dürsten, ist eine Kränkung für die Katholiken. Dieser Grundsatz fällt zusammen mit der An­schauung, daß die Katholiken die Stiefkinder der preußischen Staater seien, die man anders behan­deln müffe als die anderen Staatsbürger.

Seinen wahren „freisinnigen" Charakter offen- barte am Freitag wieder einmal Herr Eugen Richter; auch dieser stimmte gegen den EentrumS- Antrag, also für die Beibehaltung der drückenden Ausnahme - Bestimmungen gegen die katholischen Krankenpfleger, die der konservative Abgeordnete v. Hegdebrand und der Lasa sehr richtig als einen^Ueberrest der Gesetzgebung auS der Zeit des Kulturkampfes kennzeichnete. Die Anerken­nung dieser Thatsachr auS dem Munde eines MSSSSSSSSSSSSSS^SSVSSSSS^^SS

Won Stufe zu Stufe.

Roman aus dem Wiener Leben.

Bon L. v. Neid eg g.

8 ------ (Nachdruck verboten.)

Da pflanzte sich der Aelteste der Gesellschaft, ein dreizehnjähriger Schlingel, breit vor sie hin: »Ich , glaube gar, dar ist die Weingärtner- Nanni, die uns Hofmeistern will!" grinste er. „Die meint, sie fei was Rechtes geworden, seit sie hier nicht mehr in die Schule geht. Paß auf, ob Du noch gescheidt genug bist, über die Brücke zu kommen, dummes Dina "

Sie besaß Einsicht genug, nichts zu erwidern, machte sich nur daran, die Brücke zu über- fchreiten. Kaum hatte sie das Brett betreten, sprang ihr Widersacher auf dasselbe, so daß eS in gefährlich schaukelnde Bewegung gerieth. Flink und behend gelang eS dem Mädchen, nichts­destoweniger ungefährdet hinüberzukommen, wo sie laut auflachend den Verfolgern eine Nase drehte.

Ihr Triumph sollte jedoch von turger Dauer sein. Dieser den Knaben obendrein vor einem Mädchen angethane Schimpf reizte sie auf- höchste.

„Jetzt lassen wir das Hundsoieh nicht hin- Sber!" schrieen sie einstimmig; sie vertraten dem geängsteten Thiere den Weg, stießen es hin und her, und drohten endlich, es Über den Steg zu werfen.

protestantisch - konseroatioen Parlamentariers ist werthvoll und darf nicht wieder vergessen werden.

Ein Beispiel dafür, wie der Begriff „Ordens- Niederlassung" in Preußen gemißhandelt wird, brachte der hohenzollernsche Centrums-Ab- geordnete Bumiller am SamStag zur Sprache: In Hechingen sollten zwei katholische Schwestern Fabrikarbeiter mit Effen versorge»; ihre ganze Thätigkeit lag also in der Küche. Aber auch das ist, so erklärte Kultusminister Studt feierlich, nach d^m Gesetz« eine „Ordens - Niederlaffung" und muß als solche behandelt werden.

Da ist erschwer, ernst zu bleiben. Nur schade, daß die Gefühle der Katholiken durch solchen offenbaren Hohn der Gesetzgebung auf die wahren Thatsachen stets von Neuem verletzt und gereizt werden. Das ift wahrhaftig keine kluge Taktik der preußischen Regierung!

Deutsches Drlch-

Berlin, den 3. März.

h Eine neue Ikottesr Dorkag- wird uns höchstwahrscheinlich bald bescheert werden — wenn das Glück gut ist, noch im Laufe dieses Jahres. Der Herr Staatssekretär des Reichs- marine-Amtes hat vor einigen Tagen mit aner« kennenSwerther Offenheit in der Budgetkommission des Reichstages es ausgesprochen, daß eine bal­dige Verstärkung der deutschen Aus- landSflotte nothwendig sei; und jetzt be ginnt diejenige Presse, die stets am meisten be­reit ist, sür weitere Flottenverstärkuugen einzu­treten, nämlich die Presse der großen Eisen- und Stahlindustrie, mit den Klageliedern über die Armuth Deutschlands an Auslandsschffen. Na- tätlich müssen die Ereignisse in Ostafien dazu herhaltrn, die angebliche Unzulänglichkeit unserer AuSlandSflotte zu beweisen; diese Ereignisse werden uns also möglicherweise noch viel theurer zu stehen kommen, als im Anfänge auch die ärgsten Schwarzseher vorauSsagten. Außer den Riesenanleihm für China können sie bewirken, daß wir auch noch mit einer neuen Flottenver­größerung bedacht werden sollen. „Die Folgen der chinesischen Ereignisse werden unsere Kreuzerflotte auf lange Zeit hinaus in verstärktem Maße in Anspruch nehme» müssen ....", so orakelt „ein Be­richterstatter, der aus amtlichen Quellen zu schöpfen pflegt," in den .Berliner Neuesten Nachrichten". Die Chinarechnung wird also allem Anschein nach ganz fürchterlich hoch werden. Aber die Offiziösen fördern jetzt die Sache der Regierung in der Behandlung der Chinaftage nicht, wenn sie in Verbindung damit auch noch solche Flottengesprnßer an die Wand malen!

X Der Zollkrieg zwischen Dentschkaud ««d Ikutzlaud, der von dem russischen Finanz- minister und seinen Offiziösen so keck heraufbe­schworen worden ist, erweckt in Rußland selbst die Besorgnisse, die er bei une in Deutschland nicht zu erwecken vermag. Eine« der angesehensten russischen Blätter, die .Nowosti", da« mit dem Au«- wärtigen Amte in Peterrburg in guter Fühlung steht, warnt mit beweglichen Au«drücken vor der Heraufbeschwörung einer solchen Zollkriegigefahr: Rußland habe sich kaum von den chinesischen Wirren erholt, die ihm so viele Kosten verursachten,

Anna'« Aufforderung, den Hund in Ruhe zu lassen, wurde mit Hohngelächter beantwortet. Kurz entschlossen, stellte sie ihren Korb hin, und rannte zurück, dem Liebling zu Hilfe. Di« Über- müthige Schaar empfing das Mädchen mit Spott­reden, umringte sie und drohte auch sie nicht mehr hinüber zu laffen. Obwohl zornentflammt ver­legte sie sich zunächst auf'-Bitten, als die-nichts fruchtete, begann sie zu zanken und um sich zu schlagen und forderte dadurch die unrüterlichen Gegner nur noch mehr heraus.

In diesem verhängnißvollen Augenblick nahte ihr jedoch unerwartete Hilfe durch zwei Jüng­linge in Kadetten-Uniform, die am Saume des Gehölze- erschienen und aufmerksam gemacht durch daS Geschrei, mit raschen Schritten dem „Kriegsschauplatz" zueilten.

„WaS gibt'« hier? Große Buben, die ein kleines Mädel pingen"; sagten sie verweisend. „Pfui, schämt Euch, Ihr Lümmel!"

So jung, beinahe knabenhaft die neuen An­kömmlinge auch auSsahen, den Bauernbuben schienen sie keine zu unterschätzenden Gegner. AIS vollends der eine Gesetztere, ein braunäugiger, entschlossen aussehender Geselle, eine Haselgette herunterschnitt und damit auf sie eindrang, er­reichte ihre Panik den Höhepunkt. Mit wahrem Indianer-Geheul suchten die Knaben daS Weit«.

„So, kleine Lueie, nun geh' Du ruhig heim;" wandte sich der Befreier zu Anna.

Diese sah scheu um sich: „Und wenn sie wiederkommen?"

„Wir wollen Dich ein Stück WegS be«

und nun soll es schon wieder einen Zollkrieg mit Deutschland auf sich nehmen; das werde zu viel für Rußland werden! Wunderlich dabei ist nur die gleichzeitig geäußerte Auffassung, daß der be­stehende Handelsvertrag für Deutschland vortheil- Hafter sei al» für Rußland; bei uns in Deutsch­land urtheilte man bisher stets ander«, und da­mit Recht. Die russische Ausfuhr nach Deutsch­land ist bei weitem größer, als die deutsche Aus­fuhr nach Rußland; und wer die größte Ausfuhr hat, muß auch hauptsächlich die Vortheile de« Handelsvertrages einheimsen. Trotzdem ist die warnende Stimme, die in Rußland gegen einen Zollkrieg ertönt, durchaus willkommen zu heißen; bei uns in Deutschland wünscht einen solchen Handelrzwist sicherlich Niemand, und auch int Zarenreiche wird man sich schließlich hüten, den Brei so heiß zu essen, wie Herr Minister v. Witte ihn kochen wollte. Dieser aber wird. dann sein Pulver nutzlos verschossen haben!

* Die Aefpsechm»« der Larrderhaupt tettte «nd Landes direktste« der preußischen Provinzen mit den Ministern Freiherrn von Rheinbaben und von Miquel hat, wie ein Berichterstatter meldet, einen durch­aus erfreulichen Verlauf genommen. Es han­delte sich bekanntlich um die Stellungnahme zur Dotation der Provinzen. Von dem Staate sollen 10 Millionen Mark als Dota­tionen hergegeben werden. Neber die Ver- theilung an die einzelnen Provinzen ist Grund­sätzliches noch nicht vereinbart. Der größere Theil der Dotationen soll zur Erleichterung der durch das Gesetz von 1891 erhöhten Armeelast verwendet werden, während bet kleinere Theil bestimmt ist, beit Provinzen beim Tragen bet fortwährend wachsenden Wegebau- lasten zu Hilfe zu kommen.

Aus dem Landtage.

Avgevrtzmelengan«. — 39. Sitzung vom 2. März.

Die Berathung des Kultusetats wird bei dem Ausgabetitel „Ministergehalt" fortgesetzt. Die Er­örterung über die höheren Schulen und die Medizinal- reform soll aus dieser Debatte ausgeschieden werden.

Abg. Dauzeuverg (Ctr.) äußert seine Freude darüber, daß die Thätigkeit der Krankenpflege-Orben gestern allgemein anerkannt worden ist. ES gibt Staaten, iw denen die Lage der katholischen Kirche noch schlechter ist, als in Preußen; nichtsdestoweniger for­dert die Gerechtigkeit eine größere Freiheit der katho­lischen Orden. Der Staat sollte seine Hände lassen von der Ausbildung der Geistlichen, denn auch für die Theologie muß Freiheit der Wissenschaft verlangt werden, wahre Freiheit, keine Zügellosigkeit. Die Thätigkeit deS neuen Kultusministers ift bisher wenig erfreulich gewesen, und die Reste der Kulturkampf- gesetze sind noch immer nicht beseitigt. Man bekommt den Eindruck, als ob die preußische Regierung noch immer von einem gewaltigen Mißtrauen gegen die ka­tholische Kirche beseelt sei. Die geistliche Schulaufsicht muß erweitert, daS Schulauffichtsgesetz beseitigt werden.

Kultusminister Kludk erwidert, er werbe alle an ihn herantretenden Fragen streng nach Besetz und Recht entscheiden und hiervon auch nicht einen Finger breit abweicheu. Er bittet indessen, dabei zu erwägen, daß er bei seinen Entschließungen vielfach gebunden sei an die Mitwirkung und Zustimmung einzelner Ressort­minister und auch des ganzen Staatsministeriums. Das gelte namentlich auch von der Schulaufsicht. Der Kultusminister betonte, daß die Sprachenverordnung für den Schulunterricht in Posen nicht von ihm auS- gegangen sei, und fährt dann fort: Auf dem Gebiete des OrdenSwesens wird fortgesetzt daS größte Ent­gegenkommen bethätigt. I» Laufe des letzten JahreS

gleite»"; beruhigte sie gutmüthig bet Jüngere, ein hübschet Jüngling mit lachenden blauen Auge»." „Wo geht bie Reise hin?"

„Nach Mafing."

„Das trifft sich ja gut. Nicht wahr Franz, bet nächste Weg nach Winbhag geht über Masing?"

„Gewiß. Vorwärts also."

„Sie Überschritten ben Steg. Anna nahm ihren Korb auf, unb rüstig marschirten sie weiter, Spitz unb Kadetten voraus.

„Weißt Du, wer bie Kleine ist?" fragte bet Blauäugige nach einem Weilchen.

„Nein; es ist mir auch einerlei. Ich weiß nur, sie ist häßlich."

„Häßlich? Franz, Du uttheilst immer so scharf. Sie hat wunderschöne Augen."

„Hat sie da»? Ich hab'» noch nicht bemerkt." „So sieh' sie doch an."

Beide wandten sich um; da« Mädchen folgte ihnen, so schnell sie mit ihrem schweren Korb nur konnte.

„Franz, wir sind so schlimm wie die Bauern- Iflmmel! Rehmen gar keine Rücksicht auf bas Mädel; das schneidige Ding muckst aber nicht, gibt sich nur alle Mühe, gleichen Schritt zu halten."

„Gut, gehen wir langsamer", meinte Franz.

„Wenn man ihr die schwere Last doch er­leichtern könnte!"

Franz nickte; während der Blauäugige noch überlegte, hatte er rasch einen festen Stock znrecht- geschnitten unb ihn durch ben Henkel be« Korbe« gezogen. Er faßte da« eine Gude und befahl dem überraschten Mädchen nach bem anbeten zu greifen.

28. Jahrgang.

sind 84 neu- Niederlassungen genehmigt worden. Selbst von der katholischen Presse wird anerkannt, daß der Zustand der katholischen Kirche rin triumphirender ist, und auch die Staatsregierung erkennt das ohne Neid an. Die Klagen über chikanöfe Behandlung von Ordensniederlaffuagen werde ich immer prüfen und für Abhilfe sorgen, wenn die Klagen genügend begründet werden.

Der polnische Abg. Stychet führte Beschwerde über Unterdrückung der polnischen Sprache, namentlich in den Schulen und über die schlechte Behandlung der Klagen von polnischer Seite.

Der natl. Abg. Sieg weist das zurück: die Polen sollten sich einmal den Zustand ansehen, in de« ihre Slammesgenossen in Russisch-Polen und Galizien sich befinden.

Abg. Graf » Aimlurg Sttrum (kons.): Die ka­tholische Kirche hat während der letzten Jahre bei unS eine Stellung errungen, wie sie sie in wenigen, auch katholischen Ländern besitzt! Das Verhalten des Cen­trums hat eS uns erleicht-rt, ihr diese Stellung einzu­räumen. Anders liegen dir Dinge bei den Polen: bei diesen waltet das Befühl, als ob polnisch und katho­lisch übereinstimmende Dinge feien; daß es auch deutsche Katholiken gibt, scheinen die Polen ganz zu überseben. Wir haben eS schon oft erlebt, daß die Wünsche deutscher Katholiken von den Polen nicht berücksichtigt werden. Deutschen Katholiken, die deutschen Gottes­dienst verlangten, hat man schon öfters erwidert, sie verständen ja auch polnisch!

Der freif. Abg. Dr. Marth bringt den Fall deS evangelischen Pastors Krösell in Kloxqn zur Sprache, der agitatorisch bei der Konitzer Mordsache thätig gewesen sei und den Standpunkt des Ritualmordes vertreten habe, ferner ausgesprochen habe, daß der Jude verpflichtet sei, vor Gericht einen Meineid zu leisten, wenn er damit einen anderen Jude» schützen könne Am Bersöhnungstage würden alle Meineide der Juden verziehen. Mit solchen Vorträgen, dir in einer Schulstube stattfanden, hat der Pastor nach des Redners Ansicht seine Amtspflichten verletzt. DaS Konsistorium habe aber entschieden, der Pastor habe nicht in aufreizender Weise gesprochen. Wie solle der Pastor sprechen, um auszureiz'»'?

Minister Stndt antwortet, daß die Disziplinar­gewalt über die veistlichen nicht ihm zustehe, sondern dem Konsistorium. Auf eine erhobene Beschwerde hin hat der Landrath sofort die fernere Benützung der Schulräume untersagt.

Abgeordneter zr««iK«r vom Centrum beschwert sich über einen Fall der Erlaubnißverweigerung für zwei barmherzige Schwestern, die in Hechingen sich niederlaffen wollten, um Fabrikarbeiter dort mit warme« Speisen zu versorgen. Damit — ruft der Redner au« — hat sich der Minister kein Ruhmesblatt in ben Kranz seiner Ämtsthätigkeit gewunden. AuS zwei Küchenschwestern kann man doch keine OrdenSnieder- laffung machen. Oder hat man gefürchtet, daß die protestantischen Arbeiter, die in der Anstalt essen würden, durch die beiden katholischen Schwestern gefährdet werden könnten? Wir haben doch wohl ein Recht, Auskunft zu verlangen, warum man unsere Schwestern mit solchem Mißtrauen behandelt?

Minister Skndt: Nach dem Gesetze handelt es sich um eine Ordensniederlassung und eine solche ist von der oberen geistlichen Behörde auch als vorliegend anerkannt worden, von de« Unternehmer der Fabrik wurde« 400 protestantische und 200 katholische Arbeiter be­schäftigt, deren B-dürfnifle von anderer Personen ebenso gut befriedigt werden konnten. Ich überlasse eS dem hohen Hause, den Fall zu beurtheilen.

Nach einer weiteren Bemerkung des Abg. Dr. AartH über den Pastor Krösell wird die »eiterberathung mtf Montag 11 Uhr vertagt.

Arrslaird.

• Aaag, 3. März. In der Umgebung de« Präsidenten Krüger verlautet, daß augenblicklich Verhandlungen zwischen Lord Kitchener und General Botha zweck« einer Waffenstill­standes stattfinden. Währenddessen beabsichtige die englische Regierung, den Buren solche Vor­schläge zu machen, die e« denselben ermöglichen, einen ehrenvollen Frieden zu schließen.

„Gelt, nun geht es leichter", triumphtrte der- jenige, der sich auf passives Mitleid beschränkt hatte. „Wie heißest Du, Kleine?"

Anna blickte etwa- gekränkt darein. Sie fühlte sich als heranwachfendeS Mädchen, und die Wenig rücksichtsvolle Ansprache verletzte sie:

Würdevoll gab sie zur Antwort: „Ich bin die Enkeltochter des Herrn Doktor Weingärtn« in Masing, — und Sie, wie heißen Sie?"

Die Kadetten lachten: «Ja so, wir find nicht vorgefiellt! Also Fräulein .... Fräulein Doktors Enkelin: ich heiße Phllipp Holzer; der hier" ... er schob den Braunäugigen vor, „ist mein Freund Franz Urbach. Zur Zett sind wir noch Kadetten^ in der nächsten Armeeliste stehen wir schon al» Leutnants!" setzte er stolz hinzu

Leutnants! DaS war ein Titel, der Anna ungemein imponirte.

„So jung und schon Leutnants!" bemerkte sie voll Ehrfurcht.

Geschmeichelt durch die ihnen dargebrachte Huldigung lachten die jungen Leute und ließen sich herab, das Gespräch fortzusetzen.

„Wir habe» halt famos studirt;" brüstete sich der rnittheilsamere Phllipp. «Wir werden noch berühmte Männer."

„Und ich habe einen berühmten Vater!" beeilte sich Anna in kindlichem Hochmuthe mit» zuthellen.

„Oho! Was würde' der berühmte Vater wohl sagen, wenn er sähe, wie sich sein Töchter» lein zugerichtet hat?"