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mit ZtuLerljaltungs -Beilage „Illuflrirte Sonntags-Zeitung"
Druck und Verlag de» Fuldaer RctiendrnSeiM PetersgaSe H». S (tmrmouie).
M 51»
Jul^öa, Samstag, den 2. März 1901.
28. Jahrgang.
7
Roman aus dem Wiener Leben. Bon L. v. Neidegg.
------ (Nachdruck verboten.)
Stephanies heldenhafte Entsagung, ihr Muth, ihre Großherzigkeit wurde noch eine Zeit lang von den Freunden besprochen, bis endlich Gruber sich entfernte, worauf dann auch Buschmann forteilte.
Sein Herz pochte heftig und sein Schritt verlangsamte sich, je näher er ihrer Wohnung kam. WaS sollte, was konnte er ihr sagen? Mußte es wirklich ein letzter Abschied sein? Daß ihr Charakter edel — trotz kleiner Flecken — bewies sie durch ihr Handeln ... Da sie aber opferwillig und gut war, fiel eigentlich jeder Grund weg, ihr zu entsagen . . .
Sein Entschluß war ins Wanken gekommen, noch ehe er ihre Schwelle überschritten.
Frau Kornegger sei zu Hause und habe starkes Kopfweh, erklärte das Stubenmädchen, das ihn einließ, dabei sah ste ihn mit einem vorwurfsvollen Blicke an, als mache sie ihn für alle Leiden der Herrin verantwortlich.
In das Wohnzimmer getreten, fand er Stephanie zusamv engekauert auf einem Divan fitzen, den schmerzenden Kopf in ihre Hand gestützt. Sie blickte kaum zu ihm auf, reichte ihm nur die Hand mit einer müden Geberde.
«Eduard, armer Freund!" lispelte fie.
Er liebte fie und das Herz war ihm schwer, j
sügbare Gelder bestimmt. Im Uebrigen wurden die Forderungen der Regierung bewilligt.
Deutsches Kelch.
Berlin, den 1. März.
h Der tzk. Mater vollendet heute sein 91. Lebensjahr in einer geistigen Frische und körperlichen Rüstigkeit und Lebhaftigkeit, wie sie einem Sterblichen nur außerordentlich selten von unserem Herrgott beschieden sind. Die gesummte katholische Welt des Erdkreises verehrt in Leo XIII. einen Oberhirten, der hoch emporragt durch seine geistige Größe und durch seine außerordentlichen Verdienste um die Kirche und Christenheit; am heutigen Tage vereinen sich alle die Millionen Katholiken zu einem Gebete in herzlicher und aufrichtiger Anhänglichkeit und Dankbarkeit für Papst Leo XIII. Möge er uns noch lange erhalten bleiben in ungetrübter Gesundheit und Geistesfrische !
+ Deutschland rmd Ilußland. In Rußland unterschätzt man augenscheinlich die deutschen Nerven ganz erheblich. Auf die bekannte Kundgebung der Petersburger ,Handelr- und Industrie- Zeitung', die in Deutschland nicht den gewünschten Eindruck gemacht hat, ist jetzt ein anderes russisches Blatt, das ebenfalls in engen Beziehungen zum Herrn Finanzminister von Witte steht, mit noch gröberem Geschütz gefolgt: die ,Birschewija Wjedomosti', so der Name dieses zweiten Finanzorgans, entblöden sich nicht, mit dem Schreck- gespenste des Krieges mit zwei Fronten zu spielen, um den Deutschen klar zu machen, daß sie in Handelsdingen nach der russischen Pfeife tanzen müssen, wenn sie nicht die Gefahr des russischen Kanonendonners heraufbeschwörrn wollen. In dem bezeichneten Blatte wird nämlich ausgeführt: Die Gefahr eines Krieges mit zwei Fronten sei für Deutschland durch den deutsch-russischen Handels-
der königlichen Regierung zu Arnsberg erhielt er jedoch nach der preußischen Lehrerzeitung' die Antwort, daß die Regierung diesem Beschluß die Genehmigung versagen müffe, da ein Runderlaß des Ministers bestimme, daß sämmtliche Gehaltsordnungen auf absehbare Zeit unverändert bleiben solleen.
* Das Gesammtverzeichniß der aktiven und inaktiven Mitglieder des Kartell verSavdes der katholische« Studenten vereine wird soeben in den Akademischen Monatsblättern' veröffentlicht. Demnach hat der Verband auch im verfloffenen Jahre einen bedeutenden Zuwachs zu verzeichnen. Die Gesammt- zahl der Aktiven und Inaktiven beläuft sich in diesem Jahre auf 1560. Davon waren ordentliche Burschen 456, außerordentliche 160, Füchse 356. Die Jnaktioitas ist mit 251 in loco und mit 337 extra locum becheiligt. Nach den ein- zelnen Wiffenszweigen entfallen 289 Mitglieder auf die Theologie, Rechts- und Staatswissen- schaften 389, Medizin 309, Philosophie, Sprachwissenschaft und Geschichte 208, Mathematik und Naturwiffenschaften 96, Bergfach 4, Hochbaufach 54, Jngenieurbausach 59, Maschinendaufach 100, Chemie- und Hüttensach 52. Der Herkunft gemäß sind die meisten Kartellbrüder Rheinländer, nämlich 385, Westfalen 333, Hannoveraner 135, Schlesier 94, Hessen - Nassauer 54, Sachsen 30, Ostpreußen gleichfalls 30, Westpreußen 27, Berliner 11, Brandenburger 5, Posener 4, Schleswig-Holsteiner 3, Pommern 2 und Hohenzollern 2. Der Landes- angehörigkeit nach gehören 1115 zu Preußen, 217 zu Bayern, 49 zu Württemberg, 46 zu Elsaß-Lothringen, 35 zu Baden, 27 zu Oldenburg, 27 zum Großherzogthum Hessen und 4 zum Königreich Sachsen. AuS den kleineren deutschen Bundesstaaten stammen noch 7 und aus dem AuSlande 33 Mitglieder des Verbandes. — Soweit die Statistik aus dem verfloffenen Jahre über die Aktiven und Inaktiven. Die Philister des Verbandes wird das demnächst erscheinende Jahrbuch veröffentlichen.
I katholischen Bevölkerung unberücksichtigt bleiben. Das Gegenstück dazu lernt man kennen aus einer Mittheilung über Zwergschulen in der Provinz Posen, die fich in der .Deutschen Tage-- zeitung' vorfindet. Danach gibt es in Posen „neben vielen überfüllten Schulklassen auch 49 Zwergschulen, d. h. Anstalten mit höchstens zwanzig Schülern", und von diesenZwerg- schulen ist nur eine einzige katholisch. 36 davon find protestantisch, 12 jüdisch. Mit solchen Ansprüchen auf Zwergschulen werden die Katholiken achselzuckend oder hohnlächelnd abgewiesen nach dem bekannten sogenannten „Wohlwollen" der preußischen Regierung für die Katholiken und die katholische Kirche!
+ Der Marine - Ktat ist am Freitag von der Budget - Kommission des Reichstages durch- berathen worden. Zunächst wurde auf den Antrag des Abg. Müller-Fulda (Centr.) ein Abstrich von 2,400,000 gemacht bei der dritten Rate für das Linienschiff „Wittelsbach" und nach dem Voranschläge der Regierung 6 Millionen beträgt. Das ganze Schiff sM 16,650,000 jK>. kosten. Der Abstrich ist begründet durch die inzwischen außerordentlich gesunkenen Prise für Stahl und Eisen. Eine längere, aber als geheim bezeichnete Debatte entspann sich sodann über den Bezug der Panzerplatten für die neuen Linienschiffe. Mit großer Mehrheit wurde folgende Resolution angenommen:
„Den Reichskanzler zu ersuchen, in Er- „wägung zu ziehen, ob fich nicht im Jnter- „effe der Ecsparniß die Errichtung eines „Panzerplattenwerkes aufReichs- „kosten empfiehlt."
Außerdem wurde ein Abstrich im Betrage von einer Million bei der geforderten Rate von 2,700,000 Jt>. für den Bau von zwei großen Trockendocks auf der Werst in Kiel gemacht, und ein fernerer Abstrich in derselben Höhe sür den Bau eines Bassins auf der Holm-Insel bei Danzig. Für diesen Zweck werden anderweit ver-
Zum Leid gesellte sich aber noch ein unbehaglicher Zweifel; bet ihrem letzten Zusammensein hatten ste das vertrauliche „Du" gebraucht. Durfte er sie damit anreden, jetzt, wo er kam, Abschied zu nehmen? Urterließ er es aber, war es nicht roh, die veränderte Gesinnung gleich zur Schau zu tragen? Stephanie, gramersüllt, that nichts, ihn aus seiner Verlegenheit zu reißen. Krampfhaft hielt fie seine Hand sest, sagte aber kein Wort.
Sein Schwanken genügte, sie ihren Vortheil gewahren zu lassen.
„Du kommst, mir Lebewohl zu sagen", begann sie mit erstickter Stimme. „So gehe also . . .
I wenn Du auch mein Glück mit Dir nimmst. Ich will nicht Unfrieden stiften zwischen Deiner Mutter und Dir."
Ihre Hand lag aber noch immer in der seinen, im nächsten Augenblick hing sie schluchzend an seinem Hals.
„Ich habe meine Kraft überschätzt", murmelte sie. „Da^ Leben hat Schmerzen, die ich bisher nicht geahnt."
Obwohl ihm mit jeder Sekunde da» Peinliche seiner Stellung mehr zum Bewußtsein kam, hielt Buschmann doch noch an sich: „Glaubst Du, ich theile Deinen Schmerz nicht?"
„Das weiß ich, und das macht mich nur noch unglücklicher", erwiederte fie, ohne den Kopf zu erheben.
Daß er kein Wort der Erwiderung fand, bewies ihr, daß fie ihre Macht über ihn wieder erlangt; getrost durfte fie ausholen zum letzten entscheidenden Schlage.
vertrag für absehbare Zeit geschwunden, ebenso die _ ... „
Möglichkeit eines deutsch - russischen Krieges. Die + Der Armd der Landwirthe ist in Südverkehrte Lehre, daß industrielle Handels-Be- deutschland bereit« auf dem absteigenden Aste an- ziehungen in den politischen Beziehungen der Mächte gelangt. Der ,Straßb. Post' wird aus d.-r Pfalz keine Rolle spielen, daß man einander wirthschaft- geschrieben: „Die durch den Bund der Luadwirthe lich ruiniren und dabei freundschaftliche Be- hervorgerufene Bewegung ist in der Pfalz und im Ziehungen beibehalten könne, sei nicht russischen Großherzogthum Hessen im Rückgänge Ursprungs usw. Also: Herr von Witte läßt uns begriffen. In der Zeit vom 1. Januar 1898 bis sagen, es würde mit der russischen Freundschaft zum 1. Februar 1901 find in der Pfalz bei einem überhaupt zu Ende sein, wenn wir unsere Handels- Zugang von 2323 Mitgliedern 2647 Mitglieder Politik nach den deutschen Interessen einrichten und aus dem Bunde ausgeschieden, sodaß ein thatsäch- uns nicht denjenigen Interessen unterordnen sicher Abgang von 324 Mitgliedern zu verzeichnen würden, die da« Zarenreich hat. „Wär' der Ge- ist. Im Großherzogthum Hessen beträgt der Ab- danke nicht verflucht gescheidt, man wär' versucht, gang bei einem Zugänge von 981 Mitgliedern ihn herzlich dumm zu nennen!" Jetzt wollen wir 1459; die Mitgliederzahl hat sich sonach um nicht einmal sehen, was unsere Freihandels- und Händler- weniger al« 478 vermindert." — Erfreulicher, blätter zu diesem neuesten Einfalle der Petersburger weise kommt man in jenen Gegenden jetzt all- sagen werden, ob ihnen auch jetzt noch nicht das mählich zu der in der ,Fuld. Ztg.' stets vertretenen Verständniß dafür aufgeht, daß sie mit ihrer Ueberzeugung, daß der Bund der Landwirthe für Schreiberei die Interessen Rußlands fördern im die Landwirthe und Bauern in Süd- und Westfeindlichen Gegensätze zu denjenigen des deutschen deutschland ein Nebel ist.
Reiches und Volkes. _ * Gin Minifieriat-Krlatz in Sachen der
X Schnlneryäktnisse in der Mrovinz Lehrervesoldnug. Der evangelische Schulvor- Msfen. Vor kurzer Zeit wurden wieder einmal stand in Lüdenscheid harte beschloffen, den Alters- Klagen über Klagen aus der Provinz Posen laut zulagesatz für Lehrer von 180 bezw. 190 M. darüber, daß die berechtigten Schulansprüche der auf 200 M. zu erhöhen. Auf eine Anfrage bei
Ans dem Reichstage.
O 59. Sitzung vom 1. März.
Die Berathung de» Militär-Etat« wird fortgesetzt bei dem Titel „Ankauf der Remonte- pserde".
Die Berathung bietet zwei interessante Punkte: erstens eine Auseinandersetzung über die deutsche Pferdezucht und die Förderung derselben durch die Re- montenankäufe der Heeresverwaltung; zweitens eine Kennzeichnung der Verhältnisse der Arbeiter in den großen Militärfabriken in Spandau.
Bon den Remontenankäufen gab Kriegsminister ». Haßler zu, daß die Preise der letzten Jahre augenscheinlich zu niedrig gewesen seien; in Ostpreußen find ganz erheblich weniger Pferde angekauft worden während der letzten Jahre, als ehedem.
Die Abgg. Dr. Kahn (Bd. d. L.) und Koffmann- Hall (südd. Bp.), rote auch der kons. Abg. AtinLow- Rtörn empfahlen einen Ankaufspreis von 1000 M. für das Pferd.
Bei dem Kapitel „Militär-Erziehungs- und Bildungsanstalten" rügt es
Abg Hröver (Etr), daß den KriegSschülern der Einkauf beim Ossisser-Konsumverein und bei anderen bestimmten Firmen empfahlen, dagegen vor anderen Firmen gewarnt worden fei; worauf
Minister v. Haßler erwidert, man warne nur vor solchen Firmen, mit denen man schlechte Erfahrungen mache.
„Wir wollen also entsagen um Deiner Mutter willen. Vorher laß mich aber noch einmal in Deine Augen sehen .... diese lieben Augen! Welche Verheißung von Glück hat mir au« ihnen entgegen geleuchtet! . . Sie schluchzte auf.
„Mach' Dir und mir da« Scheiden nicht noch schwerer", bat er mit gepreßter Stimme.
„Mit Glück und Frohsinn habe ich nun abgeschlossen", Nagte sie. „Geh' jetzt, geh' Eduard."
Verflogen waren seine Vorsätze, vergessen die Mutter, — er fühlte nur die Leidenschaft, die heiß und heißer in ihm emporloderte, und jeden Gedanken an Abschied mit sich fortnahm.
„Wir wollen aber dem Glück nicht entsagen!" rief er, und hielt fie fest. „Mein mußt Du werden, und al« mein liebes treue» Weib der Mutter Vorurtheile besiegen."
Sie sträubte sich, sie bestand darauf, vor der Mutter zurückzustehen, bestand um so mehr darauf, e stürmischer sein Drängen wurde.
„Sag', daß Du mein werden willst", forderte er endlich. „Ich müßte sonst glauben, daß ein Anderer den Weg zu Deinem Herzen gefunden."
Sie legte beide Arme um seinen Hals und zog seinen'Kopf zu fich herab: „Kannst Du an mir zweifeln, Geliebter?"
„Also, mein Weib, mein geliebtes Weib, nicht wahr, Stephanie?"
„Du hast mich besiegt, Eduard. Unglücklich zu werden, konnte ich ertragen. Dich unglücklich zu sehen — nicht. Aber . . . Deine Mutter?" . . .
„Sie will mein Glück und das finde ich «M bei Dir."
Auf eine Anfrage des freis. Abg. GiAhsff bemerkt der Minister, daß daS Kadettenhaus danach strebe, die Berechtigung zum medizinischen und zum juristischen Studium zu erhalten, und daß derselbe hoffe, diese Berechtigung auch zu erhalten.
Am Schluffe der Sitzung rechtfertigte dann Generalmajor v. ^inern die Behandlung der Arbeiter in den Militärfabriken glänzend gegen ganz unsinnige Beschuldigungen des Sozialdemokraten Zubeil: S7 vom Hundert aller dieser Arbeiter verdienen täglich 4—6 M. und mehr!
Am Montag wird die Berathung fortgesetzt.
A«s dem Landtage.
KSgesrdnetenhanr. —38. Sitzung vom 1. März.
Auf der Tagesordnung steht zunächst die Interpellation der freis. Abgg. Kopsch und Grast r Ist die Regierung in der Lage, Auskunft zu geben über Umfang und Ursache des zur Zeit bestehenden Mangels an BolkSschullehrern, und was gedenkt ste zur baldmöglichen Beseitigung desselben zu thun?
Kultusminister Stndt erklärt sich zur sofortigen Beantwortung bereit.
Bon allen Seiten wurde das Vorhandensein de« Mangels zugegeben, auch vom Kultusminister. Aber auch von allen Seiten wurde die Behauptung der freisinnigen Interpellation zurückgewiesen, daß der Lehrermangel znsammenhänge mit einer zu geringen Besoldung der Lehrer oder gar mit der geistlichen Schulaufsicht. Aus den Ausführungen des Kultusministers ist die Hoffnung zu schöpfen, daß der herrschende Mangel bald beseitigt sein werde.
Alsdann begann die B e r a t h « n g des K u l t u S- . Etats.
Zu dem Ausgabetitel „Ministergehalt" liegen zwei Anträge vor:
1) Ein Antrag des Abg. Iritzen und Gen. (Centr.): die Regierung wolle einen Gesetzentwurf vorlegen, wodurch die besonderen Beschränkungen und Erschwerungen, denen die Krankenpflege und die sonstige Hebung werkthätiger Nächstenliebe seitens der Mitglieder katholischerOrdenund ordenSähn- licher Kongregationen unterworfen ist, behufS Gleichstellung derselben mit den Mitgliedern anderer, der Krankenpflege gewidmeten Bereinigungen aufgehoben werden.
2) Ein Antrag des konservativen Abgeordneten Arendt-Labiau, wonach in dem Anträge Fritzen bo8 Wort „sonstige" durch daS Wort „gleichartige" ersetzt werden soll.
Abg. Iritzen (Centrnm) begründet den EentrumS- antrag: Wenn heute zwei Schwestern eine kleine Krankenanstalt errichten, bedürfen fie dazu der Genehmigung zweier Minister. Ehe diese erfolgt, vergeht meistens sehr viel Zeit. Wie viel Roth und Elend könnte in dieser Zeit bereits getilgt werden! Die er- theilte Erlaubniß kann denn aber auch zu jeder Zeit zurückgezogen werden. Das ist ein unwürdiger Zustand und diesem unwürdigen Zustande soll unser Antrag ein Ende machen.
Der konservative Abg. von Keydeürand und von der Las« befürwortet den Antrag unter dem Borbehalte, daß die Regierung bei einer Vorlage diejenigen Gesichtspunkte in Betracht ziehe, die nach der Organisation der katholischen Orden noth- wendig seien.
Die Abgeordneten Iriedllorg (natl.), Freiherr von Ieblitz (freikonf.) und Kngen Dichter (freis. Bolksp.) sprechen gegen den Antrag. Herr Eugen Richter würde „höchstens" mit einer KommisfionS- berathung einverstanden sein.
Abgeordneter Dr. forsch (Centrum): Das katholische Volk hat Anspruch auf das Vertrauen der Regierung. Die Haltung der Regierung gegen unsere Orden ist dagegen der Ausdruck des Mißtrauens. Wenn uns der Antrag Arendt auch gerade nicht angenehm ist, so werden wir unS denselben doch gefallen lasten, wenn es nicht anders geht. Bedauern würden wir es, wenn bei einer Vorlage die polnischen Landestheile eine Ausnahmestellung zugewiesen erhalten sollten. Eine Störung des konfessionellen Friedens ist nicht zu befürchten. Die katholische Kirche hat noch nie einen Katholiken gehindert, feinen Patriotismus zu be« thätigen. Die Genossenschaften, die Kranken pflegen,
Wie von plötzlicher Eingebung ergriffen, entwand fie fich seinen Armen.
„Jetzt, in dieser Stunde höchster Freude wollen wir unS an Deine Mutter wenden, fie um ihren Segen bitten. Schreibe ihr, Eouard, gleich — hier — bei mir. Deine Gegenwart wird mir den Muth geben, auch einige Worcke an fie zu richten. Den Bitten zweier glückseliger Menschen, die sich in Siebe zusammengefunden, wird sie nicht widerstehen können."
5. Kapitel.
Masing war ein ansehnlicher Marktflecken, den seine Bewohner gern als Städtchen bezeichneten. Der Ort rühmte fich eines großen Marktplatzes, der mit einer schönen Kirche und stattlichen Häusern geschmückt war, die seit Menschenalter fich immer vom Vater auf den Sohn vererbten. Die Besitzer, behäbige Leute, hatten meist auch noch Felder und Gärten, wohl gar einen Meierhof und fühlte« fich als echte Grundherren von altem Schrot und Korn. Zu den also Bevorzugten gehörte auch die Familie Weingärtner, eine der angesehensten und ältesten angeseffenen im Orte.
Der Sinn der alten Frau Doktor war auf das Praktische gerichtet. Eine geschäftige Marths legte fie überall mit Hand an und die Enkeltochter mußte ihr bei allen häuslichen Beschäftigungen behilflich fein. In richtiger Erkenntnis» jedoch, daß die Tochter eines wohl noch zu höheren Würden berufenen Ministerial-Sekretärs mehr und anderes zu wiffen brauche, als die Durchschnittszah! der Masinger Mädchen, hatte