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M 48.

JuL^öa, Mittwoch, den 27. Februar 1901.

28. Jahrgang.

Deutsches Deich.

Berlin, den 26. Februar.

+ Die Dnetlfrage im Reichstage. Die erste Sitzung bei Reichstages, die der Berathung des Miiitäretats gewidmet war (Dienstag), ge­staltete sich sehr intereffant dadurch, daß die Gentrumsabgeordneten G r ö b e r und Dr. B a ch e m die immer brennender werdende Duellfrage an­schnitten und den Kriegsminister von Goßler nöthigten, in bestimmter Weise sich über den kaiserlichen Erlaß vom Jahre 1897 gegen das Duell im Heere zu äußern. Der Kriegsminister ist nicht als Sieger vom Schauplatze abgetreten, Alles, was er nunmehr noch vorbringen mag, kann die Thatsache nicht aus der Welt schaffen, daß er sich durch seine Aeußerungen über das Duell in Widerspruch gesetzt hat mit dem er­wähnten kaiserlichen Erlasse. Denn der Minister hat ganz unverhohlen erklärt, er billige dar Duell in bestimmten Fällen; während jener kaiserliche Erlaß von dem Gesichtspunkte aus­geht, daß der Zweikampf im Heere gegen die Bestimmungen des Strafgesetzbuches ver­stößt. Unter wiederholtem lebhaftem Beisalle des Hauses forderte Abgeordneter Gröber gleiches Recht für alle, nicht ein Ausnahmerecht sür das Heer. Und denselben Beifall entfeffelte Abgeordneter Dr. Bachem dadurch, daß er sagte: Wenn der Kaiser Kenntniß hätte von den Wirkungen, die die reichliche Ausübung des Begnadigungrechtes auf dem Duellgebiete im Volke ausübe, würde er dieses Recht nicht in ffo umfassender Weise bethätigen; und wenn die christliche Gesinnung des Monarchen auch eine christliche Gesinnung im Heere nach sich ziehen soll, dann muß das Duell aus dem Heere ver­bannt werden. — lieber den Offiziersmord in Mörchingen lehnte der Minister eine Aeußerung ab, weil der Fall noch schwebe. In der Budgetkommission bei Reichstags aber hat er ihn als bett größten Skandal bezeichnet, der im Heere vorgekommen sei, wie Abgeordneter Bebel feststellte. Auf eine Anfrage des Abge­ordneten Gröber, was in dem Kölner Falle geschehen sei, wo Reserveoffizier-Aspiranten nach ihrer Stellung zum Duell befragt wurden, ant­wortete Minister von Goßler, die Schuldigen feien bestraft worden. Am Mittwoch wird die heute (Dienstag) begonnene Debatte fort­gesetzt.

ft Der Warin- Ktat konnte am heutigen Dienstag in der Butgetkommission de« Reichstages noch nicht in Angriff genommen werden, weil der Berichterstatter dafür, der Centrumsabgeordnete Müller-Fulda, plötzlich an der Theilnahme be­hindert worden war.

ft Der Meich»-Z«valide«I»»d, beschäf­tigte am Dienstag die Budget-Kommission des Reichstages. Hierzu lag ein Antrag der Abgeordneten Graf Oriola (natl.) und Mül­ler-Fulda (Centr.) vor, den Fonds für hilfs- bedürstige Veteranen von 4,080,000 Jk. auf 4,800,000 JK>. zu erhöhen. Reichl-Schatzsekretär Frecherr o. Thiel mann bestätigte, daß im Reiche noch 7342 Veteranen vorhanden sind, die zum Empfange einet Jnoaliden-Penston wohl be­rechtigt find, aber noch nichts erhalten haben. Kriegsthetlnehmer sind im Ganzen noch etwa

—

Wou Stufe zu Stufe.

Roman au3 dem Wiener Leben.

Bon L. v. N e i d e g g.

4 ------ (Nachdruck verboten.)

Im Anblick der Mutter, die sich zu einer Bitte demüthigte, lag etwas so Ergreifendes, daß Buschmann nun, indem er sich zum Zorne aufstachelte, die Rührung überwand, die ihn sonst reuig zu ihren Füßen niedergeworfen

Im rauhen Tone fragte er sie: ob sie denn meine, daß es christlich sei, eine Frau bloS um deswillen anzufeinden, well sie eine Schauspielerin geworden?

„Nicht deshalb, Eduard, gewiß nicht. Bring' mir eine rechtschaffene Schauspielerin, bring' mir selbst eine atme, aber brave Choristin, und ich will sie mit Liebe empfangen. Ein Weib aber, das Gassenhauer singt, und in gemeinen Possen sich gefällt, das kann ich allenfalls er­tragen — lieben nie!"

„Stephanie ist eine rechtschaffene Frau, und wenn die ©ruber das Gegentheil behauptet, so lügt sie!" rief Buschmann heftig. „Ich muß schon sagen, Mutter: Sie flecken in Anschau­ungen drin, die sich längst überlebt haben. In Ihrem Dorf beurtheilt man daS Leben un­richtig."

Obwohl dunkelroth geworden, hielt die alte Frau noch immer an sich; es warm eindring, liche Worte, die sie fand: „Ich weiß ja. Du

600,000 vorhanden, davon 40.000 als hilfs­bedürftig anerkannt. Der Cevtrums-Abgeordnete Speck beantragte, die Beihilfen für Veteranen künftig in den Etat einzustellen und diesmal die ent­sprechende Summe Don 4,080,000 auf 5,200,000 J6. zu erhöhen. Außerdem lag ein noch weiter gehen­der Antrag deS konservativen Abgeordneten Niß- ler vor, der aber abgelehnt wurde, weil man feine finanziellen Folgen nicht übersehen kann. Dagegen hatte die Kommission nichts dagegen einzuwenden, daß dieser Antrag dem Reichskanz­ler als Material überwiesen wurde. Zur An­nahme gelangte dann der Antrag Speck, wo- mit gleichzeitig der Antrag Graf O r i o l a - M ü l - ler erledigt war.

ft Der Kniwurf AVer bi- ostafrikauische Gentrakvah« ist nunmehr fertig gestellt. Es handelt sich dabei, wie bereits bekannt, um die Strecke von Dar-es-Salaam bis Mrogorl. Den Bau übernimmt nach dem Entwürfe eine Ge­nossenschaft, an deren Spitze die Deutsche Bank steht. Dar Baukapital ist auf 24 Millionen ver­anschlagt. Die Bauzeit soll fünf Jahre dauern. Nach Ablauf dieser Zeit und Fertigstellung der Bahn soll das Reich eine Zinsbürgschaft int Be­trage von 3 v. H. übernehmen.

X Das Krgevnitz der letzte« DokKs- zähkmig ist nunmehr amtlich bekannt gegeben: danach hatte das deutsche Reich am Tage der Volkszählung eine Bevölkerung von 56345014 Seelen, 27731007 männliche und 28613947 weibliche Personen. An dieser Gesammtzahl sind betheiligt Preußen mit 34,5 — Bayern 6,2 —- Sachsen 4,2 — Württemberg 2,3 Millionen. E« gibt jetzt im Reiche 33 Städte mit mehr als 100000 Einwohnern, und in diesen Städten wohnt etwa ein Sechstel der Gesammtbevölkerung, näm­lich 9108 814 Personen. Diese Städte zeigen ohne Ausnahme eine ganz erhebliche Zunahme der Be­völkerung itu Vergleiche zu der letzten Zählung. Im ganzen Reiche ist seit der Zählung am 2. Dez. 1895 die Bevölkerung um 4065113 Personen oder 7,18 v. H. gewachsen. Seit 1871, seit dem Bestehen des neuen Deutschen Reiches überhaupt, bedeutet da» Ergebniß dieser neuesten Volkszählung eine Zunahme der Bevölkerung um 151/« Millionen, das heißt um mehr al« 37 v. H. Unter den wichtigen Kulturländern nimmt das Deutsche Reich nunmehr an Bevölkerung die dritte Stelle ein: es wird an Bevölkerungszahl nur von Rußland (106 Millionen, d. h. europäisches Rußland) und von den Vereinigten Staaten von Amerika (76Vs Millionen) übertroffen.

Aus dem Reichstage.

i» 66. Sitzung vom 26. Februar.

Bei sehr schwacher Besetzung des HauseS tritt dieses in die Berathung deS Militär-Etats ein. Nach einem längeren Berichte des kons. Abg. Grafen Roon nimmt daS Wort

Abg. «Kröver (Etr.), um auf den Duellfall in Köln zurückzukommen, auf die dortige Befragung von Offiziersaspiranten, sogar Reserve - Osfiziersaspiranten über ihre Stellung zum Duell. Redner fährt fort: 65 ist für das Haus erwünscht, den Wortlaut des letzten kaiserlichen Erlasses über das Duell kennen zu lernen. Aus der in Köln zu Tage getretenen Auffassung ist auch der Osfiziermord in Mörchingen mittelbar hervorge­gangen : die Erschießung des HauptmannS Adams durch den Oberleutnant Rüger. Der Redner verbreitet sich eingehend über die Borgänge, die den Anlaß zu dieser

stehst an Bildung und Lebensstellung Über mir, mein Sohn. Ich will auch zugeben, daß ich recht altväterliche Ansichten habe, lieber das, waS GotteS Gebot und fromme Sitte erheischen, kann es aber nur einerlei Anschauung geben, Daß Stephanie Koruegger der richtigen An­schauung nicht huldigt, kannst Du selbst nicht leugnen. Schau Eduard", fuhr sie in steigen­der Erregung fort, „ich will Dir gestehen, daß ich auf Dich stolz bin, sehr stolz. Für Deine Fehler macht mich das aber nicht blind. Ich fühle, daß, ebenso wie eine tüchtige Frau Dich emporheben, ein leichtfertiges Weib Dich herunter» ziehen könnte; daher meine Angst. Das eine versprich mir wenigstens: nichts zu übereilen, zu prüfen, ob in Stephanie so viel gesunder Kern steckt, daß sie trotz allem Dir eine christliche Frau werden kann. Siehst Du, daß daS Ko- mödiantenblut in ihr überwiegt, so sei ein Mann und habe den Muth, mit ihr zu brechen."

Noch nie hatte die Mutter so warm zu ihm gesprochen. Daß die herrschgewohnte Frau ihre heftige Natur so weit Überwand, zu Bitten sich herabzulassen, legte mehr als alle Worte Zeug- niß ab für die Tiefe ihrer Liebe. Und Eduard war äußeren Einflüssen leicht zugänglich, ein echtes Kind des Widerspruchs: sentimentalen An­wandlungen der Sehnsucht nach einem hohen Ziele unterworfen, dabei materiellen Genuß liebend. Der Mutter Worte hatten die bessere Natur in ihm geweckt; er schwankte; Zweifel, die er nicht gekannt, Bedenken, die ihm fremd geblieben, stiegen in ihm auf.

Stürmisch zog er die Mutter an sich, fand

That gegeben haben und führt dann weiter aus: Es ist, als Adams den Oberstabsarzt Rüger thätlich beleidigt hatte, ein Ehrengericht nicht in Thätigkeit getreten. WeShalb nicht? Es steht fest, daß das Duell unbedingt durch das Strafgesetzbuch verboten ist. Wenn der Kriegsminister neulich gemeint hat: die Erwähnung von Standesgerichten in der Berfassung sei gleichbedeutend mit einer Zulassung des Duells, so ist das unzutreffend. Die Ehrengerichte haben ja gerade den Zweck, das Duell zu verhindern! Gegen die Auslegung deS Kriegsministers appellire ich an den obersten Kriegs­herrn! Gleiches Recht für alle! Nicht nur für Andere ist das Duell verboten und soll es verboten sein, son­dern auch für das Heer!

Kriegsminister v. Hoßker tbeilt zunächst mit, daß die Schuldigen bei der Sache in Köln bestraft worden sind, und es ist ihnen der Erlaß des Kaifers vom 16. Juni 1895 in Erinnerung gebracht worden. Gleichzeitig ist verschärfte Weisung ergangen zur Beachtung des­selben. Der Erlaß — der Minister verliest ihn! — verbietet die Befragung eines Aspiranten nach seiner Stellung zum Duell. Der Vorredner hat sodann über das Duell im allgemeinen gesprochen und meine Auf­fassung angefochten, daß dasselbe zuzulassen sei. Aber in der Verordnung über da? Ehrenrathswesen heißt eS zwar, daß der Ehrenrath seine Entscheidung abzugeben hat; aber „das Weitere ist den Betheiligten zu über­laden". Und wenn dann ein Duell stattfindet, so ist derselben Verordnung zu Folge „der Gang desselben zu überwachen". Das Duell ist also bei der Verordnung durchaus in Erwägung gezogen. Der Fall in Mör­chingen schwebt noch; ich gehe deshalb nicht auf ihn ein. Durch einen geschichtlichen Rückblick sucht dann der Minister nachzuweisen, daß alle Maßregeln gegen den Zweikampf im Heere vergeblich geblieben seien, so­gar die Hinrichtungen, die in den Jahren 1722 und 1747 deswegen vorgenommen wurden. Der Minister selbst ist der Ansicht, daß das Duell in zwei Fällen er­laubt fein müsse: erstens, wenn gegen jemand der Vor­wurf der Feigheit erhoben werde, zweitens bei einer thätlichen oder bei einer anderen Beleidigung, die mo­ralische Flecken hinterlasse.

Abg. N«»«r (fozd.) spricht gegen diese Auffassung: daS 20. Jahrhundert vertrage sich nicht mehr mit einem Ehrencodex. Ueber den Mörchinger Fall müsse daS Haus unbedingt Aufklärung verlangen; in der Buget- kommission habe der Minister selbst gesagt, daß es sich um einen Skandal handele, wie er int Heere noch niemals vorgekommen fei. Da nun der Minister aus­drücklich daS Duell billige, müsse der Reichstag dazu Stellung nehmen, damit eS nicht so scheine, als billige er diese Auffassung. Im übrigen verbreitet sich der Redner über Organisationsfragen und Uniformfragen des Heeres.

Der sächsische Bevollmächtigte Major Ltrug von Wdda bezeichnet eine Aeußerung deS Vorredners alS unwahr, daß die sächsische Heeresverwaltung in der Duellfrage einen Erlaß im Gegensätze zu dem kaiser­lichen Erlasse ausgegeben habe.

Der kons. Abg. Dr. Herlek ist der Ansicht, daß bei solchen Erörterungen über das Duellwesen blut­wenig herauSkcmme. Man dürfe zur Heeresverwaltung nut das Vertrauen haben, daß sie alles thun werde, um nach Möglichkeit Duellen vorzubeugen. Auch zur Abstellung der Mißhandlungen thue die Heeresver­waltung alles, waS sie könne. Zum Schluffe legt der Redner der Heeresverwaltung den unmittelbaren An­kauf bei den landwirthfchaftlichen Produzenten ans Herz. Der Landwirth hat ein um so größeres Recht darauf, als die Lasten sehr groß sind, die er an Einquartirung und anderen HrereSerfordernissen zu tragen hat.

Generalmajor von Aeeringe« stellt fest, daß die Ankäufe von Getreide zu zwei Drittheilen aus der ersten Hand erfolgt feien. Die Heeresverwaltung febe auch Vortheile für sich bei d:n Ankäufen au« erster Hand.

Der polnische Abg. von Iazdzewsllk führt Be­schwerden darüber, daß eS der Garnison in Posen ver­boten sei, bei polnischen Geschäftsleuten zu kaufen, worauf

Minister von Hoßker erwidert, er könne das nur billigen; denn des Vorgehen der polnischen Bevölkerung gegen die deutschen Geschäftsleute sei so feindselig, daß die letzteren dadurch schwer geschädigt werden.

Abg. Dr. Aachem (Centr.) kommt auf die Duell­frage zurück und verweist darauf, daß daS Duell unter allen Umständen verwerflich sei, auch wenn man es

beredte Worte, sie zu beruhigen, und versicherte, daß ihre Liebe, ihre Achtung ihm über alles gehe. Als er schied, war eS mit dem halben Versprechen, von Stephanie sich loszumachen, seine kindliche Liebe zu bethätigen durch das Opfer seiner Leidenschaft.

III. Kapitel.

Frau Pepi hatte geseufzt und gekeift, ihr Mann war nichtsdestoweniger nach der Haupt­stadt zurückgekehrt. ES war, wie er gesagt; die Einförmigkeit deS Landlebens konnte er nicht er­tragen ; wie die Motte das Licht, strebte er der Abwechselung zu.

Leidenschaftlich für Musik und für Theater- sreuden eingenommen, hatte er sich das Ziel ge­steckt, in Künstlerkreisen Zutritt zu erlangen. Gediegene, wirkliche Künstler mochten indeß mit dem ungebildeten Manne nichts zu thun haben. Hingegen erschloß sich ihm — hauptsächlich auf Buschmanns Veranlassung — jene Halbwelt des Künstlerthums, mit der dieser durch seine Operetten in Verbindung gekommen war. DaS alte Männchen, wiewohl rechtschaffen und ein Muster ehelicher Treue, kannte keinen heißeren Wunsch, alS für einen „feschen Kerl", für eine Art Don Juan zu gelten. Nie fühlte er sich glücklicher, alS wenn eine Balleteuse ihm schäckernd auf die Achsel klopfte, — eine Soubrette ihn einen „lögören Kampe!" nannte; mit jeder solchen Auszeichnung wuchs zugleich mit seinem Stolze seine Dankbarkeit für Buschmann, der chm den Weg zu solchen „Triumphen" gebahnt.

Er wußte am dessen Liebeshandel mit Ste-

immer wieder als nothwendiges Nebel bezeichne. Wem» das Heer eine Ausnahme machen und das Gesetz miß­achten darf, so darf daS auch jeder andere Stand. Und greifen hier die Begnadigungen zu weit um sich, dann wird dadurch daS Rechtsgefühl im Volke verdorben. Hätte der Kaiser einen vollen Ein­blick in die Wirkungen des Begnadigungsrechtes auf diesem Gebiete, so würde er sicherlich nicht solchen Gebrauch davon machen. Die Antwort deS Ministers auf die Kölner Frage ist völlig ungenügend, zumal derselbe unzulässige Fragebogen, der eine Frage über Zugehörigkeit zu bestimmten studentischen Verbindungen enthält, immer noch in Anwendung kommt. Zu« Schluffe seiner Rede geht der Redner noch auf die Ehrenräthe ein: Ist es wahr, waS ein Minister sagt, daß ein königlicher Kabinetsbefehl daS Duell billige, so ist es auch wahr, daß dieser KabinetS- befehl dem Strafgesetze widerspricht. ES ist aber gar nicht richtig, daß der KabinetSbefehl das Duell billigt, denn der kabinetsbefehl beginnt damit, daß das Duell durch das Strafgesetz verboten sei. Der KriegS- minister hätte richtiger gehandelt, wenn er sich vorher über die Bedeutung des KabinetSbefehls genauer unterrichtet hätte. Der Kaiser hat so »ft seine christ­liche Gesinnung betont--

Präsident Graf von Mallestrem ersucht den Red­ner, eine solche unmittelbare Bezugnahme auf die Person des Kaisers zu unterlassen.

Abg. Dr. Machen»:--dann will ich sage«,

wenn die so oft im .Reichsanzeiger' zu Tage getretene christliche Gesinnung des Monarchen auch iw Heere christliche Gesinnung nach sich ziehen soll, so muß ba6 Duell durchaus int Heere verbannt werden. (Lebhafter Beifall.)

Um 6 Uhr AbendS wird die W eiterbe rathun g auf Mittwoch 1 Uhr vertagt. flaea»—a— "" ej« jmjiwmil—l

Aus dem Landtage.

♦ ASgeordnetenyans. — 36. Sitzung vom 26. Febr.

In den Ausgaben deS Eisenbahn-Etat« liegt ein Antrag des antifein.

Abgeordneten Werner vor, die Zahl der etatS- mäßigen Stationsvorsteher erster Klaffe von 8OT auf 1307, die Zahl der Stationsvorsteher zweiter Klaffe von 3840 auf 4293 zu erhöhen, die Zahl der Bureau-Assistenten dagegen von 13916 auf 12968 herabzusetzen.

Ein anderer Antrag der Abgg. Schmidt-Warburg (Centrum) und Dr. Mrieger-KönigSberg (freis.) wünscht, daß den Sisenbahnoau- und BetriebSinfpektoren und Maschineninspektoren eine die Dauer von 6 Jahren überschreitende diätarische Zeit bei der Festsetzung des Besoldung? - Dienstalters in Anrechnung gebracht werde.

Der freisinnige Abgeordnete Hokdschmidt fragt an, ob es wahr ist, daß Frauen auch im Bahn­wärterdienst beschäftigt werden. Auch rügt er, daß einer Anzahl Wagenwärtern höhere Stellenzulage erst gewährt und dann wieder entzogen worden fei.

Ministerialdirektor Mehrmann erwidert, Frauen würden alS Schrankenwärter beschäftigt, wobei ans Wittwen von Unterbeamten besondere Rücksicht ge­nommen werde. Bei der Zusage der Stellenzulage habe ein Versehen Vorgelegen.

Abg. Marx (Centrum) spricht gegen die zu große Zahl der Telegraphistinnen und bittet, die gegenwärtig beschäftigten Telegraphisten zum Stationsasstftentm- dienst auch ohne Ablegung deS neuen Examens zu- zulassen. — Geheimrath Mehrmam» erwidert, daß die Prüfung nicht erlaffen werden könne.

Abg. Frhr. von Kquatten (Centrum) beklagt die Ueberlaftung der Betriebsbeamten im Bezirke Düssel­dorf. — Abgeordneter Schmidt - Warburg (Centrunch bittet den Minister, denjenigen Wagenwärtern, denen die gezahlte Stellenzulage gekürzt werden solle, die Rückzahlung zu erlassen, etwa so, daß der noch rückständige Rest al« Unterstützung gewährt werde. Sodann bringt der Reiner noch Beschwerden über eine mangelhafte Zugverbindung in seiner Gegend vor, wird aber vom Präsidenten unterbrochen, d« das nicht hierher gehört.

Der antifem. Abg. Meruor begründet seinen An­trag, der vom Regierungskommiflar Finanzrath Mrkime lebhaft bekämpft wird, da er gegen alle Grundsätze de«

phanie Kornegger und besbachtete ihn mit mischten Erfühlen. Zu ehrlich, um sich nicht zu gestehen, daß die iuü^ Wiitwe doch nicht ganz die Frau sei, wie sie für Buschmann tauge, hätte er anderseits dem „armen Schätzer!" eck gegönnt, einen braven Mann zu bekommen, und dadurch einer gesicherten Zukunft entgegen zu gehen. Was konnte denn nicht schließlich noch aus einer alleinstehenden Frau werden, an die ein jeder sich heranwagte, wenn sie, wie Ste­phanie, nicht sehr vorsichtig war, dachte er mit­leidig.

Wie die unbeschäftigten Menschen meist, war Gruber sehr neugierig. Liebeshändel und Tratsche interesfirte» ihn stets — um wie viel mehr hier dieser Fall, der eine Art Kampsspiel bedeutete zwischeu seiner Schwägerin, die er achtete, ohne sie zu lieben, und Stephanie Kornegger, die er gerne mochte, wenn er sie auch nur mäßig achtete. Ungeduldig sah er Buschmann nächstem Besuch entgegen, und nahm sich vor, ihn gründlich auSzuftagen.

Aber Buschmann zeigte sich nicht. Gruber suchte ihn darauf in seiner Wohnung auf, ohne ihn jedoch treffen zu können. DaS war ver­dächtig. Nun hieß es, an die rechte Quelle sich wenden, um hinter die Wahrheit zu kommen. Er machte sich „fein", ließ sich eine selten« Blume ins Knopfloch stecken und suchte Frau Kornegger auf.

Sie war zu Hause. In einem belebte« Stadtviertel hatte sie eine kleine, höchst elegant, wenn auch vielleicht nicht im gediegensten Ge­schmack eingerichtete Wohnung inne. Hebet die