UN
M 46
Iuröa, Montag, dm 25. Februar 1901.
28. Jahrgang.
Für den Msrrat März
genommen.
£ Die Auswanderung
als wahrhaft verhängnißvoll z» finden. Ach, bi»
2. Kapitel.
Mittagsmahl unbedenklich bi« zum späten Abend
der keinesweg« die ihm von feiner Mutter ange- rathene Selbstprüfung vorgenommen, sondern sich bei einem Jugendfreunde verplaudert hatte, zeigt« fich im elterlichen Hause erst wieder, al« die Mutter
Druck und verlaz !>e, Suldaer Acti-ndruck-r«» petersgaLe Nr. 2 (Harmonie).
»ramtiMrtlf»: Für Ht Redaktirn 3*\. Dar«, kür 0-ni-r«. 3. Parzelle» i»'pulda.
erbte« Talent zur Musik au-zubilden. Damit in« Grab hinein würde ihr Eduard — vielleicht stenrth er iedoch in jene Kreise, denen die Mutter da« Liebste unter ihren Kindern — ihr ein Gegen» chn vor allem hätte fernhalten mögen. 1 ~ 1 1 ~ ..... - ---- -
Ein reich veranlagter Mann, befand er fich auf jener gefährlichen Grenze, die da« Talent vom Genie trennt, und manchem schwächeren i Charakter schon zur Klippe geworden ist. Un» Mässiger, zielbewußteS Streben nach einem hohen Ideal spornt die Geisteskräfte an, hebt die Natur empor, verleiht chr die Kraft, niedrige Gelüste siegreich zu unterdrücken. Eduard Buschmann verband mit seiner Willensschwäche eine spielende Leichtigkett, im Kleinen nicht Unerheblicher zu leisten; vor ernster Anstrengung schreckte er jedoch zurück. Leichte, gefällige Melodien kamen ihm in Fülle; er komponirt« Lieder und Operetten, und alle seine Schöpfungen konnte man als anerkennenswerth bezeichnen — al- hervorragend oder bahnbrechend keine. Tändelnd ging er durch« Leben, allgemein beliebt «egen seiner Gutmüthigkeit, seine- liebenswürdigen Wesen-, seiner Talente; — der Mutter eine
+ Der sächsische «md der »Srttemöer- gische Militär Ktat beschäftigten am Sam-tag jdieBuSaet-Kommission d«S Reichtage9. । Bon den einmalige« Ausgaben für das sächsische Ksntingent werden erhebliche Abstriche gemacht. So wurde abgelehnt eate Forderung von 261,000 Jk. für die Erweiterung eines Fahrzeug- Schuppens in Bautzen. ES wurde gestrichen eine I Summe von 100,000 Jfc. von einer Forderung von 450.000 Jk. für den Neubau eines Jnten- dantur-GebäudeS in Dresden. Gestrichen wurde auch die erste Rate für ein Diekstgebäude deS Bezirk-kommando's IIin Dresden, ferner 75.000A zur Einrichtung eines Garnison-Begräbnrßvlatze« in Dresden uns die erste Rate von 250,000 Jfc. für eine Kaserne einer Schwadron Jäger zu Pferde zu Leipzig. Bom württembergischen Etat wuroen abgelehnt die erste Rate für ein Diesst- gebäude deS Beznkrkommando'S in Ravensburg und die letzte Rate zur Herrichtung eines ExerzierplatzeS für die Garnison in Tübingen im Betrage von 240,000 Jk. Nachdem dann auch die Einnahmen des Militär- Etat- erledigt waren, war der ganze Militär-Etat durchderathe».
hinaurgeschoben; wußte sie aber, daß der Doktor auswärt« aß, war sie pünktlich bi« zur Pedanterie — nicht eine Sekunde lang wurde auf trgenk Jemand gewartet.
Bo« diesem Gesichtspunkte ans betrachtet ge- winnt die Frage der ausreichende« Arbeiter- fürsorge bet un- in Deutschland von neuem doppelt an Bedentung. Wir thun unser, Pflicht darin. Aber diese neueste Auswanderererfahrung ist eine erneute Mahnung dazu, auch niemals darin zu erlahme», sondern unablässig vor- wär IS zu streben!
stand der Sorge bleiben! Ein Glück noch, «ernt e« dabei sein Bewenden hatte.
„Ich will nicht hoffen, daß Du so rückflchtS- los sein könntest," erwiderte die Mutter, ihre Worre mit einem Blick begleitend, vor dem der gereifte Mann fich wieder als kleiner Rnabe fühlte." Da ja Ignaz Gruber dabei ist, bist Du übrigens ficher, Dir zusagende Gesellschaft zu finden."
„Insofern, als er wenigsten- ein guter Kerl ist und kein Ehrabschneider. Auf Wieder- sehen also, Mutter."
Die alte Frau ging nun ihren häuslichen Verrichtungen nach, die fie trotz ihrem Alter immer noch mit peinlicher Genauigkeit besorgte. Streng gegen fich wie gegen Andere, hätte fi« eS für sträfliche Verweichlichung gehalten, durch eine» seelischen Vorgang fich von ihre» Gewohnheiten abbringen zu laffen. Erst als fie in Küche und Keller geschalter, alle» zur Zufriedenheit in Ord- nung gebracht hatte, ließ fie fich im Wohnzimmer auf einem der harten Stühle nieder, die de» ver- «öhntrn Sohne- Abscheu erregte» und überließ fich ihren Betrachtungen.
Er war immer ihr Sorgenkind gewesen, dieser Sohn au- ihrer ersten wenig glücklichen Ehe. Die Eltern der hübschen Kapellmeisters Buschmann hatte« diesen zur Heirath mit dem nicht mehr ganz jungen, als klug und entschieden be-
Für uns Deutsche hat aber natürlich eigentliches Jntereffe nur dieser kleine deutsche Bruch- theil; und da ist nun vor alle» Dinge» die für uns außerordentlich «erthvolle Thatsache zu ver- zeichnen, daß die Auswanderung auS Deutschland während des JahreS 1900 im Betrage von 16,690
Eme sehr vortreffliche Einrichtung bei uns in Deutschland ist die Anstellung von Reichs- rommissaren für daS Auswanderungswesen; und ebenso gut ist es eingerichtet, daß diese ver- vstrchtet sind, alljährlich über ihre Thätigkeit, , damit also auch über die AuSwanderuNg au« urd über Deutschland selbst Bericht zu er- statten. Auch der neueste Bericht der AuS» wanberuÄgStoismiffate, der in diesen Tagen er«
G A«» prsntzische A-geard««t-»H»»s hat am letzte» SamStag de» Eisenbahnetat i» Angriff genommen, und zwar mit einer Se- »eraldebatte große» StüS über die Einnahme- posten aus de« Personen- und Güterverkehr. Der Eisenbahnminister v. Thiele» legte i» seinen Aursührnngen gauz besondere« Werth da-
ihr LooS durch ihre NuSwanderung »ach Nordamerika, u«d die doppelt unerfreuliche Folge ist der Arbeitermangel bei uni im Reiche und der Zwang, fortgesetzt ftemde Arbeitskräfte heranziehe» zu müffen.
Da« Affen wurde in einem kleinen, an die Küche stoßenden Zimmerchen eingenommen, in welchem ein Schalterfenster angebracht, durch
mit ihren Gästen längst bei Tische saß. Um ihr« Männe« willen hätte Frau Weingärtner ihr
Mangel an Selbstdisziplin geht mit Unpüust« lichkeit meist Hand in Hand. Eduard Buschmann,
Quelle zugleich des SrolzeS und der beständige» Sorge.
Da« lustige, allzu lustige Junggesellenleb»«, da« er seit er Wittwer geworden, geführt, hatte sie unaufhörlich beängstigt. Wiederholt war fie in ihn gedrungen, fich wieder zu verheirathen, ihm die Wahl lassend unter einer Reihe mit alle» Tugenden geschmückten Mädchen; — immer hatte er sich ihren Bitten unzugänglich gezeigt. Und jetzt, wo er endlich sich zu einer zweiten Ehe entschlossen, vermochte sie seine Wahl nicht and««
solchem Erfolge dem Herrn Minister die falsche, schon tausend Mal widerlegte Auffassung der Thalsachen beigebiacht haben? Manches daran erinnert so merkwürdig lebhaft an .rrthümlichr Behauptungen nuferer Freihändler und Börseu- größen, daß Herr Minister von Witte den Argwohn nicht übel nehmen kann, er sei von dieser Smte aus beeinflußt worden. Die Möglichkeit liegt dafür sicher vor. Würde eine Verbindung zwischen dem russischen Finanz. Minister und deutschen Börsengrößen etwas Uner-
Lrschemt täglich, an. Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Bierteljährl. §r,ug»prri, vhneBringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1M.S0 Pf.
(ohne Bestellgeld) von allen Postanstalten, Landbriefträger« «nd von nuferer Expedition (Harmonie) fortwährend entgegeu-
werde« Bestellungen auf die ,Fuldaer Zeitung« zum Preise von
G Die Afiademis z« WS«fier ist in der letzten Sitzung der Budgetkommission des preußischen Abgeordnetenhauses Genenstand von Auseinandersetzungen gewesen. Wegen eines LehrstuhleS der Pastoraltheologie und ein« ordentlichen Professur für Apologetik wurde ungefragt. Der R-gierungsvertretrr erklärte, die Regierung habe sich dieserhalb mit dem Bischof von Münster in Verbindung gesetzt. Auf eine Frage, wie es mit der Ausbildung der Akademie zu einer Universität stehe, antwortete der Minister, er könne darüber keine Mittheilung machen.
X Are KimraHme« aus Zölle« und WerSrauchsKeuer« haben die Budgetkom- misfion de« Reichstages Samstag Nachmittag beschäftigt. Abg. Speck vom Centrum erblickt die Lage gar nicht in rosigem Lichte, er glaubt, daß die Aufstellung der zu erwartenden Mehreinnahmen aus den 1900 erhöhten Zöllen für Bier, Branntwein ufw. mit vier Millionen zu hoch gegriffen fei. ' Aus den Minderergebnissen früherer Zollerhöhungen auf diese Verbrauchsartikel schließt er, daß eher ein Ausfall an Einnahmen als ein Zn- wach« zu erwarten sei. Der Unterstaatssekretär Aschenborn erwiderte, daß die Aufstellung d« Zolleinnahmen sehr vorsichtig gemacht sei und bekämpfte die mißtrauische Auffassung de« Abg. Speck, daß die neuen Zollerhöhungen für Bi« us«. keine Mehreinnahmen zur Folge haben würde«. Abg. Müller- Sagan brachte Beschwerden ber Krefelder Seidenindustrie zur Sprache über ungerechte Verzollungen, worauf Staatssekretär Frhr. IvonThielmann erwiderte, der neue Zolltarif werde erheblich mehr ins Einzelne ausgearbettet »erden und Abhilfe für zahlreiche Klagen schaffe«. Bei der Tabaksteuer äußerte Abg. Müller- Saga» den Wunsch, unterstützt von dem natl. Abg. Bassermann, die Steuer möge ander« erhoben werden, sodaß für Rippen ein höher« Betrag zurückgerechnet werde. Denn infolge de« Rückgänge» de« Pfeifenrauchen« seien inländische Rippen stark entwertet. Ein Regierung«- kommissar erwiderte, daß der Bundesrath seither solche Wünsche abgelehnt habe. Die Etatß- ansätze der Regierung wurden schließlich durchweg unverändert gutgehetßen. Am nächsten Dienstag wird in der Kommission die Berathung be« Marine- Etat» beginnen.
* Amtlicher Nachweisung zufolge hat die Einnahme an Mechs-kstempetste«-» im Deutsche» Reiche während der ersten zehn Monate de» laufenden Rechnungsjahre« 10,941,977,95 Mark od« 978 191 Mark mehr als im gleichen Zeiträume de« Vorjahre« betragen.
+ Ai« russische« Aandelvdrohn«ge» beschästtge« noch immer die Dentsche Presse. | ErwähnenSwerth ist eine Aeußerung der tetr» Timirja sew, handelspolitischen -I
ttacho an der russischen Botschaft in
I Berlin; Auch nach dieser Aeußernng rst die Kundgebung der Petersburger »Handels- und Industrie-Zeitung' unmittelbar auf de» russischen Fina-zmimster von Witte zurückzusühre». Dabei hat nun Herr Timirjasew eine ganz wunderliche Idee entwickelt: Er meinte, die deutschen Zettungen hätte» einen viel zu kurzen Auszug der Arbeit de« Herrn von Witte ge- bracht; diese letztere hätte in ihrem »ollen Wortlaute gebracht und den deutschen Blättern als eine besondere Zugabe beigelegt w«den müffen .... An übergroßer Bescheidenheit und Schüchternheit scheint der Herr Attache nicht zu leide«! Die Thatsache daß die drohende Kundgebung von »em russischen Finanzminister selbst herrührt, ändert nichts daran, daß fie von Unrichtigkeiten wimm.lt, Diejenigen, die geflissentlich Herrn von Witte vor der Oeffentlichkeit als Verfasser hinstellen, thun ihm damit also nicht den ge- ringsten Gefallen. In Deutschland macht die Kundgebung deswegen nicht eine Spur mehr Eindruck, weil fie von dem rusfischen Finanz- minister herstammt.- Wer mag aber wohl mit
Roman au- dem Wiener Leben. Bon L. v. N e r d e g,.
------ (Nachdruck »erbeten.)
Deutsches Keich.
Berlin, den 23. Februar.
rauf, daß man nicht glauben solle, der Etat sei unvorfichtig aufgestellt, im Grgentheil, so vorsichtig, daß er auch durch unerwartete ungünstige Ereignisse nicht ink Wanken gebracht werden würde. Für oas Eentrum sprach Abg. am Zehnhoff, namentlich im Interesse der an Eiftnbehnnoth leidenden Eifel. Am Montag wird die Debatte fortgesetzt.
G Der öayerische Krie-»»kniSer Shrfir. »Asch wird nach einer halbamtlichen Erklärung der Münchener,Mgsmeinen Zeitung' nicht um feinen Abschied nachsuchen. Er denkt nach der hörte« fei*2 Mittheilung des Münchener OffiziosuS „absolut nicht daran, wegen Amtsmüdigkett oder gar in Folge von Krankheit von seinem Posten zurück- zutreren".
| Personen ihrem ziffernmäßigen Umfange nach d i e «eringste gewesen ist während der letzten
। 20 Jahre. Wie die Auswanderung au« dem Deutsche« Reiche selbst abgenommen hat, das ersteht mai ganz klar erst aus dem Vergleiche dieser letzte» Auswandererziffer mit denen früherer Jahr- gävge. So har die Auswanderung aus Deutsch-
I land im Jahre 1881 mit der höchsten Ziffer, die ! jemals da war, nicht weniger als 184,369 Personen betragen, und 10 Jahre später, »ährend des Jahres 1891, betrug sie noch immer mehr mehr als 93,000. Die Verminderung von 184,000 auf 93,000 und nunmehr anf 17,000 binnen 20 Jahre» ist ein ausnehmend guter Zeugniß für die herrschenden Zustände im Deutschen Reiche.
Usd dennoch gibt auch diese neueste Aus- wandererziffrr noch Anlaß genug zu bedauerlichen Betrachtungen. Der überwiegende Tbril dieser 17000 deutsche» Auswanderer von 1900 gehört ber landwirthfchaftliche» Bevölkerung an, und vor allen Dingen find eS deutsche Arbeiter, wiederum am meisten solche aus land- und forst- Witthschaftlichen Berufszweigen, die der deutsche« Heimath den Rücken wandten. Die Landwirth- --------- —-----—„„ .... schäft bei u«S leidet bittere Roth an dem Mangel Arenen ist, stellt fich al« ein sehr interessanter un Arbeiter», und »un wandern alljährlich Beitrag zur Beurtheilung unserer wirthschaft- Tausende von tüchtige» Arbeitskräften aus dem tichen Verhältnisse und unserer Volksbewegung Vaterlande aus, während sowohl die deutsche dar, sowohl für die Betrachtung dieser Dinge Landwitthschaft als auch die Industrie und das an sich, als auch im Vergleich zu unseren Bergwerksgewerbe ausländische Arbeit« heran- Rachbarländern. ziehen müffen, um die entstehenden Lücken zu
Denn zunächst muß man sich ja an die be- Men.
kannte Thatsache erinnern, daß der allergrößte Theil | Ma» könnte sich als Menschenfreund leicht derjenige» Auswanderer, die über Bremen und über diese bedauerlichen Thatsacken trösten, wenn Hamburg Europa verlasse«, gar nicht deut- »an wüßte, daß die auswandernden Arbeiter- « 1 ^"ch^angeH örige sind, sondern aus elemente in dem Lande, dem fie zuströmen, reich- Rußlauo, Oesterretch-Ungsrn und RumSmen ltchereS Verdienst und günstigere Lebensbedingunaen stammen. Auch nur so kann man die Thut-1 vorfänden. Dieses neue Land ist in den aller- Mchs verstehen, daß bte Auswanderung im meiste» Fälle« die nordamerikanische Staaten- Ganzen »ährend be» JahreS 1900 wiederum i republik. Aber man weiß ja ganz genau, daß fthr erheblich z» genommen hat. lieber b«5 Loo« der dorthin abwandernden deutschen
wanderte» «Stzrend de« letzten Jahre« Arbeiter durchaus nicht beffet ist al« i» ihrer 95 961, über Hamburg 80858 Personen au«, deutsche» Heimath. Inden allermeisten Fälle» ”• £ Breme« fast 10000, über Hamburg verschlechtern vielmehr die deutschen Arbeiter rund 17000 Personen mehr al« im Jahre ““ " * " ' " “ * * -
vorher. Am stärksten war die Zunahme der östrrlkichischen AaSmanverer und bttjenijen, di- ihr« russischen Heimath den Rücken kehrten; geringer habe» die Auswanderer auS Ungarn und Rumänien zugenomme», aber auch da ist die Zunahme »och beträchtlich genug. Da« deutsche Reich leistet mit seiner Organisation der Au«. Wanderung auS deutschen Häfen und durch feine Fürsorge für diese großen Kchaaren, die daS alte Europa verlassen, um in einem ftemde» Welttheil fich eine neue Heimath zu suchen, unseren östliche» Nachbarländer« eine« sehr großen Dienst, denn von de» im Ganze« 176000 Auswanderer» und etwa- mehr, die während be« Jahre« 1900 über Bremen u»d Hamburg Europa »erließen, stammte» au« Deutschland noch nicht einmal 17000, also «och ««ht ter zehnte Theil der Gesammtzahl.
Ansrrater *Xki einspaltige P etit« geile ober Deren Raum1SPsg.,Re- klamen die Petitzeile 25 Pfg.; bei Wiederholungen wird entsprechende Rabatt gewahrt.
selten brach ihre Liebe durch, die fie tm Herzen verschlaß, al« schäme sie fick, daS »eiche Gefühl zu offenbare». Zur Verzweiflung des Jüngling- hatte fie darauf bestanden, ihn zu einem Kauf, mann, Ignaz Gruber, in die Lehre zu thun. Erst, als er fich dort ganz unwillfährig erwie«, fetzte es der Stiefvater durch, daß er studiren durfte. Mit glänzenden Fähigkeiten begabt, machte er mühelos fein Doktorat und trat in den Staatsdienst, i» dem er rasche Beförderung fand. Sr »ar ein fleißiger Beamter, wußte aber doch noch Zett zu finde», fein »om Vater er-
kannten Mädchen überredet, in bet Erwartung, daß s ihr gelingen würde, feinen leichten Sinn zu dämpfe». Die Berechnung schlug fehl; es blieb eine freudlose Ehr, in welcher die heiße Liebe der Frau durch Geringschätzung von Seiten de« Mannes vergolten wnrde. Buschmann ging seine eigenen Wege, vernachlässigte die ihm auf- gez»»»gene Frau und verausgabte leichtsinnig da« Vermögen, das fie ihm zugebracht, so wie das eigene. Als sie nach wenig Jahren Wittme geworden, mit ihrem Söhnchen zu ihren Eltern zurückkehrte, hatte fie gründlich alle Enttäuschungen de« Ehelebens kennen gelernt, von dessen Freuden nur die eine, die der Mutterliebe, verkostet.
Im elterliche» Haufe widerwillig a»fge- I normen, hnrathete fie nach ein paar Jahren j den Arzt Weingärtner und fand in dieser Ehe den Frieden wieder. Sie »ar dem otelbeschäf- tigten Landarzt, der feiner Häu«lichkeit nur kurze | Stunden widmen konnte, allzeit eine aufmetfame Gattin, die seinen Haushalt und die damit ver- dnndene kleine Oekonomre mit Umficht leitete; ihr Verdienst war eS zum großen Theil, daß er es nach und »ach znr Wohlhabenheit brachte. Den Kinder« war fie eine verständige Mutter; einzig bei der Erziehung ihres SohneS auS erster Ehe hatte ihre Umficht fie im Stich gelassen. Dem Stiefvater, der da« Kind liebte, wie fein eigenes, fehlte die Zeit, sich mit demselben zu beschäftigen, und dir Mutter verstand es durchaus nicht, mit dem Knaben fertig zu werden. Sie erkannte in ihm des Vaters Anlage», die so viel Trübsal über sie gebracht, und suchte mit eiserner Strenge dieselben niederzuhalten. Nur höchst!