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toW*** mit Anterhaktungs -Beilage „Zlkustrirte Sonntags-Zeitung" "• Petmooge Di.« lDarmsnte).

M 45.

Julöcr, Samstag, den 23. Februar 1901.

28. Jahrgang.

K!

in ein« nehmen

Thätigkeit fern zu bleiben, stehen geblieben. Somit mußte für ihn eine Ersatzwahl zum Reichsrathe stattfinden, die nun am letzten Montag stattgcfunden hat. Es wurde der katholisch-konservative Kandidat Joseph Trafoier mit 134 von 207 abgegebenen Stimmen

gewählt. Auf den christlich-sozialen ^Wahl- bewerber Klotz fielen 72 Stimmen.___________

Äinisterkrisen gibt es und gab" es in Ru­mänien, Bulgarien, Serbien, Italien und^Spanien.

Mn Auftrag meiner Fra«.

Humoreske nach dem Englischen von ®. I. Lolbron.

Ich habe mich immer gewundert und viel leicht auch darüber gespottet, wie viel Zeit eine Frau für die kieiuste Besorgung verwenden kann. Ich hielt es für ein Zeichen weidlicher Unentschlossenheit und Geschwätzigkeit. Folgende wahre Beg-benhett belehrte mich eines Anderen. Ich gebe fie hier zum Besten.

Als ick «ich neulich von meiner im Vorort liegenden Wohnung nach der Stadt zum G - schäft begeben wollte, rief mich meine Frau, die just krank lag, mit einer Bitte zurück. Sie übergab mir ein Stückchen rothen Kattuns und bat mich, falls meine Zeit eS erlaubte, ihr zweiundeinenhalben Meter ähnlichen Stoffes zu kaufen. Ich sagte natürlich zu, steckte das Pröb- chen in die Tasche und eilte zur Bahn.

Während der Mittagspause erinnerte ich mich der Besorgung für meine Frau Ich trat in ein größeres Geschäft ein und zeigte mein Stück Kattun dem eleganten Herrn, der mir mit ver- kindlichem Lächeln entgegen kam.

„Hierher, wenn ich bitten darf," sagte er, »Fräulein, der Herr wünscht rothen Kattun!"

„H-llroth oder dunkelroih?" fragte daS Fräulein. Ich zeigte ihr das Pröbchen, welches mit meine Frau mitgegeben hatte. Sie besah eS, langte eine Rolle Kattun herunter und breitete fie auf dem Ladentisch auS.

„Aber dies ist ja gar nicht die rothe Farbe!" sagte ich. I

„Die Farbe werden Sie schwerlich farbigem Kattun finden, außer Sie Schweizerkattun."

„WaS ist Schweizerkattun?"

und, wenn es der Urheber der Eingabe verlangen sollte, auch in der Ursprache zur^ Verlesung gelangen sollen, i»

Baron Dipauli, ehemals einer der Führer der katholischen VolkSpattei und eine Zeit lang aut Mitglied der Regierung als Handelsminister, ist be seinem Entschlüsse, in Zukunft der parlamentarischen

„Nicht genau," sagte sie, „aber es ist eine viel hübschere Farbe, wie Ihre Probe."

„Mag fein," versetzte ich, „ich brauche aber- ganz genau dieselbe Farbe. Es soll etwaS hiermit auf gearbeitet werden, glaube ich, oder auSgebeffert, oder fo etwa«. Kurz, eS muß ganz genau derselbe Kattun fein."

Das Fräulein langte eine zweite Rolle her­unter. „Dieser hat genau dis Farbe," sagte fie.

„Ja, aber er ist gestreift!"

„Streifen sind jetzt daS Modernste tu Kattun für Kleider," sagte daS Fräulein.

„Es soll aber nicht für Kleider ver­wendet werden, für Möbelbezug, glaube ich. Jedenfalls muß es glatte Farbe sein und genau hierzu passen."

„Schwrizerkattun »st einfarbig rother Kattun." „Dann zeigen Sie mir welchen, bitte." „Wir haben augenblicklich keinen auf Laser," sagte da« Fräulein, „aber ich kann Ihnen einige sehr hübsche einfarbige Kattuns in anderen Farben zeigen."

„Ich will keine anderen Farben, ich brauche etwas hierzu Paffendes."

„Es wird schwer halten, in diesem billigen Kattun die Farbe zu finden," sagte sie gering­schätzig, und ich verließ sie.

Einige Häuser weiter betrat ich ein zweites Geschäft. Ich zeige dem eleganten, oetbinb»

Wochen-Mrrrrö schau.

(Nachdruck verboten.)

X Fulda, 23. Februar.

Die letzten parlamentarischen Per- handlungen in Berlin find ziemlich einförmig und ohne aufregende Ereignisse vorübergegangen. Postetat im Reichstage, Etat des Ministeriums des Innern und kleinere Etats im preußischen Abge­ordnetenhause — Polendebatten dort und Polen­debatten hier — in beiden Häusern langsamer Fort­schritt der Berathungen: Mit diesen wenigen Worten läßt sich das ganze parlamentarische "Bild,» kenn­zeichnen. Im Reichstage macht man sich darauf gefaßt, daß bis zu den Osterferien, die am 22. März beginnen sollen, nur noch EtatSberathungenH statt- finden werden; im preußischen Abgeordnetenhause hat man beretts wieder mit Abendsitzungen ange- fangen, weil die Besorgniß entsteht, daß man sonst den Etat nicht zu rechter Zeit unter Dach und Fach bringen werde. Besonders zu erwähnen ist, daß der Reichstag auch die China-Vorlage in zweiter und dritter Lesung erledigt hat, und zwar genau in der Fassung der Beschlüsse der Bnd- gettommisfion. Die Annahme würde in der dritten Lesung ohne Debatte erfolgt sein, wenn nicht Herr August Bebel das dringende Bedürfniß gefühlt hätte, sich noch einmal gründlich mit den sogenannten Hunnenbriefen zu blamiren, Kriegsminister von Goßler, der diesmal ent­schieden einen guten Tag hatte, wies Herrn Bebel schlagend nach, daß die Angaben dieser Hunnenbriefe ganz unmöglich richtig sein können; worauf dann Herr Bebel zu einem sehr absonderlichen Hilfsmittel seine Ausflucht nahm: Er behauptete nämlich, die Konservattven und das Centrum seien an der ganzen Sache schuld. Diese seien die Ursache dafür, daß unsere Volksschulbildung — bekanntlich die beste der Welt! — aus so niedriger Stufe stehe, und davon komme es nun her, daß die deutschen Soldaten sich eben nicht besser und klarer in den Hunnenbriefen ausdrücken könnten I Herr Bebel brachte es sogar fertig, sich verwundert anzustellen, als diesen seinen Worten nicht nur ein Schütteln des Kopfes, sondern schallendes Gelächter folgte — es geht eben nichts über „politische Aufrichtigkeit"!

In der nächsten Zeit wird sich auch der parla­mentarische Führer des Centrums,Abg. Dr. Lieb er, wieder an den Verhandlungen des Reichstages be- theiligen können. Derselbe hat sich von seiner Er­krankung vollkommen erholt.

Am letzten Montag hat sich in einem deuffchen Bundesstaate ein Ereigniß von besonderer Bedeutung zollzogen: Im Großherzogthum Sachsen- Weimar ist zum ersten Mal der Landtag unter dem neuen Großherzog eröffnet worden. Des­wegen ist die Landtagseröffnung und die Eidesleistung der Volksvertreter mit besonderen Feierlichkeiten ver­bunden worden. Großherzog Wilhelm Ernst hat bei seinem Reg ierungSantritte eine Amnestie erlassen, durch die allen denjenigen Personen ihre Strafe erlassen wird, die bi» zum letzten Sonntag wegen Verbrechen oder Vergehen in Bezug auf die Ausübung der staatsbürgerlichen Rechte und wegen Beleidigungen des Landesfürsten oder eines Mitgliedes des grobherzoglichen Hause» verurtheilt waren. Außerdem erstreckt sich die Amnestie auf eine Reihe anderer Vergehen, voraus­gesetzt daß die verhängten ©trafen nicht die Dauer von zwei Monaten oder die Summe von 300 Mark übersteigen.

lichon Herrn mein Pröbchen und fragte, ob solcher Kattun hier zu finden wäre.

„Selbstvetständlich," sagte er. „Ich bitte, sich freundlichst hierher zu bemühen, mein Herr!" Ich trat auf den mir angezeigten Ladentisch zu und übergab dem Verkäufer mein Pröbchen. Er besah und befühlte es von beiden Seiten, dann sprach er: „Wir haben diesen Kattun nicht mehr vorräthig "

„Aber der Herr dort sagte mir, ich könne die Sorte hier finden."

„Ja, wir haben die Maare geführt, haben aber alles ausoerkauft. Sie bekommen den Kattun vielleicht drüben, bei Tapizier."

Ich besucht« Tapizier. „Bekomme ich hier solchen Kattun?" fragte ich.

„Bedauere, solche Waare führen wir nicht," erwiderte er. „Soll es zum Möbelbezug fein?"

»Ja."

„Dann müssen Sie Schweizerkattun nehmen."

„Ist Schrveizerkattnn auch genau.wie dieser?" fragte ich

„Nein, er ist viel besser."

„DaS ist mir gleich, ich muß nur etwas hierzu Paffender haben."

„Aber so etwas verwendet man gar nicht mehr zum Möbelbezug," sagte er.

„Ich sollte meinen, man dürfte für feine eigenen Möbel Stoffe verwenden, wie man will!" sagte ich etwas gereizt.

„Man darf, aber man thut es nicht," er- widerte er ruhig. „Besonders nicht solchen Stoff. Man verwendet Schweizerkattun."

Aussen Fasten-Hirtenbriesen der deutschen Bischöse.

i.

Der diesjährige Fastenhirtenbrief des Hochw. Herrn Bischoses von Limburg behandelt wiederum die Erziehungsmittel der christ« lichen Familie und insbesondere das gute Beispiel. Es heißt u. A. in dem Hirten« schreiben:

„Was müßte man von Eltern sagen, die über Gebet und gute Werke in formvollendeter Weife sprechen, aber in Ausübung derselben nachlässig sein würden? Würde man in diesem Falle den armen Kindern einen begründeten Vorwurf machen können, wenn sie die Lehren, die so wenig im Einklang mit den Werken stehen, nicht befolgten, ja Lehren und Lehrer ver« achteten?

Wenn ihr den Kindern die Nothwendigkeit des Gebetes vor Augen stellt, so ist das eine ganz vortreffliche Sache und euere heiligste Pflicht. Aber die Ermahnungen werden nur dann den rechten und nachhalttgen Eindruck machen, wenn ihr selbst andächtig und gerne betet, Morgens und Abends fromm und knieend eure Gebete verrichtet und auch vor und nach dem Tische dem Geber alles Guten für Speise und Trank dankt, wenn ihr im Unglück und in den Tagen der Heimsuchung Gottes Hilfe ver­trauensvoll erfleht und nach der Erhörung mit Inbrunst dankt.

Ihr erfüllt nur euere Pflicht, wenn chr euere Kinder anhaltet, das Gotteswort in Predigt und Christenlehre aufmerksam anzuhören. Aber welch' peinlichen Eindruck müßte eS machen, wenn die Eltern selbst nicht mit dem guten Beispiele vorangingen, wenn die Mutter, waS wohl selten der Fall sein dürste, oder der Vater in unver« zeihlicher Gleichgiltigkeit und unter nichtigen Vorwänden die Predigt versäumten und mit Anhörung einer stillen hl. Messe ihrer Christen­pflicht vollauf Genüge geleistet zu haben sich ein» bildeten? Was willst du, gleichglltiger Vater, sagen, wenn dann dein Kind auf dein Beispiel sich beruft und so alle Bemühungen einer besser gesinnten Mutter vereitelt?

Welch' ein Segen ist ei für die Kinder, wenn ein frommer Vater auch im häufigen Empfang der hl. Sakramente mit gutem Beispiel vorangeht und fich nicht bamit begnügt, nur dem Buchstaben des Kirchengebotes in der österlichen Zett nachzukommen. Leider aber ge­hört es in einzelnen Gemeinden nicht «ehr zu den Ausnahmen, daß katholische Männer fich fast grundsätzlich Jahr für Jahr auf den einmaligen Empfang der hl. Caframente be­schränken. Wie schlimm ein solches Beispiel wirken kann, geht schon daraus hervor, daß die Heranwachsenden Jünglinge nur zu leicht in die

I In der hessischen zweiten Kammer hat der^Abgeordnete Köhler-Langsdorf, auch Mitglied des Reichstages und als solches den Antisemiten angehörig, einen Antrag eingebracht, die großherzog­liche Regierung zu ersuchen, im Bundesrathe für die Einführung eines Getreidezolles von mindestens 7 Mark für alle Getreidearten zu wirken. Wunder­lich verhält sich die freisinnige Verwaltung der Stadt Breslau zu diesen Fragen. Die Bres­lauer Stadtverordneten petitioniren beim Bundesrathe und Reichstage um die Ablehnung jeglicher El- höhung der Getreidezölle. Gleichzeitig ist dieselbe ©tadtverttetung damit beschäftigt, die Mahl- und Schlachtsteuer für weitere drei Jahre zu ver­längern. Ja, Bauer, das ist ganz etwas Anderes! Sine,Agitation ganz besonderer Art hat die Sozial­demokratie begonnen: nämlich gegen alle und jegliche Einfuhrzölle für Getreide und Lebensmittel überhaupt, auch gegen die Zölle wie sie jetzt bestehen. Das ist ein außerordentliches thörichtes Beginnen. Wollte das Reich nach den sozialdemokratischen Rezepten verfahren, dann würde dieFolge davon ein starker Niedergang unseres ganzen wirthschaftlichen Lebens sein, und gleichzeitig würde die Lebenshaltung unserer Arbeiter nothwendig stark geschädigt und" herabgedrückt werden. Die Landwitthschaft würde hauptsächlich nur Wald- und Weidebettieb führen können, nur noch sehr wenige Arbeiter be- fchäftigen; die Industrie würde dadurch wiederum schwer geschädigt werden und auch nicht mehr so viele Arbeiter wie bisher beschäftigen können; und die letzte Folge davon würde ein Ueberangebot von Arbeitern und weiterhin ein starkes Sinken der Löhne derselben ssein. Und das nennen die sozial­demokratischen Parteigrößen arbeitersteundliche Politik treiben!

In Konitzsist der Schlächtergeselle Moritz Levy von dem Schwurgerichte wegen wissentlichen Meineids zu vier Jahren Zuchthaus verurtheilt worden, weil er, ganz augenscheinlich gegen die Wahrheit, unter seinem Eide bekundet hat, er habe den ermor­deten" Gymnasiasten Winter nicht persönlich gekannt und habe nicht mit ihm verkehrt. Sehr nahe liegt der Gedanke, der junge Levy habe gefürchtet, durch das Zugeständniß seines Verkehrs mit Winter fich i einen noch schlimmem Verdacht zu bringen. Mi diesem Gedanken hat fich ganz s augenscheinlich auch der Staatsanwalt beschäftigt; denn dieser er­klärte, er habe zur Zeit nicht genügendes B rastungs­material, um gegen Moritz Levy die Ankl-ge wegen Mordes zu erheben. Gleichzeitig hat diese Verhand­lung sehr eigenthümliche Schlaglichter gewesen auf das geheime Treiben von allerhand Leuten, die vor der Oeffentlichkeit al» Antisemiten sich aus spielten, in Wahrheit aber ii jüdischem Solde standen und arbeiten.

Im österreichischen Reichsrathe haben sich die wüsten Auftritte des ersten Sitzungstages nicht wiederholt. Sogar die Tschechm scheinen eine kleine Ahnung davon bekommen zu haben, daß ihr Betragen am Schlüsse de» letzten «nd bei Beginn des neuen Abgeordnetenhauses vollkommen unmenschlich war. Ungerecht in ihren Fordemngen bleibm: fie nach wie vor, und kindisch dazu: jetzt versteifen sie sich darauf, eS müßten im Reichsrathe auch Interpellationen in einer andern als der deuffchen Sprache angenommen, verlesen und protlckollirt werben, — als ob das nun ihrer Sache förderlich sein könnte! Die Deuffchen wollen auf diese Fordemng natürlich nicht eingehen, was man ihnen durchaus nicht verdenken kann. Denn die Verhandlungen im Reichsrathe müssen durchaus in einer Sprache geführt werden, die alle verstehen. Hoffentlich bringt bie Regierung mit ihrem Vermit­telungsvorschlage burdj, wonach Eingaben in einer onbern als ber deuffchen Sprache von einem besondern Bureau übersetzt werden und alsdann in der deuffchen

Fußstapfe« ihres hierin glrichgiltige« Vaters treten, und daß die Nachlässigkeit im Empfange der hl. Sakramente gleichsam zu einem Erbstück der Familie werden kann.

Ihr werdet ferner euren Kindern Abscheu gegen die Sünde und Liebe zur Tugend einzu­flößen suchen; ihr werdet an der Hand der Gebote Gottes und der Kirche fie die Grundsätze eine« brauen Christen lehren. Aber die Worte ver-

Ich sagte nichts und ging. Etwas weiter die Straße herunter fand ich ein großes, prunk­volles Weißwaarengeschäst. Nahe an der Thür fragte ich eine« Verkäufer, ob ich dort rothen Kattun bekommen könne.

„In der zweiten Etage," sagte er.

Ich stieg die Treppe hinan; oben fragte ich wieder: „Wo bekomme ich rothen Kattun?"

„Letztes Zimmer, rechts, grade aus!"

Durch das Gedränge der Käufer hiudurch ge­langte ich ins letzte Zimmer; hier fragte ich noch mal.

„Zwei Tische weiter, bitte," bekam ich zur Antwort.

Ich trat an den bezeichneten Tisch und zeigte mein Pröbchen.

„Kattun finden Sie unten im Parterre," ägte der Verkäufer kurz.

„Aber man wies mich hierher!"

„Hier haben wir keine einfarbige Kattuns; die bekomme« Sie parterre, letztes Zimmer, rechts ' »inten."

Ich kehrte um und trat an den Ladentisch m letzten Zimmer rechts parterre. Der Verkäufer besah mein Pröbchen und sagte herablassend: „In dieser Qualität könne« wir Ihnen die Farbe nicht geben."

„Haben Sie fie in irgend einer Qualität?"

„Ja, i« einer besseren."

Er langte eine Rolle herunter und breitete fie einladend aus.

„Aber dies ist ja gar nicht meine Farbe!" sagte ich.

In Rumänien ist man schließlich toieber zu bem bisherigen Ministerpräsidenten Carp zurückge- kehrt, ba ein anberer geeigneter Mann nicht aufzu- tteiben war. 3« Serbien behält ebenfalls Minister­präsident Jovanowitsch auch ben Vorsitz im neuen Ministerium, in bem nur einige untergeorbnete Wechsel sich vollziehen. Jn beiben Fällen ist also ein politischer Systemwechsel vollkommen ausgeschlossen. Dagegen muß bas bulgarische Kabinet ohne Zweifel ganz vom Platze Weichen, weil es in ber neuen ©obranje, in bem neu gewählten Parlament eine ganz ausgesprochene Mehrheit gegen fich hat. Besonder Bedeutung ist aber auch diesem Vorgänge nicht bei« zumessen. «< x-N-uf

In dem neuen italienischen Ministerium führt Herr Zanarbelli ben Vorsitz, toomitgbie italienische Regierung einen neuen Ruck nach links 6e« bekommen hat. Das ganze Kabinet bes Herrn Za- narbelli trägt einen vorwiegend progressistischen (fort­schrittlichen) Charatter; inbeffen gehört ihm auch ein unabhängiger Demokrat an, nämlich ber neue Unter­richtsminister Nunzio Nasi. Herr Zanarbelli ist ein ausgeprägter Fortschrittler unb war bereits mehr­fach sMinister: 1876—77 Minister ber öffentlichen Arbeiten, 1878 — 1881 Minister bes Innern, 1881—1883 Justizminister, unb wieberum Justiz­minister in anberen Ministerien ber Linken von 1887—1891 unb von 1897—1898. Neben Zanarbelll ist bie interessanteste Person in bem neuen Kabinet Herr Giolitti, der namentlich bekannt geworden ist burch seine scharfe Gegnerschaft gegen ben alten CriSpi. Er ist Minister beS Innern unb hat bamit ben schwierigsten Posten in bem neuen Kabinet.

General Äzcarraga ist zwar noch Minister- präfibent in Spanien. Aber es steht fest, baß er noch in biesen tagen aus bem Amte scheiden, unb baßchann wieder der konservattve Parteiführer S i l v e l a, sein Vorgänger im Amte, auch sein Nachfolger werden wird. Im Interesse der konservativen Pattei in Spanien kann man nur wünschen, daß Herr Silvela die Hauptsache nicht vergißt: die unerläßlich noth- wendige Finanzreform. Sehr klug würde er handeln, wenn er auch die gemäßigten Liberalen an dem neuen Kabinet theilnehmen lassen wollte. Aenßerlich ist wieder Ruhe in Spanien eingekehrt. Wahrscheinlich steht auch die Aufhebung des Belagerungszustandes unmittelbar bevor. Der Graf von Caserta, der Schwiegervater der Jnfanttn Matta Mercedes, hat sich unmittelbar nach der Vermählung derselben nach dem Auslande begeben.

In China wollen die Dinge gar nichffvorwärts gehen. Die chinesische Regierung sperrt sich auf alle nur mögliche Weise gegen die Forderungen der Mächte, so daß diese wiederum für nöthig befunden haben, eine starke bewaffnete Expedition in das Innere zu entsenden. Da» macht immer wieder einen kräftigen Eindruck. Jedenfalls ist man noch lange nicht an dem Ende der Verhandlungen angelangt!