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mit Nnierßaktungs-Weikage „Zlluflrirte Sonntags-Zeitung"
»ruck und Verla» der Fuldaer Aetiendrucke«t peterrgaiie Nr. 2 tLaimouie».
Dennoch aufwärts.
Stoma« von 8. v. Neid eg,. ------ (Rachdrnek verboten.)
Deutsches Weich.
Berlin, den 20. Februar.
H Ainaerzminifler »*u Wiqnek vollendet heute (SomerStag) sein 73. Lebensjahr Erst kürzlich tauchte in der Preffe wieder die Nachricht auf, der Minister wolle sich aus dem politischen Leden in den wohl verdienten Ruhrstand zurückziehen und stehe in Unterhandlungen wegen Ankaufes einer Villengrundstückes in oder bei Frankfurt am Main. <$l ist aber sehr bald wieder still davon geworden, und man wird den greisen Staatsmann, den ein CentrumSmann zwar nicht zu seinen Freunden zählt, seiner genialen Eigenschaften wegen aber deswegen nicht minder hoch achtet, wohl noch nicht so bald auS dem Ministerium in die Prioatvilla übersiedeln sehen.
® Hereerak vo« Werder reist — reist nicht —; jetzt behauptet der ,Berl. Lokalanz/ wieder, der General reise am nächsten Samstag auf ungefähr vier Wochen nach der russischen Hauptstadt. Man darf nur nicht vergessen, daß der General fast alljährlich diese Reise macht, daß an der diesjährigen Reise also gar nicht» Auffällige« iß.
O Abgeordneter Dr. AieSsr ist Dienstag Abend, begleitet von seiner Gattin, über Frankfurt a. M. nach seiner Heimath La mberg ab» gereist. Dem verehrten Führer wünscht da« «anze deutsche Centrum recht baldige und voll- »mmene Genesung in der behaglichen Ruhe seines Heims!
+ Ai- Äer*t|u*e d-r MikitLr-tat- i» d r Budgetkommisfion des Reichstages ist am heutigen Mittwoch noch nicht beendet worden. Heute bandelt es stch zunächst um einen vom den CrntrumSabgeordneten Gröber und Speck gestellten Antrag: DenReichSkanzler wiederholt zu ersuchen darauf hinznwirken, daß dieStabs - Hoboisten in die Klaffe der Feldwebel ver- setzt werde«. Nach längerer Debatte, in der der Antrag namentlich auch von konservativer Seite befürwortet wurde, wurde derselbe angenommen. Im Verlaufe derselben Debatte wurde von dem Lentrumsabgeordnetrn Hug eine Stang* «Höhung der Militärkapellmeister angeregt, und auch diese Anregung fand mehrseitige Unterstützung. Au erwähnen ist auch eine Auseinandersetzung über die Ausbildung der Unteroffiziere, veranlaßt durch eine Anfrage des Centrumsabaeordneten Prinzen Arenberg, was die Militärverwaltung rhue, um die Bildung der Unteroffiziere zu Hede« und ihre Befähigung für den spätern Zioildienst zu «hühen. KriegSminister von Goßler hat leider ausweichend geantwortet. Er sagte, diese wichtige Frage beschäftige ihn sehr eingehend; aber eS lasse sich noch keine einheitliche Vorbildung der Unteroffiziere während ihrer Dienst, zeit schaffen, weil man nicht übersehen könne, welche Anforderungen die einzelnen Verwaltungen an die Mililäranwärter stellen. Die Anregung des Prinzen Arenberg wurde namentlich unter- stützt durch die Abgeordneten Gröber (Lrntr.), Möller - Duisburg (null), Graf Roon (tonf.) und Eickhoff (freis. VolkSp.). Nicht minder wichtig ist die ebenfalls angeschnittene
(Schluß.)
Endlich war es nebenan still geworden. P. Ouskb-us trat heraus.
Sie drehte sich hastig nach ihm um. Da« un- stchere Licht der matt brennenden Lampe beleuchtete ihr geisterhaft blasse« Gesicht.
„Run?" fragte sie athemlo«, keuchend.
Befremdet sah P. Eusebius in die dunklen Augen, die ängstlich hin und her flackerten, bi» sie Sletzt mit trostlosem Ausdruck sich auf ihn richteten, ar «» möglich, daß sie jenen Mann lieben ge- lernt hatte? fragte er sich.
„Ich bringe schlimme Nachricht", begann er zägernd.
„Die Wahrheit will ich hören, die reine, ungeschminkte Wahrheit!" befahl sie in herrischem Do». »Er ist tot, nicht wahr? oder sterbend?"
„Noch nicht. Er hat schwere innere Verletzungen erlitten; der untere Theil de« Körper« scheint gelähmt. Ob er davon kommt, kann heute «och Niemand bestimmen."
„Und wenn er stirbt, so habe ich ihn ge- lödtet", begann sie mit eintöniger Stimme. Sie trat ganz nahe an den Priester heran und fuhr flüsternd fort: „Getödtet so sicher, als wenn ich hier diese» Messer gegen ihn gezückt hätte * Sie deutete auf ein scharf geschliffene« Brodmeffer, da» auf dem WirthShauStische lag.
P. Eusebius fuhr zurück: „Frau Blankenhorn, St« reden irre."
Julöa, Donnerstag, den 21. Februar 1901.
28. Jahrgang.
Frage von dem Ersatz- der Oekonomie- handwerker durch Z ioilarbei ter. Der kons. Abaeordnele JakobSkötter fragte an, wie die Versuche in dieser Richtung sich bewährt hätten, worauf Generalmajor von Herringen erwiderte, nun habe solche Versuche bis jcht nur in Breslau gemacht, und da erst seit fünf Monaten, so daß man ein abschließendes Urtheil noch nicht abgeben könne. E; seien jedoch weitere solche Versuche in Aussicht genommen. Kriegsministrr von Goßler fügte hinzu, er sei selbst für die Ersetzung der Oekonomirhandwerker durch Zivilarberter eingetreten, indeffen überrascht gewesen, wie theuer solche Versuche sich stellen.
G Der Posten eines deutschen Wikttar- Klt«ch«s irr Maris ist nunmehr wieder besetzt worden, und zwar mit dem Major von Hugo aus dem Generalstabe deS 7. Armeekorps. Der Posten war ein ganzes Jahr hindurch nicht besetzt, auch Oesterreich »nd Italien hatten die entsprechenden Posten so lange unbesetzt gelassen. Dies hängt, wie bekannt, mit der DreyfuS-Affäre zusammen und dem lästigen und zudringlichen Spioniersystem, das bei dieser Gelegenheit aufgedeckt wurde.
+ Der Zolltarif — so will die ,Natl. Korresp/ wissen — soll so weit gefördert sein, daß der Entwurf desselben noch im Laufe diese« Monat» au« dem Reichsschatzamte in den Bunde«- rath wandern würde. Hoffentlich erfolgt keine „Berichtigung" dieser erfreulichen Nachricht!
h Die Schaumwein-Steuer soll nach einem am Mittwoch gefaßten Beschluffe der entsprechenden Kommission des Reichstages anders erhoben werden, als die RegierungS-Vorlage S vorschlägt, nämlich mit 10 4 fftr die Flasche Obst - Schaumwein (Regierung-- Vorlage 80 >7), mit 50 4 für die Flasche aller übrigen Schaumweine. Die RegierungS-Vorlage unterscheidet mit 60 4 für die Flasche Schaumwein mit Flaschen- gährung und mit 40 4 für die Flasche solchen Schaumweine-, der mit imprägnirter Kohlensäure hergestellt wird.
4- Inötläums Aeustmüuzeu. Die Nachfrage nach den preußischen JubiläumS-Drnk- münzen ist so stark, daß die Anordnung ergangen ist, nachträglich noch für fünf Millionen Mark auSzuprägen, nämlich für 1800000 Fünfmarkstücke und 3200000 Mark Zweimark, stücke.
* MSncheu, 19. Febr. Da- Oberpostamt München sucht Depeschenboten im Alter von über 16 Jahren um den Lagelohn von 1,60 Mark, der nach 3 Jahren auf 2 Mark erhöht wird. Daß der Staat noch immer nicht als Musterarbeitgeber auftritt, zeigt dieses Beispiel wieder eklatant. Ein solches Lohnangebot für arbeitskräftige Leute ist doch entschieden zu niedrig. Davon kann keiner leben, und sicher nicht in der Großstadt München.
Air« dem Reichstage.
■$#> 52. Sitz«», ee« 20. Februar.
Bet leerem Bunde«rath«tischr wird die Berathung de« frei finnigen «»trage» Bar gmaun auf Be- feitigung der Theaterzensur fortgesetzt.
„Wollte Goit, ich wäre von Sinnen. Sie sollen erfahren, welche Schuld auf mir lastet, ehe ich die Sünde laut vor aller Welt bekenne. Al» ich meine» Manne« Hau« verließ, in der Absicht nie dahin zurückzukehren, sah ich im Hofe einen Mann, der, an da« Spalier vor den Wohnzimmerfenstern angeklammert, zu einem derselben heretn- sah. Der Schein der Lampe drinnen fiel auf sein Gesicht, da« ein grinsende« Lächeln verzerrte; offenbar hatte er den hilflo« auf dem Sofa Liegenden erspäht. Ich faßte den Mann genauer in« Auge und erkannte. . ."
„Weber?" ergänzte P. Eusebiu«.
„Wie wissen Sie?"
„Der Wirth war vorhin im Zimmer und ließ sich nicht abhalten, seine wichtige Neuigkeit rasch mitzutheilen: einer der Knechte habe einen leeren Petroleumbehälter im Hofe gefunden und daneben ein Weber gehörende» Messer; man habe den Rann gefaßt, der im ersten Schrecken sein« Miffethot bekannt hätte."
„Und ich bekenne die meine", sagte Helene^mit verzweiflung-vollem Ausdruck. „Ich hätte umkehren und warnen sollen — ich that e« nicht. Ich wußte, da sei Gefahr, Gefahr für den da drinnen: ich legte die Hand an di« Klinke, xm wieder in» Hau« zu gehen, drängte den Impuls aber zurück."
Sie hielt inne, sie war dem entsetzten Blick de« Priester» begegnet, der sie ungläubig anstarrte. Ihre Stimme wurde immer leiser und angstvoller; auf die Kniee gesunken, do» Gesicht in beide Hände gelegt, redete sie weiter: ,Ja, ich wie« den Gedanken zurück. Möge er sich selber helfen", dachte ich. „Auch mir hat vorhin keiner geholfen in
Adg. Draeger (freis. Bp) sucht nachzuweisen, daß die ganze Theaterzrusur eine unhaltbare Sache sei und versucht, dies an einzelnen Beispielen darzuthu». So gut wie die Freiheit für die Preffe zur Wirklichkeit geworden ist, müffe auch die Zensurfreiheit für die Bühne zur Wahrheit werde».
Der freis. «bg. Stoellma«« empfiehlt die Sin- führung de» englischen Verfahren» auch bei uns durch da» Reich: scharfe Strafbestimmungen für Theater- dirrktoren, die unfittlichr Stücke auf die Bühne bringen, und Sltheilnng der Theaterkonzession immer nur auf ein Jahr, so daß dir Konzession alljährlich neu »achge- sucht werden muß. Für die Zensur, wenn diese bleibt, hält der Redner nur di« Einzelstaaten für zuständig.
Nach dem sehr langen Schlußworte de» freis. Abg. Müller-Meiniugen ist über den Antrag den natl. Abg. Bassermann «bestimmen, den Antrag Barg- mann an eine Kommission zu verweisen. Da» Ab- stimmungsergebniß bleibt aber zweifelhaft, so daß eine Auszählung de« Hauses erfolgen muß. Diese ergibt 74 Stimmen für, 73 Stimmen gegen den Antrag. DaS Hau» ist also beschlußunfähig, die Sitzung muß aufgehoben werde».
Nächste Sitzung: 4'/i Uhr. Diäten - Nn- trag.
* * ♦
Um 4*/> Uhr wird die neue Sitzung eröffnet, ebenfalls vor vollkommen leerem BundrSrathStische. Der Antrag der Abgg. Gröber und Eenoffe» will den Artikel 32 der ReichSverfassung dahin geändert sehen, daß den Mitgliedern »eS Reichstages Au wesen he it»- gelder, 20 Mark täglich, für die Dauer ihrer Anwesenheit bei den Sitzungen gezahlt »erde». Landtagsdiäten, die ein Abgeordneter erhält, sollen in Abrechnung kommen. Außerdem soll den Abgeordneten freie Fahrt auf de» Eisenbahnen gemährt »erden.
Abg. tströtzer ((Str.) empfiehlt de» Antrag i» Interesse eint« zahlreicheren Besuchet de» Reichstage». Schon früher, beispielsweise in de» erste» 70ex Jahren, al» die Tagungen noch viel kürzer waren, »ar auch schon die Beschlußunfähigkeit rin ständige» Uebel. Jetzt, bet den langen Tagungen, gibt eS gegen dieses Leiden kein anderes Mittel mehr, alS die Gewährung von Anwesenheitsgeldern. Die freie Eisenbahnfahrt soll nach de« Sinne der Antragsteller nur in der Zeit grmährt werden, in der der Reichstag versammelt ist.
Abg. Aasserman« erllärt, daß die Nationalltberale» dem Anträge zustimmen. Auch die Natioualiberalen find überzeugt davon, daß e» so, »ie jetzt, nicht weitergehen könne. Ruß doch jetzt oft genug ein Kandidat von vornherein erklären, daß er nur zu den Wichtigsten Abstimmungen »ach Berlin reise» linne.
Der freikons. «bg. von Pi-drmann empfiehlt die Ueber»eisung des Anträge» an eine Kommission und lehnt e» ab, heute darüber zu sprechen, während der
Abg. ^achnitke von der freisinnigen Berg, ganz »nd gar di« Sache des Anträge» vertritt.
«bg. Rettich von den Konservativen erklärt, daß ei» Theil feiner Freunde den Antrag «blehnr, ein anderer ihm unter Vorbehalt bestimmter Einzelheiten zustimme.
Abg. ZSevel (sozd ) äußert die Bermnthung, daß dieser Vorbehalt der Konservativen kfich »ohl auf die Beseitigung deS allgemeinen nnd gleichen Wahlrechte» beziehe, w,S durch Zurufe von recht» her verneint »trd. Di« preußische Regierung bezeichnet darauf de» Redner al» da» Haupthiuderniß für die Diätenzahlun, und zwar »egen der Sozialdemokraten; aber gerade dies« seien am wenigsten behindert durch die Verweigerung der Diäte». Bebel erinnert an die bevorstehende» Berathungen über den Zoltarif: Regierung und Reichstag möchten dafür sorge», daß bann »er Reichstag besser all jetzt besucht werbt.
Der antis. «bg. Gräfe spricht für de» Antrag Groeber nnd kommt dabei auf England, wo «S auch feine Diäten gebe. Stan sollte sich doch nicht auch darin »ach den Engländern richten!
Der freis. Abg. MS»«r - Sagau spricht für »en Antrag, bedauert die Leere bei BundesrathStischeS und sagt: wen» die Regierungen Vernunft habe», so müsse» sie diesem Anträge zustimmen, worauf
Präfident Hras Makkestr«« unter stürmischer Heiterkeit die Bemerkung eiuflicht: bi« Verbündete» Regierungen haben immer Vernunft.
meiner Noch. Ich ging weiter und ließ beut Ver- hängniß seine» Lauf ... Im Himmel wie auf Erden gibt e« keine Verzeihung für solche Sünde."
„Gott kennt Verzeihung für olle, welche wahre Reue empfinden", tröstete P. Eusebiu«. „Denken Sie an da« Wort: „Und wären eure Sünde« r»lh wie Scharlach, sie sollen werden weiß wie Schnee." Ihr Bekenntniß ist bei mir gut aufgehoben. Schone« Sie Vater und Bruder, indem Sie über die Vergangenheit schweigen."
„liier die Sühne! Die Sühne!" unterbrach sie fieberhaft erregt. „Nur Selbstanklage könnte in etwas sühnen!"
„Sühnen Sie durch Selbstentäußerung. Gott wird Ihnen Pfiichte» senden, bi« Ihne» solche auferlegen. Bleibt Ihr Rann am Leben, kann treue, aufopfernde Pflege Ihr vergehen wegwischev. Ruft Gott ihn ab, werden sich Ihnen andere Möglichkeiten bieten, genug zu thun."
HelenenS starre Züge wurde« weicher. Heiße Thränen, de erlösender Strom, stürzten aus Ihren lugen. „Sollte es wirklich noch ®F«be für mich geben?" fragte sie demüthig. „Habe ich nicht aUe In»ficht auf Frieden und Glück verscherzt?"
„War die Sielt «15 Glück bezeichnet, werden Sie wohl nicht finde», sollen eS euch gar nicht suchen. De« innere« Frieden tonnen Sie ober erringen, sobald Eie sich selbst vergessen und Befriedigung suchen in werklgätiger, auf GotteSlieb« gegründeter Nächstenliebe. Und nun fassen Sie Muth: Wer sein Unrecht so tief empfindet wie Sie, wird es heroisch z» sühne« verstehe». Ruf dm Klügeln der Äew
Für btn Kntrag sprecht» noch die Blbgg. Fhaus- w««* (ffttb. Bereiag) un» ZtSK nger (KIsäffer). Der Antrag wirb sabann nach dem Vorschläge der Abgg. Bassermann und von Tiedemann an eine Kommission verwiesen.
Nächste Sitzung Donnerstag: Postetat, Reichs- bruderei »sw.
A«* dem LaitdLRge.
KIgeorbueteuHm«». — 31. Sitzung vom 20. Febr.
Bei »em Etat »er Handel»- unb 9c» erbe« Verwaltung regt der
sreikonservative Abg. MrÜtt die Einrichtung besonderer Tiesbaukurfe an, findet aber darin keine Unterstützung bei dem tonf. Nbg. I lisch, der die Einrichtung solcher Kurse nicht für erforderlich hält.
Minister 3Br«f«r» bemerkt, die Angelegenheit hänge eng zusammen mit der Einführung beS Befähigungsnachweis es für da» Baugewerbe, worüber gegenwärtig auf Veranlassung be» Reichsamts des Innern kommissarische verathungen statlfinben. — Die Einnahmen »erben bewilligt.
Bei dem AuSgabetitel „ Ministergehalt" liegt ein Antrag be» konserv. Abg. Jokisch vor: die Regierung zu ersuche», die Schaffung einer Eesammt- oertretung aller in da» Handelsregister von Berlin eingetragenen Handel- und Ee»erbetreibe»deu baldigst in die Wege zu leiten und nöthigenfallS von der in dem Handeirkammergefetze ertheilten «efugniß zur Errichtung einer Handelskammer Sebrauch zu mache».
Auf eine Bemerkung de» tonf. Abg. von Dkeudok- Kt«infels über die schädlichen Einflüsse der Abwässer vieler industrieller Anlagen erwidert der Minister, die Angelegenheit sei Segenstand fortgesetzter Berathungen im Ministerium; aber bestimmt« Entschließungen feien noch nicht gefaßt.
»bg. fug«* Micht«« (freis. Volks«) spricht gegen btn Antrag Fetisch, von dem er sagt, daß ec nur eine Frage der Zweckmäßigkeit behandele. In Berlin roirbe man ja gar keine Handelskammer zu Stande bringen, die weniger mangelhaft sein »trbe, al» »aS gegenwärtige Institut »er Aeltesten bet Kaufmannschaft. Und mache man beides nebeneinander, s» werbe man große Verwirrung anrichten.
Der natl. Ab,. Dr. Paasch« spricht für den Antrag unb empfiehlt »en „Aeltesten," sich freiwillig ja einer Han»el«kammer umzugestalten.
Adg. Innst (freis. «olttp.) kommt zurück ans »aS »erhalten »e» Minister» gegenüber »,m Handel im allgemeinen nnb ans »essen AuSspruch von »em Zwischenhandel al» eine« „rwthwendigen Uebel".
Minister Arefekb erwidert, wenn man feine Worte mit »ewalt in einem andern •in« deuten »olle, ater sie gebraucht habe, bann könne er daran eben nicht» ändern. Zu dem Antrag« Fetisch sagt der Minister, bi« „Aeltesten" hätten »ie freiwillig« Umwa»»lung in eine Handel»kam»er abgelehnt. Dennoch könne er »ent Anträge nicht stattgeben; denn die Bildung einer Handelskammer müsse von den Betheiligten ausgehen, er linne nur genehmigen. Schon heute könne er nicht sagen, ob er diese Eenehmigung geben werde.
Abg. Dr. 3$*rt| (freis. N rg.) tritt entschiede« gegen »ie zwangsweise Einführung einer Handelskammer ein, «bg. Fetisch (kons.) vertheidigt wiederholt seinem Antrag. Der freikons Abg. champ hegt die Befürchtung, auch in einer Berliner Handelskammer werbe »er Klein- Haube! nur schwach vertreten fein.
Abg. ErafAamitz (kons.) spricht für »ie Errichtung einer Han»el»kammer und streift di« Frage von einen Abänderung de» Börsengesetze», worauf
Minister Mresekd erklärt, an eine Aeuderung de» vörsengesetze» sei nicht zn denken.
«bg. Hatzenoky (Eentr.) kritisirt in abfälliger »rffe da» Verhalten der Berliner „«eltesten" unb tritt für den Antrag Fetisch ein, woraus
die Weiterberathuug aus Donnerstag 11 Uhr vertagt mit».
Ausland»
t 20.Febr. ES verlautet, Dr. Legb* werde sich in be« nächsten Tagen nach Petersburg wird ihre Seele dereinst emporsteigen z« Gott."
Jahre find seither vergangen. Wieder ist eS Sommerszeit. Helene, verblüht, gealtert, aber nicht länger düster bltckrub, sitzt unter den Bäume« des LindenhofeS. Auf ihrer Stirne, in ihr« Augen liegt der Friede eines muthig gefaßten, großherzig auSgefüyrten •ntfdbluffef. Neben ihr in seinem Rollstuhle liegt ihr Mann; geistig «mb körperlich gebrochen, ist er hilflos geworden «i» ein Kind. Er hat ein Bilderbuch ans dem Schooße, dessen Bilder st« ihm mit unermüdlicher Geduld «klärt. Die Pflege, die sie mit ausdauernd« Treue ihm zu theil werden läßt, die Sorge nm - be« bei ihr lebenden Vater stlle« nunmehr ihre Tage «ns.
Der Vater tritt auS hem Hause und fi» fieht lächelnd zu ihm auf, an dessen Reue die ihre erstarkt ist. Die goldenen Träume ihrer Jugend find verflogen: im Sonnenglanz des Glückes an eines geliebten Mannes Seite, hatte sie ernst lernt int, den Weg aufwärts zu finden. Sonnen» glanz ist ihr nicht beschieden; aber wenn auch nicht mit Blumen geschmückt — aufwärts geht ihr Weg.
d Ei» »tthibtziißwlrr SM.
»u» »«« Haben «ine» «ahnbeamten.
Von Su»wig Ge har» (Fortsetzung.)
I« der Residenz B. saß der Wohlhabende Metzger B. eine« Abend» gemüthlich an» sein« lange« Pfeise rauchend im großen Lehnsessel, al» seine Gattin in Begleitung ihre» Bruder», «tue* behäbigen Viehhändler«, die Stnhe betrat.