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mit Anterhattungs -Beilage „Mustrirte Sonntags-Zeitung"

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M 42.

JuLöcr, Mittwoch, den 20. Februar 1901.

28. Jahrgang.

^Evangelischer Bund und Toleranz- Antrag des Centrums.

Die Herren vom sogenannten Evangelischen Bunde Übertreffen stch selbst: sie müffen aner­kennen, daß die katholische Kirche in mehreren deutschen Bundesstaaten die Verfassung-* mäßig gewährleistete Religionsfreiheit nicht genießt. Dennoch wolle» sie der katho* lischen Kirche nicht da- Recht zuerkenne«, gegen solche ungerechte Zustände stch zu wehre». Sie verwerfen vielmehr den Toleranzantrag de- Len* trum- grundsätzlich al« eine „Jesuiterei", be­haupten dabei aber in eine» Arhem, daß sie selbst die Toleranz in Person seien, daß sie so* gar „tolerant gegen Intolerante" sich zeigen — ein wenig viel auf einmal!

In dies?« Tage« hielt der Bund, der stch al- den Evangelischen Bund bezeichnet, in Berlin eine Versammlung ab, in der dar Kunststück ge­leistet wurde, alle diese Widersprüche ix einer Entschließung zu vereinigen. Diese Entschließung gibt zu, daß „in einigen kleineren Bundr-staate» veraltete bureaukratische Bestimmungen be­stehe«, die die Freiheit der katholische« GotteS- die«ste hemmen"; aber nichtsdestoweniger sieht sie „in dem sogenannten Toleranzautrage deS Ern- trumS, so lange diese- selbst von de« völlig in­toleranten Grundsätze« des Pspstthums be­herrscht wird, nur ein Mittel, die selbst in Spanien verhaßten Jesuiten und andere ver­botene Gesellschaften wieder in Deutschland eiu> zuführen". Der Berichterstatter des AbendS, ein Superintendent Wege »er, kennzeichnete den Toleranzantrag al« „Jesuiterei"; man werde den „hydraulischen Druck der Jesuitr» scho« bald verspüre«, «en« nur erst der Antrag ange- nommen sei". Und auch der nationalliberale Abg. Dr. Hieb er verschmähte es nicht, von dem Anträge zu sagen, daß „er eigentlich nur der auf eine breitere Krundlage gestellte alte Antrag auf Zulassung der Jesuiten sei'.

And da« soll Toleranz sein! Der „Eoange- lische Bund" will den Katholiken nicht eher völlige Religionsfreiheit einräumen ist deutschen Reiche, als bi« diese «ufhören, stch „von den Grund­sätzen der Papstthumr beherrschen zu laffen," also hiS sie aufhören, katholisch zu sein und den Fahnen der „Evangelischen Bunde«" folge«. Sonst könnte der Staat „des letzten Rester seiner kirchlichen Hoheitsrechte beraubt werden," wie die Entschließung sich ausdrückt. Der preußische Hrrr Kulturminister wird stch schmunzelnd die Hände gerieben haben, al« er diese- Dielum der Evangelischen Bundesbrüder las. Aber diejenige« Protestanten, die wünschen, daß auch in der protestantischen Kirche ein reges kirchliche« und religiöses Leben herrsche und sich immer mehr entwickele, werde» qar nicht erbaut sein von dem Fever der Begeisterung, mit der die Herren vorn „Evangelischen Bunde" für die Allmacht des Staate« auf kirchlichem und religi­ösem Gebiete eintreten. Diese Protestanten wünschen bekanntlich eine «och weitere EntfaltunZ der Staatsmacht in Kirchendingen ganz und gar nicht; u«d im übrigen ist er ja eine unmittelbar alberne Redensart, unter den heutigen Verhält- nifftn von einer Gefahr zu spreche», daß „der

DeUmsch arrfwLrts.

Roman »en S. ». Sleibeg«.

36 ------ (Nachdruck verdate«.)

HI. Kapitel.

Der Sturmwind, der das Rkttungswerk so sehr erschwerte, hatte sich gelegt; es war all­mählich gelungen, deS Feuers Herr zu werden.

Unter den rauchenden Trümmern des hölzernen Verbindungszanges zog man Blankenhorn hervor. Sein Herz schlug «och; außer einer Kopfwunde, die jedoch nicht titf zu petze» schien, gewahrte man an ihm keinerlei äußerliche Verletzung. Sein ganzes Aussehen jedoch wie die Thaisache, daß sein Unterkörper schwer und schlaff herabhirg, ließ befürchte«', daß die inneren Organe schwer beschädigt seren.

Daß da« Fsuer angelegt worden war, konnte keinem Zweifel unterliegen, ebenfowenia, daß einer dir Thal verübt hatte, der aller Verhältnisse innerhalb und außerhalb des Hauses vollkommen kundig war. In der Scheuer, in den Ställen, im hölzernen Verbindungsgang war es beinahe gleichzeitig ausgebrochen. Auf unerklärliche Weise mußte es sogar im Wohnzimmer zu brennen an- gefangen Huben, wo Anzeichen vorlagen, daß es von innen heraus sich verbreitet HM-. Daß beinahe das sämmtliche Gesinde des Sonntags wegen abwesend gewesen war, hatte das uudeil- volle Werk des Brandstifters erleichtert. Der rasende Sturm, der die Gluth nach allen Seiten trug, hatte auf grauenhafte Weiss das Zer­störungswerk gefördert.

Dos Wohnhaus war zumThnl ausgebranrt.

Staat der letzten Reste seiner kirchlichen HoheitS- rechte beraubt werde« könnte." Denn der Staat übt, mw mit dem Herrn Superintendenten Wege­ner zu sprechen, eine« so starke« Druck auf alle kirchlichen Verhältnisse aus, daß von wahrer Freiheit und Selbständigkeit der Kirche ganz «nd zar keine Rede fei« kann. Man hält eS ja nicht einmal für nöthig, die noch vorhandenen lieber» reste der Gesetzgebung bei Kulturkampfes zu be­festigen, mit der einst der katholischen Kirche in Deutschland überhaupt der Garaus gemacht wer* de« sollte!

Außerdem handelt es sich bekanntlich nicht nur um „veraltete bureaukratische Bestimmungen" in einigen Bundesstaaten. Das klingt gerade so, als ständen diese Bestimmungen wohl noch auf dem Papiere, als kümmere sich aber Nie­mand mehr darum. Gerade das Gegentheil davon ist die Wahrheit: Diese Bestimmungen sind in Sachsen, Mecklen­burg, Braunschweig, in thüringischen Staaten s. w. u. s. w. biS in die allerneueste Zeit hinein mit einer Lebhaftigkeit und einer Schneidigkeit gehandhabt worden, als ob es sich um dir allerwichtigsten gesetzgeberischen Grundsätze der Gegenwart handele. Die Vor­gänge in Schloß Wechselburg in Sachsen, die einengenben, nach wie vor ht unveränderter Wrise in Mecklenburg ausgeübten Beschränkungs- Vorschriften gegen die katholische Konfession und ihre Bekenner, die braunschweigische Vorschrift, daß ein katholischer Priester für die Ausübung seelsorgerischer Befugnisse und Amtshandlungen die Erlaubniß der protestantische» Kirchen­behörde Haden muß: alle diese Thatsachen stehe» frisch im allgemeinen Gedächtnisse und beweisen mit unliebsamer Deutlichkeit, daß jene „b»reau- kratischrn Bestimmungen" gar nicht als „ver­altet" angesehen, sondern als zu Recht bestehende Borschristen gehandhabt werden, denen zur Durchführung zu verhelfen Psticht der Be­hörden sei.

Zum Glück ist die Mehrheit des Reichstages anderer Ansicht bart’ tr als der „Evangelische Bund" und besser unter­richtet über die Dinge, auf die ei bei an« kommt. Nichts desto weniger ist es Pflicht der katholischen Presse, auf das Wühlen be«. r vom „Evangelischen Bunde" aufmerlsam zu mache«, um so mehr, wenn auch Mitglieder deS R ichs- tage« sich dazu hergeben, dem Bunde bei seiner Hetzerei gegen alles „Römische" behilflich zu sein.

Deutsche* Mrich.

Berlin, den 19. Februar.

X Ltvaig Kb««rb »SK sollte

nach einer Drahtmelbung der,Köln. Ztg.' seine Steife nach Homburg auf nächsten Samstag anjesetzt haben. Aber auch diese Nachricht be* stättgt sich nicht; der Zeitpunkt der Steife steht noch gar nicht fest und ka«n «och gar nicht ftst- stehen, da er vollkommen von dem Befinde« der Kaiserin Friedrich abhängt. Im gegenwärtige« Augenblicke gibt das Befinden derselben zu un­mittelbare» Besorgnissen keinen M!aß.

WaS vom Feuer verschont geblirbr» war, schädigten die Wasser fluthen der Feuerspritzen. Urberall war Verwüstung. Die Fensterscheiben waren ge­borsten; Rauch und Ruß, durch den herab- strömende« Stegen niedergeschlagen, lagerten sich als schwarze Kruste an den feuchten Wänden und Möbeln ab. In der verheerte» Wohnung war nirgends ein Plätzchen, wohin man bett' Ver­wundeten behaglich hätte betten können. So legte man ihn auf ein e Tragbahre und schaffte ihn nach dem WinhShaus. Dort lag er regungslos mit geschloffenen Augen, schwer athmend, »ow Zeit zu Zeit aufstöhnend. Helene saß ihm szu Häupten rote ein Bild von Stein, dir Augen starr auf ihn geheftet, mit verstörtem, vrr- zweflarrgsvokem Ausdruck. Sie regte stch nicht, sprach nicht, außer um wiederholt die Frage zu stellen, ob denn Dr. Merk, nach dem man ge- chickt, »och nicht gekommen fei.

Weder Vater noch Bruder vermochten stch hren Serleuzustarrd zu erklären. Der Vater sagte ich, daß sie es vermuthlich reuig empfinde, in nttmm Haß ur-d Groll von ihrem MaE ge­schieden zu sein, und er hatte Verständniß für dies Gefühl; einzig die Maßlosigkeit ihres Schmedes bl.eb ihm befremdlich nach allem, was sie über ihre Ehe geäußert hatte. Karl schüttelte ben Kopf. Aus Helenens Auftreten, aus ihrem Aussehen war deutlich h-:rvorgegangLN, daß es Streit, heftigen 'Streit gegeben haben müsse zwi­schen ihr uns ihrem Mur,ar. Er begriff, daß es ihr nichtsdeßoroeniger peinlich sein mußte, den Lmdenhvf gerade in t er Stunde der G-sohr ver- lcssm zu haben; hingegen berührte es ihn beinahe widerlich, daß sie eine« Schmerz zur Schau trug,!

+ De«tschk»«b »mtz Daß

General van Werder nicht deswegen nach Ruß­land reise, km Mißverständnisse z» beseitigen, die auf politischem Gebiete zwischen Deutschland »nd dem Zarenreiche entstanden seien, ist halbamtlich bereit« in sehr entschiedener Tonart ftstgestellt worden. Jetzt wird bekannt, daß überhaupt die ganze Reise unterbleibt, »ar «»ter den ob­waltende» Umständen jedenfall« da» Allerbeste ist; denn da« ist die sicherste Berichtigung jener un­richtigen Sensationrmeldungen.

+ Der bayerische Krieß»«r«ißer soll den Prinzregenten Luitpold um seine Entlassung ge­beten haben. Diese bestimmt auftretende Mel* düng wird in Zusammenhang gebracht mit der bekannten Prinz Alfons-Affäre.

+ Dir gtegiertme rmd der Aesckrak vervem- der Indnsiriecke«. Im preußischen Abgeordnetenhause hat am heutigen Dienstag der Handels Minister Brefeld die erwartete und im Reichstage schon in Aussicht gestellte Erklärung abgegeben über das Verhältniß zwischen der Regierung und dem Lentralver- bände der Industriellen, namentlich aber über den einen Punkt, rämlich die Stellung der Regierung zu der Arbeiterfürsorge und zu deren weiterem Ausbau. Der frühere Abgeordnete Bueck, Generalsekretär des genannten Ver­bandes, hatte in einem Briefe diesen letzter» Punkt in einer sehr eigenthümlichen Weise be­sprochen, die dringend genauere Ausklärung er­forderte, und diese ist nun wohl von dem Minister in hinreichender Weise gegeben worden. Jedenfalls kann man stch nicht über Mangel an Bestimmtheit beklagen, wenn der Minister sagt: „Unmöglich kann ich gesagt haben, daß ich die staatliche Fürsorge für die Arbeiter als ab­geschlossen betrachte. Gehören doch gerade zu ben ersten und vornehmsten Pflichten meines Amte« der Arbeiterschutz, die Ver- mehmng der Sewerbeaufficht, Verbesserung des Arbeitsnachweises und Regelung der Wohnungs­frage, die uns ja in dieser oder in der nächsten Session noch näher beschäftigen wird." Wie gesagt, diese Erklärung deS Ministers ist so bestimmt wie möglich. Nun bleibt nur der Wunsch bestehe», daß das Programm mit der­selben Unzweideutigkeit und Bestimmtheit auch in die That umgesetzt werde. Weniger ange­nehm klingt die andere Versicherung des Herrn Minister«, daß die Regierung von Nrbeiterverbänden nicht Informationen einholen könne über die Geschäftslage und AehnlicheS, sondern i« diesen Stücken allein auf die Arbeit­geberverbände angewiesen sei. Gehöre« die gezahlten. Löhne beispielsweise nicht auch zu der Geschäftslage, und will die Regierung es grund­sätzlich ablehnen, Erkundigungen einzuziehen? Immerhin bleibt die Erklärung des Ministers erfreulich, um so erfreulicher, als derselbe auch die Verwirklichung des alten Wunsches in Aus­sicht stellte, Vertreter der Bergwerksarbeiter an der Grubenaufstcht theilnebmrn zu lassen. Das Nähere darüber findet man in dem Be­richte üorr die DienStag-Sitzung de« preußische« Abgeordnetenhauses.

ft Der Mörchi«ger be-

fchätttat die Presse noch immer — natürlich I In

der nicht gerechtfertigt war, den sie in dieser Tiefe unmöglich empfinden konnte. Daß Blarcken- horn auf sv furchtbare Art zu Grunde gehen mußte, war ja zu beklagen. Hoffentlich wurde ihm die Gnade zu Therl, die Irrungen seines vergangenen Lebens bereuen zu können, ehe er hinüberging. War dies der Fall, so fand Karl für seine Person es unmößlich, sich über diesen Tod zu grämen, der ja dis Schwester von einer drückenden Fessel befreite. WaS mochte eS nur sein, fragte er stch immer wieder, das ihr einen solchen Ausdruck der Verzweiflung in die Augen legte, das ste, die Selbstbewußte, so ganz um die Fassung brachte?

So rasch ihn fein Gefährt herüberbringen konnte, kam Dr. Mer? angefahren. P. Eusebius begleitete ihm Der Doktor warf einen raschen Blick auf ben noch immer in Bewußtlosigkeit da- liegendm Mann. Sein Gesicht wurde dabei sehr ernst; et drang auf die Nothwendigkeit einer gründlichen Untersuchung. „Bitte, gehen Sie einstweilen ins Nebenzimmer. Frau olanker-horn," rieth er mit freundlicher Theflnahme. „Das ist fein Anblick für Sie. Wir find hier vier, die ' Ihrem Marine beistehen können. Ich rufe Sie sogleich, sollte Ihre Gegenwart nothweudig werden."

Ohne ein Wort zu erwidern, erhob sich Helene und ging in der gleichen, starren Ruhe ins Nebenzimmer. Ihr Gesicht verzerrte sich jedoch. a!S sie stch dort allein befand, als das unarti- kulirte Schreien und Stöhnen des Verwundeter; zu ihr drang. Ohre Aufhören gma str auf und ab, und b i jedem Gange grub sich die Falle zwischen ihren Augenbrauen tiefer uns wurde ihr G-fichttausdruck verstörter. (Schluß folgt.)

einige» Blätter« kam Verwunderung zum Aus druck über die Art »nd die Höhe deS Strafmaße»' Dem gegenüber wird nunmehr darauf aufmerksam gemacht, daß ek sich um die Tödtung eieel Vorgesetzten handelt, nicht nur um dieTödtung eines Mensche« durch einen ander«. Nach bem Militär- Strafgesetzbuch? muß statt auf Gefängniß* ober Festungshaft auf Zuchthaus von gleich« Dauer erkannt «erde«, wenn die Thätlichkeit gegen einen Vorgesetzten gerichtet war. Sehr treffend bemerkt in einer Zuschrift an die ,Straßb. Post' ein protestantischer Pfarrer, der „auch einmal be« Königs Rock trug": „Wie ist eS möglich, doch eine Person, die in der Betrunkenheit sich brnteü benimmt, sich gesellschaftlich nicht unmöglich macht; daß dagegen eine Person, die von einem brutal stch benehmenden Betrunkenen geohrfeigt wird, gesellschaftlich unmöglich sein soll, wenn nicht duellirt wird." Vermuthlich wird der Mörching« Fall auch zu einer Auseinandersetzung bei d« Berathung deS Militär-Etats in der Budget-Ko»»* Mission des Reichstages führen. Allermindestens ist das außerordentlich wünfchenswerth. Daß der Fall auch im Plenum deS Reichstages bei d« zweiten Lesung des Militär-Etats besprochen wer* den wird, ist selbstverständlich.

• 20000 Sfnrrd DSrrzeurüse H-fett eine Firma in Rünsterberg in Schlesien, Seidel 4 &>., in 2000 Blechdosen zu je 10 Pfund an die bri­tische Heeresverwaltung. Das ist keine erfreuliche Erscheinung. Die Regierung har Schritte getha», um die Lieferung von Geschützen für das brittsche Heer zu verhindern; sie sollte auch ihren Ginstnst aufbieten, um solche Proviantlieferungen zu Hinter­treiben. Dieselben entsprechen ganz und gar nicht den Grundsätzen einer strengen Neutralität 'M dem Kriege zwischen England und den Bur«.

A«< dem Keichstch-e.

«W 61. Sitz«»« vsm 19. Februar.

•ixt Vorlage des BundrSratheS über die Vm- reihung der Porzellan-Brennöfen, ttemext* brexnSfen und der tSipSöfen, sowie der Snlagw zur Herstellung von gebrannte» Kalk unter die genehmxn,r»flichtig*n Anlagen wird in erster Itfe*» erledigt. Die zweite Lesung soll später stattfinde«.

Sodann wird die Berathung de« Postetat« fort­gesetzt und zwar bet dem Axsgabrtitrl Postkassiror, Oberpost- und Postsekretär«.

Aus erne Anregung deS Abg. KiOlhoff (freis. Vp.) bestätigt

Staatssekretär ». ^-dviekssti, daß rin Theil der Beamten der höheren Laufbahn in wenig günstiger Sage stch befinden, und zwar deswegen, weil früher »ick mehr Eleven angenommen morden find, als ge­braucht wurden. Der Staatssekretär theilt aber mit, daß eine Reorganisation der höheren Laufbahn bereits in Bearbeitung ist. An jedem Orte soll nur ei« Post* direktor fein, eS soll also nicht koordinirte Postämter geben, sondern nur ein? erster Klaffe, de« die ander« untergeordnet sein sollen. Berlin will der Staat«* sekretär postalisch in mehrere Bezirke eintheilrn, der« Vorsteher sich draußen umsehen solle«.

Bei dem Ausgabetilel Assistenten liegt eine»»« der Budgelkommisflon mit 10 gegen S Stimme« an­genommen« Resolution vor, die einen NachtragSetat fordert zum Zwecke der Erhöhung stmmtlicher EehaltS- zwischenstufen zwischen dem Anfangsgehali von 1600 und dem S^dgehalt von 3000 Mark um je 100 Mark. Sine zweite Resolution ersucht um die Abkürzung der diätarischen Dienstzeit und Verbefferung in den BnstellungSverhältniffen der nicht etatkmäßig ar,gestellten Asfistenten.

□ Siu mWMlMr Schief.

Aus dem Lebe« eines Bahnbeamte«.

Bon Ludwig Serhard.

63 war 6 Uhr Morgens. Der Perssneszug nach Berlin hatte die Station G . . nerlaffm. Der Bahxwärter Karl S., welcher das Abschluß* Signal vor dem Bahnhafe, sowie den stark be* nutzten Bahnübergang der G.-A.-Chauffee z» be* dienen hatte, war soeben vom zwölsstündigen Nachtdienst abgelöst und roar im Begriffe, nach Hause zu gehe«, als mehrere schwer beladene Holzwagrn zum Bahnhof fuhren. Die seit sechs Jahren erbaute Eisenbahn hatte nämlich sehr bald den umfangreichen Verkehr der dortigen Wald­gegend an sich gezogen, und die wenigen Beamten und Arbeiter des BahnhoseS konnten häufig bte Verkehr kaum bewältigen. Da wurden denn die Weichensteller, sowie dir dem Bahnhofe zunächst statiovirten Bahnwärter auch in ihrer dienstfreie« Zeit zur Hilfeleistung mit herangezozen, wozu sie auch stets gern und willig bereit waren; war ei doch eine willkommene Gelegenheit, ab und z» ein paar Mark Nebenverdienst zu erwerben. Zwar wurde um deswillen ja dem Körper der »öthige Schlaf entzogen, allein was half's? — Bei d m kärglichen Gsbalt roar stets Noch in allen Ecken und die paar Groschen Nebenverdienst daher rröihig mitzunehmen, und die Lieferanten zahlten ja für rechttettiges, fchuellss Be- und Entladen gern noch ein Trinkgeld drauf, wenn sie das theuere Wage«* tanbgelb, welches für da? Uebersteheu der Wagen zu zahlen war, sparen tonnten.

So roar auch S?arl S. an diesem Morgen so* ort zum Verladen bereit, «ls chn der die Fuhr-