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28. Jahrgang.

Iullöa, Montag, dm 18. Februar 1901.

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verantwertli»: Für die «edakti»« 3<f. $««*, , jg, jn[<rate ^.parzeller in Fulda.

G Die Stützen des Freihandels.

In dem Lager deS Freisinns und der bürgerlichen Demokratie hat da« Eintreten der sechs Demokraten in der württrmbergisches Abgeordnetenkammer ganz augenscheinlich eine starke Ernüchterung hervorgerufen; und nicht minder hat der Umstand, daß die Vertretungen vieler Städte Kundgebungen gegen die Getreide- zöllr ab gelehnt habe«, ebenfalls sehr viel dazu beigetragen, daß die Herren um Eugen Richter und den Abgeordneten Dr Barth herum rin wenig stiller geworden sind mit ihrem Widerspruche gegen die unerläßlich nothwendige Hilfe für die Landwtrthschaft.

Dafür beginnen die Sozialdemokraten ein desto ungestümere« Rufen gegen die Getreide- zblle — gegen den „Brotwucher", wie das Schlagwort lautet. Allein in Berlin sind am letzten Mittwoch Dreißig Volksversamm­lungen gegen die Zölle für Getreide und Lebensmittel abgehalten worden, und ein Flug­blatt, das in demselben Ginne gehalten ist, wurde i« einer Austage von 800 000 Exemplaren in der Reichshauptstadt vertheilt. Wenn man sich aber den Verlauf dieser Volksversammlungen, wie fie genannt wurden, genauer ai.sicht, dann gewinnt man den Eindruck davon, daß alles dabei außerordentlich maschinenmäßig zuging. In den meisten Fällen hat eine Debatte gar nicht stattgefunden; und nur in einer von all diesen dreißig Versammlungen ist es vorge- kommen, daß auch ei« Redner das Wort ergriff, der der Sozialdemokratie nicht angehör-. Die Oberaenofsen befahlen und die Krnessrnschaft gehorchte — denn „wer nicht parirt, der stiegt hinaus." Die Herren Obergeroffen werden aber hoffentlich nicht verlege«, daß diese Art von Kundgedunge« im Lande draußen große« Ein­druck machen sollen.

Ganz besonders angreifbar ist aber der Wort- Laut der Entschließung, die gleichlautend i« allen diesen dreißig sozialdemokratischen Versammlungen angenommen worden ist. Danach sollen „die Ge­treide- und Lebensmittelzölle ein Hinderniß für die industrielle Entwickelung bilden . . . insbe­sondere den Abschluß günstiger Handelsverträge mit anderen Staaten verhindern". Die Forderung der Landwtrthschaft, die Getreidezölle zu erhöhen, soll „ein Akt brutaler Kloffenherrschaft und niedriger agrarischer Selbstsucht sein. Aber am Schluffe kommt das Beste: die sozialdemokratische Entschließung erhebt nicht nur „Widerspruch gegen jede Erhöhung der Getreide und Lebensmittel, sondern fordert auch deren gründliche Be- ^eitigun g".

Der Unsinn, der stch in diesem sozialdemo­kratischen Dictum breit macht, richtet sich selbst. Und daraus, daß sogar die Beseitigung des be­gehenden kleinen Getreidezolle» gefordert wird, geht mit großer Klarheit hervor, daß es der Sozialdemokratie bei dieser ganzen Agitation gar nicht auf die Sache selbst ankommt; denn sonst - würde sie nicht mit solchen vollkommen unmöglichen und in sich unsinnigen Forderungen um sich werfen. Die Herren Obergenoffrn glauben nur, wie ja auch Herr Singer ganz offen im Reichstage aus-

XX. Kapitel.

Die Armbrustersche Familie saß beim Lbend- rffen. Für sie alle war es em ereignißvoller Tag gewesen, dessen wechselnde Eindrücke in ihnen nachzittertm und sie in weicher, erwar- tungssreudiger Stimmung erhielten.

Armbruster konnte trotz seiner Sinnesänderung sich nicht entschließen, der Wittwe Rndhart's Haus zu betreten. Hingegen war Lina <x diesem denkwürdigen Tage dem künftige« Schwieger­vater zugeführt worden, und er hatte fie als Braut seines Sohne, begrüßt. Die künftigen Schwägerinnen zeigten sich von ihr begeistert; sie sah so lieblich aus und hatte den Bruder sc liefe! Sprach sie mit ihm, lag tiefe Jsbrunst in ihrer Stimme; sah sie ihn an, leuchtete ein inniges Gefühl aus ihren Augen. Selbst Arm­brusters Vorurtheile hatte des Mädche»« kindlich reine Natürlichkeit wenn nicht besiegt, so doch wesentlich abzeschwächt. „Sie scheint die gleiche HerzenLgüte z« haben wir deine Mutter," be- merkte er zu Karl, und bei ihm bedeutete dies jetzt höchstes Lob.

Mit jener Verkehrtheit, die gar manche« Menschen eigen ist und sie das Glück erst dann erkennen läßt, nachdem sie es sich haben un­wiederbringlich entschlüpfen lasse«, gesuchte er jetzt nur mehr jener Eigenschaften »gathenS, durch welche fie ihm, ohne öoß er fxuj dessen recht bewußt war, unentbehrlich geworden. Die

Dermoch rmfmZrts.

Roman vo» L. v. Neid egg.

------ (Nachdruck verboten.)

sie, wenn auch verstohlen, häufig prüfend streifte, sowie daß er beinahe nichts aß und daß >eure Hände zitterte«. Auch sah fie, wie sei« Auge von ihr ab zu einem Bilde glitt, das an der Wand an einer Stelle hing, an der früher ke ms gehangen hatte. Sie folgte der Richtung ftineS Blickes und erkannte das Bild der Mutter. I« ihrer jetzige« Stimm««« konnte fie dessen AM ck nicht ertragen; sie rückte ihren Seffel so, bßB ihre Augen denen der Mutter nicht begegneten.

Gudlich war das Abendeffe« vorüber, dem Niemand ernstlich zugesprochrn hatte, außer den junge« Mädchen. Diese trugen die Teller ab und meinten scherzend, es wäre nur billig, wen«H?l-ne ihnen helfe« wollte. Ziemlich barsch befahl rhuen der Vater, das allein zu besorgen und dann mtt Karl hinauszugehen; er wünsche Einiges mft Helene zu besprechen.

„Weiß Dein Mann, daß Du hier ferst?" fragte er die Tochter.

„Der weiß überhaupt vo« nichts in diese« Augrrr- blicke," sagte fie bitter. „Er liegt da wie ein Klotz.

Armbruster rückte unruhig auf seinem Platz». Despotisch angelegt, hatte er einen hohen Begast von der Autorität des ManneS, die unter ttrn-r Bedingung erschüttert Werden dürfe. Das.reu-r des Haffes, das ihm auS Helenens Augen e t‘ gegenbrannte, schien ihm durch eme Ursache, wie die eines gelegentlichen Rausches, kerneswegs ge­rechtfertigt- so sehr er als nüchterner Mann Trumes - hrits-Sxzrffe mißbilligte. Anders, tiefer l'.rgerd- Gründe mußten es entzündet haben. Ihm bannte davor, zu erfahren, w-lcher Art sie gewesen Wi; immerhin mußte er versuchen, zum Frieden zu rrden.

„Mne Frau muß Alles verzeihen !S.irren," sagte er.

Volk weiß es. Und darum wird der von der deutschen Sozialdemokratie angefachte Agitations­sturm, so heftig er auch anhebt, sehr bald ver- säuseln und ersterben im Sande. Schon der Ausfall der Ersatzwahl zum Reichstage im Wahlkreise Aachen-Stadt hat bewiesen, daß auch die Arbeiterschaft nicht auf den fozialdemokratt- scheu Leim geht. Die nachfolgenden Erfahrun­gen werden dasselbe stets von neuem beweisen.

tag in Aussicht zu nehmen". Man weiß nickt recht, wie der Halbamtliche gerade jetzt auf diese Frage kommt. In diesen Tagen ist gar nicht die Rede davon gewesen. Außerdem klingt es etwas sonderbar, Aenderungen des Wahlrechtes für „endgiltig" abgethan zu erklären. Darüber hat doch wohl besagter Osfiziosus nicht allein zu bestimmen, und darüber wird noch lange nicht das letzte Wort gesprochen sein. Die Zustände in manchen übermäßig bevölkertem Wahlkreisen, namentlich in den westlichen Jndustriebezirken, werde« schwerlich noch lange in der gegenwärtigen Berfaffung zu erhalten sein.

h, Di- magere« I«Hr- kommen im Reiche. Der Ueberschuß im Reiche für da» Jahr 1900 wird vermuthlich nur etwa 200 000 Mark be­tragen nach Abzug der Ueberweisungen au die einzelnen Bundesstaaten. Im Jahre vorher be­trug der Ueberschuß 321/a Millionen. Die Aus­gaben der Marine haben den Etat allein um 6*/r Millionen Mark überschritten!

4- Der deutsche Generalkonsul in Kap­stadt, Herr v. Aiudequifi, sollte nach einer vereinzelten ZeituugSmelbung eine« Zwist mit dem englischen Gouverneur der Kapkolonie ge­habt haben, so daß der Gouverneur Milner drm Generalkonsul die Thür gewiesen haben sollte. Nach halbamtlicher Mittheilung ist an der zu­ständige« Berliner Stelle von einem solchen Vor- . falle nicht daS Mindeste bekannt. Der,Ber?inrr Lokalanzeiger' will indeffen erfahren haben, Herr v. Lindequist sei sofort telegraphisch zur Beucht- erfiattnng über die Angelegenheit aufgefordert worden. Man weiß nun nicht, ob die vorher erwähnte halbamtliche Mittheilung verfaßt ist nach dem Eintreffen des Berichtes des General­konsuls oder vorher, so daß zur vollkommenen Aufklärung der Angelegenheit noch eine wertere halbamtliche Mittheilung nothwendig ist. Gou­verneur Milner zeichnet sich bekanntlich mcht durch übermäßige Höflichkeit, wohl aber durch einen recht gesunden Deutschenhaß aus.

X Der-Band A der im Reichsamt d's Innern herausgegebenen Systematisch«« Z«- savrmenstelknug der Aokttarife des In- und Auslandes, die Textil-Jndustrie umfassend, t|t in neuer Auflage erschienen. Staatssekretär von PosadowSky hat im Reichstage betont, es wrrde dafür gesorgt werden, daß die Zusammenstellungen, die ein praktisches Nach­schlagebuch für de« Industriellen, den Handels­mann und Exporteur sein sollen, ebenso kurrent gehalten werde«, wie etwa das deutsche Nnchs- KurSbuch. Daß dieser Zusage nach gekommen wird, beweist die vorliegende Neuausgabr des Bandes A, welche alle seit der erste« Ausgabe eingetretenen Aenderungen berücksichtigt uns ane bedeutende Erweiterung gegen die erste Ausgcwe zeigt. Eine wesentliche Neuerung liegt auch in her Hinzufügung von einleitenden Bemerku ngen, durch welche das Sy-.em der ZusammenstMung veranschaulicht und dis Bedeutung der einzelnen Zollsätze erläutert wird. Auch sonst wird, Die die ,Nordd. Allgem Zig/ schreibt, an de n fünfbändig-n Weik- unausgesetzt fortgearbeftkl. Nachdem Mitte vorigen Jahres et« Nachtrag erschienen ist, solle« zwei weitrre Nachträge m

mit ZtnterHaliungs -MeikEge „IÜ'uKrirte Sonn1ags-A§itung"

führte, daß ei gut sei, mit einer Agitation gegen die Getreide- und Lebeurmittelzölle auf de« Fisch- fana auszngehen und wieder einige von denen ein­zufangen, die niemal« alle werden — „das Ziel ist nicht», die Agitation alle«", nach dem be­rühmt gewordenen geflügelten Worte eines sozial­demokratischen Oberagitatorr, da« dieser in dem Schwünge einer Versammlungerede unvorsichtiger Weise sich entschlüpfen ließ.

Aber hier wird auch die Agitation frucht­los verpuffen. Beim deutschen Volke pflegt die Agitation, die handgreifliche Ergebniffe nicht in Aussicht stellen kann, nicht zu verfangen; und hier ist jeder praktische Erfolg von vorn herein vollkommen ausgeschloffen. So weit kann bei uns auch jedes politische Kind sehen, und daß der Abschluß neuer Handelsverträge durch höhere Getreidezölle ganz sicherlich nicht im entferntesten in Frage gestellt wird, ist eine Wahrheit, die von allen Seiten so häufig aufschießt wie die Binsen.

Nicht« desto weniger ist es ganz interessant zu beobachten, welche Leute es sind, die an der Spitze der Bewegung gegen die für die Er­haltung unserer Landwirthschast nothwendige« Schutzzölle marschiren. Eine der früheren Größen der Sozialdemokratie hat den Ausspruch gethan: die Sozialdemokratie müsse schon deswegen frei- händlerisch fein, weil der Freihandel eines der Mittel sei, da? die Revolution herbeiführe. Daß die Sozialdemokratie ein wüstes Geschrei gegen die Getreidezölle erhebt, ist also nicht weiter zu verwundern. Aber es ist ein starker Stück, daß alle möglichen bürgerlichen Blätter, und nicht nur solche der bürgerlichen Demokratie, ganz offen ihre Freuds über die begonnene sozial­demokratische Agitation äußern. Es laffen sich dazu sogar auch Blätter hinreißen, die sonst zu denjenigen zä.len, die das nationale Denken und Empfinden in E bpacht za haben glauben. Als einzelne Beispiele dafür möge« die Berliner ,Nat.-Ztg.' und der »Hamburger Korrespondent' dienen. Ist das etwa auch national?

Die Republik Frankreich hat einen Weizrnzoll vo« sieben Franken eingeführt. Mer das radikal • sozialdemokratische Ministerium Waldeck - Rousseau mit seinem sozialistische« Handelsminister Milleraud hat noch mit keiner Silbe daran gedacht, diesen Zoll wieder abzu­schaffen oder auch nur hermtterzusetzen. Im Gegentheil! Man hat sich überzeugt davon, daß der W-izenzoll die Volksernährung nicht im mindesten vertheuert, wohl aber den französischen Weizerrbau wieder zu einer Ent- Wickelung gebracht hat, die ihn befähigt, die Bedürfnisse deS Landes zum allergrößten Theile selbst zu decken; und nunmehr tritt daS französische Miuisterium mit neuen Reform- plänen zu Gunsten der Landwirthschast ha vor. Warum verschweigen denn die deutsche« Herren Obergenossen diese Thatsachen so hartnäckig? Warum bekommt man nie zu hören, daß unter dem sozialdemokratischen Minister Mille­rand in Frankreich genau daS Gegentheil von dem geschieht, waS bei uns in Deutschland die Sozialdemokraten zu wollen vsrgeben?

Die Herren wissen, warum. Aber auch daS Erwneruna an dasjenige, was er im Lebe« un- ausgesetzt an ihr getadelt hatte, blieb aus seinem Gedächtnisse gewischt.

Jener wirklichen ober vermeintlichen Charakter- ährftitzknt Lin«' mit Agathe war eS zuzuschreibe«, daß diese erste Zusammenkunft die Herzen eia« ander näher brachten, daß gegen; eiliges Sichver- stehe« ihr Wärme und Gemüthlichkeit verlieh. Fragen wurden besprochen, bereit Erörterung »och vor wenigen Stunden niemand in der Fa­milie für möglich gehalten habe» würde; sogar das Thema der Hochzeit wurde gestreift. Als Lina, stürmisch von den jungen Mädchen um­armt, nach freundlichem Abschied von Armbruster in Begleitung Karls zur Mutter zurückkehrte, meinte sie, im vollen Erfreuen an Jugend und Liebe wahre Paradiesessonne verkostet zu haben.

Sogar Frau Rudlrart zeigte sich an btefem Abend wohlwollend und in ihrer Art liebens­würdig. Sie emvsing Karl freundlich, gestattete ihm noch einige Z-it bei der Braut zu bleiben und störte das Beisammensein weniger als ge- wohnlich durch Schrltrn und Klagen. In echter Bräutigamsstimmung kehrte er heim, vom Winde, der sich mittlerweile zum Sturme gesteigert hatte, beinahe in das Haus getragen.

ES war ein Sturm, wie ihn Wömang selten gekannt hatte. Die Ventile an den Kamine« ächzten und knarrten, Laden klapperten, Fenster­scheiben klirrten, mächtige Bäume doge« sich, als wollten fie auSeinanderbrechen; die Manern des freistehenden Gebäudes erzitterte« unter dem Anprall der Windstöße; unheimliches Tosen er- füllte die Luft.

„Wi- entsetzlich l" bemerke schaudernd die

Deutsches Keich.

Berlin, den 16. Februar.

• Ieulschkaud »«d Akvßkand. Ein Ber­liner und ein Londoner Blatt hatten die Nachricht verbreitet, General von Werder gehe nach Rußland, um politische Mißverständniffe zu be­seitigen, die zwischen Deutschland und dem Zaren­reiche entstanden seien. Im Gegensätze dazu schreibt die oberoffiziöse ,Nordd. Allgem. Zeitung: „Die Nachricht eine« hiesigen Blatte«, daß sich der Generaladjutant von Werder zur Beseitigung von Mißverständniffen nach St. Petersburg be­gebe, entbehrt jeder Begründung. Solche Mißverständniffe bestehen nicht."

G Die von London verbreiteten Nachrichten über die Ikeisepkäue dos engkische« Königs- paare» werden vom Reuter'ichen Bureau in London in folgender Form richtiggestellt: „Die Meldung, der König beabsichtige, unverweilt den Kontinent zu besuchen, ist nicht zutreffend." Nicht zu erkennen ist, welcher Zeitraum mit dem Worte „unverweilt" gemeint ist.

+ Fheorie rmd Praxis — unter dreser Spitzmarke schreiben die »Berliner Neueste« Nachrichten* zutreffend: „1. Die Stadtverordnete«- Versammlung i« Breslau beschloß am 13. Februar, eine Petition gegen dieErhöhung der Getreidezölle an den BundeSrath und Reichstag zu richten. 2. Der Magistrat von BreSlau hat stch am 14. Februar ein« müthig dahin schlüssig gemacht, der Stadtver­ordneten - Versammlung die Forterhebung der Schlachtsteuer als Gemeindesteuer auf fernere drei Jahre zu empfehlen." We«n es in den Stadtsäckel geht, schaden Lebensmittelzölle nach der Auffassung deS frei- fiiinigen Breslauer Stadtregimeuts. Aber wehe, wenn die LebensmittelMe nicht dem reichen Stadtsäckel, sondern der bedrängten Land- wirthschaft zu gute kommen sollen. Dan« ändern stch die wirthschaftlichen Grundsätze mit einem Schlage!

© Der Astgsardnete Ilickert ist vor einigen Tagen von einem Schlaganfalle betroffen worden und insolgedeffen bedenklich erkrankt. Man hofft indeffen, daß der Patient den Anfall Über­stehen und in dem milderen Klima Oberitaliens, wohin er sich begeben wird, vrrhältnißmäßig bald wieder genesen werde. Herr Rickert steht im 68. Lebensjahre.

X Ki«o Aenderrrug des provhifcho« L««dtas»' Wshtg-sotzo» ist nach der Aeuße- rung eines wohlbekannten Berliner Osfiziosus „endgültig" abgrihan: es liege „kein Anlaß vor, mit Rücksicht auf die Steuerreform eine Aendk- ruxfl des bestehenden Wahlgesetzes für den Land- ängstliche Marie. „Gottlob, daß Lina zu Hause und wir alle unter Dach und Fach sind."

Die Hausthüre ging auf; ei« Luftstrom fing sich in dem engen HauSgang, fuhr heulend durch daS Haus, rüttklte an Thire« und Frustern. Im nächsten Augenblicke hörte man Schritte im Flur und Helene stand auf der Schwelle. _ .

„Um Gottes Willen, wo kommst Du bet dem Wetter her?« riefen alle ihr entgegen. Ihr Mund verzerrte sich zu einem sonderbaren Lächeln und ihre Augen funkelten, als sie sagte, wie ihr plötzlich die Lust gekommen sei, die Ihren zu überraschen und wie sie nun um ein Nachtquartier bitte.

Die Schwester« bemühten sich lrebend um fie. Die eine nahm ihr das Tuch ab, an dem Nacht- thau hing, die andere rieb ihre kalten Hände und wollte ihr daS wirre Haar ordne«. Dabei ent­deckte sie die kleine Wunde; theilnehmende Fragen über deren Ursache wurden gestellt. Helene ant­wortete ausweichend mit erzwungener Heiterkeit und gesuchte« Scherzworten. Vater und Bruder, die bei ihrem Eintreten besorgte Blicke ausgetauscht hatte«, studirten ängstlich d«S blaffe Gesicht, daS fs deutlich die Spuren der inneren Zerfahrenheit trug. ..... _ ,

„Laßt doch die Schwester endlich in Ruhe!" fuhr Armbruster drein, als Marie und Agathe mit Fragen nicht aufhvrten. „Setzt ihr wa« zu effen vor und redet nicht fortwährend in fie hm- ein; das ist ja geradezu unerträglich! Mr seht doch, wie müde und angegriffen fie ausfieht.

Helene setzte stch neben den Vater. Er fragte mit keinem Worte «ach der Ursache thres «om» mens; fie Knute aber bemerken, daß sem Bltck