»r, »hueBring-rish!
»hatBringerlohu smdBrArllgtld in
und auS- IPUOPf.
tSMch, hm« der
zeilr W Pfg.; bei Wiederholungen wird emsprechentz, Rabatt geux^rL
*<wunt» MM**"’ mit Anterhaltungs -Deilage „Issuflrirte Sonntags-Zeitung"
M 37.
Jutöcr, Donnerstag, dm 14. Februar 190L
28. Jahrgang.
würde demnächst die Nachfrage nach industriellen Kapitalien vermindern und den Kurs der Revtenpapiere wieder steigern, wie dies bereits begonnen hat.
X Ki«e TekegrapHsttkittie ins Juuere »»« Hsta/rika ist am heutigen Mittwoch von der Budgrtkommiffion deS Reichstages bewilligt worden, nämlich von Dar es Salaam nach Mpapua. Im Postetat find 200000 Mk dafür eingesetzt, und Staatssekretär von Pod- bielski gab dazu die Erläuterung, daß die Linie bis zum Tanganyika-Zee fertig sein müßte, bevor der See von der im Bau befindlichen englischen Linie berührt sei. Der Staatssekretär bezeichnete diese Linie als nothwrndig für die wirthschaftl'che Entwickelung von Oftafrika und sagte von ihr, daß fie mit dem geplanten Eisenbahnbau in gar keinem Zusammenhangs stehe. Abg. Müller-Fulda (@entr.) äußerte Zweifel daran, ob die Linie nicht zum Kolonialetat gehöre. Staatssekretär von Podbielski ersuchte aber, unterstützt vom Centrumsabgeordneten Prinzen Arenberg, sehr lebhaft darum, die Einheitlichkeit der Postverwaltung zu wahren und nickt eine besondere Kolonial-Postverwaltung zu schaffen, worauf die Forderung mit großer Mehrheit bewilligt wurde.
4- Ai- Karra kkomMissta« des preuhi scher; Avgeordtt-t-tttzattses hat ihre Arbeiten begonnen. Aus den eingebrachten Anträgen ist zunächst ein solcher der Eentrumsabgeordneten Letocha und Dr. am Zehnhoff zu erwähnen: Die Kommission wolle beschließen, die StaatS- regierung um Mittheilung des Kostenanschlages über die Herstellung einer durch Begradigungen des Flußlaufes der Ems auf der Strecke von Papenburg bis Leer herbeizuführenden leistungsfähigen Wasserstraße zu ersuchen. Aus einer garz-n Reihe von Anträgen der freikonservativrn Partei sei der folgende erwähnt: Die Staats- regierung zu ersuchen, mit Rücksicht auf die Konkurrenz des Seewegs mit den geplanten Binnengewässerwegen eine Zusammenstellung der Transportkosten der Maffengüter von Thorn, Danzig, Stettin, Hamburg und Bremen nach Dortmund vorzulegen bei Beförderung auf dem Seewege und dem Dortmund-Ems-Kanal und zweitens bei Beförderung auf der geplanten Wafferstraße. Die ostpreußischen Abgeordneten Graf von Finck en stein und Genosst« fordern den masurischen Kanal und Ausbau der Eisenbahnen und Chauffeen in Ostpreußen.
+ Wieder einmal will ein Blatt wissen, wie hoch die KetreiöezöKe in dem neuen Zolltarif sein werden. ES sollen Mindestsätze eingestellt sein für Gerste 3 Mk., für Hafer 4 Mk., für Roggen 5 Mk,. für Weizen 6 Mk. Daß es auch schon wiffen will, wie die ^Kompromiß- Parteien", die daS Fleischbeschaugesetz angenommen haben, zu diesen Sätzen stehen, wundert uns weiter nicht. Allzu lange wird es übrigens ja wohl nicht mehr dauern, dis man authentisch die Zollsätze kennen lernt. Man rechnet jetzt damit, daß die Tarifvorlagr in dieser S ssion an den Reichstag gelangen wird, und zwar so zeitig, daß dieser noch die erste Lesung vornehmen kann. Dann würde Vertagung erfolgen, während welcher der Tarif in der Kommission fo weit vor-
Drntschr« K-ich.
Berlin, den 18. Februar.
% Der deutsche Krorrprmz soll angeblich nach der Meldung eines Londoner Blattes mit der Prinzessin Emma von Battenberg verlobt werben. Dazu ist zunächst zu bemerken, daß es eine Prinzessin Emm» von Battenberg gar nicht gibt. Prinz Ludwig Battenberg hat zwei Töchter Alice und Luise; ans der Ehe des verstorbenen Prinzen Heinrich von Battenberg mit der Prinzessin Beatrice von Großbritannien ist die vierzehn Jahre alte Prinzessin Viktoria Smgenie vorhanden. Ferner ist wohl vorläufig an eine Verlobung des neunzehn Jahre alten Kronprinzen noch nicht zu denken. Dann aber erachtete man bisher eine Verbindung durch Heirath mit dem Hause Battenberg als ausgeschlossen. Und schließlich besteht im deutschen Volke die zuversichtliche Hoffnung, der deutsche Kronprinz werde später eine deutsche Fürstentochter zum Altar führen. Sollte diese Hoffnung trügen?
+ Der Mörchiuger Hsfiziers-Word hat mit Recht zu der Frage Anlaß gegeben, ob denn die KabinetS-Ordre über die Ehrengerichts für die Offiziere in Mörchingen keine Geltung mehr habe, da doch die Herausforderung deS Hauptmanns Adams unter den schwersten Bedingungen sofort bei dem Festmahle beschloffen wurde, ohne daß man sich um das Ehrengericht kümmerte. In dieser Sache wird d^m ,Berl. Tagebl/ „von genau ur? errichteter Seite" geschrieben, daß ganz kürzlich in einem Kontingent der deutschen Armee durch den Kontingents - Herrn der Spruch eines Regiments-EhrenratheS taffirt worben fei, durch den eine gütliche Beilegung einer in sinnloser Betrunkenheit verübten Kinderei als korrekte Erledigung anerkannt war. Der betreffende, ganz unschuldige Oberleutnant sei darauf mit schlichtem Ab schied entlassen worden. Wenn nun wahr wäre, daß von oben her so weuig auf die Milderung der Zweikampfs-Sitten hingewirkt wird, so könnte man sich ja schließlich nicht wundern, wenn in Mörchingen die ehrengerichtlichen Formalitäten für überflüssig erachtet wurden. Aber di« Vorschrift der Kabrnets«Ordre besteht doch nun einmal. Dürfen Offiziere sich ungestraft über einen Kaiser!. Befehl hinwegsetzen?
* Die «achste Ileichsauleitze wird vor- ans sichtlich eine Zprozentige fein. Ein osfi. .Mer Artikel der .Berliner Politifchrn Nachrichten' knüpft an die Reichstagsverhandlung am Montag eine Erörterung über den Zinsfuß der Staatspapiere an und kommt dabei zu solgerdem Schluffe: „Die preußischen und im Anschluß daran die Reichsanleihen haben sich im Vergleich mit denen anderer deutscher Bundesstaaten übrigens am wenigsten erschüttern lassen. Es stehen die Kurse der 3prozentigen Anleihen selbst heute mit einer einzigen Ausnahme noch höher als bei ihrer Emission. Ein Stillstand oder ein Rückgang der Industrie
Dennoch aufwärts.
Roman von L. v. Neid egg.
83 ------ (Nachdruck verboten.)
Nach verübtem Racheakt kam Blankenhorn keuchend in das Wohnzimmer. Die Kleider in Anordnung, die Augen blutunterlaufen, sah er unsäglich brutal aus, und Helene fühlte, wie sie ihn verabscheue. Jedes Wort, das er sprach, jeder Ta« feiner Stimme verursachte ihr seelisches Unbehagen, das sich zu kampflustiger Erbitterung steigerte.
Da» Gefühl wuchs übermächtig, als er trinm- vhirend von seinem Kampfe mit Weber zu sprechen begann und feine Freude äußerte, daß durch dessen Lindringen in seinen Hof ihm nun eine weitere Handhabe gegen ihn geboten fei.
«An die Handhabe, die er gegen Dich hat, beutst Du aber nicht?" fragte sie eisig.
Er verfärbte sich etwas: „Weber war vorher wohl bei Dir?"
Sie nickte bloß.
„Der infame Kerl!" Ec begleitete die Worte mit einem häßlichen Fluche. „Was hat er gesagt?"
„Was jedenfalls Wahrheit ist. Er und Du . .. • Ihr beide! . . - doch Dich trifft größere Schuld."
„Was vor meiner Heirath liegt, geht Dich g« nichts an, Helene. Wenn ich Dich jetzt lieb habe, kann Dir die Vergangenheit gleichgiltig fein, und eigentlich, so widerhaarig Du oft bist: gern hab' ich Dich doch noch."
6t machte eine Bewegung, als wolle er den Arm um sie legen.
„Geh," sagte sie zurückweichend. „Geh, Du ekelst mich an." Ihre verhaltene Empörung brach hervor. „Ich habe nie Gutes von Dir gedacht; wie grundschlecht Du aber bist, das weiß ich seit heute."
„So?" Sein Gesicht färbte sich purpurblau, die vorstehenden Augen quollen förmlich hervor. „So? Du hättest nie Gutes von mir gedacht? Wiederhole das noch einmal."
„Sehr gerne. Ich habe" . . .
Ehe sie die Worte noch ausgesprochen, lag seine schwere Hand auf ihrer Schulter und schüt tflte ihren schlanken Körper hin und her.
„Dann bist Du noch viel schlechter als ich. Ich hab' Dich wirklich lieb gehabt, als ich Dich heirathete, und hab' Dich gut gehalten. Du aber, die Du Ekel vor mir empfindest, hast mich belogen und betrogen, als Du mir Treue und Anhänglichkeit gelobtest. Geh ... geh mir aus den Augen . . . g-eich . . . sonst vergreif ich mich an Dir!"
Es überlief sie eiskolt bei feinen Worten. Lag denn nicht Wahrheit in ihnen? Sie hatte ihm wohl nie Liebe geheuchelt; freiwillig hatte fie aber ihr Jawort gegeben und gelobt, zu ihm zu halten in guten wie in bösen Tagen. Sie fand keine Antwort auf feinen Vorwurf. Mit gesenktem Haupte verließ fie das Zimmer. Das Wort der Warnung hatte fie aber nicht gesprochen.
XVIII. Kapitel.
Die Wöhruanger Kirche war überfüllt. Eine ehemalige Klosterkirche mit imponirenden, auf Entfaltung kirchlichen Pomps berechneten Hallen, konnte sie heute die Scharen der herbeigeströmten
bereitet würde, daß im Herbst das Plenum sich wieder damit befaffsn könnte.
• IlrkrmbettfSlschmts ist nach einem Urtheil des Reichsgerichtes, wenn zum Zwecke der Vermeidung einer Stempelstrafe das Datum eines abgeschlossenen Mieths- und Pachtvertrages verändert wird. In der Aenderung des Datums ist die Absicht zu erblicke», sich einen Vermögens- vvrtheil zu verschaffe».
A« dem Reichstage.
■O 48. Sitzung Dem 13. Februar.
Bor dem Eintritt in Vie Tagesordnung erklärt der sozialdemokratische Abgeordnete Jkeitt«, er werde auf die Angriffe deS preußische« FuftizministerS Schönstedt gegen ihn im preußische» Abgeordnetruhause bei der dritte» EtatSlefung antworten.
Auf der Tagesordnung steht zunächst das Extra- ordtuarium deS Etats der ReichSeisenbahnen. Dieses wird fast ohne Debatte erledigt und nur iu einige» wenigen Punkten verändert. Bon der Forderung von 600,000 Mark zur Fortsetzung der schmalspurigen Nebenbahn Lützelburg-Pfalzburg dis Drulingen werde» »ach dem Anträge der Budgetkommission 300,000 Mark gestrichen. Für den zwrtgeleistgen Ausbau der Bahnstrecke Hagendivgen-Rombach und zur Erweiterung des Bahnhofes Hagendingen wird eine erste Rate von 810,000 Mark gefordert. Nach dem Anträge der Budgetkommiffion werden aber nur 100,010 Mark bewilligt.
ES folgt sodau» die zweite Berathung des N a ch- tragsetatS für Ehtna.
Dir Budgetkommissiou beantragt Genehmigung der Borlage mit einige» Abänderungen und beantragt außerdem eine Resolution, in der die verbündeten Regierungen ersucht werden, darauf hinzu- wirken, daß in dem dir Wirre» in Ehtna abschließen- d«n StaatSvertrage die Freiheit der christlichen Religionsübung i» China ausbedungen und unter den Schutz der bei dem # «trage betheiltgten Mächte gestellt werde.
Der RachtragSetat selbst wird in der Höhe von 152*/« Millionen ohne jede Debatte genehmigt.
Bom Etatsgesetze werden die Paragraphen 1 bis 2c auch ohne Debatte erledigt. Der dritte Paragraph ist neu von der Kommisfio» in daS Gesetz hiuerngebracht und handelt von der Indemnität. Aber auch dieser Paragraph und der Rest deS Gesetzes «erden ohne Debatte gutgeheißru.
Bet der Berathung der erwähnten Resolution ergreift daS Wort der sozd. Abg. Meßet, indem er folg-nde» Zusatz beantragt: Den Mi ssionrn solle die Verpflichtung auserlegt werden, sich weder in wtrthschaftliche, noch in soziale und politische Angelegenheiten Chinas einzumlschen, noch auch sich den Charakter oder Titel chinefischer Würdenträger bet« »«legen oder beilegen zu lasten. Dieser Zusatz soll nach den Ausführungen des Redners dazu beitrage», künftige Verwickelungen in China zu vermeiden. Die gegenwärtigen Verwickelungen betrachtet der Redner .fragloS" alS eine F^lge der Verschuldung der Misstone». In alles Mögliche hätte» die Misfionen stch eingemischt und namentlich Bischof Anzer habe die Missionen zu politischen Zwecke» gemißbraucht. Der Staat habe nicht die Aufgabe, solche- Thun der Missionen zu decken.
Herr Bebel und seine Gefiunungsgenoffen beharre» eigensinnig auf der falschen Ansicht, daß die Missionen die Hauptschulo an de» Verwicklungen in China tragen, und sie wurden in dieser unsinnigen Annahme auch heute wieder durch den Redner der freisinnigen Bolks- partei unterstützt, den Abg. WSlker-Sagan.
Die Abgg. Wachem und Hroever vom Centrum legten die ungeheuerlichen Widersprüche in der ganzen Behackung solcher Dinge durch die Sozialdemokratie dar, und nachdem Redner a ller anderen Parteien für die Resolution der Kommission gesprochen hatten, wurde diese mit sehr großer Mehrheit angenommen und der Behelsche Zusatzantrag abgelehnt.
Damit ist die Chtnavorlage in zweiter Lesung er= IlWW ■ 11I »Mw«« W rw»IIIIM»B»»M»MM»»MMMgi Bcter kaum fassen. Von Nah und Fern kamen sie gezogen: alle die Julius Merks Predigt anhören wollten. Den Bewohnern des Gaues verlangte danach, das Landeskind zu sehen, ehe es — wohl für immer — aus ihrem Gesichtskreise schied. Auf dem Wöhruanger Gottesacker legten Reihen von Grabsteinen dafür Zeugniß ab, daß hier Generationen der Merk in Zucht und Sitte, fromm und gläubig durch das Leben gewandelt waren. Einer, der in fremden Landen eine Art Apostolat bekleidet hätte, war bis jetzt nicht darunter. Für denjenigen, der diesen hohen Beruf erwählt hatte, mußte man beten, ehe er die Heimath verließ. Kopf an Kopf gedrängt, in tiefer Andacht, lauschte die Menge seiner Rede.
GS waren schlichte aber ergreifende Worte, die der Priester an feine Zuhörer richtete. Er verkündete die ewigen Heilswahrheiten, die von jeder Kanzel ertönen; doch geschah es in Seelenlauten, wie fie nicht ein jeder finden konnte: die einem geläuterten, geklärten, von heiliger Siebe erfüllten Geist entströmten. Er sprach von dem Emen, das nothwendig ist, welches das Ziel und Ende unseres Lebens fein soll: von der Gottes- kmdschaft, die unfer Herz zu durchdringen hat, damit dessen Freuden veredelt, unsere Leiden, die Leiden, die keinem erspart bleiben, gemildert werden, für die man Linderung und Vergesse« findet, sobald man fich eine Pflicht erwählt. Von sich selbst redete er nicht, so nahe auch eine Anspielung auf sein Vorhaben gelegen hätte. Nur zum Schluß hob er hervor, wie eS ihn beglücke, in der Heimathgememde die Tugeuden bet Gottesfurcht und GlaubenStrrue, die sie immer ausgezeichnet, in gleicher Lebendig-
lrdigt und es folgt die zweite Berathung der Vorlage über die Versorgung iuvali der L hinakämp frr und ihrer Hinterbliebenen.
Ohne Debatte stimmt daS HauS dem Anträge der Kommission zu, die Vorlage abzulehue» mit Rücksicht auf die vo» der Regierung zugesagte einheitlich« Regelung der gesammten Jnvalidenfür- sorge.
Nächste Sitzung Freitag 1 Uhr: Dritte Lesung der Shinavorlage. Etat der Postverwaltnng.
■■ .W.IHIUWI*—» ...................—
Art» dem Karrdtage.
ttv AOgeordnelenßau». — 25. Sitzung vo» 13. Febr.
Zur Berathung steht der Etat deS Ministeriums des Inner».
Bei den Einnahmen bemerkt der Minister Frhr. ». MhelnOaVe» auf eine Anregung des Sentrnmsabg. Dirk r ich, daß die Stiftung verschiedener ermländischer Fonds (wontes pietatis) nach den vorliegenden Urkunde» nicht ausschließlich kirchlichen Zwecken dienen soll. Abg. Dittrich legt die entgegengesetzte Ansicht dar.
Bei dem Ausgabetitel »Minister* geht Minister Frhr. ». Zthei«0a»e« auf die Handhabung bet Theaterzensur ein. Der Minister »eist nach, daß bei bet Berathung der Gewerbeordnung ausdrücklich festgesetzt wurde, daß an der damals bestehende« Theaterzensur durch die Gewerbeordnung nichts geändert werden sollte. Die Theaterzensur ist ein TheS der allgemeine« Ordnungs- und Sittenpolizei, nicht bet Gewerbeordnung Sodann wendet fich brr Minister zur Kriminalpolizei und verwehrt fich ganz entschieden gegen die im Reichstage geäußerte Meinung, daß die Erforschung und Ausmittelung strafbarer Handlungen Sache der Gerichte und nicht der Polizei sei. Man sollte doch nicht Dinge im Reichstage verhandel», die nicht dorthin gehören. Preußen habe Opfer genug für das Reich gebracht, um gegen den Vorwurf eineS engherzigen Partikularismus geschützt zu sein. Die ih» zustehenden Rechte »erde es fich nicht durch den Reichstag verkümmern lassen. Der Minister kehrt sodann $» dem Thema Theaterzensur zurück und führt au», daß man schwerlich eine Ahnung von dem Schmutze habe, der durch die Zenfur vom Publikum zurückgehalten werde. Aber keine Richtung der modernen dramatischen Kunst habe unter der Zensur Schaden gelitten. Dem Ersuchen, literarische Sachverständige z« Zensur heranzuziehen, steht der Minister freundlich gegenüber; er thrilt mit, daß darüber bereits Verhandlungen schweben.
Abg. ». KardorO (freikous.) versteht die Halt»», der Regierung, hätte eS aber doch i» diesem Falle lieber gesehen, wenn der Minister diese Ausführung« vor dem Reichstage gemacht hätte. Der Redner warnt davor, daß die Mmisterien zu viel Geschäfte an stch ziehen, dir auch von de» Oberprästdentrn erledigt werd« könnten, worauf der Minister entgegnet, gerade die Teutralifirung der Geschäfte in den Ministerien habe auch eine Vertheilnng bei ihrer Behandlung zur Folge.
Abg. Aichter (freis. volksp,) hält es nicht für richtig, daß man hier über ReichStagssacheu, Zollfrag« und bergt mehr spreche unb bet Minister des Inne« eS gleichzeitig ablehne, im Reichstage über die Theattt» zenfur zu sprechen. Redner behält dem Reichstage das Recht vor, ausführlich auf die Darlegunge« des Ministers einzugehen und verbreitet fich dann sehr ausführlich über die verweigerte Bestätigung deS Beigeordnete« Salomon in Krenznach »nb über die Angelegenheit bet Herren Dullo und Krüger in Königsberg.
Minister Irhr. »ex ItheiuSaSe« entgegnet, das BestätigungSrecht fei ein Rechr der Krone, über deff« Handhabung er keine Auskunft gebe. Der Minister «- klärt aber, daß die Zugehörigkeit zu einer politisch« Partei, mit Bnsn ahme ver Soztaldemokratie, kein Grund zur Bersagung der Bestätigung sei. Die Ablehnung dar Bestätigung führt der Minister auf rein persönliche Gründe zurück und gibt genauere Aufschlüsse darüber.
Abg. »ex Aago» (kons.) spricht dem Minister b« Beifall seiner Partei für die Darlegungen aus. Nur übt der Redner gleich dem Abg. von Kardoiff Kritik a» der Ausbildung der Beamten. Dir Ausbildung btt Referendare nennt er völlig einseitig.
Abg. Dr. Iriebbig (nati ) bezeichnet bie Theat«. zenfur als durchaus nölhig. Aber man sollte ®t»>
leit wiederzufinden. Ja der Ferne, in welcher ihn die Eliuneruvg an die Heimath begleite, werde er fich durch den Gedanken an die Standhaftigkeit erbauen, die feine Heimaths- genoffen stets bewiesen hätten. Seine etroaiqe» Seiten und Mühsale wolle er opfern, daß Golt ihnen bie Gnade gewähre,. in denselben K»- fbmungen zu verharren. Auch fie sollten seiner gedenken und beten, büß der göttliche Beistand ihm bei seinem Wirke» nicht fehle; namentlich aber sollten fie für seine Seele beten, falls er etwa im fernen fremden Sande aus de« Seb« abbernfen würde und dort ein Grabstein feiwe Hülle decke. Wenn fie alle hier auf Erden mit ihm fortdauernd vereinigt blieben im Gebet, würde ihnen und ihm die letzte Gnade zu TheL werben, einanber am Ende der Zeiten d«t wiederzufinden, wo es weder Scheidung noch Trennung mehr gibt: vor Gottes Thron.
Als er die Worte gesprochen hatte, ging «S wie ein gewaltiges Schluchzen durch die Kirche. Ein Gedanke, et« Gefühl bemächtigte fich der Gemüther und trug sie in begeisterte« Snf« schwung empor zu Gott: der Gedanke, bet Wunsch, in gleicher Demuth wie derjenige, der zu ihnen sprach, de« königliche« Pfad be* Kauzes zu roaebeln, ben Weg, bet emporfühR, wie bornig er auch fei.
Der Nachhall dieser Empfindungen jitterte während des Hochamtes in ben Herzen nach. Wohl selten mochte in Wöhrnang mit solch« Innigkeit und Herzenswärme gebetet morde« sein. In weihevoller Stimmnng verlor fich bie- Menge aus der Kirche.
(FsMetznug soögt.)