Einzelbild herunterladen
 

Iwftretn AL

fi» Jxtmte 3.p«»i«lU* ix »rt»a.

28. Jahrgang.

Iucöa, Mittwoch, den 13. Februar 1901

Jli 36.

ia—

von Auseinandersetzungen in der Budgetkommission l des Reichstages. Saatssekretär v. Podbielski führte dabei aus, ihm würde am liebsten sein, wenn die Städte selbst die Postgebäude errichten und dann an die Postverwaltung vermiethen wollten: das würde für die Städte eine sichere Kapitalsanlage und gute Verzinsung ergeben. Prachtbauten wolle er, der Staatssekreär, gar nickt haben, sondern einfache, aber praktische Dimst- gebäude. Das hat nun vor Herrn v. Podbielski schon mancher gesagt; aber deswegen sehen wir > I doch immer wieder neue Prachtbauten entstehen, i während es auf der anderen Seite nicht reicht, um die Postassistenten ein wenig besser zu be­solden. Wundrrlicherweise waren es heute Ab­geordnete, die dem Staatssekretär widersprachen und ein schnelleres Tempo in der Erbauung von Postgebäuden befürworteten, so namentlich Abg Dr. P a a s ch e von der nationalliberalen Partei; ] dieser hat auch eine Resolution beantragt, in der „der Reichskanzler darum ersucht wird, im Jn- tereffe vorzeitiger und preiswürdiger Erwerbung von Bauplätzen einen vermehrten Betrag in den Etat einzusiellen". Am heutigen Dienstag wurde über die Resolution noch nicht abgestimmt; die» soll an diesem Mittwoch noch geschehen. Be­willigt wurden am heutigen Dienstag die g • forderten ersten Raten für neue Postbauten tn Bremen, Bremerhaven, Breslau, Charlottenburg, Mannheim, Meerane, Schöneberg bei Berlin, Stettin, zweimal Berlin. Ist denn das noch nicht

ent xx» Vertat *•» »eltart XdUx»*x*i* prtmt<8< Oi. « nkmcraKL

Deutsches Urrch»

Berlin, den 12. Februar.

Rcmn>lbPfa.M»- Harne« die Petit­zeile 26 Pf«-; b«t Wiederholungen wird entspreche«^ Rabatt

Derrnoch aufmärts.

Roman von L. v. Neidegg.

M ------ (Nachdruck verboten.)

„Gutem Rath entgegen hast Du ihn frei« Willig geheirathet, Hrlene, und er ist nun ein­mal Dein Mann."

„Ich habe mich verpflichtet, feine Frau zu fein, nicht aber feine Sklaom. Berühre das Thema weiter nicht, Karl."

„Du scheinst mir erbarmungslos kalt, | Helene; ich möchte bezweifeln, ob diese Aus- saffung Deiner Pflichten Gott wohlgefällig fetn kann."

„Von Gottes Güte gegen mich habe ich zeit- lebens wenig genug empfunden, darum .... Aber noch einmal: wir wollen lieber von anderen Dingen reden, Karl. Verbittere Dir und mir Das kurze Beisammensein nicht durch Deine Lehren."

Ju dem harten Blick ihrer Augen, in dem verbissenen Zug um den Mund lag etwas, das Karls Mitleid erkalten ließ. Er brach die lluterhülmng ab und ging in gedrückter Stirn, mung nach der Stadt zurück.

Linstweilen hatte Blank-uhorn sich in Hellen Zorn hineingearbeitet. „Verliere länger keine Zeit!" fuhr er Helene an, als sie aus dem Garten zurückkam. „Fort mit Dir, sieh Dich in der Wirthschaft um: Zum Faullenzen firiv wir alle mit einander nicht da; Du darfst es Drr am wenigsten erlauben."

mit Zlnlerhaümigs -Anlage „Illustrirte Sonntags-Zeitung:'

bewilligt: a) an weibliche Versicherte, die lndie Ebe getreten sind, 584,673 gegen 540.266, b) an versicherte Personen, die durch einen Uns au dauernd erwerbsunfähig im Sinne des Jnoaliden- verficherungsgesttzes geworden sind, 234 gegen 198, c) an die Hinterbliebenen von Versicherten 131 923 gegen 124 521, zusammen 716 830 gegen 664,985 bis zum 30. September 1900.

x In der Erörterung über die KrSöhnng der Getreidezölke, die durch die fast allgemein anerkannte Nothlage der deutschen Landwrrthschast nothwendig geworden ist, hat die sozialdemo- kratische bl-h-r 1« S”.11.,6,? Frage ängstlich umgangen, wie der Landwiith- schäft anders al« durch Zollerhshung geholfe« werden soll. Daß eine solche Nothlage besteht, beweist zunächst zahlenmäßig mit aller Deutlichkeit die überaus stark zunehmende Verschuldung de« Grundbesitzes. Der Werth des Bodens wird in Deutschland auf 50, mit dem Inventar auf «» bis 70 Milliarden, die Verschuldung auf mehr al- 20 Milliarden Mark geschätzt. Nach amtlichen Feststellungen ist in Preußen annähernd der halbe ! Verkausswerth des Grundbesitzes verschuldet; die Zunahme der Hypothekenschulden auf ländüchm Grundbesitz beträgt jährlich 175 Millionen Mark. Man könnte demnach den Zeitpunkt berechnen, wann der letzte selbständige Bauer der gänz­lichen Verschuldung zum Opfer gefallen sein müßte, wenn nicht Hilfe geschaffen würde. Wie wenig Ertrag die Landwirthschaft abwirs^ beweisen auch die Erhebungen, welche das preußische Ministerium des Innern in den i letzter. zwei Jahren veranstaltet hat. Hiernach betrug nach einer Verziusung des Be.nebs- kapitals mit 5 pTt. und des G-baudekapitalS mit 3 pCt. die Verzinsung des in Grund und Boden steckenden Kapitals durchschnittlich nur •/lt pCt. Mit kurzen Worten: Die Landwrrth- schast leidet unter einer erdrückenden Nothlage. Unter dieser Nochlage leiden nicht nur 6« großen, sondern auch die Heineren un® mittleren Besitzer. Daß die kleineren und mittleren Bauern in ganz „erbärmlichen Verhältnissen leben, wurde auch von sozial­demokratischer Seite letzthin bei der Beratung des Reichkamtes des Innern nicht bestritten. Stan Hot man auf dieser Seite weiter zugegeben, daß, wenn die Landwirthe im Stand wären, den laudwirthschaftlichen Grund und Boden Deutschlands mit den höchstentwickelten technischen Hilfsmitteln zu,bebauen sie nicht nur das Getreide für bte gegenwartiaeBevölke- runqkzahl, sondern selbst für eine viel größere bauen könnten. Dazu wäre aber eine große Kapl« talaufwendung erforderlich. Nichts andere» wollen die Landwirthe. Der Getreidezoll soll ihn-n ja gerade das Mittel bieten, wieder zu argemefieneu Preisen für ihre Produkte und zn einem angemessenen Gewinn zu gelangen, um bann durch noch wertere Krpitalauswendung, durch erhöhte Benutzung der modernen wissenschaftlichen, technischen und kaufmännischen Fortschritte ihre Le ftungSfähigkeit zu h-den. Uebngens sind nach dieser Richtung hin die Landwirthe bereits ans daS eifrigste thätig gewesen. Nach der amttlchen

I statiffit des deutschen Reiches hat nämlich die Ackerfläche stetig zuaeromms«, die Brache ist z» iückgegangkn, die Fruchtfolge ist verbessert, land-

Privatklage."

h Drr dstttsche Aröeits-vsrSttAd für das AattßewrrVe Hot an den Bundesrath und Reichstag eins Eingabe betreffend die vom Reichstag einer Kommission überwiesenen An­träge Trimbom, Hitze und Albrecht emgereicht, die den Ausbau der Gewerbegerichte zum Ziele haben. In der Eingabe heißt eS: „Wir müssen, ohne Prüfung der Frage ob eine Er­weiterung der fachlichen oder örtlichen Zuständig- krit der Gewerdegerichte oder die Einführung eines beschränkten oder gar unbeschrankten Obligatoriums brr Gewerdegerichte überhaupt geboten erscheint, dringend wünschen und bitten, i daß dir hohen und gesetzgebenden Körperschaften

Hycheml lügitch, sn. Ausnahme der Gxuu» »ad Feier­tage. LierteljShrl. »»sxgipretx shneBringertohn «ab Bestellgeld in Fulda und aus- k»trttlM.SÜPf.

XVII. Kapitel.

H:lene saß im Wohnzimmer, aufgeschlagene Wirthschaftsbücher vsr sich, in deuen sie eifrig rcchnete. Ihr Mann hatte ihren klugen Ge­schäfts köpf erkannt;' sie war ihm Kassirenn, s Buchführerin geworden, auch lag ihr die Ober­au sicht ob über die Milchwirthschaft. Willig unterzog sie sich dirsin vielfältigen Aufgaben; alles, was ihre Gedanken beschäftigte, war ihr lieb, doppelt'lieb, wenn sie dadurch von ihres Mannes Gegenwart sich loskausen konnte.

Ja ihre Schreiberei vertieft, überhörte sie, daß wiederholt und recht vernehmlich an die Thür geklopft wurde. Sie sah erst auf, al» ein schlecht gekleideter Mann, dem die Roth ihre unauslöschlichen Merkmale in die Züge gegraben hatte, vor ihr stand.

„Wo kommt Ihr her?« stützte sie erstaunt und unwillig. „Wer hat Euck hergewiestn?«

In das Wohnzimmer führten zwei Thüren, eine, die in dm Flur mündete, eine zweite, bte j nach einem hölzernen Verbmduntzsganae ging, durch den man bequem nach dm Ställen und Wirthschafts-Gebäuden gelangen konnte. Der letztere Eingang war weniger bekannt; Btanken- horn hatte den Verbindunzsgang zu ferner Be­quemlichkeit Herstellen lassen und duldete nicht, daß außer ihm und den Seinen jemand ihn ve­rrat. Die Thüre nach demselben stand ;etzt I cff.-n; der Fremde hatte ihn also entdeckt und ! benutzt; das war ein bedenklicher Umstand.

„Niemand hat mir den Weg gezeigt, Frau. Ich finde mich hier allein zurecht, ich dm ja hier I gut bekannt."

genug?

+ Ii- Aesetznos der SLrafLam«^« war heute (Dienstag) an der Reche in den Br- rathungen der Justizkommiffion des Reichstages, die sich mit den Reformanträgen der Adgg. Rintelen (Ctr.), Lenzmann (stets) usw. zu beschäftigen hat. Es lagen fünf verschiedene Anträge über die Besetzung der Strafkammern vor. Angenommen wurden schließlich die An-. träge der Abog. Rintelen und Beckh-Koburg (steif.), wonach § 77 d-s Gerichtsmrfassungs-, gesetz's folßende Fassung erhalten soll: ^Die Civilkammern und die Strafkammern entschewen in der Besetzung von drei Mitgliedern m:t Ein­schluß des Vorsitzenden. In der Besetzung mit fünf Mitgliedern einschließlich des Vmsitz-nden entscheiden die Strafkammern in der Hauptvrr- handlung, wenn Verbrechen mit Ausnahme solcher strafbaren Handlungen, welche nur des­wegen als Verbrechen sich darstellen, weil sie tm Rückfälle begangen find, den Gegenstand der Untersuchung bilden, sowie in der Brruss'.nfianz bei Vergehen mit Ausnahme der FLae der

meine".

4- I«»»kide«- nutz Attrrnreuts«. Nach der im Rsich»verficherunzSamt angefertigten Zu­sammenstellung, welche auf den Mittherlungen der Vorstände der Versicherungsanstalten und drr zuaelaffinen KaffeneinrtLtungen beruht, betrug die Zahl der fett dem 1. Januar 1891 bis ein- schließlich 31. Dezember 1900 von den 31Ver- sicherungSanstalten und den 9 vorhandenen Kassen- ! eiurichtunaen bewilligten Invalidenrenten (SR 9. Absatz 2, und 10 des Jnvalidiräts- und AtierSversicherungsgestzes und 15 Absatz 2 deS JnoalidenverficherungSüesetzes) 603 741. Davon | find in Folge Todes oder Auswanderung des Berechtigte», Wiedererlangung der Erwerbsfähig­keit, Bezüge« von Unfallrenten oder aus anderen Gründen weggefallen 198 404, sodaß am L Januar 1901 liefen 405,337 gegen 386,684 am 1. Oktober 1900. Die Zahl der während des­selben Zetrauwes bewtlltgten Altersrenten! (SS 9 Absatz 4 des JnvaliditätS- und Alters« ] vetsicherungsgesetzes und 14 Absatz 3 des In- valtdenvetsicherungsgesetzes) betrug 375 122. Da­von sind in Folge Todes oder Auswanderung des Berechtiaten oder auS anderen Gründen weg- gefallen 186 650, sodaß am 1. Januar 1901 liefen 188 472 gegen 190,116 am 1. Oktober 1900. Invalidenrenten gemäß § 16 des Irma- lioenoersicherungSgesetzeS (krankenrentev) wurden seit dem 1. Januar 1900 bewilligt 667,. Da- von sind in Folge Todes, Wievereriangung der Erwerbsfähigkeit ober aus anderen Gründen weg- gefallen 1559, sodaß am 1 Januar 1901 liefen 5118 gegen 3988 am 1. Oktober 1900 »eh traaserstottungen sind bis zum 31. D-zemder 1900

hoier.; sie hat Verwandte, die unS unnerstützen, ohne die wir längst verhungert wären. Ihr wißt qar nicht, was das heißt: an einem Ort fein, wo einen ni-mand kennt und niemand einem hilft."

„Bittet den Herrn selber" —

Weber ließ sie nicht ausreden. Er richtete seine hagere Gestalt auf; feine matten Augen bekamen Glanz, und em so wildes Feuer des Hasses loderte in ihnen auf, daß Helene anfing zu begreifen, wie sehr ihrem Manne daran liegen mußte, den Menschen aus seiner Nähe zu haben. Aber sie erschrak über diese Offenbarung ismes Charakters nicht. Der Flamme in feinen Augen antwortete etwas in ihrem Inneren; etwas! das ! darin glühte und um sich griff, dessen Vorhanden, fein sie gerne vor sich selb«: vndorgen hatte.

„Bitten dürft Ihr nicht, Frau. Ihr müßt ihm sagen: es gäbe noch em Unglück und er selber sei Schuld daran, wenn er mich weiter wie ein wildes Thier herumhetzt. Ueberall redet er jetzt wieder von der alten erlogene» Geschichte in Burghausen, wo ich am Elnbruchdiebstahl I btthelliat gewesen fein soll. Ec will mich da- mals erkannt haben als einen von denen, bte davon liefen und will nur geschwiegen haben I h“ ' Deron Das hat er dem Schultheiß gesagt, wo ich Wohnung nehmen will und das ist doch gewiß und wahrhaftig eine Lüge. Und er weiß es auch. Aber ;o ein

Reicher, der darf lügen und thun, was er will,

! man giaubt ihm alles, er behätt immer Recht.

I „Wegen der Veron habt Ihr vorhin gesagt?

!Was ist das mit der Veron?"

Helene sah ihn mißrramsch an: „Zu suchen, habt Ihr hier aber nichts "

' Der Mann hatte die Thür vorsichtig ge- schlossen und war zu Helme zurück.ekehrt: »Ich habe mit Euch zu sprechen, Frau. Ick weiß, daß der Herr ausgegan <en ist und das F- aattin auch; das trifft sich biqacm für das, was ich Euch lagen muß."

„Wer seid Ihr denn?"

„Der Martin Weder."

Sie sah ihn aufmerksam an. Dieies an­scheinend ungefährliche, vom Schick,al zerschlagene Menschenkind war also derienige, den chr Mann immer als einen wahren Auswurf der Mensch­heit hinstellte? , „

„Frau, Ihr müßt mit Eurem Herrn sprechen, | redete der Marn weiter. «Ihr mußt ihm sagen, so ginge es nicht länger; er müsse mich in Ruhe

ßefene lächelte bitter. Wünschte Weber etwa, sie solle Fü bi te einleg-n für ihn? Wie wenig War Ich weiß, er will mich von hier wegschaffen, ich will aber hier blecken. Was er gegen mich oorbrinat. ist alle» nicht wadr."

I Wäre eS aber für Euch nicht allerwartS besser als gerade hier?" fragte Helene, der es ebenso aussichtslos vorkm. wenn Weber gegen ihren Mann hätte ankämpsen rote an dessen Jut« Hz» w.

I ä Bä«

I und krank; sie ist hnr aus der Nähe, auS Ost.r

allen darauf abzielenden Anträgen infolange I ihre Billizung versagen, als nicht die Ver­fassung der Gewerdegerichte eine durchgreifende Reoisivn erfahren hat, die de« Charakter deS Sondergerichts verwischt. Demgemäß bitten wir ehrerbietigst, sämmtlichen Anträge» vorerst die Zustimmung nicht zu Theil werden lassen. „Sondergerichte nennen die Herren vermuthlich die Gewerbegerichte deshalb, weil auch Arbeiter darin sitzen. Wenn sie bloß auS Arbestgeoern zusammengesetzt wären, würde der Arbeitgeber- bund an der Verfassung der Gewerbegerich e wohl nichts auSzusetzen haben, und weil die

I Arbeiter noch weitere Rechte erhalten würden, will er auch den Ausbau der Gewerbeaerichte nicht.

-1- In einem Artikel über die „Aufgaben des Liberalismus" i» der ,Berl. MontagS-Ztg.' berichtet der Reichstagsabgeordnete Roesicke- j Dessau: „Der Kaiser sagte mir schon vor I Jahren, als ich die Ausstellung für Unfall­verhütung leitete, eS handele sich vor allen Dingen dämm, dem Ar8citerßs«de die Heber* zeugung beizubriugru, daß er ein gleichdere^ tigter Stand im Staate ist." So etwas ist nichts für Scharfmacher. D?e »Berl. N. N erklären daher, „gleichberechtigter Stand im Staate" feien die Arbeiter schon, da sie das allgemeine gleiche Wahlrecht hätten. Sie ver- langten aber auch Gleichberechtigung gegenüber dem Arbeitgeber, und in dieser Beziehung habe unsere Sesetzqebunz neuerdings leider einen recht bedenklichen und keineswegs immer den sachlichen Verhältnissen entsprechenden Weg ein* geschlagen. Also Gleichberechtigung, „bte ich

X Kein netter SakettKttrs. Die offiziöse Mordd. Allgemeine Zeitung' findet es „in hohem Grade auffällig", daß im Anschlüsse an bte ReichStazSdebatten über Postsendungen mit polnischer Adresse von verschiedenen Blättern behauptet werde, der Reichskanzler Graf Bülow wolle einen „neuen PolevkarS" einschlagen. „Wir können — so schreibt das genannte Blatt — feststellen, daß diese Behauptungen völlig haltlos find. Als Reichskanzler rote als Ministerpräsident ist sich Graf Bülow drr Noth- j wendigkeit bewußt, in unseren Ostmarken dem deutschen Volksthum in einer berechtigten Ab­wehr gegen das llsberwuchern eines polit,;^ 1 feindseligen Polenthums zu Hilfe zu kommen und namentlich dort einzuschretten, wo staamche Organisationen zur Förderung nationalpolnischer Bestrtbungen gemißbraucht werden so «en. Des-1 halb wird auch der Reichskanzler Vorsorge treffen, daß in der Behandlung von Post- fenöungen mit polnischen Adressen eine feste und gleichmäßige Praxis beobachtet wird." Hai denn der Herr Staatssekretär des Reichspost­amtes selbst noch nicht dafür gesorgt? Nun werden die Hakaüsten und ihre Blatter wohl wieder zufrieden sein. Sie waren es gewesen, die über einen neuen und mildem Polenkurs em Mgliches Geschrei erhoben hattm.

h A« das fehlende Hlied z« finde«, den Affenmenschen, der dm Uebergang bilden soll vom Affen zum Mmschm, ist der be° kann e Professor Ernst Haeckei. aus Jena »ach der Insel Java gereist. Dort wollte ein jüngerer Naturforscher versteinerte Ueb>rrestr entdeck c haben, die man nach feiner Ansicht als das berühmte fehlende Glied in der Ent- wickslungSkette vom Affen zum Menschen an- sprechrn könnte. Herr Professor Haeckel ist in- dessen augenscheinlich von dem PithecanthropaB erectus. dem „aufrechten Lff.nmenschen", von dem nur ein Schädelstück und ein Oberschenkel vorhanden sind, sehr wenig erbaut, und so s winkt er denn nachträglich schleunigst ad: er Werbt in dem neuesten Hefte der »Deutschen Rundschau', er habe „zu seiner Ueberraschung" in den Zeitungen gelesen, fein Hauptzweck auf der Insel Java fei die Forschung nach dem Affenmenschen; aber das sei gar nicht wahr, denn «r wolle Plankton-Studien daselbst machen. Das Letztere mag ja auch wahr sei«. Jedenfalls ist eS mindestens ein halbes Jahr her, fetibem bie | Notiz von den Reisezwicken bes Professors Haeckrl in den Zeitungen stand. ES ist darum recht verwunderlich, baß der Gelehrte erst jetzt „zu seiner Ueberraschung" davon gelesen Haven will. Es ist eben wieder einmal nichts mit dem „fehlenden Gliebe". Das Glied fehlt und wird ewig fehlen, und wenn noch tausend Haeckels danach' suchen, die noch tausend mal klüger sind, als dieser Haeckel und noch tausend mal pfiffiger es anstellen, um durch „frijirie" Zeichnungen den Leuten etwas vorzugaukeln, waS sie selbst gar nicht gesehen haben, was sie aber gern gesehen haben möchten, weil es in ihren Kram paßt.

X Die ^§achtSü«1e« der ^ofi waren heute (Dienstag) wieder einmal der Gegenstand