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»nut un» Verla, 6t* Aalt«* *rtka>«*Wl Drtnwi« t!a. , CBareuiU).

28. Jahrgang.

• Die 12. Reich StagLkom Mission setzte am Freitag die Berathuug der von den Sozialdemokraten vorgeschlagenen Novelle zum Gesetze über die HrwerSegerichte bei § 3 fort, welcher bestimmt, für welche Arten von Streitigkeiten — ohne Rücksicht auf den Werth des Streitgegenstandes — die Gewerbe­gerichte zuständig fein sollten. Sowohl der sozialdemokratische Antrag betreffend der Gestattung dieses Paragraphen, wie auch ein vom Abgeordneten Trimborn (Centr.) eingebrachter, der den Grundgedanken der Sozialdemokraten in bessere juristische Form bringt, wurde abgelehnt, dagegen ein Antrag Trimborn (Emir.), der auch Streitigkeiten über Entschädigungsansprüche aus gesetzwidrigen Eintragungen in Arbeitszettel, Lohnbücher und Lohnzettel den Gewerbegerichten zumeist, ange« nommen. Ein fernerer Antrag Trimborn (Centr.), daß durch Ortsstaiut Streitigkeiten zwischen Dienstherrschaft und Gesinde dem Ge­werbegericht zugewiescn werden können, war den Sozialdemokraten nicht weitgehend genug, den Konservativen wegen der Anwendung auf das ländliche Gesinde unannehmbar und wurde schließlich abgelehnt.

h, N«faAMrfiHsr»-»g für dss Kesr. Dem BunseSrathe ist der Entwurf eines Unfall­versicherungsgesetzes für Beamten und Personen des Soldatenstandes zugegangen. Aus der Be­gründung der Vorlage ist folgendes hervorzu­heben: Nach dem Pensionsgesetz vom 15. März 1886 wird dafür gesorgt, daß den in unfallver- sicherungspflichtigen Betrieben beschäftigten Beamten der Reichsciviloerwaltung, des Reichsheeres und der Marine und den in solchen Betrieben be­schäftigten Soldaten eine Fürsorge gesichert ist für die Dienstunfähigkeit als Folge von Betriebs­unfällen. Diese Fürsorge soll derjenigen mindestens gleichwerthig sein, die den genannten Personen nach den Unfallversicherungrgesetzen zustehen würde. Die beabsichtigte Gleichwertigkeit ist seit dem 1. Oktober 1900 nicht mehr vorhanden, nämlich seit der Durchführung der neuen Fassung der Un­fallversicherungsgesetze ; deswegen soll dieselbe durch einige Erweiterungen der Unfallversicherung für Beamten uno Personen des Soldatenstandes wie­der hergestellt werden. Die Vorlage wird schwer­lich ernstlichem Widerspruche begegnen.

X Ki«e KrHöhrmg der Oapierzölks wird in einer Eingabe gefordert, die der Verein der Papierfabrikanten an den Reichs tag gerichtet hat. In dieser Eingabe wird befürwortet, den Zoll­satz, der gegenwärtig für Strohpackpapier und graues Löschpapier eine Mark beträgt, auf vier Mark zu erhöhen und den Zollsatz für Druck-, Schreib- und Löschpapier von sechs auf zehn Mark hinauMsetzni. Die Eingabe berührt ge­rade jetzt ergcnihümiich, da alle Welt voll ist von der Mittheilung, daß sammtliche Papiersorte« durch die Bemühungen des Papierfabrikanten- rmges nicht unerheblich vertheuert worden sind und sehr viele Zeitungen gerörhigt wurden, ihre Bezugspreise in Folge der Papiervertheuerung ebenfalls heraufzufttzen. Diese Theusrung für Druckpapier beträgt nicht weniger als ein Drittel der bisherigen Preise, und nun sollen auch noch die Zölle so ungemein vrrtheuert werden. Einen er Knall und Fall entlassen müssen. Zornig, er­hitzt kam er nach Hause und verlangte zu unge­wohnt früher Gründe nach seinem Essen. Sich in dieser Beziehung Vieles und Gutes zu leiste», ge­hörte zu den großen Freuden und zu den wichtigen Angelegenheiten seines Lebens.

Aber die Frau fehlte, die, wie Kälter ver­sicherte, eben noch in der Küche gewesen war. Er gab eine Verzögerung. Ungeduldig und übellaunig saß Blankenhorn mit Kreszenz zu Tische. Die Magd brachte eben die dampfende Suppenschüssel herein: da kam athemlo« und erhitzt Helene zurück.

Es stellte sich heraus, daß sie, auf ihres Manne» späteres Kommen rechnend, einer bettlägerige« alten Frau Suppe gebracht und sich dabei verspätet hatte. Da brach Blankenhorns Zorn los.

„Hab' ich Dir nicht viel hundertmal verboten, den Lindenhof zu einem Kosthaus für Bettler ein« zurtchten? Das ist das Erbtheil, das Du von Deiner Mutter hast! Saubere Eigenschaften, die Dir die Herren Eltern vererbt haben — Ver­schwendungssucht und Heftigkeit!"

Er sah, während sie vorlegte, in die Schüssel: „Natürlich, viel zu wenig drin! Alles wegen der verwünschten Schenkerei."

„Ich esse nichts. Kannst meinen Theil haben." „Einerlei. Es ist immer noch nicht genug für mich. Das bitte ich mir aus, daß dies Vergeude» aufhört. Verschwendung im Haus, in der Ziegelei kein Erträgniß. Wie soll ich dabei bestehen!"

Helene biß die Zähne aufeinander und schwieg. Ihr Mann aß schmatzend seine Suppe, die ihm schmeckte, und bei der nächsten Speise, die gelungen war, verrauchte sein Zorn. Kreszenz, die sich er-

Iuröa, Montag, den 11. Februar 1901

druckt: „Wir haben hier diesen Artikel vollinhalt­lich wiedergegeben, weil er uns bekannt ist, daß er sich mit einer in den besten Schichten der Be­völkerung weit verbreiteten Auffassung deckt, und weil auch an uns entsprechende Aeußerungen heran­getreten sind." Es sind die .Berliner Neuesten Nachrichten', dir diesen zuletzt angeführten Satz schreiben, wie man sieht, ein Blatt, das weiter von jeder grundsätzlichen Opposition gegen Maß­nahmen und Politik der Regierung entfernt ist, als die allermeisten anderen Zeitungen des Reiches. Man darf also mit vollem Rechte sagen, es handele sich hier um eine Volksbewegung, die so mächtig und gewaltig hervortritt, daß auch diejenigen Blätter sie nicht mit Stillschweigen zu übergehen wagen, die dem Kaiserthrone und der Reichs- regierung zunächst stehen.

ES handelt sich hier zum Theil um Hand­lungen der Machtvollkommenheit des Kaisers, über die der Kaiser nach der Verfassung sein eigener Richter ist. Nach gutem deutschem Brauche hält sich die Presse bei der Be- urtheilung solcher Handlungen in den Schranken, die ihr die schuldige Ehrfurcht vor dem Throne ausrrlegt und die sie nicht überschreitet. Nichts­destoweniger ist cs die Pflicht der Presse, auch darüber in dringenden Fällen innerhalb der ihr gezogenen Schranken ihre Meinung zu sagen und möglicherweise ist cs dem Kaiser nur an­genehm, auf diese Weise über die Stimmur-a des Volkes unterrichtet zu werden, da das aus andere Weife bisher noch nicht geschehen zu sein scheint, wenigstens nicht bis zur Rückkehr des Kaisers nach Deutschland. Denn die Stimmung ist die des ganzrn Volkes, ohne Unterschied der Stände, ohne Rücksicht auf die Stellung zu den verschiedenen politischen Parteien.

hohen Grade gediehen. Blankenhorn hatte in seiner Ziegelei äußerst unerquickliche Zustände an getroffen.

seinem Zusammentreffen mit der Schwester ge­wonnen, allein zugleich die Ueberzeugung, daß es schwer halten würde, der sich absichtlich fremder Einwirkung verschließenden Frau irgendwie nahe- zukommen. Er glitt über den peinlichen Punkt hinweg und erkundigte sich nach Julin«; freudig erwähnte er, wie es ihm aufgefallen sei, daß dessen Entschluß nachhaltigen Eindruck auf seinen Vater gemacht habe, so daß dieser schon einigemal darauf zurückgekommen sei. Es sei doch ein eigen Ding um die unerwartete Wirkung, die da« Thun des einen Menschen auf einen ihm sonst fernstehen­den auszuüben vermöge.

Das freundliche Gesicht de« alten Doktors zeigte Spuren tiefer Gemüthsbewegung; mit be­bender Stimme antwortete er, der Sohn fei wohl; er käme in einigen Wochen nach Wöhrnang. Seit dem vorigen Jahre sei er zum Priester geweiht; nun habe man ihm die Vergünstigung gewährt, noch einmal die Seinen aufsuchen zu dürfen. Er werde wohl das letzte Wiedersehen fein, fügte er schmerzlich bewegt hinzu.

„Das letzte Wiedersehen?" wiederholte Karl erschrocken.

Deutsches Keich.

Berlin, den 9. Februar.

+ Ms gekrankter» KoHterchärMsr. Die äußeren Erscheinungen beweisen, wie gut es war, daß die Koh len frage endlich einmal auf der Grundlage eines besonderen parlamrn- tarischcn Antrages systematisch bearbeitet werden konnte, nämlich des konssrvatioen Antrages im preußischen Abgeordnetenhause, der gegenwärtig unter dem Vorsitze des Centrumsabgeordneten Lllocha von einer besondern Kommission des genannten Parlamentes bearbeitet wird. Nach den Vorschlägen des Abgeordneten Lctocha geht die angestellte Untersuchung zunächst dahin, zu begründen, wer denn eigentlich dis Haupt­schuld trägt an der fortgesetzten Preissteigerung der Kohlen, nachdem der Ansturm auf die Kohlerworräthe der Hauptsache nach bereits vorüber war. Diese Art der parlamentarischen Untersuchung ist augenscheinlich den Kohlengroß' Händlern recht unangenehm. Schneller, als man es denken konnte, sind sie im preußischen Abgs- ordnetenhause mit einer Kundgebung auf dem Plane erschienen, die davon ausgeht, daß die Kohlenhändler „in ihrer S-axdesehre sich ge­kränkt fühlen", weil der preußische Handels- Minister Brefeld sie „ein notüwendigeS Hebel“ genannt Hst. Nachher aber schweigt dis Kund-

gebui g von der Standrsehre und wi d sehr prakt sch. Sie erzählt ganz merkwürdige Sacken von allerhand Leuten, die auf einmal die günstige Konjunktur ausgenützt und auch mit Kohlen gehandelt hätten; diese Leute sollen nach der Versicherung des Kohlenhändler-Verbandes an der Versteuerung der Kohlen schuld sein. Schade, daß man nicht gleichzeitig erfährt, wie die Menge der Kohlen, die diese neuen Leute auf den Markt brachten, sich verhält zu der Menge der Kohlen, die die Kohlengroßhändlrr kaufen und wieder verkaufen. Mehr als der tausendste Theil dieser letztem Masse wird dos schwerlich sein! Spaßhaft war es in diesen Tagen in einem Berliner Blatte zu lesen, daß die Stellung des preußischen Handelsministers deswegen erschüttert sein sollte, weil er die Kohlenhändler ein „nothrvendiges U bei“ nannte. Spaßhaft und doch auch wieder nicht spaßhaft; denn man steht daran in recht unerfreulicher Weise, wie weit der Uebermuth gewisser Händ- lerkreise gediehen ist. Hoffentlich tragen sie Arbeiten der Kohlenanlrags- Kommission des preußischen Abgeordnetenhauses recht viel dazu bei, dir einschlägigen Veriältniffe für ganz Deutschland zu klären und durch diese Klärung ähnlichen Kohlenwucher, wie er während bet jüngsten Zeit getrieben wurde, wirksam omzu- beugen. Die Kommission des preußischen Abge­ordnetenhauses hatte beschlossen, von der Staars- rrgterung Material über’ die Kohlenpreise rr ährend der letzten Jahre zu verlangen. Das verlangte Material wird im Laufe dieser Woche der Kommission zugehen. Dementsprechend hat Abgeordneter Letocha ols Vorsitzender der Kommission die nächste Sitzung auf Donnerstag den 14. d. Mts. angefttzt.

, + Die sozialdemokratische »Sächs. Ar- beiterztg.'ertheilt dem Gedanken eines Zusammen­gehens mit den freisinnigen Parteien bei der Mr8Lmpf«us der GeLreidsZöTs eine schroffe Absage. Sie Widmet den Freisinnigen u. A. fol­gende Liebenswürdigkeiten: „Mit Herrn Barth und seinen Freunden auf die Dörfer zu gehen, daZ ist ein fatales Unternehmen, da? uns ganz und gar nicht reizen kann. Man hat aus dem Lande einig? nicht ganz unberechtigte Gründe für unüberwindliche Abneigung gegen Alles, was Freisinn heißt. . . Durch ein Zusammenwirken mit der Agitation der Freisinnigen kann die Wucht einer Kundgebung der Arbeiterkreise nur verrin­gert, nicht verstärkt werden.... Mit diesen Herren kann man sich ein paar Wochen zu einem Ritt gegen ein unzüchtiges Gesetz (gemeint ist die lex Heintze) zusammenchun, aber nicht zu einem Feldzuge, der Jahre forderte

G Die Reichstpgskommission zur Vor- brrathung der Gesetzentwürfe eines Schaum- «fetoSen-esr^etes und betreffend den Verkehr mit Wein, weinhaltigen und wein ähnlichen Ge­tränken ist Gamstag Abend gewählt worden und hat sich konstituirt. Vorsitzender der Kom- Mission ist Dr. Paasche (natt.). Vom Centrum gehören der Kommission an die Abgg. Birsen- bach, Dasbach, Hofmann (Ellwangen), Müller- Fulda, Dr. Schmitt (Mainz), Schüler, Speck und WÄenborn. Zum Berichterstatter wurde Abg. Speck bestimmt.

Freundes Hand. Das ist Heldengröße, dachte er bei sich. So still und spurlos für die Allgemein­heit dies schöne Leben sich in die Ewigkeit ver­lieren wird: welchen Segen wird es in dem engen Kreise verbreiten, in dem der Mann sich bewegt. Er, der bereit ist, für das Kreuz zu sterben: wie viele wird er lehren, geduldig ihr Kreuz zu tragen. Den Gedanken laut zu Ende denkend, sprach er dem Doktor die Hoffnung aus, daß es Julius möglich sein werde, in seiner Vaterstadt eine Predigt zu halten. Das gesprochen« Wort, welches von der großherzigen That begleitet sei, müsse ja die Zuhörer mit sich fortreißen. „Ich knüpfe besondere Hoffnungen daran," bemerkte er bedeutungsvoll.

„Möchten sie in Erfüllung gehen!" antwortete der Doktor.

Ein paar Wochen waren für Karl in ange­strengter Arbeit vergangen. Seine Bemühungen geigten sich erfolgreich; allmählich kam Ordnung ,n das Chaos. Die Schuld an Blankenhorn konnte nun abgetragen werden; damit war ein großer Schritt vorwärts gethan. Von einer drückenden Seelenlast befreit, konnte man nun mit frischem Muth an die Arbeit gehen, konnte vielleicht Der« uchen, das Geschäft auf neuer, erweiterter Basis ortzuführen. Als Endpunkt aller feiner Träume aber schwebte ihm' Lina vor.

Frohgemuth, die Checks für den Schwager in der Tasche, begab sich Karl nach dem Lindenhof.

Die ungemüthltche Stimmung, die dort meist immer herrschte, war heute zu einem besonders

Die Augen des alten Herrn schimmerten feucht: „Er wirb nach Molskai zu den Aussätzigen ge­schickt und fühlt sich glücklich über diese Mission. Ich kenne ihn ja und wundere mich nicht über die Idealität seiner Auffassung, aber Sie werden begreifen, was es für mich als Arzt ist, zu wissen, was meinem Sohn beoorsteht . . . meinem schönen Sohn" . . . seine Stimme brach. „Man fügt sich ja in Gottes Ordnungen, dem Vaterherzen dünkt das Opfer aber übermenschlich."

Karl, tief bewegt, drückte stumm des alten Ein" paar Arbeiter waren entlaufen, einen hatte

D Monarch und Volk.

Verschiedene Ereigniffe während des Aufent­haltes des Kaisers in England haben allgemein und im ganzen deutschen Reiche großes Aussehen erregt. Voran unter diesen Ereignissen steht die Verleihung des Schwarzen Adterordens an den Höchstkommandirenden der britischen Armee, an den Feldmarschall Lord Roberts.

Düse m'ssällwe O .'densoerleihung ist an dieser Stells bereits besprach n worden. Aber noch ganz befer? ere Erwähn» -g und Würdigung verdient die T: atfa ouß das Parteiblatt brr preußi­schen Korsseroatinen, die,Kreuzztg/, wegen dieser Auszeichnung des britischen Oberbefehlshabers eine eingehende Betrachtung anftellt über das Thema: „Monarch und Volk."

„Wir freiten uns unseres starken KöniMums und wünschen, daß es ur.§ auf die Dauer erhalten bleiben möge/ so läßt sich das konservativ; Partei­blatt vernehmen. Aber die,Kreuzztg.' sühlt sich von schwerer Gorge darüber bedrückt, daß „die Empfindungen des Volkes vom Herrscher tmb leinen Rathgedern richtig ersaßt werden . . . . Diese Sorgen," so fährt die Kreuzztg.' fort, „be­ziehen sich namentlich auf die weitgehenden Nuf- merksamkeiten, die unser Kaiser!. Herr einzelnen Personen und Einrichtungen erwiesen hat. Man versteht es im Volke nicht, so wird gesagt (näm­lich in vielen Briefen, dis der,Kreuzztg.' aus streu - königstreuen Kreisen zugegangen sind), daß der K-i'.ser, indem er feine Ernennung zum briti­schen Feldmarschall dem Lord Roberts mrtthsslte, diesem Heerführer der Engländer gegen die Buren eine in ihrer Art einzig dastehende Auszeichnung erwies. Man versteht es auch nicht, so wirs weiter gesagt, daß der Monarch trotz der Belei­digungen, die ihm vor 5 Jahren aus Anlaß seines Telearemmis an den Präsidenten Krüger von den O fizieren seines brüi-chen Regimentes »»ge­fügt sind, j tzt diesem die g ößten Aufmerks-am- keiten entgegenbri.igt. Wir fhb der Meinung, daß derartig« Aeußerungen volle Beachtung ver­dienen, zumal in rhneu nach unserer Auffaffung Nchteitieobrrflächliche. . . AugenblickSbewegung, sondern ein in die Tiefe reichendes Empfinden des Volkes zum Ausdruck kommt."

Die Meinung, die die ,Kreuz-Zeitung' äußrrt, iß den weitesten deutschen Volkskreisen aus dem Herzen gesprochen. Sie wird sogar meist nach­drücklicher geäußert, als das genannte hochkon­servative Blatt sich da« gestattet; man kann sie aussprechen hören in allen Kreisen und in allen Schichten der Bevölkerung. Kurz und gut, selten wird eine Meinung in ganz gleicher Weise von so außerordentlich vielen Leuten in Deutschland getheili, wie gerade diesmal, die Meinung, daß Kaiser und Volk einander nickt verstehen in diesem einen Punkte. Und ein anderes Berliner Blatt, dss nicht selten in wichtigen Füllen zu offiziösen Aeußerungen bestimmter Regierungskreise benützt wird, bemerkt zu den Steuerungen der .Kreuz- Zeitung', die es in ihrer ganzen Ausdehnung ab«

Drrmoch Lmfmiirts.

Roman von L. v. Neidegg.

38 ------ (Nachdruck verboten.)

Karl war damit die Gelegenhe t gegeben, von der Schwester zu sprechen und zu erwähnen, wie ihn ihr Aussehen bekümmere; er verlangte zu wissen, war der Doktor von ihrer Gesunoheit halte. „Meinten S'.e wirklich, Herr Blankenhorn würde mich al« Hausarzt leiden?" sagte der alte Herr mit häutiger Mene. „Ich wurde nur zur Kon­sultation berufen, als nach der Geburt des Kindes es ganz schl-mm um Ihre Schwester stand. Sie hat eine zähe Natur und würde unter günstigen Umständen ihr gutes Aursehen gewiß bald wieder- gewinnen; zweifellos ist der leidende Zug in ihrem Gesicht meh auf moralische als auf physische Ur­sachen zurückzuführen/

Weiter checkte er Karl mit, wie man sich er­zähle, daß Blankenhorn sich oft recht unfreundlich gegen bie Frau zeige. Eine der Ursachen seiner Gereiztheit g^gen sie fei darin zu suchen, daß nach Ausspruch der Aerzte jede Hoffnung auf weitere Nachkommenschaft ausgeschlossen sei. Auch Geld­fragen trügen bei, ihn zu verstimmen; er habe Geld verloren in Spekulationen, habe viel in eine Ziegelei gesteckt, die wenig eintrage. Ganz im Vertrauen: sein Charakter habe sich verschlechtert, er sei allgemein verhaßt. „Ich nehme kein Blatt vor den Mund, damit Sie wissen, woran Sie find/ entschuldigte der Doktor seine offene Rede. „Sie sollten trachten, viel mit Ihrer Schwester zu ver­kehren; ich glaube, sie bedarf Ihrer/

Diese Empfindung hatte Karl allerding« von