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mif Ztnteröakkungs-Beilage „Illuffrirte Sonntags-Zeitung!'
Juköa, Samstag, den 9. Februar 1901
28. Jahrgang.
Groß* konnte
aber noch viel mehr Gotroertrauen." Ihr gegenüber saß ein neunzehnjähriges Mädchen, emstg mit einer Näharbeit beschäftigt und nur zuweilen einen Blrck v»ll Liebe und Sorge auf bi« Alte werfend, so Kebeooll, als wäre es ibre Tochter gewesen. Aber es war nur ein fremdes Waisenkind, welches seit zw.-i Jahren ouf dem Bramhofe diente- Ibb jetzt war der Bi>ck des Mädchens ganz verwirrt und rathlos, Venn p ötzlich batte die Alte sich aufgerichtet und ihr mattes Auge leuchtete auf und eins Thräne glänzte auf der gefurchten Wange.
„Gertrud," sagte sie, „was ist daS für eine Melodie? Mir kommen die Thränen mit Gewalt. DaS ist das Lied, welches mein Sohn mir immer vorsang, als der Vater gestorben war. Kannst Du den Spielmann nicht rufen?"
Dieser kam und spielte noch einmal und noch einmal, und eben legte Gertrud auf der Großmutter Geheiß ein kleines Geldstück und ein Butterbrod in seine gebräunte Hand, als die Seitsnthür heftig aufgestvßen wurde.
Mit zornflammendem Gesicht kam der Bauer herein, die Bäuerin mit ihm. Die schwere goldene Uhrkette zitterte auf seiner Brust, erregt schwang er den Knotenstock gegen den fremde« Eindringling.
„Mensch, mir aus de« Augen, oder ich wll Dich zu Deinem Dudelkastrn tanzen lehren . . . Und Du, alter Satan!" wollte er die Mutter anschren, aber t$ war nicht mehr »örhiz. auf Gertrud gestützt, wankte saS gebrochene Weib still in sein Schlafgemach.
Der Spielman« harte dar ungastliche HauS
schon verlass?«, und draußen von den andere» HSfen her hörte man dis Orgeltöne. Der trübe Tag würde für dis Alte noch einen trübere» Schluß gehabt haben, wenn ».cht zum Glück der Bramhof in großer Aufregung gewesen wäre. Am andere« Tage sollte der „Amerikaner* kommen, der steinreiche Amerikaner, der große Kaufherr von ($ rehrnti. Der B amhof sollte seinen eigentlichen Herrn und Besitzer wieder« sehr«, Großmütterleins einzigen Sohn, der auf sechs Wochrn seine Mutter und seine entfernte» Verwandten, den jetzigen Pächter und Verwalter des Gehöftes besuchen wollte.
Und früh am anderen Tage standen Bauer und Bäuerin und ihr im Werfen so geschickter Knabe dort am Einfahrsthor neben der Weiß« dornhecke.
„Jetzt heißt es aufgepaßl, Weib!" flüsterte der Bauer. „Ersten- darf er sich nicht verhei« rathen. Zweitens muß er dieses Kind zum Erbe« ei-setz?n. Drittens muß er sehen, daß wir seine Mutter auf Händen tragen."
Der Knabe war nicht angeredet, auch er nickre verständnißmnig; er war überhaupt ei» sehr „kluger" Junge.
Gut, daß die Instruktion für Weib und Kind kurz war, denn auf der Anhöhe des gegen« Lb^rliegenden Hügels wirbelte ein Staubwolke empor, zwei prächtige Rappe» stürmten den Weg hinab, ein Wagen so schön, wie das Dorf «och nie einen gesehen, H elt am Thore und ein statt» licher Herr war auSgestiegen. Er gab seine» Bedienten den Auftrag, daS Gepäck ins Hau» zu schaffen, wechselt« mit dem Bauern eine»
Wohl auch die Nachtigall." Am Herdfeuer saß die achtzigjährige mutter und strickte. Im vorigen Jahre _______
sie noch spinnen, aber ein Zweig nach dem andern siel von dem morschen Stamme; spinnen konnte sie nicht mehr. Die Zeit schreibt jedem Menschenkrn'de seine Geschichte ins Antlitz, bald mehr bald minder deutlich. Hier hatte sie sehr deutlich geschrieben: „Biel Kreuz, viel Thränen,
Die Drehorgel.
A« der Weißdorndecke, welche bk Wiesen deS BronchoseS umsäumte, schleppte sich ein Drehorgeispieler hin. Er mußte in früheren Jahren ein stattlicher Mann gewesen sein. In den scharfen Zügen des Antlitzes und dem Feuer der Augen waren noch Spuren der befferen Zeit zurückgeblieben, aber jetzt war er ganz herunte'gekommen. Der strupp-ge Bart, das wirre Huar, di« vernachläsfittr Kleidung »erriechen nur zu deutlich, daß er jene Station erreicht hatte, wo die Hoffnung für immer enret. Ein letzter Ueberrett au< der alten Zeit schien seine Orgel zu sein. Düs Gehäuse derselben war von feinem Ebenholz geschnitzt, die metallenen Pfeifen blitzten in der" Bonne v»d der Klang war von unvergleichlicher Fülle »«d Schönheit. Alt und jung lauschte auf die wundersame Melodie, wir sie schwebte' und mächtig schwoll und so herzergreifend klagte:
„ES sang in allen Jahren Wohl auch die Nachtigall "
Ter Drehorgelmann halte daS Ende der Hecke erreicht und wollte eben seinen Weg zu dem stattlichen Bramhof, dem größten der DorseS «rhmen, als eine Knabenstimme von dem EinfahrtSthore her rief: „Brauchst gar nicht zu kommen "
„Warum denn nicht?"
„Vater und Mutter find nicht z« HauS und daS alte Vieh von Großmutter ist halb taub und hört doch nichts."
je Gewerblicher Kinderschuh bildet, wie bekannt, den Inhalt eines Gesetzentwurfes, der vom Reichsamte des Innern vorbereitet wird. Dari» soll, wie verlautet, fest« gesetzt werden, daß in der Hausindustrie die Eltern die eigenen Kinder nicht vor dem vollendeten zehnten Lebensjahre beschäftige» solle«, während die Altersgrenze für anbete Kinder noch um einige Jahre höher angesetzt werden soll. Bisher kümmerte man sich in der Gesetzgebung gar nicht um die Beschäftigung der Kinder durch die eigenen Eltern. I« der Gewerbeordnungsnovelle' von 1891 ist sogar ausdrücklich gesagt, daß die Kinderschutzbestimmungen auf diejenigen Werkstätten keine Anwendung finden sollen, in denen der Arbeitgeber ausschließlich Personen beschäftigt, die z» semer Familie gehören. Mit diesem Grundsätze soll also durch daS neue Kinderschutzgesetz vollkommen gebrochen werden, eine Aenderung der Anschauungen, die jedermann mit Freude begrüßen wird, der ein wahrer Freund der Jugend ist und die haarsträubenden Zustände kennt, die zum Theil in der Haus-Jndustrie herrschen.
Dir Ergebnisse der jüngst angestellten Erhebungen über die Kinderarbeit überraschen i» mehr alS einer Weise, aber in keinem Stücke au» genehm, sondern nur unangenehm. Mehr als eine halbe Million Kinder sind außerhalb der Fabrike» gewerblich thätig; davon rund 300,000 in der Jndust'ie, etwa 170,000 als Austräger, Lausmädchen und dergl. mehr, 20 000 in Schankwirth« schäften und Gasthäusern, 18 000 im Handels« gewerbe u s. ». Daß die Z ffrrn der gewerblich beschäftigten Kinder in verschiedenen Gegen« den sehr verschieden sich gestalte», versteht sich von selbst. Mit am höchsten find sie in Berlin. Dort steigt bei Prozentsatz der gewerblich beschäftigte» Kinder auf 13 vorn Hundert.
In einer-Denkschrift wendet sich nun die Re« gierunz an eine Reihe von Behörden und Fachleuten, um von ihnen eine Meinung zu höre» Über daS Eingreifen des Staates in diese Verhältnisse. Gleichzeitig gibt diese Denkschrift einige Andeutungen Über die Grundsätze, auf denen die Regierung den geplanten Gesetzentwurf im Allgemeinen aufzubauen gedenkt.
Eine mäßige Beschäftigung der Kinder wil man nicht durchweg unmöglich machen, und daran hat bisher wohl auch noch Niemand im Ernste gedacht. Es wird vielmehr nur gut und nützlich fein, wenn die Kinder vor Müßiggang bewahrt bleiben und allgemach, je nach ihren persönliche» Kräften, an Fleiß und Sparsamkeit gewöhnt werden. Auch kann unter Umständen der Verdienst der Kinder nothwendig werden zur Erhaltung der Familie. Nur darf die kindliche Arbeitskraft niemals, auch von den eigenen Ellern de« Kinde« nicht, in ungebührlicher und übermäßiger Art und Werse ausgebeutet werden; und außerdem muß darauf geachtet werden, daß die Sittlichkeit der Kinder nicht durch ihre Beschäftigung und durch die Umgebung, in die sie diese Beschäftigung führ^ in Gefahr gebracht werden. Wenn die Regierung, wie berichtet wird, die Beschäftigung fremder Kinder erst vom vollendeten 12. Lebensjahre a» gestatten und bestimmt wiffen will, daß die täg-
Wochen-Wunöschcm.
(Rachsruck verboten.)
X Fulda, 9. Februar.
Nach einem unerwartet langen Aufenthalte in England ist Ka i s e r W il h e l m wieder in die Heimath zurückgekehrt, begleitet von dem Kronprinzen, der bekanntlich feinem kaiserlichen Vater alsbald gefolgt war «nd auch der Beisetzung der Königin Vikloria bei» gewohnt hat. Leide, ist die Beisetzung der Wittwe von Windsor, wie einst die Königin genannt wurde, nicht ohne schwere Unfälle vorüber gegangen, verursacht durch den ganz Ungeheuern Zusammenlauf von Menschen. Die Pferde, die vor das Gefährt gespannt waren, das den Sarg mit der Königin von dem Bahnhofe nach Schloß Windsor bringen sollte, wurden scheu. Sie waren vorher kalt geworden und waren darum unbändig. Schleunigst mußten die Thiere, um einen peinlichen Auftritt zu vermeiden, ausgespannt werden. Hundert Marinematrosen, die in dem Trauerzuge sich befanden, griffen zu und brachten das Gefährt mit dem Sarge nach der Schloßkapelle in Windsor. Ein Offifier brach, wohl in Folge der Ueberanstrengung vom Schlage getroffen zusammen. Linern Po «zisten wurde durch eines der wild gewordenen Pferde das Ruckgrad gebrochen. Etwa 50 Menschen mußten in Folge der erlittenen Verletzungen in Krankenhäuser verbracht werden. Ein eigenartiger Umstand ist es, daß die Pferde grade an jener Stelle scheu wurden, an der Roderick Maclean vor Jahren auf die nunmehr verewigte Königin schoß. Es konnte nicht fehlen, daß in manchen englischen Blättern wieder die alte Mär auftauchte von dem Abschlüsse eines Schutz- und Trutzbündniffes zwischen Deutschland und England ; für einsichtige Leute braucht nicht von neuem wiederholt werden, daß davon keine Rede ist. Die Besuche des Kaisers in England sind de« Monarchen persönliche Angelegenheit und hängen nicht mit der Staatspolitik zusammen. Außerdem bleibt «bzuwarten, ob das Verhältniß des Kaisers zu dem britischen Hofe des Königs Eduards des Siebenten dasselbe bleiben wird, wie zu dem Hofe der Königin Bittoria. Daß die britische Politik durch den Tod der Königin fürs erste keine Veränderung erleidet, ist selbstverständlich.
Während der Abwesenheit des Kaiser« bat im preußischen Abgcordnetenhause die Berarhung eines Gesetzentwurfes begonnen, von dem man bisher immer annahm, daß der Monarch ganz besonderes Interesse für ihn hege, nämlich die erste Lesung der Kanalvorlage. Dieselbe ist einer Kommission zur Vor- berathung überwiesen worden, die nun schwere, um» stündliche und lange Arbeit damit haben wird. Welches da« letzte Schicksal der Kanalvorlage sein wird, weiß heute kein Mensch zu sagen. Aber darüber haben die Redner des Centrums und der beiden konservativen Parteien keinen Zweifel gelassen in ihren Ausführungen, daß sie die schwersten Bedenken gegen den Gesetzentwurf in der Form hegen, in der er von der Regierung eingebracht worden ist. WaS das Centrum will, hat dessen Redner Dr. am Z e h n h o f f ganz klar und deutlich gesagt: Kanalisirung der Lippe anstatt der Emscherthal-Linie, Kanalisirung der Mosel, bündige Zusagen über die Maßregeln, die die Regierung zu ergreifen gedenkt zum Schutze der rheinischen Landwirthschaft, die von der Ausführung der geplanten Wasserstraßen einen erdrückenden Wettbewerb der östlichen Landwirthschaft fürchtet. Daß der masurische Kanal und oie Kanalisirung der Lippe und der Mosel in der Vorlage fehlen, hat in seiner Rede auch der nationalliberale Abg. v. Eynern bedauert,
auf den Eintritt einer ernstlichen Beruhigung vergeblich bleiben. Zusammenschluß aller Deutschen und aller verfassungsmäßig gesonnenen Elemente gegen den revolutionären Ansturm der Tschechen — das ist jetzt die nothwendigste Forderung der Gegenwart in Oesterreich Werden diejenigen, die es etwa- angeht, den Nothschrei der österreichischen Völker richtig deuten und danach handeln?
Von Interesse namentlich für uns Katholiken ist es, daß die katholische Volkspartei ihren Namen umgeändert hat in den des Centrumsklv bs. Das bedeutet gleichzeitig auch einen parlamentarischen Stellungswechsel. Denn damit hat diese Partei aufgehört, ein Glied in der alten eisernen Kette der parlamentarischen Rechten zu sein; sie will fortan in der Mitte stehen zwischen rechts und links und sie will nach der Ankündigung in ihrem neuen Programm nachdrücklich für die Rechte des deutschen Volkes ein reten und unberechtigte Angriffe gegen dasselbe abwehren.
Das serbische Parlament, die Skuptschina, hat seine Einwilligung gegeben zu einer Umgestaltung des HeereS. Diese begeht hauptsächlich in einer Herabsetzung der regelmäßigen Dienstzeit bei der Infanterie auf achtzehn Monate; bei der Artillerie und Kavallerie soll die Dienstzeit von zwei Jahren bestehen bleiben. Zum Ausgleiche dafür sollen alljährlich große Manöver abgehalten werden mit starker Heranziehung von Reservemannschaften, um auf diese Weise sowohl diese zu üben, als auch die Offiziere auszubilden in der Führung großer Truppenkörper.
Ein besonderer Gesetzentwurf gegen anarchistische Verbrechen ist dem italienischen Senate zuzegangen, zu dessen Empfehlung der Justizminister Gianturco angeführt hat, daß die Regierung damit keine reaktionäre Maßregel beabsichtige, sondern nur ihre Pflicht thun wolle in der Ber- theidigung der menschlichen Gesellschaft. Man sagt, die italienischen Behörden seien auf einmal ei er ganzen Reihe von neuen anarchistischen Anschlägen auf die Spur gekommen, so auch einer Verschwörung gegen das Leben des Herzogs der Abruzzen. Es ist nun sehr die Frage, ob der gegenwärtige Ministerpräsident Sara cco die Verabschiedung diese« Gesetzentwurfes als Haupt der Regierung erleben wird. Sein Ministersessel ist wieder einmal ganz bedenklich ins Wanken gerathen.
Je länger die Verhandlungen über das sogenannte Vereinsgesetz in der franz ösischen Deputirte nkamer dauern, desto deutlicher und klarer treten die wahren Absichten derer zu Tage, auf deren Drängen der Gesetzentwurf gemacht worden ist: Diese Absichten zielen auf die vollkommene Vernichtung und Vertreibung aller Orden und OrdenSniederlaffungen in und auS Frankreich hin. Leider ist die Annahme de« Gesetzes nur zu wahrscheinlich; und dann geht Frankreich traurigen Zeiten entgegen.
Der neueste unter den unzähligen Arbeiteraus* ständen in Frankreich war ein Streik der Angestellten der unierirdischenPariser Straßenbahnen. Der Ausstand war aber sehr schnell wieder beendet, ohne daß die Streiker ihre Forderungen bewilligt erhalten hätten; es meldeten sich sofort Tausende von Leuten, um als neues Personal angestellt zu werden.
Vorn südafrikanischen Kriegsschauplätze ist nichts NeucS von Bedeutung zu berichten.
Aus China wird gemeldet, Graf Waldersee habe vorgeschlagen, alle Jahre mit dem Ober- kommandv zu wechseln. Nach Waldersee müßte nun der Angehörige einer andern Nation an die Reihe kommen. Vermuthlich wird daS schlimme Abenteuer noch sehr lange dauern!
wohl der wärmste Kanalfreund, den das preußische Abgeordnetenhaus aufzuweisen hat.
> Der Reichstag hat sich auch während der letzten Tage mit der zweiten Etatslesung beschäftigt und zwar mit dem Etat des Reichsjustizamtes, nachdem endlich der Etat des Reichsamtes des Innern nach vierzehntägiger Berathung ganz und wirklich erledigt worden war. Dieser Etat hat nun auch keine Veranlassung gegeben zu erneuten Erörterungen der Getreidezollfrage. Dagegen hat die württem- bergische Abgeordnetenkammer mit überwältigender Mehrheit einen Antrag angenommen, in dem die württembergische Regierung aufgefordert wird, im Bundesrathe nachdrücklich für den der Landwirthschaft nöthigen Zollschutz einzutreten. Der Antrag war vom Centrum ausgegangen; es haben dafür, was das Be- merkenswertheste an der Sache ist, auch sechs Mitglieder der süddeutschenVolkspartei gestimmt, und andere Parlamentarier derselben Partei, so der bekannte Abgeordnete Hausmann, der auch dem Reichstage angehört, haben geäußert, eine Erhöhung der bestehenden Getreidezölle sei in ernstliche Erwägung zu ziehen. Man ersieht daraus, daß der Macht der Thatsachen auch solche sich nicht entziehen können, die gar nicht gern auf die Erhöhung der Getreidezölle sich einschwören lassen ; und man darf daraus wohl den weiteren Schluß ziehen, daß die Schaar der Getreidezollgegner bis zur Berathung der neuen Zolltarifgesetze im Reichstage noch erheblich zusarnmen- schrumpfen wird.
Am 1. Februar ist die neue Tagung des Landesausschusses für Elsaß-Lothringen durch den Staatssekretär von Puttkamer eröffnet worden. Wie in allen Einzelstaaten, so weisen auch die Finanzen in Elsaß - Lothringen einen Ueberschuß auf. Von diesem hat der Staatssekretär gesagt, daß er im Interesse der Rechtspflege verwendet werden solle. Bon Interesse ist die Mittheilung deS Herrn Staatssekretärs, wonach demnächst zwischen den Uferstaaten Bayern, Baden und Elsaß - Lothringen eine Einigung über die Regulirung des OberrheinS zu erwarten ist.
Oesterreich hat seinen ReichSrath wieder — doch fragt mich nur nicht wie! Gleich am allerersten Tage hat eS Auftritte der wüstesten Art gegeben: Radikale Tschechenabgeordnete schrieen die Minister an, sie seien alle Esel, und als der Alterspräsident einige Worte dem Andenken der verstotbenen Königin Viktoria von England widmen wollte, entstand ein ebenso wüstes Lärmen bei den radikalen Deutsch- nationalen, die „Heil den Buren" riefen und in ein johlendes Beifallsgeschrei ausbrachen, aiS e ner ihrer Häuptlinge, der berühmte Abgeordnete SMf, den Lärm noch überschrie mit den Worten: „T r Teufel hole die Königin Viktoria!" In wohltuendem Gegensätze zu diesem wüsten Toben steht die Thr on- rede, die Kaiser Franz Joseph zur Eröffnung de« Reichsrathes an diesen gerichtet hat. Diese betont vor aller Dingen, daß die Regierung nichts zu thun beabsichtige gegen den Geist „der Verfassung, und daß sie von dem Reichsrathe die Ausrüstung mit den nöthigen Vollmachten erwarte, um in dringlichen Fällen die geeigneten Maßregeln zu treffen. Außerdem kündigt die Thronrede sehr löbliche Resormabsichten der österreichischen Regierung auf wirthschaftlichem und sozialpolitischem Gebiete an: Erschließung neuer großer Verkehrswege, Errichtung von guten Arbeiterwohnungen, eine Alters- und Jnva- liditälSversicherung, so daß im allgemeinen Interesse Oesterreichs gar nichts mehr zu wünschen ist alS die „ernstliche Beruhigung", von der die Thronrede die Erwartung ausspricht, daß sie im Reichsrathe ein« kehren werde. . . . Wann wohl? Zunächst geberden sich die Tschechen, wenn das möglich ist, noch toller als gewöhnlich, weil in der Thronrede auch von der Erhaltung der Einheitssprache die Rede ist; und vorläufig wird leider die Hoffnung
„Wie? In solcher Weise magst Du von Deiner Großmutter sprechen?"
„Warum denn nicht? Solltest mal hören, wie Vater und Mutter danon sprechen. „AlteS Vieh," das ist noch gar nicht«. „Älter Satan,* „alte H xe," „vermaledeites Luder" sagen sie, uns wenn sie dann noch nicht hören will, geben st; ihr einen Fußtritt und wenn auch daS noch nicht hilft, werfen fie ihr eire Rübe an de« Kopf, steh', so!"
Der Knabe warf nicht ungeschickt, daS mußte man zugebe«. Gr hatte von Anfang un mit einer dicken Wurzel nach dem Kopf des Prehorgelmaunes gezielt und führte den Wurf mit einer so meisterhaften Gewandtheit auS, daß der durchlöcherte Hut des arme« Epielmannes weit hinweg flog. Hämisch lachend schlenderte das Kind in dis Wiese.
Der Drehorgelmann konnte nur mit Mühe seinen vom Wind fortgetriebenen Hut wieder erhaschen. Dann trat er durch das große EinsahrtSthor auf den weiten Vorplatz des Bramhoses und schwermüthiz klagte dir seltsame Weise:
„Es sang in alte« Jahren
M!