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Jutös, Freitag, den 8. Februar 1901

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«WM

Sttm» ersten freien Augenblick benutzte Karl, um Sina aufzusuchen. Str hatte noch immer dir alte Wohnung inne, in der es jedoch ungleich br- heglicher auSsah. Crrt einiger Zeit ging fir nicht länger ttt’ß Haus zu ihren Kunden, sondern arbeitete dahri« für sie. Die Leute nannten das einen jwkifrlhastrn Fortschritt, denn auf diese Weise müsse das Kerfen und Klagen der Mutter ihr fortwährend in den Ohren klingen. Sie war jedoch mit dieser Eisrichtung ganz zufrieden, freute sich, zur Hand zu sei«, so ost die Mutter ihrer be­dürfe und ließ sich die heitere Laune nicht trüben, «achte die alte Frau noch so unablässig schelten. Rosig und frisch saß sie an ihrer Maschine, ein Bild frohsinniger Genügsamkeit. Als nun gar die bekannte, schmerzlich entbehrte Stimme ihr zurief: „Grüß Kott, Sisal Bist Du nun mit mir zu­frieden, kleine Tyrannin?" da erstrahlte ihr Ge­sicht. Mit einem Frrudenrufe sprang sie aus und bem Eintretenden entgegen.

„Du hier! Du wirklich wieder hier!" wieder­holte sie einmal um das andere. „Welches Glück! Lud nicht wahr, nun bist Du doch auch froh, ge- kommsA za sein?"

Das Glück leuchtete ihm aus den Augen, «ls er, ihre Frage bejahend, sie in seine Arme schloß. E? hatte ihm wohl sehr schwere« .Kampf gekostet, auS der Stellung za scheuen, •feie ihm für Gegenwart und Zukunft so viele Dorther!- bot. Srit er «brr hoffen durfte, sei«

m dem Punkte der Sittlichkeit in der Schule sah e$ doch erheblich besser aus, als in unseren Tagen; und was hätte damals die Welt gesagt, wenn Jemand für die Schule einen „sexuell-hygienischen Unterricht" verlangt hätte? Dieser Jemand würde vermuthlich in die Erfahr gerachsn fein, in einem Narrengewande rückwärts auf einen Esel gesetzt und zum Gespötts der Jugend durch die Straßen geführt zu werden.

Solche Verschrobenheiten find der beste Beweis dafür, daß man heutzutage in den Kreisen unserer modernen Welt wohl scharfe Sv gen hat für das Elend, für die Schattenseiten, für da» Unglück unserer Zeit und ihrer Kinder, daß man aber vollkommen im Dunkeln tappt mit dem Gedanken darüber, woher all das Elend eigentlich kommt, und wie ihm am besten abgeholfen werden könnte. Das Hst an demselben Abend in derselben Ver­sammlung ohne eigner Wissen eine vierte Rednerin zum Ausdrucke gebracht, deren Name dafür bürgt, daß wir es in ihr mit einer an sich guten, wohl- msinenden und ohne Zweifel sehr klugen Frau zu thun haben: Frau Lina Morgenstern. Diese h«t ein ganz offenes Bekemttniß abgelegt darüber, daß sie unsere ganze Zeit und deren wahre Be- bürfniffe nicht begreift. Frau Lina Morgenstern kann es nicht begreifen, doß „inunserer Zeit, wo Technik, Kunst, Wissenschaft sich immer licht­voller gestalten, die ethische Verfinsterung, die Verderbniß der Sitten, immer schlimmer wird".

Ja, das ist es: sie können es nicht begreifen. Sie geben sich nach ihrem Sinne alle Mühe, unsere Zeit und ihre Sitten zu bessern — aber alles hilft nicht«. Die Schulen stehen auf einer Stufe hoher Vervollkommnung; die Technik der Unterrichtes und die Hilfsmittel, die diesem Letztem zur Seite stehen, sino vortrefflich; der Eifer aller Betheiligten ist aufrichtig und ehrlich und lobsnk- werlh — aber sie müssen ihren Banksroit er­klären: die ethische Verfinsterung macht unauf­haltsame und unheimliche Fortschrttte, und ratdlor stehen die berufenen Helfer da, ohne zu wissen, womit und wo fie zuerst helfen sollen.

Auf die einfache Wahrheit kommt R emand, daß daS Christenthum fehlt, da« b < Herzen durchglüht und läutert und stark macht geu Un­sittlichkeit und unsittliche Verführung. Sr rd denn niemals die Zeit kommen, in der diese tt age Er- kenntniß al« ersehnte Retterin machtvoll am Himmel der Gezenwart wieder aufleuchtet.

Dermsch rmfMärts,

Roma« vs» L. v. Neidegg.

------ (Nachdruck verboten.)

Die Vertdrilunß soll vom R rchska^z er o >er oeffen Stellvertreter unter der Mttwttkunz eise« Äeirathes erfolge«, der an? verzehn Mit» gliedern bestehen soll, »o« denen der Bundes» rath vier aus feinen Mitgliedern, sechs au« ben Kreisen der Urh-ber snb Verleger, bet ReickStag vier au« seines? Mitgliedern wählt. Alle fünf Jahre soll eine Neuwahl sämnttlicher Mitglieder' stattfinde». Eme E nigu'ig ko-mte am heutigen ®osxei«tag nicht erzielt werde». Nameutiich von den Natiouallcheralen und Freisinnigen wurde der Antrag scha f bekämpft. Schließlich wurde zur Borberathung des Äu- traaeg eine Unterlommtffion eingesrht.

X Ai- der Ussi-

afstke»te« wurde am heutigen Donnerstag in der Budgttkcmmrsfion de« Reichstage» bei der fort­gesetzten Berathung der Postetat» wiederum zur Sprache gebracht. Der Abg. Dr. Müller-Saga» regte im Interesse der Postassisientkn a«, man möge die höhere Steigerung des Gehalte» an den An- ang anstatt an das Ende verlegm und, wen« nöthig, einen besonderen Aurqabebetrag dafür ix den Etat einsetzen. Staatssekretär von Povbi- elski sprach aber gegen diesen Vorschlag, und zwar, wie er satte, aus finanzpolitischen Gründen. Uebrigens, setzte er hinzu, eine Lösung der Frage sei innerhalb mcht allzu ferner Zeit zu erwarte». Auch der Staatrs.kretär de« Reichsschatzamte», Frh. von Thielmann, warnte vor der Sm-- etzung einer entsprechenden Summe in den Etat aus Rücksicht auf die ungünstige Fin-nzlage und au« Rücksicht auf die etatsrechtlichen Bräuche. Abg. Gröber vom Centrum legte dar, daß der Reichstag durchaus berechtigt ist, neue Positionen in den Etat ei»« zusetzen. Aber im vorliegenden Falle scheint auch ihm ein dringender Grund dazu nicht vorhanden zu sein. Die württembergisch-n Postassistenten bei­spielsweise würden froh fein, wenn sie so gestellt wären, wie die Postassistenten bei der Reichrpoft. Abg. Müller-Fulda (Certtr.) meinte, man möge doch lieber manche Postbatten weniger prachtvoll bauen und dafür dir Lssistenten besser bezahle». Schließlich wurde der Antrag des Abg. Dr. Müller-Sagan, die Mehrsumme zur Aufbesserung der Afsistentengehalte in den Etat einzusetz-n, ab» gelehnt. Einstimmig wurde dagegen ein von de» natl. Abg. Bassermann eingebrachter Antrag angenommen, die Gehaltsskala der Ober-Tele­graphen - Assistenten, Post- und Telegraphen» Assistenten und Postoerwalter statt auf 1500 1700, 1900, 2100, 2300, 2500, 2700, 3000 Mk. festzusetzen auf 1500, 1800, 3000, 3300, 3400, 3600, 3800, 3000 Mk. Angenommen wurde außerdem eine vom Abg. Müller-Saga» beantragte Resolution, in der die Regierung ersucht wird, auf Abkürzung der diätarischeu Dienstzeit und auf eine Verbesserung der An» stellungsverhältnisse der nicht etat»mäßige» Ass ist ent en bedacht zu fein.

Aus Anlaß der neuen Postversügu»- wrgen der pokxischeN ILri-faukschristet» hat sich mancher Hakatistsrr große Aufregung be­mächtigt. Sie sehen schon eine Schwankung der PottrpoMk kommen und schlagen Lärm. Tiner soll in feiner Verzweiflung schon vorgrschlage» haben, man solle ein Komitee bilden, das die Abwanderung der Deutschen aus ben Ostmarken

„Mutter!" fiel Lina vorwurfsvoll ein. „Wes­halb da» berühren?"

„Warum sollte ich davon nicht sprechen dürfe»? Er soll es wissen, soll erfahren, *a» Du ihm opferst."

„Ich hoffe, ihr die Opfer lohnen zu könne», sagte Karl, zärtlich zu Lina hinabblickend, „auf Händen will ich sie tragen, wenn fie erst »eine Frau geworden ist."

Unwillkürlich fühlte er sich aber verstimmt durch die immer anzüglicher werdenden Heben der alte» Frau und kürzte seinen Besuch ab.

Lina folgte ihm nach dem Flur. Sie w« sehr ernst geworden. Draußen legte sie die Hand auf seinen Arm und sah ihm mit den ehrlichen Augen voll ine Gesicht.

„Karl, mir kommt die Beforgniß, ob es nicht unrecht au Mr gehandelt ist, wenn ich Dich a» mich binde," sagte sie sehr ruhig, ohne jeden In« flug von Phrasenhastigkeit. „Die Mutter ist recht eigen. Sie kann ja gar nicht anders fein bet ihrer sortxesitzten Kränklichkeit.... aber ich habe nicht das Reckt, sie in Dein Haus zu bringen, so wenig als Rosa sie ihrem Manne gebracht hat; und sie allein zu kiffen .... bringe . . . . ich auch nicht über'« Herz."

Ihre Stimme, anfangs klar und sicher, war immer leiser geworden, sie brachte die l tzten Worte k«um mehr heraus; in ihren Augen schimmerten Tbränen, die Hand, welche aus Karl's Arm ruhte, bebte leise.

„ODu gutes, viel zu gutes Linerl, red' nicht so thöcicht," rief Karl, zog sie an sich und küßte ihr die frischen L-ppe«. „D ch sollte ich bergeben I Ich glaube wahrhaftig, lieber nähme ich zwei

Lina sah ihn »orwurfvoll an. Die Mutter antwortete kaltblütig: „Vielleicht. Rosa setzt sich zu mit und erzählt mir lustige Geschichten. Lina fitzt schweigend an der surrenden Maschine. Da» ist langweilig "

„Also Rosa geruht wirklich, bei Ihnen zu fitze»! Wie überaus gnädig! Welch rührender Opfer kindlicher Siebe!" spottete Karl.

Da endlich merkte Frau Rudhart, daß er ihren Liebling verhöhne, und bitter mußte er diese Frevelthat büßen. Sie erging sich in einer Flulh von Vorwürfen: „Gefcheidter al» über eine alte kranke Frau und über diesen Engel von einer Tochter zu spotten wäre e», von der Hochzeit zu sprechen," schloß fie ihre Rede. „Wann soll die endlich fein? Soll mein arme« Kind noch lange hingehalten werden?"

„Von Hinhalten ist keine Rede, Mutter. 6« muß geheirathet werden, sowie die Verhältnisse ein wenig geordnet sind." ■««?**■*

„Ich sehe schon, wie e» kommen wirb. Lina wird warten und warten müssen, bi» fie gan; verblüht ist und bann wirb sie zu hören bekommen, fie sei zu alt; sie weift ja auch sichtlich."

„Sie glauben selber nicht an ba«, war Sie ba sagen, Mutter," widersprach Karl, gutmüthiq lächelnd. '„Was Sie von verblüht sagen, ist ganz unrichtig. Lina hat sich gar nicht verän­dert, höchsten« ist fie hübscher geworben."

Ans eine Handvoll Widersprüche kam es Frau Rudhart, wenn sie zankte, n'cht an. „Da« haben andere auch gefunden," versicherte sie nun. „Vor nicht gar langer Zeit hat fie einer Heimchen wollen; sie könnte jetzt eine wohlhabende Frau fein, wenn sie vernünftig wäre."

G Dis ethische Verfinsterung.

Am Mittwoch Abend hat im Berliner Rath- Hanse eise FrauensersamMlung getagt, zu der der Andrang so groß war, daß viele Hunderte von Besucherinue« wieder «mkehren mußte», weil sie keine» Platz mehr fanden, fo daß die Versammlung demnächst in einer zweiten Auflage wiederholt werde» muß. „War die Fraum zum Fall Sternberg zu fegen haben" — lautete das Thema der Versammlung, und manches Wort ist dort gesprochen worden, das der Beachtung und der Beherzigung durchaus werth ist, obwohl es ja auch an übertriebenen Arußeruvgen nicht fehlte, wie wir sie an den Vorkämpferinnen der Frauenrrcht - Bewegung schon gewöhnt sind. Wen» beispielsweise eine L hierin als Allheilmittel gegen alle Unsittlich» kett die Betheiligung der Frauen an der Gs- fetzgebung anpreist, so kann man das nur mit eisern freundliche» Lächeln „zu den Uebrigrn" legen. Aber im höchsten Grade beachtenswrrth find die Schilderungen der sittlichen genauer gesagt der unsittliche» Zustände in den Schule», den Gesäsaniffr«, in der Ausübung der Waisen, pfl-ge durch Männer in Groß-Berlin durch Samen, dis durch ThätisM als Sehrerinmn, AerztiNNS» uns WaiseripfleZeNsnen umfassende Erfahrungen auf diesen Gebieten nicht gesammelt haben, Alle diese Gchilderungr» lautsten sehr ttmrrig und trostlos und warfen von Neuem Hraumsolle Schlaglichter auf die Abgründe der Urfitt'ichkeit, die in den Großstädten die jungen MerssSensielen mit Verderben bedrohen, uns «ranmgfaltig find die Rezepte, die zur Hilfe dagegen empfohlen wurden.

Die Frau, fo forderte eine Rednerin, soll dazu Mitwirken, durch ihre Becheiligrmg an Jugend- fchutz-Sinrichtungen, Kinderhorten, Jugendheimen, Wolkski»dergärten, an der Waisenpfl'ge und an den Bestrebungen zur Besserung der Wohnungen; und Niemand wird der Redurri« bestreite» wol­len, daß sie recht hat. Solche Thätigkeit gehört zu den edelsten Aufgaben der Frauewvekt, und gerade in aller, katholische» Kreisen wird diese» Bestrebungen nicht aur volle« Verständniß ent» gegengebracht, sondern auch in de» 'katholische« LolkSkreisen sitzt men solcher Streben längst schon w die That um, wenn ma» auch nicht in herr­lich abgefaßten und wundervoll vorgetragenen Reden im Berliner Rathhause öffentlich darüber spricht.

„Mcht nur die sozialen Verhältnisse müsse» besser werde», sonder» auch die Erziehung!" rief eine andere Rednerin auS. O gewiß! Diese Wahrheit steht fest, und nicht erst fett der Frauen» Bersammlung am Mittwoch Abend im Berliner Rathhause. Aber über die Ausführung deS Grund- satzes herrsche» sehr verschiedene Ansichten; und wenn man, wie eS eine dritte Rednerin in jener Bersammblng that, sür die Schulmädchen in der Oberklasse einen „taktvollen sexuell - hygienischen Unterricht" verlangt, so wird man mit solchem Berlanqen weder vielGlück haben, noch auch die Sittlichkeit der Mädchen heben, die man gut er­ziehe» »iS. I» der guten alten Zeit unserer Bäter und Vorväter hat eS gar Manches gegeben, das nicht so war, wie eS hätte sei» sollen. Aber

Pflrcbt, dre große» Produktivstände, Landwirth- chast, Industrie und Handel gleichmäßig zu chützen. Er werde sich niemals verleiten lassen, rie Waage der ausgls'chtnden Gerechtigkeit zu Ingunsten des eisen «Set anderen Theiles sich >eben ooer senken zu lcssi». Dis Sorge für b*e Sandwirthschast fei ihm aber nicht nur Pflicht eines Amtes, sondern, davon könnten die Herren ich überzeugt halten, er trete auch mit feinem , tzerze« für die LMdwirthschaft ein. Agrarfeind- !rche Blätter schreiben um diese Ausführungen große L-ttartike! bekannter Art, wiewohl der Reichskanzler doch nur etwas ganz Selbstver­ständliches gesagt hat.

* Za einer A<,SL»Afere»z hat der Staat«- sekretär des Reick «Postamts Vertreter des Han­dels und der Industrie für Montag dr« 18. Februar emgrladen, auf der u. a. folgende Fra«en zur Verhandlung kommen sollen: Ver­hütung von Tttearammentftellurigen, Vorkehrungen gegen das Hineingleite« von, Briefen in Streik» bandfendung-n, Aushändigung von Geldbeträgen unter 400 Mmk an erwachsene Familie» mtt- glieder des Bevollmächtigten, gleichmäßiges For­mat für Briefe und die Post chrksragr.

K Der Verwendung w-MiHsr im Ktfe»V»S«»i«sS-, ist ein Erlaß des Mi­nisters 0er öffentlichen Urbriten gewidmet, worin vor allem bemäkelt wird, vaß die Ein­stellung endlicher Personen, namentlich für dir Fahrkartenausgabe und für den Telegraphen« dienst nicht in dem gewünschten Umfange vor sich gegangen fei, und daß in einzelnen BirekttonLdezirkm Frauen überhaupt noch nicht beschäftigt werden. Es soll bei den Ber- waliungrn künftig auf eine vermehrte Einstellung von Hilfsfahrkartenausgeberinnrn Bedacht ge­nommen und in j'dem Falle beim Abgang männlichen Personals geprüft werde», ob nach Sage der Verhältnisse die freizewordene» Stellen nicht durch Hilssfahrkartenausgeberinnen wahr­genommen werden können- Ferner soll die Ver­wendung weiblicher Personen im Fernsprechdienste der Eisenbahn überall da ins Auge gefaßt »erbe», wo dies nach de» Vor.chriften zulässig ist und die örtlichen Berhättniffe es gestatten.

' 4- Am- D-rl-rxrmZ ie« SedArLtigs« Ai«rs?SrieSen-« Schriftflelr-r« ««d A-mp-mß-, hat sich ein Antrag zum Ziele gestecke, den ba« Centrum am heutigen Donnerstag in der ReichstagSkornmiffion für die Borberathung des GefetzentwurseS Über das Ur­heberrecht eingebracht hat. Danach soll ei« »euer Paragraph 64» eingefügt »erben und dieser Folgende« bestimmen:

Wer nach dem Abläufe der Schutzfrist Schriftwerke und Werke der Tonkunst ver­vielfältigt und gewerbsmäßig verbreitet, oder Werke der Tonkunst öffentlich aufführt, hat alle drei Jahre von dem für diesen Zeitraum ermittelte» Reingewinn zehn von Hundert an den Reichs­kanzler abzufükren. Äußer dieser Emnahms hat der ReickStauzler bedürf­tigen Wittwen und Verwandten vo» Gchriftsteller« und Komyo- nisten des Inlandes Unterstütz­ungen zu aewäbreu."

W Fuldaer

mit AnterAaktungs -Aeikage „Ilkukkrirte Sonntags-Aeitung

Ierrlsches Urich.

Berlin, den 7. Februar.

h. Ksich»k««zker Araf ASLsrn hat gestern bei dem vom deutschen Landwirthsschastsrathe veranstaltete» Festmahle einen Trinkspruch auf das Wohl der LandwirtdschatiauS- gebracht. Darin sagte er u. Ä.: Er wisse sich ems mit de« Vertretern der Landwirthschaft i» dem ernstlichen Bestreben, mit allen Kräften dir Interessen der Landwirchschaft zu fördern, die sich seit einer langen Reihe von Jahren in schBie- riger Sage befände. Indem er der Sandwirth- fchast za helfe» trachte, erfülle er lediglich seine Pflicht. DaS öffentliche Wohl mache es ihm zur Berhältniß zum Barer würde sich anders ge­stalte» als bi^er, bereute er nicht, der geliebten Rachgeberi« gefolgt zu fein. Gerne letzten Bedenke» räumte das jetzige Wiedersehen hinweg.

Die Rähmaschi«« ruhte, da« Paar saß Hand in Hand, tauschte Grivnerungen cu8 und er­zählte do» de« Erlebnissen der letzten Jahre. Die Mutter, die nett getleidet, jedoch mit der unvermeidlichen Jammennierre in einem nagel­neuen bequemen Sehnseffel faß, bildete die eine störende Note in bm fröhlichen Kor-zert. Immer wieder unterbrach fie das Gespräch der S'ebe»» de« durch Klagen über wirkliche und einge» bildete Seiden, die Karl mit musterhafter Geduld anhörte.

„Wo ist denn aber Ro'a?" unterbrach er fie.

Die Rudhart warf fich in die Brust: „O, die war immer klug, klüger als andere" — mit einem Seitenblick auf Sina, „die hat nicht au Unmögliches gewartet, sondern geheirathet, einen sehr vermöglichen Mann, de» Kaufmann Gchresk!"

„Usd Sie find nicht zu ihr gezogen, Mutter?" „Sie hat fo wenig Platz," antwortete Sina für die etwas verlegen geworSerie Mutter; „wir beide sind auch zu sehr anetuander gewöhnt, um uns zu trennen, gelt Mutter? Rafa greift u»S aber unter die Arme."

„Rosa ist ein Engel", sagte die Mutter, die inzwischen ihr« Fassung wiedergewonnen hatte. „Sie gibt mir, was ich nur wünsche. Das Kleid, daS ich anhabe, ist so» ihr, und der schöne Sessel, aus dem ich fitze, und dort das Sofa. WaS wäre ich ohne Rosa!"

„Sie köanren vielleicht Sina leichter rrttb'hren al« Ros« ?" meinte Karl ironisch.

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28. Jahrgang.