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M 31.
JuLöcl, Donnerstag, den 7. Februar 1901.
28. Jahrgang.
@ Der Duellzwang im Heere.
ES trifft sich für den Kriegsmimstsr von Goßler sehr ungünstig, daß sobald nach seinen matten und zurückhaltenden Erklärungen bei Besprechung der Duellinterpcllation des Genirums im Reichstage der Mörchinger Vorfall ein so erschreckend grelles Licht aus den in der Armee herrschenden Duell- zwang fallen läßt. Nach dem Festmahle bei der Kaisersgeburtstagsfeier kommt unter den Offizieren der Garnison in Mör- ch i n g e n die Rede auf Sport und Körperkraft. Man versucht sich in athletischen Kunststücken; dabei war der Hauptmann Adams von dem Oberstabsarzt Rüger allzu derb angefaßt. (Nach anderen Angaben hat Rüger wegwerfende sarkastische Bemerkungen gemacht, die Adams auf sich bezog.) Aus dem Scherz wird Ernst und Hauptmann Adams versetzt dem Oberstabsarzt einen Schlag, wohl eine Ohrfeige. Man hindert weitere Thätlichkeiten und bringt nach fruchtlosen Versöhnungsoersuchen beide Parteien nach Hause. Was folgen „mußte", war vor- auszuskhrn: Ein Zweikamps war „unvermeidlich" geworden. Zwei Offiziere begaben sich also zur „Regelung der Angelegenheit" in die Wohnung des Hauptmanns. Ihnen schließt sich Oberleutnant Rüger, der Bruder des Oberstabsarztes an unter dem Vorgeben, er habe seinerseits noch eine ä irre Angelegenheit mit Adams zu „ordnen". Sobald Adams, der bereits zu Bett gegangen war, erscheint, schießt ihn der Oberleutnant über den Haufen. Darauf übergibt er den beiden Offiznr en seinen Degen mit der Erklärung, er fei für seinen Bruder, den Oberstabsarzt, singe- treten. Dieser fei verheirathet und habe Kinder. Adams sei als guter Schütze bekannt, und würde im Duell zweifellos seinen Gegner ge- -tödtet haben. Er, der Oberleutnant, stehe für sich allein da und deshalb sei er für ffeineu Bruder eingetreten.
Da haben wir also den nackten Mord als Wirkung des DuellzwangeZ. Wenn Oberstabsarzt Rüger den Hauptmann nicht zum Zweikampfe herausforderte, so mußte er den Dienst quit- liren, seine ganze Karriere preisgeben. So will es der Brauch in der Armee. Da Hauptmann Adams ein vorzüglicher Schütze ist, wird in dem Zweikampfe voraussichtlich der Oberstabsarzt tobt oder zum Krüppel geschossen werden. Um dem Beleidigten eine derartige „Genugthuung" zu ersparen und ihn andererseits vor der Entfernung aus dem Ofsizierkorps zu bewahren, opfert sich sein Bruder für ihn in der Weise, daß er den Beleidiger formlos über den Haufen schießt. Die Widersinnigkeit des Duellunwesens ist schon oft beleuchtet worden. Dieser Fall bietet wieder ein Musterbeispiel.
Wir wollen nicht nochmals ausemandersetzen, wie schwer der Zweikampf gegen Moral, Gesetz und Vernunft verstößt, aber die Militärverwaltung muß man doch fragen: Kann sie es mit ihrem Gewissen vereinbaren, eine Institution zu hegen und zu pflegen, die solche Folgen zeitigt? Benn hegen und pflegen thut sie das Duellwssen, solange sie den Zweikampf nicht unter
Demwch KNfwLrLs.
Roman von L. v. Neid egg.
27 ------ (Nachdruck verboten.)
XV. Kapitel.
ES war an einem Sonntag Nachmittag. Die Arbeit ruhte in der Fabrik. Armbruster saß im Wohnzimmer, ein Zritungsblatt in der Hand, über dessen Inhalt seine Augen wohl hinglitten, ohne j doch den Sinn zu erfassen, denn unbe- zwingl-.ch drängte die Gorge ihr düsteres Haupt immer wieder vor.
Wie lange würde es noch dauern, daß er an dieser Stelle noch sitzen dürft«? fragte er sich. Die Fabrik geschlossen, das Haus verkauft; er, sein Lebm als Schreiber fristend, wenn eS gut ging, als Buchhalter — die Töchter mnZ Gelb arbeitend: das war die Zukunft, die ihnen bevorstand. Und das, weil keines seiner Kinder ihm beisprivgen wollte in feiner Noth. Georg nicht, der kaltblütig schrieb: den guten Posten aufzugeben, den er inne hätte, würde einem Selbst- rnordr glsichkommen; obendrein könnte sein Opfer feem Vater nichts nützen, denn er brächte kein Kapital mit. Helene nicht — des Vaters Gesicht veränderte sich, als er ihrer gedachte — weil sie nicht konnte oder wollte. Karl — jo, von dem mochte er ja keine Hilfe annehmen. Gewiß hatte dieser im fremden Lande gelernt, ihn zu Haffen und würde auf noch lieblosere Weise als die Geschwister sich weigern, dem Vater beizuftehen. Unwillkürlich mußte er sich dabei fragen, was wohl Agathe zu all den Aen- derungen gesagt haben würde. Gewiß hätte sie
Strafe der unbedingten Kaffation verbietet. Sie rühmt sich, das Unwesen eingeschränkt zu haben. Wir glauben ihr auch gern, daß sie die Zahl der Duelle herabgemindrrt sehen möchte und immer sehr peinlich berührt ist, wenn wieder eins stattgefunden hat. Aber diese Bemühungen um die Einschränkung haben nur einen geringen praktischen Werth, solange sie gleichzeitig nicht bloß den Zweikampf als berechtigte Einrichtung anerkennt und duldet, sonoern ihn sogar begünstigt, ja erzwingt, indem sie den Offizier mit der Entfernung aus der Armee bedroht, der gegebenen Falls nicht zum Zweikampfs schreitet. Alle Verfügungen über Ehrengerichte und Eyrenrath können nur eine geringe Wirkung auZübrn, solange keine grundsätzliche Vecurtheilung des Zweikampfes erfolgt, sondern nur, wie Herr v. Goßler, sich gar noch daraus fielst: „wir stehrn auf gesetzlichem Boden".
Daß die Militär-Verwaltung das Widerspruchsvolle ihres B rhattens in der DueL- ftage nicht einsehrn sollte, ist ausgeschlossen. Sie setzt sich aber über die W dersprüche hinweg mit der Erwägung, daß der Zweikampf für die Erhaltung der Ehre im Ofsizierkorps unentbehrlich fei. Daß sie auch glaube, der Zweikampf sei ein Berners der Tapferkeit und wer ihn ablehne, verrathe eine bei den Offizieren doppelt verächtliche unmännliche Feigheit, können wir nicht gut annehmen Es wäre das doch eine Beschränktheit der Auffassung, die man ihr nicht zutrauen darf. Daß nun aber dir Ehre imOifi- zierkorps nicht soll aufrecht erhalten werden können ohne den Zweikampf, stellt dem Ofsizierkorps ein ungünstigeres Zeugr.iß aus, als dis Verthei« diger des Zweikampfes oermuthlich empfinden. Wir wenigstens haben von der Ehrenhaftigkeit unserer Offiziere eine höhere Auffassung, als daß wir glauben könnten, mit der Beseitigung des Zweikampfes würden sie ausarten und die ehrlofefien Subjekte in ihren Rühen Platz finden kaffen. Das ist der Standpunkt des Th'.erbän- digers, der die Peitsche nicht entbehren zu können glaubt. Daß übrigens der Ehrenpunkt manchmal recht äußerlich genommen wird und dis grimmigste Durllwuth r-och lanae kein Beweis für die Ehren- haftigküit der Betreffenden ist, wollen wir neben- bei erwähnen.
Man sollte doch auch denken, der Militärverwaltung seien die Offiziere die liebsten, die die Vorschriften der christlichen Moral und des Staatsgesetzes in Bezug auf das fünfte Gebot beobachten, weil von diesen anzunehmen ist, daß sie auch im Uebrigen es mit der Erfüllung ihrer Pflichten am gewissenhaftesten nehmen werden. Statt dessen sehen wir den Widersinn, daß von der Armee, die man sogar vielfach für die Hauptoder einzige Stütze des Staates und der Monarchie ansieht, das Vergehen gegen Gesetz und Moral verlangt wird, ein herrliches Beispiel für diejenigen Bevölkerungskreise, gegen deren Umsturzgelüste sie Staat und Monarchie fchiitzen sollen.
Wir wissen wohl, daß wir mit unseren Worten an dem Duellunwesen und seiner Begünstigung durch die Militärverwaltung nichts ändern. Wir möchten aber doch annehmen, daß dem Kriegsministee von Goßler angesichts des Mörchinger
von der Liebe und Selbstlosigkeir, die sie erfüllte, den anderen mitgetheilt und m.-nches ferngehalren, was sich jetzt unaufhaltsam entwickelte. An sie dachte er jetzt viel zurück, allerdings nur weil er ihre Liebe und Hmgebung vermißte, weil er wußte, daß er, nach Gott, der Mittelpunkt ihrer Existenz gewesen war. Was galt er dagegen anderen? Wenig oder nichts — und das Bewußtsein, einer Menschenleben ganz auszufüllen, einem Menschen alles zu sein, hat etwas so Süßes, daß selbst der Egoist cs nicht wiffen mag, wenn er auch immer nur der empfangende, nicht der der gebende Theil bleiben möchte.
Agathe war ihm im Tode geworden, was sie im Leben nicht erreicht hatte: ein nothwendiger Beftandtheil seines Lebens. An einem Tage, an dem er sich besonders verlassen fühlte, holte er ihr Bild aus dem wenig benützten Zimmer heraus und hing es im Wohnzimmer auf. So oft er hinsah, wiederholte er sich, wie sie treu zu ihm gehalten hatte, wie es keine andere gethan haben würde... und um wieviel besser es gewesen wäre, hätte Helene ihr mehr geglichen. Daß Agathe Blankenhorn besser, viel besser beurtheilt hatte als er selber, sah er nun auch ein und fragte sich, woran es gelegen wäre, daß sie, die geistig so wenig hervorragend gewesen, intuitiv die Charaktere durchschaut und den richtigen Maßstab an die Menschen gelegt, in allem, was sie that, immer das Richtige herausgefunden hatte? Woran mochte es nur gelegen haben? . . .
Lange hatte er träumend gesessen, da schreckten ihn Schritte im HauSgang aus seinem Brüten auf. Sollte der Nachmittagsgottesdienst vorüber, die Töchter bereits zurückgekommen
Vorfalles nachträglich noch ein wenig das Gewissen schlägt, weil er bei der Duellinterpellation sich nicht etwas schärfer gegen den Zweikampf ausgesprochen hat.
Deutsches Dtrrch»
Berlin, den 6. Februar.
® Bei dem Iestmahke, daß gestern zur Feier des Geburtstages des Kaisers im Reichstage abgehalten wurde, sagte Präsident Graf Ballestrem in seinem Trinkspruche u. A: „Mözen auch die Mitglieder des Reichstages sich ein Beispiel nehmen am kaiserlichen Herrn und in steter Pflichterfüllung ihren Dienst thun! Das wäre ein Rückblick für uns, der uns sehr heilsam wäre." Die Worte erregten Heiterkeit und Beifall. Leider werden sie so wenig nützen, wie all die anderen Worte, die schon wegen des Absentismus verschwendet worden find.
X Lmd ItsSerLs, der jetzige OLrrbefehls- haber der bcimchrn Armee und Vorgänger Lord Kitcheuers im südafrikanischen Kriege, soll nach einer Londoner Meldung vom Kaiser durch Verleihung des Schwarzen Adler-Ordens ausgezeichnet worden sein. An hiesigen amtlichen Stellen war eine Bestätigung dieser Meldung bisher nicht zu erhalten. Vielleicht war man auch dort etwas „überrascht".
© Staatsanwalt Dr. Ilsrnerr vom Landgericht I. Berlin, der seit dem 1. Oktober v. I. in der Stelle eines vortragenden Rathes im Kriegsministerium beschäftigt war, ist zum Geheimen Kriegsrath und vortragenden Rath im KriegsMinisterium ernannt worden.
+ Ire pskNischs« MostadreLt» bildeten heute (Mittwoch) den Gegenstand ernruter Verhandlungen in der Budgetkommissisn des Reichstages. Der polnische Abg. von Jazdzewski beschwerte sich von neuem darüber, daß Postsendungen mit polnischen Asreffen von der Post nicht befördert, und ferner darüber, daß polnische Beamten planmäßig nach entfernten Provinzen versetzt würden. Staassekretär v. Podbielski erwiderte, er habe alles gethan, um die vorhandene Erregung nicht noch zu vermehren; aber Thatsache sei es jedenfalls, daß ganz plötzlich die Menge der polnischen Adressen sich sehr vermehrt habe, in Posen allein um 42 v. H. Die Polen sollten nicht auf diese Weise den Postbetrieb un- nöthig erschrrerer. Abg. von Jazdzewskibestritt, daß die Vermehrung der polnischen Adressen auf planmäßiger Verabredung beruhe, worauf der Staatssekretär antwortete, nach einer polnischen Volksversammlung sei plötzlich die Zahl der polnischen Adressen in die Höhe gegangen. Der Centtumsabg. Prinz Arenberg gab den Polen den Raih, deutsche Adressen zu schreiben, und der Abg. Fürst zu Inn- und Knyphausen wies in demselben Sinns daraus hin, daß in Elsaß Lothringen niemals das Verlangen geäußert worden ift, französische Adressen zu schreiben. Die B rathung des Postetats wird oermuthlich dis Budzetkommifsion noch mehrere Tage beschäftigen.
X Zu dec vom Reichskanzler abgegebenen Erklärung, er werde das Erforderliche veran- IMiMWWIMWWrMMWWI I.W'WMmlWSBBjMS sein? Ader es waren keine Mäöchenschritte; der Magd antwortete eine männliche Stimme. Sein Herz klopfte. Sollte, was er, ohne es sich einzugestehkn, erhofft, dabei aber für unmöglich gehalten hatte, sich ereignen?
Die Thüre wurde behutsam geöffnet — es war Karl.
Einen Augenblick sahen Vater und Sohn einander stumm in die Augen. Armbruster überkam ein eigenthümliches Gefühl, Befreiung von einer schweren Last, zugleich die lähmende Besorgniß, ob der Sohn nicht als strenger Richter käme, dem er sich auf Gnade oder Uns gnade ergeben müsse, der, die Rollen verkehrend, blinde Unterwerfung vom Vater fordern würde?
„Was bringt Dich her? Kommst Du, den Zusammenbruch und die Vergantung mit anzusehen?" redete er Karl an.
Dieser fuhr gekrankt empor. Er sah aber auf das graue gebeugte Haupt des Vaters, auf die Hände, die ein nervöses Zittern bewegte und erriech dessen Gemüthszustand: „Ich komme, zu sehen, ob ich Dir nicht helfen tonn, ob wir nicht gemeinsam die Gefahr abwenden können, die der Fabrik drohl."
„Du meinst wohl, was der alte, geistesschwache Mann in Unordnung hat gerathen lassen, müsse die junge Kraft fosort wieder in Schwung bringen? Wirst sehen, wie schwierig die Verhältnisse geworden sind, ganz anders als zu Deiner Zett. Wirst so wenig erreichen, wie ich. Deine Stelle wirft Du aber verloren haben und daun gehen und mich verwünschen."
„Wenn ich nichts ausrichten kann, hat es
lassen, um noch in der laufenden Session eine Gleichmäßigkeit in der Behandlung der Avv«> Lide« aus sämmtlichrn Feldzügen herbeizuführen, wird geschrieben: Die Aufbessrung der Bezüge der Kriegsinvaliden besteht in der Pensionserhöhung, in der Verdoppelung der Kriegs- zulagen und Verstümmelungszulage. Erstere beträgt bisher für Offiziere 750, letztere 600 Mk. jährlich.
+ Pas Kßi«a IreLikkengesetz, des Gesetz über die Versorgung der China-Invaliden und ihrer Hinterbliebenen, ist heute (Mittwoch) von der Budgetkommission des Reickstages erledigt worden, nachdem der Berichterstatter Abg. Graf Oriola feinen Berichts erstattet hatte. Die Kommission hat beschlossen, dem Plenum die Ablehnung des Gesetzentwurfes zu empfehlen, aber nicht e!wa, wie b.kannt, deswegen, weil man die g?wünschte Versorgung nicht guttzeißt, sondern umgekehrt deswegen, weil man eine baffere und allgemeine Versorgung aller Kriegsirwaliden herbeiwüuscht durch eine einheitliche Neuregelung des militärischen Bersorauugs- wesens. Für die ersten Bedürfnisse in dem Sinne des Gesetzentwurfes beantragt die Kommission die Einsetzung einer entsprechenden Summe in den Reichs-Etat.
4- Jas ILörssugesetz gab Anlaß zu eirer Auseinandersetzung in der Budgetkommisfion de« preußischen Abgeordnetenhauses. In der letzten Sitzung derselben fragte ein Abgeordneter bei der Regierung an, ob diese nicht beabsichtige, bei den Verbündeten Regierungen eine Abänderung des Börsengesetzes zu beantragen, namentlich hinsichtlich des Börsenregisters. Der Minister antwortete, daß die preußische und die Reichs- regieruug den Zeitpunkt für eine Abänderung des Börsengesetzes noch nicht für gekommen erachten, vielmehr dessen Wirkungen noch eine Zett lang beobachten wollen.
Ans dem Reichstage.
42. Sitzung oom 6. Februar.
Die Becabung des freisinnigen Antrages (Barg- mann und Gen) auf Beseitigung der Theater- zensur wird fortgesetzt.
Der natl. Abg. Aafferman« bezeichnet die Anregung des Antrages insoweit für dankenswerth, als dieser sich mit Vorstellungen von wirklich künstlerischem Werthe beschäftigt. Redner bezeichnet- es als einen unwürdigen Zustand, daß die Theaterzrnsur an den verschiedenen Otten ganz verschieden gehandhabt werde. Man sollte also positive Schranken errichten für die Polizei mit ihrer Theaterzensar, und ferner Bestimmungen erlassen, nach denen ein Theaterstück verboten «erden könnte. Redner beantragte die Ueberweisung des Antrages an eine Kommission.
Abg. Htoere« (Centr ): Ich bin kein Freund der Theater zen für, wie sie jetzt gehandhabt robb. Aber meine Einwendungen gegen die Zensur bewegen sich in anderer Richtung, als diejenigen des Antragsteller?. Ich habe gegen den Antrag das Wort erbeten, weil ich nicht die Zensur selbst, sondern nur ihre gegenwärtige Handbabung beseitigt sehen möchte. Auch wird keine der Verbündeten Regierungen in ihrem Gefühl der Ver- antwortlickkeit ganz auf ihr Zensurrecht verzichten wollen. Daß der Antrag dennoch eingebracht worden ist, erklärt sich ganz einfach aus der wenig rühmlichen, schwachen Haltung, die die Verbündeten Regierungen rm Vorjahre bei der Berathung der ! x Heirtze eingenommen haben. (Sehr richtig!) Meine politischen Freunds hegen darum auch heute nicht die M sicht, den Verbündeten Regierungen gegen den Antrag beizu- eben so kommen müssen. Mit Gottes Beistand hoffe ich aber noch zuoersichtlich auf guten Erfolg."
„Gott? Er kennt m-ch nicht!" safte der die Mann. Aber der Ton klang nicht so heraus- fotbtrnb wie in früheren Tagen: e§ lag ctsas wie refignirte Klage darin.
„Das sage nicht, Vater. Er kennt jeden, der ihn sucht... . Wir wollen zusammen arbeiten, uns zusammen redlich bemühen. Ich habe draußen einiges gelernt, komme. Gottlob, auch nicht mit leeren Händen."
„Darm kommst Du wohl, den alten Manu bei Seite zu schieben, ihn, wenn Du alles geordnet hast, aus dem N st zu werfen, bann daS . ... das Mädel zu heirathen und Dich herzufttzen?"
Das Blut schoß Karl in’ss Gesicht; seine Stimme bebte, als er antwortete: „Kannst Du Dir beim gar nicht vorstellen, daß ich nur Deinetwegen komme, Vater? Gewiß werde ich von Lina nicht lassen, das sage ich Dir offen heraus. Ich bin aber überzeugt Du wirst mir nicht immer die Einwilligung zur Heirath versagen. Vorerst wollen wir aber jeden Gedanken daran in den Hintergrund schieben, fleißig arbeiten, an nichts denken, als wie das Geschäft wieder emporzubringen ist. Meine Hauptsorge bist jetzt Du."
Armbruster suhr sich mit der Hand über die Augen. Karl hatte überzeugend, ohne Lehrhaftigkeit gesprochen, dabei einen warmen Ton angeschlagen, der belebend und wohlthuend durch des Vaters Herz fluthete. Er schämte sich aber bet weichen Empfindung und fragte statt aller Antwort anscheinend unbewegt: