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lefetefet M einspaltige Seift» seile ober bete« Raum IS Pfg.,Reklamen die Petib- zeile 26 Pfg.; bei Wiederholungen wird entsprechens Rabatt geteert.
JuLöa, Dienstag, den 5. Februar 1901.
t»* 3. p«»,ell»» hi jhiUa. ‘ mit Anterßaktungs -Aeikage „IssuKrirte Sonntags-Zeitung"
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28. Jahrgang.
® Jüdische Bewerber im Staatsdienste.
Die Erklärungen der preußischen Justizminiflers im Berliner Abgeordnetenhause über die Anstellungen von jüdischen Notaren haben in der Tagespresse mehrfache, zum Theil recht erregte Auseinandersetzungen hervorgerufen.
Zur richtigen Beurtheilung der Angelegenheit muß man sich zunächst die thatsächlichen Angaben des Herrn Ministers zurückrufen und die Veran- laffung dazu, daß er diese Angaben machte. Der Abg. Peltasohn von der freisinnigen Vereinigung fragte an, warum in Berlin die jüdischen Rechtsanwälte erheblich länger auf ihre Ernennung zu Notaren zu warten hätten, als die christlichen. DaS war nun ein Thema, das Herr Peltasohn klugerweise nicht hätte anschneiden sollen; denn die Aufschlüsse, die der Justizminister darauf gab, find so überraschend mit ihrem Schlaglichts auf das außerordentliche Ueberwiegen der Juden unter den Rechtsanwälten, daß auch ein linksliberaler Blatt, die Berliner,National-Zeitung", zu der Aeußerung sich gedrungen fühlte: „Wenn sich, wie es scheint, nicht bestreiten läßt, daß ein Theil des Publikums nach dem Glaubensbekenntnisse des Notars fragt, so ist es ja ein unleugbares zahlenmäßiges Mißverhältniß, daß in Berlin mehr als die Hälfte der Anwärter für das Notariat, d. h. der Rechtsanwälte, jüdischen Glauben« sind." Die ziffermäßigen Angaben des Herrn Ministers waren bekanntlich die folgenden: in Berlin gibt es 851 Rechtsanwälte, davon find 526, also mehr als die Hälfte, jüdischer Konfession; in Berlin gibt es 176 Notare, davon gehören 65, also mehr als ein Drittel, dem jüdischen Bekenntnisse an; die Juden machen aber in der Bevölkerung im allgemeinen nur 5,40 vom Hundert au«, also wenig mehr als ein Zwanzigstel!
Die Rechtsanwaltschaft "ift leider ein freies Gewerbe geworden. Von dem Standpunkte unserer Gesetzgebung und unserer öffentlichen Einrichtungen aus ist also nichts dagegen zu sagen, daß viel mehr als die Hälfte aller Berliner Rechtsanwälte aus dem Zwanzigstel heroorgehen, das die Juden in der Gesammldrvöckerung ausmachen. DaS Notariat aber ist ein staatliches Amt, über dessen Benutzung die Staatsbehörde nicht nach de» Grundsätzen zu entscheiden hat, die für ein freier Gewerbe maßgebend find, wobei sie vielmehr thatsächlichen Verhältnissen sehr verschiedener Art Rechnung zu tragen hat, und hierbei unter anderem auch der unleugbaren Thatsache, daß die christliche Bevölkerung sehr ungern ihre vertraulichen Angelegenheiten einem Notar jüdischen Bekenntniffes anoertraut. Thatsache ist also jedenfalls, daß nach dem Urtheile der weitaus überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung die Rechtsanwälte jüdischen Bekenntnisses bei der Besetzung der Notariate in Berlin ganz außerordentlich bevorzugt werden, aber nicht vernachlässigt, wie der Herr Abgeordnete Peltasohn meinte. Gerechterwersr sollten nach dem jüdischen Prozentsätze oer Gesammtbroölkerung in Berlin von 176 Notaren etwa nur neun jüdischer Konfession sein, nicht aber 65, wie eS tatsächlich der Fall ist. Wenn in Berlin die Bevölkerung zum dritten Theil aus Israeliten bestände, dann
Dennoch anfmärts.
Roman von L. v. Neid egg.
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Marie war aber der Appetit vergangen. Jetzt, wo Helene fie näher ansah, bemerkte sie, wie traurig die blauen Augen blickten, wie eS nur eines geringfügigen Anlasser bedurfte, sie zum Ueberfl'eßen zu bringen. So verbittert und voll eigensüchtigen Selbstmitleids fie auch war: es überkam fie Wehmuth, als fie in das junge Gesichtchen der Schwester blickte, die so früh den Ernst drS Lebens kennen lernen mußte. Nicht umsonst hatte sie ein Kind in den Armen gehalten; wenn es ihr auch genommen worden war, ehe sein Mund gelernt hatte, die Mutter anzulächeln, so bildete doch die Erinnerung an dasselbe die eine weiche Stelle in ihrem Herzen. Ihres Kindes Augen sahen ihr aus MariechenS Gesicht entgegen; mütterlich liebkosend strich sie über deren Scheitel und fragte, was eS denn wieder Trauriges gebe?
Es war, wie sie zu hören befürchtet hatte: der Vater steckte in neuer Geldnoth. Seit er den Buchhalter entlassen hatte, bürdete er sich zu viel Arbeit auf. Der Raschheit seiner Entschlüsse entsprach nicht länger die Thatkraft, noch weniger die kaufmännische Voraussicht. Verkehrte Maßregeln führten zu Verlusten, diese wieder zu gewagten Versuchen, um das Verlorene in etwas hereinzubringen. Mehr und mehr nahm der nervöse, abgearbeitete Mann etwas von einem Hazardspieler an.
Mit dem Schwiegersohn zerfallen, betrat er
würde gegen die bestehenden Verhältnißziffern nichts zu erinnern sein.
Und eine solche Veranlassung, bei welcher der Vortheil und das Vorrecht in so übermäßiger Weise auf der Seite unserer jüdischen Mitbürger liegen, benutzt ein jüdisches Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses, benutzen mehrere Zeitungen, die sich in den Händen israelitischer Besitzer befinden, um einen Sturm gegen die preußische Staatsregierung in dem Sinne zu unternehmen, als thue diese letztere den jüdischen Staatsangehörigen bitteres Unrecht! Man braucht einige Zeit, um sich von der Ueberraschung zu erholen, welche diese Thatsachen Hervorrufen; man erhält dadurch eine reckt eigenthümliche Illustration zu der Klage jener Berliner Zionisten-Versammlung, in der von der Errichtung eines „Allgemeinen deutschen Judentages" gesprochen und Klage geführt wurde darüber, daß der Judenheit nicht genug Selbstbewußtsein innewohne. Was werden die Herren verlangen, wenn es ihnen gelungen fein wird, dieses Selbstbewußtsein in einem Maße wachzurufen, das ihren Ansprüchen genügen würde?
Nun beruft man sich auf die preußische Staatsoerfassung, die ja auch dir Grundlage abgegeben hat für die deutsche Reichsoerfassung: Danach sollen alle Staatsbürger ohne Rücksicht auf die Konfession gleiches Recht haben. Sicherlich, und das soll so bleiben. Aber daraus folgt doch noch lange nicht, daß jeglicher Staatsbürger auch das Recht hat, gewisse staatliche Anstellungen für sich zu fordern. Bei der Besetzung von Staats ämtern kann doch wahrhaftig nicht allein danach entschieden werden, daß alle dasselbe staatsbürgerliche Recht darauf haben; dabei müssen sehr viele andere Gründe und Erwägungen berücksichtigt werden, und nicht zum mindesten auch der, wie das Ansehen des neuen Staatsbeamten vor dem Volks und sein Ver- hältniß zu diesem sich gestalten werde. Wollte die preußische oder irgend eine andere deutsche Staatsverwaltung die Notare ernennen nach der Verhältuißzahl der vorhandenen jüdischen Rechtsanwälte, so würde sie eine schwere Ungerechtigkeit begehen gegen die weitaus überwiegende christliche Bevölkerung unb gleichzeitig eine arge Unklugheit. Es ist vollkommen unbegreiflich, wie jemand dafür kein Verständniß haben tarnt; alle unsere jüdischen Mitbürger selbst sollten ohne weiteres einsehen, daß eine andere Gestaltung der Dinge gar nicht möglich ist im Interesse einer guten und gerechten Staatsverwaltung, und einer gerechten Vertheilung von Licht und Schatten!
Deutsches Kelch.
Berlin, den 4. Februar.
X Der Kaiser wird Dienstag Nachmittag, vorn König von England begleitet, nach London reisen, von dort mit der Bahn weiter nach Marlborough-Schloß, wo ein Gabelfrühstück eingenommen werden soll. Nachmittag« um 4 Uhr soll die Abreise nach Port Viktoria und von dort die Heimährt an Bord der Kaiseryacht „Hohenzollern" er- olgen.
® Die KrhöHrmg der Ketreidezöike hat, wie bekannt, auch unter den süddeutschen Demo-
drffen Haus nicht mehr. Zum letztenmal war er kurz nach dem Tode von Helenens Töchterchen darin erschienen, sich soweit vemüthigend, sie um hre Fürsprache bei ihrem Manne anzugehe», von )em er wieder einmal Geld entlehnen wollte. BlankenhornS Liebe war aber längst erkaltet, er ließ sich gehen int Verkehr mit seiner Frau. Ihre gleichgiltig geringschätzige Art veranlaßte >ei ihm Ausbrüche von Rohheit; das anfangs leidliche Verhältniß war ein sehr gespanntes geworden. Helene weigerte sich deshalb, den muth- osen Versuch zu wagen, der ihr nur grobe Be- jandlung hätte eintragen können. Es gab eine leidenschaftliche Auseinandersetzung zwischen Vater und Tochter. Er warf ihr Herzlosigkeit und Selbstsucht vor; sie ihm den Eigennutz, der ihn veranlaßt hatte, sie in jene Ehe zu drängen. Von ihr zurückgewiesen, wandte er sich mit seinem Ersuchen an Blankenhorn selbst; auch dieser Versuch schlug fehl und endete mit erbittertem Streit und gegenseitigen Anklagen. Der Schwiegersohn wies dem alten Mann die Thüre und untersagte einer Frau jeden Verkehr mit ihm. Es gab üugenblicke, in denen sie das gemessene Verbot chwer bedrücken wollte, in denen fie versuchte, ich dagegen auftubäumen; meistens aber siegle rer Groll, den sie gegen den Vater nährte, dem fie alle Verantwortung für ihr verfehltes Leben zuschob.
Auch jetzt verflüchtigte sich ihr Mitleid rasch. Kalt antwortet? fie auf Mariens Klagen: eS sei ja recht traurig, daß sich der Vater in Bedräng- niß befinde, sie könne aber gar nichts für ihn thuu. Ob er etwa die Schwester nach dem Lindenhof geschickt habe, Hilfe zu suchen?
traten im württembergischen Landtage ihre Freunde und Verteidiger gefunden. Zu diesem gehörte auch, wie nachträglich betannt wird, der demo- tratische Abg. Haußmann, der in drr Sitzung der württembergischen Kammer hervorgehoben hat, daß die Getreidezölle zur Erhaltung der deutschen Landwirthschaft nothwendig find. Ausdrücklich hat er hinzugefügt, man müsse die Erhöhung der Getreidezölle in Erwägung ziehen Daß muß man sich werten für tänftfge Fälle!
• Der Aost-Ktat, dessen Berathung hauptsächlich am letzten Freitag die Budget Kommission des Reichstages beschäftigte, führte u.A. zu einer Besprechung der Postverhältnisse auf dem platten Lande. Auf verschiedene Anfragen erwiderte Staatssekretär v. Podbielski, daß das platte Land zur Zeit freilich schlechter gestellt sei als die Städte in Bezug auf die Brstell-Ge- bühr. In Zukunft aber, wenn die Finanzverhält- niffe wieder günstiger fein würden, müsse eine Gleichstellung angefirebt werden. Der Packet-Ver- kehr im Allgemeinen gab Anlaß zu vielen Klagen von Mitgliedern der Kommission. Staatssekretär v. Podbielski sagte in den meisten Fällen Abhilfe zu, die teilweise schon von der Postverwaltung angebahnt ist. Abg Dr. Müll er-Sagau regte an, die Post möge Normal-Formate für die Briefe vorschreiben Staatssekretär v. Podbielski erwiderte, daß die Frage der Nsrmal-Couverte auf dem Weltpost-Kongresse besprochen worden fei, man habe aber noch keine Einigung erzielen können.
+ Der Kose«Ss«dordes, den der König von England dem deutschen Kronprinzen verliehen hat, und von dem wir unseren Lesern beistehend eine Abbildung geben, wurde von
lis?
Eduard III. im Jahre 1348 gestiftet. Er ist der höchste und der älteste Orden der britischen Ritterschaft. Gemäß der 1831 aufgestellten Statuten soll der Orden aus dem Herrscher und 25 Rittern bestehen. Bei verschiedenen Gelegenheiten sind seither besondere Statuten ausgestellt worden, um fremde Herrscher zu außerordentlichen Rittern des Ordens zu machen, aber die letzteren sind immer in offen werdende Stellen als ordentliche Ritter eingetreten. Eine der letzten Handlungen der Königin war die Verleihung des Ordens an den Earl Roberts. Außer von der königlichen Ia-
Mr:rie verneinte öie Frage. Der Vaier fei so verschlossen unb vertraue ihr nichts an, klagte sie. Sie habe nur beobachtet, wir er täglich düsterer werbe unb habe gehört, wie er vor sich hingemurmelt: nun fei es bald mit allem aus und ber Zusammenbruch da. Seitdem sinne sie hin und her, wie man ihm wohl helfen könne: heute nun sei ihr der Gedanke gekommen, ob die kluge Schwester nicht vielleicht Rath wisse?
Diese saß aber mit zusammengezogenen Brauen da, finster und hart, unb schüttelte verneinend den Kops.
„Ich habe mir ein Herz genommen und den Vater gefragt, ob ich nicht an Karl fchreiben solle," endete Marie weiter; „da bin ich aber schön angekommen. Er hat gerufen: lieber wolle er betteln gehen, als die Hilfe dessen ansprechen, den er in guten Tagen fortgewiesen habe. Ganz blaß vor Zorn ist et geworden."
„Dann ist ihm freilich nicht zu helfen," meinte Helene kühl.
„Wenn Karl nicht doch kommt, und ich glaube, er kommt!" sagte Marie geheimnißvoll.
„Wieso?" fragte Helene verwundert.
„Ich habe mit Lina Rudhart gesprochen, die sich gar theilnehmend erkundigte, wie es mit uns stände; seitdem mache ich mir nun meine eigenen Gedanken."
„Mit Lina?" Helene zog die Brauen usammen. „Sind wir so weit herunter, daß wir Rath und Hilfe einer Nähmamsell beanspruchen müssen?"
Marie ließ sich durch die unfreundliche Rede keineswegs einschüchtern; ihr kindliches Gesicht zeigte einen recht entschlossenen Ausdruck, al8 sie
mitte wird der Orden jetzt von 17 fremden Monarchen und Prinzen getragen, die aber alle Europäer sind. Der älteste Ritter des Ordens ist König Christian von Dänemark, der jüngste der deutsche Kronprinz. ,Daily Chronicle' meint, bet Orden werde wahrscheinlich auch der Königin von Holland bei ihrer Hochzeit verliehen werden.
h In dem Gesetze AVer das Urheberrecht hat die Reichstags-Kommission, die für dessen Vorberathung eingesetzt ist, Verbesserungen für die Autoren nach Anträgen der Abgeordneten Dr. Oertel (kons.), Dr. Müller-Meiningen (ftetf. Volksp.) und Dietz (Soz) eingesetzt. § 24 lautet nunmehr: „Auf Grund bet §§ 19—23 ist die Benützung eines fremden Werkes nur bann zulässig, wenn an den benutzten Thrilen keine Abänderung »otgenommen ist." Werden einzelne Gedichte, einzelne Aufsätze oder kleinere Theile eines Schriftwerkes in eine Sammlung zu« Schulgebrauche aufgenommen, so find die für diesen Gebrauch erforderlichen Aenderungen nur mit Genehmigung des Verfassers zuläsfig."
O Die Derlegrmg des Uahrrhofes Wetz beschäftigte am vergangenen Freitag wiederum die Budget-Kommission des Reichstages. Nach dem Berichte des Abg. Möller-Duisburg hat sich die zur Prüfung besagter Forderung im Betrage von 4,800,000 Jb. eingesetzte Unterkommisston in dem Anträge geeinigt, zunächst nur für Grunderwerb und Entwurf eine Million Mark zu bewilligen. Die Budget-Kommifstou in ihrer Ge- sammtheit hat diesem Anträge beigeftimmt.
Ans dem Reichstage, sy 40. Sitzung vom 4. Februar.
Auf der Tagesordnung der heutigen (MontagS)- Sitzung stand die Fortsetzung der zweiten Gtats- lesung, insbesondere des Justiz-Etats. Bei Eröffnung ber Sitzung waren keine zwanzig Abgeorbnete im Sitzungssaale anwesend
Der natl. Abg. AaffermauN tadelte einige Mißstände in b»r BectchtSverwaltung der bayerischen Pfalz und trat sodann wieder einmal für die Einführung kaufmännischer Schiedsgerichte ein; es sei nun Zeit, daß das Reichsjustizamt endlich an die Lösung dieser Frage herantrete, wenn daS' ReichSamt deS Innern überlastet fein sollte. Außerdem wirft der Redner die Frage auf, wann der geforderte Schutz der Bauhanb- werker endlich eingeführt werde.
Staatssekretär Aieverdtng weiß nichts von de« gerügten Zuständen in der bayerischen Pfalz und theilt weiter mit, daß daS Justizamt mit der Frage der Kaufmännischen Schiedsgerichte sich noch nicht beschäftigt hat. Herr Baffermann möge sich deswegen an de« Staatssekretär des Innern wenden, lieber die Frage des Bauhandwerkerschutzes ist die eingesetzte Kommisfi»« noch nicht einig geworden.
Auf eine Anregung des freis. Abg. er
widert der Justtzsekretär, daß die Regelung be« GerichtSvollzieherwesers ein Recht der Einzelstaaten sei, auf das diese schwerlich verzichten würden. In der Frage der Entschädigung unschuldig verhafteter Leute ist der Bundesrath zur Zeit nicht in bet Lage, de« Wünschen des Hauses stattzugeben.
Dec sozialdemokratische Abgeordnete Stadthaseee tadelte die Nichtbeachtung oller möglichen Beschlüffe deS Reichstages durch den BundeSrath. Namentlich machte er einigen Beamten, die aus dem Steruberg- Prozeffe bekannt find, geschwiorige Handlungen zu» Borwurf, worauf Staatss-kretär Nieberdtng antwortete, es sei gar nicht seine Aufgabe, Urtheile abzugeben über schwebende Prozeffe. Der Sternberg- Prozeß schwebt noch, denn er befindet sich in der Revision sinstanz. Da könne man nur abwarten, wie daS Reichsgericht entscheiden werde.
erroieberte: „Ich sehe gar nicht ein, weshalb ich nicht offen mit ihr reden sollte; fie meist es gut mit uns und wirb hoffentttch doch noch KarlS Frau. Ich habe Deine Abneigung gegen fie nie begriffen, Helene."
„Unb ich verstehe nicht, wie Du D'inem Bruder nichts Besseres gö-men magst als die Heirath mit einer so untergeordneten Persönlichkeit."
„Untergeordnet? Vielleicht bin ich einmal noch recht froh, wenn fie mir von ihrer Kundschaft abtritt; ich würde durchaus nichts Beschämendes darin finden, sür die Leute zu arbeiten.....sieh mich nicht so finster an,
Helene, ich bleibe dabei: sich selbständig durch- brngen mit ehrlicher Arbeit ist keine Schande» sondern ehrenvoll. Abhängigkeit kann aber recht drückend sein."
Helene zuckle zusammen. O ja, die junge Schwester hatte recht, tausendmal recht. Wieviel reier, befriedigender, ehrenhafter war doch Lina Rudharts Leben als das ihre! Lina war Lohn- arbeiterin unb doch thatsächlich frei, während fie elbst fich in eine Abhängigkeit begeben hatte, die ie doch nicht zu tragen verstand. Und Lin« jatte ihr vorausgesagt, wie es kommen würde und hatte recht behalten. Schamröthe stieg ihr ms Geficht, so oft fie dieser Unterredung ge- »achte und brennende Scham ergoß fich wie ein Feuerstrom durch ihre Adern, wenn fie fich mit liefern Mädchen verglich, das so standhaft an«- zuharren verstand. Helene wußte, Lina habe eine vorteilhafte Heirath «uSgeschlagen, nm Karl treu zu bleiben, wußte auch, daß fie dabei Entschlossenheit genug besaß, des Geliebten Bitte