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Fuldaer

Fulda und aus» «rt»l».SOPf.

jn 28.

Juköa, Montag, den 4. Februar 1901

28. Jahrgang

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Wtt- siihrl.

In ihrem Widersinne steht sie im engsten Zu­sammenhang mit den Trugschlüffen unserer Händler- interessenten, die sich hinter dem Schilde der sog. FrelhandelSgrundsätze verbergen. Denn auch diese scheuen sich nicht, um Besorgnifle vor angeblich bevorstehenden ungünstigen Wirkungen einer Er­höhung unserer Getreidezölle zu erzeugen, in einem Athem zu behaupten,?daß der deutsche Arbeiter den Zoll bezahlen muffe, und daß die Einführung erhöhter Getreidezölle unr in unliebsame Ver­wickelungen mit anderen Ländern bringen würden. Abgesehen von der geradezu widerlichen und durch- au« verlozenen Hetzmethode, daß die Zölle au: den Schaden des deutschen Arbeiter« berechne seien, ist auch diese ganze Agitation-weise voll­kommen widersinnig: wenn der Zoll durch die Verbraucher im deutschen Jnlande aufgebrach' würde, müßte er für da» Ausland außerordentlich gleichgtltig sein; und wenn durch die Erhöhung der deutschen Getreidezölle die Gefahr unliebsamer Verwickelungen mit dem Au-lande heraufbeschworen werden sollte, würde da» nur unter der Voraus­setzung möglich sein, daß da« Ausland den Zoll zahlen müßte, und alsdann müßten wiederum die deutschen Jnlandverbraucher unberührt davon bleiben. Man sieht wieder einmal, daß Uebereifer nur schadet. Die Kreise der Händler und Speku­lanten, die durch ihre ungesunden Machenschaften und Preistreibereien am meisten zur Vertheuerung des Brodgetreides beitragen und nun durch die von ihnen abhängigen Zeitungen und Parlamen­tarier gegen den nothwendigen Zollschutz agitiren laffen, weil dieser sie in ihren Spekulationen ein wenig stören könnte, sind deswegen in Uebereifer gerathen und werfen Vernunft und Unsinn in einer Weise durcheinander, daß man kaum noch begreift, wie die Urheber solcher Agitationen im Ernsts damit rechnen können, auf solche Weise den gesunden Sinn der deutschen Volksmehrheit zu beeinflussen.

Und vor weichem Au-lande hätten wir uus wohl zu fürchten? Vor den Vereinigten Staaten von Amerika? Diese brauchen unfern Markt für ihre Erzeugnisse weit mehr als wir den ihrigen, das ist während der letzten Jahre reichlich oft nachzerviesen worden. Oder etwa vor Rußland? Das hat schon einmal in «euer Zeit einen Zollkrieg mit uns verficht, de» sogar Graf Caprivi nicht scheute, von t-.-m auch die wildesten Freihändler nicht behaupte werden, daß er unversöhnlich in Zollfragen war; und als das Zarenreich eine Zeit lang diesen Ver­such deS Zollkrieges mit Deutschland gemacht hatte, sah es et», daß eS in seinem Jntereffe nichts Befferes thun konnte, als wieder Frieden zu schließen. Das ist jetzt noch ganz genau so wie vor sieben und acht Jahren, und de»wegen können verständige Mensche« zu den Angst­versuchen der Freihändler nur lächelnd die Achseln zucken. Etwas anderes sind sie nicht werth!

sagen, daß Du in Deiner Ehe unglücklich machen und unglücklich werden wirst, denn wo die Liebe fehlt, fehlt auch die Nachsicht und die Geduld . . Und wa» da» Schlimmste ist: man sagt sich, Herr Blankenhorn habe keine Religion! Du bist goltes- ürchtig gewesen zur Zeit, al« wir miteinander in die Schule gingen . . . kannst Du jetzt gleich- giltig geworden sein?"

Helenen« Stimme zitterte vor Unmuth, als sie erwiderte: „Wie überaus gütig von Dir, Dich um meine» Verlobten Seelenheil zu kümmern. Das ist aber ein Punkt, an den ich nicht gerührt haben will, merk' Dir das, Lina. Hast Du sonst noch etwa» zu sagen?"

Lina faltete bittend die Hände: „Nur zu ritten, daß ®u, ehe Du Dich unwiderruflich bindest, Dich vor Gott prüfst, ob, wa« Du thust, auch recht ist. Laß Dir von Karl rathen, er lebt Dich, liebt euch alle; thu' ihm das nicht an, riesen Mann zu heirathen, von dem er gering denkt."

Helene kannte sich kaum mehr vor Zorn. Es war nicht so sehr Lina« Einmischung, die ihn hervorrief, als Gefühle de» Neide», der Erbitte­rung, die sich in ihr drängten. Die« unscheinbare, unbedeutende, ungebildete Mädchen hatte die tiefe Liebe eine« ehrenhaften, geachteten Manner er- worben. Ein» im Denken, ein« im Fühlen, mußten sie e« ja mit der Zeit erreichen, einander anzugehören und in glücklicher Vereinigung durch ras Leben zu gehen — während sie, non widrigem Geschick getrieben, sich einem Blankenhorn in die Arme warf. Die eigene Selbsterniedrigung war e«, die sie Lina nicht verzieh.

Dennoch aufwärts.

Roman von L. v. Neidegg.

------ (Nachdruck verboten.)

Deutsches Weich.

Berlin, den 1. Februar.

* Folgender Krk«ß tz-s Kaisers wurde in der Freitagnummer des .RerchSanzeigers' vsr- öffentlicht:

Nach der herzerhebenden. Mich hochbrglückenden Festesfreude, mit welcher der so bedeutsame LOOjSbrige Gedenktag der Erhebung Preußens zum Königreiche im

0 Angstmeierei.

Dem Auslande ist es doch gewiß nichts Neues mehr, daß die deutschen Getreidezölle wieder erhöht werden solle«, nachdem es sich unzweifel­haft gezeigt hat, daß die Herabsetzung, wie sie durch die letzten Handelsverträge herbeigeführt wurde, vollkommen unhaltbare Zustände ge- schaffen hat. Darüber ist nun bereits so viel geschrieben und in den Parlamenten gesprochen worden, daß unbedingt jeder gebildete Ausländer, der einigermaßen seine Zeitung liest, das wiffeu muß — von den Regierungen natürlich ganz abgesehen. Und dennoch beginnt auf einmal, scheinbar auf ein bestimmtes, von einer Hauptstelle aus gegebenes Kommando, eine Art Hetze gegen das deutsche Reich, weil e« nothgedrungen seine Getreidezölle wieder hinauf­setzen will, gleichzeitig mit dem Toben der deutschen Freihändler in unseren Volksver­tretungen, die sich ebenso anstellen, als sei die Absicht der Zollerhöhung erst durch die bekannte Erklärung des Reichskanzlers Grafen Bülow offenbar geworden. Diese eigenthümliche Ueber- einstimmung in falschen und künstlich geschaffenen Voraussetzungen ist durchaus geeignet, daS Miß- trauen zu erwecken, als sei das Ganze eine non dem Berliner sogenannten HandrlSvertrags- Berein und von finuesverwanvten Kreisen t«S Werk gesetzte Mache; und diese Mache ist zum Theil so außerordentlich ungeschickt, daß mau verwundert sich fragt,' wie dergleichen Un­gereimtheiten denn eigentlich möglich seien!

Ein Beispiel dafür liefert unter anderen der ,Psster Lloyd" in Budapest, em Blatt, da» im allgemeinen ungarische RegierungspolrÜk unter­stützt, in sehr vielen Stücken aber von jeher den besonderen Jntereffe« internationalen Händler­cliquen dient. Schon die Tonart, in der dieses Budapester Blatt über die deutsche Getreidezoll- srage schreibt, ist demerkensrverth: Graf Bülow und die deutsche Regierung sollen danach „voll­kommen ix den Bann der Agrarier gezwunzen sein" — und nachher liefert der ,Pester Lloyd" den klarste« Beweis, daß er von den Dingen, auf die eS eigentlich ankommt, nicht die aller­geringst- Kenntniß hat. Fast in einem Athem- juge stellt er nämlich zwei Behauptungen auf, die einander vollkommen widersprechen: er sagt zuerst, den Zoll würden die nicht agrarischen Berufsstände tu Deutschland zahlen — und be­hauptet ganz kurz hinterher, da« ungarische Jntereffe würde durch die Erhöhung der deutschen Getreidezölle hart betroffen werden! Nur eines von beiden Dingen ist möglich, nicht beide zugleich, und solche widersinnige Leistungen auswärtiger Blätter benützen diejenigen deutschen Jntereffex- kreise, die zu eigner Bereicherung der deutschen Landwirthschaft den ihr unumgänglich nothwen­digen Zollschntz versage« wollen, um für ihre besondere« eigennützigen Zwecke zu wirken. Daß sie damit den gewünschten Eindruck nicht Hervor­rufen, liegt auf der Hand. Nichtsdestoweniger wird die neuerdings begonnene Hetze nicht so bald wieder von der Tagesordnung verschwinden, und nur deswegen, um die kläglichen Mittel zu kennzeichnen, mit denen sie betrieben wird, wurde hier als ein hervorstehendes Beispiel die erwähnte Zeitungsstimme aus Budapest angeführt.

mit Nnterhaktungs Meitage „Zlluflrirte Sonntags-Zeitung!"

Sie kam zu keiner günstigen Stunde. Helene hatte soeben an Karl die abweisende Antwort geschickt, war auch noch ganz unter dem Eindruck seines Arleses: verbittert, verstört, entschlossen, ihren eigenen Weg zu gehen. Sie befand sich in jener unheilvolle« Stimmung, die schon manche zu einem verzweifelten Entschluß, zur raschen, das Leben unwiederbringlich schädigenden That getrieben hat.

„Was bringt Dich her?" redete sie die Be­sucherin a», die verlegen vor ihr stand. „Du mußt wohl ganz besondere Gründe für Dein Kommen haben, denn ich erinnere mich nicht, daß Du jemals hier gewesen wärest."

„Verzeih' . . . verzeih'," stotterte Lina ver­wirrt, als sei sie es, die eine Schuld zu bekennen habe. Sie sah schüchtern an Helene hinauf, die stolz und kalt sie anblickte und keine Miene machte, sie zum Sitzen einzuladen. „Ich weiß, ich hätte wohl eigentlich nicht kommen sollen .... aber.... aber" ....

»Sag' mir, weshalb Du also doch gekommen

Der spöttisch wegwerfende Ton weckte Linas Selbstgefühl; sie fand ihren Muth wieder.

„Ich mußte sehen, ob ich Dich nicht zurück­halten könnte" ....

„Zurückhalten? Wovon?"

„Von der Sünde," stieß Lina angstroll hervor.

„Der Ausdruck ist stark. Prüfe Dich lieber, ob es nicht Sünde ist. Dich gegen den Willen von Karls Vater zu einer heimlichen Verlobung zu verstehen."

„Seine Mutter hat mir ihren Segen geschickt. Wir wollen ja auch geduldig warten, dis sein Vater den seinen gibt. Aber Du . . . Du ... Helene! Ich muß Dich warnen . . . Weißt Du denn, daß Dein Bräutigam für hart gilt, für . . . jähzornig?"

Helene lachte spöttisch: „Das ist wohl in Deinen Kreisen so Sitte, Lma Rudbart, der Braut UebleS zu sagen über den Bräutigam? Du solltest doch einsehen, daß ich gegen ihn nichts töten kann, «och will."

„Liebst Du ihn denn genug, um über seine Fehler hinwegzusehen?"

„Das ist meine Sache."

Linas Wangen rötheten sich, da« Feuer der Nächstenliebe, das sie ergriffen hatte, belebte ihren Muth; die Worte kamen nicht länger stockend über ihre Lippen, sie brachen hervor wie ein warmer Strom: „Helene, ich bin arm, recht arm, ich habe sogar bittere Noth gekannt. Es hat Tage gegeben, ehe ich meine gute Kundschaft mir er­worben, an denen ich mich hungrig zu Bette legte, weil da« Effen nicht langen wollte für un« Drei. Niemal« aber hätte ich mich verstanden, einen Mann zu heirathen bloß um seiner Geldes willen, denn da« ist Sünde."

„Dar ist Ansichtssache. Offen gestanden, Deine Ansicht über diesen Punkt zu hören, interessirt mich nicht."

„Aber Du mußt sie hören. Jemand muß Dir

»anzen Lande gefeiert werden konnte, ist durch den Heimgang weiland Ihrer Majestät der Königin von Großbritannien und Irland, Meiner vielgeliebten und hochverehrten Großmutter, tiefe Trauer über Mich und Mein HauS gekommen. Unter dem frischen Eindruck dieser Heimsuchung habe Ich Meinen diesjährigen Ge­burtstag an der Bahre der edlen Fürstin in stiller Ein- kehr begangen. Um so wärmer und lauter sind aber an Mein landeSväterlicheS Herz die zahlreichen Kundgebungen auS der Heimath gedrungen, welche Mir die innige Theilnahme Meines BolkeS an Meinem Schmerze sowie seine treue Fürbitte für Mein ferneres Wohlergehen zum Ausdruck gebracht haben ES hat Mir wohlgethan, erneut zu erfahren, in welch freundlicher Weife Meiner an Meinem Geburtstage in den deutschen Landen und seitens der im Auslande «eilenden Deutschen gedacht wird, und drängt es Mich, allen Betheiligten Meinen wärmsten Dank zu erkennen zu geben. Gott der Herr aber wolle das deutsche Bolk in allen seinen Schichten und Gliedern auch ferner in seinen gnädigen Schutz nehmen und deutsche Treue, deutschen Fleiß und deutsche Arbeit allezeit mit Segen krönen! Ich ersuche Sie, diesen Erlaß alsbald zur öffentlichen Kenntniß zu bringen.

OSborne, den 30. Januar 1901.

„ t Wilhelm, I. B.

An den Reichskanzler.

© Per KRlrvArf des Neuen Zolktsriss soll nach vorliegenden Blättermeldungen spätestens am 15. Februar aus dem Reichsschatzamte an den Bundesrath gelangen. Möglicherweise würde alsdann die Vorlage unmittelbar nach der parla­mentarischen Osterpause dem Reichstage zugehen könne«. Jedenfalls erscheint die dazwischen liegende Zeit von zwei Monaten ausreichend für die Berathungen des BundesratheS. Hoffentlich entspricht die Meldung dem wahren Thatbestande

h. Dir Lngr 6er LsrndwiriHschsft bildete das Thema einer Ansprache, mit welcher der preußische Landwirthschafts - Minister Freiherr v. Hammerstein heute (Freitag) das oersam- mrlte preußische Landesökonomie - Kollegium be­grüßte. „Indem ich Ihnen," so lautet ein« Stelle dieser Ansprache, „meinen Gruß entbiete, gebe ich der Hoffnung Ausdruck, daß im neuen Jahrhun­dert die Lage der Lanswirthschast sich günstiger gestalten werde als im abgelaufenen. Jedenfalls ertheile ich Ihnen die Zusage, daß ich, soweit es in meinen c? ■ «gen Kräften steht, mitwirken werde, um die Vu -;e der Landwirthschaft zu vrr- beffern, und daß s an meinem guten Willen und an meinem Pfl>. .Bewußtsein nicht fehlen wird." Sehr bedeutung o-ll ist eine Abstimmung, welche die württemb- rgjsche Abgeordnetenkam­mer am letzten F eitag vorgenommen hat. In einem Anträge wi ö die Regierung ersucht, int Bundesrathe für tue ausreichende Erhöhung der Getreidezölle, insbesondere auch der Einfuhrzölle für Gerste und Hafer, einzutreten, und dieser Antrag ist mit 63 gegen 20 Stimmen angenom­men worden. Auch 6 Mitglieder der süddeut- scheu Demokratie haben für den Antrag ge­stimmt. Die «ürttembergische Regierung wird nicht ermangeln, im Sinne dieses Antrages zu handeln; denn schon am 30. Januar erklärte auf eme aus dem Centrum an ihn ergangene Anfrage Ministerpräsident Freiherr Schott von Schot­ten stein, die württembergische Regierung halte eine namhafte Erhöhung der Getreidezölle für gerechtfertigt und unvermeidlich. Gleichzeitig hat der bayerische Landwirthschaftsrath eine Entschließung gefaßt, in welcher der sicheren Er­wartung Ausdruck gegeben wird, daß unter gleich­zeitiger Einführung des Doppeltarifes eine Er­höhung der jetzigen landwirthschaftlichen Zölle in

dem Maße erfolgen werde, als eS das Gesammt- Jntereffe des Staates in dem Fortbestehen der heimischen Landwirthschaft als unbedingt erforder­lich erscheinen läßt.

X Der Gesetzentwurf üöer die Schanm- rvsi«steuer ist vom Bundesrathe angenommen und sofort an den Reichstag weitergegeben wor­den. Nach dem Entwürfe beträgt die Schaum- weinsteuer im wesentlichen: 20 Pfg. für die Flasche Schaumwein, der aus Obstwein hergestellt ist; für andern Schaumwein, der durch Flaschgärung herge- stellt ist, 60 Pfg.; für Schaumwein, der nicht durch Flaschengärung hergestellt ist, 40 Pf. Fürjede halbe Flasche ist die Hälfte und für jede kleinere Flasche ein Viertel der auf die Flasche entfallenden Steuer zu entrichten. Das Gesetz soll am 1. Oktober 1901 in Kraft treten. Schaumwein, der sich am 1. Oktober außerhalb einer Schaumwein« fabrik, Zollniederlage oder steuerfreien Niederlage befindet, unterliegt einer Nachsteuer. Auch die Novelle zum Weingefetze ist vom Bundes­rathe angenommen worden und wird dem Reichs­tage alsbald zugehen.

* Wie für den Auud der Lvudmirkhe Mit­glieder geworben werden, erzählt die ,Preuß, Lehrerztg." auf Grund von Vorkommnissen in West­preußen. Nach dem Vortrag geht das Mitglieder­werben an! Zuerst werden die Handwerker bearbeitet. Ist der Mann nicht willig, dann heißt es: „Du, mit ■ kaufen nichts mehr von Dir, wenn re." Wenn beim Bauern die Versprechungen billigen Bezuges von Futter- und Düngemittel nicht ziehen, dann wird die Schweineverstcherung gegen Trichinen angeführt. Zaudert er noch, dann kommt die Mahnung: „Wir gehen «ixet schweren Zeit entgegen, wir muffen verbluten, wir gehen alle bankerott, — darum tretet wenigstens so lange bei, bis die Handelsverträge fertig sind!- Schließlich wird zunächst der Name eines Schwankenden in die Liste ein­getragen. Danach wollen andere nicht zurückbleiben." — Dir Zwangswerbungen für den Bund der Land- wirrhe sind nichts Neues. Schon vor mehreren Jahren hat bekanntlich Amtsvorsteher Schirner-Neuhaus in einer Bundesversammlung erklärt, jeder solle Mitglied d«S Bundes werden, Bauer, Knecht und Nachtwächter; und um das zu ermöglichen, müffe man in den einzelnen Dörfern Versammlungen einberufen, einfach die Saal- thüren zuschließen und dann solle jeden der Texsel holen, der nicht mit unterschreibt, Er und rin Major v. N. hätten es so gemacht.

X Neve sozinkpok'tislHe Ikngökättrr veröffentlicht soeben der VolkSoerein für da« katholische Deutschland, welche augenblick­lich besonderem Jntereffe begegnen werden. Da« eine dieser Flugblätter (Nr. 17) betrifft die im Vordergrund lebhaftester Erörterung stehende Frag« der Getreidezölle: „Ist eine Erhöhung der Getreidezölle nothwendig?" Eine ruhige sachgemäße Darstellung dieser Frage, insbesondere der Gründe, welche für eine nothwendige Er­höhung der bestehenden Getreidezölle, aber auch ebenso gegen eine zu weit gehende Erhöhung der­selben sprechen, ist gegenwärtig wohl am Platze. Und das vorliegende Flugblatt entspricht diesem Bedürfniß in trefflicher Weise, indem es folgende Sätze aufstellt und durchaus sachlich behandelt: 1. Die deutsche Landwirthschaft leidet unter einer drückenden Noihlage. 2. Diese Noihlage wird hauptsächlich verursacht durch die zu niedrigen Ge­treidepreise. 3. Eine Hebung der Getreidepreise ist zur Zeit nur zu erreichen durch Erhöhung der Getreideschutzzölle. 4. Die Einwendungen, insbe­sondere der Sozialdemokraten gegen eine mäßige Erhöhung der Getreidepreise sind nicht stichhaltig. — Gleiche Beachtung verdient das andere Flug-

„Karl steht für sich ein, ich für mich/" er­widerte sie schroff. „Beenden wir das Gespräch, auf das ich mich nie hätte einlaffen sollen."

Die Stimme, die kurz und hart die Worte hervorstieß, der feindselige Gesichtsaurdruck zeigten Lina, daß sie sich einem unerschütterlichen Ent­schlüsse gegenüber befand. Sie versuchte keine Gegenrede mehr, sondern ging mit ihrem leisen Schritt der Thüre zu.

„Ich werde Dich bestellen, sowie ich mir die Kleider zur Aussteuer machen lasse, rief ihr Helene nach.

Da wandte sich die sanfte Lina mit flammen­den Augen um: „Diese Bestellung nehme ich nicht an, Fräulein Armbruster."

Drei Wochen später kniete Lina in einem Seitenschiff der Kirche und betete mit thränen« feuchten Augen für Helene, die mit Blankenhorn vor dem Altar stand.

XIV. Kapitel.

Uebrr der Landschaft lag der Sonnenschein eines heißen Sommer. Nachmittags. Die >ol- denen Strahlen glitten über den in sanfter Ab­dachung sich hinziehenden Garten des Linden- Hofes, um auf der von bewaldeten Höhenzügen umsäumten Ebene zu lagern. Dort, zwischen dem saftigen Grün der Weidelandes, erschim­merte auf den Torfmooren das Rosenroth deS blühenden Heidekrautes. Auf den Bächen, welche die Ebene durchrieselten, um schließlich in das Flüßchen einzumünden, das den Fuß der Stadtmauer umspülte, hüpften Sonnenstrahlen auf. Sie glitzeren und flimmerten auf dem

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