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mit Zlnterhattungs -Meikag« „Illustrirte Sonntags-Zeitung"
Jts. 26.
Jutöa, Donnerstag, den 31. Januar 1901.
28. Jahrgang.
O Das Judenthum und die Liberalen.
Mit großer Ausdauer kämpfen die Zionisten für ihren Gedanken, einen allgemeinen deutschen Judentag zu gründen und innerhalb bestimmter Zeiträume in steter Wiederholung abzuhalten. Erst neuerding« wieder hat eine weitere Versammlung, veranstaltet von der Berliner zionistischen Vereinigung, mit großer Mehrheit eine Entschließung angenommen, in der die Errichtung eine« allgemeinen deutschen Judentages für dringend wünschenSwerth erklärt wird. De« deutschen Judentages Aufgabe soll e« nach dieser Entschließung sein, der Juden angeblich bedrohte staatsbürgerliche Rechte zu wahren, das Gefühl der Zusammengehörigkeit und das berechtigte Selbstgefühl der Juden zu heben, und eine wirkliche Vertretung der deutschen Judenheit zu werden.
Wenn die Juden, oder, nach dem Ausdrucke jener Entschließung, die Mitglieder der deutschen Judenheit einen deutschen Judentag einrichlen wollen, so steht ihnen das unbedingt frei. Aber wenn sie mit ihren Entschließungen in diesem Sinne vor die Oeffentlichkeit treten, dann steht auch der öffentlichen Meinung das Recht der Kritik zü; und diese Kritik wird hier ziemlich kräftig heraurgefordert. Wer bedroht wohl die staatsbürgerlichen Rechte der Juden bei uns in Deutschland? Es würde den Berliner Veranstaltern der Judentag« - Versammlungen sehr schwer werden, hierauf eine bestimmte Antwort zu geben, denn es weiß cs doch jedes politische Kind, daß bet uns die Juden genau dieselben staatsbürgerlichen Rechte haben wie die Christen- Durch solche Redewendungen, wie die angeführte, schaden die Berliner Herren ihren Plänen sehr; denn man kommt nach der Lage der Dinge unwillkürlich auf den Gedanken, daß der angestrebte Judentag nach dem Sinne ihrer Veranstalter ein Werkzeug werden solle, um der Judenheit zu einer besonders bevorrechteten Stellung in Deutschland zu verhelfen. Der andere Satz von der Hebung des Selbstgefühls der Juden ist ganz danach an- gethan, diesem Gedanken eine weitere Stütze zu geben. Fehlt es denn den modernen Juden wirklich so sehr an Selbstgefühl? Die Frage möge hier unbeantwortet bleiben. Aber es gibt viele, sehr viele Leute bei uns in Deutschland und anderwärts, die diese Frage unbedingt verneinen werden. Man kann also nicht behaupten, daß der Gedanke der Errichtung eines allgemeinen deutschen Judentages durch die vorerwähnte Entschließung gut begründet sei.
Recht intereffant lesen sich die Berichte über de» politischen Theil der Verhandlungen jener Berliner AzitationSversammlungen. Wie ein rother Fade» zieht sich alle diese Reden hindurch eine Absage an die liberalen Parteien. Die Judenheit gibt diesen Parteien fett Jahrzehnten ihr Geld für Wahlzwecke hin, und doch muß sie es erleben, daß auch die Liberalen zu antisemiteln anfanqen, ganz abgesehen davon, daß keine liberale Partei mehr jüdische Wahlbewerber aufstellen mag. Selbst der gute alte Herr Rickert, der sich die unglaublichste Mühe gibt, mit seinen verschiedenen Vereinen, die sehr viel Geld kosten und von einem zum andern Jahre immer we»iger
die Wünsche ihrer jüdischen Geldgeber befriedigen, die Interessen der Judenheit zu fördern, ist in diesen letzten Berliner zionistischen Versammlungen so arg mitgenommen worden, daß er einem beinahe leid thun könnte. Kein einziger der Redner in diesen Versammlungen wollte noch etwas von Herrn Rickert wissen; alle vielmehr kamen in der Anschauung überein, daß die Judenheit auch politisch selbständig werden müsse, und zwar so, daß die Regierung keine Opposition, keine Schwierigkeiten von der neuen jüdischen Richtung zu erwarten haben würde.
Mit der Sozialdemokratie wollen die Herren also auf keinen Fall zusammen arbeiten, obwohl ja gerade in jüngster Zeit die Sozialdemokratie starken Zuzug und reichliche Unterstützung aus jüdischen Kreisen erhalten hat. Von den liberalen Parteien rücken sie energisch ab, und dennoch streben sie danach, Vertreter der Judenheit in die Parlamente zu bekommen. Wie wollen sie das machen? Eine jüdisch-nationale Partei mit konservativer Politik ist ja an und für sich ein recht hübscher Gedanke; aber wer will ihn in die That umsetzen? Die Herren, die für den Gedanken eines allgemeinen deutschen Judentages arbeiten, mögen sich hüten davor, daß sie nicht gar zu stark dem Fluche der Lächerlichkeit anheimfallen!
Aber wenn die Herren etwas thun wollten, das ernsthafter Bemühungen werth ist, so sollten sie vor allen Dingen einen energischen Kampf aufnehmen gegen das glaubenslose moderne Reformjudenthum, das namentlich in den großen Städten sich breit macht und mit am allermeisten beiträgt zur immer weitern Ausbreitung antisemitischer Regungen im Volke. Leider aber wollen gerade diese Leute von der Errichtung eines Judentages nichts wissen; und somit ist nicht einzusehen, welchen Zwecken eigentlich ein solcher Judentag dienstbar gemacht werden sollte. Vermuthlich werden die Väter des Gedankens noch sehr viele Worte vergeblich für ihn in die Welt hi»ausse»den.
>6 WS—
Deutsches Deich.
Berlin, den 30. Jmuar.
h, Der Kaiser wird nach den beuchenden Plänen bis Montag Abend in England ve bleiben und an dem genannten Abend mit seiner Dacht „Hohenzollern" von Port Viktoria absegeln. Die fremden Kriegsschiffe, die an der Flottenparade in Spithead theilnehmen sollen, werden Donnerstag alle dort versammelt sei». Am SamStag «erden alsdann die verschiedenen Schiffe wieder in ihre Heimath zurückkehren. Den deutschen Fahrzeugen soll die Ehrenstelle bei der Flottenparade eingeräuml werden. Leider können sich auch bei dieser Gelegenheit mehrere englische Blätter nicht versagen, politische Luftschloffer auf dem Besuche des Kaisers in England aufzubauen und sich sogar zu den kühnsten Luftschlössern zu versteigen von einem allgemeinen Bündnisse zwischen Deutschland und England und dergleichen mehr. Solcher Unsinn bedarf für den verständigen Deutschen keiner Widerlegung. Es verdient in- dessen erwähnt zu werden, daß auch russische Blätter, die sonst «ns Deutschen nicht hold zu
Dennoch aufwärts.
Roman von L. v. Neid egg.
22 ------ (Nachdruck verboten.)
XIII. Kapitel.
Das Gerücht von Helenens Verlobung hatte rasch das ganze Städtchen durchlaufen und war auch zu Dr. Merk gedrungen; eß hatte seine Frau mit Schadenfreude, ihn selbst mit der Wrhmuth erfüllt, die gutherzige Menschen ergreift, so oft sie eine dunklere Seite im Charakter anderer entdecken. Und hier handelte eß sich um ein Mädchen, an dem er besonderes Interesse nahm, über welches zu wachen er versprochen hatte. Noch war daß Gerücht aber nicht bestätigt; vielleicht konnte es ihm gelingen, Helene von dem verhängnißvollen letzten Schritte zurückzuhalten. Gleich am nämlichen Tage sprach der alte Herr in der Fabrik vor und verlangte Fräulein Helene zu sehen.
In die ungemüthliche „gute Stube" geführt, blieb er vor dem Bilde von HelenenS Mutter stehen, daS deren besten Schmuck auSmachte. Zu Herrn MuicierS Glanzzeit von einem wirklichen Künstler gemalt, war es ein lebensvolles, charakteristisches Bild. Ein Mädchengesicht lächelte ihm aus dem Rahmen entgegen, das, weder schön noch geistreich, doch etwas ungemein Anziehendes hatte durch den Ausdruck kindlicher Reinheit und vollendeter Herzensgüte, die die unscheinbaren Züge verklärte. Die dunklen Augen blickten den Beschauer wohlwollend an. Der alte Doktor meinte, aus ihnen Ermunterung zu seinem Liebeswerk herauslesen zu dürfen.
Endlich trat Helene ein, die man auS den Arbeitsräumen hatte holen müssen. Sie trug den Staub der Fabrik an ihren Kleidern, die Spuren der Seelenkämpfe in ihren Zügen. Dem Doktor fiel auf, wie sie an Schönheit gewonnen, feit er sie zuletzt gesehen hatte, wie hingegen jede Spur von Lieblichkeit weggewischt war. Das in Empörung getragene Leid hatte harte Linien in d«S Gesicht gegraben und den Augen ein düsteres Feuer verliehen. Er erkannte, daß ein gewaltiger Sturm durch ihre Seele brause und fragte sich bangend, ob dieser Sturm reinigend darüber fahren ober, Verwüstung zurücklaffend, vorübergehen würde.
Helene begrüßte den alten Herrn steif und förmlich und fragte, was ihr die Ehre seines Besuches verschaffe?
Als er erwiderte, er bringe Bücher, die fein Sohn noch für sie ausgesucht habe, wolle ihr zugleich dessen Abschiedsgruß bestellen, zuckte es um ihre Lippen. Der Ton, in dem sie dankte, dabei versicherte: sie habe jetzt keine Zeit zum Lesen, klang beinahe unhöflich in seiner Kälte.
Der Doktor ließ sich so rasch nicht abweisen. „Hier das eine Buch möchte ich Ihnen empfehlen," sagte er, ein schön gebundenes Exemplar von Longsellows Evangeline in deutscher lieber« setzung aus dem Packet heroorziehend. „Mein Sohn hat es auch bevorzugt; gewiß spricht es Sie an und ich würde mich freuen, wollten Sie eß behalten. Es geht ein ttefreligiöser Zug durch die Dichtung. Sie ist ein ergreifendes Lied von geduldig ertragenem, in Gottesfrieden aus- klingendem Leid."
Helenens Züge verzerrten sich zu einem un
fein pflegen, solche Erzählungen und Vermuthungen dorthin verweisen, wohin sie gehören, nämlich in daS Reich der Fabel. Es ist geschmacklos und thöricht im höchsten Grade, gerade jetzt solche Vermuthungen aufzubringen.
X Die Ktzitta-Aorkage ist heute (Mittwoch) zusammen mit dem Versorgungs - Gesetze für die China-Invaliden und ihre Hinterbliebenen von der Budget-Kommifston des Reichstages erledigt worden. In erster Reihe handelte es sich dabei um eine vom Centrum beantragte Resolution, welche die Aufforderung enthält, indem mit China abzuschließenden Staats-Verträge die Freiheit der christlichenReligions-llebung auszubedingen. Abg. Bachem (Centr.) verwies daraus, daß England und Rußland solche Vereinbarungen bereits mit China haben, und daß man unbedingt die Missionen schützen müffe, sonst würden die Mißhandlungen derselben demnächst wieder ihren Anfang nehmen. Gegen die Resolution sprachen nur die Abgeordneten Eugen Richter (freif. Volksp.) und Bebel (Soz.). Richter will die Missionäre mit verantwortlich machen für die Unruhen in China, und Herr Bebel warf sich sogar zum Anwalt des Auswärtigen Amtes auf; nach seinen Worten soll die Resolution einen Eingriff in die Autorität des Auswärtigen Amtes bedeuten — ein wundersames Bild, Herrn Obergenoffen Bebel als Vrrtheidiger von Regierungsrechten auftauchen zu sehen. Es handelt sich dabei freilich um eine christliche Angelegenheit, und da kann der Haß, welcher Herrn Bebel innewohnt, diesen sofort zu einem andern Menschen machen. Die Resolution wurde aber mit großer Mehrheit in der Form angenommen: „Die verbündeten Regierungen zu ersuchen, darauf hinzuwirken, daß in dem die Wirren in China abschließenden Staats- Vertrags die Freiheit der christlichen Religivns- Uebung in China ausbedungen und unter den Schutz der dabei beteiligten Staaten gestellt werde." Bei der Berathunq der Versorgungs-Vorlage der Jnva ^en und ihrer Hinterbliebenen gab der Berichter atter Abg. Graf Oriola (natl.) zu erwägen, ob v» nicht richtiger fei, die Erledigung des Gesetzes »a verschieben und in den China- Etat jetzt nur eure bestimmte Summe zur Unterstützung derJnvanden re. einzusetzen, im Uebrigen aber den Wunsw auszusprechen, spätestens im Herbste ein Gesetz über die allgemeine Versorgung der Invaliden und ihrer Hinterbliebenen vorgelegt zu erhalten. Die Budget-Kommission hat in diesem Sinne beschloffen und schlägt nunmehr vor, folgende Position einstweilen in den China-Etat einzustellen: Pensionen, Wittwen- und Waisengelder, gesetzliche Beihilfen, Dispositions-Fonds zur Genehmigung von widerruflichen ZuschÜffen zu Pensionen rc. 243,000 Jk.
+ D«s Schaumweiusteuer • Gesetz und die Asveike zum Meiugesetze stehen aus der Tagesordnung der Sitzung des Bundesrathes, die an diesem Donnerstag stattfindet, nachdem die Ausschüsse des BundesratheS sich mit diesen Entwürfen bereits beschäftigt haben. Die Anträge derAusschüsse kaffen die bereits bekannten Steuersätze für Schaumweine unverändert. Nach den Anträgen der Ausschüsse soll § 6 lauten: „Wer Schaumweine Herstellen will, hat vor der Eröffnung des Be-
angenehmen Lächeln: „Leid ist kein hübsches Thema, Herr Doktor, viel lieber möchte ich von Freude lesen."
„Die kommt nur mit dem inneren Frieden, mein Kind." Er holte tief Athem: „Lassen Sie mich zum Gegenstände meines Besuches kommen und offen mit Ihnen reden, Fräulein Helene. Ich kenne Sie seit Ihrer frühesten Kindheit und Sie haben an mir einen aufrichtigen Freund. Halten Sie es mir als solchem zu gute, wenn ich Sie davor warne, übereilte Entschlüsse zu fassen. Sie haben ja auch auf die Freundschaft meines Sohnes Werth gelegt; feien Sir versichert, daß es ihm wahrhaften Schmerz bereiten würde, falls Sie — sich selbst untreu werdend — zu einem beklagenswerthen Entschlüsse sich bereden ließen."
Des Doktor? Worte machten einen Eindruck, Den er nicht erwartet. Noch war der Augenblick nicht gekommen, wo di« Erinnerung an Julius dies kranke GemÜth hätte besänftigen können. H-lenens Augen funkelten in wilder, selbstmörderischer Freude. So lag eS noch in ihrer Macht, jenen zu verletzen! Hatte bis dah.n der Gedanke, sich frei zu machen, sie noch durchzuckt: jetzt stand ihr Entschluß felsenfest. Julius sollte erfahren, daß der erste Erfolg seiner seelsorgerischen Thätigkeit gewesen sei, eine Seele hinauszudrängen auS der zu Gott führenden Bah«.
„Ich erkenne Ihre und Herr» Dr. Julins Theikahme vollkommen an," begann st? in hartem, spöttischem Tone. „Sie werden bei Ihren Worten wohl auf meine Verlobung mit Herrn Blankenhorn angespielt haben, nicht wahr?"
„Allerdings."
trübes der Steuerbehörde einen Grundriß der Betriebs- und Lagerräume, sowie der damit i» Verbindung stehenden . . . Räume vorzulegen und eine Beschreibung des Herstellungsverfahrens einzureichen. ... Die Bettiebs- und Lagerräume bedürfen der Genehmigung der Steuerbehörde. In der Genehmigung sind die Räume zu bezeichnen, die als Fabriklager für den fertigen Schaumwein dienen sollen." Auch in Der Novelle zum Weingesetze find von den Ausschüssen des Bundesrathes Aende- rungen beantragt, namentlich in den Paragraphen 5a und 5b. Es handelt sich dabei um die Kellerkontrolle: Die beauftragten Beamte« «nd Sachverständigen sollen außerhalb der Nachtzeit alle beliebigen Besichtigungen vornehme« und auch Kenntniß nehmen dürfen von den geschäftlichen Aufzeichnungen und Büchern, ebenso Proben entnehmen zur Untersuchung. Die „Nachtzeit" umfaßt im Sommer Halbjahre die Zeit von 9 Uhr Abends bis 4 Uhr Morgens, im Winterhalbjahre die Zeit von 9 Uhr Abends bis 6 Uhr Morgens. Die Betriebsleiter und ihre Aufsichtspersonen sollen den Beamten und Sachverständigen alle erforderten Aufschlüsse geben über das Verfahren bei der Herstellung, den Umfang des Betriebes, über die verwandte« Stoffe u. f. w. Das Verbot des Kunst« meins hat im letzten Absätze des vierten Paragraphen folgende veränderte Fassung erhalten : „Getränke, welche den vorstehenden Vorschriften zuwider unter Verwendung eines nicht gestatteten Zusatzes hergestellt find, dürfen weder feil gehalten noch verkauft werden. Dies gift auch bann, wenn die Herstellung nicht gewerbsmäßig erfolgt ist. Die Verwerthung von Trester», Rosinen und Korinthen in der Branntweinbrennerei wird hierdurch nicht berührt."
h. Hrtellenaugave m Zeitungen. Die Kommisston de« Reichstages für die Vorberaihunr des Gesetzentwurfes über das Urheberrecht hat in diesen Tagen mit allen gegen zwei Stimmen eine« sehr erfreulichen Beschluß gefaßt: Zeitungen solle« bei dem AbDrucke von Tagesneuigkeiten und vermischten Nachrichten thatsächlichen Inhaltes nicht strafrechtlich zur Angabe der Quelle gezwungen werden, aus der sie diese Nachrichten entnehme«. Man kann mit Sicherheit annehmen, daß auch das Plenum des Reichstages so beschließen werde.
V Berkin, 30. Jan. Der Kaiser hat, wie «ach- trSglich bekannt wird, auS Anlaß der 202jährige« Krönungsfeier dem Offizierkorps deS Königs - Ulanen - Regiments in Hannover ein Kapital von 10,000 Mark überweisen lassen. Diese Summe soll als „Kaiser Wilhelms-Fonds", wie ihn bereits andere Leib-Regimenter besitzen, zur Bestreitung besonderer unvorhergesehener Ausgaben Verwendung finden. — Der Kaiser wird nach seiner Rückkehr aus England einen längeren Aufenthalt bei seiner Mutter, der Kaiserin Friedrich auf Schluß Friedrichshof oder in Homburg v. d H. neymen. — Prinzregent Luitpold von Bayern hat an be« Kaiser «»läßlich dessen GeburtSfeftes ein herzlich gehaltenes Glückwunschtelegramm gesandt, wofür der Kaiser in ebenso herzlicher Weise telegraphisch seinen Dank aussprach. - Pri»z Albrecht von Preuße« hat alS Herrenmeister des JohanniterordenS den Recht«- ritter Grafen Emil von Schlitz genannt vv» Görtz in Schlitz auf Vorschlag des ConventS und der Rechtsritter der hessischen Senofl-.nschaft, sowie nach erfolgter Zustimmung des Ordenskapitel, am 24. d«. zum Kommendator dieser Genoffenschaft an Stelle be8 am 31. August 1900 verstorbenen Commendator«
„Nun, Dann kann ich Ihnen erwidern: er ist mir sehr zugethan; das bleibt eine Hauptsache. Außerdem ist er rin guter Freund meines Vaters; sollte ich ihm da nicht vertrauen dürfen?"
Doktor Merk biß sich auf die Lippen und stand auf.
„Wenn Sie die Sache so auffaffen, kann ich natürlich weiter nichts sagen, und doch" — ful^r er in väterlich wohlwollendem Tone fort — „doch ist es meine Pfl cht, zu reden. Ich habe Ihre Mutter hoch geachtet und möchte beten Kind verhindern, frevelhaft mit dem eigene« Glücke zu spielen. Sie wissen nicht, was Sie thun, wenn Sie diese Ehe eingehen, armes Kind. Können Sie erwarten, — ich will nicht fegen Glück — auch nur den Frieden zu finden, wen« sie Ihrem Manne nicht volle Liebe, volles Vertrauen entgegenbringen können?"
Helene machte eine ad wehrende Bewegung: „Wie mögen Sie Aber meine Gefühle uri heile«, Herr Doktor? Jedenfalls begegne ich selbstloser Neigung, erfülle zugleich meines VaterS Wunsch, auch fühle ich mich stark genug, um unter alle« Verhältnissen meine Pflichten zu erfüllen."
„Vielleicht. Eine Pflicht indessen lasse« Sie außer Acht: die Pflicht gegen sich selbst, die Pflicht, keine Aufgabe auf sich zu nehmen, die nur im Geiste höchster Selbstlosigkeit erfaßt, nicht anders als zu Ihrem Nactthetle ausfallen müßte. Indessen, ich will nicht weiter in Sie bringen. Gott selber kann Sie ja nicht retten, wenn Sie dazu nicht mitwirken wollen. Daß es aber Ihre Freunde tief betrübt. Sie Ihrem Unglück ent« gegengehen zu sehen, kann ich Sie versichern — unb an meine Freundschaft glauben Sie wohl noch?"
(Fortsetzung svkgtz)