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»Uiglich, ihme der Kmw- m»d Feier- tage. Liertellährl. k»t, ahne Bringerlohn a«d Bestellgeld in und aus«

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KuldaerMJertung

gttftretit Dtz einspaltige Letit» $eile oder bete« Raum1VPfg.,Re» Hamen die Petit» geile 25 Pfg.; bei Wiederholungen wird entsprechens Rabatt gemWkL

mit Zlnlerhattungs-Beilage „Assuflrirte Sonntags-Zeitung"

28. Jahrgang.

JuLöa, Mittwoch, den 30. Januar 1901.

J£25.

Bestellungen auf die,Fuldaer Zeitung^ für die Monate Fe» brnar «ud März werden znm Preise von 1 Mark (ohne Bestellgeld) von allen Post­anstalten, Landbriefträger« «nd von ««» serer Expedition (Harmonie) fortwährend entgegengenommen.

-K Borpostenschießen.

Jetzt schießen die Vorposten. Die großen Seerhausen werden erst später ihre Waffen messen in dem Kampfe um die Zölle, die durchaus noth» wendig find, um die deutsche Landwirthschaft vor dem Untergänge zu retten. Eigentlich aber ist die Schlacht schon längst im voraus entschieden: die weitaus überwiegende Maffe des Volkes steht mit ihren parlamentarischen Vertretern bereits aus rem richtigen Standpunkte; die Zahl der» jenigen, die im eigensüchtigen Ssnderintereff« gegen die Hilfe sich sträuben, die der deutsche« Landwirthschaft unbedingt gewährt werden muß, ist gering. Aus das Verhältniß der Stimmen für und wider wirst ein Helles Schlaglicht die Abstimmung, die am letzten Samstag über den Antrag des Centrums und der beiden konserva­tiven Parteien im preußischen Abgeordnetenhaus« vorgenommen wurde. Der Antrag gipfelte be­kanntlich darin, daß die preußische Staatsre­gierung für einen wesentlich gesteigerten ZellschLtz für die Landwirthschaft wirken möge; und er wurde mit der Riesenmehrheit von 238 gegen 43 Stimmen angenommen 1 Das Verhältniß wäre noch ungleicher gewesen, wenn nicht 15 Mitglieder der nationalliberalen Partei an dem Ausdrucke der „wesentlichen" Steigerung Anstoß ge­nommen hätten; rm übrigen treten auch sie für eine Steigerung der landwirthschaftlichsm Zölle ein.

Im Reichstage hat die Samstag-Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses starken > Widerhall gesunden, hauptsächlich wegen der Er­klärung, die der Reichskanzler, in diesem Falle Ministerpräsident Gras Bülow, im Namen der preußischen Staalsregierung zu jenem Anträge verlas. Die Erklärung ist dabei so unbestimmt wie möglich gchalten. Es ist darin gar nicht die Rede von einem „wesentlich gesteigerten", sondern nur von einem „ausreichenden" Zoll­schütze, und nicht mit einer Silbe ist angedsutet, wie hoch etwa die Regierung den zukünftigen Oetreidezoll sich vorstellt. Genau dasselbe, nur mit anderen Worten, ist im Reichstage selbst be­reits vom Reichskanzler und vom Reichsschatz' sekretän ausgesprochen worden, so daß man eigentlich nicht recht begreift, warum die Herren in den Rethen der Sozialdemokratie und der beiden freisinnigen Gruppen so ungeheuerlich über die Erklärung sich ausregen, die Graf Bülow im Preußischen Abgeordnetenhause abgegeben hat. Sie enthielt nichts Neues und griff dem Reichs­tage nicht vor. Warum ziehen also die wenig zahlreichen Gegner des gerechten Schutzes für die schwer bedrängte Landwirthschaft alle die vielen

Dermoch aufwärts.

Roman von L. v. Neidrgg.

2i ------ (Nachdruck verboten.)

Wieder dachte Helene nach. Das Gefühl des Trotzes und der Erbitterung, das einen Augenblick einzeschlummert gewesen, regte sich aufs neue in ihr. „Sag' ihm . . begann sie, und kam nicht weiter. Ihre angeborene Wahrhaftigkeit sträubte sich gegen die Lüge, die durch ihr Jawort zum Jchalt ihres Lebens werden mußte.

„Was soll ich denn sagen . . . was?"

„Mache chm eisige Hoffnung. Er soll Dich weiter besuchen wie dtSher ... in wenig Tagen bekommt er meine Antwort."

Der Bescheid, so kühl er klang, genügte, Blankenhorn zu „beseligen". Einen Tag um den anderen kam er in das Haus, und täglich wuchs in ihm das Verlangen nach Helenens Besitz. Was er bisher gewünscht, hatte er immer noch erreicht, mit lauteren und unlauteren Mitteln; er konnte sich gar nicht vorstellen, wie fein gewohntes Glück ihn gerade in diesem Falle hätte verlaffen sollen. Thatsächlich schienen seine Aussichten auch günstig, denn Helene fügte sich mit fatalistischer Gleichgiltigkeit in das, was ihr unvermeidlich druchte. Die Fäden, die sie mit Glück und Seelenfrieden verbanden, waren ja durchschnitten; konnte es denn auf größeres Maß von Enttäuschung noch ankommen?

In Wöhrnang fing Blaukenhorus Bewer­bung an zum Stadtgespräch zu werbest. Die alte Regine kam voll Schrecken angehuWpelt, um Helene darüber zu befrsgen und ihr zuMich

Schimpfregister, die sie in ihrem Redeapparate vorräthig haben?

Aber daß sie es thun, schadet nichts. Ihren Ruhm erhöhen sie nicht, und die großen Massen der ländlichen Wähler werden dadurch in kräf­tiger Weise aufgeklärt darüber, wo ihre Freunde und wo ihre Gegner find, lind schließlich ver- schimpfen die Herren im Borpostengefechte schon so sehr ihr Pulver, daß sie nachträglich nur noch wenig davon zu verschimpsen haben werden.

Aus den vielen Reden ist ein Punkt be­sonders herauszugreifen. Die freifinnigen Sprecher der letzten Tage im Reichstage und im preußischen Abgeordnetenhause stimmen darin vollkommen überein: Sie schreiben die unzu­reichenden Erträgnisse der Landwirthschaft dem übertrieben hohen Preise von Grund und Boden zu, ja erkennen sogar theilweise unmittelbar an, daß dir Landwirthschaft eben deswegen in einer Nothlage sich br finde. Sie führen die Namen bekannter volkSwirthschaftlicher Professoren für sich ins Feld, die derselben Anschauung huldigen und sträuben sich mit etter Gewalt dagegen, andere Gründe für die Bedrängniß der deutschen Landwirthe anzuerkennen. Leider aber hat «ns noch kein einziger aller der Herren, selbst dir heute auch nicht ihr geistiger Nährvater, der Professor Lujo Brentano in München, mit einem Hauche verrathen, wie wir es wohl machen sollten, um von diesen hohen Grundwerthen wieder herunterzukonnnen. Sie können auch kein solches Rezept anzeben, denn es gibt eben keines. Wir müssen vielmehr, ob wir nun wollen oder nicht, Re Preise von Grund und Boden so hinnehmen, wie sie find, und wir müssen unsere Wirthschaftspolitik aus dieser Grundlage der Tatsachen aufbauen, nickt in Wölkenkuckucksheim, ob uns nun diese Thatsachen gefallen oder nicht. Wenn die volkswmhschaft- lichen Medici sich gar zu lange Herumstreiten über die Ursachen der Krankheit, dann tritt die Gefahr ein, daß dor Kranke stirbt, ehr man ihm Hilfe bringen kann; deswegen heißt jetzt für den Mann der volkswirthschaftlichen Tbar Zu» greifen die Losung, die Handhaben erfass rn, die sich barbieten, aber nicht in endlos«. Speku- liren und Spintifiren sich verliere«, ohne zu wissen, wie man aus solcken akademM en Laby­rinthen sich wieder herausfinden könnte.

Wenn die Gelehrten der mrnchest rfichen Schule das Nachdenken darüber nicht selbst satt bekommen sollten, wie man in ungewaltsamer Weise die Bodenwerthe wieder finken lassen könste, so werden sie ja später mit dem ge» rfunbenen Allheilmittel schwerlich im Verborgenen bleiben. Nur fürchten wir, es wird immer beim Nachdenken sein Bewenden haben, ohne daß etwas Greifbares dabei herauskommt. Und deswegen geht heute dir riesengroße M-Hrhett des Volkes über diese volkswirthschaftlichen Querköpfe zur Tagesordnung über.

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Deutsches Keich.

Berlin, den 29. Januar.

® Der Kaiser wird seinen Aufenthalt in England länger ausdehnen, als anfänglich beab« zu sagen, wie sie täglich die armen Seelen um ihre Fürbitte anflehe, daß doch nichts aus der Heirath werde, die Gott unmöglich wohlgefällig fein könne. Gern hätte sie noch mehr und recht Scharfes hinzugesetzt; ein strenger Blick Helener.s wies sie aber in die Schranken. Das Mäd- chen wußte, daß sie im Begriff sei, unrecht zu handeln, ftt wollte aber nicht gerichtet fein, am wenigsten vsn einer Bettlerin.

Kreszenz Blankenborn, so oft ihr Helene zu­fällig begegnete, streifte feie Auserkorene ihres Brüsers mit giftigem Blick. Frau Merk grüßte fle mit mehr denn gewöhultcher Herab­lassung. Nadelstiche sind aber nur geeignet, Wunden zu vergiften, die liebevolle Berührung vielleicht hätte heilen können. Hess ne ver­schanzte sich immer mehr und mehr hinter ihrem Trotz.

Der Bewerber sandte täglich praktisch­prosaische Liebesgaben nach der Fabrik. Die alte Magd, welche die Sendungen in Empfang nahm, schlug in hellem Entzücken über die zu­nehmende Freigebigkeit bi; Hände über dem Kopf zusammen und murmel e: „Ja, ja, bei beit Alten, da sei man gut gehalten." Helenens Schwestern, die anfangs ihre Glossen über dos Alter des Bewerbers gemacht hatten, fingen an, ihn mit anderen Augen zu betrachten. Er schäkerte mit ihnen, machte ihnen kleine wohl­feile Geschenke, die den genügsamen Kindern als etwas Außerordentliches erschienen; sie träumten von Festtagen im schönen Lindenhof, von RazfiaS im dortigen Obstgarten. Armbruster, für dessen Pläne Biankerhorn immer nur Bewunderung und Billigung fünfe, arbeitete sich in wahren E thufiassmS für den künftigen Schwiegersohn

sichtigt war. Jedenfalls wird er noch am 4. Fe­bruar im Windsorschlofse wohnen bleiben, bis nach der privaten Beisetzung der Königin Viktoria, die an dem genannten Tage im Mausoleum statt- finden soll. Die öffentlichen Beisetzungsfeierlich­keiten werden, wie bekannt, am 2. Februar vor sich gehen.

• Abgeordneter Ar. LteSer kann jetzt alltäglich wieder für einige Stunden das Bett verlaffen. Seine Genesung macht andauernd gute Fortschritte, nur muß er sich für einige Zeit noch vor aller anstrengender Beschäftigung hüten.

h, Die Ghina Dorlage wird von der Budgetkommission an diesem Mittwoch in Angriff genommen, in Verbindung mit der Vorlage über die Versorgung der Invaliden aus dem China­kriege und ihrer Hinterbliebenen.

+ Die Ka««lvorage wird vom preußischen Abgeordnetenhause am nächsten Montag in Angriff genommen werden. Vom Donnerstag an sollen vorher die Plenarsitzungen int Abgeordneten­hause ausfallen.

-j- Dis Novelle znm Weittgefetze wird noch im Laufe dieser Tagung im Reichstage zu erwarten fein, so hat feer preußische Landwirth- schaftSuttnister Freiherr v. Hammerstein ist preußischen Abgeordnetenhause am heutigen Dienstag auf eine Anfrage des Centrumsabge- ordrieten Schmitz geantwortet. Dann wird es freilich Zeit, daß sie komme. Es stehen, wie bekannt, auch noch andere Vorlagen in Ausficht, namentlich über feie Besteuerung der Schaum­weine und der künstlichen Süßstoffe, und andere mehr!

X D-r Zreich-eis-nv«htt-K1at ist am heutigen Dienstag von der Budgetkommission des Reichstages zu Ende beraten worden. Die Be- rathung war eine außerordentlich eingehende; sie hat zwei Wochen in Anspruch genommen. Eine Forderung ist aber auch heute noch unerledigt ge­blieben, nämlick die Forderung von 4800000 Mark für den A kauf von Grundflächen zur Ver­legung des Bat aofes von Metz. Für die ge­nauere Prüfung tefet Forderung ist auf den An­trag des freisinnigen Abg. Dr. Müller-Sagan eine'Unterton1 iviffion eingesetzt worden, be­stehend aus den °lbgg. Müller-Fulda (Centr.), Möller-Duisbu g (natl.), Fürst zu Jnn- und Knyphaus- n, Dr. Müller-Sagan (freis. Volksp.), Riff (stets. Vergg), von Vollmar (f«p). Kriegsminister von Goßler wies heute darauf hin, daß die Verlegung des Bahnhofes mit der ganzen geplanten Stadterweiterung zu­sammenhänge. Die Stadt Metz brauche Luft und Licht zur Verbesserung ihrer gegenwärtig sehr schlechten gesundheitlichen Verhältnifle. Die Er­weiterung sei aber nur nach Süden möglich, und um ausreichende« Gelände zu beschaffen, müsse un­bedingt der bisherige Bahnhof verlegt werden. Verkehrsminister von Thielen unterstützte die Ausführungendes Kriegsministers. Abg. Müller- Fulda (Centr.) bezeichnete die ganze Frage als noch nicht spruchreif. Außerdem wurde die bereits mehrfach erwähnte Resolution angenommen, es sollten Erhebungen vorgenommen weiden über den Einnahme-Ausfall der Eisenbahnen infolge der Herabsetzung der Tarife für Urlauber.

hinein ; im Geiste sah er die Fabrik durch dessen zugebrachtes Kapital zu einem großartigen Unternehmen erweitert. An dis Möglichkeit, daß Helene den Bewerber zurückweisen könne, glaubte er jetzt gar nicht mehr.

Eines Abends trat Blankenhorn mit be­sonders wichtiger Miene ein. Noch unter feer Thüre stehend, rief er mit feiner lauten, rauhen Stimme: „Paßt auf, was ich erzählen werde. Du, Armbruster, erräthst es gewiß nicht. Der Kerl, der Julius Merk, wird Pfaff'!"

Und nun theilte er mit, wie ihm gesagt worden, daß Frau Merk ganz außer sich sei über den Entschluß des Sohnes. Trotz ihres Gezeters sei er aber gestern abgereist, feiner neuen Bestimmung entgegen.

„Wenn er erst Erzbischof ober gar Kardinal geworden ist, wird sich die Madam schon trösten," spottete Armbruster. „Etwas von seinem Glanz strahlt dann zurück auf sie."

„Prosit die Mahlzeit. Das gibt's nicht. Er wird ja Barmherziger."

Barmherziger! Das Wort machte einen sicht­lichen Eindruck auf Armbruster, der in feinem Leben noch nie ein Opfer für jemand gebracht hatte.

„Du," fagte er betreten, „dem ist's ernst mit feiner Gottesfurcht. Zu Glanz und Ansehen bringt er es dabei nicht. Barmherzige Brüder und Schwestern: das sind die einzigen Orden, die ich gelten lasse."

„Bah! Alles Berechnung bei der Gesell, schäft. Sie meinen, wer viel gibt, erhält auch viel. Sie präsentiren ihrem Herrgott damit einen Wechsel auf einen guten Sitzplatz im Pa radies, auf dessen Einlösung sie rechnen."

„Wenn auch das vielleicht nicht," fiel Helene

* Der Bericht der Staalsfchutdettko«- mifsto« ist beiden Häusern des Landtag» zu- gegangen. Die Staatsschuld belief sich am 31. März 1899 auf 6,600,176,995 Mk. Hierzu reten an dreiprozentigen Konsols 2,500,000 Mk. Dagegen gehen ab 11,576,290 Mk., es gehen also überhaupt ab 9,076,290 Mk, so daß sich di« Staatsschuld am 31. März 1900 auf 6,591,100,704 Mk. stellt.

* Die Ztttfahigk-tt d-s N-rki«-r Ko«- Wimak-IreistnnK auch nur zu dringendster sozialer Fürsorge ist in der letzten Stadtverordneten-Sttzung wieder in geradezu erschreckender Weise zu Tag« getreten. Die Sozialdemokraten hatten den An­trag eingebracht, über Maßnahmen zu beraten, wie der großen Säuglings- Sterblichkeit erfolgreich entgegen zu treten sei. Auf diesem Gebiete hen- scheu hier Zustände, so traurig, daß sie gar nicht mehr Überboten werden können. Wenn auch nicht, wie in China, Säuglinge ausgesetzt werden, wenig­stens nicht allgemein wie dort, denn vereinzelt kommt es auch hier vor, so ist doch in Hunderten und tausenden von Fällen die Behandlung der­selben keine bessere und menschlichere, als in jenem asiatischen Reiche. Theils aus Noch, theils aber auch aus natürlicher Gefühllosigkeit, welche die armen Kinder als eine unerträgliche Last anfieht, von der man sich nicht rasch genug befreien kann. Und was antwortete der geschäftsführende Magi­strat auf den Antrag? Er ist am Ende seines Lateins angelangt: Mehr, als jetzt gescheh^ könne nicht gethan werden. Es müßten die Exsstenz- Bedingungen der Eitern der Kinder, Wohnung»- und Lebensverhältniffe gehoben und verbessert werden. Das aber würde Hunderte und Hun­derte von Millionen erfordern und auch dann viel­leicht wäre noch nicht geholfen. Der Antrag wurde zwar angenommen, aber bei dieser Stellung de» Magistrates ist an durch greifende Maßnahmen nicht zu denken; es bleibt eben Aller beim Alten. Hat der Kommunal - Freisinn doch jetzt erst in Bezug auf die Linderung dec Wohnungsnoch seinen Bankerott erklärt. Es bestätigt sich hier die alte Erfahrung, daß, wo die christliche Nächstenliebe fehlt, die soziale Fürsorge, selbst wenn noch f* bedeutende Mittel aufgewendet werden, nicht recht wirksam werden kann.

+ Ilußlaud i« Mttekastev. Die soge­nannte Probemobilmachung einer Brigade tzauka- sischer Truppen und deren Beförderung nach Kuschk an der Grenze von Afghanistan machte vor etwa Jahresfrist ungemeines Aufsehen, na­mentlich natürlich in England. Damals wurde von Petersburg aus mit erstaunlicher Kaltblütig­keit und Hartnäckigkeit geleugnet, daß es sich um etwas Anderes als um einen Versuch handel«; heute erfährt man ober bereits, daß dasselbe Kuschk neuerdings in eine russische Festung vierten Range» umgewandelt wird, und zwar mit thun- lichster Beschleunigung. Auf feen umliegenden Höhen sind bereits im letzten Jahre in aller Stille eine Reihe von Forts angelegt worden; kurz und gut, Rußland macht in Jnnerasien reißende Fort- schritte, und die erklärte Abhängigkeit de» Emirs von Afghanistan vom Zaren kann nur noch die Frage verhältnißmößig kurzer Zett fein.

schneidend ein, „so haben sie dabei doch nur sich selbst im Auge. Sie wollen feie eigene Seele in Sicherheit bringen und gingen darüber auch Dutzende anderer zu Grunde. Auch nur ein Grad der Selbstsucht."

Armbruster sah die Tochter befremdet an. Es berührte ihn eigenthümlich und nicht gerade wohlthuend, das Echo der eigenen Worte au» ihrem Munde zu vernehmen. Unwillkürlich blickte er um, ob nicht der Schatten seiner Frau durch das Zimmer gleite. In der nächsten Sekunde belächelte er den Wahn. Die Todte schlief ja ruhig in ihrem Grade, hatte mit allem, was auf der Welt verging, abgeschlossen, und für Helen« konnte es nur gut fein, wenn sie feie An­schauungen ihres Mannes zu theilen vermochte.

Blankenhorn pfiff leise durch die Zähne. Eifer­sucht schärfte feinen Blick: wie tief mußte die Liebe zu dem Laffen Helene im Herzen sitzen, daß ihre ganze Natur sich darüber veränderte. Die Hexe war aber zu hübsch, als daß er von feiner Bewerbung hätte abstehen mögen; im Gegentheil blieb es weit eher geboten, das Eisen zu schmieden, so lange es warm war. Mit der Liebe zu jenem anderen, den er übrigens nicht länger zu fürchten brauchte, wollte er schon fertig werden, wenn sie erst seine Frau war.

Die Schlauheit, die ihm in allen Lebens­lagen vorwärts geholfen hatte, verließ ihn auch hier nicht. Der Trotz eines durch blinde Leiden­schaft aus feiner Bahn geschleuderten Herzens, das willenlos sich von augenblicklichen Impulsen treiben ließ, spielte ihm das Opfer in die Hand. Er verstand die Gelegenheit auszunützen.

An diesem Abend gab ihm Helene ihr Zstrmort.

(Fortsetzung folgt.)