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28. Jahrgang.

IuLöa, Dienstag, den 29. Januar 1901.

0 England während des letzten halben Jahrhunderts.

Ein Rückblick auf die Entwickelung des bri­tischen Reicher «ährend des letzten halben Jahr- Hunderts zeigt wunderlich wechselnde Bilder und überraschende politische Gegensätze.

K- Wohl konnte man bereits von einem Welt- einfl«sie Englands reden, als Königin Viktoria die Regierung antrat. Aber das Weltreich Eng­land, so wie es jetzt beschaffen ist, verdankt seine Entstehung unbedingt erst diesem letzten halben Jahrhundert unter dem Szepter der Königin Mktoria. Die Ausbreitung der englischen Sprache in ihrem gegenwärtigen Umfange ist das Werk der letzten fünfzig Jahre.

Der erste Ursprung der großen britischen Kolonialmacht der Neuzeit liegt allerdings noch weiter zurück, im Anfangs des neunzehnten Jahr- Hunderts. Damals war es das englische Waffen- glück in den Kämpfen gegen die französtsche Re­volution und gegen den ersten Napoleon, das den Grund dazu legte und vor allen Dingen der britischen Flotte die erste Stelle auf dem Weltmeere vrrschoffte. Aber Geschlossenheit und Festigkeit hat dieser riesenhaft große überseeische Länderbefitz der Engländer erst während der -Regierung der Königin Viktoria erhalten.

W ist merkwürdig nr beobachten, wie der treu erworbene Rresendesttz im Ansaxge in Eng­land selbst wirkte: man war im Mutterlands wegen des raschen Wachsthums ängstlich ge­worden und deswegen fürchteten d e leitenden Politiker und Staatsmänner Großbritanniens im Anfänge der Regierung der Königin Mktoria nichts jo' sehr wie den Krieg. Damals ent­standen die ersten Bestrebungen, einen ewigen Völkersnedcn zu erlangen, in England. Name« -wie Gladstone, Cobden und Bright sind eng mit jenen Bestrebungen verbunden. Aber ein Lächeln ist uns Leuten von heute unvermeidlich, wenn wir an die kindliche Begeisterung zurück­denken, mit der von guten und naiven Menschen anderer Voiksstämme jene englischen Anregungen ausgenommen und gefeiert wurden als der Gipfelpunkt aller edlen Lebensweisheit und Menschenfreundlichkeit. Sicherlich ist der Ge­danke eines immerwährenden VölkerftiedenS hochedel und der Begeisterung werth; aber Männer wie Gladstone und (Robben dachten den Gedanken nicht um feiner selbst willen, sondern im selbstsüchtigen Interesse Englands. Sie fürchteten sich ganz einfach vor kriegerische« Verwickelungen. Sie fürchteten, daß das pilz­artig schnell aufgeschoffene Reich nicht im Stande sein würde, alle seine Besitzungen während kriegerischer Ereignisse unversehrt er­halten zu können. Nicht der allgemeinen Schönheit d?S Gedankens wegen waren sie Friedensfreunde und Friedensapostel. Wären sie der Ansicht gewesen, daß die britischen Jnte- reffen am besten geborgen wären durch KriegS- abenteuer, so wären sie sicherlich niemals auf den Gedanken gekommen, von einem unaufhörlichen Völkersrieden zu schwärmen. Und auf ähnliche Weise wurde Cobden der Vater des Freihandels. Er dachte gar nicht daran, den Freihandel an

Dennoch smfmarts.

Roman von L. v. Neid egg.

26 ------ (Nachdruck verboten.)

XII. Kapitel.

Wie Helene nach Hause gekommen, sie hätte es nicht zu sagen gewußt. Ihr war, als sei dunkele Nacht über sie hereingebroche«, als irre sie rathlos umher in dichter Finsterniß, die Blitze des Haffes durchzuckten, so oft sie ihrer ge­schmähten Liebe, ihres gekränkten Stolzes gedachte.

Sie kam erst wieder zur klaren Besinnung, als sie in das Wohnzimmer eintrat, in dem Blankenhorn sie grinsend begrüßte, der Vater ihr Vorwürfe über ihr langes Ausbleiben machte. Er nannte es doppelt sträflich, weil sie die Schwe­stern mit dazu verleitet hatte, und befahl ihr, rasch in die Küche zu gehen und für ein gutes Abendeffen zu sorgen, da er bex Besucher dazu eingeladen habe. Blaxkenhorn, bet Helene seiner Gewohnheit nach nicht aus den Augen ließ, fragte sie mch der Ursache ihrer Bläffe, äußerte die Besürchtung, sie könne sich erkältet haben. Sie fühlte sich unfähig, irgend einen Ausdruck der Theilnahme zu et tragen und flüchtete nach der Küche. Um keinen Preis hätte sie ihre Faffung verlieren, etwas von ihrer Seelenpein an den Tag treten laffen mögen.

In der Küche stand eine Spende, wie Blanken- Horn sie, Kreszenz zum Aerger, Helenens Schwe­stern zur Freude, jetzt öfter zu senden beliebte: ein großer Korb mit Gartenprodukten. „Für die kleinen Naschkatzen," sagte er; sein auf Helene gerichteter Blick erklärte aber deutlich, wem die

sich als den herrlichsten handelspolitischen Grund­satz der Welt anzuschwärmen, den Freihandel seiner eignen idealen Schönheit wegen zu preisen. Nur war er der Ansicht, daß Großbritanniens Mutterland am besten fahren würde mit den Grundsätzen des Freihandels, und dieser durch­aus selbstsüchtige Gesichtspunkt war maßgebend für ihn. Cobden war ein Genie, das will ihm Niemand abstreiten. Und durch die Genialität, mit der er seine Grundsätze und Lehren vertrat, fing er die Leute ein für seine Gedanken, die gar nicht merkten, daß sie damit vor den britischen Jnteressenwagen als Zugvieh gespannt wurden.

Gladstone selbst, der „große alte Mann", hat später selbst seine Friedenstheorie schmählich im Stiche lasten müssen. Und gerade er ist es gewesen, der den völligen Umschwung der Dinge, den Wechsel von der Friedensaera zu der im­perialistischen Zeit mit ihren unaufhörlichen Feld­zügen und Kriegen einleitete durch die Beschießung von Alexandria und die Besetzung von Aegypten. Seitdem ist in den überseeischen britischen Be­sitzungen niemals mehr Ruhe eingekehrt; Jahr um Jahr hatte England seine blutigen Sträuße auszufechten, uno mehr als einmal drohte das fürchterliche Gespenst eines Krieges zwischen England und dem Zarenreiche aus allergefähr- lichster Nähe.

Gegen solche Gespenster hat die persönliche Politik der Königin Viktoria, der „Großmutter Europas", häufig mit gutem Erfolge operirt; und aufrichtigen Dank der Völker werden dieser Königin die Geschichtsschreiber aller Länder zollen, weil sie wiederholt durch rechtzeitiges und geschicktes Eingreifen hinter der Scene Blutgespknster zu bannen verstand. Aber es würde falsch sein, die Königin Viktoria im Euren und Bösen verantwortlich zu machen für die ganze Entwickelung ihres Reiches während der Zeit ihrer Regierung. Steht es dem britischen Monarchen doch nicht einmal frei, die politische Richtung zu bestimmen, der der jeweils leitende Staatsmann des Reiches ange­hören soll!

Die Friedensaera ist verflogen; der Jm- pcr-alismus ist gekommen ------Aber wer

wnß, wie lange dieser nun seine Herrschaft noch wird aufrecht erhalten können. Das kleine Volk der Buren hat ihm einen herben Schlag beigebracht, von dem er so leicht sich nicht wird erholen können, ob nun mit dem Willen des siebenten Eduard oder gegen denselbe n.

Deutsches Deich.

Berlin, den 28. Januar-

* König Eduard hat, wie schon gemeldet, den Deutschen Kaiser zum Ield««rfchaL der üritischerr Armee ernannt. Aus der Heran- ziehung einer größeren Anzahl von deutschen Kriegsschiffen zu der englischen Flottenparade bei Spithead glaubt man schließen zu muffen, daß König Eduard VII. gelegentlich dieser Flotten­parade als Admiral ä la suite der deutschen Armee gestellt werden wird. Es ist dies um so wahrscheinlicher, als z. B. kein Angehöriger des

Aufmerksamkeit eigentlich galt. Bisher hatte sie die Gaben immer verächtlich beiseite geschoben; heute jedoch, als die Magd begeistert die Frei­gebigkeit des Spenders pries, berührte eS sie wohlthuend, daß einer freundlich ihrer gedenke, und abermals wollten ihr die Thränen in die Augen schießen. Mit aller Energie drängte sie sie zurück und griff nach einem an sie gerichteten Briefe Karls, der neben dem Korbe lag; wenig­stens vorübergehend mußte er ihre Gedanken in andere Bahnen lenken können.

DeS Bruders Brief klang sehr gedrückt. Aus Andeutungen Linas hatte er entnommen, daß es mit der Fabrik nicht zum besten stehen müffe; er wünschte nun zu erfahren, wie Helene die Sach­lage beurtheile. Falls seine Gegenwart in Wöhrnang «othwendig geworden sei und der Vater seine Dienste überhaupt annehme, wollte er, so schweren Entschluß es ihn auch koste, in Frankreich seine Arbeit im Stich laffen und nach Hause zurückkehren. Büchner habe er von An­fang an nicht getraut, am wenigsten sei dieser der Mann, richtig mit dem Vater umzugehen. Ihn drücke der Gedanke, daß dieser in seiner Heftigkeit verkehrte Maßregeln ergreifen und sich damit in schlimme Lage bringen könne. Helene solle ungescheut die wenn auch vielleicht bittere Wahrheit schreiben, er sei jederzeit jur Heimkehr bereit.

Helene knitterte den Brief zusammen, der neues Leid zu dem alten fügte und Aufklärung über Manches brachte, was sie bisher befremdet hatte: über des Vaters zunehmende Uebellauxig- keit, über den Grund, der ihn bestimmte, klein­liche Ersparniffe anzuorbnen, über Blankenhorns wachsenden Einfluß. Die Sorge war groß; den

englischen Königshauses in diesem Verhältniß zu unserer Kriegsflotte steht, nachdem der Herzog Alsred von Sachsen-Koburg und Gotha gestorben ist. Seit fast vier Jahren haben Schiffe unserer Kriegsflotte nicht mehr in englischen Gewässern an größeren Paraden des Jnselreiches theilge- nommen, zuletzt wurde zu einer solchen im Sommer 1897 Prinz Heinrich mit dem alten Panzerschiff „König Wilhelm" aus Anlaß des sechzigsten Regie­rungsjubiläums der verstorbenen Königin entsandt.

h. Aspika» zur See Jäschke, Gouverneur des deutschen Kiautschougebietes, ist am 27. d. M. an den Folgen des Darmtyphus gestorben, der ihn befallen hat, als ein Opfer derjenigen heim­tückischen Krankheit, die im Kiautschougebiete bis­her die meisten Opfer verlangt hat. Kapitän Jäschke wurde am 10. Oktober 1898 zum Gou­verneur ernannt; für das Reich bedeutet der Ver­lust des erprobten Offiziers ein tief bedauerlicher Verlust, um so mehr, als es nicht ganz leicht sein wird, einen passenden Ersatz für unser ostasia­tisches Schutzgebiet zu finden- Kapitän Jäschke hat ein Alter von noch nicht fünfzig Jahren er­reicht.

* Die «er»« N»ifvrM für das ostasiatische Expeditionskorps besteht nach der ,Post' aus einem Waffenrock an? graugrünem Tuch, der vorn litewkenartig gearbeitet ist, während das Rüüentheil dem jetzigen Waffenrock ähnelt. Auf den beiden Brust- und Hüftseiten befindet fich je eine Tasche, die Knöpfe find mit mattem Stoff überzogen und werden unter dem Tuch an einer Lasche zugeknöpft, den Abschluß des Rockes nach oben hin bildet ein Litewken-Klappkragen. Derselbe ist ebenso wie die vordere Rock-LinkSkante, die Rockschöße und die Aufschläge mit mattrothem Vorstoß versehen, die Aufschläge find schwedisch gearbeitet rc. wie bei den Garde-Regimentern z F. und dem Garde- Füsilier-Re^iment) und wie die Rockschöße mit gelben, mit der deutschen Kaiserkrone geschmückten Knöpfen ver­sehen. Die Hose ist ebenfalls aus graugrünem Stoff mit eingelaffrner roiher Biese gearbeitet, desgleichen die mit der schwarz-weiß-rothen Kokarde versehene Mütze. DaS Seitengewehr-Koppel besteht aus gelbem Leder und wird am Rock durch Messinghaken gehalten. Als Fuß­bekleidung zu der neuen Umform bienen die gelblichen Schutztruppen-Stiefel.

* Eine erfrerUiche Nachricht für dis Meterane« ist dem Reichstage am Freitag mit» gethrikt worden. Wie frstgestellt worden war, hat fich die Zahl der unterstLtzMßSbr'SürsLigtv Kriegsteilnehmer in den Jahren 1900/1901 von 34,000, für welche bie Mittel bereits bewilligt waren, auf etwa 39,700 gesteigert, so daß 5700 aus „Mangeln an Mitteln" nicht bedacht werden konnten. Die Abgeordneten Müller-Fulda und Graf Oriola hatten deshalb am 22. d. M. den Antrag in der Reichshaushalts - Kommission eingebracht, 72,000 J6. zur Unterstützung weiterer 6000 Veteranen flüssig zu machen und diese in den Etat für 1901 einzustellen. Nach früheren Gepflogenheiten hätte man gegen dieses Vorgehen einigen Widerstand erwarten dürfen. Die Ver­handlungen haben jedoch das erfreuliche Ergebniß gehabt, daß in der Reichstags-Sitzung vom Frei­tag Staatssekretär v. Thiel mann Namens des Herrn Reichskanzlers die Erklärung abgab, baß bie verbündeten Regierungen dem Anträge zu­stimmen. Damit werden vom 1. April d. I. ab auch diejenigen 700 Veteranen, welche noch nichts erhalten haben, ihren Ehrensold bekommen und für weitere 300, welche etwa noch hinzu-

Gedanken an ihr Leid, an das, waS sie ihre Schmach nannte, vermochte sie aber nicht zu ver­drängen. Ihr fester Vorsatz allein, ihre Wunde vor aller Augen zu verbergen, hielt ihre Bewegung in Schranken.

Als sie mit Marie und Agathe das Essen auftrug, zeigte sie sich denn auch ziemlich unbe­fangen, beinahe heiter. Noch nie hatte sie Blankenhorns unfeine Scherze so geduldig ange­hört, feine faden Redensarten sich so gleichmüthig gefallen laffen. In fröhlicher, beinahe über» müthiger Stimmung verließ er das Haus.

Als er gegangen war, forderten ihre über­reizten Nerven ihr Recht; erschöpft, todesmatt wollte sie mit den Schwestern zugleich sich zur Ruhe begeben; der Vater hielt sie zurück. „Blankeiihorn hat um Dich angehalten;" sagte er. „WaS soll ich ihm antworten?“

„Nein!" hätte sie am geftrigen Tage entrüstet ausgerufen. Jetzt war Apathie über sie ge­kommen. Zerschlagen an Leib und Seele, hatte fich sogar ihr Widerwille gegen diesen Mann abgestumpft. Warum sollte sie sich nicht verkaufen, um wenigstens Wohlleben einzutauschen, nur, wo ihr Traum zerronnen war? Es war das nur eine weitere Demüthigung und Selbst- wegwerfung. Ging sie darüber zu Grunde, fiel bie Schuld daran auf bie Seele jenes zu­rück, der ihre Liebe verschmähte. Vielleicht, wenn er davon hörte, würbe ein Vorwurf durch feixe Seele gehen.

Sie besann sich. „Das kann ich so schnell nicht entscheiden,“ erklärte sie dann. „Es handelt sich um mein ganzes zukünftiges Leben und ich fürchte, es kann lang sein" . ... sie schauderte zusammen. „Wünschest Du es sehr?“

kommen könnten, wird schon im Voraus das Geld angewiesen. Der Bundesrath ist also doch be­müht, gerechtfertigten Wünschen des Reichstages nach Möglichkeit zu entsprechen.

+ Das Saccharin - Gesetz wird noch im Laufe dieser Tagung an den Reichstag gelangen — so hat Minister v. Miquel am Montag im preußischen Abgeordnetenhause mitgetheilt. Es geschah dies in einer Antwort auf einige Aus­führungen des konservativen Abgeordneten Frci- herrn v. Erffa, der darauf hinwies, daß der Zucker-Verbrauch bei uns in Deutschland durch solche künstliche Süßstoffe um 10—15 Millionen Mark jährlich geschädigt wird und daß die Er­zeugung dieser Stoffe mit einem Nutzen von 100 Prozent vor sich geht. Dagegen sollte man mit einer energischen Steuer vorgehen; außerdem sollte man den gewerblichen Zusatz von künstlichen Süß­stoffen verbieten und diese an die Apotheken ver­weisen. In feiner Antwort hob der Minister hervor, daß der vorbereitete Gesetzentwurf wahr- scheinlich noch weiter gehende Maßnahmen im Sinne des Freiherrn v. Erffa Vorschlägen werde.

X Die N-Ihkaße Y?? deutsche« L«Ad- findet neuerdings wieder ihre Be­stätigung durch die Ergebnisse besonderer Erhebun­gen über die wirthschaftliche Lage derselben, die in dem Zeiträume von 1898—1900 seitens des wirthschaftlichenAusschuffes im Auftrage des Reichs­amtes des Innern gemacht worden sind. Bei der Beantwortung der Fragebogen war der Landwirth- schaft die besondere Aufgabe gestellt worden, sie sollte offen barlegen, ob sie in den 5 Erntejahren nach Abschluß der Handelsverträge von 1893/94 bis 1897/98 noch rentabel gewesen sei und wie ihre Rentabilität in den 80er und 70er Jahren beschaffen war. Und zwar sollte diese Erhebung über die Rentabilität feststellen, ob der betreffende landwirthschaftliche Betrieb unterderVoraus- setzung, daß keine Schulden aus ihm lasten, noch rentabel sei, d. h. einen Überschuß der Einnahmen über die Ausgaben ober einen Reinertrag erziele, der eine genügende Verzin­sung des Verkehrswerthes der Güter darstelle. Von den versandten Fragebogen wurden zur Feststellung der Ergebnisse 1524 als brauchbar befunden, von denen 1170 ober 77 pCt. sich auf die Verhältnisse des bäuerlichen Besitze?, 354 ober 23 pCt. sich auf die des Groß­grundbesitzes bezogen. Nach den Ergebniffen der Erhebung betrug nun die durchschnittliche Verzinsung des Gesammtwerthes aller ermittel­ten Betriebe sowohl für Deutschland als für Preußen 2,1 pCt.; 182 Betriebe ober fast 12 pCt. aller Betriebe hatten überhaupt keine Verzinsung ihres Kapitalwerthes aufzuweisen. Bei der Bearbeitung der Fragebogen wurde auch bie Verzinsung deS Bodenkapitals, bie Grundrente ermittelt, indem angenommen würbe, daß das Gebäudekapital eine Verzinsung von mindestens 3 pCt., das Betriebskapital eine solche von mindestens 5 pCt. erfordere. Der pack Abzug dieser Verzinsung vom Reinertrag verbleibende Rest wurde als die Verzinsung des Bodenkapitals angesehen. Demnach betrug die durchschnittliche Grundrente aller ermittelten Betriebe 0,7 pCt. Bei 763 oder 50 pCt. aller

„Es wäre mir lieb . . .sehr heb . . . doch ..." die Erinnerung an seine Jugendliebe tauchte schattenhaft vor ihm auf, „überreden will ich Dich nicht.“

„Du weißt, wie er ist, wirst Dich erinnern, wie er neulich bei dem Feste auftrat.“

„Wenn einer bei besonderem Anlaß einmal ein Glas über den Durst trinkt, ist er darum noch lange kein verlorener Mann. Er hat fich bei mir entschuldigt, es that ihm auftichtig leid, sich bloßgestellt zu haben; ich habe ihn auch noch nie in ähnlicher Verfassung gesehen."

„Erinnere Dich, wie man ihn beurteilt — wie seine Schwester gegen mich gesinnt ist, die keine Gelegenheit vorbeigehen läßt, mir ihre Ab­neigung zu zeigen." .

„Die alte Schwester gegen fein junge8 Weib? Die Kreszenz schafft er aus dem Hause, sowie Du nur de» Wunsch andeutest. Was ihn selbst betrifft, steckt sehr viel Neid und Parteihaß hinter dem abfälligen llrtheil über feine Person. Mir ist er ein Freund, ein nütz­licher, gefälliger Freund.“

Helene verstand den Sinn der Worte: Mit ihrer Person sollte sie den Preis dieser Freund- schäft bezahlen. Sie nickte ein paar Mal mit dem Kopfe. „Vater", begann sie bann zögernd, „wäre es nicht die beste Hilfe für Dich, wenn Du Karl heimberiefest?"

Armbruster wurde purpurrot!?: „Soll ich ihn etwa bitten, sich meiner zu erbarmen?*

„Das wäre nicht nothwexdig. Ich weiß, er käme gern. Ein Wink und er ist da.“

„Und in seinem Gesicht würde ich den stillen Triumph lesen über den Beweis seinen Sner- setzlichkeit, den er erbracht hat, und über die